Wenn eine VDE-Prüfung ansteht, ist vielen Betrieben zunächst nicht klar, was vor Ort tatsächlich geprüft und gemessen wird. Häufig wird nur an „Steckdosen prüfen“ gedacht. In der Praxis umfasst eine fachgerechte Prüfung jedoch deutlich mehr: Sichtprüfung, Messungen, Funktionsprüfungen, Bewertung der Schutzmaßnahmen und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Je nach Anlage, Nutzung und Prüfauftrag können unterschiedliche Prüfungen erforderlich sein. Bei ortsfesten elektrischen Anlagen stehen zum Beispiel Verteiler, Stromkreise, Schutzleiter, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD/FI-Schalter, Netzinnenwiderstand, Spannungen und Abschaltbedingungen im Vordergrund. Bei Maschinen oder Betriebsmitteln können weitere Prüfungen hinzukommen.
Dieser Beitrag erklärt, wie eine VDE-Prüfung vorbereitet werden kann, welche Messungen typischerweise vor Ort durchgeführt werden, welche Unterlagen hilfreich sind und welche Probleme den Prüfablauf häufig verzögern.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen: Was ist mit VDE-Prüfung gemeint?
- Warum eine gute Vorbereitung wichtig ist
- Sichtprüfung: Der erste und wichtigste Schritt
- Schutzleiterprüfung und Durchgängigkeit
- Isolationsmessung der elektrischen Anlage
- Schleifenimpedanz und Abschaltbedingungen prüfen
- RCD-/FI-Prüfung: Auslösestrom und Auslösezeit
- Netzinnenwiderstand und Kurzschlussstrom
- Spannungsmessung, Drehfeld und Netzqualität
- Steckdosen, Stromkreise und Verbraucher vor Ort prüfen
- Maschinen und fest angeschlossene Betriebsmittel
- Dokumentation, Prüfprotokoll und Kennzeichnung
- Typische Probleme bei der Prüfung vor Ort
- Checkliste: Das sollte vor der VDE-Prüfung vorbereitet sein
- Tabelle: Messung, Zweck und typische Voraussetzung
- Praxisbeispiel: Ein Betrieb bereitet die erste Anlagenprüfung vor
- Welche Messgeräte werden für die VDE-Prüfung benötigt?
- Fazit: Gute Vorbereitung spart Zeit und vermeidet Nachprüfungen
- FAQ: Häufige Fragen zur VDE-Prüfung
Grundlagen: Was ist mit VDE-Prüfung gemeint?
Der Begriff VDE-Prüfung wird in der Praxis für unterschiedliche Prüfungen verwendet. Gemeint sein können zum Beispiel Prüfungen elektrischer Anlagen, Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel, Prüfungen von Maschinen oder Prüfungen nach Änderungen und Erweiterungen.
Bei elektrischen Anlagen geht es vor allem darum, ob die Schutzmaßnahmen wirksam sind und ob von der Anlage keine unzulässigen Gefahren ausgehen. Dazu werden die Anlage besichtigt, relevante Messungen durchgeführt und Funktionen geprüft.
Wichtig ist: Eine VDE-Prüfung ist keine reine Formalität. Sie soll sicherstellen, dass Schutzleiter, Abschaltbedingungen, Isolationszustand, Fehlerstromschutz, Leitungen, Verteiler und angeschlossene Betriebsmittel sicher betrieben werden können.
Welche Prüfungen konkret erforderlich sind, hängt von der Anlage, der Netzform, den Schutzmaßnahmen, dem Prüfgrund und dem Zustand vor Ort ab. Die Prüfung muss deshalb durch qualifiziertes Fachpersonal geplant und durchgeführt werden.
Warum eine gute Vorbereitung wichtig ist
Eine VDE-Prüfung kann nur dann effizient durchgeführt werden, wenn die relevanten Anlagenteile zugänglich sind. Dazu gehören Verteiler, Unterverteilungen, Steckdosen, Maschinenanschlüsse, Schaltschränke, Hauptschalter, RCDs/FI-Schalter und gegebenenfalls Dokumentationsunterlagen.
Fehlen Stromlaufpläne, Verteilerbeschriftungen oder Informationen zu Stromkreisen, muss der Prüfer vor Ort deutlich mehr Zeit für Zuordnung und Fehlersuche einplanen. Unklare oder falsch beschriftete Stromkreise sind eine der häufigsten Ursachen für Verzögerungen.
Auch betriebliche Abläufe müssen berücksichtigt werden. Manche Messungen können Abschaltungen erforderlich machen. Deshalb sollte vorab geklärt werden, welche Bereiche wann abgeschaltet werden dürfen, welche Maschinen kritisch sind und ob Ersatzversorgung oder Produktionspausen notwendig sind.
Eine gute Vorbereitung reduziert Prüfzeit, Stillstand, Rückfragen und Nachprüfungen. Gleichzeitig wird die Dokumentation am Ende deutlich aussagekräftiger.
Sichtprüfung: Der erste und wichtigste Schritt
Die Sichtprüfung ist ein zentraler Bestandteil der VDE-Prüfung. Dabei wird beurteilt, ob elektrische Anlagen und Betriebsmittel äußerlich in einem sicheren und ordnungsgemäßen Zustand sind.
Geprüft werden unter anderem beschädigte Gehäuse, fehlende Abdeckungen, lockere Betriebsmittel, beschädigte Leitungen, ungeeignete Kabelverschraubungen, fehlende Beschriftungen, unzulässige Provisorien, Brandspuren, Verschmutzung, Feuchtigkeit, Korrosion oder mechanische Beschädigungen.
Auch die Zugänglichkeit und Kennzeichnung von Verteilungen, Stromkreisen, Schutzorganen und Not-Aus-Einrichtungen kann Teil der Sichtprüfung sein. Eine gute Beschriftung erleichtert nicht nur die Prüfung, sondern auch spätere Wartung und Fehlersuche.
Viele Mängel werden bereits bei der Sichtprüfung erkannt. Deshalb sollte vor dem Prüftermin geprüft werden, ob Verteiler sauber zugänglich sind, Abdeckungen vorhanden sind und offensichtliche Schäden bereits behoben wurden.
Schutzleiterprüfung und Durchgängigkeit
Die Schutzleiterprüfung kontrolliert, ob der Schutzleiter zuverlässig durchgängig verbunden ist. Der Schutzleiter ist entscheidend dafür, dass im Fehlerfall gefährliche Berührungsspannungen vermieden und Schutzorgane sicher auslösen können.
Gemessen wird die Durchgängigkeit des Schutzleiters zwischen Schutzleiteranschluss, Verteilung, Steckdosen, Betriebsmitteln oder berührbaren leitfähigen Teilen. Dabei wird geprüft, ob der Schutzleiter niederohmig und sicher verbunden ist.
Typische Probleme sind lose Klemmen, unterbrochene Schutzleiter, falsche Verdrahtung, beschädigte Leitungen, fehlende Schutzleiterbrücken oder schlecht kontaktierende Steckdosen.
Vor der Prüfung sollten Steckdosen, Maschinenanschlüsse, Gehäuse und Verteiler zugänglich sein. Wenn Abdeckungen oder Maschinenbereiche nicht erreichbar sind, können bestimmte Schutzleiterverbindungen möglicherweise nicht vollständig geprüft werden.
Isolationsmessung der elektrischen Anlage
Die Isolationsmessung prüft, ob zwischen aktiven Leitern und Erde beziehungsweise Schutzleiter ein ausreichender Isolationswiderstand vorhanden ist. Eine schlechte Isolation kann zu Fehlerströmen, FI-Auslösungen, Erwärmung, Kriechströmen oder gefährlichen Berührungsspannungen führen.
Für die Messung müssen empfindliche Verbraucher, elektronische Baugruppen oder Überspannungsschutzgeräte je nach Situation berücksichtigt oder geschützt werden. Deshalb ist eine fachgerechte Vorbereitung wichtig.
Typische Ursachen für schlechte Isolationswerte sind beschädigte Leitungen, Feuchtigkeit, Schmutz, gealterte Isolationen, defekte Heizungen, beschädigte Motorwicklungen oder Fehler in Anschlussdosen.
Eine Isolationsmessung kann je nach Anlage Abschaltungen erforderlich machen. Deshalb sollte vorab geklärt werden, welche Stromkreise abgeschaltet werden können und ob bestimmte Geräte vom Netz getrennt werden müssen.
Schleifenimpedanz und Abschaltbedingungen prüfen
Die Messung der Schleifenimpedanz dient dazu, die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme durch automatische Abschaltung zu beurteilen. Sie zeigt, ob im Fehlerfall ein ausreichend hoher Fehlerstrom fließen kann, damit Sicherung oder Leitungsschutzschalter rechtzeitig abschalten.
Gemessen wird die Impedanz der Fehlerschleife. Daraus kann abgeleitet werden, ob die Abschaltbedingungen für den betreffenden Stromkreis eingehalten werden können.
Typische Probleme sind zu lange Leitungen, zu kleine Leiterquerschnitte, schlechte Klemmstellen, Übergangswiderstände, falsche Schutzorgane oder ungünstige Netzverhältnisse.
Für diese Messung müssen die entsprechenden Stromkreise zugänglich sein. Steckdosen, Verteiler und Messpunkte sollten eindeutig zugeordnet werden können.
RCD-/FI-Prüfung: Auslösestrom und Auslösezeit
RCDs beziehungsweise FI-Schalter müssen im Fehlerfall zuverlässig abschalten. Bei der Prüfung wird kontrolliert, ob der RCD korrekt auslöst und ob die Auslösezeit beziehungsweise das Auslöseverhalten zur Schutzmaßnahme passt.
Dabei werden je nach Prüfaufgabe Auslösestrom, Auslösezeit und Funktion des RCD geprüft. Auch die Zuordnung der geschützten Stromkreise ist wichtig.
Typische Probleme sind nicht auslösende RCDs, zu lange Auslösezeiten, falsch zugeordnete Stromkreise, Neutralleiterfehler, addierte Ableitströme oder ungeeignete RCD-Typen für bestimmte Verbraucher.
Bei der RCD-Prüfung kann es zu Abschaltungen kommen. Deshalb sollten betroffene Bereiche vorher informiert werden, und empfindliche Geräte sollten kontrolliert heruntergefahren werden.
Netzinnenwiderstand und Kurzschlussstrom
Die Messung des Netzinnenwiderstands hilft, die Leistungsfähigkeit des Netzes am Messpunkt zu beurteilen. Daraus lassen sich unter anderem Aussagen über den zu erwartenden Kurzschlussstrom ableiten.
Der Netzinnenwiderstand ist besonders relevant, wenn beurteilt werden soll, ob Schutzorgane im Fehlerfall sicher abschalten können oder ob Spannungsabfälle und Netzverhältnisse problematisch sind.
Typische Auffälligkeiten sind hohe Übergangswiderstände, lange Zuleitungen, ungünstige Einspeisung, schlechte Klemmstellen oder Netzabschnitte mit zu geringer Kurzschlussleistung.
Auch diese Messung setzt voraus, dass Verteiler, Steckdosen oder andere Messpunkte zugänglich und eindeutig beschriftet sind.
Spannungsmessung, Drehfeld und Netzqualität
Spannungsmessungen gehören ebenfalls zur Prüfung vor Ort. Dabei werden zum Beispiel Außenleiter-Neutralleiter-Spannung, Außenleiter-Außenleiter-Spannung, Spannung gegen Schutzleiter oder 24-V-Steuerspannungen geprüft.
Bei Drehstromanlagen kann zusätzlich das Drehfeld kontrolliert werden. Eine falsche Drehfeldrichtung kann bei Motoren, Pumpen oder Maschinen zu Funktionsproblemen oder Schäden führen.
Je nach Situation können auch Spannungsabfälle, unsymmetrische Belastungen oder auffällige Netzverhältnisse relevant sein. Eine vollständige Netzqualitätsanalyse ist jedoch nicht automatisch Bestandteil jeder Standardprüfung.
Für eine sinnvolle Bewertung sollten die zu prüfenden Stromkreise und Verbraucher bekannt sein. Besonders bei Maschinen und Anlagen ist die Information wichtig, welche Spannungen und Versorgungen vorhanden sind.
Steckdosen, Stromkreise und Verbraucher vor Ort prüfen
Steckdosenkreise sind ein typischer Bestandteil der VDE-Prüfung. Geprüft werden unter anderem Schutzleiter, Verdrahtung, Zuordnung, RCD-Schutz, Schleifenimpedanz und Zustand der Steckdose.
Vor der Prüfung sollten Steckdosen zugänglich sein. Zugestellte Steckdosen, verdeckte Bodentanks, verschlossene Räume oder nicht zugängliche Außenbereiche können die Prüfung verzögern oder unvollständig machen.
Auch Mehrfachsteckdosen, Verlängerungsleitungen und provisorische Installationen sollten geprüft und bewertet werden. Häufig zeigen sich hier Mängel durch Überlastung, mechanische Beschädigung oder ungeeignete Verwendung.
Für den Betrieb ist es hilfreich, Stromkreise sauber zu beschriften. So kann später nachvollzogen werden, welche Steckdosen und Verbraucher zu welchem Schutzorgan gehören.
Maschinen und fest angeschlossene Betriebsmittel
Fest angeschlossene Maschinen, Anlagen und Betriebsmittel müssen bei der Vorbereitung besonders berücksichtigt werden. Sie können eigene Schutzmaßnahmen, Steuerstromkreise, Frequenzumrichter, Netzfilter, Motoren oder empfindliche Elektronik enthalten.
Vor der Prüfung sollte geklärt werden, ob die Maschine abgeschaltet werden darf, ob ein Bediener erforderlich ist und ob Herstellerunterlagen oder Schaltpläne verfügbar sind.
Bei Maschinen können je nach Prüfauftrag zusätzliche Prüfungen notwendig sein, zum Beispiel Schutzleiterverbindungen, Isolationszustand, Schutzmaßnahmen, Not-Halt-Funktionen oder Funktionsprüfungen sicherheitsrelevanter Einrichtungen.
Wichtig ist, dass Maschinen nicht unvorbereitet abgeschaltet werden, wenn dadurch Prozesse, Daten, Produktionsabläufe oder Sicherheitseinrichtungen beeinträchtigt werden.
Dokumentation, Prüfprotokoll und Kennzeichnung
Nach der Prüfung müssen die Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert werden. Ein Prüfprotokoll enthält typischerweise Angaben zur Anlage, zu den geprüften Stromkreisen, zu Messwerten, Prüfgeräten, Prüfergebnis, Mängeln und gegebenenfalls empfohlenen Maßnahmen.
Die Dokumentation ist wichtig, damit der Betreiber nachweisen kann, welche Bereiche geprüft wurden und welche Mängel festgestellt oder behoben werden müssen.
Eine eindeutige Kennzeichnung von Verteilungen, Stromkreisen und Betriebsmitteln erleichtert die Zuordnung im Prüfprotokoll. Wenn Beschriftungen fehlen, ist die Dokumentation deutlich schwieriger.
Vor der Prüfung sollten vorhandene Pläne, frühere Prüfprotokolle, Verteilerlisten und Anlagenübersichten bereitgestellt werden. Das spart Zeit und verbessert die Qualität der Prüfung.
Typische Probleme bei der Prüfung vor Ort
Ein häufiges Problem sind nicht zugängliche Verteiler, Steckdosen oder Maschinen. Wenn Schränke verschlossen, Räume belegt oder Anlagen nicht freigeschaltet werden können, muss die Prüfung unterbrochen oder später fortgesetzt werden.
Ein weiteres Problem sind fehlende oder falsche Beschriftungen. Wenn Stromkreise nicht eindeutig zugeordnet werden können, steigt der Aufwand erheblich.
Auch ungeplante Abschaltungen führen häufig zu Schwierigkeiten. RCD-Prüfungen, Isolationsmessungen oder Arbeiten an Verteilungen können Abschaltungen erforderlich machen. Wenn betroffene Mitarbeiter nicht informiert sind, entstehen unnötige Unterbrechungen.
Typische technische Mängel sind lose Klemmen, beschädigte Steckdosen, fehlende Abdeckungen, schlechte Isolationswerte, nicht auslösende RCDs, falsche Verdrahtung, unzulässige Provisorien oder beschädigte Leitungen.
Checkliste: Das sollte vor der VDE-Prüfung vorbereitet sein
- Verteiler, Unterverteilungen und Schaltschränke zugänglich machen
- Steckdosen, Maschinenanschlüsse und Außenbereiche freiräumen
- Schlüssel für Technikräume, Verteiler und Schaltschränke bereithalten
- Stromlaufpläne, Verteilerpläne und frühere Prüfprotokolle bereitstellen
- Beschriftungen von Stromkreisen und Sicherungen prüfen
- Produktionsbereiche über mögliche Abschaltungen informieren
- Empfindliche IT-, Steuerungs- oder Prozessanlagen kontrolliert herunterfahren oder schützen
- Zuständige Ansprechpartner vor Ort festlegen
- Maschinenbediener oder Instandhalter für Funktionsprüfungen einplanen
- Offensichtliche Mängel wie beschädigte Steckdosen oder fehlende Abdeckungen vorab beheben
Tabelle: Messung, Zweck und typische Voraussetzung
| Prüfung / Messung | Zweck | Typische Voraussetzung vor Ort |
|---|---|---|
| Sichtprüfung | Erkennen äußerer Mängel, Beschädigungen und unzulässiger Zustände | Zugang zu Verteilungen, Steckdosen, Maschinen und Leitungen |
| Schutzleiterprüfung | Nachweis der Durchgängigkeit des Schutzleiters | Zugängliche Schutzkontakte, Gehäuse und Anschlusspunkte |
| Isolationsmessung | Bewertung des Isolationszustands aktiver Leiter gegen Erde | Abschaltmöglichkeit und Berücksichtigung empfindlicher Verbraucher |
| Schleifenimpedanz | Bewertung der Abschaltbedingungen im Fehlerfall | Zugängliche Stromkreise und bekannte Schutzorgane |
| RCD-/FI-Prüfung | Prüfung von Auslöseverhalten und Schutzfunktion | Information über mögliche Abschaltung der betroffenen Bereiche |
| Netzinnenwiderstand | Bewertung von Netzverhältnissen und Kurzschlussstrom | Zugängliche Messpunkte in Verteilung oder Steckdosenkreis |
| Spannungsmessung | Kontrolle vorhandener Versorgungsspannungen | Bekannte Sollspannungen und sichere Messpunkte |
| Drehfeldprüfung | Kontrolle der Phasenfolge bei Drehstrom | Zugang zu Drehstromanschlüssen oder Maschinen |
| Funktionsprüfung | Kontrolle von Schutz- und Schaltfunktionen | Bedienbarkeit der Anlage und zuständiger Ansprechpartner |
| Dokumentation | Nachvollziehbarer Nachweis der Prüfergebnisse | Pläne, Beschriftungen und eindeutige Zuordnung der Stromkreise |
Praxisbeispiel: Ein Betrieb bereitet die erste Anlagenprüfung vor
Ein mittelständischer Betrieb soll erstmals eine elektrische Anlage prüfen lassen. Bisher wurden nur einzelne Reparaturen durchgeführt, eine vollständige Dokumentation der Stromkreise liegt jedoch nicht vor. Mehrere Unterverteilungen sind zugestellt, einige Steckdosen befinden sich hinter Maschinen, und die Beschriftung der Sicherungen ist teilweise unklar.
Vor dem Prüftermin wird deshalb zunächst ein Ansprechpartner aus der Instandhaltung festgelegt. Technikräume und Verteiler werden zugänglich gemacht, vorhandene Pläne und frühere Unterlagen werden gesammelt. Außerdem wird mit der Produktion abgestimmt, welche Maschinen zu welchen Zeiten kurz abgeschaltet werden dürfen.
Während der Prüfung werden zuerst Sichtprüfung und Zuordnung der Stromkreise durchgeführt. Anschließend folgen Schutzleiterprüfung, Isolationsmessung, Schleifenimpedanzmessung, RCD-Prüfung, Spannungsmessungen und Funktionsprüfungen. Einige kleinere Mängel, wie fehlende Beschriftungen und beschädigte Steckdosen, werden dokumentiert.
Durch die Vorbereitung kann die Prüfung weitgehend ohne unnötige Unterbrechungen durchgeführt werden. Der Betrieb erhält ein Prüfprotokoll mit Messwerten, Mängelliste und Handlungsempfehlungen. Gleichzeitig entsteht eine bessere Übersicht über die elektrische Anlage.
Welche Messgeräte werden für die VDE-Prüfung benötigt?
Für Prüfungen elektrischer Anlagen werden spezielle Installationstester und Prüfgeräte eingesetzt. Diese können je nach Ausführung Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, Netzinnenwiderstand, RCD-Auslöseverhalten, Spannung, Frequenz und Drehfeld prüfen.
Zusätzlich können Digitalmultimeter, zweipolige Spannungsprüfer, Stromzangen, Leckstromzangen oder Gerätetester erforderlich sein. Welche Geräte benötigt werden, hängt vom Prüfauftrag und der Anlage ab.
Wichtig ist, dass die Prüfgeräte für die jeweilige Messkategorie, Spannung und Anwendung geeignet sind. Außerdem müssen sie in ordnungsgemäßem Zustand sein und nachvollziehbare Messergebnisse liefern.
Für die Dokumentation sind Geräte mit Speicherfunktion, Softwareanbindung oder Prüfprotokoll-Export hilfreich. Dadurch können Messwerte sauber den Stromkreisen zugeordnet und später nachvollzogen werden.
Fazit: Gute Vorbereitung spart Zeit und vermeidet Nachprüfungen
Eine VDE-Prüfung vor Ort umfasst deutlich mehr als eine einfache Spannungsmessung. Sichtprüfung, Schutzleiterprüfung, Isolationsmessung, Schleifenimpedanz, RCD-Prüfung, Netzinnenwiderstand, Spannungsmessung, Funktionsprüfung und Dokumentation bilden zusammen die Grundlage für eine fachgerechte Bewertung.
Je besser die Anlage vorbereitet ist, desto effizienter kann die Prüfung durchgeführt werden. Zugängliche Verteiler, klare Beschriftungen, vorhandene Pläne, abgestimmte Abschaltungen und zuständige Ansprechpartner helfen, Verzögerungen zu vermeiden.
Für Betreiber ist die Prüfung nicht nur ein Pflichttermin, sondern auch eine Chance, den Zustand der elektrischen Anlage besser zu kennen, Risiken zu erkennen und ungeplante Ausfälle zu vermeiden.
FAQ: Häufige Fragen zur VDE-Prüfung
Was wird bei einer VDE-Prüfung gemessen?
Je nach Anlage werden unter anderem Schutzleiter, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD/FI-Auslöseverhalten, Netzinnenwiderstand, Spannung und Drehfeld geprüft.
Was gehört zur Vorbereitung einer VDE-Prüfung?
Verteiler, Steckdosen, Maschinen und Schaltschränke sollten zugänglich sein. Außerdem sollten Pläne, frühere Prüfprotokolle, Schlüssel und Ansprechpartner bereitstehen.
Muss bei einer VDE-Prüfung abgeschaltet werden?
Einige Prüfungen können Abschaltungen erforderlich machen, zum Beispiel Isolationsmessungen oder RCD-Prüfungen. Das sollte vorab mit dem Betrieb abgestimmt werden.
Was ist eine Schutzleiterprüfung?
Sie prüft, ob der Schutzleiter durchgängig und niederohmig verbunden ist. Das ist wichtig, damit Schutzmaßnahmen im Fehlerfall wirksam funktionieren.
Was zeigt eine Isolationsmessung?
Die Isolationsmessung zeigt, ob zwischen aktiven Leitern und Erde beziehungsweise Schutzleiter ein ausreichender Isolationswiderstand vorhanden ist.
Warum wird die Schleifenimpedanz gemessen?
Die Schleifenimpedanz hilft zu beurteilen, ob im Fehlerfall ein ausreichend hoher Fehlerstrom fließen kann, damit Schutzorgane rechtzeitig abschalten.
Was wird bei der RCD-/FI-Prüfung geprüft?
Es wird geprüft, ob der RCD beziehungsweise FI-Schalter korrekt auslöst und ob Auslöseverhalten und Zuordnung zur Schutzmaßnahme passen.
Was passiert, wenn Mängel gefunden werden?
Mängel werden dokumentiert und müssen je nach Schwere bewertet und behoben werden. Nach der Behebung kann eine Nachprüfung erforderlich sein.
Wer darf eine VDE-Prüfung durchführen?
Prüfungen elektrischer Anlagen dürfen nur von qualifiziertem Fachpersonal beziehungsweise befähigten Personen mit geeigneten Prüfgeräten durchgeführt werden.
Welche Unterlagen sollte man bereithalten?
Hilfreich sind Stromlaufpläne, Verteilerpläne, Anlagenübersichten, frühere Prüfprotokolle, Maschinenunterlagen und Informationen zu besonderen Verbrauchern.
Wie lange dauert eine VDE-Prüfung?
Die Dauer hängt von Größe, Zustand, Zugänglichkeit und Dokumentation der Anlage ab. Eine gut vorbereitete Anlage kann deutlich schneller geprüft werden.
Warum ist die Dokumentation so wichtig?
Die Dokumentation zeigt, welche Bereiche geprüft wurden, welche Messwerte ermittelt wurden und welche Mängel vorliegen. Sie ist Grundlage für Nachverfolgung und spätere Prüfungen.
