Ex-Spannungsprüfer auswählen: Spannungsprüfung in ATEX-Bereichen sicher durchführen

Spannungsprüfung im explosionsgefährdeten Bereich mit dem VARIOSAFE EXM 25 Ex Multimeter
→ Produktkategorie: Ex Spannungsprüfer

 

Elektrische Spannungen müssen auch in explosionsgefährdeten Bereichen geprüft werden – beispielsweise bei der Fehlersuche an Pumpen, Ventilen, Messumformern, Schaltschränken oder Ex-Klemmenkästen. Dabei besteht neben der elektrischen Gefährdung eine zusätzliche Gefahr: Das Prüfgerät selbst kann durch Funken, heiße Oberflächen oder ungeeignete Energiequellen zur Zündquelle werden.

Ein robuster Standard-Spannungsprüfer mit hoher Messkategorie ist deshalb nicht automatisch für eine Ex-Zone geeignet. Für Messungen innerhalb des explosionsgefährdeten Bereichs muss das vollständige Messsystem ausdrücklich dafür zugelassen sein. Dazu gehören nicht nur das Grundgerät, sondern auch Messleitungen, Prüfspitzen, Adapter, Batterien und gegebenenfalls Temperatur- oder Strommesszubehör.

Vor jeder Messung müssen Zone, Gas- beziehungsweise Staubgruppe, Gerätekategorie, Temperaturklasse, elektrische Messaufgabe und zulässiger Spannungsbereich geprüft werden. Erst danach lässt sich entscheiden, welches Ex-Messgerät eingesetzt werden darf und ob die Messung unter Spannung überhaupt notwendig und freigegeben ist.

Inhaltsverzeichnis

Warum benötigt die Spannungsprüfung im Ex-Bereich besondere Geräte?

Eine explosionsfähige Atmosphäre kann entstehen, wenn brennbare Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube mit Luft zusammentreffen. Reicht anschließend eine wirksame Zündquelle aus, kann es zu einer Explosion kommen.

Elektrische Prüfgeräte können unterschiedliche potenzielle Zündquellen enthalten. Dazu gehören Schaltfunken an Kontakten, Lichtbögen beim Aufsetzen der Prüfspitze, elektrostatische Aufladung des Gehäuses, unzulässig hohe Oberflächentemperaturen oder ein Kurzschluss innerhalb der Batterie.

Ex-Messgeräte sind konstruktiv so ausgelegt, dass diese Risiken innerhalb ihrer Zulassung beherrscht werden. Bei eigensicheren Geräten wird die verfügbare elektrische und thermische Energie begrenzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede beliebige Messung gefahrlos möglich ist. Die Zulassung gilt nur innerhalb der festgelegten Einsatz-, Spannungs- und Umgebungsgrenzen.

Auch die elektrische Anlage selbst muss für die Messung geeignet sein. Beim Kontaktieren einer Messstelle können Funken oder Lichtbögen entstehen, insbesondere wenn Prüfspitzen abrutschen, Kurzschlüsse verursachen oder unter Last getrennt werden. Eine Ex-Zulassung des Messgeräts ersetzt daher weder die Gefährdungsbeurteilung noch die betrieblichen Arbeits- und Freigabeverfahren.

ATEX-Zonen und Gerätekategorien richtig zuordnen

Explosionsgefährdete Bereiche werden danach eingeteilt, wie häufig und wie lange mit einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen ist. Für Gase, Dämpfe und Nebel werden die Zonen 0, 1 und 2 verwendet. Für brennbare Stäube gelten die Zonen 20, 21 und 22.

Bereich Auftreten der explosionsfähigen Atmosphäre Grundsätzlich erforderliche Gerätekategorie
Zone 0 Ständig, häufig oder über längere Zeit durch Gase, Dämpfe oder Nebel Kategorie 1G
Zone 1 Im Normalbetrieb gelegentlich durch Gase, Dämpfe oder Nebel Kategorie 1G oder 2G
Zone 2 Im Normalbetrieb normalerweise nicht oder nur kurzzeitig Kategorie 1G, 2G oder 3G
Zone 20 Ständig, häufig oder über längere Zeit durch brennbaren Staub Kategorie 1D
Zone 21 Im Normalbetrieb gelegentlich durch brennbaren Staub Kategorie 1D oder 2D
Zone 22 Im Normalbetrieb normalerweise nicht oder nur kurzzeitig Kategorie 1D, 2D oder 3D

Die Gerätekategorie allein genügt für die Auswahl noch nicht. Zusätzlich müssen Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse, Geräteschutzniveau, Zündschutzart, Umgebungstemperatur und gegebenenfalls besondere Bedingungen aus dem Zertifikat übereinstimmen.

Ein Gerät mit einer reinen Gaszulassung darf nicht automatisch in einer Staubzone eingesetzt werden. Ebenso ist ein Gerät der Kategorie 2G grundsätzlich nicht für Zone 0 vorgesehen. Maßgeblich sind immer die vollständige Kennzeichnung und das zugehörige Zertifikat.

Ex-Kennzeichnung des Prüfgeräts verstehen

Eine typische Kennzeichnung eines Ex-Messgeräts kann beispielsweise Bestandteile wie „II 2G Ex ib IIC T6 Gb“ enthalten. Jeder Teil beschreibt einen bestimmten Aspekt der Zulassung.

Bestandteil Grundsätzliche Bedeutung
II Gerätegruppe für Bereiche außerhalb des schlagwettergefährdeten Bergbaus
2G Gerätekategorie 2 für explosionsfähige Gasatmosphären
Ex Explosionsgeschützte Ausführung
ib Zündschutzart Eigensicherheit mit dem angegebenen Schutzniveau
IIC Gasgruppe, für die das Gerät geprüft wurde
T6 Temperaturklasse beziehungsweise Begrenzung der zulässigen Oberflächentemperatur
Gb Geräteschutzniveau für Gasatmosphären

Hinter der Kennzeichnung können weitere Angaben stehen, beispielsweise ein zulässiger Umgebungstemperaturbereich oder ein „X“. Ein „X“ weist auf besondere Bedingungen für die sichere Verwendung hin. Diese Bedingungen müssen vor dem Einsatz aus Zertifikat und Bedienungsanleitung entnommen werden.

Auch innerhalb eines Gerätemodells können unterschiedliche Varianten existieren. Batterieausführung, Zubehör, Messspitzen oder maximale Spannung können die Zulassung beeinflussen. Die Modellbezeichnung allein reicht deshalb nicht für die Freigabe aus.

ATEX-Zulassung und Messkategorie unterscheiden

ATEX-Zulassung und elektrische Messkategorie behandeln unterschiedliche Gefährdungen. Die Ex-Kennzeichnung beschreibt, ob das Gerät in einer bestimmten explosionsfähigen Atmosphäre eingesetzt werden darf. Die Messkategorie beschreibt dagegen die Beanspruchung durch transiente Überspannungen innerhalb elektrischer Niederspannungsanlagen.

Ein Spannungsprüfer mit CAT IV 600 V kann für Messungen an der Einspeisung einer Anlage ausgelegt sein, ohne irgendeine Ex-Zulassung zu besitzen. Umgekehrt muss bei einem Ex-Messgerät zusätzlich geprüft werden, für welche elektrische Messkategorie und welche maximale Betriebsspannung das Gerät einschließlich Messzubehör vorgesehen ist.

Für den Einsatz müssen daher beide Anforderungen erfüllt sein:

  • passende Ex-Zulassung für Zone, Stoffgruppe und Temperaturklasse,
  • passende Messkategorie und Nennspannung für den elektrischen Messpunkt.

Eine hohe CAT-Angabe ersetzt keine ATEX-Zulassung. Eine ATEX-Zulassung erlaubt umgekehrt keine Messung oberhalb der angegebenen Spannung oder Messkategorie.

Welche elektrische Prüfung soll durchgeführt werden?

Vor der Geräteauswahl muss die Messaufgabe eindeutig feststehen. Der Begriff „Spannungsprüfung“ kann unterschiedliche Tätigkeiten beschreiben:

  • Feststellen, ob grundsätzlich Spannung anliegt,
  • exakte Messung einer AC- oder DC-Spannung,
  • Fehlersuche in einem 24-V-Steuerstromkreis,
  • Prüfung eines eigensicheren Messkreises,
  • Messung an einem nicht eigensicheren Netzstromkreis,
  • Feststellen der Spannungsfreiheit vor Arbeiten,
  • Durchgangs- oder Widerstandsprüfung an einer freigeschalteten Leitung.

Ein eigensicheres Multimeter kann für quantitative Spannungsmessungen und Fehlersuche geeignet sein. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass es für jede betriebliche Prüfung oder zum formalen Feststellen der Spannungsfreiheit zugelassen ist.

Weiterhin ist zu unterscheiden, ob an einem eigensicheren Signalstromkreis oder an einem leistungsstarken Netzstromkreis gemessen wird. Das Messgerät muss für beide Aspekte geeignet sein: für die Ex-Zone und für die elektrische Energie des Messkreises.

Spannung messen oder Spannungsfreiheit feststellen?

Bei einer Fehlersuche soll häufig ein genauer Spannungswert ermittelt werden. Dafür ist ein geeignetes Ex-Multimeter sinnvoll. Beim Feststellen der Spannungsfreiheit steht dagegen die sichere Aussage im Vordergrund, ob der betreffende Anlagenteil spannungsfrei ist.

Nicht jedes Multimeter ist automatisch ein Spannungsprüfer für das betriebliche Feststellen der Spannungsfreiheit. Umgekehrt besitzt ein zweipoliger Spannungsprüfer häufig keine Ex-Zulassung. Das verwendete Gerät und das Prüfverfahren müssen deshalb zur konkreten betrieblichen Aufgabe passen.

Vor Arbeiten an elektrischen Anlagenteilen sollte nach Möglichkeit außerhalb des explosionsgefährdeten Bereichs freigeschaltet werden. Anschließend ist nach dem festgelegten elektrotechnischen Verfahren die Spannungsfreiheit festzustellen. Muss die Prüfung innerhalb einer Ex-Zone erfolgen, sind zusätzlich das Explosionsschutzdokument und die betrieblichen Freigaberegeln einzuhalten.

Ein einpoliger Phasenprüfer oder eine berührungslose Spannungsanzeige ist für einen belastbaren Nachweis der Spannungsfreiheit nicht ausreichend. Solche Funktionen können höchstens ergänzende Hinweise liefern.

Messleitungen, Prüfspitzen und Zubehör

Die Ex-Zulassung bezieht sich auf eine definierte Gerätekonfiguration. Eine beliebige Standardmessleitung darf deshalb nicht ohne Prüfung an ein Ex-Messgerät angeschlossen werden.

Vor dem Einsatz müssen insbesondere kontrolliert werden:

  • Freigabe der Messleitungen und Prüfspitzen für das konkrete Gerät,
  • zulässige Spannung und Messkategorie des Zubehörs,
  • Ex-Zulassung beziehungsweise Einbeziehung in das Zertifikat,
  • unbeschädigte Isolation und Berührungsschutz,
  • korrekte Steckverbindung und Verriegelung,
  • ausreichend kurze freiliegende Metallspitzen,
  • Eignung für Feuchtigkeit, Verschmutzung und Umgebungstemperatur.

Adapter, Krokodilklemmen und Strommesszubehör können die zulässige Messkategorie oder den Ex-Einsatzbereich verändern. Es gilt stets die niedrigste zulässige Spannung beziehungsweise Schutzstufe innerhalb der vollständigen Messanordnung.

Beschädigte Leitungen dürfen nicht provisorisch repariert oder mit Isolierband weiterverwendet werden. Das Gerät ist aus dem Betrieb zu nehmen und entsprechend dem vorgesehenen Prüf- oder Reparaturverfahren kontrollieren zu lassen.

Batterien und Energieversorgung im Ex-Bereich

Die Batterie ist ein sicherheitsrelevanter Bestandteil eines eigensicheren Prüfgeräts. Zelltyp, interne Sicherung, Strombegrenzung und mechanischer Aufbau können Bestandteil der Ex-Zulassung sein.

Es dürfen daher ausschließlich die vom Hersteller freigegebenen Batterien, Akkus oder Energieblöcke eingesetzt werden. Eine Batterie mit gleichen Abmessungen und gleicher Nennspannung ist nicht automatisch zulässig.

Batteriewechsel, Laden und Öffnen des Batteriefachs dürfen nur entsprechend der Bedienungsanleitung erfolgen. Wenn diese Arbeiten innerhalb der Ex-Zone nicht ausdrücklich erlaubt sind, müssen sie außerhalb des explosionsgefährdeten Bereichs vorgenommen werden.

Vor dem Betreten des Bereichs sollte der Lade- oder Batteriezustand geprüft werden. Ein Batteriewechsel während der Messung ist weder organisatorisch noch sicherheitstechnisch eine geeignete Lösung.

Sicherer Prüfablauf Schritt für Schritt

Messungen an spannungsführenden Anlagen in Ex-Bereichen dürfen nur von entsprechend qualifizierten Personen im Rahmen eines freigegebenen Arbeitsverfahrens durchgeführt werden. Wenn eine Freischaltung möglich ist, besitzt sie grundsätzlich Vorrang vor einer Messung unter Spannung.

  1. Messaufgabe klären: Festlegen, ob eine quantitative Spannungsmessung, Fehlersuche oder Prüfung der Spannungsfreiheit erforderlich ist.
  2. Arbeitsbereich prüfen: Zone, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse und aktuelle Betriebsbedingungen anhand des Explosionsschutzdokuments feststellen.
  3. Messkreis bewerten: Erwartete Spannung, AC/DC, Messkategorie, mögliche Kurzschlussleistung und Eigensicherheit des Stromkreises klären.
  4. Gerätekennzeichnung vergleichen: Prüfen, ob Ex-Kennzeichnung, Spannungsgrenze, Messkategorie und Umgebungstemperatur zur Aufgabe passen.
  5. Zubehör kontrollieren: Nur zugelassene Messleitungen, Prüfspitzen und Energiequellen verwenden.
  6. Sicht- und Funktionsprüfung durchführen: Gehäuse, Display, Leitungen, Isolation, Steckverbindungen und Geräteselbsttest kontrollieren.
  7. Gerät an einer bekannten Quelle prüfen: Soweit das vorgesehene Prüfverfahren dies verlangt, Funktion vor der eigentlichen Messung bestätigen.
  8. Messstelle sicher kontaktieren: Kurzschlüsse, Abrutschen und unbeabsichtigtes Berühren benachbarter Teile vermeiden.
  9. Messwert und Status bewerten: Nicht nur den Zahlenwert, sondern auch Warnanzeigen, Messbereich und Gerätestatus beachten.
  10. Nachprüfung durchführen: Nach der Messung erneut kontrollieren, dass das Prüfgerät weiterhin ordnungsgemäß funktioniert.
  11. Ergebnis dokumentieren: Messstelle, Gerät, Zubehör, Ex-Kennzeichnung, Messwert und besondere Randbedingungen festhalten.

Eine Gasfreimessung oder Arbeitsfreigabe kann zusätzliche Sicherheit schaffen, hebt aber nicht automatisch sämtliche Ex-Anforderungen auf. Entscheidend ist das betriebliche Freigabeverfahren und die Festlegung, ob der Bereich für die Dauer der Arbeiten tatsächlich als nicht explosionsgefährdet behandelt werden darf.

Durchgangs- und Widerstandsprüfung

Bei einer Durchgangs- oder Widerstandsmessung speist das Prüfgerät selbst eine geringe elektrische Energie in den Stromkreis ein. In einer Ex-Zone darf dies nur mit einem dafür zugelassenen Messgerät und innerhalb der festgelegten Parameter erfolgen.

Der zu prüfende Stromkreis muss grundsätzlich spannungsfrei sein. Kondensatoren, lange Leitungen und angeschlossene elektronische Geräte können dennoch Restenergie enthalten. Vor der Widerstandsprüfung sind deshalb der Anlagenzustand und mögliche Energiespeicher zu berücksichtigen.

Auch hier gilt: Die Ex-Zulassung eines Multimeters bedeutet nicht automatisch, dass jede Messfunktion unter allen Bedingungen eingesetzt werden darf. Für Spannung, Strom, Widerstand, Frequenz oder Temperatur können unterschiedliche Messleitungen und Einsatzgrenzen gelten.

Für spezielle Aufgaben wie Niederohmmessung von Potenzialausgleichsleitern oder Isolationsmessung in Ex-Zonen sollten dafür vorgesehene Ex-Prüfgeräte verwendet werden. Ein Standardmultimeter ersetzt diese Prüfverfahren nicht.

Typische Fehler und Fehlinterpretationen

Ein CAT-IV-Spannungsprüfer wird automatisch als Ex-geeignet betrachtet

Die Messkategorie beschreibt die elektrische Überspannungsbeanspruchung. Ohne ausdrückliche Ex-Kennzeichnung darf das Gerät nicht allein aufgrund seiner CAT-Angabe in einer Ex-Zone eingesetzt werden.

Nur das Grundgerät wird geprüft

Nicht freigegebene Messleitungen, Adapter oder Batterien können die Ex-Zulassung der vollständigen Messanordnung infrage stellen.

Eine Zulassung für Zone 1 wird auf Zone 0 übertragen

Ein Gerät der Kategorie 2G ist grundsätzlich für Zone 1 und 2 vorgesehen, nicht automatisch für Zone 0.

Gaszulassung wird mit Staubzulassung gleichgesetzt

Ein mit „G“ gekennzeichnetes Gerät besitzt nicht automatisch eine Zulassung für Staubzonen. Dafür ist eine entsprechende „D“-Kennzeichnung erforderlich.

Das Ex-Multimeter wird pauschal als Spannungsprüfer verwendet

Quantitative Spannungsmessung und formales Feststellen der Spannungsfreiheit sind unterschiedliche Prüfaufgaben. Das Gerät muss für das jeweilige Verfahren vorgesehen sein.

Batterien werden durch ähnliche Standardtypen ersetzt

Bei eigensicheren Geräten kann die Energiequelle Bestandteil der Zulassung sein. Es dürfen ausschließlich freigegebene Batterie- oder Akkutypen eingesetzt werden.

Die aktuelle Prozesssituation wird ignoriert

Eine normalerweise als Zone 2 eingestufte Stelle kann während einer Störung, Öffnung oder Wartung anders zu bewerten sein. Maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsfreigabe.

Praxisbeispiel: Spannungsprüfung in einem Tanklager

In einem Tanklager fällt ein eigensicher gespeister Füllstandmessumformer aus. Die Messstelle befindet sich in einer als Zone 1 klassifizierten Gasatmosphäre. Laut Explosionsschutzdokument ist die Gasgruppe IIC zu berücksichtigen.

Der Techniker soll prüfen, ob die 24-V-DC-Versorgung am Ex-Klemmenkasten ankommt. Eine Messung außerhalb des Bereichs hat bereits bestätigt, dass das Netzteil im Schaltschrank arbeitet. Für die Prüfung vor Ort wird ein Ex-Multimeter gewählt, dessen Kennzeichnung für Zone 1, die erforderliche Gasgruppe und den vorliegenden Spannungsbereich geeignet ist.

Vor dem Betreten des Bereichs werden Gerät, zugelassene DATA-HOLD-Prüfspitzen, Leitungen und Energieblock kontrolliert. Die Funktion wird an einer bekannten Spannungsquelle geprüft. Anschließend erfolgt die Messung am freigegebenen Klemmenkasten entsprechend dem betrieblichen Arbeitsverfahren.

An den Eingangsklemmen werden 24,2 V DC gemessen. Direkt am Abgang zum Messumformer liegt dagegen keine Spannung an. Nach dem Freischalten wird eine lose Klemme festgestellt. Die Verbindung wird instand gesetzt und die Anlage erneut geprüft.

Das Beispiel zeigt, dass die Ex-Zulassung nur ein Teil des sicheren Prüfablaufs ist. Ebenso wichtig sind die richtige Messaufgabe, ein geeigneter elektrischer Spannungsbereich, zugelassenes Zubehör, die Arbeitsfreigabe und die Funktionskontrolle des Prüfgeräts.

Ex-Prüfgerät richtig auswählen

Für die Geräteauswahl werden mindestens folgende Angaben benötigt:

  • Gas- oder Staub-Ex-Bereich,
  • Zone und erforderliche Gerätekategorie beziehungsweise EPL,
  • Gas- oder Staubgruppe,
  • Temperaturklasse und Umgebungstemperatur,
  • eigensicherer oder nicht eigensicherer Messkreis,
  • maximale AC- und DC-Spannung,
  • erforderliche Messkategorie,
  • quantitative Messung oder Feststellen der Spannungsfreiheit,
  • zusätzliche Funktionen wie Strom, Widerstand, Frequenz oder Temperatur,
  • benötigte Prüfspitzen, Adapter und Messleitungen,
  • Anforderungen an Schutzart, Anzeige und Dokumentation.

Die Auswahl darf nicht nur nach dem größten Messbereich erfolgen. Ein Gerät mit sehr hoher maximaler Spannung kann ungeeignet sein, wenn seine Ex-Kennzeichnung nicht zur Zone passt. Umgekehrt darf ein für Zone 0 zugelassenes Messgerät nicht oberhalb seiner elektrischen Spannungs- oder Messkategoriegrenzen eingesetzt werden.

Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?

Ex-Mess- und Prüfgeräte

Die Kategorie Ex-Mess- und Prüfgeräte umfasst eigensichere Geräte für Spannungs-, Widerstands-, Erdungs- und Isolationsprüfungen in explosionsgefährdeten Bereichen.

Die Geräte besitzen unterschiedliche Ex-Kennzeichnungen und Messfunktionen. Vor der Auswahl muss deshalb geprüft werden, ob die jeweilige Ausführung für Gas, Staub, Bergbau, Zone, Stoffgruppe und Messkreis geeignet ist.

VARIOSAFE EXM 25

Das VARIOSAFE EXM 25 ist ein eigensicheres Multimeter für elektrische Messungen in explosionsgefährdeten Bereichen der chemischen Industrie und im Bergbau.

Für Ex-II-Anwendungen ist es für Spannungsmessungen bis 690 V vorgesehen. Es ermöglicht abhängig von Ausstattung und zugelassenem Zubehör Messungen von Spannung, Widerstand, Strom, Frequenz und Temperatur. Das antistatische Gehäuse, spezielle Energieblöcke und geschützte Prüfspitzen sind Bestandteil des Gerätekonzepts.

Mit der Kennzeichnung der Kategorie 2G eignet sich das Gerät für entsprechend klassifizierte Gasbereiche der Zonen 1 und 2. Die konkrete Gasgruppe, Temperaturklasse und zulässige Messkonfiguration müssen vor jeder Anwendung geprüft werden.

MTX 3297Ex

Das MTX 3297Ex ist ein eigensicheres TRMS-Multimeter für anspruchsvolle elektrische Wartungs- und Diagnoseaufgaben.

Je nach vollständiger Kennzeichnung ist es für Gaszonen 0, 1 und 2, Staubzonen 20, 21 und 22 sowie Bergbauanwendungen ausgelegt. Es eignet sich damit besonders für Anwender, die sowohl in Gas- als auch in Staub-Ex-Bereichen arbeiten und neben der Spannung weitere elektrische Größen präzise erfassen müssen.

Auch bei diesem Gerät gelten innerhalb und außerhalb des Ex-Bereichs unterschiedliche Einsatz- und Spannungsgrenzen. Messleitungen, Eingangsbuchsen und Messfunktion müssen zur konkreten Aufgabe passen.

Konventionelle zweipolige Spannungsprüfer

Die Kategorie Spannungsprüfer / Zähleranlaufprüfer umfasst robuste zweipolige Spannungsprüfer für allgemeine elektrische Anlagen.

Diese Geräte können für das Feststellen von Spannungen, Drehfeldprüfung, Durchgangsprüfung oder Lastzuschaltung geeignet sein. Ohne eine ausdrückliche Ex-Zulassung dürfen sie jedoch nicht allein aufgrund ihrer VDE-Prüfung, Schutzart oder Messkategorie innerhalb einer explosionsgefährdeten Zone eingesetzt werden.

Fazit: CAT-Sicherheit allein reicht im Ex-Bereich nicht aus

Für Spannungsprüfungen in explosionsgefährdeten Bereichen muss das Prüfgerät sowohl zur elektrischen Anlage als auch zur Ex-Zone passen. ATEX-Kennzeichnung, Gerätekategorie, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse, Messkategorie und maximale Spannung sind gemeinsam zu bewerten.

Ein konventioneller zweipoliger Spannungsprüfer ist nicht automatisch Ex-geeignet. Für quantitative Messungen und Fehlersuche werden eigensichere Multimeter wie das VARIOSAFE EXM 25 oder das MTX 3297Ex eingesetzt, sofern ihre konkrete Zulassung zur Messstelle passt.

Das vollständige Messsystem ist entscheidend. Nicht freigegebene Messleitungen, Prüfspitzen, Adapter oder Batterien können den sicheren Einsatz verhindern. Auch Öffnen, Laden und Batteriewechsel dürfen nur entsprechend der Bedienungsanleitung erfolgen.

Die Ex-Zulassung ersetzt keine Freischaltung, Gefährdungsbeurteilung oder Arbeitsfreigabe. Eine Messung unter Spannung sollte nur erfolgen, wenn sie technisch erforderlich ist und das betriebliche Verfahren sie zulässt.

Häufige Fragen zu Spannungsprüfern in Ex-Bereichen

Darf ein normaler zweipoliger Spannungsprüfer in Zone 1 verwendet werden?

Nur wenn das konkrete Gerät ausdrücklich für diese Ex-Zone zugelassen ist. Eine hohe Messkategorie, VDE-Prüfung oder robuste Bauform genügt dafür nicht.

Ist ein CAT-IV-Multimeter automatisch ATEX-zugelassen?

Nein. CAT IV beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegenüber elektrischen Überspannungen. Die Eignung für explosionsgefährdete Bereiche muss durch eine separate Ex-Kennzeichnung und Zertifizierung nachgewiesen werden.

Kann ein Gerät mit Kennzeichnung II 2G in Zone 0 eingesetzt werden?

Grundsätzlich nicht. Kategorie 2G ist für Gaszonen 1 und 2 vorgesehen. Für Zone 0 ist normalerweise ein Gerät der Kategorie 1G beziehungsweise mit entsprechendem Geräteschutzniveau erforderlich.

Darf ein Gas-Ex-Messgerät auch in einer Staubzone verwendet werden?

Nicht automatisch. Für Staubzonen ist eine entsprechende Staubzulassung mit „D“-Kennzeichnung erforderlich. Die vollständige Gerätekennzeichnung ist maßgeblich.

Dürfen beliebige Messleitungen an einem Ex-Multimeter verwendet werden?

Nein. Messleitungen und Prüfspitzen müssen für das konkrete Gerät, die Spannung, die Messkategorie und den Ex-Einsatz freigegeben sein. Das Zubehör kann Bestandteil der Zertifizierung sein.

Darf die Batterie innerhalb der Ex-Zone gewechselt werden?

Nur wenn dies in der Bedienungsanleitung und Zulassung ausdrücklich vorgesehen ist. Andernfalls müssen Batteriewechsel, Laden und Öffnen des Geräts außerhalb des explosionsgefährdeten Bereichs erfolgen.

Ist ein Ex-Multimeter automatisch zum Feststellen der Spannungsfreiheit geeignet?

Nicht zwangsläufig. Quantitative Spannungsmessung und das formale Feststellen der Spannungsfreiheit sind unterschiedliche Aufgaben. Das verwendete Gerät muss für das betriebliche Prüfverfahren vorgesehen und freigegeben sein.

Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Geräteauswahl?

Benötigt werden Zone, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse, vollständige Ex-Anforderung, erwartete AC- und DC-Spannung, Messkategorie, Art des Stromkreises, benötigte Messfunktionen, Umgebungstemperatur sowie Angaben zu Prüfspitzen, Zubehör und dem vorgesehenen Arbeitsverfahren.

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