Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen werden nicht allein durch ihren Bemessungsdifferenzstrom unterschieden. Ebenso wichtig ist der RCD-Typ. Er legt fest, bei welchen Formen von Wechsel-, pulsierenden Gleich-, Mischfrequenz- oder glatten Gleichfehlerströmen die Schutzeinrichtung zuverlässig reagieren muss.
Der RCD-Typ beeinflusst deshalb unmittelbar den Prüfablauf. Wird ein RCD Typ B lediglich mit dem Prüfprogramm für Typ A geprüft, kann das Ergebnis für die gewählte pulsierende Fehlerstromform korrekt sein. Die allstromsensitive Funktion gegenüber glatten Gleichfehlerströmen wurde damit jedoch nicht nachgewiesen. Vergleichbare Probleme entstehen bei Typ F, EV-Ausführungen oder einer in einer Wallbox integrierten 6-mA-Gleichfehlerstromerkennung.
Vor jeder Prüfung müssen daher Typkennzeichnung, Bemessungsdifferenzstrom, Zeitverhalten und Schutzkonzept eindeutig festgestellt werden. Erst danach werden am Installationstester die passende Fehlerstromform, der Prüfstrom und das Prüfverfahren eingestellt.
Inhaltsverzeichnis
- Warum gibt es unterschiedliche RCD-Typen?
- RCD Typ A, F, B und EV im Vergleich
- RCD Typ A prüfen
- RCD Typ F prüfen
- RCD Typ B prüfen
- RCD Typ EV und 6-mA-DC-Erkennung prüfen
- Auslösezeit, Auslösestrom und Rampentest
- Prüfablauf Schritt für Schritt
- Angeschlossene Verbraucher und Ableitströme
- Frequenzumrichter, PV-Anlagen und Ladeinfrastruktur
- Typische Fehler und Fehlinterpretationen
- Praxisbeispiel an einer Wallbox
- Installationstester richtig auswählen
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Warum gibt es unterschiedliche RCD-Typen?
Ein RCD vergleicht die Ströme in den aktiven Leitern eines Stromkreises. Fließt ein Teil des Stroms über den Schutzleiter, ein Gehäuse oder einen anderen unerwünschten Pfad ab, entsteht ein Differenzstrom. Überschreitet dieser die Ansprechschwelle der Schutzeinrichtung, wird der Stromkreis abgeschaltet.
Bei klassischen ohmschen Verbrauchern entstehen überwiegend sinusförmige Fehlerströme mit Netzfrequenz. Moderne elektronische Betriebsmittel können jedoch deutlich komplexere Fehlerstromformen erzeugen. Gleichrichter, Frequenzumrichter, Wechselrichter, Schaltnetzteile und Ladegeräte können pulsierende Gleichfehlerströme, Mischfrequenzen oder glatte Gleichfehlerströme verursachen.
Nicht jeder RCD kann jede dieser Stromformen erkennen. Ein ungeeigneter RCD kann unter bestimmten Bedingungen verspätet, bei einem zu hohen Strom oder überhaupt nicht auslösen. Deshalb müssen Planung, Auswahl und Prüfung zum angeschlossenen Betriebsmittel passen.
Die Prüftaste am RCD kontrolliert lediglich den internen Auslösemechanismus mit einem geräteintern erzeugten Prüfstrom. Sie ersetzt weder die Messung der Auslösezeit noch die Prüfung mit den für den jeweiligen RCD-Typ vorgesehenen Fehlerstromformen.
RCD Typ A, F, B und EV im Vergleich
| RCD-Typ | Erfasste Fehlerstromformen | Typische Anwendungen | Konsequenz für die Prüfung |
|---|---|---|---|
| Typ A | Sinusförmige Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme | Allgemeine Stromkreise, klassische einphasige elektronische Verbraucher | Prüfprogramm für Typ A mit passender pulsierender Fehlerstromform verwenden |
| Typ F | Fehlerstromformen des Typs A sowie definierte Mischfrequenzen | Einphasige Frequenzumrichter, drehzahlgeregelte Haushalts- und Gewerbegeräte | Installationstester muss ausdrücklich eine Typ-F-Prüfung unterstützen |
| Typ B | Wechsel-, pulsierende und glatte Gleichfehlerströme sowie Frequenzanteile innerhalb der Gerätespezifikation | Dreiphasige Frequenzumrichter, Wechselrichter, Maschinen, PV- und Industrieanlagen | Allstromsensitiven Prüfmodus einschließlich Gleichfehlerstrom verwenden |
| Typ EV beziehungsweise A EV/F EV | Je nach Ausführung Typ-A- oder Typ-F-Verhalten plus Erkennung glatter Gleichfehlerströme im Bereich der EV-Schutzfunktion | AC-Ladepunkte und Wallboxen | 30-mA-RCD-Funktion und 6-mA-DC-Erkennung getrennt beziehungsweise passend zum Schutzkonzept prüfen |
| RDC-DD | Überwachung glatter Gleichfehlerströme, typischerweise als Bestandteil einer Ladeeinrichtung | Wallboxen und AC-Ladestationen | Spezifisches 6-mA-DC-Prüfprogramm und gegebenenfalls EVSE-Prüfadapter erforderlich |
Die Bezeichnung „Typ EV“ wird in der Praxis nicht immer einheitlich verwendet. Es gibt beispielsweise Ausführungen, die auf Typ A oder Typ F basieren und zusätzlich bei einem glatten Gleichfehlerstrom oberhalb der vorgesehenen EV-Schwelle abschalten. Daneben kann eine Ladeeinrichtung eine separate RDC-DD-Funktion besitzen.
Entscheidend sind deshalb nicht allein Begriffe wie „EV-fähig“, sondern das Schaltbild, die Kennzeichnung der Schutzgeräte und die Dokumentation des Herstellers.
RCD Typ A prüfen
Ein RCD Typ A erkennt sinusförmige Wechselfehlerströme sowie pulsierende Gleichfehlerströme. Er ist in zahlreichen klassischen Endstromkreisen anzutreffen und wird häufig mit einem Bemessungsdifferenzstrom von 30 mA für den zusätzlichen Schutz eingesetzt.
Am Installationstester müssen der RCD-Typ A, der auf dem Schutzgerät angegebene Bemessungsdifferenzstrom und das passende Zeitverhalten ausgewählt werden. Je nach Prüfgerät kann zusätzlich die Polarität beziehungsweise die Phasenlage des Prüfstroms gewählt oder automatisch in beiden Richtungen geprüft werden.
Typische Prüfungen sind:
- Nichtauslöseprüfung mit reduziertem Prüfstrom,
- Messung der Auslösezeit bei einem definierten Vielfachen von IΔn,
- Rampentest zur Bestimmung des tatsächlichen Auslösestroms,
- Messung der Berührungsspannung,
- Prüfung mit beiden Polaritäten beziehungsweise Phasenlagen.
Welche Kombinationen erforderlich und welche Grenzwerte anzuwenden sind, hängt vom RCD, seiner Verwendung, dem Netzsystem und der zugrunde gelegten Prüfvorgabe ab.
RCD Typ F prüfen
RCDs Typ F sind für Anwendungen vorgesehen, in denen neben den Fehlerstromformen des Typs A auch Mischfrequenzen auftreten können. Typische Quellen sind einphasig betriebene Frequenzumrichter und andere drehzahlgeregelte Verbraucher.
Ein Typ F ist nicht mit einem allstromsensitiven Typ B gleichzusetzen. Insbesondere ersetzt er einen Typ B nicht automatisch in Anlagen, in denen relevante glatte Gleichfehlerströme entstehen können.
Für die Prüfung muss der Installationstester ausdrücklich eine Typ-F-Funktion bereitstellen. Eine reine Typ-A-Prüfung kann zwar einen Teil des Auslöseverhaltens kontrollieren, bildet die zusätzlichen für Typ F relevanten Fehlerstromformen jedoch nicht vollständig ab.
Vor der Messung sollte geprüft werden, ob der RCD kurzzeitverzögert, selektiv oder als Standardausführung ausgeführt ist. Eine falsche Einstellung des Zeitverhaltens kann dazu führen, dass ein korrekt arbeitender RCD fälschlicherweise als fehlerhaft beurteilt wird.
RCD Typ B prüfen
RCDs Typ B sind allstromsensitiv. Sie werden eingesetzt, wenn Betriebsmittel glatte Gleichfehlerströme oder Fehlerströme mit Frequenzanteilen erzeugen können, die von einem Typ A oder F nicht zuverlässig erfasst werden.
Typische Anwendungen sind:
- dreiphasige Frequenzumrichter,
- Maschinen mit leistungselektronischen Antrieben,
- PV-Wechselrichter, sofern das Schutzkonzept dies verlangt,
- bestimmte USV- und Batteriesysteme,
- Prüfstände und industrielle Stromrichter,
- Ladeeinrichtungen ohne separate geeignete DC-Fehlerstromerkennung.
Bei der Prüfung muss der Typ-B-Modus des Installationstesters gewählt werden. Dieser erzeugt die für die allstromsensitive Prüfung erforderlichen Prüfstromformen. Eine Messung im Typ-A-Modus reicht nicht aus, auch wenn der RCD dabei innerhalb der erwarteten Zeit auslöst.
Typ-B-Prüfungen können je nach Prüfgerät, Bemessungsdifferenzstrom und gewählter Fehlerstromform länger dauern als eine klassische Typ-A-Prüfung. Einige Parameterkombinationen sind technisch oder normativ nicht für jeden Prüfstrom verfügbar. Die zulässigen Einstellungen des Installationstesters sind daher zu beachten.
Auch die Anordnung mehrerer RCDs muss geprüft werden. Ein nachgeschalteter allstromsensitiver RCD und ein vorgeschalteter Typ A dürfen nicht ohne Prüfung des vollständigen Schutz- und Selektivitätskonzepts kombiniert werden. Glatte Gleichfehlerströme können die Funktion ungeeigneter vorgeschalteter RCDs beeinträchtigen.
RCD Typ EV und 6-mA-DC-Erkennung prüfen
Bei Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge besteht eine Besonderheit: Vom Fahrzeug oder Ladegerät können glatte Gleichfehlerströme in Richtung der vorgeschalteten Installation gelangen. Ein vorgeschalteter RCD Typ A darf nicht durch einen zu hohen Gleichfehlerstrom in seiner Funktion beeinträchtigt werden.
In der Praxis werden daher unterschiedliche Schutzkonzepte verwendet:
- allstromsensitiver RCD Typ B,
- RCD Typ A oder F in Verbindung mit einer 6-mA-DC-Fehlerstromerkennung,
- RCD in einer speziellen EV-Ausführung,
- in der Wallbox integriertes RDC-DD plus vorgeschalteter geeigneter RCD.
Diese Funktionen dürfen bei der Prüfung nicht miteinander verwechselt werden. Eine erfolgreiche Typ-A-Prüfung des vorgeschalteten 30-mA-RCDs bestätigt nicht automatisch, dass die in der Wallbox integrierte 6-mA-DC-Erkennung funktioniert.
Umgekehrt ersetzt die Prüfung der 6-mA-DC-Funktion nicht die Auslösezeit- und Auslösestromprüfung des vorgeschalteten RCDs. Beide Schutzebenen müssen entsprechend der konkreten Anlagenkonfiguration bewertet werden.
Ein EVSE-Prüfadapter simuliert die Zustände eines angeschlossenen Elektrofahrzeugs und stellt geeignete Messanschlüsse bereit. Für die Prüfung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung wird zusätzlich ein Installationstester mit passendem RCD-EV- beziehungsweise RDC-DD-Prüfmodus benötigt.
Auslösezeit, Auslösestrom und Rampentest
Bei einer vollständigen RCD-Prüfung werden mehrere Eigenschaften betrachtet. Eine einzelne Auslösung bestätigt noch nicht, dass der RCD in allen relevanten Punkten korrekt arbeitet.
| Prüfung | Aussage | Typische Fehlinterpretation |
|---|---|---|
| Nichtauslöseprüfung | Kontrolliert, ob der RCD bei einem Strom unterhalb seiner vorgesehenen Ansprechschwelle eingeschaltet bleibt | Eine Auslösung wird vorschnell als defekter RCD bewertet, obwohl vorhandene Ableitströme den Prüfstrom addieren |
| Auslösezeit | Misst die Zeit zwischen dem Anlegen des Prüfstroms und der Abschaltung | Der falsche Grenzwert wird verwendet, weil Standard-, kurzzeitverzögerte und selektive RCDs verwechselt werden |
| Rampentest | Erhöht den Prüfstrom stufenweise und ermittelt den tatsächlichen Auslösestrom | Der Rampenwert wird ohne Berücksichtigung vorhandener Anlagenableitströme beurteilt |
| Berührungsspannung | Bewertet die durch den Prüfstrom entstehende Spannung am Erdungs- beziehungsweise Schutzsystem | Netzsystem und Erdungsverhältnisse werden bei der Bewertung nicht berücksichtigt |
| Prüfung beider Polaritäten | Erkennt Unterschiede durch Startzeitpunkt und Polarität der Fehlerstromform | Nur der günstigere Messwert wird dokumentiert |
Bei 30-mA-RCDs kann je nach Prüfauftrag zusätzlich eine Prüfung mit einem höheren Vielfachen des Bemessungsdifferenzstroms erforderlich sein. Die verwendeten Prüfströme und zulässigen Abschaltzeiten dürfen jedoch nicht pauschal auf jeden RCD übertragen werden.
Prüfablauf Schritt für Schritt
RCD-Prüfungen werden in der Regel unter Netzspannung durchgeführt und führen bewusst zur Abschaltung des Stromkreises. Sie dürfen nur von entsprechend qualifizierten Elektrofachkräften unter Beachtung der betrieblichen Sicherheitsregeln vorgenommen werden.
- Anlage und Stromkreis identifizieren: Netzsystem, Nutzung, angeschlossene Verbraucher und mögliche Auswirkungen einer Abschaltung feststellen.
- RCD ablesen: Typ, IΔn, Nennstrom, Polzahl, Standard-, Kurzzeit- oder Selektivverhalten sowie Herstellerangaben dokumentieren.
- Schutzkonzept prüfen: Bei Frequenzumrichtern, PV, Maschinen und EVSE klären, welche Fehlerstromformen auftreten können.
- Verbraucher vorbereiten: Empfindliche oder sicherheitsrelevante Betriebsmittel kontrolliert abschalten. Vorhandene Ableitströme berücksichtigen.
- Installationstester anschließen: Messleitung, Außenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter entsprechend der Gerätehilfe verbinden.
- RCD-Typ einstellen: A, F, B, B+, EV oder RDC-DD passend zur vorhandenen Schutzeinrichtung auswählen.
- Bemessungsdifferenzstrom einstellen: Beispielsweise 30, 100 oder 300 mA entsprechend der Kennzeichnung wählen.
- Zeitverhalten auswählen: Standard, kurzzeitverzögert oder selektiv korrekt einstellen.
- Nichtauslösung und Berührungsspannung prüfen: Soweit im Prüfablauf vorgesehen.
- Auslösezeit messen: Erforderliche Prüfströme und Polaritäten anwenden.
- Rampentest durchführen: Tatsächlichen Auslösestrom ermitteln, wenn dies zum Prüfauftrag gehört.
- Ergebnisse bewerten: Messergebnis mit RCD-Typ, Anlage, Herstellerangaben und geltender Prüfvorgabe vergleichen.
- Dokumentieren: RCD-Typ, IΔn, Prüfmodus, Polarität, Auslösestrom, Auslösezeit und Randbedingungen speichern.
Automatische Prüfsequenzen können den Ablauf beschleunigen. Sie ersetzen jedoch nicht die korrekte Identifikation des RCDs. Eine automatisch durchgeführte Messung mit falsch eingestelltem RCD-Typ bleibt fachlich falsch.
Angeschlossene Verbraucher und Ableitströme
Angeschlossene Betriebsmittel können das Ergebnis einer RCD-Prüfung deutlich beeinflussen. Netzfilter, Frequenzumrichter, Heizungen, lange Leitungen und elektronische Geräte verursachen bereits im fehlerfreien Betrieb Ableitströme.
Der Installationstester erzeugt während der Prüfung einen zusätzlichen Differenzstrom. Der RCD reagiert jedoch auf die Summe aus Prüfstrom und bereits vorhandenem Ableitstrom. Ein Rampentest kann deshalb einen scheinbar zu niedrigen Auslösestrom anzeigen, obwohl der RCD selbst korrekt arbeitet.
Beispiel: In einem Stromkreis fließt bereits ein Ableitstrom von 8 mA. Der Installationstester zeigt beim Rampentest eine Auslösung bei einem zusätzlichen Prüfstrom von 18 mA an. Tatsächlich wirkt auf den RCD ungefähr die Summe beider Ströme. Das Ergebnis darf daher nicht ohne Kenntnis des Anlagenableitstroms beurteilt werden.
Bei unplausiblen Ergebnissen kann eine ergänzende Messung mit einer geeigneten Leckstromzange sinnvoll sein. Verbraucher dürfen jedoch nicht wahllos getrennt werden, wenn dadurch Betriebs- oder Sicherheitsfunktionen beeinträchtigt werden.
Frequenzumrichter, PV-Anlagen und Ladeinfrastruktur
Frequenzumrichter und Maschinen
Frequenzumrichter können abhängig von ihrer Schaltung, Netzseite und Fehlerstelle unterschiedliche Fehlerstromformen erzeugen. Ein Typ F kann für bestimmte einphasige Anwendungen geeignet sein. Bei dreiphasigen Umrichtern oder möglichen glatten Gleichfehlerströmen kann ein Typ B erforderlich sein.
Die Auswahl darf nicht allein anhand der Motorleistung erfolgen. Maßgeblich sind Umrichtertopologie, Herstellerangaben, vorhandene Filter, Netzsystem und das vollständige Schutzkonzept.
Photovoltaikanlagen
Auch Wechselrichter in PV-Anlagen können Gleich- und Mischfrequenzanteile erzeugen. Ob ein RCD erforderlich ist und welcher Typ verwendet werden muss, hängt von Wechselrichter, galvanischer Trennung, Anlagenkonzept und Herstellerangaben ab.
Ein pauschaler Austausch eines vorhandenen Typ A gegen Typ B ist ebenso wenig fachgerecht wie die Annahme, jeder moderne Wechselrichter benötige automatisch Typ B.
Wallboxen und AC-Ladepunkte
Bei Ladepunkten müssen der vorgeschaltete RCD, eine integrierte DC-Erkennung und die EVSE-Steuerung gemeinsam betrachtet werden. Neben der RCD-Prüfung sind unter anderem Schutzleiter, Isolationswiderstand, Netz- und Schleifenimpedanz sowie die Zustände von Control Pilot und Proximity Pilot relevant.
Für diesen kombinierten Prüfablauf ist ein Installationstester mit EVSE-Funktion und passendem Prüfadapter besonders hilfreich.
Typische Fehler und Fehlinterpretationen
Typ B wird im Typ-A-Modus geprüft
Der RCD kann bei der verwendeten Fehlerstromform auslösen. Die für Typ B entscheidende Erkennung glatter Gleichfehlerströme wurde damit jedoch nicht nachgewiesen.
Typ F wird wie Typ A behandelt
Eine Typ-A-Prüfung erfasst nicht automatisch das zusätzliche Verhalten gegenüber Mischfrequenzen. Das Prüfgerät muss Typ F ausdrücklich unterstützen.
EVSE-Prüfung und RCD-Prüfung werden gleichgesetzt
Die Simulation eines Fahrzeugzustands bestätigt nicht automatisch die korrekte Auslösung des RCDs oder der DC-Fehlerstromüberwachung. Beide Funktionen benötigen passende Prüfungen.
Die Prüftaste wird als vollständiger Nachweis angesehen
Die Taste prüft eine interne Funktion, liefert aber keine gemessene Auslösezeit, keinen Rampenwert und keinen Nachweis für sämtliche relevanten Fehlerstromformen.
Selektiver RCD wird als Standard-RCD eingestellt
Die bewusst verzögerte Auslösung kann dadurch fälschlicherweise als Überschreitung des Grenzwerts bewertet werden.
Vorhandene Ableitströme werden ignoriert
Dadurch erscheinen Rampenwerte zu niedrig oder ein RCD löst bereits während einer Nichtauslöseprüfung aus.
Nur ein Prüfergebnis wird dokumentiert
Ohne Angabe von RCD-Typ, IΔn, Prüfstrom, Polarität und Zeitverhalten lässt sich der Messwert später kaum fachgerecht bewerten.
Praxisbeispiel: RCD-Prüfung an einer Wallbox
Eine AC-Wallbox ist mit einem vorgeschalteten RCD Typ A mit IΔn = 30 mA abgesichert. Laut Hersteller besitzt die Wallbox zusätzlich eine integrierte DC-Fehlerstromerkennung mit einer Schwelle von 6 mA.
Bei der ersten Prüfung wird am Installationstester lediglich Typ A eingestellt. Der vorgeschaltete RCD löst beim Rampentest bei einem plausiblen Wert aus, und die gemessene Auslösezeit liegt innerhalb der anzuwendenden Vorgabe.
Dieses Ergebnis bestätigt jedoch nur die geprüfte Funktion des vorgeschalteten Typ-A-RCDs. Die integrierte Gleichfehlerstromerkennung der Wallbox wurde noch nicht kontrolliert.
Im zweiten Schritt wird ein EVSE-Prüfadapter angeschlossen. Er simuliert ein angeschlossenes Fahrzeug und versetzt die Ladeeinrichtung in den erforderlichen Betriebszustand. Anschließend wird mit dem EV- beziehungsweise RDC-DD-Prüfprogramm ein glatter Gleichfehlerstrom erzeugt.
Die Wallbox muss auf die vorgesehene Fehlerstromschwelle reagieren und den Ladevorgang sicher unterbrechen. Zusätzlich werden Schutzleiter, Netz- und Schleifenimpedanz, Isolationswiderstand und die EVSE-Steuerzustände geprüft.
Das Beispiel zeigt: Die Typ-A-Prüfung und die Prüfung der 6-mA-DC-Erkennung sind zwei unterschiedliche Prüfaufgaben. Erst gemeinsam bilden sie das konkrete Schutzkonzept der Ladeeinrichtung ab.
Installationstester richtig auswählen
Ein Installationstester für moderne Anlagen sollte nicht nur klassische Typ-A-RCDs prüfen können. Vor der Auswahl ist zu klären, welche Schutzgeräte und Anwendungen tatsächlich vorkommen.
Wichtige Auswahlkriterien sind:
- unterstützte RCD-Typen A, AC, F, B, B+, EV und RDC-DD,
- verfügbare Bemessungsdifferenzströme,
- Prüfung von Standard-, verzögerten und selektiven RCDs,
- Messung der Auslösezeit,
- Rampentest zur Ermittlung des Auslösestroms,
- automatische Prüfung beider Polaritäten,
- Messung der Berührungsspannung,
- Schleifenmessung ohne RCD-Auslösung,
- Auto-Sequenzen für wiederkehrende Installationsprüfungen,
- Speicher- und Dokumentationsfunktionen,
- EVSE-Prüfablauf und kompatibler Ladepunktadapter,
- geeignete Messkategorie für den Einsatzbereich.
Das Messgerät muss nicht nur den verwendeten RCD-Typ technisch erzeugen können. Die Bedienoberfläche sollte außerdem eindeutig anzeigen, welche Fehlerstromform, Polarität, Stromstufe und Zeitfunktion aktuell eingestellt sind.
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
COMBI519 Installationstester
Der COMBI519 Installationstester eignet sich für umfassende Installationsprüfungen und unterstützt Prüfungen an unterschiedlichen RCD-Typen, darunter Typ A, F und B/B+ sowie EV- beziehungsweise RDC-DD-Prüffunktionen abhängig von Geräteausführung und Prüfparameter.
Auslösezeit und Auslösestrom können manuell oder in automatisierten Abläufen geprüft werden. Die Auto-Sequenz kombiniert Erdungs- beziehungsweise Schleifenmessung ohne RCD-Auslösung, RCD-Prüfung und Isolationsmessung. Zusätzlich stehen Speicher und USB-Schnittstelle für die Dokumentation zur Verfügung.
Der COMBI519 ist besonders geeignet, wenn klassische Installationsprüfungen mit anspruchsvollen RCD-Prüfungen an Maschinen, Frequenzumrichtern, Gewerbe- und Industrieanlagen kombiniert werden sollen.
COMBI521 Installationstester
Der COMBI521 Installationstester bietet die RCD- und Installationsprüfungen des COMBI519 und ergänzt diese um erweiterte Analyse-, Kommunikations- und EVSE-Funktionen.
In Verbindung mit dem optionalen EV-TEST100 können Ladeeinrichtungen über einen menügeführten beziehungsweise automatisierten EVSE-Prüfablauf kontrolliert werden. Der Adapter simuliert Fahrzeugzustände und stellt die Anschlüsse für die erforderlichen elektrischen Sicherheitsmessungen bereit.
Der COMBI521 eignet sich daher besonders für Anwender, die neben klassischen RCD Typ A, F und B auch Wallboxen, AC-Ladesäulen, EV-Schutzgeräte und integrierte DC-Fehlerstromerkennungen prüfen und dokumentieren müssen.
Fazit: Der RCD-Typ bestimmt die erforderliche Fehlerstromform
Eine fachgerechte RCD-Prüfung beginnt nicht mit dem Startknopf des Installationstesters, sondern mit der eindeutigen Identifikation der Schutzeinrichtung. Typ A, F, B und EV reagieren auf unterschiedliche Fehlerstromformen und dürfen deshalb nicht mit demselben Standardprogramm geprüft werden.
Typ A deckt sinusförmige Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme ab. Typ F berücksichtigt zusätzlich definierte Mischfrequenzen. Typ B muss auch glatte Gleichfehlerströme und weitere Frequenzanteile erfassen. Bei Ladeeinrichtungen kommt häufig eine separate 6-mA-DC-Erkennung hinzu, die unabhängig von der 30-mA-RCD-Prüfung kontrolliert werden muss.
Auslösezeit, Auslösestrom, Polarität, Zeitverhalten und vorhandene Ableitströme müssen gemeinsam bewertet werden. Eine erfolgreiche Auslösung allein ist kein vollständiger Funktionsnachweis.
Installationstester wie COMBI519 und COMBI521 unterstützen die dafür benötigten RCD-Prüfmodi. Für Ladeinfrastruktur bietet der COMBI521 in Verbindung mit einem EVSE-Adapter einen strukturierten Prüfablauf, der klassische Installationsmessungen und EV-spezifische Funktionen miteinander verbindet.
Häufige Fragen zur Prüfung von RCD Typ A, F, B und EV
Kann ein RCD Typ B mit der Einstellung Typ A geprüft werden?
Damit lässt sich lediglich das Verhalten bei der erzeugten Typ-A-Fehlerstromform prüfen. Die allstromsensitive Funktion gegenüber glatten Gleichfehlerströmen wird nicht nachgewiesen. Für eine vollständige Prüfung ist der Typ-B-Modus erforderlich.
Ist Typ F dasselbe wie Typ B?
Nein. Typ F erweitert das Erkennungsverhalten des Typs A um bestimmte Mischfrequenzen. Ein Typ B ist allstromsensitiv und erfasst zusätzlich glatte Gleichfehlerströme innerhalb seiner Spezifikation.
Was bedeutet RCD Typ EV?
Die Bezeichnung wird für Schutzgeräte verwendet, die für Ladeeinrichtungen vorgesehen sind und zusätzlich eine definierte Gleichfehlerstromerkennung besitzen. Je nach Produkt kann die Ausführung auf Typ A oder Typ F basieren. Die genaue Funktion muss der Gerätekennzeichnung und Herstellerdokumentation entnommen werden.
Muss bei einer Wallbox immer ein RCD Typ B eingebaut sein?
Nicht zwangsläufig. Je nach Ladeeinrichtung kann auch ein geeigneter RCD Typ A oder F zusammen mit einer integrierten 6-mA-DC-Fehlerstromerkennung verwendet werden. Maßgeblich sind Anlagenkonzept, Herstellerangaben und die anzuwendenden Errichtungsbestimmungen.
Was zeigt der Rampentest?
Der Installationstester erhöht den Fehlerstrom schrittweise, bis der RCD auslöst. Dadurch wird der tatsächliche Auslösestrom ermittelt. Vorhandene Ableitströme der Anlage können das Ergebnis beeinflussen.
Reicht die Prüftaste am RCD aus?
Nein. Die Prüftaste kontrolliert den internen Mechanismus, liefert aber keine Messwerte für Auslösezeit, Auslösestrom oder Berührungsspannung und prüft nicht automatisch alle für den RCD-Typ relevanten Fehlerstromformen.
Warum löst der RCD bereits bei einem niedrigen Prüfstrom aus?
Eine mögliche Ursache sind bereits vorhandene Ableitströme angeschlossener Verbraucher. Diese addieren sich zum Prüfstrom des Installationstesters. Auch ein defekter Verbraucher, Verdrahtungsfehler oder ein tatsächlich zu früh auslösender RCD kommt infrage.
Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Geräteauswahl?
Benötigt werden die vorhandenen RCD-Typen, Bemessungsdifferenzströme, Standard- oder Selektivverhalten, Netzsystem, Anwendungen wie Frequenzumrichter, PV oder EVSE, benötigte Installationsmessungen, Dokumentationsanforderungen sowie Angaben zu gewünschten EVSE-Adaptern und Schnittstellen.
