MINIMESS-Baureihe auswählen: 1215, 1615, 1620 oder 1604 richtig zuordnen

MINIMESS Druckmessung mit Digitalmanometer am Hydraulikblock
→ Produktkategorie: MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche

 

Eine vorhandene Messkupplung sieht auf den ersten Blick wie MINIMESS aus. Der Prüfschlauch lässt sich jedoch nicht aufschrauben. Ein anderer Schlauch scheint zunächst zu passen, wird nach wenigen Gewindegängen aber schwergängig. Ist lediglich das Einschraubgewinde falsch oder handelt es sich um eine andere MINIMESS-Reihe?

Genau hier entstehen im Hydraulikservice häufig Fehlbestellungen. MINIMESS 1215, 1615, 1620 und 1604 verfolgen zwar dasselbe Grundprinzip, sind auf der Kupplungsseite jedoch nicht beliebig miteinander kompatibel.

Entscheidend sind insbesondere die MINIMESS-Reihe, das Kupplungsgewinde, die Nennweite, der maximal zulässige Betriebsdruck, das Einschraubgewinde zur Anlage, die Abdichtform und der Dichtwerkstoff.

Ein besonders häufiger Fehler besteht darin, Kupplungsgewinde und Einschraubgewinde miteinander zu verwechseln. Ein MINIMESS-1620-Testpunkt kann beispielsweise an der Prozessseite ein metrisches M12 × 1,5 besitzen. Die Kupplungsseite bleibt trotzdem MINIMESS 1620 mit M16 × 2.

Original MINIMESS-Kupplungen, Schläuche und Zubehör finden Sie unter MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche. Besonders kompakte Ausführungen sind unter MINIMESS Kupplungen Reihe 1215 zusammengefasst.

Wie funktioniert ein MINIMESS-Testpunkt?

Ein MINIMESS-Testpunkt bildet einen kompakten Zugang zu einem fluidtechnischen System. Er kann beispielsweise verwendet werden für:

  • Druckmessungen,
  • Anschluss von Drucksensoren,
  • Diagnosemessungen,
  • Probeentnahme,
  • Befüllung,
  • Entlüftung,
  • Entleerung.

Im Inneren befindet sich ein mechanisch entsperrbares Rückschlagventil. Ohne angeschlossenen Prüfschlauch ist der Testpunkt geschlossen.

Wird die passende MINIMESS-Gegenkupplung aufgeschraubt, betätigt sie den Ventilmechanismus. Dadurch wird die Verbindung zwischen Anlage und Messleitung geöffnet.

Das ermöglicht bei dafür vorgesehenen Anwendungen das Anschließen eines Messgeräts bei druckbeaufschlagter Anlage, ohne für jede Messung einen klassischen Absperrhahn installieren zu müssen.

Genau diese Ventiltechnik ist jedoch ein Grund dafür, warum ähnlich aussehende Kupplungen nicht beliebig miteinander kombiniert werden dürfen.

Für eine funktionierende Verbindung müssen gleichzeitig passen:

  • Kupplungsreihe,
  • Gewinde der Kupplungsseite,
  • Dichtgeometrie,
  • Betätigungsmechanismus des Rückschlagventils,
  • zulässiger Betriebsdruck,
  • Schlauch und Gegenkupplung.

1215, 1615, 1620 und 1604 im direkten Vergleich

MINIMESS-Reihe Kupplungsseite Nennweite Max. Betriebsdruck der Reihe Typischer Einsatz
1620 M16 × 2 DN2 bis 630 bar Standard-Messstellen für Druckmessung, Diagnose, Probenahme, Befüllung und Entlüftung
1615 M16 × 1,5 DN2 bis 630 bar Alternative M16-Kupplungsreihe, insbesondere bei vorhandenen 1615-Systemen
1215 kleines reihenspezifisches Kupplungsgewinde DN2 bis 630 bar Besonders kompakte Messstellen bei wenig Einbauraum
1604 größeres reihenspezifisches Kupplungssystem DN4 bis 400 bar Befüllen und Entleeren mit größerem freien Querschnitt

Die Druckangaben in dieser Übersicht sind die maximalen Werte der jeweiligen Reihe. Der tatsächlich zulässige Betriebsdruck eines konkreten Artikels kann abhängig von Einschraubgewinde, Abdichtform, Material, Dichtung und Ausführung niedriger sein.

Bei der Bestellung ist deshalb immer der konkrete Artikel beziehungsweise dessen technisches Datenblatt maßgeblich.

Kupplungsseite und Einschraubseite unterscheiden

Bei einem MINIMESS-Testpunkt müssen grundsätzlich zwei Seiten getrennt betrachtet werden.

1. Kupplungsseite

Auf dieser Seite wird der MINIMESS-Schlauch beziehungsweise die Gegenkupplung angeschlossen.

Diese Seite bestimmt die eigentliche MINIMESS-Reihe.

Beispiele:

  • MINIMESS 1620: M16 × 2,
  • MINIMESS 1615: M16 × 1,5,
  • MINIMESS 1215: kompakte 1215-Kupplungsgeometrie,
  • MINIMESS 1604: größere 1604-Kupplungsgeometrie mit DN4.

2. Einschraubseite

Diese Seite verbindet den Testpunkt mit der Maschine, Rohrleitung, dem Hydraulikblock oder einem Adapter.

Je nach Ausführung sind unterschiedliche Anschlussgewinde erhältlich, beispielsweise:

  • M10 × 1,
  • M12 × 1,5,
  • M14 × 1,5,
  • G 1/8,
  • G 1/4,
  • UNF-Anschlüsse,
  • NPT-Anschlüsse.

Nicht jede Kombination ist in jeder Baureihe verfügbar.

Besonders wichtig:

Ein M12 × 1,5 auf der Einschraubseite bedeutet nicht, dass es sich um MINIMESS 1215 handelt.

Ein MINIMESS-1620-Testpunkt kann ebenfalls mit M12 × 1,5 in einen Hydraulikblock eingeschraubt werden, während seine Messseite weiterhin das 1620-Kupplungssystem M16 × 2 besitzt.

Bei Ersatzbeschaffungen müssen deshalb beide Anschlüsse separat angegeben werden.

Wann ist MINIMESS 1620 die richtige Wahl?

MINIMESS 1620 ist die am häufigsten verwendete Reihe für klassische hydraulische Mess- und Diagnosepunkte.

Die Kupplungsseite besitzt:

M16 × 2

Die Nennweite beträgt:

DN2

Die Reihe ist für Betriebsdrücke bis maximal 630 bar verfügbar und wird unter anderem eingesetzt für:

  • mobile Hydraulik,
  • Baumaschinen,
  • Werkzeugmaschinen,
  • Hydraulikaggregate,
  • Prüfstände,
  • Industriehydraulik,
  • Condition Monitoring.

Ein wichtiger Vorteil ist die starke Verbreitung der Reihe. Viele Messschläuche, Prüfkoffer, Drucksensoradapter und Diagnosegeräte werden standardmäßig mit 1620-Anschlüssen angeboten.

Die Reihe 1620 ist außerdem nach ISO 15171-2 ausgeführt.

Bei einer neuen Standard-Hydraulikanlage ist 1620 deshalb häufig die naheliegende Ausgangsbasis, sofern keine besonderen Anforderungen dagegen sprechen.

Wann wird MINIMESS 1615 benötigt?

MINIMESS 1615 sieht der Reihe 1620 sehr ähnlich.

Der entscheidende Unterschied liegt im Kupplungsgewinde:

MINIMESS 1615 = M16 × 1,5

gegenüber:

MINIMESS 1620 = M16 × 2

Beide Systeme besitzen damit einen Nenndurchmesser des Gewindes von ungefähr 16 mm, unterscheiden sich aber in der Gewindesteigung.

Gerade deshalb besteht eine hohe Verwechslungsgefahr.

Ein Schlauchanschluss M16 × 2 darf nicht auf einen M16 × 1,5-Testpunkt gezwungen werden.

Bereits nach wenigen Gewindegängen kann die Verbindung schwergängig werden. Weiteres Anziehen kann:

  • das Gewinde beschädigen,
  • die Kupplung verkanten,
  • die Dichtgeometrie beschädigen,
  • eine unsichere Verbindung erzeugen.

MINIMESS 1615 besitzt wie 1620 eine Nennweite DN2 und ist in geeigneten Ausführungen bis 630 bar verfügbar.

Die Reihe ist besonders relevant, wenn an bestehenden Maschinen bereits 1615-Messstellen installiert sind und diese Systematik weitergeführt werden soll.

Wann ist MINIMESS 1215 sinnvoll?

MINIMESS 1215 ist die kompakte Variante innerhalb der klassischen MINIMESS-Testpunkte.

Sie besitzt:

  • DN2,
  • eine besonders kleine Kupplungsseite,
  • eine kompakte Bauform,
  • je nach Ausführung Betriebsdrücke bis 630 bar.

Damit eignet sich 1215 besonders für:

  • kleine Hydraulikblöcke,
  • Ventilblöcke mit engen Anschlussabständen,
  • mobile Maschinen,
  • Messstellen mit geringem Bauraum.

Bei der Identifikation sollte nicht allein aus der Zahl 1215 auf ein gewöhnliches Prozessgewinde M12 × 1,5 geschlossen werden.

Die aktuelle Hydrotechnik-Systematik verwendet auf der Kupplungsseite eine reihenspezifische kompakte Gewindegeometrie. Gleichzeitig können auf der Einschraubseite der Messkupplung durchaus metrische Gewinde wie M12 × 1,5 vorhanden sein.

Diese beiden Anschlüsse sind funktional vollständig unterschiedlich.

Wann sollte MINIMESS 1604 eingesetzt werden?

MINIMESS 1604 unterscheidet sich stärker von den drei DN2-Reihen.

Die wichtigste Eigenschaft ist:

Nennweite DN4

Der größere freie Querschnitt ist insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen nicht nur ein Drucksignal übertragen werden soll, sondern ein größerer Volumenstrom durch die Messstelle erforderlich ist.

Typische Anwendungen sind:

  • schnelleres Befüllen,
  • Entleeren,
  • Entlüften,
  • Servicearbeiten mit höherem Durchflussbedarf.

Die größere Nennweite darf allerdings nicht mit einer höheren Druckstufe verwechselt werden.

Die Reihe 1604 ist für Betriebsdrücke bis maximal:

400 bar

vorgesehen.

Für reine Druckmessungen in typischen Hochdruck-Hydraulikanwendungen ist deshalb häufig eine DN2-Reihe geeigneter.

Betriebsdruck richtig prüfen

Eine der gefährlichsten Fehlannahmen lautet:

„MINIMESS ist grundsätzlich für 630 bar geeignet.“

Das ist so nicht korrekt.

Die Reihen 1215, 1615 und 1620 erreichen in entsprechenden Varianten Betriebsdrücke bis 630 bar. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder einzelne Testpunkt mit jedem verfügbaren Einschraubgewinde automatisch für 630 bar zugelassen ist.

Der tatsächlich zulässige Betriebsdruck kann unter anderem beeinflusst werden durch:

  • Einschraubgewinde,
  • Gewindegröße,
  • Abdichtform,
  • Werkstoff,
  • Dichtwerkstoff,
  • Temperatur,
  • Medium.

Deshalb muss immer die Druckangabe der konkret ausgewählten Bestellnummer geprüft werden.

Bei MINIMESS 1604 ist zusätzlich zu beachten, dass die Reihe grundsätzlich bis maximal 400 bar ausgelegt ist.

Ventilöffnung und Gegenkupplung müssen zusammenpassen

Das Außengewinde ist nur ein Teil der Verbindung.

Beim Aufschrauben der passenden Gegenkupplung wird gleichzeitig das interne Rückschlagventil des Testpunktes mechanisch geöffnet.

Damit dies zuverlässig funktioniert, müssen:

  • Gewinde,
  • Einschraubtiefe,
  • Betätigungsweg,
  • Dichtstelle,
  • Gegenkupplung

zueinander passen.

Eine Kupplung, die sich scheinbar aufschrauben lässt, kann deshalb trotzdem ungeeignet sein.

Bei falscher Kombination kann beispielsweise:

  • das Ventil überhaupt nicht öffnen,
  • das Ventil nur teilweise öffnen,
  • die Dichtung nicht korrekt anliegen,
  • die Verbindung undicht werden,
  • das Gewinde beschädigt werden.

Gerade bei hohen Hydraulikdrücken darf die Kompatibilität deshalb niemals durch gewaltsames Aufschrauben ausprobiert werden.

Dichtwerkstoff und Medium berücksichtigen

Neben der mechanischen Baureihe muss der Dichtwerkstoff zum verwendeten Medium und zur Temperatur passen.

MINIMESS-Testpunkte sind abhängig von der Ausführung unter anderem mit unterschiedlichen Elastomeren verfügbar.

Dazu gehören beispielsweise:

  • NBR,
  • FKM,
  • EPDM in entsprechenden Ausführungen.

Die richtige Auswahl hängt vom Medium ab.

Typische Anwendungen können umfassen:

  • Mineralöl-Hydraulik,
  • Wasser-Glykol-Gemische,
  • schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeiten,
  • weitere industrielle Fluide.

Die reine mechanische Passform der Kupplung bestätigt deshalb noch keine Medienverträglichkeit.

Bei abweichenden Flüssigkeiten müssen insbesondere O-Ring und metallische Oberfläche auf chemische Beständigkeit geprüft werden.

Warum die Schutzkappe wichtig ist

Die Schutzkappe sollte nach jeder Messung wieder korrekt montiert werden.

Sie schützt die Kupplungsseite insbesondere gegen:

  • Staub,
  • Metallspäne,
  • Schmutz,
  • Feuchtigkeit,
  • mechanische Beschädigung.

Bereits kleine Schmutzpartikel können beim nächsten Ankoppeln in die Dicht- oder Ventilzone gelangen.

Das ist besonders kritisch, weil beim Anschließen des Schlauches der Zugang zum Hydrauliksystem geöffnet wird.

Vor jeder Messung sollte deshalb:

  1. Schutzkappe entfernt werden,
  2. Kupplungsbereich auf Verschmutzung geprüft werden,
  3. bei Bedarf entsprechend den betrieblichen Vorgaben gereinigt werden,
  4. erst anschließend der Prüfschlauch angekuppelt werden.

Auch die Schutzkappen sollten passend zur verwendeten MINIMESS-Reihe ausgewählt werden.

Vorhandene MINIMESS-Messstelle identifizieren

Bei älteren Maschinen fehlen häufig Stücklisten oder eindeutige Angaben zur Messkupplung.

Dann sollte die Identifikation systematisch erfolgen.

  1. Hersteller und Kennzeichnung prüfen: Vorhandene Artikelnummern, Prägungen oder Dokumentationen zuerst auswerten.
  2. Kupplungsseite betrachten: Nicht zuerst das Einschraubgewinde zum Hydraulikblock beurteilen.
  3. Baugröße vergleichen: 1215 ist besonders kompakt, 1604 besitzt den größeren DN4-Systemquerschnitt.
  4. Gewindedurchmesser bestimmen: Bei 1615 und 1620 liegt jeweils eine M16-Kupplungsseite vor.
  5. Gewindesteigung prüfen: 1615 besitzt M16 × 1,5, 1620 dagegen M16 × 2.
  6. Vorhandenen Schlauch prüfen: Kennzeichnung und Bestellnummer der Gegenkupplung kontrollieren.
  7. Einschraubseite separat aufnehmen: Erst anschließend Prozessgewinde und Abdichtform bestimmen.
  8. Druck und Medium dokumentieren: Für die Auswahl der konkreten Ausführung erforderlich.

Bei einer unbekannten druckbeaufschlagten Messstelle sollte nicht durch probeweises Aufschrauben verschiedener Kupplungen ermittelt werden, welche Reihe passt.

Die Identifikation erfolgt sicher anhand von Dokumentation, Abmessungen und eindeutigen Anschlussmerkmalen.

Adapter und Mischverbau vermeiden

In einer Maschine mit zahlreichen Messstellen sollten möglichst nicht mehrere MINIMESS-Reihen ohne technischen Grund gemischt werden.

Ein solcher Mischverbau führt langfristig zu:

  • mehreren erforderlichen Prüfschläuchen,
  • mehr Ersatzteilen,
  • höherer Verwechslungsgefahr,
  • zusätzlichen Adaptern,
  • längeren Servicezeiten.

Bei einer Neuanlage ist deshalb eine möglichst einheitliche Kupplungsreihe sinnvoll.

Adapter können im Service trotzdem erforderlich sein, beispielsweise wenn ein Messkoffer an Maschinen unterschiedlicher Generationen verwendet wird.

Dafür sollten ausschließlich definierte Übergangsadapter verwendet werden, die für die beiden betreffenden MINIMESS-Systeme und den erforderlichen Druck vorgesehen sind.

Improvisierte Gewindereduzierungen ersetzen keinen solchen Systemadapter.

Jeder zusätzliche Adapter bringt außerdem:

  • eine weitere Dichtstelle,
  • zusätzliches Innenvolumen,
  • zusätzliche mögliche Leckagepunkte,
  • mehr mechanische Belastung

in die Messkette.

Für regelmäßig verwendete Messstellen ist ein Schlauch mit direkt passender Gegenkupplung deshalb normalerweise die bessere Lösung.

Passenden MINIMESS-Schlauch auswählen

Zum Testpunkt muss der richtige Mikrobohrschlauch gewählt werden.

MINIMESS-Schläuche sind je nach Ausführung unter anderem in DN2 und DN4 verfügbar.

Bei der Auswahl sind mindestens zu prüfen:

  • MINIMESS-Reihe an der Messstelle,
  • Anschluss am Messgerät,
  • Nennweite,
  • maximaler Betriebsdruck,
  • Schlauchlänge,
  • Temperaturbereich,
  • Medium,
  • Dichtwerkstoffe.

Ein typischer Druckmessschlauch kann beispielsweise besitzen:

MINIMESS 1620 → DN2-Schlauch → G 1/4 zum Manometer

oder:

MINIMESS 1620 → DN2-Schlauch → Sensoradapter

Der Messgeräteanschluss auf der gegenüberliegenden Schlauchseite muss also unabhängig von der MINIMESS-Reihe definiert werden.

Auch hier gilt:

Die Angabe G 1/4 am Manometer sagt nichts darüber aus, ob die Anlagenseite 1215, 1615, 1620 oder 1604 ist.

Welche Reihe eignet sich für eine neue Anlage?

Für eine neue Anlage kann die Auswahl vereinfacht nach der Anwendung erfolgen.

Anforderung Typische Auswahl Begründung
Standard-Druckmessstelle in der Hydraulik 1620 Weit verbreitete DN2-Reihe mit M16 × 2 und ISO-15171-2-Bezug
Bestehende Anlage verwendet M16 × 1,5 1615 Kompatibilität mit vorhandenen 1615-Schläuchen und Messstellen
Sehr wenig Einbauraum 1215 Kompakte DN2-Ausführung
Schnelleres Befüllen oder Entleeren erforderlich 1604 Größere Nennweite DN4
Betriebsdruck oberhalb 400 bar 1604 kritisch prüfen Reihe 1604 ist bis maximal 400 bar vorgesehen
Neue standardisierte Maschinenfamilie möglichst eine Reihe einheitlich festlegen Reduziert Ersatzteile, Adapter und Fehlbedienungen

Die Tabelle ersetzt nicht die Prüfung der konkreten Bestellnummer. Insbesondere Prozessanschluss, Druck, Temperatur, Medium und Dichtung müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Praxisbeispiel aus dem Hydraulikservice

Ein Servicetechniker soll an drei älteren Hydraulikaggregaten den Pumpendruck messen.

Am ersten Aggregat passt der vorhandene Prüfschlauch problemlos. Die Gegenkupplung ist M16 × 2 und die Messstelle gehört zur Reihe 1620.

Am zweiten Aggregat besitzt die Messstelle ebenfalls ungefähr 16 mm Außendurchmesser. Der Schlauch lässt sich jedoch nur wenige Gewindegänge aufschrauben und wird anschließend schwergängig.

Die Messung wird abgebrochen und die Gewindesteigung kontrolliert.

Das Ergebnis:

  • Prüfschlauch: M16 × 2 beziehungsweise 1620,
  • Messstelle: M16 × 1,5 beziehungsweise 1615.

Die optisch sehr ähnliche Kupplung ist also nicht kompatibel.

Am dritten Aggregat befindet sich eine deutlich kleinere Messkupplung. Die Dokumentation nennt MINIMESS 1215.

Anstatt mehrere Adapter dauerhaft hintereinander einzusetzen, werden für den Messkoffer passende Schlauchanschlüsse beziehungsweise definierte Übergangslösungen für die drei vorhandenen Reihen vorgesehen.

Zusätzlich werden die Maschinenunterlagen ergänzt:

  • Aggregat 1: MINIMESS 1620,
  • Aggregat 2: MINIMESS 1615,
  • Aggregat 3: MINIMESS 1215.

Bei zukünftigen Wartungen kann der passende Schlauch dadurch bereits vor Arbeitsbeginn ausgewählt werden.

Typische Fehlbestellungen

Fehler Mögliche Folge Geeignete Maßnahme
M12 × 1,5 am Hydraulikblock als MINIMESS 1215 interpretiert Falsche Kupplungsreihe bestellt Kupplungsseite und Einschraubseite separat bestimmen
1615 und 1620 nur nach Außendurchmesser unterschieden Falsche Gewindesteigung M16 × 1,5 und M16 × 2 eindeutig unterscheiden
1620-Schlauch auf 1615-Testpunkt gezwungen Gewindeschäden und unsichere Verbindung Nur passende Gegenkupplung verwenden
630 bar pauschal für jeden Testpunkt angenommen Zulässiger Betriebsdruck einzelner Variante kann überschritten werden Druckstufe der konkreten Bestellnummer prüfen
1604 wegen größerer Nennweite als höher belastbar angesehen Druckgrenze wird überschritten 1604 nur bis zum zulässigen Betriebsdruck einsetzen
Dichtwerkstoff nicht berücksichtigt Quellung, Versprödung oder Leckage Medium und Temperatur mit Dichtung abgleichen
Schutzkappe dauerhaft weggelassen Verschmutzung der Kupplungs- und Ventilzone Schutzkappe nach der Messung wieder montieren
Mehrere Adapter dauerhaft hintereinander verwendet Zusätzliche Dichtstellen und unübersichtlicher Aufbau Direkt passenden Prüfschlauch verwenden
DN2 und DN4 nicht unterschieden Falsche Schlauch- und Durchflussauslegung Nennweite der Reihe berücksichtigen
Neue Maschinen ohne einheitlichen Standard aufgebaut Viele Schlauchtypen und Ersatzteile erforderlich Eine bevorzugte MINIMESS-Reihe definieren

Messstellen eindeutig dokumentieren

Damit ein Servicetechniker nicht bei jeder Wartung erneut bestimmen muss, welche Kupplung installiert ist, sollte jede Messstelle eindeutig dokumentiert werden.

Sinnvolle Angaben sind:

  • Anlagenkennzeichen,
  • Messstellennummer,
  • MINIMESS-Reihe,
  • Kupplungsanschluss,
  • Einschraubgewinde,
  • Abdichtform,
  • Werkstoff,
  • Dichtwerkstoff,
  • zulässiger Betriebsdruck,
  • Medium,
  • passender Prüfschlauch,
  • Anschluss des verwendeten Messgeräts.

Ein Beispiel:

Messstelle Reihe Kupplungsseite Prozessanschluss Max. Betriebsdruck
P01 Pumpenausgang 1620 M16 × 2 M12 × 1,5 gemäß konkreter Ausführung
P02 Filtereingang 1615 M16 × 1,5 G 1/4 gemäß konkreter Ausführung
P03 Ventilblock 1215 1215 M10 × 1 gemäß konkreter Ausführung

Diese Dokumentation ist wesentlich eindeutiger als die alleinige Angabe „MINIMESS-Anschluss vorhanden“.

Welche Produkte und Lösungen eignen sich?

MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche

Über die ICS-Kategorie MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche stehen Testpunkte, Mikrobohrschläuche, Adapter und weitere Komponenten für Druckmessung, Service und Condition Monitoring zur Verfügung.

Die wichtigsten Auswahlparameter sind:

  • MINIMESS-Reihe,
  • Prozessanschluss,
  • Betriebsdruck,
  • Nennweite,
  • Werkstoff,
  • Dichtung,
  • Medium,
  • Temperatur.

MINIMESS Reihe 1620

Die Reihe 1620 mit M16 × 2 und DN2 ist die verbreitete Standardlösung für zahlreiche hydraulische Diagnose- und Messaufgaben.

Sie eignet sich unter anderem zum Anschluss von:

  • Manometern,
  • Digitalmanometern,
  • Drucksensoren,
  • mobilen Hydraulikmessgeräten,
  • Probenahmesystemen.

In geeigneten Ausführungen sind Betriebsdrücke bis 630 bar möglich.

MINIMESS Reihe 1615

Die Reihe 1615 besitzt ebenfalls DN2, verwendet auf der Kupplungsseite jedoch M16 × 1,5.

Sie ist deshalb vor allem bei bestehenden Anlagen relevant, die bereits auf dieser Kupplungsgeometrie basieren.

Die optische Ähnlichkeit zu 1620 macht eine eindeutige Identifikation besonders wichtig.

MINIMESS Reihe 1215

Die MINIMESS Kupplungen Reihe 1215 bieten eine kompakte DN2-Messstelle für Anwendungen mit eingeschränktem Einbauraum.

Je nach Ausführung sind unterschiedliche internationale Einschraubgewinde und Abdichtformen erhältlich.

MINIMESS Reihe 1604

Die Reihe 1604 besitzt eine Nennweite DN4 und bietet damit einen größeren freien Querschnitt als die DN2-Reihen.

Sie eignet sich insbesondere für:

  • Befüllvorgänge,
  • Entleerung,
  • Entlüftung,
  • Serviceanwendungen mit größerem Durchflussbedarf.

Der maximal zulässige Betriebsdruck der Reihe beträgt 400 bar.

MINIMESS-Schläuche

Passende Mikrobohrschläuche können entsprechend der vorhandenen Kupplungsreihe und dem Anschluss des Messgeräts konfektioniert werden.

Dadurch kann beispielsweise ein 1620-Testpunkt direkt mit einem:

  • Manometer,
  • Drucksensor,
  • Hydrauliktester,
  • Datenlogger

verbunden werden, ohne eine unnötige Kette aus Übergangsadaptern aufzubauen.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Identifikation vorhandener MINIMESS-Messstellen sowie bei der Auswahl von Testpunkt, Schlauch, Adapter, Manometer und Drucksensor für komplette Mess- und Serviceanschlüsse.

Fazit

MINIMESS 1215, 1615, 1620 und 1604 folgen demselben Grundprinzip, sind auf der Kupplungsseite jedoch unterschiedliche Systeme.

Die wichtigste Regel bei der Auswahl lautet deshalb:

Zuerst die MINIMESS-Kupplungsreihe bestimmen und erst danach das Einschraubgewinde zur Anlage auswählen.

MINIMESS 1620 verwendet M16 × 2, besitzt DN2 und ist die verbreitete Standardreihe. MINIMESS 1615 besitzt ebenfalls DN2, verwendet jedoch M16 × 1,5 und ist daher trotz ähnlicher Abmessungen nicht mit 1620 gleichzusetzen.

MINIMESS 1215 bietet eine besonders kompakte DN2-Messstelle für enge Einbausituationen. MINIMESS 1604 besitzt dagegen DN4 und ist insbesondere für schnelleres Befüllen und Entleeren vorgesehen.

Auch die Druckstufe muss separat geprüft werden. Bei 1215, 1615 und 1620 sind je nach Ausführung bis zu 630 bar möglich, während 1604 bis maximal 400 bar vorgesehen ist. Einzelne Anschlussvarianten können niedrigere zulässige Betriebsdrücke besitzen.

Eine mechanisch scheinbar passende Kupplung darf niemals gewaltsam aufgeschraubt werden. Gewinde, Dichtstelle und Betätigungsmechanismus des Rückschlagventils müssen exakt zusammenpassen.

Bei neuen Anlagen empfiehlt sich eine konsequente Standardisierung auf möglichst wenige Kupplungsreihen. Das reduziert Prüfschläuche, Adapter, Ersatzteile und Fehlbedienungen erheblich.

Häufige Fragen zu MINIMESS 1215, 1615, 1620 und 1604

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen MINIMESS 1615 und 1620?

Die Kupplungsgewinde unterscheiden sich. MINIMESS 1615 verwendet M16 × 1,5, MINIMESS 1620 dagegen M16 × 2. Beide Reihen besitzen DN2, sind aber auf der Kupplungsseite nicht identisch.

Ist MINIMESS 1215 einfach ein Anschluss M12 × 1,5?

Nein. Die Baureihe darf nicht mit dem Prozessgewinde verwechselt werden. M12 × 1,5 kann beispielsweise auch auf der Einschraubseite eines Testpunktes einer anderen MINIMESS-Reihe vorkommen.

Welche MINIMESS-Reihe ist heute die typische Standardausführung?

Für viele klassische Hydraulik-Messstellen ist MINIMESS 1620 mit M16 × 2 und DN2 die verbreitete Standardlösung. Die Reihe besitzt außerdem einen Bezug zu ISO 15171-2.

Warum gibt es MINIMESS 1615?

Die Reihe bietet eine alternative M16-Kupplungsgeometrie mit einer Gewindesteigung von 1,5 mm. Sie ist insbesondere bei bestehenden Anlagen relevant, die bereits mit 1615-Testpunkten ausgestattet sind.

Wann sollte ich MINIMESS 1215 verwenden?

1215 ist aufgrund der kompakten Bauform besonders für beengte Einbausituationen geeignet.

Was ist der Vorteil von MINIMESS 1604?

Die Reihe besitzt DN4 und damit einen größeren freien Querschnitt. Sie eignet sich insbesondere für schnelleres Befüllen, Entleeren und ähnliche Servicevorgänge.

Ist MINIMESS 1604 für höhere Drücke geeignet, weil es größer ist?

Nein. Die größere Nennweite bedeutet nicht automatisch eine höhere Druckfestigkeit. Die Reihe 1604 ist für Betriebsdrücke bis maximal 400 bar vorgesehen.

Sind alle MINIMESS-1620-Testpunkte für 630 bar geeignet?

Nicht zwingend. 630 bar ist der maximale Betriebsdruck geeigneter Varianten der Reihe. Der tatsächliche zulässige Druck hängt von der konkreten Ausführung und insbesondere vom Prozessanschluss ab.

Kann ich einen 1620-Schlauch auf einen 1615-Testpunkt schrauben?

Nein. M16 × 2 und M16 × 1,5 besitzen unterschiedliche Gewindesteigungen. Ein gewaltsames Verbinden kann das Gewinde und die Dichtgeometrie beschädigen.

Kann ich verschiedene MINIMESS-Reihen mit Adaptern verbinden?

Für Servicezwecke existieren definierte Übergangslösungen. Diese müssen für die beteiligten Kupplungsreihen und den erforderlichen Betriebsdruck ausgelegt sein. Improvisierte Gewindeadapter sind dafür ungeeignet.

Woher weiß ich bei einer alten Maschine, welche Reihe eingebaut ist?

Zuerst sollten Artikelnummer, Dokumentation und Kupplungsseite geprüft werden. Bei 1615 und 1620 ist insbesondere die Gewindesteigung entscheidend. Prozessanschluss und Einschraubgewinde werden separat bestimmt.

Welche Angaben werden für die richtige Bestellung benötigt?

Idealerweise werden MINIMESS-Reihe, Kupplungsseite, Einschraubgewinde, Abdichtform, Betriebsdruck, Medium, Temperatur, Werkstoff und gewünschter Dichtwerkstoff angegeben. Ein Foto mit Maßangaben kann bei unbekannten Altanlagen zusätzlich hilfreich sein.

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