Bei der Strommessung entstehen besonders häufig Bedienfehler am Multimeter. Anders als bei einer Spannungsmessung wird das Gerät nicht parallel an zwei Messpunkte gehalten, sondern in den Stromkreis eingeschleift. Dazu muss die Leitung an einer geeigneten Stelle unterbrochen werden, damit der gesamte zu messende Strom durch das Multimeter fließt.
Zusätzlich besitzen viele Multimeter getrennte Messbuchsen für Mikroampere, Milliampere und hohe Ströme. Wird die falsche Buchse verwendet, kann die interne Sicherung auslösen, der Messwert unbrauchbar sein oder das Gerät bei einer energiereichen Fehlbedienung beschädigt werden. Besonders gefährlich ist es, ein auf Strommessung vorbereitetes Multimeter wie bei einer Spannungsmessung parallel an eine Spannungsquelle anzuschließen.
Vor jeder Strommessung müssen deshalb die erwartete Stromhöhe, die richtige Buchse, der passende Messbereich, die Belastbarkeit der internen Sicherung und die elektrische Messkategorie geklärt werden. Für industrielle 4–20-mA-Stromschleifen ist außerdem zu entscheiden, ob lediglich gemessen oder zusätzlich ein Signal simuliert und die Schleife gespeist werden soll.
Inhaltsverzeichnis
- Warum wird Strom in Reihe gemessen?
- Spannungs- und Strommessung unterscheiden
- COM-, µA-, mA- und A-Messbuchsen richtig verwenden
- µA-, mA- und 10-A-Bereich auswählen
- Welche Aufgabe haben die internen Sicherungen?
- Woran erkennt man eine defekte mA-Sicherung?
- Wie beeinflusst das Multimeter den Stromkreis?
- Strommessung sicher durchführen
- Typische Bedienfehler
- 4–20-mA-Stromschleifen richtig messen
- Besonderheiten bei µA-Messungen
- Wann ist eine Stromzange besser geeignet?
- Praxisbeispiel an einem 4–20-mA-Messumformer
- Multimeter für Strommessungen auswählen
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Warum wird Strom in Reihe gemessen?
Der elektrische Strom beschreibt die Ladungsmenge, die durch einen Leiter beziehungsweise einen Stromkreis fließt. Soll dieser Strom mit einem Multimeter gemessen werden, muss er durch den internen Messpfad des Geräts geleitet werden.
Dazu wird der Stromkreis an einer geeigneten Stelle geöffnet und das Multimeter in Reihe eingefügt. Der Strom fließt anschließend vom Stromkreis über die rote Messleitung, durch den internen Strommesswiderstand des Multimeters und über die COM-Leitung zurück in den Stromkreis.
Das Multimeter bestimmt den Strom nicht direkt. Intern wird der Spannungsabfall an einem kleinen Messwiderstand, dem sogenannten Shunt, ausgewertet. Aus Widerstand und gemessener Spannung berechnet das Gerät den Strom.
Der Shunt muss im Verhältnis zum Messbereich ausgelegt sein. Für kleine Ströme wird eine andere interne Messschaltung verwendet als für Ströme im Amperebereich. Deshalb besitzen viele Multimeter getrennte Buchsen und Sicherungen.
Spannungs- und Strommessung unterscheiden
| Kriterium | Spannungsmessung | Strommessung |
|---|---|---|
| Anschluss | Parallel zum Verbraucher oder zur Spannungsquelle | In Reihe in den Stromkreis |
| Interner Widerstand | Möglichst hoch | Möglichst niedrig |
| Typische rote Buchse | V/Ω | µA/mA oder A/10 A |
| Stromkreis öffnen | Nicht erforderlich | Grundsätzlich erforderlich |
| Gefahr bei falschem Anschluss | Falscher Messbereich oder Überspannung | Nahezu Kurzschluss bei parallelem Anschluss |
Bei der Spannungsmessung besitzt das Multimeter einen hohen Eingangswiderstand und entnimmt dem Stromkreis nur einen sehr kleinen Strom. Bei der Strommessung ist der interne Widerstand dagegen niedrig, damit der Spannungsabfall möglichst gering bleibt.
Wird ein auf Strommessung eingestelltes Multimeter parallel an eine Spannungsquelle angeschlossen, verbindet der niedrige Innenwiderstand die beiden Messpunkte nahezu direkt miteinander. Die interne Sicherung soll diesen Fehlerstrom unterbrechen. Bei hohen Energien kann eine solche Fehlbedienung trotzdem gefährlich sein.
COM-, µA-, mA- und A-Messbuchsen richtig verwenden
Die schwarze Messleitung wird üblicherweise an die mit COM gekennzeichnete Buchse angeschlossen. Für die rote Leitung können abhängig vom Multimeter mehrere Eingänge vorhanden sein.
| Messbuchse | Typische Verwendung | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
| V/Ω | Spannung, Widerstand, Durchgang, Diode und gegebenenfalls Frequenz | Nicht für die direkte Strommessung verwenden |
| µA/mA | Kleine Gleich- oder Wechselströme | Meist separat abgesichert und nur bis zum angegebenen Grenzwert belastbar |
| mA | Milliampere-Messungen und häufig 4–20-mA-Signale | Maximalstrom und Sicherungswert beachten |
| A oder 10 A | Höhere Ströme | Häufig zeitlich begrenzte Messdauer; Sicherungskonzept ist modellabhängig |
Die Beschriftung unterscheidet sich je nach Gerät. Manche Multimeter besitzen eine gemeinsame Buchse für µA und mA, andere trennen beide Bereiche. Auch die maximale Belastbarkeit kann beispielsweise bei 400 mA, 600 mA oder einem anderen gerätespezifischen Wert liegen.
Eine automatische Bereichswahl ersetzt nicht die Wahl der richtigen Buchse. Das Multimeter kann den passenden Zahlenbereich automatisch auswählen, aber die rote Messleitung nicht intern von der V/Ω-Buchse auf den mA-Eingang umschalten.
Vor der Messung muss daher immer die Kombination aus Buchse, Drehschalterstellung und erwarteter Stromhöhe geprüft werden.
µA-, mA- und 10-A-Bereich auswählen
Für eine gute Auflösung sollte der kleinste Messbereich verwendet werden, der den erwarteten Strom noch sicher abdeckt. Ist der Strom unbekannt, wird dagegen zunächst mit dem höchsten geeigneten Strombereich begonnen.
Die Einheiten stehen in folgendem Verhältnis:
- 1 A = 1.000 mA
- 1 mA = 1.000 µA
- 1 A = 1.000.000 µA
Ein Strom von 0,015 A entspricht somit 15 mA beziehungsweise 15.000 µA.
Der 10-A-Eingang ist nicht automatisch die beste Wahl für jede Strommessung. Ein Messwert von 12 mA wird dort häufig nur mit geringer Auflösung dargestellt. Für eine 4–20-mA-Stromschleife ist deshalb normalerweise der abgesicherte mA-Eingang geeigneter.
Umgekehrt darf ein unbekannter Laststrom nicht versuchsweise über die empfindliche µA- oder mA-Buchse geführt werden. Überschreitet er den zulässigen Eingangsstrom, löst die Sicherung aus. Bei ungeeigneter Sicherung oder einer Überschreitung der Gerätegrenzen kann das Multimeter beschädigt werden.
Bei hohen Strömen ist zusätzlich die zulässige Einschaltdauer zu beachten. Manche Multimeter erlauben Messungen im 10-A-Bereich nur für eine begrenzte Zeit und verlangen anschließend eine Abkühlpause. Maßgeblich ist die Bedienungsanleitung des konkreten Geräts.
Welche Aufgabe haben die internen Sicherungen?
Die Sicherungen schützen die Strommesseingänge vor Überlastung und Fehlbedienung. Sie sind Bestandteil des Sicherheitskonzepts des Multimeters und müssen zur möglichen Spannung, zum Abschaltvermögen und zur Messkategorie passen.
Hochwertige Multimeter verwenden für energiereiche Messumgebungen häufig keramische Hochleistungssicherungen mit einem definierten Abschaltvermögen. Eine äußerlich passende Glassicherung ist kein zulässiger Ersatz, wenn der Hersteller eine andere Bauart fordert.
Beim Austausch müssen sämtliche Angaben übereinstimmen:
- Nennstrom,
- Nennspannung,
- Auslösecharakteristik,
- Abschaltvermögen,
- Abmessungen und Bauform,
- Herstellerfreigabe beziehungsweise Gerätespezifikation.
Eine ausgelöste Sicherung darf niemals überbrückt oder durch Draht ersetzt werden. Dadurch würde die Schutzfunktion aufgehoben. Bei einer erneuten Fehlbedienung könnten Leiterbahnen, Messleitungen oder das Gehäuse den Fehlerstrom führen.
Auch der A- beziehungsweise 10-A-Eingang ist nicht bei jedem Multimeter identisch abgesichert. Einige Geräte besitzen eine separate Hochstromsicherung, andere haben abweichende Einsatzgrenzen. Die Gerätekennzeichnung und Anleitung sind deshalb zwingend zu beachten.
Woran erkennt man eine defekte mA-Sicherung?
Nach einer Überlastung funktioniert häufig nur die Strommessung nicht mehr. Spannungs-, Widerstands- und Durchgangsmessungen können weiterhin normal arbeiten, weil sie einen anderen Eingangspfad verwenden.
Typische Hinweise auf eine ausgelöste mA-Sicherung sind:
- Das Multimeter zeigt trotz geschlossenem Stromkreis dauerhaft 0 mA an.
- Die angeschlossene 4–20-mA-Schleife wird durch das Multimeter unterbrochen.
- Eine Messung über den A-Eingang funktioniert, über den mA-Eingang jedoch nicht.
- Der Stromkreis arbeitet wieder, sobald das Multimeter überbrückt beziehungsweise entfernt wird.
- Die interne Sicherungsprüfung des Geräts meldet einen Fehler.
Vor dem Öffnen des Multimeters müssen sämtliche Messleitungen entfernt werden. Die Kontrolle und der Sicherungswechsel dürfen nur entsprechend der Bedienungsanleitung erfolgen. Bei Multimetern für hohe Messkategorien sollte die Reparatur im Zweifel durch eine geeignete Servicestelle durchgeführt werden.
Eine neue Sicherung darf erst eingesetzt werden, nachdem die Ursache geklärt wurde. Häufig wurde zuvor Spannung gemessen, während die rote Leitung noch in der mA-Buchse steckte.
Wie beeinflusst das Multimeter den Stromkreis?
Das Multimeter besitzt bei der Strommessung einen internen Shunt sowie weitere Widerstände durch Sicherung, Leitungen und Kontakte. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Spannungsabfall, der auch als Bürden- oder Burden-Spannung bezeichnet wird.
In einem leistungsstarken Stromkreis ist dieser Spannungsabfall häufig klein gegenüber der Versorgungsspannung. Bei elektronischen Schaltungen mit niedriger Versorgungsspannung oder sehr kleinen Sensorsignalen kann er die Funktion jedoch merklich beeinflussen.
Mögliche Auswirkungen sind:
- Die Versorgungsspannung am Verbraucher sinkt.
- Ein Sensor startet nicht mehr korrekt.
- Die Stromaufnahme erscheint niedriger als im normalen Betrieb.
- Eine batteriebetriebene Schaltung wechselt in einen anderen Betriebszustand.
- Der Messwert verändert sich beim Wechsel zwischen µA- und mA-Bereich.
Für empfindliche µA-Messungen ist deshalb ein Multimeter mit geringer Bürdenspannung und geeigneter Auflösung wichtig. Die Angabe sollte für den verwendeten Messbereich im Datenblatt geprüft werden.
Strommessung sicher durchführen
Messungen an energiereichen oder spannungsführenden Stromkreisen dürfen nur von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden. Wenn möglich, sollte der Stromkreis vor dem Umstecken und Anschließen freigeschaltet werden.
- Messaufgabe bestimmen: AC oder DC, erwarteter Strom und notwendige Auflösung klären.
- Messgerät prüfen: Messkategorie, maximale Spannung, Strombereich und Sicherung müssen zur Anwendung passen.
- Stromkreis freischalten: Vor dem Öffnen des Leitungswegs Spannung abschalten und sicheren Zustand herstellen.
- Messleitungen anschließen: Schwarz an COM, Rot an die passende µA-, mA- oder A-Buchse.
- Messfunktion wählen: Gleich- oder Wechselstrom und zunächst einen ausreichend hohen Bereich einstellen.
- Stromkreis öffnen: Das Multimeter an einer geeigneten Stelle in Reihe einschleifen.
- Verbindungen sichern: Nach Möglichkeit geeignete Messklemmen verwenden, bevor der Stromkreis eingeschaltet wird.
- Messung durchführen: Stromkreis einschalten und Messwert sowie eventuelle Warnanzeigen beobachten.
- Stromkreis wieder freischalten: Vor dem Entfernen der Messleitungen erneut abschalten.
- Multimeter zurückstellen: Rote Messleitung anschließend wieder in die V/Ω-Buchse stecken.
Der letzte Schritt verhindert eine der häufigsten Fehlbedienungen: Bei der nächsten Messung wird Spannung geprüft, während die rote Leitung noch mit dem niederohmigen Stromeingang verbunden ist.
Typische Bedienfehler
Das Multimeter wird parallel an eine Spannungsquelle angeschlossen
Der Stromeingang besitzt einen sehr niedrigen Widerstand. Der parallele Anschluss kann daher einen Kurzschluss verursachen und die interne Sicherung auslösen.
Die rote Leitung steckt noch in der mA-Buchse
Der Drehschalter wird auf Spannung gestellt, die Leitung bleibt jedoch im Stromeingang. Abhängig vom Gerät kann bereits das Kontaktieren der Messstelle einen Fehlerstrom verursachen.
Ein unbekannter Strom wird im µA-Bereich gemessen
Ist der tatsächliche Strom deutlich höher als erwartet, wird der empfindliche Messbereich überlastet. Bei unbekannten Werten sollte zunächst ein ausreichend hoher Bereich gewählt werden.
Der 10-A-Bereich wird dauerhaft belastet
Viele Handmultimeter sind nicht für eine unbegrenzt lange Hochstrommessung vorgesehen. Messdauer und erforderliche Abkühlzeit müssen eingehalten werden.
Eine falsche Ersatzsicherung wird verwendet
Eine Sicherung mit passender Größe, aber ungeeignetem Abschaltvermögen kann bei hohen Fehlerströmen versagen. Es darf nur die vorgeschriebene Bauart eingesetzt werden.
Das Multimeter wird in einer ungeeigneten Messkategorie eingesetzt
Ein ausreichender Strombereich sagt nichts über die zulässige transiente Belastung am Messpunkt aus. CAT-Einstufung und Nennspannung müssen ebenfalls passen.
AC- und DC-Messung werden verwechselt
Ein Gleichstrom im AC-Bereich oder ein Wechselstrom im DC-Bereich kann zu null, schwankenden oder deutlich falschen Anzeigen führen. Nicht jedes Multimeter unterstützt in allen Strombereichen beide Stromarten.
4–20-mA-Stromschleifen richtig messen
In einer 4–20-mA-Stromschleife wird der Prozesswert durch einen Gleichstrom übertragen. 4 mA entsprechen üblicherweise dem unteren und 20 mA dem oberen Messbereichswert des Messumformers.
Auch hier muss das Messgerät in Reihe geschaltet werden. Ein paralleler Anschluss an die Signalklemmen würde die Schleife nahezu kurzschließen und kann die Messung, die Spannungsversorgung oder den Analogeingang beeinträchtigen.
Für die Messung gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Stromkreis an einer geeigneten Trennklemme öffnen und Multimeter einschleifen,
- vorhandene mA-Prüfbuchsen oder Testklemmen verwenden,
- Strom über einen vorgesehenen Messwiderstand indirekt als Spannung erfassen,
- einen spezialisierten Stromschleifen-Kalibrator einsetzen.
Aus dem gemessenen Strom lässt sich der prozentuale Messwert berechnen:
Prozentwert = (Strom − 4 mA) / 16 mA × 100 %
Ein Strom von 12 mA entspricht damit 50 Prozent des konfigurierten Messbereichs.
Ein Multimeter kann den vorhandenen Schleifenstrom messen. Es kann jedoch normalerweise keinen Messumformer simulieren, keine passive Schleife speisen und keine automatische Signalrampe ausgeben. Für Inbetriebnahme, Loop-Check und Fehlersuche ist deshalb der Druck UPS4E Stromschleifen-Kalibrator besser geeignet.
Besonderheiten bei µA-Messungen
Mikroampere-Ströme treten beispielsweise bei Ruhestrommessungen, batteriebetriebenen Geräten, Ionisationsüberwachungen und empfindlichen elektronischen Schaltungen auf.
Bei diesen Messungen wirken sich kleine Störeinflüsse stärker aus:
- Leckströme über verschmutzte Leiterplatten oder feuchte Oberflächen,
- elektromagnetische Einstreuungen,
- ungeeignete oder lange Messleitungen,
- Kontaktwiderstände und instabile Klemmen,
- Bürdenspannung des Multimeters,
- wechselnde Betriebszustände des Prüflings.
Bei Geräten mit Schlafmodus muss außerdem über einen ausreichend langen Zeitraum gemessen werden. Ein kurzer Mittelwert kann unbrauchbar sein, wenn sich wenige Mikroampere Ruhestrom mit kurzen Stromspitzen im Milliamperebereich abwechseln.
Der Messbereich muss beide Zustände verkraften. Andernfalls kann beim Aufwachen des Geräts die µA-Sicherung auslösen oder die Anzeige in Überlauf gehen.
Wann ist eine Stromzange besser geeignet?
Eine Stromzange erfasst das Magnetfeld um einen Leiter. Der Stromkreis muss dafür nicht geöffnet werden. Dies ist besonders bei höheren Strömen, laufenden Maschinen und energiereichen Anlagen ein wichtiger Vorteil.
Eine Stromzange ist häufig besser geeignet für:
- Motor- und Heizströme,
- Verteiler und Zuleitungen,
- Ströme im ein- oder mehrstelligen Amperebereich,
- Messungen ohne Prozessunterbrechung,
- Stromverläufe beim Starten von Verbrauchern.
Für µA- oder niedrige mA-Ströme ist eine gewöhnliche Stromzange meist nicht ausreichend empfindlich. Spezielle Leckstromzangen können deutlich kleinere Wechselströme erfassen, ersetzen aber nicht automatisch die direkte Gleichstrommessung in einer 4–20-mA-Schleife.
Praxisbeispiel: 4–20-mA-Signal eines Messumformers prüfen
Ein Druckmessumformer ist für einen Messbereich von 0 bis 10 bar konfiguriert. Die SPS zeigt dauerhaft 0 bar an, obwohl am Prozess ungefähr 5 bar anliegen.
Der Techniker schaltet den Stromkreis kontrolliert frei, öffnet die Stromschleife an einer Trennklemme und schließt das Multimeter über COM und mA-Buchse in Reihe an. Nach dem Wiedereinschalten zeigt das Gerät 12,02 mA.
Dieser Wert entspricht ungefähr 50 Prozent des Messbereichs und damit rund 5 bar. Messumformer und Schleifenstrom sind somit zunächst plausibel. Der Fehler liegt wahrscheinlich im Analogeingang, in der Verdrahtung hinter der Messstelle oder in der SPS-Skalierung.
Zur weiteren Eingrenzung wird das Multimeter entfernt und ein Stromschleifen-Kalibrator angeschlossen. Mit diesem werden nacheinander 4 mA, 12 mA und 20 mA simuliert.
Die SPS zeigt bei 4 mA korrekt 0 bar, bei 12 mA jedoch 3 bar und bei 20 mA 6 bar an. Die Kontrolle ergibt, dass der Analogeingang in der SPS auf 0 bis 20 mA statt auf 4 bis 20 mA skaliert wurde.
Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen Strommessung und Signalsimulation: Das Multimeter kontrolliert den tatsächlich vorhandenen Strom. Der Stromschleifen-Kalibrator prüft den nachgeschalteten Eingang unabhängig vom Messumformer.
Multimeter für Strommessungen auswählen
Für die Auswahl eines geeigneten Multimeters sollten insbesondere folgende Punkte geprüft werden:
- kleinster und größter benötigter Strombereich,
- Auflösung im µA- und mA-Bereich,
- Unterstützung von AC, DC oder AC+DC,
- separate und abgesicherte Strombuchsen,
- Art und Abschaltvermögen der Sicherungen,
- zulässige Messdauer im Hochstrombereich,
- Bürdenspannung in den kleinen Strombereichen,
- TRMS-Messung bei nicht sinusförmigen Wechselströmen,
- Messkategorie und Nennspannung,
- Warnung bei falsch eingesteckter Messleitung,
- MIN/MAX-, Peak- oder Datenloggerfunktion,
- Schutzart und mechanische Robustheit.
Ein besonders großer A-Bereich ist nicht automatisch wichtiger als eine gute Auflösung im mA- oder µA-Bereich. Das Messgerät sollte zu den tatsächlich vorkommenden Messaufgaben passen.
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
Digitale Multimeter
Die Kategorie digitale Multimeter umfasst Geräte für Wartung, Fehlersuche und elektrische Messungen in unterschiedlichen Einsatzbereichen.
Die Modelle unterscheiden sich unter anderem bei Strombereichen, Auflösung, Sicherungskonzept, Messkategorie, TRMS-Funktion, Eingangsschutz und Zusatzfunktionen. Vor der Auswahl sollte deshalb geprüft werden, ob das konkrete Gerät einen geeigneten µA- beziehungsweise mA-Eingang und die erforderliche Absicherung besitzt.
Druck UPS4E Stromschleifen-Kalibrator
Der Druck UPS4E ist speziell für die Prüfung und Fehlersuche an 0–20-mA- und 4–20-mA-Stromschleifen ausgelegt.
Er kann vorhandene Stromsignale messen und definierte mA-Werte ausgeben. Zusätzlich kann er eine 24-V-Schleifenversorgung bereitstellen. Dadurch lassen sich Messumformer, SPS-Eingänge, Anzeigen und Stellglieder gezielter prüfen als mit einem klassischen Multimeter.
Für allgemeine Spannungs-, Widerstands- und Strommessungen bleibt ein geeignetes Digitalmultimeter das vielseitigere Gerät. Für wiederkehrende Arbeiten an industriellen Stromschleifen bietet ein Stromschleifen-Kalibrator dagegen die spezielleren Funktionen.
Fazit: Die richtige Buchse ist bei der Strommessung genauso wichtig wie der Messbereich
Strom wird mit dem Multimeter in Reihe gemessen. Das Gerät muss dazu Bestandteil des Stromkreises werden. Ein paralleler Anschluss wie bei einer Spannungsmessung kann einen Kurzschluss verursachen und die interne Sicherung auslösen.
Vor der Messung müssen die rote Messleitung in die passende µA-, mA- oder A-Buchse gesteckt und ein ausreichend hoher Messbereich gewählt werden. Bei unbekannten Strömen wird zunächst mit dem größten geeigneten Bereich begonnen.
Die internen Sicherungen sind sicherheitsrelevante Bauteile. Sie dürfen ausschließlich durch die vorgeschriebene Bauart ersetzt und niemals überbrückt werden. Nach einer ausgelösten mA-Sicherung können andere Multimeterfunktionen weiterhin arbeiten, obwohl keine Strommessung mehr möglich ist.
Bei kleinen Strömen muss zusätzlich die Bürdenspannung berücksichtigt werden. Das Multimeter kann den untersuchten Stromkreis so stark beeinflussen, dass sich dessen Stromaufnahme während der Messung verändert.
Für eine einfache Kontrolle vorhandener 4–20-mA-Signale kann ein geeignetes Multimeter verwendet werden. Sollen Stromsignale simuliert, passive Schleifen versorgt oder automatische Prüfabläufe durchgeführt werden, ist ein spezialisierter Stromschleifen-Kalibrator die bessere Lösung.
Häufige Fragen zur mA- und µA-Messung mit dem Multimeter
Warum muss das Multimeter zur Strommessung in Reihe angeschlossen werden?
Der zu messende Strom muss durch den internen Messwiderstand des Multimeters fließen. Deshalb wird der Stromkreis geöffnet und das Gerät in den Leitungsweg eingefügt.
Was passiert, wenn ich Strom parallel zu einer Spannungsquelle messe?
Der niederohmige Stromeingang verursacht nahezu einen Kurzschluss. Im günstigsten Fall löst die interne Sicherung aus. Bei hohen Energien können zusätzlich Lichtbogen, Geräteschäden oder Verletzungen entstehen.
Warum funktioniert die Spannungsmessung, obwohl der mA-Bereich defekt ist?
Spannungs- und Strommessung verwenden unterschiedliche interne Eingangspfade. Eine ausgelöste mA-Sicherung kann deshalb ausschließlich den Strombereich unterbrechen.
Kann ich eine beliebige Sicherung in das Multimeter einsetzen?
Nein. Nennstrom, Spannung, Auslösecharakteristik, Abschaltvermögen und Abmessungen müssen der Herstellervorgabe entsprechen. Eine einfache Glassicherung kann trotz passender Größe ungeeignet sein.
Sollte ich für 20 mA den 10-A-Eingang verwenden?
Der Messwert kann grundsätzlich innerhalb des Bereichs liegen, wird dort aber häufig mit deutlich geringerer Auflösung erfasst. Für 4–20-mA-Signale ist normalerweise der abgesicherte mA-Eingang geeigneter.
Wie messe ich ein 4–20-mA-Signal?
Das Messgerät wird in Reihe in die Stromschleife eingefügt. Dazu wird die Schleife an einer geeigneten Trennstelle geöffnet. Der mA-Eingang darf nicht parallel an die Signalklemmen angeschlossen werden.
Warum ändert sich der Strom, sobald ich das Multimeter anschließe?
Der interne Shunt erzeugt einen zusätzlichen Spannungsabfall. Besonders in niedrig versorgten oder hochohmigen Schaltungen kann diese Bürdenspannung den Betriebszustand verändern.
Wann sollte statt eines Multimeters ein Stromschleifen-Kalibrator verwendet werden?
Ein Stromschleifen-Kalibrator ist sinnvoll, wenn 4–20-mA-Signale nicht nur gemessen, sondern auch simuliert, ausgegeben oder mit einer internen Schleifenversorgung bereitgestellt werden sollen.
