Kolbenmanometer richtig betreiben: Kolbenrotation, Sauberkeit und Temperaturfehler vermeiden

Kolbenmanometer mit Digitalmanometer zur präzisen Druckkalibrierung
→ Produktkategorie: Kolbenmanometer / Druckwaagen / Vergleichspumpen

 

Kolbenmanometer – auch Druckwaagen oder Deadweight Tester genannt – gehören zu den genauesten Referenzen für die Druckkalibrierung. Der Referenzdruck wird nicht mit einem elektronischen Drucksensor gemessen, sondern aus der Gewichtskraft definierter Massen und der wirksamen Fläche eines präzisen Kolben-Zylinder-Systems abgeleitet.

Das mechanische Grundprinzip ist einfach. In der praktischen Anwendung können jedoch bereits kleine Bedienfehler das Ergebnis beeinflussen. Ein nicht frei rotierender Kolben, verschmutztes Öl, eingeschlossene Luft, eine falsche Schwimmhöhe oder nicht berücksichtigte Temperatur- und Gravitationswerte verschlechtern die Wiederholbarkeit und erhöhen die Messunsicherheit.

Für zuverlässige Ergebnisse müssen Gerät, Kolben-Zylinder-System, Massensatz, Druckmedium, Prüfling und Umgebungsbedingungen als vollständiger Kalibrieraufbau betrachtet werden. Entscheidend ist nicht nur, welche Gewichte aufgelegt werden, sondern ob sich der Kolben unter stabilen Bedingungen frei und reproduzierbar bewegt.

Geeignete Systeme finden Sie in der Kategorie Kolbenmanometer, Druckwaagen und Vergleichspumpen. Weitere Druckreferenzen, Pumpen, Controller, Adapter und Kalibriersoftware sind im Bereich Druckkalibriertechnik zusammengefasst.

Wie erzeugt ein Kolbenmanometer den Referenzdruck?

Das Kolben-Zylinder-System enthält einen präzise gefertigten Kolben, der sich innerhalb eines passenden Zylinders bewegt. Auf den Kolben beziehungsweise den Massenträger werden kalibrierte Massen aufgelegt. Aus der wirkenden Kraft und der effektiven Kolbenfläche ergibt sich der Druck.

Vereinfacht gilt:

p = F / A = m × g / A

Dabei bedeuten:

  • p: erzeugter Referenzdruck,
  • m: wirksame Gesamtmasse einschließlich Kolben und Massenträger,
  • g: lokale Fallbeschleunigung,
  • A: wirksame Fläche des Kolben-Zylinder-Systems.

Für hochgenaue Kalibrierungen reicht diese vereinfachte Formel nicht aus. Abhängig von Gerät und Unsicherheitsanforderung werden zusätzlich Luftauftrieb, Temperatur, druckabhängige Verformung, Mediendichte und Höhenunterschiede berücksichtigt.

Der vorgesehene Druck ist erreicht, wenn der Kolben im definierten Arbeitsbereich frei schwebt und sich mit geringer Reibung dreht. Liegt der Kolben am unteren oder oberen Anschlag an, ist kein gültiger Gleichgewichtszustand vorhanden.

Aufstellung, Ausrichtung und Umgebung vorbereiten

Ein Kolbenmanometer sollte auf einer stabilen, waagerechten und vibrationsarmen Arbeitsfläche stehen. Bereits eine deutliche Schrägstellung erzeugt Seitenkräfte zwischen Kolben und Zylinder und kann die freie Bewegung beeinträchtigen.

Vor Beginn sind folgende Punkte zu prüfen:

  • Gerät mit der integrierten oder externen Wasserwaage ausrichten,
  • stabile Labor- oder Werkbank verwenden,
  • Vibrationen durch Pumpen, Maschinen und Türen vermeiden,
  • direkte Sonneneinstrahlung und Heizquellen vermeiden,
  • ausreichende thermische Stabilisierung abwarten,
  • bei pneumatischen Niederdrucksystemen starke Luftzüge vermeiden,
  • Prüfling spannungsfrei und sicher befestigen.

Wurde das Gerät aus einem kalten Lager in ein warmes Labor gebracht, sollte nicht sofort mit einer Präzisionskalibrierung begonnen werden. Kolben-Zylinder-System, Massen, Druckmedium und Prüfling benötigen Zeit, um sich an die Umgebungstemperatur anzugleichen.

Warum ist Sauberkeit so wichtig?

Zwischen Kolben und Zylinder besteht nur ein sehr kleiner, definierter Spalt. Staub, Metallpartikel, Fasern oder verunreinigtes Druckmedium können die Reibung erhöhen, die Rotation abbremsen und die freie Bewegung des Kolbens verhindern.

Besonders kritisch sind Verunreinigungen, die aus einem Prüfling in die Druckwaage zurückgelangen. Ein zuvor mit Prozessöl, Wasser oder aggressiven Medien betriebenes Messgerät darf nicht ohne geeignete Trennung an ein sauberes Referenzsystem angeschlossen werden.

Für einen sauberen Betrieb gelten folgende Regeln:

  • nur das vom Hersteller freigegebene Druckmedium verwenden,
  • Anschlüsse vor der Montage reinigen,
  • offene Anschlüsse sofort mit Schutzkappen verschließen,
  • Massensätze nur mit sauberen Händen oder geeigneten Handschuhen anfassen,
  • Kolben und Zylinder nicht mit Fingern berühren,
  • fusselfreie Reinigungsmaterialien verwenden,
  • verschmutzte Prüflinge über einen Medienabscheider oder eine geeignete Trennung anschließen.

Ein Kolben-Zylinder-System darf nicht eigenmächtig geschliffen, poliert oder geläppt werden. Bei Kratzern, Korrosion oder schwergängiger Bewegung ist eine fachgerechte Prüfung beziehungsweise Instandsetzung erforderlich.

Hydraulisches System vollständig entlüften

Eingeschlossene Luft ist eine häufige Ursache für langsame Stabilisierung und unruhige Prüfpunkte. Während Hydrauliköl nur wenig kompressibel ist, lässt sich eine Luftblase deutlich zusammendrücken. Der Volumenregler bewegt sich dann, ohne dass der Druck unmittelbar und reproduzierbar folgt.

Hinweise auf eingeschlossene Luft sind:

  • ungewöhnlich großer Weg am Volumenregler,
  • verzögerter Druckaufbau,
  • federndes Verhalten beim Feinregeln,
  • sprunghafte Änderung der Schwimmhöhe,
  • lange Stabilisierungszeit nach einer Druckänderung.

Zum Entlüften wird das System entsprechend der Bedienungsanleitung mit Medium gefüllt. Leitungen und Prüfling sollten so angeordnet sein, dass Luft zu einer vorgesehenen Entlüftungsstelle aufsteigen kann. Alle Ventile werden in der vorgeschriebenen Reihenfolge betätigt, bis keine Luftblasen mehr austreten.

Besonders bei Prüflingen mit großen Innenvolumina oder ungünstig liegenden Druckkanälen kann die Entlüftung mehrfach erforderlich sein.

Massensätze richtig auswählen und auflegen

Die Massen gehören zu einem bestimmten Kolben-Zylinder-System und häufig zu einer bestimmten Seriennummer oder Kalibrierkonfiguration. Massensätze verschiedener Geräte dürfen nicht ohne metrologische Bewertung gemischt werden.

Vor dem Auflegen ist zu prüfen:

  • richtige Druckeinheit und richtiger Kolbenbereich,
  • Berücksichtigung von Kolben und Massenträger,
  • richtige Reihenfolge und Kombination der Massen,
  • Übereinstimmung mit Kalibrierschein oder Berechnungssoftware,
  • keine Verschmutzung, Korrosion oder mechanische Beschädigung,
  • ausreichende Tragfähigkeit für den vorgesehenen Druck.

Die Massen werden vorsichtig, zentrisch und ohne Stoßbelastung aufgelegt. Schräg sitzende oder verkantete Gewichte können Seitenkräfte erzeugen. Während der Kolben frei schwebt, dürfen die Gewichte nicht ruckartig aufgesetzt oder entfernt werden.

Vor dem vollständigen Entfernen des Massensatzes wird das System kontrolliert drucklos gemacht.

Kolbenrotation richtig einstellen

Die Rotation reduziert den Einfluss der Haftreibung zwischen Kolben und Zylinder. Der Kolben wird entsprechend der Geräteanleitung leicht in Drehung versetzt. Eine gleichmäßige, freie Rotation ist ein wichtiger Hinweis auf einen sauberen und korrekt ausgerichteten Aufbau.

Die Rotation sollte moderat sein. Ein möglichst schnelles Drehen verbessert die Messung nicht automatisch. Zu hohe Drehzahlen können das Druckmedium unnötig bewegen, die Stabilisierung verlängern oder den Massensatz unruhig werden lassen.

Wenn der Kolben nach wenigen Sekunden abrupt stehen bleibt, kommen unter anderem folgende Ursachen infrage:

  • Kolbenmanometer nicht waagerecht ausgerichtet,
  • verschmutztes Kolben-Zylinder-System,
  • ungeeignetes oder zu viskoses Druckmedium,
  • zu niedrige Temperatur,
  • seitliche Belastung durch schief aufgelegte Massen,
  • mechanische Beschädigung des Kolbens oder Zylinders.

Der Kolben darf nicht mit einer Zange oder einem ungeeigneten Werkzeug gedreht werden. Die dafür vorgesehene Drehvorrichtung oder der Massenträger ist zu verwenden.

Schwimmhöhe und Stabilisierung beurteilen

Der Kolben besitzt einen definierten Hubbereich. Für die Messung wird er mit dem Volumenregler beziehungsweise der Druckerzeugung in die vorgesehene Schwimm- oder Arbeitsposition gebracht.

In der Regel wird eine Position im mittleren Bereich angestrebt. Die genaue Markierung und zulässige Höhe sind jedoch gerätespezifisch.

Ein Messwert sollte erst erfasst werden, wenn:

  • der Kolben frei schwebt,
  • kein Anschlag berührt wird,
  • die Rotation gleichmäßig ist,
  • die Schwimmhöhe nur langsam und reproduzierbar verändert wird,
  • Prüfling und Referenz thermisch stabil sind,
  • keine Nachregelung mehr unmittelbar erforderlich ist.

Das langsame Absinken eines Kolbens kann konstruktionsbedingt normal sein. Über den definierten Spalt zwischen Kolben und Zylinder fließt eine sehr kleine Medienmenge. Entscheidend ist, ob die Sinkgeschwindigkeit innerhalb der Herstellerangaben liegt und sich reproduzierbar verhält.

Gravitation, Luftauftrieb und Temperatur korrigieren

Lokale Fallbeschleunigung

Die Gewichtskraft hängt von der örtlichen Fallbeschleunigung ab. Diese unterscheidet sich abhängig von geografischer Lage und Höhe vom Standardwert. Wurde der Massensatz bereits für den Einsatzort justiert, darf nicht zusätzlich nochmals dieselbe Korrektur angewendet werden.

Maßgeblich sind deshalb die Angaben im Kalibrierschein:

  • Bezugswert der Fallbeschleunigung,
  • tatsächlicher Einsatzort,
  • Korrekturfaktor oder korrigierte Massenwerte,
  • zugehörige Messunsicherheit.

Luftauftrieb

Die in Luft aufgelegten Massen erfahren eine geringe Auftriebskraft. Für niedrige Unsicherheiten wird die wirksame Masse anhand von Luftdichte und Massendichte korrigiert. Die Luftdichte hängt unter anderem von Luftdruck, Temperatur und Feuchte ab.

Ob eine separate Auftriebskorrektur erforderlich ist, hängt von Genauigkeitsklasse, Kalibrierschein und Auswertemethode ab. Viele Berechnungsprogramme übernehmen diese Korrektur automatisch.

Temperatur des Kolben-Zylinder-Systems

Mit der Temperatur verändern sich die Abmessungen und damit die wirksame Kolbenfläche. Die gemessene Temperatur wird auf die im Kalibrierschein angegebene Referenztemperatur bezogen.

Zusätzlich beeinflusst die Temperatur die Viskosität des hydraulischen Mediums. Kaltes Öl kann zu langsamer Rotation und längerer Stabilisierung führen. Stark erwärmtes Medium kann dagegen dünnflüssiger werden und die Sinkgeschwindigkeit erhöhen.

Höhenunterschied zum Prüfling berücksichtigen

Liegt die Messmembran des Prüflings nicht auf derselben Höhe wie die Referenzebene des Kolbenmanometers, entsteht durch die Flüssigkeitssäule ein zusätzlicher hydrostatischer Druck.

Vereinfacht gilt:

Δp = ρ × g × Δh

Dabei sind:

  • ρ: Dichte des Druckmediums,
  • g: lokale Fallbeschleunigung,
  • Δh: Höhenunterschied der beiden Referenzebenen.

Bei hydraulischen Systemen kann bereits ein moderater Höhenunterschied für präzise Kalibrierungen relevant sein. Deshalb sollten Bezugshöhe des Kolbens und Messmembran beziehungsweise Druckanschluss des Prüflings dokumentiert werden.

Normales Absinken oder Leckage?

Ein langsam sinkender Kolben bedeutet nicht automatisch, dass der äußere Prüfaufbau undicht ist. Eine geringe innere Leckströmung im Kolben-Zylinder-Spalt ist Teil des Funktionsprinzips.

Auf eine zusätzliche Leckage oder Störung können jedoch hinweisen:

  • deutlich höhere Sinkgeschwindigkeit als üblich,
  • Kolben kann nicht in der Schwimmposition gehalten werden,
  • ständige starke Nachregelung erforderlich,
  • sichtbarer Medienaustritt an Verschraubungen,
  • Luftblasen oder schaumiges Öl,
  • unterschiedliches Verhalten bei wiederholten Prüfpunkten.

Zur Eingrenzung kann der Prüfling durch einen geeigneten Blindstopfen ersetzt werden. Bleibt das Verhalten unverändert, liegt die Ursache wahrscheinlich im Referenzaufbau. Verbessert sich die Stabilität deutlich, sind Prüfling, Adapter oder dessen Anschluss zu untersuchen.

Wann muss das Druckmedium gewechselt werden?

Das Wechselintervall richtet sich nicht allein nach einem festen Kalenderzeitraum. Entscheidend sind Nutzung, angeschlossene Prüflinge, Umgebung und Zustand des Mediums.

Ein Wechsel beziehungsweise eine Prüfung ist sinnvoll, wenn:

  • das Öl sichtbar dunkel oder trüb ist,
  • Partikel oder Ablagerungen erkennbar sind,
  • Wasser oder ein fremdes Medium eingetragen wurde,
  • das Kolben-Zylinder-System ungewöhnlich schwergängig wird,
  • die Viskosität deutlich verändert erscheint,
  • ein verschmutzter oder mediengefüllter Prüfling angeschlossen war,
  • der Hersteller den Wechsel im Wartungsplan vorsieht.

Beim Wechsel darf nur das freigegebene Medium verwendet werden. Das Vermischen unterschiedlicher Öle kann Viskosität, Materialverträglichkeit und metrologisches Verhalten verändern.

Empfohlener Bedienablauf

  1. Kolbenmanometer auf einer stabilen Arbeitsfläche aufstellen und nivellieren.
  2. Gerät, Massensatz und Kolben-Zylinder-System auf Sauberkeit prüfen.
  3. Freigegebenes Druckmedium und ausreichenden Füllstand kontrollieren.
  4. Prüfling mit geeigneten Adaptern anschließen.
  5. Hydraulisches System vollständig füllen und entlüften.
  6. Temperaturangleichung von Referenz, Massen und Prüfling abwarten.
  7. Erforderliche Massen anhand von Zertifikat oder Software bestimmen.
  8. Massen vorsichtig und zentrisch auflegen.
  9. Druck langsam bis knapp unter den Zielwert erzeugen.
  10. Kolben moderat in Rotation versetzen.
  11. Mit dem Feineinsteller die vorgesehene Schwimmhöhe herstellen.
  12. Stabilisierung abwarten und Referenz- sowie Prüflingswert erfassen.
  13. Weitere Prüfpunkte aufwärts und abwärts anfahren.
  14. Nach Abschluss den Druck kontrolliert vollständig abbauen.
  15. Erst danach Massen entfernen und Anschlüsse lösen.

Typische Bedienfehler

Fehler Mögliche Folge Sinnvolle Maßnahme
Gerät nicht nivelliert Seitliche Reibung und schlechte Kolbenrotation Vor jeder Messreihe Wasserwaage kontrollieren
Kolben liegt am Anschlag Kein gültiger Gleichgewichtszustand Vorgesehene Schwimmhöhe einstellen
Kolben zu schnell gedreht Unruhiger Massensatz und längere Stabilisierung Nur moderate Rotation verwenden
Luft im hydraulischen System Federndes Verhalten und langsame Druckeinstellung System vollständig entlüften
Verschmutztes Öl Reibung, Verschleiß und schlechte Wiederholbarkeit System reinigen und freigegebenes Medium erneuern
Massensätze verschiedener Systeme gemischt Falscher Referenzdruck Zuordnung und Seriennummern kontrollieren
Lokale Gravitation nicht berücksichtigt Systematischer Druckfehler Kalibrierschein und Einsatzort abgleichen
Temperatur sofort nach dem Aufbau abgelesen Drift durch thermische Angleichung Ausreichende Stabilisierungszeit abwarten
Höhenunterschied ignoriert Hydrostatischer Druckfehler Referenzebenen bestimmen und korrigieren
Prüfling unter Druck gelöst Medienaustritt und Verletzungsgefahr Vor Demontage vollständig drucklos machen

Praxisbeispiel: Kolben dreht nur kurz und sinkt schnell ab

Bei einer hydraulischen Druckwaage lässt sich ein Prüfdruck von 100 bar zwar einstellen, der Kolben stoppt jedoch bereits nach kurzer Zeit. Gleichzeitig sinkt er schnell aus der mittleren Schwimmposition, sodass ständig nachgeregelt werden muss.

Zunächst werden alle äußeren Verschraubungen geprüft. Es ist kein sichtbarer Medienaustritt vorhanden. Auch mit einem Blindstopfen anstelle des Prüflings bleibt das Verhalten bestehen.

Bei der weiteren Kontrolle fällt auf, dass das Öl trüb ist und kleine Partikel enthält. Zuvor war ein älteres, mit Prozessöl gefülltes Manometer ohne Medienabscheider angeschlossen worden. Zusätzlich befindet sich noch Luft in einem hochliegenden Leitungsteil.

Das System wird nach Herstellervorgabe gereinigt, mit freigegebenem Öl neu befüllt und vollständig entlüftet. Nach der Temperaturangleichung wird das Gerät erneut nivelliert.

Der Kolben lässt sich nun gleichmäßig drehen und verbleibt deutlich länger im vorgesehenen Arbeitsbereich. Die Prüfpunkte sind reproduzierbar und benötigen wesentlich weniger Nachregelung.

Das Beispiel zeigt, dass eine schlechte Kolbenrotation nicht automatisch auf einen verschlissenen Kolben hinweist. Zuerst sollten Aufstellung, Sauberkeit, Medium und Entlüftung geprüft werden.

Welche Produkte eignen sich?

Kolbenmanometer, Druckwaagen und Vergleichspumpen

Die Kategorie Kolbenmanometer, Druckwaagen und Vergleichspumpen enthält pneumatische und hydraulische Systeme für unterschiedliche Druckbereiche und Genauigkeitsanforderungen.

Zur vollständigen Lösung gehören abhängig von der Anwendung:

  • Kolben-Zylinder-System,
  • Massensatz mit Kalibrierschein,
  • Druckerzeugung und Volumenfeineinstellung,
  • Adapter und Prüflingsanschlüsse,
  • freigegebenes Druckmedium,
  • Umgebungsmesstechnik,
  • Berechnungs- und Kalibriersoftware.

WIKA CPB3800

Die WIKA CPB3800 Druckwaage ist ein kompaktes hydraulisches Kolbenmanometer für Werks- und Kalibrierlaboratorien sowie geeignete Vor-Ort-Anwendungen.

Sie eignet sich besonders für Anwender, die ein eigenständiges mechanisches Referenzsystem mit integrierter hydraulischer Druckerzeugung benötigen.

WIKA CPB5800

Die WIKA CPB5800 ist für besonders anspruchsvolle hydraulische Druckkalibrierungen ausgelegt. Abhängig von Kolben-Zylinder-System und Massensatz stehen unterschiedliche Messbereiche und Genauigkeitsstufen zur Verfügung.

WIKA CPB3500

Die WIKA CPB3500 pneumatische Druckwaage eignet sich für gasbasierte Druckkalibrierungen, bei denen ein sauberer, ölfreier Prüfaufbau und niedrigere Druckbereiche im Vordergrund stehen.

CPU6000 CalibratorUnit

Die CPU6000 CalibratorUnit unterstützt bei der Erfassung und Verarbeitung von Umgebungs-, Kolben- und Massendaten. In Verbindung mit geeigneter Software können Korrekturwerte berechnet und Kalibrierergebnisse dokumentiert werden.

Fazit: Die Genauigkeit der Druckwaage hängt auch von der Bedienung ab

Ein Kolbenmanometer erzeugt Druck unmittelbar aus Masse, Fallbeschleunigung und wirksamer Kolbenfläche. Dadurch bietet es eine sehr stabile und rückführbare Druckreferenz. Die erreichbare Qualität hängt jedoch wesentlich vom tatsächlichen Betrieb ab.

Der Kolben muss sich frei drehen und im vorgesehenen Bereich schweben. Verschmutztes Medium, Luftblasen, Schrägstellung, falsche Massen oder zu frühes Ablesen können die Wiederholbarkeit deutlich verschlechtern.

Für geringe Messunsicherheiten müssen außerdem lokale Fallbeschleunigung, Luftauftrieb, Temperatur und Höhenunterschied berücksichtigt werden. Maßgeblich sind die Angaben im Kalibrierschein und in der Bedienungsanleitung des konkreten Systems.

Ein sauberer, nivellierter und thermisch stabiler Aufbau ist daher ebenso wichtig wie ein hochwertiges Kolben-Zylinder-System. Erst wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Kolbenmanometer seine Funktion als hochgenaue Druckreferenz zuverlässig erfüllen.

Häufige Fragen zum Betrieb von Kolbenmanometern

Warum muss sich der Kolben drehen?

Die Rotation reduziert den Einfluss der Haftreibung zwischen Kolben und Zylinder. Dadurch kann sich ein stabilerer Gleichgewichtszustand einstellen.

Wie schnell sollte der Kolben rotieren?

Er sollte gleichmäßig und moderat rotieren. Eine möglichst hohe Drehzahl ist nicht erforderlich. Die genaue Bedienung richtet sich nach der Anleitung des jeweiligen Systems.

Warum dreht sich der Kolben nicht frei?

Mögliche Ursachen sind Schrägstellung, Verschmutzung, ungeeignetes oder kaltes Öl, verkantete Massen oder ein beschädigtes Kolben-Zylinder-System.

Muss der Kolben exakt auf einer bestimmten Höhe schweben?

Ja. Die Messung erfolgt innerhalb des vom Hersteller definierten Arbeitsbereichs, häufig im mittleren Hubbereich. Der Kolben darf weder am oberen noch am unteren Anschlag anliegen.

Ist ein langsam absinkender Kolben normal?

Eine geringe Sinkbewegung kann durch die konstruktiv vorgesehene Leckströmung im Kolben-Zylinder-Spalt normal sein. Eine ungewöhnlich schnelle oder ungleichmäßige Bewegung muss untersucht werden.

Wie oft muss das Öl gewechselt werden?

Das hängt von Nutzung und Verschmutzungsrisiko ab. Trübung, Partikel, Fremdmedien, veränderte Viskosität oder auffälliges Kolbenverhalten sind Gründe für eine Prüfung beziehungsweise einen Wechsel.

Warum ist die lokale Fallbeschleunigung wichtig?

Die Gewichtskraft der Massen hängt vom örtlichen Gravitationswert ab. Wird ein Massensatz an einem anderen Standort eingesetzt, kann ohne passende Korrektur ein systematischer Druckfehler entstehen.

Muss der Luftauftrieb immer korrigiert werden?

Das hängt von Genauigkeitsanforderung und Auswertemethode ab. Bei hochgenauen Anwendungen wird der Einfluss der Luftdichte auf die wirksame Masse berücksichtigt.

Warum ist die Temperatur des Kolbens relevant?

Die wirksame Kolbenfläche verändert sich durch thermische Ausdehnung. Außerdem beeinflusst die Temperatur die Viskosität des hydraulischen Mediums und damit Rotation und Sinkgeschwindigkeit.

Darf ein verschmutzter Kolben selbst poliert werden?

Nein. Eigenmächtiges Schleifen, Polieren oder Läppen verändert die präzise Geometrie. Reinigung und Instandsetzung müssen nach Herstellervorgabe erfolgen.

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