Katalytischer LEL-Sensor nach hoher Gaskonzentration: Overrange, Erholzeit und Funktionsprüfung richtig bewerten

Crowcon T4 mit Pellistor Sensor bei der Funktionsprüfung mit Prüfgas nach hoher Brenngaskonzentration
→ Produktkategorie: Gasmessgeräte / Gaswarngeräte

 

Ein tragbares Gaswarngerät gerät während eines Einsatzes in eine sehr hohe Konzentration brennbaren Gases. Die Anzeige erreicht 100 % LEL, meldet einen Überbereich oder der Brenngaskanal wird durch eine Schutzfunktion vorübergehend deaktiviert. Nachdem der Mitarbeiter den Gefahrenbereich verlassen hat, fällt die Anzeige in sauberer Luft wieder auf Null zurück. Kann das Gerät damit unmittelbar wieder eingesetzt werden?

Bei einem katalytischen LEL-Sensor beziehungsweise Pellistor sollte diese Schlussfolgerung nicht vorschnell gezogen werden. Der Sensor arbeitet mit einer erhitzten katalytisch aktiven Messperle, auf der brennbares Gas oxidiert wird. Eine sehr hohe Gaskonzentration kann die Messstelle deutlich stärker belasten als der normale Betrieb innerhalb des vorgesehenen LEL-Messbereichs. Moderne Gaswarngeräte können deshalb Schutzfunktionen besitzen, die den Pellistor bei einem starken Overrange abschalten. Dadurch wird das Risiko einer Schädigung reduziert, aber nicht automatisch bestätigt, dass die Sensorempfindlichkeit nach dem Ereignis unverändert geblieben ist.

Entscheidend ist außerdem, was mit „hoher Gaskonzentration“ tatsächlich gemeint ist. Eine kurzzeitige Überschreitung des Messbereichs, eine längere Beaufschlagung mit einer weit über der UEG liegenden Konzentration und der Kontakt mit sensorvergiftenden Substanzen sind unterschiedliche Belastungen. Ein Sensor kann nach einer Überbereichssituation wieder einen plausiblen Nullwert anzeigen und trotzdem weniger empfindlich auf das nächste Gasereignis reagieren.

Nach einem Overrange sollte deshalb nicht allein die Rückkehr der Anzeige auf Null bewertet werden. Zuerst muss der Sensor in sauberer Umgebung ausreichend stabilisieren. Anschließend ist eine Funktionsprüfung mit definiertem Prüfgas erforderlich. Zeigt sich dabei eine auffällige Empfindlichkeit oder Reaktionszeit, muss eine Kalibrierung beziehungsweise weitergehende Prüfung erfolgen.

Wie funktioniert ein katalytischer LEL-Sensor?

Katalytische Brenngassensoren werden häufig als Pellistoren oder katalytische Wärmetönungssensoren bezeichnet. Im Sensor befinden sich typischerweise beheizte Elemente, von denen eines katalytisch aktiv ist. Gelangt ein brennbares Gas zur Messperle, wird es dort oxidiert. Die dabei entstehende zusätzliche Wärme verändert den elektrischen Widerstand der Messperle. Aus diesem Unterschied wird ein Signal abgeleitet, das der Konzentration des brennbaren Gases innerhalb des vorgesehenen Messbereichs zugeordnet wird.

Für den Explosionsschutz wird die Konzentration üblicherweise in Prozent der unteren Explosionsgrenze beziehungsweise % LEL angegeben. 100 % LEL bedeutet damit nicht 100 Vol.-% Gas, sondern dass die für das betreffende Gas definierte untere Explosionsgrenze erreicht ist. Die tatsächliche Volumenkonzentration hängt vom Gas ab. Ein Pellistor ist deshalb primär für die Überwachung des Bereichs bis zur Explosionsgrenze vorgesehen und nicht zur quantitativen Bestimmung beliebig hoher Brenngaskonzentrationen.

Hinzu kommt, dass das Messprinzip eine chemische Reaktion nutzt. Temperatur, Sauerstoffverfügbarkeit, Gasart und mögliche Katalysatorgifte beeinflussen deshalb das Verhalten stärker als bei einem rein physikalischen Messprinzip. Gerade nach einer außergewöhnlich hohen Belastung ist es wichtig zu prüfen, ob der Sensor noch die erwartete Empfindlichkeit besitzt.

Was bedeutet Overrange bei einem Pellistor?

Der Messbereich eines typischen katalytischen Brenngaskanals endet bei 100 % LEL. Steigt die tatsächliche Konzentration darüber hinaus, befindet sich der Sensor außerhalb des spezifizierten Messbereichs. Die Anzeige darf dann nicht einfach so interpretiert werden, als ließe sich aus dem angezeigten Endwert die tatsächliche Konzentration ableiten.

Eine Anzeige von 100 % LEL oder eine Overrange-Meldung kann beispielsweise bedeuten, dass die tatsächliche Konzentration nur geringfügig oberhalb des Messbereiches liegt. Sie kann aber ebenso deutlich höher sein. Das Gaswarngerät wird in diesem Zustand zu einem Warnsystem für einen gefährlichen Bereich und nicht zu einem Konzentrationsmessgerät für das darüberliegende Gasniveau.

Zustand Typische Bedeutung Bewertung
0 ... 100 % LEL Normaler spezifizierter Brenngasmessbereich Messwert entsprechend Gerätespezifikation bewerten
Anzeige erreicht Messbereichsende Tatsächliche Konzentration kann höher liegen Bereich verlassen und Overrange beachten
Overrange beziehungsweise Schutzmodus Sensor wird außerhalb des normalen Betriebsbereiches belastet Geräteanweisung für Wiederinbetriebnahme befolgen
Anzeige nach Rückkehr in Frischluft wieder Null Nullpunkt hat sich zunächst erholt Bestätigt noch nicht die Sensorempfindlichkeit
Bump-Test nach Ereignis auffällig Sensor reagiert zu wenig, zu langsam oder gar nicht Kalibrierung beziehungsweise Service erforderlich

Warum kann eine hohe Gaskonzentration den Sensor belasten?

Innerhalb des normalen Messbereichs wird nur eine begrenzte Menge des brennbaren Gases an der katalytischen Oberfläche umgesetzt. Bei einer sehr hohen Konzentration steigt die Belastung der beheizten Messperle. Je nach Sensorkonstruktion und Dauer der Exposition kann dies die katalytische Oberfläche beziehungsweise die Sensoreigenschaften beeinflussen.

Problematisch ist vor allem eine längere Exposition oberhalb des vorgesehenen LEL-Messbereichs. Deshalb verfügen manche Gaswarngeräte über einen speziellen Schutzmodus. Wird ein definierter Schwellenwert überschritten, wird die Versorgung des Pellistors abgeschaltet. Dadurch wird verhindert, dass die aktive Messperle während einer sehr hohen Gaskonzentration dauerhaft weiter betrieben wird.

Ob nach dem Ereignis eine Veränderung zurückgeblieben ist, lässt sich jedoch nicht allein aus dem Verlauf der Anzeige beurteilen. Eine reduzierte Sensitivität kann dazu führen, dass der Sensor beim nächsten Gasereignis später oder weniger stark reagiert. Genau deshalb ist die anschließende Prüfung mit einer bekannten Prüfgaskonzentration wesentlich aussagekräftiger als die reine Beobachtung des Nullpunktes.

Was macht ein Pellistor-Saver?

Ein Pellistor-Saver beziehungsweise Overrange-Schutz überwacht das Signal des Brenngassensors. Wird eine hohe Konzentration erkannt, kann die Elektronik die Versorgung der katalytischen Messstelle unterbrechen. Während dieser Phase liefert der Pellistor keinen normalen Konzentrationsmesswert. Das Gaswarngerät hält stattdessen einen Warn- beziehungsweise Overrange-Zustand aufrecht.

Diese Funktion ist kein erweiterter Messbereich. Sie soll vielmehr verhindern, dass der Pellistor unnötig lange unter Bedingungen betrieben wird, die seine Sensoreigenschaften beeinträchtigen könnten. Deshalb darf ein deaktivierter Sensor nicht einfach innerhalb der möglicherweise noch vorhandenen Gasatmosphäre wieder eingeschaltet werden.

Zuerst muss sichergestellt sein, dass sich das Gerät wieder in sauberer beziehungsweise entsprechend der Herstelleranweisung geeigneter Umgebung befindet. Danach erfolgt die vorgesehene Reaktivierung und Stabilisierung. Wie dieser Ablauf genau aussieht, ist gerätespezifisch und muss nach der jeweiligen Bedienungsanleitung erfolgen.

Warum benötigt der Sensor nach dem Ereignis Erhol- und Stabilisationszeit?

Nach einer hohen Gasbelastung springt ein katalytischer Sensor nicht zwangsläufig sofort in einen eindeutig bewertbaren Normalzustand zurück. Gasreste müssen zunächst aus Sensorkappe, Diffusionswegen und gegebenenfalls angeschlossenen Probenahmeleitungen entfernt werden. Wurde der Pellistor durch eine Schutzfunktion abgeschaltet, benötigt die beheizte Messstelle nach dem Wiedereinschalten außerdem Zeit, um wieder ihren stabilen Betriebszustand zu erreichen.

Eine pauschale Erholzeit für sämtliche Pellistoren gibt es deshalb nicht. Sensortyp, Gerät, Temperatur, Gasart, Dauer der Beaufschlagung und verwendete Probenahmeeinrichtung beeinflussen den Vorgang. Maßgeblich sind die Vorgaben des Geräteherstellers.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst saubere Atmosphäre sicherstellen, anschließend den gerätespezifischen Wiederanlauf beziehungsweise die Stabilisierung abwarten und erst danach den Sensor messtechnisch bewerten. Eine noch instabile Anzeige sollte weder manuell auf Null gestellt noch unmittelbar zur Freigabe des Gerätes verwendet werden.

Warum reicht ein korrekter Nullpunkt nicht aus?

Der Nullpunkt beschreibt lediglich das Ausgangssignal des Sensors ohne vorhandenes Zielgas. Er sagt nicht automatisch aus, wie stark der Sensor bei einer definierten Brenngaskonzentration reagiert. Genau darin liegt nach einem Overrange das entscheidende Risiko.

Ein Sensor kann in sauberer Luft wieder 0 % LEL anzeigen und gleichzeitig an Empfindlichkeit verloren haben. Wird anschließend beispielsweise ein definiertes Prüfgas aufgebracht, erreicht der Messwert möglicherweise nicht mehr die erwartete Höhe oder benötigt ungewöhnlich lange dafür. Im realen Einsatz könnte ein Alarm dadurch später ausgelöst werden als vorgesehen.

Prüfergebnis nach Overrange Mögliche Interpretation Weitere Maßnahme
Nullpunkt stabil, Prüfgasreaktion normal Sensorfunktion erscheint plausibel Gerätespezifische Freigaberegel beachten
Nullpunkt stabil, Prüfgasreaktion deutlich zu gering Empfindlichkeitsverlust möglich Kalibrierung beziehungsweise Service
Nullpunkt stabil, Reaktion ungewöhnlich langsam Sensor, Filter oder Gasweg auffällig Funktionsprüfung wiederholen und Ursache untersuchen
Nullpunkt driftet nach Rückkehr in Frischluft Sensor noch nicht stabil oder möglicherweise verändert Nicht unmittelbar wieder einsetzen
Keine ausreichende Reaktion auf Prüfgas Sensorfunktion nicht bestätigt Gerät nicht freigeben; kalibrieren beziehungsweise warten

Bump-Test und Kalibrierung richtig unterscheiden

Der Bump-Test ist eine Funktionsprüfung. Dabei wird das Gaswarngerät mit einer bekannten Prüfgaskonzentration beaufschlagt und kontrolliert, ob die Sensoren reagieren und die vorgesehenen Alarmfunktionen ausgelöst werden. Damit lässt sich nach einem Overrange schnell erkennen, ob der Brenngaskanal grundsätzlich noch ausreichend auf Gas reagiert.

Eine Kalibrierung geht weiter. Hier wird die quantitative Sensorantwort mit einer definierten Prüfgaskonzentration verglichen und gegebenenfalls die Empfindlichkeit des Gerätes eingestellt. Ein Sensor kann deshalb grundsätzlich auf Gas reagieren und einen einfachen Alarmtest bestehen, obwohl seine Messabweichung bereits größer geworden ist.

Ist ein Bump-Test nach einer hohen Gasbelastung auffällig oder wird die vorgegebene Reaktion nicht erreicht, sollte das Gerät nicht einfach erneut auf Null gestellt werden. Dann ist eine Kalibrierung beziehungsweise eine weitergehende Prüfung erforderlich. Kann das Gerät auch danach die erforderliche Sensorantwort nicht zuverlässig erreichen, muss der Sensor beziehungsweise das Gaswarngerät gewartet oder ausgetauscht werden.

Overrange und Sensorvergiftung unterscheiden

Nicht jede reduzierte Pellistor-Empfindlichkeit nach einem Einsatz wird allein durch eine hohe Konzentration des eigentlichen Brenngases verursacht. Bestimmte Stoffe können die katalytisch aktive Oberfläche beeinträchtigen. Typische problematische Substanzen sind beispielsweise silikonhaltige Verbindungen; auch hohe Belastungen durch bestimmte Schwefelverbindungen können für katalytische Sensoren kritisch sein.

Damit müssen zwei unterschiedliche Fehlermechanismen getrennt betrachtet werden. Ein Overrange beschreibt zunächst eine Überschreitung des vorgesehenen Brenngasmessbereichs. Eine Sensorvergiftung beschreibt dagegen eine chemische Beeinträchtigung der katalytischen Oberfläche. Beides kann gleichzeitig auftreten, muss es aber nicht.

Besonders kritisch ist eine schleichende Vergiftung, weil sie nicht zwingend einen offensichtlichen Gerätefehler erzeugt. Der Nullpunkt kann weiterhin stabil bleiben, während die Sensitivität gegenüber Brenngas zunehmend abnimmt. Regelmäßige Funktionsprüfungen mit Prüfgas sind deshalb ein zentraler Bestandteil einer zuverlässigen Gaswarnstrategie.

Sensor nach hoher Gaskonzentration systematisch prüfen

  1. Gefahrenbereich verlassen beziehungsweise Anlage sichern: Eine Overrange-Anzeige nicht zur quantitativen Bewertung einer sehr hohen Gaskonzentration verwenden.
  2. Gerät in geeignete saubere Umgebung bringen: Vor einer Reaktivierung sicherstellen, dass kein gefährliches Brenngas mehr am Sensor anliegt.
  3. Herstellervorgaben für Overrange- oder Saver-Zustand beachten: Schutzfunktion nicht eigenmächtig umgehen.
  4. Vorgesehene Stabilisationszeit abwarten: Sensor erst nach stabilem Betrieb bewerten.
  5. Nullpunkt beobachten: Prüfen, ob sich der Brenngaskanal reproduzierbar stabilisiert.
  6. Funktionsprüfung mit geeignetem Prüfgas durchführen: Sensorreaktion und Alarmfunktion kontrollieren.
  7. Bei auffälligem Bump-Test kalibrieren: Sensitivität mit definierter Prüfgaskonzentration genauer bewerten.
  8. Bei weiterhin unzureichender Reaktion Gerät sperren: Sensor beziehungsweise Gaswarngerät warten oder austauschen.

Für sicherheitsrelevante Messgeräte sollten diese Schritte in die betrieblichen Prüf- und Freigabeprozesse eingebunden werden. Ein dokumentierter Overrange kann außerdem ein sinnvoller Anlass sein, Ereignisprotokoll, Kalibrierstatus und vorherige Sensorbelastungen zu kontrollieren.

Praxisbeispiel: Gerät zeigt nach Overrange wieder 0 % LEL

Ein Servicetechniker kontrolliert mit einem tragbaren 4-Gas-Warngerät einen Anlagenteil. Durch eine unerwartete Gasfreisetzung steigt der Brenngaskanal sehr schnell bis zum Messbereichsende. Das Gerät alarmiert und der Techniker verlässt den Bereich. Nach Rückkehr in saubere Umgebung zeigt der Brenngaskanal nach einiger Zeit wieder 0 % LEL.

Das Gerät wird trotzdem nicht unmittelbar wieder ausgegeben. Nach dem vorgesehenen Stabilisationsablauf wird ein Bump-Test durchgeführt. Das Prüfgas sollte eine eindeutige Reaktion und die vorgesehene Alarmierung erzeugen. Reagiert der Sensor deutlich langsamer als üblich oder bleibt die Anzeige erheblich unter der erwarteten Reaktion, ist die Funktionsfähigkeit nicht ausreichend bestätigt.

In diesem Fall erfolgt eine Kalibrierprüfung. Kann die erwartete Empfindlichkeit wieder reproduzierbar hergestellt werden und bleiben Reaktion und Nullpunkt stabil, kann das Gerät entsprechend den betrieblichen Vorgaben wieder freigegeben werden. Lässt sich der Sensor nicht ordnungsgemäß kalibrieren, muss er gewartet beziehungsweise ersetzt werden.

Der entscheidende Punkt ist dabei: Die Rückkehr auf 0 % LEL beantwortet nur die Frage nach dem aktuellen Nullsignal. Ob der Sensor beim nächsten Gasereignis noch rechtzeitig alarmiert, zeigt erst die Prüfung mit Gas.

Was gilt bei stationären Gasdetektoren?

Dasselbe Grundprinzip gilt auch für stationäre katalytische Gasdetektoren. Ein stationärer Sensor kann während eines Prozessereignisses ebenfalls einer Konzentration oberhalb seines vorgesehenen LEL-Messbereichs ausgesetzt werden. Je nach Gerät kann die Elektronik den Overrange verriegeln beziehungsweise den Pellistor vorübergehend abschalten.

Vor dem Zurücksetzen muss geklärt werden, ob am Sensorkopf tatsächlich wieder eine geeignete Atmosphäre vorliegt. Das ist insbesondere bei schlecht belüfteten Bereichen, Schächten oder geschlossenen Räumen wichtig. Ein Zurücksetzen nur deshalb, weil die Prozessfreisetzung vermeintlich beendet wurde, wäre nicht ausreichend.

Auch bei stationären Systemen ist nach einer erheblichen Overrange-Belastung eine Funktionsprüfung sinnvoll. Bei sicherheitsgerichteten Gaswarnanlagen müssen zusätzlich die Anforderungen der jeweiligen Betriebsanweisung, des Herstellers und des verwendeten Sicherheitskonzeptes berücksichtigt werden.

Häufige Fehler

  • 0 % LEL mit „Sensor ist wieder in Ordnung“ gleichsetzen: Ein stabiler Nullpunkt bestätigt nicht die Empfindlichkeit gegenüber Brenngas.
  • 100 % LEL als tatsächliche maximale Konzentration interpretieren: Bei einem Overrange kann die reale Konzentration erheblich höher als das Messbereichsende sein.
  • Pellistor-Saver als erweiterten Messbereich betrachten: Die Funktion schützt den Sensor, sie misst keine höheren Konzentrationen quantitativ.
  • Sensor noch in belasteter Atmosphäre reaktivieren: Vor dem Wiederanlauf muss entsprechend der Geräteanweisung eine geeignete saubere Umgebung sichergestellt sein.
  • Direkt nach dem Wiedereinschalten kalibrieren: Zuerst muss die vorgeschriebene Stabilisation abgeschlossen sein.
  • Nach einem Overrange nur Nullabgleich durchführen: Dadurch lässt sich ein Sensitivitätsverlust nicht erkennen.
  • Overrange und Sensorvergiftung verwechseln: Silikone oder andere problematische Stoffe können die katalytische Oberfläche unabhängig vom eigentlichen Brenngas beeinträchtigen.
  • Fehlgeschlagenen Bump-Test ignorieren: Eine unzureichende Prüfgasreaktion muss vor dem nächsten sicherheitsrelevanten Einsatz geklärt werden.

Gaswarngeräte mit katalytischer Brenngasmessung

Für den persönlichen Schutz in Bereichen mit möglichen Brenngasfreisetzungen stehen tragbare Mehrgaswarngeräte mit unterschiedlichen Sensortechnologien zur Verfügung. Bei katalytischer Brenngasmessung ist besonders wichtig, dass der konkrete Sensor zur Gasart, Sauerstoffsituation, Einsatzumgebung und Prüfstrategie passt.

Ein Beispiel ist das Crowcon T4 in einer Ausführung mit Pellistor für brennbare Gase. Das kompakte Personenschutzgerät kann gleichzeitig Brenngas, Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff überwachen. Für den katalytischen Brenngaskanal verfügt das Gerät über eine Schutzfunktion für sehr hohe Brenngaskonzentrationen. Für regelmäßige Funktionsprüfungen kann das Gerät mit einer Kalibrier-/Bump-Test-Platte beziehungsweise einer automatischen Prüfstation verwendet werden.

Passende tragbare und stationäre Gasdetektoren, Prüfgaslösungen und Zubehör finden Sie unter Gasmessgeräte und Gaswarngeräte bei ICS Schneider. Informationen zum hier besonders passenden Gerät finden Sie unter Crowcon T4.

Fazit

Eine hohe Brenngaskonzentration kann einen katalytischen LEL-Sensor außerhalb seines vorgesehenen Messbereichs belasten. Erreicht das Gerät das Messbereichsende oder geht in einen Overrange- beziehungsweise Pellistor-Saver-Zustand, darf der angezeigte Endwert nicht als tatsächliche Konzentration oberhalb des Messbereiches interpretiert werden.

Nach dem Verlassen des Gefahrenbereichs muss der Sensor zunächst unter geeigneten Bedingungen in seinen normalen Betriebszustand zurückkehren. Die dafür erforderliche Vorgehensweise und Stabilisationszeit ist geräteabhängig. Ein voreiliges Zurücksetzen oder Nullstellen ist keine geeignete Funktionsprüfung.

Besonders wichtig ist, Nullpunkt und Empfindlichkeit zu trennen. Ein Pellistor kann wieder einen perfekten Nullwert anzeigen und trotzdem weniger empfindlich auf Brenngas reagieren. Deshalb sollte nach einer relevanten Überbereichsbelastung eine Funktionsprüfung mit definiertem Prüfgas erfolgen. Ist die Reaktion auffällig, muss die Sensitivität durch eine Kalibrierung beziehungsweise weitergehende Prüfung bewertet werden.

Für den sicheren Umgang nach einem Overrange gilt daher: hohe Konzentration als außergewöhnliche Sensorbelastung behandeln, Schutz- und Erholzeiten des Herstellers beachten, den Sensor in sauberer Atmosphäre stabilisieren lassen und vor der erneuten Freigabe seine tatsächliche Reaktion auf Prüfgas kontrollieren.

FAQ: Katalytischer LEL-Sensor nach hoher Gaskonzentration

Was bedeutet Overrange bei einem LEL-Sensor?

Overrange bedeutet, dass die Brenngaskonzentration den vorgesehenen Messbereich des Sensors überschritten hat. Bei einem Messbereich bis 100 % LEL lässt sich aus dem angezeigten Endwert nicht ableiten, wie hoch die tatsächliche Konzentration oberhalb dieses Bereichs war.

Kann ein katalytischer Sensor durch eine zu hohe Gaskonzentration beschädigt werden?

Eine starke beziehungsweise längere Belastung oberhalb des vorgesehenen Messbereichs kann die Sensoreigenschaften beeinträchtigen. Einige Gaswarngeräte verfügen deshalb über eine Schutzfunktion, die den Pellistor bei hohen Konzentrationen abschaltet.

Was ist ein Pellistor-Saver?

Ein Pellistor-Saver ist eine Schutzfunktion, die den katalytischen Brenngassensor bei sehr hoher Gasbelastung vorübergehend deaktiviert. Dadurch soll eine unnötige weitere Belastung der beheizten katalytischen Messstelle vermieden werden.

Kann das Gaswarngerät nach Rückkehr auf 0 % LEL sofort wieder verwendet werden?

Nicht allein aufgrund des Nullwerts. Zunächst müssen die gerätespezifischen Vorgaben für Stabilisierung beziehungsweise Wiederinbetriebnahme erfüllt sein. Anschließend sollte die Funktion mit geeignetem Prüfgas kontrolliert werden.

Warum reicht der Nullpunkt nach einem Overrange nicht aus?

Der Nullpunkt zeigt nur das Sensorverhalten ohne Zielgas. Ein Sensor kann bei sauberer Luft korrekt Null anzeigen und trotzdem an Empfindlichkeit verloren haben. Das wird erst bei Beaufschlagung mit einer bekannten Brenngaskonzentration sichtbar.

Was sollte nach einem Overrange geprüft werden?

Nach ausreichender Stabilisierung sollten Nullpunkt, Reaktion auf Prüfgas und Alarmfunktion kontrolliert werden. Ist die Prüfgasreaktion auffällig, sollte eine Kalibrierung beziehungsweise weitergehende Sensorprüfung erfolgen.

Was ist der Unterschied zwischen Bump-Test und Kalibrierung?

Der Bump-Test bestätigt vor allem, dass der Sensor auf Prüfgas reagiert und die Alarmierung funktioniert. Bei einer Kalibrierung wird die quantitative Sensorantwort gegenüber einer bekannten Prüfgaskonzentration bewertet beziehungsweise eingestellt.

Kann ein Pellistor nach einem Overrange dauerhaft unempfindlicher werden?

Das ist möglich. Deshalb sollte die Empfindlichkeit nicht aus dem Nullpunkt abgeleitet, sondern nach einer relevanten Überbereichsbelastung mit Prüfgas kontrolliert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Overrange und Sensorvergiftung?

Overrange bezeichnet eine Konzentration oberhalb des vorgesehenen Messbereichs. Sensorvergiftung entsteht dagegen durch Stoffe, die die katalytische Oberfläche des Pellistors beeinträchtigen. Beide Effekte können die Sensorantwort beeinflussen, haben aber unterschiedliche Ursachen.

Welches konkrete Gerät eignet sich zur katalytischen LEL-Überwachung?

Ein Beispiel ist das Crowcon T4 in der Ausführung mit Pellistor für brennbare Gase. Das Gerät überwacht den Brenngasbereich bis 100 % LEL und kann zusammen mit einer passenden Bump-Test- beziehungsweise Kalibriereinrichtung regelmäßig auf seine Sensor- und Alarmfunktion geprüft werden.

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