Ein Stromwandler ist passend zum Primärstrom ausgewählt, das Übersetzungsverhältnis stimmt und auch das angeschlossene Messgerät besitzt den richtigen 1-A- oder 5-A-Eingang. Trotzdem zeigt die Messung größere Abweichungen als erwartet. Besonders häufig fällt dieses Problem auf, wenn Stromwandler und Messgerät nicht direkt nebeneinander montiert sind, sondern einige Meter oder sogar mehrere zehn Meter Sekundärleitung dazwischenliegen.
In solchen Fällen wird häufig nur auf das Übersetzungsverhältnis des Stromwandlers geschaut. Ein ebenso wichtiger Parameter ist jedoch die Bürde des Sekundärkreises. Der Stromwandler muss nicht nur den Stromeingang des Messgerätes treiben, sondern auch den Widerstand der kompletten Hin- und Rückleitung sowie weitere im Sekundärkreis vorhandene Komponenten überwinden.
Für eine zuverlässige Strommessung muss deshalb die gesamte Sekundärbürde betrachtet werden. Messgeräteingang, Leitungslänge, Leiterquerschnitt, Klemmen und weitere in Reihe liegende Komponenten müssen gemeinsam zur zulässigen Bürde des Stromwandlers passen.
Was bedeutet die Bürde eines Stromwandlers?
Ein klassischer Messstromwandler setzt einen hohen Primärstrom auf einen wesentlich kleineren Sekundärstrom um. Typische Sekundär-Nennströme sind 5 A und 1 A. Bei einem Stromwandler 400/5 A entsprechen beispielsweise 400 A auf der Primärseite bei Nennbedingungen einem Sekundärstrom von 5 A.
Dieser Sekundärstrom fließt durch einen geschlossenen Stromkreis. Dazu gehören typischerweise die Sekundärwicklung des Stromwandlers, die Anschlussleitung, Klemmen und der Stromeingang des angeschlossenen Messgerätes. Jeder externe Widerstand beziehungsweise jede externe Impedanz, durch die der Sekundärstrom fließen muss, belastet den Stromwandler.
Diese externe Belastung wird als Bürde bezeichnet. Bei Stromwandlern wird sie häufig als Scheinleistung in Voltampere, kurz VA, angegeben.
Auf dem Typenschild oder im Datenblatt eines Stromwandlers können beispielsweise Angaben wie 2,5 VA, 5 VA, 10 VA oder 15 VA zusammen mit einer Genauigkeitsklasse stehen. Diese Werte dürfen nicht mit der Leistung des primären Verbrauchers verwechselt werden. Sie beziehen sich auf den Sekundärkreis des Messwandlers.
Was bedeutet die VA-Angabe?
Für einen überwiegend ohmschen Sekundärkreis lässt sich der Zusammenhang zwischen Sekundärstrom, Impedanz und Bürde näherungsweise mit folgender Formel beschreiben:
S = I² × Z
Dabei gilt:
- S = Bürde in VA
- I = Sekundärstrom in A
- Z = Impedanz des angeschlossenen Sekundärkreises in Ω
Bei einer Kupferleitung ist der induktive Anteil bei den üblichen Leitungslängen häufig klein genug, um für eine überschlägige Leitungsberechnung zunächst mit dem ohmschen Widerstand zu rechnen:
S ≈ I² × R
Aus dieser Formel wird bereits ein entscheidender Punkt deutlich: Der Sekundärstrom geht quadratisch in die Leitungsbürde ein.
Bei gleicher Leitungsimpedanz erzeugt ein 5-A-Sekundärkreis daher nicht nur die fünffache, sondern die 25-fache Bürde eines 1-A-Sekundärkreises.
5² / 1² = 25
Genau deshalb ist die Entscheidung zwischen 1 A und 5 A besonders relevant, wenn größere Entfernungen zwischen Stromwandler und Messgerät überbrückt werden müssen.
Was gehört zur Gesamtbürde?
Bei der Dimensionierung darf nicht nur der Messgeräteingang betrachtet werden. Entscheidend ist die gesamte externe Belastung des Stromwandlers.
Vereinfacht gilt:
Sgesamt = SMessgerät + SLeitung + Sweitere Komponenten
Zur Gesamtbürde können unter anderem gehören:
- Stromeingang des Messgerätes oder Energiezählers,
- Hin- und Rückleitung zwischen Stromwandler und Messgerät,
- Prüf- und Trennklemmen,
- zusätzliche Messgeräte im Sekundärkreis,
- Messumformer oder Schutzgeräte, sofern sie in diesem Stromkreis liegen,
- Übergangswiderstände an Anschlüssen und Klemmen.
In einem sauber ausgeführten Schaltschrank sind die Übergangswiderstände guter Klemmstellen normalerweise wesentlich kleiner als der Widerstand einer langen Sekundärleitung. Bei gealterten, losen oder korrodierten Verbindungen können sie jedoch zusätzlich relevant werden.
Leitungsbürde richtig berechnen
Bei größeren Entfernungen ist die Sekundärleitung häufig der wichtigste zusätzliche Bürdenanteil. Dabei muss immer die komplette Stromschleife berücksichtigt werden: Der Sekundärstrom fließt vom Stromwandler zum Messgerät und anschließend wieder zurück.
Bei einer einfachen Zweileiterverbindung gilt näherungsweise:
RLeitung = ρ × (2 × l) / A
Dabei bedeutet:
- ρ = spezifischer Widerstand des Leitermaterials,
- l = einfache Entfernung zwischen Stromwandler und Messgerät,
- A = Leiterquerschnitt.
Für Kupfer kann bei Raumtemperatur überschlägig mit etwa 0,0178 Ω × mm²/m gerechnet werden.
Beispiel: 10 m Entfernung bei 2,5 mm²
Der Stromwandler befindet sich 10 m vom Messgerät entfernt. Die elektrische Leiterlänge beträgt deshalb insgesamt:
2 × 10 m = 20 m
Bei einem Leiterquerschnitt von 2,5 mm² ergibt sich näherungsweise:
R = 0,0178 × 20 / 2,5
R ≈ 0,142 Ω
Diese 0,142 Ω erscheinen zunächst gering. Bei einem 5-A-Stromwandler ergeben sie jedoch bereits:
S = 5² × 0,142
S ≈ 3,55 VA
Allein die Anschlussleitung beansprucht in diesem Beispiel also bereits rund 3,6 VA. Der Messgeräteingang ist darin noch nicht enthalten.
Warum 1 A bei langen Leitungen Vorteile hat
Nun wird dieselbe Leitung mit einem 1-A-Stromwandler betrachtet. Der Leitungswiderstand bleibt unverändert bei etwa 0,142 Ω.
Die Bürde beträgt jetzt:
S = 1² × 0,142
S ≈ 0,142 VA
Damit ergibt sich für dieselbe Leitung:
- 5 A: etwa 3,55 VA
- 1 A: etwa 0,142 VA
Die Leitungsbürde des 5-A-Stromkreises ist damit 25-mal so groß.
Das bedeutet nicht, dass 1-A-Stromwandler grundsätzlich besser sind. Bei kurzen Leitungswegen und vorhandenen 5-A-Messgeräten kann eine 5-A-Ausführung völlig sinnvoll sein. Bei langen Strecken zwischen Stromwandler und Auswertung wird die geringere Leitungsbürde eines 1-A-Systems jedoch schnell zu einem entscheidenden Vorteil.
Voraussetzung ist selbstverständlich, dass das angeschlossene Messgerät für einen Sekundärstrom von 1 A ausgelegt oder entsprechend konfigurierbar ist.
Messgeräteingang berücksichtigen
Der Eingang des angeschlossenen Messgerätes besitzt ebenfalls eine Bürde. Diese ist im technischen Datenblatt häufig direkt in VA angegeben. Manche Hersteller nennen stattdessen die Eingangsimpedanz oder den Eingangswiderstand.
Ist der Widerstand angegeben, kann auch hier gerechnet werden:
SMessgerät = I² × ZEingang
Bei modernen digitalen Messgeräten ist die Eingangsbürde häufig relativ gering. Sie darf deshalb aber nicht grundsätzlich vernachlässigt werden.
Besonders wichtig wird dieser Punkt, wenn mehrere Geräte mit demselben Stromwandler versorgt werden sollen. Werden geeignete Stromeingänge in Reihe in denselben Sekundärkreis eingebunden, addieren sich deren Bürden.
Beispiel:
- Messgerät 1: 0,5 VA
- Messgerät 2: 0,5 VA
- Sekundärleitung: 3,5 VA
Damit beträgt die externe Gesamtbürde bereits:
0,5 VA + 0,5 VA + 3,5 VA = 4,5 VA
Bei einem Stromwandler mit nur 5 VA Bemessungsbürde wäre die Reserve damit bereits sehr klein.
Praxisbeispiel: 5-A-Stromwandler
Ein Schaltschrankbauer möchte einen Betriebsstrom mit einem Stromwandler 400/5 A erfassen. Der eingesetzte Stromwandler besitzt eine Bemessungsbürde von 5 VA. Das Messgerät ist 12 m vom Stromwandler entfernt.
Gegeben:
- Stromwandler: 400/5 A
- Bemessungsbürde: 5 VA
- einfache Leitungslänge: 12 m
- Leiterquerschnitt: 2,5 mm² Cu
- Bürde des Messgerätes: 0,5 VA
Die gesamte Leiterlänge beträgt:
2 × 12 m = 24 m
Der Leitungswiderstand beträgt näherungsweise:
R = 0,0178 × 24 / 2,5
R ≈ 0,171 Ω
Bei 5 A ergibt sich daraus:
SLeitung = 25 × 0,171
SLeitung ≈ 4,28 VA
Zusammen mit dem Messgerät:
Sgesamt = 4,28 VA + 0,5 VA
Sgesamt ≈ 4,78 VA
Die rechnerische Gesamtbürde liegt damit bereits sehr nah an den 5 VA des Stromwandlers. Zusätzliche Klemmen, weitere Geräte oder eine ungünstige Installation lassen praktisch kaum Reserve.
Die Lösung sollte nicht darin bestehen, die Leitungslänge bei der Berechnung zu ignorieren. Sinnvolle Maßnahmen wären beispielsweise ein größerer Leiterquerschnitt, ein Stromwandler mit geeigneter höherer Bemessungsbürde oder – wenn Messgerät und Anlagenkonzept dies erlauben – die Verwendung eines 1-A-Sekundärkreises.
Dasselbe Beispiel mit 1 A
Wird dieselbe Installation mit einem geeigneten 400/1-A-Stromwandler und einem für 1 A vorgesehenen Messgeräteingang aufgebaut, bleibt der Leitungswiderstand unverändert:
R ≈ 0,171 Ω
Die Leitungsbürde beträgt bei 1 A jedoch nur:
SLeitung = 1² × 0,171
SLeitung ≈ 0,171 VA
Der Unterschied von rund 4,28 VA zu nur 0,171 VA zeigt, warum 1-A-Sekundärkreise bei größeren Leitungslängen attraktiv sein können.
Entscheidend bleibt allerdings die komplette Messkette. Ein vorhandenes Messgerät mit ausschließlich 5-A-Stromeingang kann nicht einfach an einen 1-A-Wandler angeschlossen werden, ohne dass Eingang, Skalierung und Gerätespezifikation entsprechend passen.
Was passiert bei zu hoher Bürde?
Ein Stromwandler kann den gewünschten Sekundärstrom nur innerhalb seiner konstruktiven Grenzen mit der vorgesehenen Genauigkeit bereitstellen. Steigt die externe Bürde, muss der Wandler eine höhere Sekundärspannung erzeugen, um den entsprechenden Strom durch den Messkreis zu treiben.
Wird die für die jeweilige Ausführung vorgesehene Belastung überschritten, kann sich der Messfehler erhöhen. Je nach Stromwandler, Betriebsstrom und Belastung kann der magnetische Kern stärker beansprucht werden und früher in Bereiche gelangen, in denen das Übertragungsverhalten nicht mehr der vorgesehenen Genauigkeitsklasse entspricht.
Eine höhere auf dem Typenschild angegebene VA-Leistung ist deshalb kein beliebiger Komfortwert. Stromwandler, Genauigkeitsklasse, Sekundärstrom und tatsächliche Bürde müssen als zusammengehörige Größen betrachtet werden.
Umgekehrt sollte auch eine extrem geringe Bürde nicht automatisch mit einer garantierten Verbesserung der Genauigkeitsklasse gleichgesetzt werden. Die zugesicherten Fehlergrenzen gelten unter den im Datenblatt beziehungsweise in den für den Stromwandler maßgeblichen technischen Bedingungen. Für präzise Messaufgaben sollte deshalb immer das konkrete Herstellerdatenblatt herangezogen werden.
Stromwandler systematisch dimensionieren
Für die praktische Planung hat sich ein einfacher Ablauf bewährt.
1. Primärstrom bestimmen
Zunächst muss der tatsächliche Betriebsstrom der Anlage bekannt sein. Der gewählte Primär-Nennstrom des Stromwandlers sollte sinnvoll zum vorgesehenen Messbereich passen.
2. Sekundärstrom festlegen
Anschließend wird entschieden, ob ein 1-A- oder 5-A-Sekundärkreis verwendet wird. Dabei müssen vorhandene Messgeräte und Energiezähler berücksichtigt werden.
3. Messgerätebürde ermitteln
Die Bürde des Stromeingangs wird dem Datenblatt des Messgerätes entnommen. Sind mehrere geeignete Stromeingänge in Reihe geschaltet, müssen deren Bürden addiert werden.
4. Leitungslänge bestimmen
Für die Widerstandsberechnung muss die komplette Stromschleife berücksichtigt werden. Bei 15 m Entfernung zwischen Stromwandler und Messgerät ergeben sich bei einer Zweileiterverbindung grundsätzlich etwa 30 m Leiterlänge.
5. Leiterquerschnitt berücksichtigen
Ein größerer Querschnitt reduziert den Leitungswiderstand und damit die Leitungsbürde. Besonders bei 5-A-Systemen kann dies einen erheblichen Unterschied ausmachen.
6. Weitere Komponenten erfassen
Prüfklemmen, Messgeräte, Messumformer oder andere Komponenten des Sekundärkreises müssen in die Betrachtung einbezogen werden.
7. Gesamtbürde berechnen
Alle externen Bürden werden addiert und mit den Daten des vorgesehenen Stromwandlers verglichen.
8. Genauigkeitsanforderung prüfen
Abschließend muss kontrolliert werden, ob der ausgewählte Wandler bei der vorgesehenen Bürde die erforderliche Genauigkeitsklasse und die übrigen Anforderungen der Messaufgabe erfüllt.
Praxisbeispiel aus dem Schaltschrankbau
In einer Hauptverteilung sitzen drei Stromwandler direkt an den Sammelschienen. Das zentrale Netzüberwachungsgerät befindet sich jedoch in einem separaten Messfeld mehrere Meter entfernt.
Ursprünglich wurden 5-A-Stromwandler vorgesehen. Bei der Detailplanung zeigt sich, dass für jede Phase ein längerer Leitungsweg zum Messgerät erforderlich ist. Werden Leitungslänge und Querschnitt nicht berücksichtigt, kann die tatsächliche Bürde erheblich größer sein als bei einer Montage des Messgerätes unmittelbar neben den Stromwandlern.
Eine sinnvolle Planung vergleicht deshalb verschiedene Varianten:
- größerer Querschnitt der Sekundärleitungen,
- kürzerer Leitungsweg,
- Stromwandler mit geeigneter VA-Leistung,
- 1-A-System anstelle von 5 A, sofern das Messgerät dies unterstützt.
Gerade bei neuen Anlagen sollte diese Prüfung erfolgen, bevor Stromwandler und Messgerät bestellt werden. Eine nachträgliche Änderung des Sekundärstroms kann den Austausch von Stromwandlern oder Auswertegeräten erforderlich machen.
Systematischer Prüf- und Diagnoseablauf
Besteht der Verdacht, dass ein vorhandener Stromwandlerkreis aufgrund seiner Bürde problematisch ist, kann die Anlage systematisch geprüft werden.
- Typenschild des Stromwandlers prüfen: Primärstrom, Sekundärstrom, Genauigkeitsklasse und VA-Angabe notieren.
- Messgerät prüfen: Ist der Eingang tatsächlich für 1 A beziehungsweise 5 A vorgesehen und korrekt parametriert?
- Messgerätebürde aus dem Datenblatt ermitteln.
- Leitungslänge feststellen: Hin- und Rückleiter berücksichtigen.
- Leiterquerschnitt prüfen.
- Leitungswiderstand berechnen oder fachgerecht messen.
- Leitungsbürde mit I² × R berechnen.
- Weitere Geräte und Komponenten des Sekundärkreises erfassen.
- Gesamtbürde bilden und mit den Stromwandlerdaten vergleichen.
- Klemmen und Anschlüsse auf lose oder beschädigte Verbindungen kontrollieren.
- Messwerte anschließend gegen eine geeignete Referenz plausibilisieren.
Mit diesem Vorgehen lässt sich meist schnell erkennen, ob tatsächlich die Bürde problematisch ist oder ob beispielsweise ein falsches Übersetzungsverhältnis, eine falsche Parametrierung oder ein Anschlussfehler vorliegt.
Sekundärkreis niemals unkontrolliert öffnen
Bei klassischen 1-A- und 5-A-Stromwandlern gilt eine wichtige Sicherheitsregel: Der Sekundärkreis darf bei vorhandenem Primärstrom nicht unkontrolliert geöffnet werden.
Ein Stromwandler versucht weiterhin, einen dem Primärstrom entsprechenden Sekundärstrom zu erzeugen. Ist der Sekundärkreis unterbrochen, kann dadurch eine hohe Spannung an der offenen Sekundärwicklung entstehen. Dies kann Personen gefährden, die Isolation belasten und den Stromwandler beschädigen.
Messgeräte dürfen daher nicht einfach aus einem belasteten Stromwandlerkreis abgeklemmt werden. Für Wartung und Prüfung werden geeignete Kurzschluss-, Prüf- oder Trennklemmen eingesetzt, mit denen die Sekundärwicklung entsprechend dem vorgesehenen Anlagen- und Sicherheitskonzept sicher kurzgeschlossen werden kann, bevor der Messkreis geöffnet wird.
Häufige Fehler bei der Auslegung
Nur die VA-Angabe des Messgerätes betrachten
Bei längeren Sekundärleitungen kann die Leitungsbürde deutlich größer sein als die Bürde des eigentlichen Messgerätes.
Nur die einfache Leitungslänge verwenden
Der Strom muss zum Messgerät hin und wieder zurück. Für die Widerstandsberechnung einer Zweileiterverbindung muss deshalb die gesamte Stromschleife berücksichtigt werden.
5 A und 1 A gleich behandeln
Die Leitungsbürde steigt mit dem Quadrat des Sekundärstroms. Ein Wechsel von 1 A auf 5 A erhöht sie bei gleicher Leitungsimpedanz um den Faktor 25.
Leiterquerschnitt nicht berücksichtigen
Ein dünner Leiter besitzt einen höheren Widerstand und erzeugt bei gleichem Sekundärstrom eine größere Bürde.
Zusätzliche Messgeräte vergessen
Wenn mehrere geeignete Stromeingänge in Reihe im selben Sekundärkreis liegen, müssen deren Bürden gemeinsam betrachtet werden.
Nur Primärstrom und Übersetzungsverhältnis auswählen
Die Angabe 400/5 A allein reicht für die Auswahl eines Stromwandlers nicht aus. Genauigkeitsklasse, Bürde, Bauform, Leiter- beziehungsweise Schienenabmessungen und Einsatzbedingungen gehören ebenfalls zur Auslegung.
Den Sekundärkreis während des Betriebs öffnen
Dies ist kein normaler Messzustand und kann gefährliche Spannungen erzeugen. Wartungsarbeiten müssen mit den vorgesehenen Kurzschluss- und Prüfeinrichtungen durchgeführt werden.
Passende Stromwandler bei ICS Schneider
ICS Schneider Messtechnik bietet unterschiedliche Stromwandler für Mess-, Energie- und Überwachungsaufgaben in Niederspannungsanlagen an.
Je nach Anwendung stehen unter anderem Aufsteckstromwandler, Genauigkeitsstromwandler, Wickelstromwandler, teilbare Stromwandler, Summenstromwandler und weitere Bauformen zur Verfügung.
Bei der Auswahl sollten nicht nur Primärstrom und mechanische Abmessungen berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind:
- Sekundär-Nennstrom 1 A oder 5 A,
- erforderliche Genauigkeitsklasse,
- Bemessungsbürde in VA,
- Leitungslänge zum Messgerät,
- Bürde des Messgeräteingangs,
- Leiter- oder Stromschienenabmessungen,
- Mess- oder Schutzanwendung.
Übersicht Strom- und Spannungswandler bei ICS Schneider
Aufsteckstromwandler für Messanwendungen
Genauigkeitsstromwandler ansehen
Fazit
Die richtige Bürde eines Stromwandlers lässt sich nicht allein anhand des angeschlossenen Messgerätes bestimmen. Der komplette Sekundärkreis muss betrachtet werden.
Messgerätebürde + Leitungsbürde + weitere externe Belastungen ergeben die Gesamtbürde des Stromwandlers.
Besonders wichtig ist dabei der Einfluss des Sekundärstroms. Da die Leitungsbürde proportional zu I² steigt, verursacht ein 5-A-Stromwandler bei derselben Leitungsimpedanz die 25-fache Leitungsbürde eines 1-A-Stromwandlers.
Bei kurzen Leitungswegen ist dies häufig unkritisch. Bei längeren Strecken kann die Leitung dagegen einen erheblichen Anteil der verfügbaren VA-Leistung beanspruchen. Leitungslänge und Querschnitt sollten deshalb bereits bei der Planung zusammen mit Stromwandler und Messgerät dimensioniert werden.
Wer Primärstrom, Sekundärstrom, Bemessungsbürde, Leitungswiderstand und Messgeräteingang gemeinsam betrachtet, erhält eine Messkette, die nicht nur rechnerisch passt, sondern auch unter realen Anlagenbedingungen zuverlässig arbeitet.
FAQ zur Stromwandler-Bürde
Was ist die Bürde eines Stromwandlers?
Die Bürde ist die elektrische Belastung, die der angeschlossene Sekundärkreis für den Stromwandler darstellt. Dazu gehören insbesondere Messgeräteingang, Anschlussleitungen und weitere in Reihe liegende Komponenten. Sie wird bei Stromwandlern häufig in VA angegeben.
Was bedeutet 5 VA bei einem Stromwandler?
Die Angabe beschreibt eine Bemessungsbürde des Sekundärkreises, auf die sich die spezifizierten Eigenschaften des Stromwandlers beziehen. Welche Genauigkeitsbedingungen im Einzelnen gelten, ist dem jeweiligen Datenblatt zu entnehmen.
Wie berechnet man die Bürde eines Stromwandlers?
Für eine überwiegend ohmsche Belastung kann näherungsweise mit S = I² × R gerechnet werden. Die Gesamtbürde ergibt sich aus der Summe der Bürden von Messgerät, Leitung und weiteren Komponenten des Sekundärkreises.
Muss bei der Leitung Hin- und Rückweg berücksichtigt werden?
Ja. Bei einer Zweileiterverbindung fließt der Sekundärstrom zum Messgerät und über einen zweiten Leiter zurück. Bei 10 m räumlicher Entfernung sind deshalb ungefähr 20 m Leiterlänge in der Widerstandsberechnung zu berücksichtigen.
Warum ist die Leitung bei einem 5-A-Stromwandler kritischer?
Die Verlustleistung beziehungsweise Bürde einer resistiven Leitung steigt mit dem Quadrat des Stroms. Bei gleicher Leitungsimpedanz verursacht ein 5-A-Sekundärkreis deshalb die 25-fache Leitungsbürde eines 1-A-Sekundärkreises.
Wann ist ein 1-A-Stromwandler sinnvoll?
1-A-Stromwandler können besonders bei größeren Entfernungen zwischen Stromwandler und Messgerät sinnvoll sein, weil die Sekundärleitung wesentlich weniger VA beansprucht. Das angeschlossene Messgerät muss jedoch für 1 A geeignet sein.
Kann ich einen 1-A-Stromwandler an einen 5-A-Messgeräteingang anschließen?
Stromwandler und Messgerät müssen hinsichtlich Sekundärstrom und Parametrierung zusammenpassen. Ein 1-A-Wandler darf nicht einfach als Ersatz für einen 5-A-Wandler eingesetzt werden, wenn der Eingang beziehungsweise die Auswertung dafür nicht vorgesehen ist.
Kann ein größerer Leiterquerschnitt die Bürde reduzieren?
Ja. Ein größerer Kupferquerschnitt reduziert den Leitungswiderstand und damit die Leitungsbürde. Dies kann besonders bei 5-A-Sekundärkreisen und langen Leitungswegen wirksam sein.
Was passiert, wenn die Bürde zu hoch ist?
Der Stromwandler muss mit zunehmender Bürde eine höhere Sekundärspannung erzeugen. Wird die für die jeweilige Ausführung vorgesehene Belastung überschritten, können sich Übersetzungs- und Phasenfehler erhöhen und der Stromwandler kann bei hohen Strömen früher in einen ungünstigen magnetischen Betriebsbereich gelangen.
Darf der Sekundärkreis eines Stromwandlers geöffnet werden?
Nicht unkontrolliert, solange ein relevanter Primärstrom fließt. Bei offenem Sekundärkreis können hohe Spannungen entstehen. Für Wartungsarbeiten sind geeignete Kurzschluss-, Prüf- beziehungsweise Trennklemmen und das vorgesehene Sicherheitsverfahren zu verwenden.
Müssen Klemmen bei der Bürdenberechnung berücksichtigt werden?
Grundsätzlich gehört jede Serienimpedanz zum Sekundärkreis. Bei fachgerecht ausgeführten Verbindungen ist der Einfluss einzelner Klemmen häufig klein. Schlechte, lose oder korrodierte Kontaktstellen können den Widerstand jedoch erhöhen und sollten insbesondere bei bestehenden Anlagen geprüft werden.
Ist ein Stromwandler mit möglichst hoher VA-Leistung automatisch besser?
Nein. Der Stromwandler sollte passend zur tatsächlichen Messkette, zur geforderten Genauigkeit und zur Anwendung ausgewählt werden. Die VA-Angabe ist nur einer von mehreren relevanten Parametern.
Welche Angaben werden für die Auswahl eines Stromwandlers benötigt?
Typischerweise werden Primär-Nennstrom, gewünschter Sekundärstrom, Genauigkeitsklasse, erforderliche Bürde, Leitungslänge, Leiterquerschnitt, Messgerätebürde, Bauform und die mechanischen Abmessungen des Primärleiters beziehungsweise der Stromschiene benötigt.
