Multimeter misst falsche Werte: Warum LoZ, TRMS und Messkategorie entscheidend sind

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Wenn ein Multimeter scheinbar falsche Spannungen oder ungewöhnliche Werte anzeigt, ist nicht automatisch das Messgerät defekt. In vielen Fällen liegt die Ursache in der Messaufgabe selbst: kapazitiv eingekoppelte Spannungen, Phantomspannungen, nicht-sinusförmige Wechselspannungen, Frequenzumrichter, Schaltnetzteile oder ungeeignete Messbereiche können zu Messwerten führen, die zunächst unplausibel wirken.

Besonders moderne elektrische Anlagen stellen höhere Anforderungen an das Messgerät. Ein einfaches Multimeter mit hochohmigem Eingang kann an offenen oder parallel verlegten Leitungen Spannungen anzeigen, obwohl dort keine belastbare Versorgung vorhanden ist. Bei nicht-sinusförmigen Signalen kann ein nicht geeignetes AC-Messverfahren falsche Effektivwerte liefern. Zusätzlich ist die richtige Messkategorie entscheidend, damit das Messgerät sicher zur Anlage passt.

Dieser Beitrag erklärt, warum Multimeter falsche oder „komische“ Werte anzeigen können, wofür die LoZ-Funktion verwendet wird, wann ein TRMS-Multimeter erforderlich ist und warum Messkategorie, Eingangswiderstand und Messmethode bei der Fehlersuche so wichtig sind. Passende Lösungen sind unter anderem TRMS-Digitalmultimeter, Geräte der HT-Serie wie das HT64 sowie zweipolige Spannungsprüfer mit Lastzuschaltung.

Inhaltsverzeichnis

Warum ein Multimeter scheinbar falsche Werte anzeigen kann

Ein Multimeter misst nicht einfach „die Wahrheit“, sondern immer unter bestimmten elektrischen Bedingungen. Messverfahren, Eingangswiderstand, Signalform, Frequenzbereich, Messbereich, Messkategorie und Anschlussart beeinflussen das Ergebnis. Wenn das Messgerät nicht zur Messaufgabe passt, können Werte entstehen, die zwar technisch erklärbar, aber für den Anwender zunächst unplausibel sind.

Typisch sind Spannungsanzeigen auf eigentlich abgeschalteten Leitungen, schwankende Wechselspannungswerte, falsche AC-Messwerte an Frequenzumrichtern, instabile Werte an Schaltnetzteilen oder scheinbar vorhandene Spannung an nicht angeschlossenen Adern. Solche Anzeigen entstehen häufig durch kapazitive Einkopplung, hochohmige Messung, nicht-sinusförmige Signale oder ungeeignete Messgeräte.

Ein weiterer Punkt ist die Erwartung an das Messergebnis. Viele Anwender erwarten bei einer abgeschalteten Leitung exakt 0 V. In realen Anlagen können jedoch parallel geführte Leitungen, lange Kabelwege oder elektronische Baugruppen kleine Spannungen einkoppeln. Ein hochohmiges Multimeter zeigt diese Spannung an, obwohl sie unter Last sofort zusammenbrechen würde.

Die Fehlersuche beginnt daher nicht mit dem Austausch des Multimeters, sondern mit der Frage: Was wird genau gemessen, mit welchem Messgerät, in welchem Messbereich und an welcher Anlage?

Phantomspannung und kapazitive Einkopplung verstehen

Phantomspannungen entstehen häufig auf nicht angeschlossenen oder abgeschalteten Leitungen, die parallel zu spannungsführenden Leitungen verlaufen. Zwischen den Leitern besteht eine geringe Kapazität. Dadurch kann eine kleine Ladung übertragen werden, die von einem hochohmigen Multimeter als Spannung angezeigt wird.

Diese Spannung ist meist nicht belastbar. Das bedeutet: Sobald eine kleine Last angeschlossen wird, bricht die Spannung zusammen. Für ein hochohmiges Multimeter reicht die eingekoppelte Energie jedoch aus, um eine Anzeige zu erzeugen. Deshalb kann das Gerät beispielsweise 30 V, 80 V oder sogar über 100 V anzeigen, obwohl die Leitung nicht aktiv versorgt wird.

Phantomspannungen treten besonders häufig bei langen Leitungen, parallelen Kabelwegen, Installationsleitungen, Steuerleitungen, offenen Adern oder stillgelegten Leitungen auf. Auch in Schaltschränken können nahe beieinander geführte Leiter zu solchen Effekten führen.

Wichtig ist: Eine angezeigte Phantomspannung darf nicht einfach ignoriert werden. Sie muss fachgerecht bewertet werden. Die entscheidende Frage lautet, ob die Spannung belastbar ist oder nur durch Einkopplung entsteht. Dafür sind LoZ-Messung oder ein zweipoliger Spannungsprüfer mit Lastzuschaltung hilfreich.

Hochohmiger Eingang: Vorteil und mögliche Fehlerquelle

Viele Digitalmultimeter besitzen einen hochohmigen Eingang. Das ist grundsätzlich ein Vorteil, weil die zu messende Schaltung kaum belastet wird. Besonders bei Elektronik, Sensoren, Steuerungen oder empfindlichen Signalen ist das wichtig. Das Messgerät beeinflusst den Stromkreis dadurch möglichst wenig.

Bei Installations- oder Fehlersuchen kann genau dieser Vorteil aber zu Missverständnissen führen. Ein hochohmiges Multimeter belastet die Messstelle so wenig, dass auch sehr schwach eingekoppelte Spannungen angezeigt werden. Diese Werte können so wirken, als wäre eine echte Versorgung vorhanden.

Ein Beispiel: Eine abgeschaltete Leitung liegt neben einer spannungsführenden Leitung. Durch kapazitive Einkopplung entsteht eine kleine Spannung. Das hochohmige Multimeter zeigt einen Wert an. Wird jedoch eine Last zugeschaltet, bricht die Spannung sofort zusammen. Es handelt sich also nicht um eine belastbare Netzspannung.

Der hochohmige Eingang ist daher nicht falsch, sondern für viele Anwendungen richtig. Entscheidend ist, zu wissen, wann diese Messart zu Fehlinterpretationen führen kann.

LoZ-Funktion: Wofür die niederohmige Spannungsmessung gedacht ist

LoZ steht für „Low Impedance“, also einen niederohmigen Eingang. Bei einer LoZ-Messung belastet das Multimeter die Messstelle stärker als bei einer normalen hochohmigen Spannungsmessung. Dadurch brechen Phantomspannungen oder kapazitiv eingekoppelte Spannungen meist zusammen.

Die LoZ-Funktion hilft also dabei, zwischen einer echten, belastbaren Spannung und einer eingekoppelten Scheinspannung zu unterscheiden. Wenn ein Multimeter im normalen Spannungsbereich beispielsweise 80 V anzeigt, im LoZ-Modus aber nahezu 0 V, spricht das stark für eine Phantomspannung.

LoZ ist besonders hilfreich bei der Fehlersuche in Elektroinstallationen, Schaltschränken, Steuerleitungen und langen Kabelwegen. Es ersetzt jedoch nicht automatisch alle Sicherheitsprüfungen. Für die Feststellung der Spannungsfreiheit gelten weiterhin die anerkannten Regeln und geeignete zweipolige Spannungsprüfer.

Wichtig ist außerdem: LoZ belastet die Schaltung. Bei empfindlichen elektronischen Ausgängen, Sensorleitungen oder Steuerkreisen sollte die Funktion nur verwendet werden, wenn sie zur Messaufgabe passt und keine Bauteile gefährdet.

TRMS: Warum True-RMS bei modernen Verbrauchern wichtig ist

TRMS steht für True Root Mean Square, also echten Effektivwert. Ein TRMS-Multimeter kann den Effektivwert von Wechselgrößen auch dann korrekt erfassen, wenn die Signalform nicht ideal sinusförmig ist. Das ist in modernen Anlagen besonders wichtig.

Viele einfache Multimeter sind für sinusförmige Wechselspannungen ausgelegt. Sie messen nicht immer den echten Effektivwert, sondern verwenden vereinfachte Messverfahren. Bei sauberer Netzspannung kann das ausreichend sein. Bei verzerrten oder getakteten Signalen entstehen jedoch falsche Werte.

Nicht-sinusförmige Signale treten zum Beispiel bei Frequenzumrichtern, Schaltnetzteilen, LED-Treibern, Dimmern, elektronischen Lasten, USV-Anlagen oder modernen Maschinensteuerungen auf. Hier kann ein einfaches Multimeter deutlich abweichende Werte anzeigen.

Wer in industriellen Anlagen, an modernen Verbrauchern oder in Schaltschränken misst, sollte deshalb ein geeignetes TRMS-Digitalmultimeter verwenden. Nur so lassen sich AC-Werte bei verzerrten Signalformen zuverlässig bewerten.

Nicht-sinusförmige Signale richtig bewerten

Eine ideale sinusförmige Wechselspannung ist in vielen Grundlagenbeispielen einfach zu messen. In der Praxis sehen viele Signale jedoch anders aus. Sie können verzerrt, getaktet, gepulst, angeschnitten oder mit Oberschwingungen überlagert sein.

Ein nicht geeignetes Multimeter kann bei solchen Signalen Werte anzeigen, die deutlich vom tatsächlichen Effektivwert abweichen. Das kann dazu führen, dass eine Spannung zu niedrig oder zu hoch eingeschätzt wird. Bei Fehlersuche, Inbetriebnahme oder Wartung kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Besonders kritisch ist es, wenn aus einem falschen Messwert eine falsche Diagnose abgeleitet wird. Ein Verbraucher wird dann als defekt bewertet, obwohl nur das Messgerät nicht zur Signalform passt. Oder eine gefährliche Spannung wird unterschätzt, weil das Multimeter den Effektivwert nicht richtig erfasst.

Bei unbekannter oder verzerrter Signalform ist daher ein TRMS-Multimeter sinnvoll. Zusätzlich kann je nach Aufgabe ein Oszilloskop oder Netzanalysator erforderlich sein, wenn nicht nur der Effektivwert, sondern die Signalform selbst bewertet werden soll.

Messungen an Frequenzumrichtern

Frequenzumrichter erzeugen keine einfache sinusförmige Ausgangsspannung wie das öffentliche Netz. Am Ausgang liegen getaktete Signale mit hohen Schaltfrequenzen und steilen Flanken an. Ein normales Multimeter kann dort schnell unplausible oder nicht aussagekräftige Werte anzeigen.

Bei Messungen an Frequenzumrichtern muss unterschieden werden, ob am Eingang, am Zwischenkreis, am Ausgang oder am Motor gemessen wird. Jede dieser Messstellen stellt andere Anforderungen an Messgerät, Messbereich, Sicherheit und Interpretation.

Ein TRMS-Multimeter ist für viele Messungen hilfreicher als ein einfaches Multimeter. Trotzdem hat auch ein TRMS-Gerät Grenzen, besonders bei stark getakteten Signalen, hohen Frequenzanteilen oder steilen Spannungsspitzen. Je nach Fragestellung kann spezielles Messzubehör oder ein geeignetes Oszilloskop erforderlich sein.

Zusätzlich ist die Messkategorie wichtig. Frequenzumrichter befinden sich häufig in industriellen Schaltschränken mit hohen Kurzschlussleistungen. Das Messgerät muss zur Umgebung und zur möglichen Überspannungsbelastung passen.

LED-Treiber, Schaltnetzteile und elektronische Verbraucher

LED-Treiber, Schaltnetzteile und elektronische Verbraucher können ebenfalls zu ungewöhnlichen Messwerten führen. Sie arbeiten intern oft getaktet, besitzen Filter, Kondensatoren und elektronische Regelungen. Dadurch entstehen Signale, die nicht immer mit einem einfachen Multimeter sinnvoll bewertet werden können.

Bei ausgeschalteten oder im Standby befindlichen Geräten können kleine Restspannungen oder eingekoppelte Spannungen auftreten. Ein hochohmiges Multimeter zeigt diese Werte an, obwohl sie unter Last nicht relevant sind. Bei getakteten Ausgängen können wiederum nicht-sinusförmige Spannungen entstehen, die nur mit geeigneter Messtechnik korrekt bewertet werden.

Auch bei LED-Anlagen kommt es häufig zu Missverständnissen. Ein Multimeter zeigt eine Spannung an, obwohl die LED nicht leuchtet. Oder es zeigt schwankende Werte, weil der Treiber gepulst arbeitet. In solchen Fällen muss die Messung zur Schaltung passen.

Für die Fehlersuche ist es hilfreich, zwischen Versorgungsspannung, Ausgangsspannung, Steuersignal und Restspannung zu unterscheiden. Nicht jeder angezeigte Wert bedeutet automatisch eine belastbare Versorgung.

Messkategorie: Warum CAT II, CAT III und CAT IV wichtig sind

Die Messkategorie beschreibt, für welche elektrische Umgebung ein Messgerät ausgelegt ist. Sie ist ein entscheidender Sicherheitsfaktor. Ein Multimeter muss nicht nur den richtigen Spannungsbereich haben, sondern auch zur möglichen Überspannungs- und Kurzschlussbelastung der Anlage passen.

CAT II gilt typischerweise für Messungen an Geräten und Verbrauchern, die über Steckdosen angeschlossen sind. CAT III ist für Messungen in festen Installationen, Verteilungen, Schaltschränken und industriellen Anlagen relevant. CAT IV betrifft Messungen an Einspeisungen, Hausanschlüssen oder sehr nah an der Quelle der Installation.

Ein Messgerät mit ungeeigneter Messkategorie kann bei transienten Überspannungen oder Fehlerfällen gefährlich werden. Deshalb sollte die Auswahl nicht nur nach Funktionen wie TRMS oder LoZ erfolgen, sondern auch nach Sicherheitskategorie, Spannungsebene und Messumgebung.

Messkategorie Typische Anwendung Wichtiger Hinweis
CAT II Messungen an angeschlossenen Geräten und Verbrauchern Nicht automatisch geeignet für Verteilungen oder Schaltschränke
CAT III Feste Installationen, Unterverteilungen, Schaltschränke, Maschinen Typisch für viele industrielle Serviceeinsätze
CAT IV Einspeisungen, Hausanschluss, Hauptverteilung, Außenbereich der Installation Höchste Anforderungen im Installationsumfeld

Die Messkategorie muss immer zusammen mit der zulässigen Spannung betrachtet werden, zum Beispiel CAT III 600 V oder CAT IV 300 V. Nur beides zusammen beschreibt die Eignung des Messgeräts.

Wann ein zweipoliger Spannungsprüfer besser geeignet ist

Ein Multimeter ist ein vielseitiges Messgerät, aber nicht in jeder Situation das beste Werkzeug. Für die Prüfung auf Spannungsfreiheit in elektrischen Anlagen ist ein geeigneter zweipoliger Spannungsprüfer das richtige Prüfmittel. Viele Spannungsprüfer besitzen eine Lastzuschaltung, mit der Phantomspannungen besser bewertet werden können.

Ein zweipoliger Spannungsprüfer belastet die Messstelle häufig stärker als ein hochohmiges Multimeter. Dadurch werden eingekoppelte Spannungen eher unterdrückt. Gleichzeitig ist er für die schnelle und sichere Spannungsprüfung in der Installation ausgelegt.

Das bedeutet nicht, dass ein Multimeter ungeeignet ist. Für genaue Messwerte, Widerstand, Durchgang, Frequenz, Strom oder Elektronikdiagnose ist ein Multimeter sehr hilfreich. Für die reine Feststellung, ob eine Leitung spannungsfrei ist, sollte jedoch ein dafür vorgesehener Spannungsprüfer verwendet werden.

In der Praxis ergänzen sich beide Geräte: Der Spannungsprüfer für sichere Spannungsprüfung und Lastzuschaltung, das TRMS-Multimeter für detaillierte Messungen und Diagnose.

Tabelle: Messbild, mögliche Ursache und Lösung

Messbild Mögliche Ursache Mögliche Lösung
Multimeter zeigt Spannung auf abgeschalteter Leitung Phantomspannung durch kapazitive Einkopplung LoZ-Funktion oder zweipoligen Spannungsprüfer mit Lastzuschaltung verwenden
Spannung bricht bei Last sofort zusammen Nicht belastbare Scheinspannung Leitung und Schaltung korrekt bewerten, Lastprüfung durchführen
AC-Wert an Frequenzumrichter ist unplausibel Nicht-sinusförmiges, getaktetes Signal Geeignetes TRMS-Messgerät oder spezielle Messtechnik verwenden
Multimeter zeigt schwankende Werte an Schaltnetzteil Getaktete Ausgangsspannung, Restspannung oder Regelverhalten Messstelle und Signalform prüfen, TRMS oder Oszilloskop einsetzen
Unterschiedliche Multimeter zeigen unterschiedliche AC-Werte Unterschiedliche Messverfahren, TRMS vs. nicht TRMS Messgerätefunktion und Signalform vergleichen
Messwert ist trotz bekannter Netzspannung deutlich falsch Falscher Messbereich, defekte Messleitung oder ungeeignetes Gerät Messbereich, Messleitungen, Sicherungen und Gerät prüfen
Messung im Schaltschrank wirkt instabil EMV, Frequenzumrichter, lange Leitungen oder schlechter Kontakt Messpunkt, Schirmung, Messleitungen und Messgerät prüfen
Messgerät ist für Umgebung nicht geeignet Falsche Messkategorie Messgerät mit passender CAT-Kategorie und Spannungsklasse verwenden

Praxisbeispiel: Multimeter zeigt Spannung auf einer abgeschalteten Leitung

In einer Anlage wird eine Leitung abgeschaltet und soll geprüft werden. Ein Digitalmultimeter zeigt zwischen Leiter und Neutralleiter noch etwa 90 V an. Der Anwender vermutet zunächst, dass der Stromkreis nicht richtig abgeschaltet wurde oder ein Verdrahtungsfehler vorliegt.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Leitung über längere Strecke parallel zu aktiven Leitungen verlegt ist. Das Multimeter besitzt einen hochohmigen Eingang und belastet die Leitung kaum. Dadurch wird eine kapazitiv eingekoppelte Spannung angezeigt.

Mit der LoZ-Funktion wird die Messstelle stärker belastet. Der angezeigte Wert bricht nahezu auf 0 V zusammen. Zusätzlich wird mit einem geeigneten zweipoligen Spannungsprüfer geprüft. Auch dieser zeigt keine belastbare Spannung an.

Das Beispiel zeigt: Das Multimeter war nicht defekt. Es hat eine reale, aber nicht belastbare Scheinspannung angezeigt. Erst durch die passende Messmethode konnte der Wert richtig interpretiert werden.

Welches Messgerät eignet sich?

Für moderne Service- und Instandhaltungsaufgaben ist ein TRMS-Digitalmultimeter mit geeigneter Messkategorie sinnvoll. Es sollte zur elektrischen Umgebung, zur Spannungsebene und zur Signalform passen. Funktionen wie LoZ, Frequenzmessung, Min-/Max-Speicher, Durchgangsprüfung und robuste Messleitungen sind in der Praxis sehr hilfreich.

Geräte wie das HT64 oder andere TRMS-Digitalmultimeter der HT-Serie eignen sich für viele Messaufgaben in Service, Installation und Industrie. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zur Anwendung passt: TRMS für verzerrte Signale, LoZ für Phantomspannungen, geeignete CAT-Kategorie für die Messumgebung und passende Messbereiche für Spannung, Strom, Widerstand und Frequenz.

Für die sichere Spannungsprüfung in elektrischen Anlagen sollte zusätzlich ein zweipoliger Spannungsprüfer eingesetzt werden. Besonders Geräte mit Lastzuschaltung helfen, kapazitiv eingekoppelte Spannungen von belastbaren Spannungen zu unterscheiden.

Ein einziges Messgerät kann nicht jede Messaufgabe optimal abdecken. In der Praxis ist die Kombination aus TRMS-Multimeter und zweipoligem Spannungsprüfer oft die beste Lösung.

Fazit: Nicht jeder falsche Wert ist ein Gerätefehler

Wenn ein Multimeter falsche, schwankende oder ungewöhnliche Werte anzeigt, sollte nicht sofort ein Gerätedefekt vermutet werden. Häufig entstehen solche Werte durch die Messsituation: Phantomspannung, kapazitive Einkopplung, hochohmige Eingänge, nicht-sinusförmige Signale, Frequenzumrichter, Schaltnetzteile oder eine ungeeignete Messkategorie.

Die LoZ-Funktion hilft, eingekoppelte Scheinspannungen zu erkennen. TRMS ist wichtig, wenn Wechselgrößen nicht sinusförmig sind. Die Messkategorie entscheidet darüber, ob das Messgerät sicher zur elektrischen Umgebung passt. Zusätzlich bleibt der zweipolige Spannungsprüfer für die Spannungsprüfung in Installationen ein unverzichtbares Werkzeug.

Wer Messwerte richtig interpretieren möchte, muss deshalb nicht nur den angezeigten Wert betrachten, sondern auch Messgerät, Messverfahren, Signalform und Anlage. Erst dann lässt sich sicher beurteilen, ob ein echter Fehler vorliegt oder nur die falsche Messmethode verwendet wurde.

FAQ: Häufige Fragen zu falschen Multimeter-Messwerten

Warum zeigt mein Multimeter Spannung an, obwohl die Leitung abgeschaltet ist?

Häufig handelt es sich um eine Phantomspannung durch kapazitive Einkopplung von benachbarten spannungsführenden Leitungen. Ein hochohmiges Multimeter kann diese Spannung anzeigen, obwohl sie nicht belastbar ist.

Was ist eine Phantomspannung?

Eine Phantomspannung ist eine eingekoppelte Spannung, die durch kapazitive oder induktive Effekte entstehen kann. Sie ist meist nicht belastbar und bricht bei zugeschalteter Last zusammen.

Was bedeutet LoZ beim Multimeter?

LoZ bedeutet Low Impedance. Das Multimeter misst mit niedrigerem Eingangswiderstand und belastet die Messstelle stärker. Dadurch können Phantomspannungen zusammenbrechen und besser erkannt werden.

Wann sollte man LoZ verwenden?

LoZ ist sinnvoll, wenn geprüft werden soll, ob eine angezeigte Spannung tatsächlich belastbar ist oder nur durch Einkopplung entsteht. Bei empfindlichen Elektroniksignalen sollte LoZ jedoch mit Vorsicht verwendet werden.

Was bedeutet TRMS?

TRMS steht für True RMS und bedeutet echter Effektivwert. Ein TRMS-Multimeter kann auch bei nicht-sinusförmigen Wechselgrößen genauere Effektivwerte anzeigen.

Warum ist TRMS bei Frequenzumrichtern wichtig?

Frequenzumrichter erzeugen getaktete und nicht-sinusförmige Signale. Ein einfaches Multimeter kann hier falsche AC-Werte anzeigen. Ein TRMS-Gerät ist für solche Messungen besser geeignet, hat aber je nach Signal ebenfalls Grenzen.

Warum zeigen zwei Multimeter unterschiedliche Werte?

Die Geräte können unterschiedliche Messverfahren, Bandbreiten, Eingangsimpedanzen oder TRMS-Funktionen besitzen. Bei nicht-sinusförmigen Signalen führt das schnell zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Was bedeutet Messkategorie CAT III oder CAT IV?

Die Messkategorie beschreibt, für welche elektrische Umgebung das Messgerät ausgelegt ist. CAT III ist typischerweise für feste Installationen und Schaltschränke relevant, CAT IV für Einspeisungen und Bereiche nahe der Quelle der Installation.

Kann ein Multimeter zur Prüfung auf Spannungsfreiheit verwendet werden?

Für die sichere Prüfung auf Spannungsfreiheit in elektrischen Anlagen sollte ein geeigneter zweipoliger Spannungsprüfer verwendet werden. Ein Multimeter kann ergänzend eingesetzt werden, ersetzt aber nicht in jedem Fall den Spannungsprüfer.

Warum misst mein Multimeter an LED-Treibern komische Werte?

LED-Treiber arbeiten oft getaktet und können Restspannungen, gepulste Signale oder nicht-sinusförmige Ausgangsspannungen erzeugen. Ein einfaches Multimeter kann solche Signale falsch oder instabil anzeigen.

Was tun, wenn ein Messwert unplausibel wirkt?

Zuerst Messbereich, Messleitungen, Messgerät, Signalform und Messstelle prüfen. Danach kann mit LoZ, TRMS-Messung, zweipoligem Spannungsprüfer oder geeigneter Spezialmesstechnik weiter eingegrenzt werden.

Welches Multimeter eignet sich für moderne Anlagen?

Ein geeignetes TRMS-Digitalmultimeter mit passender Messkategorie, LoZ-Funktion und robusten Messleitungen ist für viele moderne Service- und Instandhaltungsaufgaben sinnvoll.

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