Ein MINIMESS-Testpunkt wird an einer Hydraulikanlage mit Mineralöl bei 60 °C eingesetzt. Ein technisch identischer Anschluss soll anschließend auch an einer Anlage mit einem anderen Betriebsmedium verwendet werden. Gewinde, Druckbereich und Gegenkupplung passen. Kann deshalb dieselbe Ausführung des Testpunktes verwendet werden?
Nicht automatisch. Bei einem MINIMESS-Testpunkt gehört die Dichtung unmittelbar zur medienberührten Funktionskette. Ein Elastomer, das mit Mineralöl dauerhaft problemlos arbeitet, kann bei einem anderen Fluid quellen, verhärten, seine mechanischen Eigenschaften verändern oder chemisch angegriffen werden.
Auch die Temperatur darf nicht isoliert betrachtet werden. Ein FKM-Dichtelement kann beispielsweise für deutlich höhere Temperaturen geeignet sein als NBR. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der komplette Testpunkt einschließlich Schutzkappe, angeschlossenem Schlauch, Armaturen und Messgerät ebenfalls für dieselbe Temperatur freigegeben ist.
Die richtige Auswahl eines MINIMESS-Testpunktes erfolgt deshalb nicht nur nach Gewinde und Nenndruck. Dichtungswerkstoff, Medium, Temperatur, metallischer Werkstoff, Schlauch und angeschlossene Messgeräte müssen als komplette Messkette bewertet werden.
Wie funktioniert ein MINIMESS-Testpunkt?
Ein MINIMESS-Testpunkt stellt einen dauerhaft installierten Zugang zu einem fluidischen System bereit.
Darüber können beispielsweise:
- Drücke gemessen,
- Temperaturen erfasst,
- Proben entnommen,
- Anlagen befüllt,
- Systeme entlüftet oder
- Servicearbeiten durchgeführt
werden.
Der Testpunkt arbeitet vereinfacht als mechanisch entsperrbares Rückschlagventil.
Im normalen Zustand bleibt der Prozessanschluss geschlossen.
Beim Aufschrauben einer passenden Gegenkupplung wird die Ventilfunktion mechanisch geöffnet:
Anlage → Testpunkt → Gegenkupplung → Messschlauch → Messgerät
Nach dem Abkuppeln schließt der Testpunkt wieder.
Dadurch können temporäre Messgeräte angeschlossen werden, ohne für jede Messung eine normale Prozessverschraubung öffnen zu müssen.
Welche Aufgabe besitzt die Dichtung?
Die Dichtung sorgt dafür, dass das unter Druck stehende Medium innerhalb des vorgesehenen Strömungsweges bleibt.
Sie muss dabei gleichzeitig mehrere Anforderungen erfüllen.
Sie muss:
- gegen das Medium chemisch beständig sein,
- bei der niedrigsten Betriebstemperatur ausreichend elastisch bleiben,
- bei der höchsten Betriebstemperatur ihre mechanischen Eigenschaften behalten,
- die erforderlichen Druckzyklen verkraften,
- nach wiederholtem Kuppeln weiterhin zuverlässig abdichten.
Ein Dichtungswerkstoff kann deshalb nicht allein anhand seiner maximalen Temperatur ausgewählt werden.
Die Kombination aus:
Medium + Temperatur + Druck + Zeit + mechanischer Belastung
entscheidet über die tatsächliche Eignung.
Warum besitzt eine Messstelle mehrere relevante Dichtstellen?
Bei der Auswahl darf nicht nur ein einzelner O-Ring betrachtet werden.
Innerhalb einer vollständigen MINIMESS-Messstelle können mehrere Dicht- und Werkstoffsysteme vorhanden sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- innere Weichdichtungen des Testpunktes,
- Dichtstelle am Prozessanschluss,
- Dichtungen der Gegenkupplung,
- Schlauchwerkstoff,
- Schlaucharmaturen,
- Dichtung am angeschlossenen Manometer oder Sensor.
Auch der Prozessanschluss selbst kann je nach Ausführung unterschiedlich abdichten.
Es gibt beispielsweise:
- zylindrische Gewinde mit separater Dichtstelle,
- Formdichtungen,
- O-Ring-Abdichtungen,
- konische Gewinde.
Ein geeigneter innerer Dichtungswerkstoff allein garantiert deshalb noch keine vollständig medienverträgliche Messstelle.
Wann ist NBR geeignet?
NBR steht für Acrylnitril-Butadien-Kautschuk und gehört zu den häufig verwendeten Elastomeren in der Hydraulik.
Bei MINIMESS-Testpunkten ist NBR eine typische Standardausführung.
Besonders verbreitet ist NBR bei Anwendungen mit:
- Mineralöl-Hydraulik,
- Schmierölen,
- bestimmten Kraftstoffen,
- zahlreichen klassischen Hydraulikmedien.
Der Werkstoff bietet für viele Standard-Hydraulikanwendungen ein gutes Verhältnis aus:
- Medienbeständigkeit,
- mechanischer Elastizität,
- Temperaturbereich,
- Wirtschaftlichkeit.
Bei einem Original MINIMESS 1620 wird für NBR-Ausführungen typischerweise ein Betriebstemperaturbereich von:
-25 ... +100 °C
angegeben.
Für bestimmte Ausführungen existieren auch spezielle Tieftemperatur-NBR-Varianten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder beliebige NBR-O-Ring für einen MINIMESS-Testpunkt eingesetzt werden kann.
Auch Mischung, Härte, Abmessungen und Bauteilgeometrie gehören zur freigegebenen Dichtungskonstruktion.
Wann ist FKM geeignet?
FKM ist ein Fluorelastomer und wird häufig unter Handelsbezeichnungen wie Viton® bezeichnet.
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber Standard-NBR liegt in der höheren möglichen Betriebstemperatur.
Für entsprechende MINIMESS-1620-Ausführungen wird mit FKM beispielsweise ein Bereich von:
-20 ... +200 °C
angegeben.
Bei Ausführungen mit Kunststoffkappe kann allerdings bereits die Kappe die zulässige Temperatur auf:
max. +100 °C
begrenzen.
FKM besitzt zudem eine gute Beständigkeit gegenüber zahlreichen:
- Mineralölen,
- Kraftstoffen,
- Schmierstoffen,
- kohlenwasserstoffhaltigen Medien.
Die häufige Annahme:
FKM ist immer besser als NBR
ist jedoch falsch.
Es gibt Medien, gegenüber denen FKM ungeeignet oder nur eingeschränkt beständig ist.
Der höhere Temperaturbereich allein ist deshalb kein ausreichendes Auswahlkriterium.
Wann wird EPDM eingesetzt?
EPDM ist ein weiteres Elastomer, das für bestimmte MINIMESS-Ausführungen verfügbar ist.
Es wird insbesondere dann interessant, wenn die zu erwartende Medien- oder Temperaturanforderung mit einer Standard-NBR- beziehungsweise FKM-Ausführung nicht sinnvoll abgedeckt wird.
Bei der aktuellen MINIMESS-1620-p/T-Ausführung nennt Hydrotechnik für EPDM beispielsweise einen Betriebstemperaturbereich von:
-40 ... +125 °C
.
EPDM besitzt andere chemische Eigenschaften als NBR und FKM.
Deshalb sollte EPDM nicht allein deshalb gewählt werden, weil sein unterer Temperaturgrenzwert günstiger ist.
Für die konkrete Anwendung müssen:
- genaues Medium,
- Konzentration,
- Temperatur,
- Druck,
- konkrete MINIMESS-Ausführung
geprüft werden.
Bei vielen Testpunktvarianten wird EPDM zudem als Sonder- beziehungsweise Anfrageausführung geführt.
Was ist mit PTFE?
PTFE besitzt eine sehr hohe chemische Beständigkeit und wird deshalb häufig genannt, wenn über Dichtungswerkstoffe gesprochen wird.
PTFE ist jedoch kein Elastomer wie:
- NBR,
- FKM oder
- EPDM.
Sein mechanisches Verhalten bei Verformung und Rückstellung unterscheidet sich deutlich von einer elastomeren Weichdichtung.
Bei den Original-MINIMESS-Testpunkten der Reihe 1620 werden als reguläre Weichdichtungswerkstoffe insbesondere:
NBR / FKM / EPDM
geführt.
PTFE kann innerhalb des erweiterten Messsystems dennoch vorkommen.
Beispiele können sein:
- bestimmte Schlauchkonstruktionen beziehungsweise Liner,
- Adapter,
- separate Dichtelemente anderer Komponenten,
- Sonderlösungen.
Ein vorhandener NBR-, FKM- oder EPDM-Dichtring im Testpunkt darf deshalb nicht einfach durch einen optisch passenden PTFE-Ring ersetzt werden.
Die komplette Dichtungsgeometrie muss ausdrücklich für den jeweiligen Werkstoff ausgelegt und freigegeben sein.
Welche Temperaturbereiche gelten?
Für die Original-MINIMESS-Produktfamilie gelten abhängig von Baureihe und Ausführung unterschiedliche Temperaturgrenzen.
Typische Angaben für entsprechende Testpunkte sind beispielsweise:
| Dichtungswerkstoff | Typischer Bereich bei entsprechender MINIMESS-Ausführung | Hinweis |
|---|---|---|
| NBR | -25 ... +100 °C |
Standard für zahlreiche Hydraulikanwendungen |
| FKM | -20 ... +200 °C |
Bei Kunststoffkappe kann +100 °C die Grenze sein |
| EPDM | -40 ... +125 °C |
Bei entsprechenden Ausführungen, teilweise auf Anfrage |
Diese Werte dürfen jedoch nicht pauschal auf jede MINIMESS-Komponente übertragen werden.
Die zulässige Temperatur einer vollständigen Messstelle wird durch die Komponente mit dem kleinsten zulässigen Temperaturbereich bestimmt.
Warum muss die Medienverträglichkeit einzeln geprüft werden?
Elastomerbezeichnungen beschreiben Werkstoffgruppen.
Sie beantworten nicht automatisch die Frage, ob eine konkrete Dichtung für jedes Medium geeignet ist.
Die Verträglichkeit kann unter anderem abhängig sein von:
- chemischer Zusammensetzung des Mediums,
- Konzentration,
- Temperatur,
- Druck,
- Einwirkdauer,
- Druckwechseln.
Selbst innerhalb einer Werkstofffamilie können unterschiedliche Compounds ein abweichendes Verhalten besitzen.
Deshalb sollte für abweichende Prozessmedien immer die Beständigkeitsliste beziehungsweise die konkrete Herstellerfreigabe verwendet werden.
Welche Dichtung eignet sich für Mineralöl-Hydraulik?
Für klassische Hydrauliköle auf Mineralölbasis ist NBR eine sehr verbreitete Lösung.
Die MINIMESS-Beständigkeitsunterlagen bewerten sowohl NBR als auch FKM bei Mineralöl-Hydraulik als gut geeignet.
Für eine normale Hydraulikanlage mit beispielsweise:
HLP-Hydrauliköl bei 60 °C
kann NBR deshalb bereits die technisch passende Lösung darstellen.
FKM wäre nicht automatisch besser.
Es kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:
- eine höhere Temperatur benötigt wird,
- weitere Medienanforderungen bestehen,
- eine entsprechende Standardisierung innerhalb der Anlage gewünscht wird.
Eine teurere Dichtung verbessert die Messstelle nicht, wenn die zusätzlichen Werkstoffeigenschaften für die Anwendung überhaupt nicht erforderlich sind.
Was gilt bei Wasser und Wasser-Glykol?
Bei wasserhaltigen Medien sollte nicht automatisch von den Erfahrungen mit Mineralöl ausgegangen werden.
Hydrotechnik führt in seinen Beständigkeitsangaben beispielsweise auch Wasser und Glykol getrennt auf.
Für Wasser werden NBR und FKM in der veröffentlichten Beständigkeitsliste als gut bewertet.
Für Glykol wird NBR als gut und FKM je nach Bedingungen als gut bis eingeschränkt bewertet.
Bei Wasser-Glykol-Gemischen muss zusätzlich betrachtet werden:
- Glykolart,
- Mischungsverhältnis,
- Additive,
- Betriebstemperatur.
Die pauschale Angabe:
Wasser-Glykol
reicht deshalb für eine zuverlässige Werkstoffauswahl nicht immer aus.
Was gilt bei Sondermedien?
Bei ungewöhnlichen Medien sollte besonders vorsichtig vorgegangen werden.
Die Beständigkeitsliste zeigt beispielsweise, dass ein Dichtungswerkstoff, der bei Hydrauliköl hervorragend funktioniert, bei einem anderen Medium ausdrücklich nicht empfohlen werden kann.
Typische Beispiele für eine gesonderte Prüfung sind:
- Lösungsmittel,
- Alkohole,
- aggressive Chemikalien,
- spezielle schwer entflammbare Hydraulikflüssigkeiten,
- Bremsflüssigkeiten,
- Gase,
- Wasserstoff.
Bei solchen Anwendungen sollte die Werkstoffentscheidung nicht aus einer allgemeinen Internettabelle übernommen werden.
Entscheidend ist die Freigabe für die konkrete MINIMESS-Ausführung.
Beeinflusst der Dichtungswerkstoff den zulässigen Druck?
Der maximal zulässige Betriebsdruck eines Testpunktes wird nicht ausschließlich durch den Elastomerwerkstoff bestimmt.
Entscheidend sind ebenfalls:
- Gehäusekonstruktion,
- Werkstoff,
- Gewinde,
- Dichtungsgeometrie,
- Ventilkonstruktion,
- Gegenkupplung.
Der MINIMESS 1620 steht beispielsweise je nach Ausführung für Betriebsdrücke bis:
630 bar
zur Verfügung.
Ein Dichtungswerkstoff mit hoher chemischer Beständigkeit bedeutet jedoch nicht, dass ein beliebiges Bauteil mit diesem Werkstoff automatisch für 630 bar geeignet ist.
Druckfreigaben gelten immer für die konkrete Bauteilausführung – nicht für den Dichtungswerkstoff allein.
Warum entscheidet die schwächste Komponente?
Eine temporäre Druckmessstelle besteht meistens aus mehreren Komponenten.
Beispielsweise:
Prozess → MINIMESS-Testpunkt → Gegenkupplung → Messschlauch → Adapter → Manometer
Angenommen:
- Testpunkt zulässig bis
630 bar, - Schlauch zulässig bis
400 bar, - Adapter zulässig bis
400 bar, - Manometer zulässig bis
250 bar.
Dann ist die komplette Messkette nicht für 630 bar verwendbar.
Die niedrigste zulässige Druckstufe begrenzt das Gesamtsystem.
Das gleiche Prinzip gilt für die Temperatur.
Welche Rolle spielt der MINIMESS-Schlauch?
Der Messschlauch ist genauso Teil der medienberührten Messkette wie der Testpunkt.
MINIMESS-Schläuche stehen je nach Ausführung beispielsweise in:
DN2 und DN4
zur Verfügung.
Je nach Schlauchkonstruktion unterscheiden sich:
- maximaler Betriebsdruck,
- Temperaturbereich,
- Innenmaterial,
- Außenmantel,
- Armaturen,
- Medienbeständigkeit.
Für DN2 sind beispielsweise Ausführungen bis:
630 bar
verfügbar.
Der Schlauch muss jedoch für dasselbe Medium geeignet sein wie Testpunkt und Gegenkupplung.
Warum kann der Schlauch die Temperatur begrenzen?
Ein häufiger Fehler besteht darin, ausschließlich auf den Temperaturbereich der FKM-Dichtung im Testpunkt zu schauen.
Ein Beispiel:
Der Testpunkt besitzt FKM und ist in seiner konkreten Ausführung bis:
+200 °C
geeignet.
Der angeschlossene Standard-Messschlauch ist jedoch nur bis:
+100 °C
freigegeben.
Dann darf die komplette Schlauchmessung nicht automatisch bei +200 °C durchgeführt werden.
Zu berücksichtigen sind außerdem:
- Armaturen,
- Gegenkupplung,
- Messgerät,
- Berührungsschutz,
- Druck-Temperatur-Abhängigkeit der Komponenten.
Für die komplette Messkette gilt immer der ungünstigste zulässige Grenzwert.
Was passiert mit der Dichtung beim Kuppeln?
Ein MINIMESS-Testpunkt ist nicht nur eine statische Rohrverschraubung.
Die Kupplung wird bei Wartungs- und Messarbeiten wiederholt betätigt.
Dichtungen werden dabei mechanisch beansprucht.
Zusätzlich wirken:
- Systemdruck,
- Temperatur,
- Medium,
- Druckwechsel,
- Kupplungszyklen.
Ein chemisch angegriffener oder stark verhärteter Elastomerwerkstoff kann deshalb besonders beim nächsten Kupplungsvorgang auffällig werden.
Die statische Dichtheit einer seit Jahren nicht betätigten Messstelle bestätigt nicht automatisch, dass der Testpunkt beim nächsten Service noch einwandfrei funktioniert.
Wie verändert Alterung die Dichtung?
Elastomere verändern ihre Eigenschaften im Laufe der Zeit.
Mögliche Alterungseffekte sind:
- Verhärtung,
- Quellung,
- Schrumpfung,
- Rissbildung,
- Verlust der Rückstellfähigkeit,
- bleibende Verformung.
Hohe Temperaturen beschleunigen viele Alterungsprozesse.
Auch ein chemisch nur eingeschränkt verträgliches Medium kann die Lebensdauer stark reduzieren.
Eine Dichtung kann deshalb zunächst dicht erscheinen und erst nach längerer Einsatzzeit beziehungsweise nach wiederholtem Kuppeln auffällig werden.
Wie erkennt man einen ungeeigneten Dichtungswerkstoff?
Mögliche Hinweise auf ein Dichtungsproblem sind:
- sichtbare Leckage am Testpunkt,
- ungewöhnlich schwergängiges Kuppeln,
- Testpunkt schließt nach dem Abkuppeln nicht zuverlässig,
- Dichtungsmaterial wirkt aufgequollen,
- Dichtung ist ungewöhnlich hart oder spröde,
- Risse oder Verformungen,
- steigender Medienverlust beim Kuppeln.
Bei solchen Symptomen sollte nicht versucht werden, die Gegenkupplung einfach stärker anzuziehen.
Zunächst muss geklärt werden, ob:
- Dichtungswerkstoff,
- Baureihe,
- Gegenkupplung,
- Temperatur
zur Anwendung passen.
Kann eine Dichtung einfach gegen einen anderen Werkstoff getauscht werden?
Ein Dichtelement sollte nicht anhand der optischen Abmessungen ersetzt werden.
Zwei O-Ringe können äußerlich identisch aussehen und trotzdem besitzen sie unterschiedliche:
- Werkstoffe,
- Härtegrade,
- Compounds,
- Temperaturgrenzen,
- Medienbeständigkeiten.
Ebenso wenig ist es sinnvoll, einen Elastomerring eigenständig durch PTFE zu ersetzen.
PTFE besitzt ein vollkommen anderes Verformungs- und Rückstellverhalten.
Bei sicherheitsrelevanten Hochdruck-Messkupplungen sollten deshalb ausschließlich die für die konkrete Ausführung vorgesehenen beziehungsweise vom Hersteller freigegebenen Ersatzteile verwendet werden.
Was ist beim Service zu beachten?
Vor dem Anschließen eines Messschlauches sollten Testpunkt und Gegenkupplung kontrolliert werden.
Zu beachten sind insbesondere:
- Baureihe eindeutig identifizieren.
- Passendes Kupplungsgewinde verwenden.
- Dichtungswerkstoff und Medium prüfen.
- Betriebstemperatur kontrollieren.
- Maximalen Betriebsdruck aller Komponenten prüfen.
- Testpunkt auf Beschädigung und Verschmutzung kontrollieren.
- Gegenkupplung sauber und ohne Gewalt aufschrauben.
- Messschlauch auf Beschädigung und zulässigen Biegeradius prüfen.
- Nach dem Kuppeln Verbindung auf Dichtheit beobachten.
- Nach dem Abkuppeln möglichen Restdruck berücksichtigen.
Welche Rolle spielt Restdruck im Messschlauch?
Beim Abkuppeln schließt der MINIMESS-Testpunkt die Verbindung zur Prozessseite.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der angeschlossene Messschlauch vollständig drucklos ist.
Ist das Medium zwischen zwei geschlossenen Anschlussstellen eingeschlossen, kann im Schlauch weiterhin erheblicher Druck vorhanden sein.
Deshalb gilt:
vom Prozess getrennt ≠ drucklos
Vor einer weiteren Demontage von Schlauch, Adapter oder Messgerät muss eventuell vorhandener Restdruck über einen dafür vorgesehenen Weg kontrolliert abgebaut werden.
Weitere Informationen dazu finden Sie im Beitrag Restdruck im MINIMESS-Schlauch nach dem Abkuppeln.
Praxisbeispiel: MINIMESS-Testpunkt an einer Hydraulikanlage
Eine Werkzeugmaschine arbeitet mit einem mineralölbasierten Hydraulikmedium.
Maximaler Betriebsdruck:
320 bar
Maximale Öltemperatur:
75 °C
Für regelmäßige Servicemessungen soll ein MINIMESS-1620-Testpunkt eingesetzt werden.
Für das verwendete Mineralöl ist NBR laut Beständigkeitsangaben geeignet.
Der Temperaturbereich der vorgesehenen NBR-Ausführung liegt bei:
-25 ... +100 °C
und deckt die Anwendung damit grundsätzlich ab.
Auch der zulässige Betriebsdruck der ausgewählten Testpunktausführung liegt oberhalb des maximalen Anlagendrucks.
Damit ist die Prüfung jedoch noch nicht abgeschlossen.
Zusätzlich werden kontrolliert:
- Werkstoff des Testpunktes,
- Prozessanschluss,
- Gegenkupplung,
- Dichtungswerkstoff der Gegenkupplung,
- zulässiger Druck des Messschlauches,
- Temperaturbereich des Schlauches,
- Messbereich und Überlastbarkeit des angeschlossenen Manometers.
Erst wenn alle Komponenten die Prozessbedingungen abdecken, ist die komplette Service-Messkette für die Anwendung geeignet.
Die Auswahl „NBR bis 100 °C“ allein reicht deshalb nicht aus – sie ist nur ein Teil der Systemprüfung.
Dichtungswerkstoff systematisch auswählen
- Genaue MINIMESS-Baureihe bestimmen.
- Maximalen Betriebsdruck ermitteln.
- Minimal- und Maximaltemperatur bestimmen.
- Prozessmedium exakt identifizieren.
- Bei Gemischen Konzentration und Additive berücksichtigen.
- Hersteller-Beständigkeitsliste prüfen.
- NBR, FKM oder verfügbare Sonderausführung auswählen.
- Bei EPDM konkrete Produktfreigabe prüfen.
- PTFE nicht als direkten Ersatz für eine Elastomerdichtung betrachten.
- Metallischen Werkstoff des Testpunktes prüfen.
- Gegenkupplung auf dieselbe Medienverträglichkeit prüfen.
- Messschlauch und Schlaucharmaturen bewerten.
- Temperaturgrenze der Schutzkappe berücksichtigen.
- Messgerät und Adapter prüfen.
- Niedrigste zulässige Druck- und Temperaturgrenze der kompletten Messkette zugrunde legen.
Häufige Fehler
- Nur nach dem Gewinde auswählen: Ein mechanisch passender Testpunkt kann einen für das Medium ungeeigneten Dichtungswerkstoff besitzen.
- FKM grundsätzlich für besser halten: FKM besitzt einen hohen Temperaturbereich, ist aber nicht gegenüber jedem Medium besser als NBR.
- PTFE einfach als universellen Ersatz einsetzen: PTFE besitzt ein anderes mechanisches Dichtverhalten und ist kein direkter Ersatz für die elastomere MINIMESS-Weichdichtung.
- Nur die maximale Temperatur betrachten: Auch die chemische Beständigkeit gegenüber dem Medium muss gegeben sein.
- Nur die Testpunktdichtung prüfen: Gegenkupplung, Schlauch, Adapter und Messgerät sind ebenfalls medienberührt.
- 200 °C FKM automatisch als 200-°C-Messkette interpretieren: Kunststoffkappe, Schlauch oder Messgerät können bereits deutlich früher begrenzen.
- 630 bar des Testpunktes auf die gesamte Messkette übertragen: Der Schlauch oder das angeschlossene Messgerät kann einen niedrigeren zulässigen Betriebsdruck besitzen.
- Unbekanntes Wasser-Glykol-Gemisch pauschal freigeben: Zusammensetzung und Additive können die Medienverträglichkeit beeinflussen.
- Visuell ähnlichen O-Ring als Ersatz verwenden: Werkstoff und Härte lassen sich nicht zuverlässig am Aussehen erkennen.
- Aufgequollene Dichtung durch stärkeres Anziehen kompensieren: Dadurch wird die eigentliche Ursache nicht beseitigt.
- Alte Testpunkte nicht mehr auf Medium prüfen: Bei einem späteren Wechsel des Betriebsmediums kann die bisherige Dichtung ungeeignet werden.
- Restdruck nach dem Abkuppeln ignorieren: Ein geschlossener Messschlauch kann weiterhin unter erheblichem Druck stehen.
MINIMESS 1620 und passende Messschläuche
Original MINIMESS 1620
Der MINIMESS 1620 ist eine der am häufigsten eingesetzten Messkupplungen für Hydraulik-, Prüf- und Serviceanwendungen.
Die Reihe verwendet auf der Kupplungsseite:
M16 × 2
und ist je nach Ausführung für Betriebsdrücke bis:
630 bar
verfügbar.
Als Dichtungswerkstoffe werden für die Original-Ausführungen insbesondere:
- NBR,
- FKM,
- EPDM in entsprechenden Varianten
angeboten.
Typische Temperaturbereiche liegen je nach Dichtung und Ausführung bei:
NBR: -25 ... +100 °C,FKM: -20 ... +200 °C,EPDM: beispielsweise -40 ... +125 °C bei entsprechender p/T-Ausführung.
Für die konkrete Bestellvariante müssen die Angaben des zugehörigen Datenblattes verwendet werden.
Weitere Informationen finden Sie beim Original MINIMESS 1620.
MINIMESS-Schläuche
Zur Verbindung des Testpunktes mit einem Manometer, Sensor oder mobilen Messgerät stehen passende MINIMESS-Messschläuche zur Verfügung.
Je nach Ausführung sind beispielsweise:
- DN2,
- DN4,
- unterschiedliche Schlauchwerkstoffe,
- verschiedene Armaturen,
- kundenspezifische Längen
verfügbar.
Für DN2 werden je nach Ausführung maximale Betriebsdrücke von:
400 beziehungsweise 630 bar
angeboten.
Bei DN4 liegen die maximalen Betriebsdrücke je nach Ausführung beispielsweise bei:
315 beziehungsweise 450 bar
.
Auch hier müssen Druck, Temperatur und Medium für die konkrete Schlauchkonstruktion gemeinsam bewertet werden.
Weitere Informationen finden Sie bei den MINIMESS-Schläuchen.
Das vollständige Programm finden Sie unter MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche bei ICS Schneider.
Fazit
Der Dichtungswerkstoff eines MINIMESS-Testpunktes ist ein wesentlicher Bestandteil der technischen Auslegung.
NBR ist für zahlreiche klassische Hydraulikanwendungen mit Mineralöl eine bewährte Lösung und deckt bei entsprechenden MINIMESS-Ausführungen typischerweise Temperaturen von -25 bis +100 °C ab.
FKM erweitert insbesondere den oberen Temperaturbereich und kann bei entsprechenden Ausführungen bis +200 °C eingesetzt werden. Es ist jedoch nicht automatisch gegenüber jedem Medium geeigneter als NBR.
EPDM steht für bestimmte Anwendungen und MINIMESS-Ausführungen ebenfalls zur Verfügung und bietet beispielsweise bei der 1620-p/T-Ausführung einen Temperaturbereich bis hinunter zu -40 °C.
PTFE sollte dagegen nicht einfach als vierte austauschbare Standarddichtung eines MINIMESS-Testpunktes betrachtet werden. Es kann in anderen Komponenten des Messsystems vorkommen, besitzt jedoch ein grundsätzlich anderes mechanisches Dichtverhalten als NBR, FKM und EPDM.
Darüber hinaus entscheidet nicht nur der Testpunkt über die zulässigen Betriebsbedingungen. Messschlauch, Gegenkupplung, Adapter, Schutzkappe und Messgerät können den maximal zulässigen Druck beziehungsweise die Temperatur der kompletten Messkette begrenzen.
Für eine zuverlässige MINIMESS-Messstelle gilt deshalb: zuerst Medium, Druck und Temperatur bestimmen, anschließend den freigegebenen Dichtungswerkstoff auswählen und danach sämtliche weiteren medienberührten Komponenten der Messkette auf dieselben Betriebsbedingungen prüfen.
FAQ: NBR, FKM und EPDM bei MINIMESS
Welche Dichtungswerkstoffe gibt es für MINIMESS-Testpunkte?
Für Original MINIMESS-Testpunkte werden je nach Baureihe und Ausführung insbesondere NBR und FKM sowie bei entsprechenden Varianten EPDM angeboten. Die konkrete Verfügbarkeit muss anhand der jeweiligen Bestellvariante geprüft werden.
Welche Dichtung ist für normale Hydrauliköle geeignet?
Für mineralölbasierte Hydrauliköle ist NBR eine sehr verbreitete und in den MINIMESS-Beständigkeitsangaben gut bewertete Lösung. Auch FKM ist für viele Mineralöle geeignet.
Welche Temperatur verträgt NBR bei MINIMESS?
Für entsprechende MINIMESS-1620-Ausführungen wird mit NBR typischerweise ein Betriebstemperaturbereich von -25 bis +100 °C angegeben.
Welche Temperatur verträgt FKM bei MINIMESS?
Für entsprechende Ausführungen wird mit FKM ein Bereich von etwa -20 bis +200 °C angegeben. Bei einer Kunststoffkappe kann die zulässige Temperatur jedoch auf maximal +100 °C begrenzt sein.
Welche Temperatur verträgt EPDM?
Bei der MINIMESS-1620-p/T-Ausführung gibt Hydrotechnik für EPDM beispielsweise -40 bis +125 °C an. Für andere Ausführungen muss das jeweilige Datenblatt geprüft werden.
Ist FKM grundsätzlich besser als NBR?
Nein. FKM besitzt insbesondere einen höheren möglichen Temperaturbereich und gute Beständigkeit gegenüber vielen Ölen und Kraftstoffen. Bei anderen Medien kann NBR jedoch ebenso gut oder sogar geeigneter sein. Maßgeblich ist die konkrete Beständigkeitsangabe.
Kann PTFE im MINIMESS-Testpunkt eingesetzt werden?
PTFE sollte nicht als direkt austauschbare Standard-Weichdichtung eines Original-MINIMESS-1620-Testpunktes betrachtet werden. Die regulären Elastomerwerkstoffe sind insbesondere NBR, FKM und EPDM. PTFE kann jedoch in anderen Komponenten oder Sonderkonstruktionen des Messsystems verwendet werden.
Warum kann ich einen NBR-O-Ring nicht einfach durch PTFE ersetzen?
PTFE ist kein Elastomer und besitzt ein anderes Verformungs- und Rückstellverhalten. Die Dichtungsgeometrie muss speziell für den eingesetzten Werkstoff ausgelegt sein.
Muss der Schlauch dieselbe Medienbeständigkeit besitzen?
Ja. Das Medium gelangt durch Testpunkt, Gegenkupplung und Messschlauch bis zum Messgerät. Deshalb müssen alle medienberührten Komponenten für das verwendete Fluid geeignet sein.
Kann ein FKM-Testpunkt bis 200 °C immer mit einem MINIMESS-Schlauch verwendet werden?
Nicht automatisch. Der verwendete Schlauch kann einen deutlich niedrigeren zulässigen Temperaturbereich besitzen. Für die komplette Messkette gilt die niedrigste zulässige Temperatur einer beteiligten Komponente.
Wie hoch ist der maximale Betriebsdruck des MINIMESS 1620?
Je nach Ausführung sind Betriebsdrücke bis 630 bar möglich. Der konkrete Testpunkt, der Messschlauch und sämtliche angeschlossenen Komponenten müssen jedoch jeweils für den tatsächlichen Betriebsdruck geeignet sein.
Kann ein ungeeigneter Dichtungswerkstoff eine Messung verfälschen?
Ja. Quellung, Verhärtung oder Beschädigung können zu Leckagen oder einer fehlerhaften Ventilfunktion führen. Dadurch kann die Druckmessung instabil werden oder der Testpunkt nach dem Abkuppeln nicht mehr zuverlässig schließen.
Was muss bei einem Wechsel des Hydraulikmediums beachtet werden?
Die vorhandene Messstelle muss erneut auf Medienverträglichkeit geprüft werden. Eine Dichtung, die mit dem bisherigen Fluid funktioniert hat, ist nicht automatisch für das neue Medium geeignet.
Welcher MINIMESS-Testpunkt eignet sich für Standard-Hydraulikanwendungen?
Die Reihe MINIMESS 1620 mit M16 × 2 ist eine sehr verbreitete Lösung für industrielle Hydraulik- und Serviceanwendungen. Die konkrete Variante wird nach Prozessanschluss, Druck, Temperatur, Werkstoff und Dichtung ausgewählt.
