Das Strahlungsmessgerät besitzt einen gültigen Kalibrierschein und wurde seit dem letzten Einsatz ordnungsgemäß gelagert. Trotzdem erscheint beim Einschalten eine ungewöhnliche Anzeige, der akustische Alarm bleibt stumm oder eine angeschlossene Sonde reagiert nicht.
Genau deshalb sollte ein gültiger Kalibrierstatus nicht mit einer unmittelbar bestätigten Einsatzbereitschaft verwechselt werden.
Vor einer Messung im Einsatz, bei einer betrieblichen Kontrolle oder bei Arbeiten im Strahlenschutz sollte deshalb eine kurze, aber systematische Funktionskontrolle durchgeführt werden.
Dazu gehören je nach Gerät insbesondere:
- Sichtprüfung,
- Batterie- beziehungsweise Akkukontrolle,
- Geräteselbsttest,
- Plausibilitätsprüfung des Hintergrundwertes,
- Funktionsprüfung mit einem dafür vorgesehenen Prüfstrahler,
- Kontrolle der optischen und akustischen Alarmgeber sowie
- Prüfung von Sonde, Kabel und Steckverbindungen.
Messgeräte für diesen Anwendungsbereich finden Sie unter Strahlungsmesstechnik. Tragbare Geräte zur Bestimmung der Dosisleistung sind unter Dosisleistungsmessgeräte zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ist eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz notwendig?
- Kalibrierung und Funktionsprüfung unterscheiden
- Sichtprüfung des Messgerätes
- Batterie und Akku kontrollieren
- Geräteselbsttest richtig bewerten
- Hintergrundstrahlung als Plausibilitätskontrolle nutzen
- Funktionsprüfung mit einem Prüfstrahler
- Warum ein reproduzierbarer Referenzwert besser ist als „Gerät reagiert“
- Optische, akustische und Vibrationsalarme prüfen
- Sonden, Kabel und Steckverbindungen kontrollieren
- Messbereiche und automatische Bereichsumschaltung
- Messgerät auf Kontamination prüfen
- Personendosimeter und Dosisleistungsmessgerät unterscheiden
- Typische Fehlerbilder vor dem Einsatz
- Empfohlener Ablauf der Funktionsprüfung
- Funktionsprüfung dokumentieren
- Was tun bei einer Fehlermeldung?
- Praxisbeispiel aus dem betrieblichen Strahlenschutz
- Welche Produkte und Lösungen eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Warum ist eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz notwendig?
Ein tragbares Strahlungsmessgerät wird häufig über längere Zeit gelagert und nur bei bestimmten Arbeiten, Übungen oder Einsätzen verwendet.
Während dieser Zeit können sich verschiedene Fehler entwickeln, die mit der eigentlichen Kalibrierung zunächst nichts zu tun haben.
Dazu gehören beispielsweise:
- entladene oder gealterte Batterien,
- beschädigte Steckverbinder,
- Kabelbruch an einer externen Sonde,
- mechanische Beschädigungen,
- verschmutzte beziehungsweise kontaminierte Geräteoberflächen,
- fehlerhafte Anzeige oder Bedienelemente sowie
- nicht funktionierende Alarmgeber.
Ein Gerät kann deshalb messtechnisch innerhalb seines Kalibrierintervalls liegen und trotzdem unmittelbar vor einem Einsatz nicht vollständig funktionsfähig sein.
Die Funktionskontrolle soll solche offensichtlichen Fehler erkennen, bevor das Gerät für eine sicherheitsrelevante Entscheidung verwendet wird.
Kalibrierung und Funktionsprüfung unterscheiden
Kalibrierung und Funktionsprüfung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
| Prüfung | Zweck | Typischer Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Kalibrierung | Messtechnische Abweichung gegenüber einer definierten Referenz bestimmen | In festgelegten Intervallen beziehungsweise nach Vorgabe |
| Funktionsprüfung | Grundsätzliche Einsatzbereitschaft und plausibles Ansprechverhalten bestätigen | Vor Verwendung beziehungsweise entsprechend betrieblicher Vorgabe |
Eine Funktionsprüfung mit einem Prüfstrahler ist daher normalerweise keine vollständige Kalibrierung.
Sie beantwortet vielmehr die Frage:
Reagiert das Messgerät unter definierten Bedingungen so, wie es für dieses Gerät zu erwarten ist?
Dabei können je nach Prüfkonzept ein festgelegter Sollbereich, ein Vergleichswert oder eine dokumentierte Referenzanzeige verwendet werden.
Sichtprüfung des Messgerätes
Die Funktionskontrolle beginnt mit einer einfachen Sichtprüfung.
Dabei sollte überprüft werden, ob:
- das Gehäuse beschädigt ist,
- das Display einwandfrei ablesbar ist,
- Tasten und Schalter mechanisch funktionieren,
- Batteriefach beziehungsweise Akkudeckel sicher geschlossen sind,
- Stecker und Buchsen unbeschädigt sind,
- eine externe Sonde mechanisch intakt ist und
- keine offensichtliche Verschmutzung oder Kontamination vorhanden ist.
Besonders bei Geräten, die im Einsatzfahrzeug transportiert werden, können Stöße, Vibrationen und wechselnde Temperaturen mechanische Belastungen verursachen.
Eine beschädigte Sondenfläche, ein geknicktes Kabel oder ein gelockerter Stecker kann die Messfunktion erheblich beeinträchtigen.
Batterie und Akku kontrollieren
Eine der einfachsten und gleichzeitig häufigsten Fehlerquellen ist eine unzureichende Energieversorgung.
Das Gerät sollte deshalb mit ausreichender Batteriekapazität beziehungsweise ausreichend geladenem Akku in den Einsatz gehen.
Zu prüfen sind je nach Gerät:
- Batteriesymbol beziehungsweise Ladezustandsanzeige,
- Warnmeldung für niedrige Batteriespannung,
- Zustand der Batteriekontakte und
- gegebenenfalls vorhandener Ersatzbatteriesatz.
Ein Gerät, das sich gerade noch einschalten lässt, ist nicht automatisch für einen längeren Einsatz ausreichend versorgt.
Bei niedrigen Umgebungstemperaturen kann sich die praktisch verfügbare Batteriekapazität zusätzlich verringern.
Für Einsatzorganisationen ist es deshalb sinnvoll, die Energieversorgung nicht erst unmittelbar vor dem Betreten des Arbeits- beziehungsweise Gefahrenbereiches zu überprüfen.
Geräteselbsttest richtig bewerten
Viele moderne Strahlungsmessgeräte führen beim Einschalten einen internen Selbsttest durch.
Dabei können beispielsweise Elektronik, Speicher, Display, Signalgeber oder bestimmte Detektorfunktionen kontrolliert werden.
Ein erfolgreich abgeschlossener Selbsttest ist ein wichtiger Bestandteil der Funktionsprüfung.
Er ersetzt jedoch nicht zwangsläufig eine externe Ansprechprüfung.
Ein interner Test kann beispielsweise feststellen, dass die Elektronik grundsätzlich arbeitet. Ob das komplette Messsystem auf ionisierende Strahlung plausibel reagiert, lässt sich abhängig von der Gerätebauart erst durch eine geeignete externe Prüfung beurteilen.
Deshalb sollte immer die vom Gerätehersteller vorgesehene Prüfroutine verwendet werden.
Hintergrundstrahlung als Plausibilitätskontrolle nutzen
Nach dem Einschalten zeigt ein empfindliches Dosisleistungsmessgerät normalerweise nicht dauerhaft exakt null an.
Auch ohne künstliche Strahlenquelle ist natürliche und zivilisatorische Hintergrundstrahlung vorhanden.
Der konkrete Hintergrundwert hängt unter anderem ab von:
- Standort,
- Gebäudestruktur,
- Baumaterialien,
- Höhenlage und
- lokalen Umgebungsbedingungen.
Deshalb sollte kein einzelner allgemeiner Hintergrundwert als universeller Sollwert verwendet werden.
Hilfreich ist vielmehr die Frage, ob das Gerät an einem bekannten Ort einen für diesen Ort und dieses Gerät plausiblen Wert anzeigt.
Ein dauerhaft exakt auf null stehendes Gerät kann ebenso auffällig sein wie ein unerwartet hoher Wert.
Vor einer Bewertung sollte dem Messgerät ausreichend Zeit zur Stabilisierung gegeben werden.
Funktionsprüfung mit einem Prüfstrahler
Eine besonders aussagekräftige Funktionskontrolle kann mit einem dafür vorgesehenen Prüfstrahler erfolgen.
Das Messgerät wird dabei unter festgelegten geometrischen Bedingungen einer bekannten Strahlenquelle angenähert beziehungsweise an einer vorgesehenen Prüfposition platziert.
Der Messwert muss anschließend deutlich und plausibel auf die Strahlung reagieren.
Entscheidend ist, dass die Prüfung reproduzierbar durchgeführt wird.
Dazu gehören beispielsweise:
- definierter Prüfstrahler,
- definierter Abstand,
- definierte Orientierung des Messgerätes beziehungsweise der Sonde,
- gleiche Messfunktion und Einheit sowie
- ausreichende Wartezeit bis zu einer stabilen Anzeige.
Der Prüfstrahler darf ausschließlich entsprechend den dafür geltenden betrieblichen und strahlenschutzrechtlichen Vorgaben gehandhabt und aufbewahrt werden.
Eine improvisierte Prüfung mit einer zufällig verfügbaren Strahlenquelle ist kein Ersatz für ein definiertes Prüfverfahren.
Warum ein reproduzierbarer Referenzwert besser ist als „Gerät reagiert“
Eine reine Aussage wie „Die Anzeige steigt an“ bestätigt nur eingeschränkt die ordnungsgemäße Funktion.
Aussagekräftiger ist eine wiederholbare Prüfung mit bekannten Randbedingungen.
Beispielsweise kann für ein bestimmtes Gerät dokumentiert sein, welcher Anzeigenbereich bei:
- dem gleichen Prüfstrahler,
- dem gleichen Abstand,
- der gleichen Sondenorientierung und
- der gleichen Messfunktion
typischerweise erreicht wird.
Liegt der Wert bei einer späteren Funktionsprüfung deutlich außerhalb dieses Bereiches, sollte die Ursache untersucht werden.
Dabei müssen gegebenenfalls auch Aktivitätsabnahme des Prüfstrahlers, Messunsicherheit und die Eigenschaften des verwendeten Detektors berücksichtigt werden.
Der für ein konkretes Gerät zulässige Prüfbereich sollte aus der vorgesehenen Prüfvorschrift beziehungsweise Herstellerangabe übernommen werden und nicht frei festgelegt werden.
Optische, akustische und Vibrationsalarme prüfen
Im Einsatz wird ein Strahlungsmessgerät nicht immer dauerhaft beobachtet.
Alarmfunktionen sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Gerätefunktion.
Je nach Ausstattung sollten überprüft werden:
- akustischer Alarm,
- optische Warnanzeige,
- Vibrationsalarm und
- gegebenenfalls getrennte Dosis- und Dosisleistungsalarme.
Wenn das Gerät eine interne Alarmtestfunktion besitzt, sollte diese entsprechend der Bedienungsanleitung genutzt werden.
Zusätzlich sollte kontrolliert werden, ob die eingestellten Alarmschwellen für den vorgesehenen Einsatz tatsächlich korrekt parametriert sind.
Ein technisch funktionierender Alarm mit einem ungeeigneten Grenzwert erfüllt seine Aufgabe möglicherweise nicht.
Sonden, Kabel und Steckverbindungen kontrollieren
Bei Geräten mit externer Sonde muss die komplette Messkette betrachtet werden.
Dazu gehören:
- Messgerät,
- Sondenkabel,
- Steckverbinder und
- Detektorsonde.
Ein Kabelbruch kann beispielsweise nur in einer bestimmten Stellung auftreten.
Während einer Funktionsprüfung sollte deshalb auf eine stabile Anzeige geachtet werden.
Starke sprunghafte Änderungen beim vorsichtigen Bewegen eines Kabels oder Steckers können auf ein Kontaktproblem hinweisen.
Bei empfindlichen Detektorfenstern ist außerdem besondere Vorsicht erforderlich. Mechanischer Druck oder Berührung kann bestimmte Sondentypen beschädigen.
Messbereiche und automatische Bereichsumschaltung
Strahlungsmessgeräte können abhängig von ihrer Bauart mehrere Messbereiche oder eine automatische Bereichsumschaltung besitzen.
Vor dem Einsatz sollte geklärt werden, welche Messgröße tatsächlich angezeigt wird.
Typische Größen sind beispielsweise:
- Dosisleistung,
- kumulierte Dosis,
- Impulsrate oder
- Kontaminationsmesswert bei entsprechenden Sonden.
Ein häufiger Bedienfehler besteht darin, einen technisch korrekten Wert aus dem falschen Messmodus zu interpretieren.
Auch die Einheit muss kontrolliert werden.
Bei automatischer Bereichsumschaltung sollte eine Funktionsprüfung keine unplausiblen Sprünge oder Fehlermeldungen verursachen.
Messgerät auf Kontamination prüfen
Ein Strahlungsmessgerät kann selbst kontaminiert werden, wenn es in einem entsprechenden Bereich eingesetzt wurde.
Das ist besonders kritisch, weil ein kontaminiertes Gerät später dauerhaft erhöhte Werte anzeigen kann.
Ein ungewöhnlich hoher vermeintlicher Hintergrundwert kann deshalb nicht nur auf eine erhöhte Umgebungsstrahlung hinweisen.
Auch das Gerät selbst, eine Schutztasche oder eine externe Sonde kann kontaminiert sein.
Nach Einsätzen mit möglicher offener radioaktiver Kontamination sollte deshalb entsprechend dem vorgesehenen Strahlenschutzverfahren geprüft werden, ob das Messgerät freigemessen beziehungsweise dekontaminiert werden muss.
Eine solche Kontrolle muss mit einem dafür geeigneten Messverfahren erfolgen.
Personendosimeter und Dosisleistungsmessgerät unterscheiden
Ein Dosisleistungsmessgerät und ein Personendosimeter erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Das Dosisleistungsmessgerät dient beispielsweise dazu, die aktuelle Strahlungssituation an einem Ort zu beurteilen.
Ein elektronisches Personendosimeter überwacht dagegen die individuelle Exposition der tragenden Person und summiert typischerweise die Dosis über die Einsatzzeit.
Bei beiden Gerätearten sind Funktionskontrollen wichtig, die konkrete Prüfroutine kann sich jedoch unterscheiden.
Beim Personendosimeter sind beispielsweise zusätzlich relevant:
- korrekte Personenzuordnung,
- Dosisanzeige,
- Alarmgrenzen,
- Tragezustand und
- gegebenenfalls Datenübertragung beziehungsweise Speicher.
Die Prüfvorgaben des jeweiligen Gerätes sollten deshalb nicht einfach auf einen anderen Gerätetyp übertragen werden.
Typische Fehlerbilder vor dem Einsatz
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|---|
| Gerät lässt sich nicht einschalten | Batterie leer oder Kontaktproblem | Batterie, Akkustand und Kontakte prüfen |
| Anzeige steht dauerhaft exakt auf null | Messsystem beziehungsweise Detektor möglicherweise nicht aktiv | Selbsttest und definierte Ansprechprüfung durchführen |
| Ungewöhnlich hoher Hintergrundwert | Lokale Strahlung oder mögliche Gerätekontamination | Vergleichsmessung und Kontaminationsprüfung durchführen |
| Gerät reagiert nicht auf Prüfstrahler | Detektor, Sonde, Kabel oder Messmodus fehlerhaft | Gerät nicht für sicherheitsrelevante Messung einsetzen |
| Anzeigewert verändert sich beim Bewegen des Sondenkabels | Kabelbruch oder Steckkontaktproblem möglich | Kabel und Steckverbinder überprüfen |
| Akustischer Alarm bleibt stumm | Alarmgeber deaktiviert, defekt oder falsch parametriert | Alarmtest und Einstellungen prüfen |
| Prüfwert liegt deutlich außerhalb des bekannten Bereiches | Messgerät, Prüfgeometrie oder Prüfstrahler überprüfen | Prüfung unter definierten Bedingungen wiederholen |
| Gerät meldet Kalibrierung beziehungsweise Prüfung überfällig | Wartungs- oder Prüfintervall erreicht | Gerätestatus gemäß betrieblicher Vorgabe klären |
Empfohlener Ablauf der Funktionsprüfung
- Gerät identifizieren: Gerätetyp und eindeutige Gerätenummer kontrollieren.
- Kalibrierstatus prüfen: Sicherstellen, dass das vorgesehene Prüf- beziehungsweise Kalibrierintervall eingehalten ist.
- Sichtprüfung durchführen: Gehäuse, Display, Bedienelemente, Sonde und Kabel kontrollieren.
- Energieversorgung prüfen: Batterie beziehungsweise Akku auf ausreichenden Ladezustand kontrollieren.
- Gerät einschalten: Startsequenz vollständig abwarten.
- Selbsttest kontrollieren: Fehlermeldungen oder Warnhinweise beachten.
- Messmodus prüfen: Messgröße, Einheit und gegebenenfalls Messbereich kontrollieren.
- Hintergrundwert beobachten: Plausibilität an einem bekannten Ort beurteilen.
- Prüfstrahler verwenden: Falls für das Gerät beziehungsweise Prüfverfahren vorgesehen, definierte Ansprechprüfung durchführen.
- Prüfwert bewerten: Mit dem vorgesehenen Referenz- beziehungsweise Toleranzbereich vergleichen.
- Rückkehr zum Hintergrund prüfen: Nach Entfernen des Prüfstrahlers beobachten, ob die Anzeige wieder plausibel zurückgeht.
- Alarmgeber testen: Akustische, optische und gegebenenfalls Vibrationsalarme kontrollieren.
- Zubehör prüfen: Externe Sonden, Kabel und Steckverbindungen einbeziehen.
- Ergebnis dokumentieren: Einsatzbereitschaft beziehungsweise festgestellte Abweichungen festhalten.
Funktionsprüfung dokumentieren
Bei regelmäßig eingesetzten Geräten ist eine nachvollziehbare Dokumentation sinnvoll.
Abhängig von Organisation und Prüfkonzept können beispielsweise erfasst werden:
- Geräte-ID,
- Datum und Uhrzeit,
- prüfende Person,
- Batteriestatus,
- Ergebnis des Selbsttests,
- Hintergrundwert,
- verwendeter Prüfstrahler,
- Anzeigewert beziehungsweise zulässiger Prüfbereich,
- Alarmtest und
- Gesamtergebnis der Funktionskontrolle.
Eine solche Dokumentation erleichtert insbesondere das Erkennen schleichender Veränderungen.
Liegt ein Prüfwert beispielsweise über mehrere Monate zunehmend näher an einer Toleranzgrenze, kann dies frühzeitig auffallen.
Was tun bei einer Fehlermeldung?
Ein Strahlungsmessgerät mit nicht eindeutig geklärter Fehlermeldung sollte nicht einfach weiterverwendet werden, wenn davon sicherheitsrelevante Entscheidungen abhängen.
Je nach Fehlerbild können zunächst überprüft werden:
- Batterie beziehungsweise Akku,
- Sondenanschluss,
- Messmodus,
- Geräteeinstellungen und
- Herstellerhinweise zur konkreten Fehlermeldung.
Bleibt die Ursache unklar oder besteht das Gerät die vorgesehene Funktionsprüfung nicht, sollte ein freigegebenes Ersatzgerät verwendet und das auffällige Messgerät entsprechend dem betrieblichen Verfahren zur Überprüfung gegeben werden.
Ein Neustart oder das Quittieren einer Meldung allein ist kein ausreichender Nachweis dafür, dass das Gerät wieder korrekt misst.
Praxisbeispiel aus dem betrieblichen Strahlenschutz
Vor Wartungsarbeiten in einem überwachten Anlagenbereich soll ein tragbares Dosisleistungsmessgerät vorbereitet werden.
Der Kalibrierstatus ist gültig.
Bei der Sichtprüfung werden keine Beschädigungen festgestellt und der Batteriestatus ist ausreichend.
Nach dem Einschalten läuft der interne Selbsttest ohne Fehlermeldung durch.
Am üblichen Prüfplatz zeigt das Gerät einen plausiblen Hintergrundwert.
Anschließend wird entsprechend der vorgesehenen Prüfroutine ein definierter Prüfstrahler in der vorgesehenen Position verwendet.
Die Anzeige steigt jedoch deutlich weniger als bei den dokumentierten vorherigen Funktionskontrollen.
Das Gerät reagiert also grundsätzlich – der einfache Test „Anzeige steigt“ wäre damit bestanden.
Der Vergleich mit dem vorgesehenen Kontrollbereich zeigt jedoch eine deutliche Abweichung.
Bei der weiteren Prüfung wird festgestellt, dass die externe Sonde über einen beschädigten Steckkontakt nur zeitweise korrekt mit dem Grundgerät verbunden ist.
Das Gerät wird nicht eingesetzt. Stattdessen wird ein geprüftes Ersatzgerät verwendet und das auffällige Gerät zur Instandsetzung gegeben.
Das Beispiel zeigt, warum eine reproduzierbare Ansprechprüfung wesentlich aussagekräftiger ist als die reine Feststellung, dass ein Messgerät beim Einschalten grundsätzlich eine Anzeige liefert.
Welche Produkte und Lösungen eignen sich?
Tragbare Dosisleistungsmessgeräte
Für Feuerwehr, Katastrophenschutz, Industrie und betrieblichen Strahlenschutz stehen unterschiedliche Dosisleistungsmessgeräte zur Verfügung.
Bei der Auswahl sollte unter anderem berücksichtigt werden:
- benötigter Dosisleistungsmessbereich,
- Strahlungsart beziehungsweise Energieabhängigkeit,
- Alarmfunktionen,
- Schutzart und mechanische Robustheit,
- Bedienbarkeit mit persönlicher Schutzausrüstung sowie
- erforderliche Dokumentations- beziehungsweise Datenfunktionen.
Für Einsatzgeräte ist außerdem eine einfache und eindeutig durchführbare Funktionsprüfung ein wichtiger praktischer Aspekt.
GRAETZ X5C – mobiles Dosisleistungsmessgerät
Das GRAETZ X5C ist ein Beispiel für ein tragbares Dosisleistungsmessgerät aus dem ICS-Produktbereich Strahlungsmesstechnik.
Bei einem solchen Gerät sollte die Einsatzvorbereitung nicht nur den Kalibrierstatus umfassen, sondern auch die unmittelbar vor der Verwendung vorgesehene Funktionskontrolle.
Dazu gehören insbesondere Stromversorgung, Geräteanzeige, Hintergrundplausibilität, Alarmfunktionen und – sofern für das Gerät vorgesehen – die Ansprechprüfung mit einer geeigneten Prüfquelle.
Strahlungsmessgeräte mit externen beziehungsweise spezialisierten Sonden
Bei Messsystemen mit externer Sonde erweitert sich die Funktionsprüfung auf die komplette Messkette.
Neben dem Grundgerät müssen dann auch Sonde, Steckverbindungen und Sondenkabel kontrolliert werden.
Gerade bei Kontaminations- oder speziellen Ortsdosisleistungsmessungen kann die Auswahl der richtigen Sonde für die Messaufgabe entscheidend sein.
Weitere Messsysteme, Sonden und Zubehör finden Sie unter Strahlungsmesstechnik.
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Dosisleistungsmessgeräten, Dosimetern, Strahlungsdetektoren und Zubehör sowie bei der Zusammenstellung kompletter Messausrüstungen für Feuerwehr, Industrie und Strahlenschutz.
Fazit
Ein gültiger Kalibrierstatus ist eine wichtige Voraussetzung für verlässliche Strahlungsmessungen, ersetzt jedoch nicht die Funktionskontrolle unmittelbar vor dem Einsatz.
Bereits einfache Prüfungen können typische Probleme erkennen:
Sichtprüfung, Batterie, Selbsttest, Hintergrundwert, Alarmgeber und gegebenenfalls eine definierte Ansprechprüfung mit Prüfstrahler.
Besonders wichtig ist, die Hintergrundstrahlung nicht als universellen festen Sollwert zu betrachten. Entscheidend ist ein für Gerät und bekannten Prüfplatz plausibles Verhalten.
Auch bei der Prüfung mit einem Prüfstrahler ist eine reproduzierbare Geometrie wesentlich aussagekräftiger als die bloße Feststellung, dass die Anzeige irgendwie ansteigt.
Bei Geräten mit externen Sonden müssen Kabel und Steckverbinder in die Prüfung einbezogen werden.
Ebenso sollte kontrolliert werden, ob Messmodus, Einheit und Alarmgrenzen zur vorgesehenen Aufgabe passen.
Besteht ein Gerät die vorgesehene Funktionskontrolle nicht oder erscheint eine Fehlermeldung, deren Ursache nicht eindeutig geklärt werden kann, sollte es nicht für sicherheitsrelevante Messungen eingesetzt werden.
Eine kurze systematische Funktionsprüfung erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass ein Messgerät im entscheidenden Moment tatsächlich einsatzbereit ist.
Häufige Fragen zur Funktionsprüfung von Strahlungsmessgeräten
Reicht ein gültiger Kalibrierschein vor dem Einsatz aus?
Nein. Der Kalibrierstatus dokumentiert die messtechnische Prüfung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Batterie, Sonde, Kabel, Alarmgeber oder andere Funktionen können sich danach verändern. Deshalb ist zusätzlich eine Funktionskontrolle vor der Verwendung sinnvoll beziehungsweise entsprechend der jeweiligen Vorgaben erforderlich.
Warum zeigt ein Dosisleistungsmessgerät ohne Strahlenquelle nicht null an?
Auch ohne künstliche Quelle ist natürliche und zivilisatorische Hintergrundstrahlung vorhanden. Ein empfindliches Gerät zeigt deshalb normalerweise einen entsprechenden Hintergrundwert an.
Welcher Hintergrundwert ist normal?
Es gibt keinen einzelnen universellen Wert für jeden Standort. Hintergrundstrahlung hängt unter anderem von Region, Höhenlage, Gebäuden und Baumaterialien ab. Entscheidend ist deshalb die Plausibilität an einem bekannten Messort.
Was ist ein Prüfstrahler?
Ein Prüfstrahler ist eine dafür vorgesehene Strahlenquelle, mit der das Ansprechverhalten eines Strahlungsmessgerätes unter definierten Bedingungen kontrolliert werden kann. Verwendung und Aufbewahrung müssen entsprechend den geltenden Vorgaben erfolgen.
Ist eine Prüfung mit Prüfstrahler eine Kalibrierung?
Normalerweise nicht. Eine Funktionsprüfung bestätigt in erster Linie ein plausibles Ansprechverhalten. Eine Kalibrierung bestimmt dagegen die Messabweichung gegenüber einer definierten messtechnischen Referenz.
Reicht es aus, wenn die Anzeige beim Prüfstrahler steigt?
Für eine einfache Ansprechkontrolle kann dies ein erster Hinweis sein. Aussagekräftiger ist jedoch eine reproduzierbare Prüfung mit festgelegtem Abstand, Orientierung und einem definierten zulässigen Anzeigenbereich.
Warum muss der Alarm vor dem Einsatz geprüft werden?
Im Einsatz wird das Display nicht zwangsläufig dauerhaft beobachtet. Akustische, optische oder Vibrationsalarme können deshalb für eine schnelle Warnung entscheidend sein.
Was tun, wenn das Gerät nicht auf den Prüfstrahler reagiert?
Messmodus, Batterie, Sonde, Kabel und Prüfaufbau sollten entsprechend der Bedienungsanleitung kontrolliert werden. Bleibt die Ursache unklar oder besteht das Gerät die vorgesehene Prüfung nicht, sollte es nicht für sicherheitsrelevante Messungen verwendet werden.
Kann ein Strahlungsmessgerät selbst kontaminiert sein?
Ja. Nach Arbeiten mit möglicher offener Kontamination kann sich radioaktives Material auf Gerät, Sonde oder Schutztasche befinden. Die Kontrolle und gegebenenfalls Dekontamination muss nach dem vorgesehenen Strahlenschutzverfahren erfolgen.
Muss ein Personendosimeter genauso geprüft werden wie ein Dosisleistungsmessgerät?
Nicht unbedingt. Beide Gerätearten haben unterschiedliche Aufgaben und können unterschiedliche Prüfroutinen besitzen. Maßgeblich sind die Herstellerangaben und die für die jeweilige Anwendung festgelegten betrieblichen Prüfverfahren.
