Der Gehalt an gelöstem Sauerstoff ist eine zentrale Messgröße in Kläranlagen, Aquakulturen, Gewässern, Prozesswasseranlagen und biologischen Produktionsprozessen. Zu wenig Sauerstoff kann biologische Vorgänge begrenzen, während eine unnötig starke Belüftung Energie verbraucht und Prozesse ebenfalls beeinflussen kann.
In der Praxis entstehen falsche Messwerte häufig nicht durch einen vollständigen Sensorausfall. Typische Ursachen sind eine ungeeignete Kalibrierung, fehlende Druck- oder Salzgehaltskompensation, eine verschmutzte Sensorkappe, Luftblasen an der Messfläche oder eine zu geringe Anströmung bei amperometrischen Sensoren.
Für zuverlässige Ergebnisse müssen Sensortechnologie, Kalibrierverfahren, Einbauort, Temperatur, Luftdruck, Salzgehalt und Wartungszustand gemeinsam betrachtet werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen optischen und elektrochemischen Sauerstoffsensoren, da beide Verfahren unterschiedlich auf Strömung, Alterung und Verschmutzung reagieren.
Geeignete Geräte finden Sie in der Kategorie pH-, Leitfähigkeits- und Sauerstoffmessgeräte. Weitere Lösungen für Wasseranalytik, Umweltmessung und industrielle Kontrollaufgaben sind im Bereich Sonstiges zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- mg/l, Sättigung und Partialdruck unterscheiden
- Optische und amperometrische Sensoren vergleichen
- Luftkalibrierung richtig durchführen
- Wann ist eine Nullpunktkalibrierung erforderlich?
- Temperatur und thermische Angleichung
- Luftdruck und Salzgehalt berücksichtigen
- Strömungsabhängigkeit richtig bewerten
- Einbauort und Eintauchtiefe auswählen
- Membran, Elektrolyt und optische Kappe warten
- Vergleichsmessung richtig durchführen
- Typische Fehlerbilder und Ursachen
- Praxisbeispiel: Sauerstoffwert im Belebungsbecken zu niedrig
- Empfohlener Prüf- und Kalibrierablauf
- Welche Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
mg/l, Sättigung und Partialdruck unterscheiden
Gelöster Sauerstoff kann in unterschiedlichen Einheiten angezeigt werden. Diese Werte beschreiben nicht exakt dieselbe Größe und dürfen nicht ohne Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen miteinander verglichen werden.
| Messgröße | Bedeutung | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| mg/l beziehungsweise ppm | Sauerstoffkonzentration im Wasser | Kläranlage, Aquakultur, Prozesswasser und Gewässerkontrolle |
| % Sättigung | Verhältnis zur theoretischen Sauerstoffsättigung unter den aktuellen Bedingungen | Plausibilitätsprüfung und Umweltmessung |
| Partialdruck | Wirksamer Sauerstoff-Partialdruck am Sensor | Kalibrierung, wissenschaftliche Auswertung und Prozessanalyse |
Die maximal lösliche Sauerstoffkonzentration ist nicht konstant. Sie hängt insbesondere von Temperatur, Luftdruck und Salzgehalt ab. Kaltes Süßwasser kann mehr Sauerstoff lösen als warmes oder salzhaltiges Wasser.
Ein Wert von 100 % Sättigung entspricht deshalb nicht bei jeder Messung derselben Konzentration in mg/l. Umgekehrt kann Wasser durch Photosynthese, Druckbeaufschlagung oder starke Begasung auch eine Sättigung von mehr als 100 % erreichen.
Optische und amperometrische Sensoren vergleichen
Amperometrische beziehungsweise elektrochemische Sensoren
Bei amperometrischen Sensoren diffundiert Sauerstoff durch eine Membran in einen elektrochemischen Messraum. Dort wird er an einer Elektrode umgesetzt und erzeugt einen Messstrom, der vom Sauerstoffpartialdruck abhängt.
Diese Sensoren verbrauchen während der Messung eine geringe Menge Sauerstoff. Deshalb muss an der Membran fortlaufend sauerstoffhaltiges Wasser nachgeführt werden. Bei zu geringer Strömung entsteht unmittelbar vor der Membran eine sauerstoffärmere Grenzschicht und der Sensor zeigt einen zu niedrigen Wert an.
Je nach Bauform benötigen elektrochemische Sensoren außerdem:
- eine Polarisations- beziehungsweise Aufwärmzeit,
- eine intakte und korrekt gespannte Membran,
- ausreichend frischen Elektrolyten,
- eine saubere Kathode und Anode,
- eine definierte Mindestanströmung.
Optische Sauerstoffsensoren
Optische Sensoren verwenden einen sauerstoffempfindlichen Farbstoff in einer Sensorkappe. Dieser wird mit Licht angeregt. Sauerstoff beeinflusst die Intensität oder Abklingzeit der Lumineszenz, aus der das Messgerät den Sauerstoffgehalt bestimmt.
Da bei diesem Verfahren kein Sauerstoff verbraucht wird, ist für das eigentliche Messprinzip keine Mindestströmung erforderlich. Optische Sensoren eignen sich deshalb besonders für langsam fließende oder stehende Medien.
Eine fehlende Strömungsabhängigkeit bedeutet jedoch nicht, dass der Einbauort beliebig gewählt werden kann. In einem Totraum kann der Sensor einen örtlich richtigen, aber für den Gesamtprozess nicht repräsentativen Wert erfassen.
Luftkalibrierung richtig durchführen
Die Steilheit eines Sauerstoffsensors wird häufig in Luft kalibriert. Dafür wird der Sensor einer definierten Sauerstoffatmosphäre ausgesetzt, die einer Sättigung von 100 % entspricht.
Vor der Luftkalibrierung sind folgende Punkte wichtig:
- Sensor und Temperaturfühler reinigen,
- Membran beziehungsweise Sensorkappe auf Schäden prüfen,
- ausreichende thermische Angleichung abwarten,
- aktuellen Luftdruck korrekt eingeben oder automatisch erfassen lassen,
- Herstellerangaben zur Luftfeuchte und Kalibrierkammer beachten,
- keine Wassertropfen oder Luftblasen auf der Messfläche belassen.
Viele Geräte verwenden eine Kalibrierkammer mit feuchter, wasserdampfgesättigter Luft. Die Sonde befindet sich dabei oberhalb einer kleinen Wassermenge, ohne dass die Messfläche direkt in das Wasser eintaucht.
Die Sonde darf während der Kalibrierung nicht durch warmes Anfassen, direkte Sonneneinstrahlung oder kalte Außenluft thermisch beeinflusst werden. Sensor und Kalibrierumgebung müssen einen stabilen Temperaturzustand erreichen.
Eine Kalibrierung verschmutzter Sensoren ist nicht sinnvoll. Wird der Belag erst nach der Kalibrierung entfernt, verändert sich das Ansprechverhalten erneut und die zuvor gespeicherten Kalibrierdaten passen nicht mehr zum gereinigten Sensor.
Wann ist eine Nullpunktkalibrierung erforderlich?
Die Nullpunktkalibrierung prüft das Sensorsignal bei einer Sauerstoffkonzentration nahe null. Sie ist besonders relevant:
- bei der ersten Inbetriebnahme,
- nach Austausch von Membran, Elektrolyt oder optischer Sensorkappe,
- bei Messungen sehr niedriger Sauerstoffkonzentrationen,
- wenn der Nullwert driftet,
- nach einer Reparatur oder umfangreichen Wartung,
- wenn der Hersteller eine Zweipunktkalibrierung vorgibt.
Als Nullpunktstandard kann abhängig von der Geräteanleitung hochreiner Stickstoff verwendet werden. Der Sensor wird dabei in einer geeigneten Durchflusskammer mit sauerstofffreiem Gas beaufschlagt. Der Gasstrom muss alle Luftreste verdrängen, darf aber keinen unzulässigen Gegendruck erzeugen.
Alternativ kann eine geeignete sauerstoffbindende Lösung verwendet werden. Häufig kommt eine frisch angesetzte Natriumsulfitlösung zum Einsatz. Diese Methode darf jedoch nur verwendet werden, wenn sie für den konkreten Sensor freigegeben ist.
Nach der Kalibrierung in einer chemischen Nullpunktlösung muss die Sonde sorgfältig gespült werden. Rückstände können die anschließende Sauerstoffmessung verfälschen.
Eine Nullpunktkalibrierung sollte nicht ohne Anlass bei jeder Routinemessung durchgeführt werden. Ein instabiler oder unplausibler Nullpunkt kann auch auf eine beschädigte Membran, verbrauchten Elektrolyten, eine gealterte Sensorkappe oder eine undichte Kalibriereinrichtung hinweisen.
Temperatur und thermische Angleichung
Die Sauerstofflöslichkeit nimmt mit steigender Wassertemperatur ab. Zusätzlich verändern sich Membrandiffusion, elektrochemische Reaktion und optisches Sensorsignal mit der Temperatur.
Moderne Messgeräte kompensieren den Temperatureinfluss automatisch. Voraussetzung ist jedoch, dass der integrierte Temperaturfühler tatsächlich die Temperatur des untersuchten Wassers erreicht hat.
Typische Fehler entstehen, wenn:
- eine kalte Sonde sofort in warmes Wasser getaucht wird,
- die Sonde aus einem warmen Fahrzeug in kaltes Prozesswasser gelangt,
- der Temperaturfühler verschmutzt oder nicht vollständig eingetaucht ist,
- der Messwert abgelesen wird, bevor Temperatur und Sauerstoffsignal stabil sind.
Bei großen Temperaturunterschieden sollte ausreichend lange gewartet werden. Entscheidend ist nicht nur, dass die Sauerstoffanzeige ruhig wirkt, sondern auch, dass die Temperaturanzeige stabil ist.
Luftdruck und Salzgehalt berücksichtigen
Luftdruck
Mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel sinkt der atmosphärische Druck und damit der Sauerstoffpartialdruck. Auch wetterbedingte Druckänderungen wirken sich auf die Sättigungskalibrierung aus.
Wird bei niedrigem Luftdruck fälschlicherweise mit einem Standarddruck gerechnet, kann die Kalibrierung systematisch falsch sein. Deshalb sollte der aktuelle absolute Luftdruck verwendet werden. Wetterberichte geben teilweise einen auf Meereshöhe umgerechneten Wert an, der für die lokale Kalibrierung nicht ungeprüft übernommen werden darf.
Salzgehalt
Mit steigendem Salzgehalt sinkt die Sauerstofflöslichkeit. Ein Sensor, der zunächst den Sauerstoffpartialdruck erfasst, benötigt deshalb eine korrekte Salzgehaltskompensation, um daraus eine Konzentration in mg/l zu berechnen.
Wird Meer-, Brack- oder salzhaltiges Prozesswasser wie Süßwasser ausgewertet, zeigt das Gerät eine zu hohe Sauerstoffkonzentration an. Die Sättigungsanzeige kann gleichzeitig plausibel wirken.
Der Salzgehalt sollte gemessen oder anhand einer belastbaren Prozessangabe eingegeben werden. Eine grobe Schätzung ist bei stark wechselnden Medien nicht ausreichend.
Strömungsabhängigkeit richtig bewerten
Amperometrische Sensoren verbrauchen Sauerstoff an der Messfläche. Deshalb benötigen sie eine definierte Bewegung des Wassers an der Membran. Diese kann entstehen durch:
- natürliche Strömung im Prozess,
- Bewegen der Sonde bei einer Handmessung,
- Rühren der Probe,
- eine Durchflussarmatur mit geeignetem Volumenstrom.
Ist die Anströmung zu gering, sinkt der Messwert häufig langsam ab. Wird die Sonde anschließend bewegt, steigt die Anzeige wieder an. Dieses Verhalten ist ein deutlicher Hinweis auf eine Strömungsabhängigkeit.
Eine zu starke oder turbulente Anströmung ist ebenfalls ungünstig, wenn dadurch Luftblasen an der Membran haften, die Sonde mechanisch belastet wird oder die Messstelle nicht mehr den tatsächlichen Prozesszustand abbildet.
Optische Sensoren benötigen keine Mindestströmung zur Sauerstoffversorgung der Messfläche. Trotzdem sollte die Messstelle ausreichend durchmischt sein. In einem schlecht durchströmten Randbereich kann der örtliche Sauerstoffwert deutlich vom Hauptstrom oder Beckenmittelwert abweichen.
Einbauort und Eintauchtiefe auswählen
Der Sensor sollte dort installiert werden, wo der Messwert die relevante Prozesszone repräsentiert. In einem Belebungsbecken ist die Position direkt im grobblasigen Belüftungsstrom häufig ungünstig, weil Luftblasen an der Messfläche und starke örtliche Unterschiede auftreten können.
Wichtige Einbauhinweise sind:
- Sensor vollständig bis zur vorgeschriebenen Eintauchtiefe eintauchen,
- keine Luftblase unter einer nach unten gerichteten Sensorkappe einschließen,
- ausreichenden Abstand zu Beckenwand und Boden einhalten,
- Ablagerungs- und Sedimentbereiche vermeiden,
- Sensor nicht unmittelbar am Zulauf eines chemischen Dosiermittels montieren,
- repräsentative Strömung sicherstellen,
- Zugänglichkeit für Reinigung und Kalibrierung berücksichtigen.
Bei einer Durchflussarmatur muss der tatsächliche Volumenstrom innerhalb der vorgesehenen Grenzen liegen. Ein teilweise gefüllter Messbehälter oder eine Lufttasche kann zu sprunghaften und unplausiblen Ergebnissen führen.
Membran, Elektrolyt und optische Kappe warten
Elektrochemische Sensoren
Bei amperometrischen Sensoren sind Membran und Elektrolyt typische Verschleißteile. Eine beschädigte, gefaltete oder verschmutzte Membran verändert die Sauerstoffdiffusion. Luftblasen im Elektrolytraum können das Signal ebenfalls instabil machen.
Nach einem Membran- oder Elektrolytwechsel sind die vorgeschriebene Polarisationszeit und eine vollständige Kalibrierung einzuhalten.
Optische Sensoren
Optische Sensorkappen benötigen keinen Elektrolyten. Der luminophore Messfilm altert jedoch durch Betriebszeit, Lichtbelastung, chemische Einflüsse und Reinigungsprozesse.
Eine gealterte Kappe kann zu Drift, längerer Ansprechzeit oder schlechter Kalibrierbarkeit führen. Nach einem Kappenwechsel müssen die zugehörigen Sensordaten übernommen und die vorgeschriebene Kalibrierung durchgeführt werden.
Beläge und Biofilm
Biofilm, Kalk, Fett, Schlamm oder Algen können den Stofftransport zur Messfläche behindern. Ein biologischer Belag kann zusätzlich Sauerstoff verbrauchen und dadurch unmittelbar am Sensor einen zu niedrigen Wert erzeugen.
Die Reinigung muss zum Sensorwerkstoff und zum Belag passen. Harte Bürsten, scharfe Werkzeuge oder ungeeignete Lösungsmittel können Membran oder optische Kappe dauerhaft beschädigen.
Vergleichsmessung richtig durchführen
Eine Vergleichsmessung hilft dabei, Sensorfehler von tatsächlichen Prozessänderungen zu unterscheiden. Als Vergleich können ein zweites kalibriertes Sauerstoffmessgerät oder ein geeignetes Referenzverfahren verwendet werden.
Beide Messungen müssen möglichst unter denselben Bedingungen erfolgen:
- gleicher Messort und gleiche Tiefe,
- geringer zeitlicher Abstand,
- gleiche Probentemperatur,
- korrekte Luftdruck- und Salzgehaltseinstellung,
- ausreichende Anströmung bei amperometrischen Sensoren,
- keine Veränderung der Probe durch langes Umfüllen oder Stehenlassen.
Eine Wasserprobe kann beim Umfüllen Sauerstoff aufnehmen oder verlieren. Bei stark belüfteten, warmen oder biologisch aktiven Proben kann sich der Wert bereits innerhalb kurzer Zeit verändern.
Für besonders belastbare Vergleichswerte kann eine geeignete chemische Referenzmethode eingesetzt werden. Dabei müssen Probenahme und Analyse fachgerecht durchgeführt werden.
Typische Fehlerbilder und Ursachen
| Fehlerbild | Wahrscheinliche Ursache | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|---|
| Messwert steigt beim Bewegen der Sonde | Zu geringe Anströmung eines amperometrischen Sensors | Mindestströmung herstellen und erneut messen |
| Wert bleibt trotz Luftkalibrierung zu niedrig | Belag, beschädigte Membran, alter Elektrolyt oder gealterte Sensorkappe | Sensor reinigen und Verschleißteile prüfen |
| Messwert springt stark | Luftblasen, lockerer Anschluss oder beschädigte Membran | Messfläche und Steckverbindungen kontrollieren |
| Wert in Salzwasser zu hoch | Salzgehaltskompensation fehlt oder ist falsch | Salinität messen und im Gerät einstellen |
| Kalibrierung ändert sich mit dem Wetter | Falscher oder nicht kompensierter Luftdruck | Lokalen absoluten Luftdruck prüfen |
| Sensor reagiert sehr langsam | Belag, niedrige Temperatur, gealterte Membran oder Sensorkappe | Reinigung und Ansprechzeitprüfung durchführen |
| Nullpunkt bleibt deutlich über null | Restsauerstoff, undichte Kalibrierkammer oder Sensoralterung | Nullmedium und Kalibrieraufbau prüfen |
| Prozesssensor und Handmessgerät weichen ab | Unterschiedliche Position, Temperatur, Kompensation oder Strömung | Beide Geräte direkt nebeneinander vergleichen |
Praxisbeispiel: Sauerstoffwert im Belebungsbecken zu niedrig
In einer Kläranlage zeigt ein amperometrischer Sauerstoffsensor im Belebungsbecken dauerhaft nur 0,8 mg/l an. Die Belüftungsregelung erhöht daraufhin die Gebläseleistung. Der Energieverbrauch steigt deutlich, obwohl das biologische Prozessverhalten unauffällig bleibt.
Eine mobile Vergleichsmessung ergibt in unmittelbarer Nähe des Sensors 1,9 mg/l. Bei der Prüfung fällt auf, dass der fest eingebaute Sensor in einem strömungsarmen Bereich hinter einer Halterung montiert ist.
Wird der Sensor während der Messung leicht bewegt, steigt sein Wert ebenfalls auf etwa 1,8 mg/l. Zusätzlich befindet sich ein dünner Biofilm auf der Membran.
Die Messstelle wird daraufhin angepasst:
- Sensor fachgerecht gereinigt,
- Membran und Elektrolyt geprüft,
- Luft- und Nullpunktkalibrierung durchgeführt,
- Sensor in eine repräsentative, gleichmäßig angeströmte Position umgesetzt,
- Vergleichsmessung mit einem mobilen Gerät wiederholt.
Nach der Anpassung stimmen beide Geräte innerhalb der festgelegten Vergleichstoleranz überein. Die Belüftungsregelung kann wieder mit einem belastbaren Messwert arbeiten.
Das Beispiel zeigt, dass eine vermeintlich zu niedrige Sauerstoffkonzentration sowohl durch Belag als auch durch eine fehlende Anströmung verursacht werden kann. Eine reine Nachkalibrierung hätte die ungünstige Einbausituation nicht beseitigt.
Empfohlener Prüf- und Kalibrierablauf
- Messgerät, Sonde und Sensortechnologie eindeutig identifizieren.
- Herstellerangaben zu Kalibrierung, Strömung und Wartung prüfen.
- Messfläche und Temperaturfühler reinigen.
- Membran, Elektrolyt oder optische Kappe kontrollieren.
- Ausreichende Polarisations- und Temperaturangleichungszeit abwarten.
- Lokalen Luftdruck erfassen und korrekt einstellen.
- Luftkalibrierung nach Herstellervorgabe durchführen.
- Nullpunkt bei Bedarf mit einem geeigneten Standard prüfen.
- Salzgehalt für die spätere Messung einstellen.
- Sensor am repräsentativen Messpunkt installieren.
- Bei amperometrischen Sensoren Mindestströmung sicherstellen.
- Luftblasen an der Messfläche entfernen.
- Stabilen Sauerstoff- und Temperaturwert abwarten.
- Ergebnis mit einem zweiten Gerät oder Referenzverfahren vergleichen.
- Kalibrierung, Wartung, Einbauort und Messbedingungen dokumentieren.
Welche Produkte eignen sich?
pH-, Leitfähigkeits- und Sauerstoffmessgeräte
Die Kategorie pH-, Leitfähigkeits- und Sauerstoffmessgeräte umfasst tragbare Geräte für Wasseranalytik, Umweltmessung, Abwasser, Labor und Qualitätskontrolle.
Bei der Auswahl eines Sauerstoffmessgeräts sind insbesondere folgende Punkte relevant:
- optisches oder elektrochemisches Sensorprinzip,
- Messung in mg/l, % Sättigung oder Partialdruck,
- automatische Temperaturkompensation,
- Luftdruck- und Salzgehaltskompensation,
- Kalibrierverfahren,
- Datenlogger und Dokumentationsfunktion,
- Schutzart und Einsatzbedingungen,
- verfügbare Sonden, Kabellängen und Wartungsteile.
ProfiLine Oxi 3310
Das ProfiLine Oxi 3310 ist ein tragbares Messgerät für gelösten Sauerstoff. Es kann Sauerstoffkonzentration, Sättigung, Partialdruck und Temperatur anzeigen.
Die integrierte Datenloggerfunktion ermöglicht die Dokumentation von Messreihen. Das Gerät eignet sich dadurch für mobile Kontrollmessungen, Routinemessungen, Inbetriebnahmen und Vergleiche mit fest installierten Sauerstoffmessstellen.
Eine Kalibrierung gegen einen externen Standard ist ebenfalls möglich. Dadurch kann das Gerät in ein betriebliches Prüf- und Vergleichskonzept eingebunden werden.
Stationäre Prozessmessung
Für eine dauerhafte Regelung in Kläranlagen, Aquakulturen oder Prozessbehältern wird eine stationäre Sonde mit geeignetem Messumformer benötigt. Dabei müssen Sensortechnologie, Reinigungsmöglichkeit, Montagearmatur, Ausgangssignal und Prozessbedingungen projektspezifisch ausgewählt werden.
Für stark verschmutzte Medien sind eine gute Zugänglichkeit, automatische Reinigung und eine dokumentierte Wartungsstrategie häufig wichtiger als die reine Labor-Messgenauigkeit.
Fazit: Kalibrierung und Einbaubedingungen gehören zusammen
Eine zuverlässige Messung von gelöstem Sauerstoff erfordert mehr als eine regelmäßige Luftkalibrierung. Temperatur, Luftdruck, Salzgehalt, Sensorzustand und Einbauort beeinflussen das Ergebnis unmittelbar.
Amperometrische Sensoren benötigen eine ausreichende Anströmung, da sie während der Messung Sauerstoff verbrauchen. Optische Sensoren sind hinsichtlich des Messprinzips weitgehend strömungsunabhängig, müssen aber trotzdem in einer repräsentativen Prozesszone installiert werden.
Eine Nullpunktkalibrierung ist besonders bei niedrigen Sauerstoffkonzentrationen, nach Wartungsarbeiten oder beim Austausch von Verschleißteilen wichtig. Sie darf nur mit einem für den Sensor geeigneten Nullstandard durchgeführt werden.
Verschmutzung, Biofilm, Luftblasen und gealterte Sensorkomponenten können auch nach einer erfolgreichen Kalibrierung falsche Werte verursachen. Deshalb sollten Kalibrierung, Reinigung, Vergleichsmessung und Einbauprüfung immer als gemeinsamer Prüfablauf verstanden werden.
Häufige Fragen zur Messung von gelöstem Sauerstoff
Was ist der Unterschied zwischen mg/l und % Sättigung?
mg/l beschreibt die Sauerstoffkonzentration im Wasser. Die Sättigung zeigt, wie viel Prozent der unter den aktuellen Bedingungen theoretisch möglichen Sauerstoffmenge gelöst sind.
Warum benötigt ein amperometrischer Sauerstoffsensor Strömung?
Der Sensor verbraucht an seiner Membran Sauerstoff. Ohne ausreichende Bewegung des Wassers entsteht dort eine sauerstoffärmere Grenzschicht und der Messwert fällt zu niedrig aus.
Braucht ein optischer Sauerstoffsensor ebenfalls Strömung?
Für das optische Messprinzip ist keine Mindestströmung erforderlich. Der Sensor muss jedoch an einer Stelle installiert sein, deren Sauerstoffgehalt für den Prozess repräsentativ ist.
Wie wird ein Sauerstoffsensor in Luft kalibriert?
Der saubere Sensor wird nach Herstellervorgabe in einer definierten Luft- oder Kalibrierkammer stabilisiert. Temperatur, Luftdruck und gegebenenfalls Luftfeuchte müssen dabei berücksichtigt werden.
Wann ist eine Nullpunktkalibrierung erforderlich?
Sie ist besonders bei niedrigen Messbereichen, nach dem Austausch von Membran, Elektrolyt oder Sensorkappe sowie bei einem auffälligen Nullsignal sinnvoll.
Warum zeigt das Gerät in Salzwasser einen falschen Wert?
Salzhaltiges Wasser kann weniger Sauerstoff lösen als Süßwasser. Ohne korrekte Salzgehaltskompensation wird die Konzentration in mg/l häufig zu hoch berechnet.
Kann Biofilm den Messwert beeinflussen?
Ja. Biofilm behindert den Sauerstofftransport zur Messfläche und kann selbst Sauerstoff verbrauchen. Dadurch zeigt der Sensor häufig einen zu niedrigen oder verzögerten Wert an.
Warum stimmen zwei Sauerstoffmessgeräte nicht überein?
Mögliche Ursachen sind unterschiedliche Messorte, Sensortechnologien, Temperaturen, Luftdruck- oder Salzgehaltseinstellungen, Anströmungen und Wartungszustände. Beide Geräte sollten direkt nebeneinander unter denselben Bedingungen verglichen werden.
