Eine Produktionsanlage meldet sporadisch:
Frequenzfehler
oder:
Netz außerhalb Toleranz
Beim späteren Kontrollgang zeigt das Multimeter jedoch wieder:
50,00 Hz
Damit ist noch nicht geklärt, ob tatsächlich kein Netzproblem vorlag. Kurze Unter- oder Überfrequenzereignisse können längst beendet sein, bevor ein Techniker an der Anlage eintrifft.
Für die Fehlersuche muss die Netzfrequenz deshalb nicht nur momentan gemessen, sondern über einen ausreichend langen Zeitraum aufgezeichnet werden. Entscheidend sind dabei:
- Frequenzverlauf,
- Unter- und Überfrequenzgrenzen,
- Ereignisdauer,
- Zeitstempel,
- gleichzeitige Spannungs- und Stromänderungen.
Eine einzelne Frequenzanzeige beantwortet nur die Frage, wie hoch die Netzfrequenz im Moment der Messung ist. Für sporadische Störungen wird dagegen ein Power-Quality-Recorder benötigt, der Trends und Grenzwertverletzungen mit Zeitstempel speichert.
Ein besonders passendes Gerät aus dem ICS-Portfolio ist der Chauvin Arnoux CA 8345 Leistungsanalysator. Der Netzqualitätsanalysator entspricht IEC 61000-4-30 Edition 3 Class A, bietet Trendaufzeichnung und einstellbare Alarme sowie einen Monitoring-Modus für Untersuchungen nach EN 50160.
Weitere Geräte finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.
Inhaltsverzeichnis
- Was sagt die Netzfrequenz aus?
- Warum verändert sich die Frequenz überhaupt?
- Was bedeutet Unterfrequenz?
- Was bedeutet Überfrequenz?
- Welche Frequenzgrenzen gelten?
- Momentanwert, Trend und Ereignis unterscheiden
- Wie kurze Frequenzereignisse erfasst werden
- Trigger, Hysterese und Mindestdauer richtig einstellen
- Warum der Zeitstempel entscheidend ist
- Frequenz nicht isoliert betrachten
- Laständerungen mit Strommessung erkennen
- Wo sollte der Netzqualitätsanalysator angeschlossen werden?
- Inselnetze und Generatorbetrieb
- USV- und Netzersatzanlagen
- Frequenzereignis oder Transiente?
- Wie lange sollte aufgezeichnet werden?
- Praxisbeispiel: sporadischer Frequenzalarm
- Typische Fehler bei der Frequenzüberwachung
- Empfohlener Messablauf
- Passende Power-Quality-Messtechnik bei ICS Schneider
- Fazit
- FAQ
Was sagt die Netzfrequenz aus?
Im europäischen Verbundnetz beträgt die Nennfrequenz:
50 Hz
Eine vollständige elektrische Periode dauert damit:
T = 1 / f = 1 / 50 Hz = 20 ms
Die Frequenz ist nicht nur eine Eigenschaft der anliegenden Spannung. In einem synchron betriebenen Wechselstromnetz ist sie eng mit dem Gleichgewicht zwischen:
erzeugter Wirkleistung
und:
verbrauchter Wirkleistung
verbunden.
Vereinfacht gilt
Steigt die Last plötzlich stärker als die Erzeugung, neigt die Frequenz dazu zu sinken.
Ist dagegen kurzfristig mehr Erzeugungsleistung als Last vorhanden, kann die Frequenz steigen.
Die Netzfrequenz ist damit ein wichtiger Indikator für das momentane Leistungsbilanzverhalten eines Wechselstromnetzes.
Warum verändert sich die Frequenz überhaupt?
Eine Frequenz von exakt:
50,000 Hz
zu jedem Zeitpunkt ist in einem realen Stromnetz nicht zu erwarten.
Kleine Abweichungen entstehen laufend durch Änderungen von:
- Verbraucherleistung,
- Erzeugungsleistung,
- Netzkuppelstellen,
- Generatorregelung,
- Speichern,
- erneuerbaren Erzeugern.
In einem großen Verbundnetz
ist die Frequenz durch die große gekoppelte Erzeugungs- und Netzstruktur normalerweise relativ stabil.
In einem kleinen Inselnetz
kann bereits ein einzelner großer Verbraucher einen erheblichen Einfluss haben.
Beispiel:
Ein Generator versorgt:
100 kW Last
und plötzlich wird ein zusätzlicher Motor mit hoher Leistung zugeschaltet.
Bis die Drehzahl- beziehungsweise Leistungsregelung des Generators nachgeregelt hat, kann die Frequenz kurzfristig sinken.
Was bedeutet Unterfrequenz?
Unterfrequenz liegt vor, wenn die gemessene Netzfrequenz einen definierten unteren Grenzwert unterschreitet.
Beispielsweise:
f < 49,5 Hz
Ob diese Grenze bereits einen unzulässigen Zustand darstellt, hängt jedoch von:
- Netzart,
- anzuwendender Norm,
- Netzbetreiber,
- Anlagenanforderungen,
- Generatorregelung,
- Schutzeinstellungen
ab.
Mögliche Ursachen für Unterfrequenz
- plötzlicher Lastanstieg,
- Ausfall von Erzeugungsleistung,
- zu langsam reagierender Generatorregler,
- Überlastung eines Inselnetzes,
- Umschaltvorgänge zwischen Netz und Generator,
- Probleme bei der Synchronisierung.
Mögliche Auswirkungen
Empfindliche Anlagen können bei Unterfrequenz:
- Warnungen ausgeben,
- auf Ersatzversorgung umschalten,
- Lasten abwerfen,
- Antriebe abschalten,
- Schutzfunktionen auslösen.
Was bedeutet Überfrequenz?
Überfrequenz liegt entsprechend vor, wenn ein oberer Grenzwert überschritten wird.
Beispielsweise:
f > 50,5 Hz
Mögliche Ursachen
- plötzlicher Lastabwurf,
- zu hohe Generatorleistung,
- Regelprobleme eines Inselnetzes,
- Umschaltvorgänge,
- fehlerhafte Drehzahlregelung eines Generators.
Typisches Beispiel
Ein Dieselgenerator versorgt mehrere große Verbraucher.
Wird plötzlich ein erheblicher Teil der Last abgeschaltet, steht die mechanische Antriebsleistung zunächst weiterhin zur Verfügung.
Die Generatordrehzahl kann kurzfristig steigen.
Damit steigt auch die elektrische Frequenz, bis die Drehzahlregelung die Leistung reduziert.
Welche Frequenzgrenzen gelten?
Es gibt keinen einzigen Frequenzgrenzwert, der für jede industrielle Anwendung verwendet werden darf.
Zu unterscheiden sind insbesondere:
- Qualitätsmerkmale des öffentlichen Versorgungsnetzes,
- Schutzgrenzen einer Anlage,
- Generatorgrenzen,
- USV-Grenzen,
- Netzanschlussbedingungen,
- kundenspezifische Betriebsgrenzen.
EN 50160 als Orientierung für öffentliche Netze
Für ein synchron mit einem Verbundsystem betriebenes 50-Hz-Versorgungsnetz werden in Zusammenhang mit EN 50160 häufig folgende Bereiche verwendet:
| Frequenzbereich | Bezug |
|---|---|
| 49,5 … 50,5 Hz | 50 Hz ±1 % |
| 47 … 52 Hz | erweiterter Frequenzbereich |
Der engere Bereich ist dabei nicht als unmittelbare Abschaltgrenze für ein einzelnes Betriebsmittel zu verstehen.
Für Schutz-, Alarm- oder Abschaltgrenzen sind immer die konkret geltenden Netzanschlussbedingungen, Gerätevorgaben und Schutzkonzepte maßgeblich.
Ein Alarm darf deshalb bewusst enger gesetzt werden
Für eine Fehlersuche könnte beispielsweise aufgezeichnet werden:
Unterfrequenzalarm < 49,8 Hz
und:
Überfrequenzalarm > 50,2 Hz
Damit werden bereits kleinere Abweichungen sichtbar, obwohl sie noch nicht automatisch einen normwidrigen Zustand darstellen.
Momentanwert, Trend und Ereignis unterscheiden
Bei einer Netzfrequenzmessung sollten drei unterschiedliche Betrachtungen auseinandergehalten werden.
1. Momentanwert
Beispiel:
49,98 Hz
Dieser Wert beschreibt lediglich den aktuellen Zustand.
2. Trendaufzeichnung
Der Frequenzwert wird kontinuierlich über die Zeit gespeichert.
Dadurch entsteht beispielsweise:
50,01 → 50,00 → 49,96 → 49,82 → 49,71 → 49,89 → 49,99 Hz
Damit werden Verlauf und Dynamik sichtbar.
3. Grenzwert- beziehungsweise Alarmereignis
Das Messgerät registriert gezielt, dass:
f < definierter Grenzwert
oder:
f > definierter Grenzwert
war.
Zusätzlich sollten mindestens gespeichert werden:
- Beginn,
- Ende,
- Dauer,
- Minimal- beziehungsweise Maximalwert,
- Zeitstempel.
Wie kurze Frequenzereignisse erfasst werden
Ein häufiger Fehler besteht darin, nur lange Mittelwerte zu speichern.
Angenommen, innerhalb eines Messintervalls tritt folgender Verlauf auf:
50,00 Hz → 49,55 Hz → 50,00 Hz
und die Abweichung dauert nur wenige Sekunden.
Ein über einen langen Zeitraum gebildeter Mittelwert kann trotzdem nahezu:
50,00 Hz
betragen.
Das eigentliche Ereignis wäre damit praktisch unsichtbar.
Deshalb sind Grenzwertalarme wichtig
Der Recorder überwacht die Frequenz kontinuierlich und speichert das Ereignis unmittelbar beim Überschreiten der konfigurierten Bedingung.
Für sporadische Störungen ist die Ereignisaufzeichnung meist aussagekräftiger als ein einzelner Tages-, Stunden- oder Minutenmittelwert.
Trigger, Hysterese und Mindestdauer richtig einstellen
Ein Grenzwert allein reicht nicht immer aus.
Beispiel
Der Alarm wird eingestellt auf:
f < 49,8 Hz
Die Frequenz schwankt jedoch permanent zwischen:
49,79 und 49,81 Hz
Ohne geeignete Hysterese könnte das Messgerät ständig neue Ereignisse beginnen und beenden.
Eine Hysterese verhindert dieses Flattern
Beispielsweise:
Alarm EIN unter 49,80 Hz
Alarm AUS erst über 49,85 Hz
Zusätzlich kann eine Mindestdauer sinnvoll sein
Beispielsweise:
f < 49,8 Hz für mindestens 1 s
Damit werden sehr kurze Abweichungen ausgeblendet, wenn diese für die konkrete Anwendung nicht relevant sind.
Grenzwert, Hysterese und Mindestdauer müssen zum untersuchten Problem passen. Werden sie zu großzügig gewählt, wird das Ereignis nicht erfasst. Werden sie zu empfindlich gewählt, entstehen unnötig viele Meldungen.
Warum der Zeitstempel entscheidend ist
Ein Frequenzereignis wird besonders wertvoll, wenn es mit anderen Anlageninformationen korreliert werden kann.
Beispiel
Power-Quality-Recorder:
14:37:22,4 → Frequenzminimum 49,62 Hz
SPS-Ereignisprotokoll:
14:37:22 → Kompressor 3 gestartet
Generatorsteuerung:
14:37:22 → Lastsprung erkannt
Damit entsteht ein plausibler Zusammenhang.
Bei mehreren Messgeräten
ist eine gemeinsame Zeitbasis besonders wichtig.
Eine interne GPS-Synchronisation beziehungsweise eine präzise Netzzeitsynchronisation erleichtert die Zuordnung von Ereignissen aus:
- Power-Quality-Analysator,
- Schutzrelais,
- SPS,
- USV,
- Generatorsteuerung,
- Leitsystem.
Frequenz nicht isoliert betrachten
Bei einer Fehlersuche sollte die Frequenz möglichst gemeinsam mit weiteren Netzgrößen aufgezeichnet werden.
Besonders hilfreich sind:
- Spannung L1/L2/L3,
- Strom L1/L2/L3,
- Wirkleistung,
- Blindleistung,
- Unsymmetrie,
- Spannungseinbrüche und -unterbrechungen.
Beispiel
Ein Frequenzeinbruch tritt gleichzeitig mit:
stark steigendem Strom
und:
fallender Spannung
auf.
Das deutet eher auf einen erheblichen Lastsprung beziehungsweise eine schwache Versorgung hin als auf eine reine Frequenzregelabweichung.
Anderes Beispiel
Die Frequenz bleibt stabil, während die Spannung kurzzeitig stark einbricht.
Dann handelt es sich wahrscheinlich nicht primär um ein Frequenzproblem.
Power Quality bedeutet deshalb, Ereignisse im Zusammenhang zu analysieren und nicht nur einen einzelnen Messkanal zu betrachten.
Laständerungen mit Strommessung erkennen
Für eine reine Frequenzbestimmung benötigt ein Netzanalysator in erster Linie ein geeignetes Spannungssignal.
Für die Ursachenanalyse ist die zusätzliche Strommessung jedoch häufig entscheidend.
Beispiel
Vor einem Ereignis:
I = 120 A
Unmittelbar danach:
I = 310 A
und gleichzeitig:
f = 50,0 Hz → 49,6 Hz
Damit wird ein Lastsprung als mögliche Ursache deutlich.
Ohne Stromaufzeichnung wäre nur die Frequenzabweichung sichtbar.
Wo sollte der Netzqualitätsanalysator angeschlossen werden?
Der Messpunkt muss zur Fragestellung passen.
Bei einer allgemeinen Bewertung der Versorgung
ist der:
Netzeinspeisepunkt / PCC
häufig besonders sinnvoll.
Dort lässt sich beurteilen, welche Netzqualität tatsächlich in die Anlage gelangt.
Bei einem lokalen Problem
kann zusätzlich direkt an der betroffenen Unterverteilung oder Maschine gemessen werden.
Beispiel
Messung am PCC:
50,00 Hz stabil
Messung hinter einer Netzersatzanlage:
48,9 … 51,2 Hz
Dann liegt die Ursache offensichtlich nicht im vorgelagerten öffentlichen Netz.
Sicherer Anschluss
Beim Anschluss eines Power-Quality-Analysators müssen:
- Messkategorie,
- maximale Spannung,
- geeignete Messleitungen,
- Absicherung,
- Arbeitsschutz
zur Anlage passen.
Inselnetze und Generatorbetrieb
Inselnetze reagieren wesentlich empfindlicher auf Laständerungen als große Verbundnetze.
Typische Anwendungen
- Dieselgeneratoren,
- Baustromversorgung,
- Schiffe,
- Offshore-Anlagen,
- Mikronetze,
- Notstromnetze.
Die Frequenz hängt hier stark von:
- Generatorleistung,
- rotierender Masse,
- Drehzahlregelung,
- Lastdynamik
ab.
Bei einem großen Motorstart
kann die Frequenz beispielsweise zunächst sinken und sich anschließend wieder stabilisieren.
Für die Bewertung sind dann nicht nur:
fmin
sondern auch:
- Ereignisdauer,
- Regelzeit,
- Überschwingen,
- erneute Stabilisierung
wichtig.
Die Grenzwerte eines Inselnetzes sollten aus dem konkreten Generator-, Anlagen- und Schutzkonzept abgeleitet werden und nicht unkritisch von einem öffentlichen Verbundnetz übernommen werden.
USV- und Netzersatzanlagen
Auch bei USV- und Netzersatzanlagen spielt die Frequenzüberwachung eine wichtige Rolle.
Typischer Ablauf
öffentliches Netz → Frequenz außerhalb Eingangsfenster → USV wechselt Betriebszustand
oder:
Netzausfall → Generator startet → Frequenz stabilisiert sich → Last wird übernommen
Interessante Messgrößen sind
- Frequenz vor der Umschaltung,
- Frequenz unmittelbar nach Umschaltung,
- Stabilisierungszeit,
- Spannungsverlauf,
- Laststrom,
- Unterbrechungsdauer.
Damit lässt sich beispielsweise unterscheiden, ob eine Anlage wegen einer tatsächlichen Netzabweichung oder aufgrund einer ungeeigneten Parametrierung des Eingangsfensters umschaltet.
Frequenzereignis oder Transiente?
Frequenzereignisse und elektrische Transienten sind nicht dasselbe.
Frequenzereignis
Die Periodendauer beziehungsweise Netzfrequenz verändert sich über mehrere Netzperioden oder länger.
Transiente
Eine sehr schnelle Spannungsänderung kann dagegen innerhalb von:
- Mikrosekunden,
- Bruchteilen einer Netzperiode
auftreten.
Beispiele sind:
- Schaltüberspannungen,
- Stoßspannungen,
- hochfrequente Impulse.
Ein schneller Spannungsimpuls ist deshalb nicht automatisch ein Frequenzereignis. Für eine umfassende Power-Quality-Untersuchung können beide Erfassungsarten parallel sinnvoll sein.
Wie lange sollte aufgezeichnet werden?
Die richtige Aufzeichnungsdauer hängt von der Häufigkeit des Fehlers ab.
Fehler mehrmals täglich
Eine Aufzeichnung über:
24 … 48 Stunden
kann bereits ausreichen.
Fehler nur alle paar Tage
Dann sollte mindestens eine komplette typische Betriebsperiode erfasst werden.
Schwer reproduzierbarer Fehler
Hier können:
mehrere Tage bis eine Woche oder länger
sinnvoll sein.
Für eine normative Netzqualitätsbewertung
müssen dagegen die jeweiligen Beobachtungs- und Auswertezeiträume der anzuwendenden Norm beziehungsweise vertraglichen Vorgabe eingehalten werden.
Die Messdauer sollte immer länger sein als der typische Abstand zwischen zwei Störungen. Sonst kann ein störungsfreier Datensatz lediglich bedeuten, dass zu kurz gemessen wurde.
Praxisbeispiel: sporadischer Frequenzalarm
Eine industrielle Anlage meldet etwa zweimal pro Woche:
Drive: mains frequency out of range
Bei manueller Kontrolle beträgt die Frequenz jedes Mal:
50,00 Hz
Messaufbau
Ein Power-Quality-Analysator wird am Einspeisepunkt der betroffenen Unterverteilung angeschlossen.
Aufgezeichnet werden:
- Frequenz,
- Spannung L1/L2/L3,
- Strom L1/L2/L3,
- Wirkleistung,
- Spannungsereignisse.
Zusätzliche Alarmgrenzen für die Fehlersuche
Beispielsweise:
Unterfrequenz < 49,8 Hz
und:
Überfrequenz > 50,2 Hz
Diese Werte dienen hier bewusst als empfindliche Diagnosegrenzen und nicht als allgemeine normative Abschaltgrenzen.
Nach drei Tagen
wird ein Ereignis gespeichert:
10:16:43 – fmin = 49,63 Hz
gleichzeitig steigt der Strom von:
85 A auf 290 A
.
Abgleich mit der Anlagensteuerung
Zum gleichen Zeitpunkt wurde ein großer Kompressor direkt gestartet.
Damit wird ein Zusammenhang zwischen:
Lastsprung → Netzreaktion → Frequenzalarm
sichtbar.
Nun kann gezielt geprüft werden, ob:
- die Versorgung zu schwach ist,
- der Generator beziehungsweise Transformator ausreichend dimensioniert ist,
- eine andere Motorstartstrategie erforderlich ist,
- die Frequenzgrenzen des Antriebs sinnvoll eingestellt sind.
Typische Fehler bei der Frequenzüberwachung
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|---|
| Störung gemeldet, Messgerät zeigt später 50,00 Hz | Ereignis bereits beendet | Langzeitaufzeichnung mit Alarmfunktion verwenden |
| Trend zeigt keine Auffälligkeit | Aufzeichnungsintervall zu grob | Ereignis- beziehungsweise Alarmaufzeichnung aktivieren |
| Sehr viele kurze Alarme | Grenzwert zu eng oder keine Hysterese | Triggerparameter anpassen |
| Keine Alarme trotz Anlagenstörung | Grenzwert oder Mindestdauer zu großzügig | Trigger empfindlicher konfigurieren |
| Frequenzereignis kann keiner Ursache zugeordnet werden | Strom und Leistung nicht mit aufgezeichnet | Lastgrößen zusätzlich erfassen |
| Zeitstempel verschiedener Systeme stimmen nicht überein | Uhren nicht synchronisiert | GPS/NTP beziehungsweise gemeinsame Zeitbasis verwenden |
| Problem tritt nur bei Generatorbetrieb auf | Regelverhalten des Inselnetzes | Messung gezielt während Generatorbetrieb wiederholen |
| Spannungseinbruch wird als Frequenzproblem interpretiert | Messgrößen nicht gemeinsam bewertet | Spannungsereignis und Frequenz zeitlich vergleichen |
| Frequenzwert während starker Spannungsstörung unplausibel | Referenzsignal zeitweise ungeeignet | Spannungsverlauf und Messgültigkeit prüfen |
| Öffentliches Netz stabil, Maschine meldet trotzdem Frequenzfehler | lokale Versorgung, USV oder Umrichter | mehrere Messpunkte vergleichen |
| µs-Spannungsimpuls wird als Frequenzereignis bezeichnet | Transiente und Frequenzänderung verwechselt | separate Transientenerfassung verwenden |
Empfohlener Messablauf
- Störung definieren: Wann und an welcher Anlage tritt das Problem auf?
- Messpunkt festlegen: PCC, Unterverteilung, Generatorausgang oder direkt an der Maschine.
- Netzsystem konfigurieren: Einphasen- oder Dreiphasennetz sowie Leiterkonfiguration korrekt einstellen.
- Spannungsleitungen anschließen: Messkategorie und Arbeitsschutz beachten.
- Stromsensoren ergänzen: Wenn Laständerungen als mögliche Ursache untersucht werden.
- Nennfrequenz einstellen: Beispielsweise 50 Hz.
- Trendaufzeichnung aktivieren: Frequenz und relevante Begleitgrößen speichern.
- Unterfrequenzgrenze definieren: Passend zur Diagnoseaufgabe.
- Überfrequenzgrenze definieren: Ebenfalls anwendungsspezifisch.
- Hysterese einstellen: Häufiges Ein- und Ausschalten des Alarms vermeiden.
- Mindestdauer festlegen: Nur falls sehr kurze Ereignisse bewusst ausgeblendet werden sollen.
- Zeit synchronisieren: Besonders bei Vergleich mit SPS, Relais oder Generatorsteuerung.
- Ausreichend lange messen: Mindestens über eine typische Störungsperiode.
- Ereignisse auswerten: Beginn, Dauer, Minimum und Maximum betrachten.
- Begleitgrößen vergleichen: Spannung, Strom und Leistung zum gleichen Zeitpunkt analysieren.
- Anlagenprotokolle abgleichen: Motorstarts, Umschaltungen und Schutzmeldungen berücksichtigen.
- Ursache bestätigen: Nach einer Änderung gegebenenfalls Kontrollmessung durchführen.
Passende Power-Quality-Messtechnik bei ICS Schneider
Chauvin Arnoux CA 8345 Leistungsanalysator
Der CA 8345 ist für dieses Thema besonders geeignet, da er als Class-A-Netzqualitätsanalysator für längerfristige und detaillierte Untersuchungen elektrischer Netze ausgelegt ist.
Zu den für die Frequenzüberwachung besonders relevanten Eigenschaften gehören:
- IEC 61000-4-30 Edition 3 Class A,
- Trendaufzeichnung von mehr als 900 Parametern,
- einstellbare Alarme,
- bis zu 20.000 Alarmereignisse,
- integrierte GPS-Uhr zur UTC-Synchronisation,
- Monitoring-Modus für EN-50160-Auswertungen,
- SD-Speicherkarte,
- USB, Ethernet und WLAN,
- PAT3-Software zur Konfiguration und Datenauswertung.
Warum Class A bei vergleichenden Messungen interessant ist
IEC 61000-4-30 definiert Messverfahren für Power-Quality-Parameter.
Bei einem Class-A-Gerät werden diese Verfahren so festgelegt, dass Messungen verschiedener konformer Geräte beziehungsweise Messorte besser miteinander vergleichbar sind.
Das ist insbesondere hilfreich, wenn Messergebnisse:
- zwischen mehreren Netzpunkten verglichen,
- mit Netzbetreiberdaten abgeglichen,
- für eine formalisierte Power-Quality-Untersuchung verwendet
werden sollen.
Alarme und Trendaufzeichnung kombinieren
Für eine Fehlersuche ist die Kombination besonders sinnvoll:
kontinuierlicher Frequenztrend + gezielte Grenzwertalarme
Der Trend zeigt die langfristige Entwicklung, während der Alarm gezielt auf den kritischen Zeitpunkt verweist.
PAT3 zur Auswertung
Mit der Power Analyzer Transfer Software können aufgezeichnete Daten:
- übertragen,
- grafisch dargestellt,
- tabellarisch ausgewertet,
- exportiert
werden.
Damit lassen sich Frequenzereignisse gemeinsam mit anderen Netzgrößen untersuchen.
Weitere Lösungen finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.
Fazit
Die Netzfrequenz lässt sich mit vielen Messgeräten momentan anzeigen. Für sporadische Unter- und Überfrequenzereignisse reicht eine Momentanmessung jedoch nicht aus.
Der Frequenzverlauf muss aufgezeichnet werden
Nur eine Langzeitmessung zeigt, wie sich die Frequenz vor, während und nach einem Ereignis verändert hat.
Grenzwertalarme erfassen kurze Ereignisse
Unter- und Überfrequenzgrenzen ermöglichen es, Abweichungen gezielt mit Beginn, Dauer und Zeitstempel zu dokumentieren.
Grenzwerte sind anwendungsspezifisch
Normative Netzqualitätsbereiche, Gerätegrenzen und Schutzschwellen dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Zeitstempel ermöglichen die Ursachenanalyse
Erst die zeitliche Zuordnung zu Motorstarts, Umschaltungen, Schutzrelais oder Generatorereignissen macht aus einer Frequenzabweichung häufig eine belastbare Diagnose.
Strom und Spannung sollten mit aufgezeichnet werden
Damit lässt sich erkennen, ob beispielsweise ein Lastsprung, Spannungseinbruch oder Generatorregelproblem gleichzeitig auftritt.
Inselnetze müssen separat bewertet werden
Generator- und Notstromnetze können wesentlich größere und dynamischere Frequenzänderungen zeigen als ein großes Verbundnetz.
Für die Praxis gilt
Messstelle auswählen → Netzsystem korrekt anschließen → Frequenztrend aktivieren → Unter- und Überfrequenzgrenzen definieren → Hysterese und Ereignisdauer sinnvoll einstellen → Zeitbasis synchronisieren → Spannung, Strom und Leistung parallel aufzeichnen → ausreichend lange messen → Ereignisse anhand von Minimum, Maximum und Dauer bewerten → Zeitstempel mit Anlagenprotokollen vergleichen → Ursache durch Kontrollmessung bestätigen.
FAQ: Netzfrequenz richtig überwachen
Wie hoch ist die Netzfrequenz in Deutschland?
Die Nennfrequenz des öffentlichen Wechselstromnetzes beträgt 50 Hz.
Muss die Netzfrequenz immer exakt 50,00 Hz betragen?
Nein. Kleine Frequenzabweichungen sind im realen Netz normal. Entscheidend sind Höhe, Dauer und die für das jeweilige Netz geltenden Anforderungen.
Was ist Unterfrequenz?
Unterfrequenz liegt vor, wenn die Netzfrequenz einen definierten unteren Grenzwert unterschreitet.
Was ist Überfrequenz?
Überfrequenz bezeichnet entsprechend eine Überschreitung des definierten oberen Frequenzgrenzwerts.
Warum sinkt die Netzfrequenz?
Vereinfacht kann die Frequenz sinken, wenn kurzfristig mehr Wirkleistung verbraucht als erzeugt wird. In Inselnetzen kann beispielsweise ein großer Lastsprung eine deutliche Frequenzabsenkung verursachen.
Warum steigt die Netzfrequenz?
Eine mögliche Ursache ist ein plötzlicher Lastabwurf, bei dem die Erzeugungsleistung kurzfristig größer als die abgenommene Leistung ist.
Sind 49,9 Hz bereits ein Netzfehler?
Nicht automatisch. Die Bewertung hängt von Netzart, Norm, Netzbetreiber und Anlagenanforderung ab.
Was bedeutet der Bereich 49,5 bis 50,5 Hz?
Er entspricht bei einem 50-Hz-Netz einer Abweichung von ±1 % und wird im Zusammenhang mit den Frequenzmerkmalen öffentlicher Verbundnetze nach EN 50160 verwendet.
Kann ich 49,8 Hz als Alarmgrenze einstellen?
Ja, wenn dies für die Diagnose sinnvoll ist. Eine solche Alarmgrenze ist dann jedoch nicht automatisch eine normative Abschaltgrenze.
Warum reicht ein Multimeter für sporadische Frequenzfehler häufig nicht?
Es zeigt in erster Linie den aktuellen Wert. Ein Ereignis, das einige Minuten oder Stunden zuvor aufgetreten ist, lässt sich damit nicht mehr rekonstruieren.
Was ist eine Frequenz-Trendaufzeichnung?
Dabei werden Frequenzwerte kontinuierlich über einen längeren Zeitraum gespeichert, sodass der zeitliche Verlauf anschließend analysiert werden kann.
Was ist ein Frequenzereignis?
Ein Ereignis liegt beispielsweise vor, wenn ein konfigurierter Unter- oder Überfrequenzgrenzwert für die definierte Bedingung verletzt wird.
Warum brauche ich einen Zeitstempel?
Damit lässt sich das Frequenzereignis mit Anlagenmeldungen, Motorstarts, Schutzrelais, USV-Systemen oder Generatorsteuerungen abgleichen.
Was bringt GPS-Synchronisation?
Sie ermöglicht eine präzise gemeinsame Zeitbasis und erleichtert insbesondere den Vergleich von Ereignissen an verschiedenen Messstellen oder Geräten.
Warum sollte zusätzlich der Strom gemessen werden?
Eine deutliche Stromänderung zum gleichen Zeitpunkt kann zeigen, dass ein Lastsprung mit dem Frequenzereignis zusammenhängt.
Sollte auch die Spannung aufgezeichnet werden?
Ja. Dadurch lässt sich beispielsweise unterscheiden, ob gleichzeitig ein Spannungseinbruch, eine Unterbrechung oder ein anderes Netzqualitätsereignis auftritt.
Wo sollte ich die Netzfrequenz messen?
Für die Bewertung der allgemeinen Versorgung ist der Netzeinspeisepunkt beziehungsweise PCC häufig sinnvoll. Bei lokalen Problemen sollte zusätzlich nahe am betroffenen Verbraucher gemessen werden.
Kann die Frequenz hinter einer USV von der Netzfrequenz abweichen?
Ja. Je nach Betriebszustand und USV-Technologie kann die Ausgangsfrequenz durch die USV selbst erzeugt beziehungsweise geregelt werden.
Warum schwankt die Frequenz eines Generators stärker?
Ein kleines Generatornetz besitzt eine geringere Gesamtleistung und reagiert deshalb stärker auf schnelle Laständerungen. Zusätzlich spielt die Dynamik des Drehzahlreglers eine wichtige Rolle.
Ist eine Transiente dasselbe wie ein Frequenzereignis?
Nein. Eine Transiente ist eine sehr schnelle Spannungsänderung. Eine Frequenzabweichung beschreibt dagegen eine Änderung der Periodendauer beziehungsweise Netzfrequenz.
Wie lange sollte eine Frequenzmessung laufen?
Die Messdauer sollte mindestens die typische Zeit zwischen zwei Störungen abdecken. Bei seltenen Ereignissen können mehrere Tage oder länger erforderlich sein.
Was bedeutet IEC 61000-4-30 Class A?
Die Norm definiert standardisierte Messverfahren für Power-Quality-Parameter. Class A ist insbesondere für hochwertige, vergleichbare und formalisierte Netzqualitätsmessungen vorgesehen.
Welches ICS-Gerät eignet sich für die Frequenzüberwachung?
Der Chauvin Arnoux CA 8345 ist als IEC-61000-4-30-Class-A-Netzqualitätsanalysator besonders für Trend-, Alarm- und Langzeituntersuchungen geeignet.
Kann der CA 8345 Alarme aufzeichnen?
Ja. Das Gerät bietet einstellbare Alarme und speichert eine große Anzahl von Alarmereignissen.
Kann der CA 8345 für EN-50160-Auswertungen verwendet werden?
Ja. Für den CA 8345 steht ein Monitoring-Modus für die Analyse der Spannungsqualität gemäß EN 50160 zur Verfügung.
Hat der CA 8345 eine Zeitsynchronisation?
Ja. Das Gerät besitzt eine integrierte GPS-Uhr zur Synchronisation mit UTC und unterstützt zusätzlich eine Netzzeitsynchronisation.
Kann ich die Messdaten später am PC auswerten?
Ja. Die Daten können unter anderem mit der Power Analyzer Transfer Software PAT3 übertragen, grafisch dargestellt und exportiert werden.
Wo finde ich weitere Geräte für Netz- und Power-Quality-Messungen?
Weitere Geräte finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.
