Block-and-Bleed-Ventil am Drucktransmitter: Absperren, Entlüften und Prüfen ohne Prozessfehler

Block and Bleed am Drucktransmitter – sicher absperren, entlüften und prüfen
→ Produktkategorie: Druckmesstechnik

 

Ein Drucktransmitter soll im laufenden Anlagenbetrieb überprüft werden. Das Blockventil wird geschlossen, am Bleed-Anschluss wird Druck abgelassen und anschließend ein Kalibrator angeschlossen. Trotzdem lässt sich kein stabiler Nullpunkt einstellen. Oder noch kritischer: Nach dem vermeintlichen Absperren steht am Messgerät weiterhin Prozessdruck an.

Solche Situationen entstehen häufig nicht durch einen defekten Drucktransmitter, sondern durch die Ventilstellung, eingeschlossenen Druck, eine undichte Absperrung oder einen ungeeigneten Prüfaufbau.

Ein Block-and-Bleed-Ventil soll genau diese Aufgaben vereinfachen: den Drucktransmitter vom Prozess trennen, die Messgeräteseite kontrolliert druckentlasten und – abhängig von der Ausführung – einen Zugang für Nullpunktprüfung, Kalibrierung oder Wartung schaffen.

Damit dies zuverlässig funktioniert, müssen Blockventil, Bleed-Ventil und gegebenenfalls Prüfanschluss jedoch in der richtigen Reihenfolge und entsprechend dem Medium sowie der Anlagenfreigabe bedient werden.

Produkte für industrielle Druckmessstellen finden Sie unter Druckmesstechnik. Ventile, Ventilblöcke, Adapter und weiteres Zubehör sind unter Zubehör für Druckmessgeräte zusammengefasst.

Was ist ein Block-and-Bleed-Ventil?

Ein klassisches Block-and-Bleed-Ventil für eine einzelne Druckmessstelle besitzt zwei Ventilfunktionen:

  • Block: Absperren des Drucktransmitters gegenüber dem Prozess.
  • Bleed: Entlüften beziehungsweise Druckentlasten des zwischen Blockventil und Messgerät eingeschlossenen Volumens.

Im normalen Messbetrieb steht der Drucktransmitter über das geöffnete Blockventil mit dem Prozess in Verbindung. Das Bleed-Ventil ist geschlossen.

Soll der Transmitter geprüft oder demontiert werden, wird zunächst die Verbindung zum Prozess unterbrochen. Anschließend kann der noch auf der Messgeräteseite vorhandene Druck kontrolliert abgebaut werden.

Damit unterscheidet sich ein Block-and-Bleed-Ventil wesentlich von einem einfachen Absperrventil: Nach dem Schließen eines reinen Absperrventils kann zwischen Ventil und Drucktransmitter weiterhin der vollständige Prozessdruck eingeschlossen sein.

Block, Bleed und Prüfanschluss unterscheiden

Bei der Arbeit an einer Messstelle muss zunächst eindeutig geklärt werden, welche Funktion jeder Anschluss besitzt.

Funktion Aufgabe Typischer Zustand im Messbetrieb
Blockventil Verbindet beziehungsweise trennt den Transmitter vom Prozess Offen
Bleed-/Entlüftungsventil Entlastet die Transmitterseite Geschlossen
Prüfanschluss Anschluss eines Kalibrators oder Referenzmessgerätes Geschlossen beziehungsweise verschlossen

Nicht jeder Ventilblock besitzt einen separaten Prüfanschluss. Je nach Konstruktion kann der Bleed-Anschluss zugleich für bestimmte Prüfaufgaben vorgesehen sein oder es kann ein eigener Prüfport vorhanden sein.

Vor einer Kalibrierung sollte deshalb immer anhand von Funktionsschema, Kennzeichnung und Herstellerunterlagen geklärt werden, welcher Anschluss wofür vorgesehen ist.

Ventilstellung im normalen Messbetrieb

Bei einer klassischen Block-and-Bleed-Messstelle ist die Grundstellung im normalen Prozessbetrieb einfach:

Blockventil offen – Bleed-Ventil geschlossen.

Der Prozessdruck gelangt dadurch zum Drucktransmitter, während über den Bleed-Anschluss kein Medium austreten kann.

Ein teilweise geöffnetes Blockventil sollte nicht ohne technischen Grund als normale Betriebsstellung verwendet werden. Das Ventil dient primär zum Absperren und nicht als beliebig einstellbare Prozessdrossel.

Auch das Bleed-Ventil darf im normalen Messbetrieb nicht versehentlich geöffnet bleiben. Andernfalls kann abhängig vom Medium kontinuierlich Prozessmedium austreten oder der am Transmitter anstehende Druck verfälscht werden.

Drucktransmitter sicher vom Prozess absperren

Soll der Drucktransmitter überprüft oder ausgebaut werden, muss zunächst verhindert werden, dass weiterhin Prozessdruck nachströmt.

Bei einem typischen Block-and-Bleed-Aufbau wird deshalb zuerst das Blockventil geschlossen.

Damit ist der Transmitter vom Prozess getrennt.

Allerdings bedeutet das noch nicht, dass der Bereich hinter dem Blockventil drucklos ist.

Zwischen geschlossenem Blockventil, Ventilblock, Anschlussstücken und Sensormembran befindet sich ein eingeschlossenes Volumen. Dieses kann weiterhin unter dem zuletzt anliegenden Prozessdruck stehen.

Erst durch eine kontrollierte Druckentlastung über die dafür vorgesehene Bleed-Funktion kann dieser Druck abgebaut werden.

Für die konkrete Arbeit gelten immer die Betriebsanweisung, das Anlagenfreigabeverfahren, das jeweilige R&I-Fließbild und die Bedienungsanleitung der eingebauten Komponenten.

Warum eingeschlossener Druck so kritisch ist

Ein häufiger Bedienfehler besteht darin, ein geschlossenes Blockventil mit einem drucklosen Drucktransmitter gleichzusetzen.

Das ist falsch.

Wurde beispielsweise eine Messstelle bei 100 bar abgesperrt, können auf der Transmitterseite weiterhin annähernd 100 bar eingeschlossen sein.

Wird anschließend der Sensor oder ein Adapter gelöst, kann das eingeschlossene Medium unkontrolliert austreten.

Das Problem ist bei komprimierten Gasen besonders kritisch, weil im eingeschlossenen Gasvolumen Energie gespeichert ist.

Auch bei Flüssigkeiten muss der Restdruck vollständig berücksichtigt werden.

Vor dem Öffnen einer Prozessverbindung muss daher eindeutig sichergestellt werden, dass die betreffende Seite entsprechend dem vorgesehenen Anlagenverfahren druckfrei ist.

Nullpunkt richtig überprüfen

Eine häufige Anwendung des Bleed-Ventils ist die Nullpunktprüfung eines Relativdrucktransmitters.

Dazu wird der Transmitter zunächst vom Prozess getrennt. Anschließend wird die Messgeräteseite über einen geeigneten und sicheren Weg druckentlastet.

Bei einem Relativdrucktransmitter kann der Sensor nach vollständigem Druckausgleich gegenüber der Atmosphäre theoretisch einen Wert nahe 0 bar relativ anzeigen.

Allerdings gibt es mehrere typische Fehlerquellen:

  • Das Blockventil ist intern nicht vollständig dicht.
  • Der Druck wurde nicht vollständig abgebaut.
  • Das Bleed-Ventil beziehungsweise die Entlüftungsleitung ist verstopft.
  • In einer Flüssigkeitsleitung bleibt eine hydrostatische Flüssigkeitssäule bestehen.
  • Die Messstelle besitzt einen zusätzlichen Höhenunterschied.
  • Der Transmitter benötigt nach der Druckentlastung noch Stabilisierungszeit.

Erst wenn sichergestellt ist, dass tatsächlich die vorgesehene Druckreferenz am Sensor anliegt, darf eine Nullpunktabweichung dem Transmitter zugeschrieben werden.

Bei einem Absolutdrucktransmitter ist eine Entlüftung zur Atmosphäre dagegen keine Nullpunktprüfung. Atmosphärendruck entspricht bei einem Absolutdrucksensor nicht 0 bar absolut.

Drucktransmitter über den Prüfanschluss prüfen

Ein Ventilblock mit Prüfanschluss ermöglicht eine Vergleichs- oder Kalibrierprüfung, ohne den Transmitter vollständig aus der Messstelle auszubauen.

Ein typischer Aufbau besteht aus:

  • Prozess,
  • Blockventil,
  • Drucktransmitter,
  • Bleed-Funktion und
  • Prüfanschluss für Druckkalibrator beziehungsweise Referenz.

Vor der Druckbeaufschlagung durch den Kalibrator muss eindeutig sichergestellt sein, dass der Prozess abgesperrt und die Ventilstellung für die jeweilige Prüfung korrekt ist.

Der Kalibrator darf nicht unbeabsichtigt gegen den laufenden Prozess arbeiten.

Nach dem Druckentlasten wird das Prüfgerät entsprechend der vorgesehenen Anschlussgeometrie angeschlossen. Die Prüfseite wird anschließend so konfiguriert, dass der erzeugte Referenzdruck ausschließlich auf den Transmitter beziehungsweise das definierte Prüfvolumen wirkt.

Danach können mehrere Druckpunkte angefahren und Ausgangssignal beziehungsweise Anzeige des Transmitters mit der Referenz verglichen werden.

Bei einem 4–20-mA-Transmitter kann beispielsweise gleichzeitig das elektrische Ausgangssignal gemessen werden.

Nach Ende der Prüfung muss der Prüfdruck zunächst wieder sicher abgebaut werden, bevor Prüfgerät oder Adapter gelöst werden.

Messstelle wieder in Betrieb nehmen

Auch die Rückkehr in den normalen Messbetrieb sollte kontrolliert erfolgen.

Vor dem Wiederaufschalten auf den Prozess muss der Bleed- beziehungsweise Prüfweg geschlossen sein.

Anschließend wird das Blockventil entsprechend der Herstellervorgabe langsam geöffnet.

Damit steigt der Druck am Sensor kontrolliert an.

Ein schlagartiges Öffnen kann unnötige dynamische Belastungen und Druckstöße auf Messzelle, Dichtungen und angeschlossene Komponenten übertragen.

Nach dem Wiederaufschalten sollten mindestens folgende Punkte kontrolliert werden:

  • Ist das Bleed-Ventil vollständig geschlossen?
  • Ist der Prüfanschluss korrekt verschlossen?
  • Zeigt der Transmitter einen plausiblen Prozessdruck?
  • Ist das Ausgangssignal plausibel?
  • Sind alle geöffneten Verbindungen leckdicht?

Undichtes Blockventil erkennen

Auch ein geschlossenes Blockventil ist ein technisches Bauteil und kann abhängig von Zustand, Verschmutzung, Verschleiß und Prozessbedingungen intern undicht werden.

Ein typisches Fehlerbild zeigt sich bei einer Nullpunktprüfung:

Der Transmitter wird abgesperrt und über das Bleed-Ventil vollständig entlastet. Das Bleed-Ventil wird anschließend wieder geschlossen.

Steigt der Druck auf der isolierten Transmitterseite danach erneut an, kann dies auf eine interne Leckage über das Blockventil hinweisen.

Bei der Bewertung müssen jedoch auch Temperaturänderungen, eingeschlossene Flüssigkeitsvolumina und weitere angeschlossene Komponenten berücksichtigt werden.

Ein solcher Druckanstieg ist daher zunächst ein Diagnosehinweis und ersetzt keine definierte Leckageprüfung mit festgelegtem Prüfverfahren und Grenzwert.

Totraum und eingeschlossenes Medium berücksichtigen

Der Raum zwischen Absperrventil und Sensormembran wird häufig als kleines und unbedeutendes Volumen betrachtet.

Für eine Prüfung kann dieser Totraum jedoch durchaus relevant sein.

Je größer das Volumen aus Ventilkanälen, Adaptern, Impulsleitungen und Prüfanschlüssen ist, desto mehr Medium muss beim Druckaufbau bewegt beziehungsweise komprimiert werden.

Das beeinflusst unter anderem:

  • Stabilisierungszeit,
  • Druckaufbau mit Handpumpen,
  • Empfindlichkeit gegenüber kleinen Leckagen,
  • Spülaufwand und
  • eingeschlossene Gasblasen bei Flüssigkeitsprüfungen.

Eine kompakte Messstelle mit möglichst wenigen Adaptern reduziert nicht nur mögliche Leckstellen, sondern normalerweise auch das eingeschlossene Prüfvolumen.

Flüssigkeits- und Gasanwendungen unterscheiden

Das Entlüften einer Gasdruckmessstelle und das Entlasten einer flüssigkeitsgefüllten Messleitung sind nicht vollständig gleichzusetzen.

Bei Gasen kann sich der Druck nach Öffnen des Bleed-Ventils vergleichsweise schnell ausgleichen. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass komprimiertes Gas beim Entspannen Energie freisetzt und je nach Medium nicht unkontrolliert abgeblasen werden darf.

Bei Flüssigkeiten können dagegen Restvolumen oder Flüssigkeitssäulen verbleiben.

Bei einer hydraulischen Kalibrierung sind außerdem eingeschlossene Gasblasen problematisch. Gas ist wesentlich stärker kompressibel als eine Flüssigkeit und kann deshalb zu:

  • langsamem Druckaufbau,
  • schlechter Stabilität,
  • verzögerter Einstellung und
  • zusätzlicher gespeicherter Energie

führen.

Bei Flüssigkeitsprüfungen sollte die Prüfleitung deshalb entsprechend der vorgesehenen Prüfmethode möglichst vollständig mit dem Prüfmedium gefüllt und entlüftet werden.

Bleed-Medium sicher abführen

Das Wort „Bleed“ bedeutet nicht automatisch, dass das Prozessmedium einfach in die Umgebung abgeblasen werden darf.

Bei Wasser oder sauberer Druckluft kann eine geeignete lokale Entlastung je nach Anlagenkonzept vergleichsweise unkompliziert sein.

Anders sieht es beispielsweise aus bei:

  • brennbaren Gasen,
  • Wasserstoff,
  • toxischen Medien,
  • ätzenden Flüssigkeiten,
  • heißen Medien,
  • Kältemitteln oder
  • umweltgefährdenden Stoffen.

Hier muss der Bleed-Anschluss entsprechend dem Anlagenkonzept beispielsweise zu einem geschlossenen Ablass-, Rückführ-, Auffang- oder Entsorgungssystem geführt werden.

Die Entlüftungsrichtung sollte außerdem so ausgelegt sein, dass austretendes Medium keine Person treffen kann.

Druckstöße beim Öffnen vermeiden

Nach einer Nullpunktprüfung steht die Transmitterseite zunächst unter niedrigem oder keinem Druck, während auf der Prozessseite möglicherweise ein deutlich höherer Druck vorhanden ist.

Wird das Blockventil schlagartig vollständig geöffnet, kann sich dieser Druckunterschied sehr schnell ausgleichen.

Für die Messzelle ist das eine dynamische Belastung.

Das Absperrventil sollte deshalb entsprechend der Herstelleranweisung kontrolliert beziehungsweise langsam geöffnet werden.

Bei empfindlichen Sensoren oder sehr hohen Prozessdrücken ist zusätzlich zu prüfen, ob weitere Maßnahmen zur Druckstoßbegrenzung erforderlich sind.

Block-and-Bleed und Double Block and Bleed unterscheiden

Die Begriffe Block-and-Bleed und Double Block and Bleed werden im Alltag gelegentlich verwechselt.

Bei einer klassischen Block-and-Bleed-Anordnung für eine Druckmessstelle stehen eine Absperr- und eine Entlüftungsfunktion zur Verfügung.

Double Block and Bleed – DBB bezeichnet dagegen ein Konzept mit zwei voneinander unabhängigen Absperrfunktionen und einer dazwischenliegenden Entlastungs- beziehungsweise Bleed-Funktion.

Ausführung Grundfunktion Typischer Zweck
Block and Bleed 1 × Block + 1 × Bleed Einzelne Druckmessstelle absperren und entlasten
Double Block and Bleed 2 × Block + Bleed zwischen den Sperren Erhöhte beziehungsweise definierte Prozessisolation je nach Anlagenkonzept

Welche Isolationsstufe erforderlich ist, ergibt sich aus Prozess, Medium, Druck, Gefährdungsbeurteilung und den anwendbaren betrieblichen beziehungsweise technischen Anforderungen.

Ein einfacher 2-fach-Ventilblock sollte deshalb nicht ohne Weiteres als Double Block and Bleed bezeichnet werden.

Warum ein Differenzdrucktransmitter einen anderen Ventilblock benötigt

Ein einzelner Relativ- oder Absolutdrucktransmitter besitzt nur einen Prozessdruckeingang.

Ein Differenzdrucktransmitter besitzt dagegen eine Hochdruck- und eine Niederdruckseite.

Für ihn reicht ein einfacher Block-and-Bleed-Ventilblock normalerweise nicht aus.

Typische 3-fach-Ventilblöcke besitzen:

  • ein Absperrventil auf der Hochdruckseite,
  • ein Absperrventil auf der Niederdruckseite und
  • ein Equalize-Ventil zum Druckausgleich.

5-fach-Ventilblöcke ergänzen diese Funktionen typischerweise um separate Entlüftungs- beziehungsweise Prüfwege.

Die korrekte Ventilreihenfolge ist bei Differenzdrucktransmittern besonders wichtig, weil eine falsche Bedienung den Sensor einseitig mit einem hohen Differenzdruck belasten kann.

Block-and-Bleed für einen einzelnen Drucktransmitter und Equalize-Funktionen eines Differenzdruck-Ventilblocks sollten daher nicht miteinander verwechselt werden.

Typische Bedien- und Messfehler

Beobachtung Mögliche Ursache Sinnvolle Prüfung
Transmitter zeigt nach dem Absperren weiterhin Prozessdruck Druck auf Instrumentenseite eingeschlossen Vorgesehene Bleed-Funktion kontrolliert nutzen
Druck steigt nach vollständiger Entlastung wieder an Interne Leckage am Blockventil möglich Ventilsitz und Messstelle prüfen
Nullpunkt bleibt leicht positiv Restdruck, Flüssigkeitssäule oder blockierter Bleed-Weg Tatsächliche Druckreferenz überprüfen
Kalibrator lässt sich kaum auf Druck bringen Offener Bleed-Weg, große Leckage oder falsche Ventilstellung Prüfaufbau und Ventilzustände kontrollieren
Kalibratordruck beeinflusst den Prozess Blockventil nicht vollständig geschlossen beziehungsweise falscher Anschluss Prüfung abbrechen und Ventilschema kontrollieren
Druckwert springt beim Wiederaufschalten stark Blockventil zu schnell geöffnet Kontrolliertes langsames Öffnen
Messwert stabilisiert sich bei Flüssigkeitsprüfung sehr langsam Gasblase im Prüfvolumen möglich Prüfleitung fachgerecht entlüften
Nach Wartung tritt Medium am Prüfanschluss aus Verschlussschraube, Dichtung oder Ventil nicht korrekt geschlossen Dichtheit vor Freigabe kontrollieren
Absolutdrucktransmitter zeigt nach dem Entlüften keinen Nullwert Normaler atmosphärischer Absolutdruck liegt an Druckart des Transmitters berücksichtigen

Empfohlener Prüfablauf

Der konkrete Arbeitsablauf muss immer zu Anlage, Medium, Ventilblock und betrieblicher Arbeitsfreigabe passen. Für eine typische Einzelmessstelle lassen sich jedoch folgende Grundprinzipien ableiten:

  1. Messstelle eindeutig identifizieren: Drucktransmitter, Blockventil, Bleed-Ventil und Prüfanschluss zuordnen.
  2. Medium und Betriebszustand prüfen: Druck, Temperatur und Gefährdung des Prozessmediums kennen.
  3. Ventilschema kontrollieren: Nicht allein nach Griffposition oder Farbe arbeiten.
  4. Prozess absperren: Blockventil entsprechend der vorgesehenen Bedienung schließen.
  5. Instrumentenseite kontrolliert entlasten: Bleed-Weg nur in das dafür vorgesehene sichere System öffnen.
  6. Druckfreiheit verifizieren: Nicht allein davon ausgehen, dass das Schließen des Blockventils genügt.
  7. Nullpunkt prüfen: Bei Relativdruck nur bei eindeutig hergestellter Referenzbedingung bewerten.
  8. Prüfgerät anschließen: Nur an den dafür vorgesehenen und druckfreien Prüfanschluss.
  9. Prüfkonfiguration herstellen: Prozess weiterhin sicher isoliert halten und Bleed-/Prüfweg korrekt schließen.
  10. Prüfdruck langsam aufbauen: Messpunkte entsprechend der Prüfvorschrift anfahren.
  11. Prüfdruck vollständig abbauen: Vor dem Trennen von Kalibrator oder Adapter.
  12. Prüfanschluss sichern: Ventile, Stopfen und Dichtungen ordnungsgemäß schließen.
  13. Bleed-Weg schließen: Vor dem erneuten Verbinden mit dem Prozess.
  14. Blockventil langsam öffnen: Druckstoß auf das Messgerät vermeiden.
  15. Messwert und Dichtheit prüfen: Erst danach die Messstelle wieder für den Betrieb freigeben.

Praxisbeispiel aus der Prozessanlage

An einer Prozessleitung befindet sich ein 0…40-bar-Drucktransmitter mit Block-and-Bleed-Ventil. Der normale Betriebsdruck liegt bei etwa 24 bar.

Bei einer Wartung soll geprüft werden, ob der Nullpunkt des Transmitters noch stimmt.

Der Techniker schließt das Blockventil und wartet einige Sekunden. Der Transmitter zeigt weiterhin 24 bar.

Zunächst wird vermutet, dass das Blockventil nicht funktioniert.

Tatsächlich ist dies jedoch zunächst normal: Der Druck zwischen geschlossenem Blockventil und Sensormembran wurde lediglich eingeschlossen.

Über den dafür vorgesehenen Bleed-Weg wird die Transmitterseite kontrolliert druckentlastet. Der Messwert fällt auf nahezu 0 bar relativ.

Das Bleed-Ventil wird anschließend geschlossen.

Nach kurzer Zeit steigt der angezeigte Druck jedoch langsam wieder an.

Damit entsteht ein neuer Verdacht: Über das geschlossene Blockventil könnte Prozessmedium in das kleine isolierte Prüfvolumen nachströmen.

Die Messstelle wird deshalb nicht einfach kalibriert. Zunächst werden Ventilzustand und interne Dichtheit entsprechend der vorgesehenen Wartungsprozedur geprüft.

Nach Austausch beziehungsweise Instandsetzung des Ventils bleibt der Druck auf der entlasteten Instrumentenseite stabil.

Nun wird ein Druckkalibrator am vorgesehenen Prüfanschluss angeschlossen. Mehrere Druckpunkte werden angefahren und das 4–20-mA-Signal des Transmitters mit der Referenz verglichen.

Nach Abschluss der Prüfung wird der Prüfdruck vollständig abgebaut, der Prüfanschluss wieder korrekt verschlossen und der Bleed-Weg geschlossen.

Anschließend wird das Blockventil langsam geöffnet.

Der Transmitter übernimmt wieder den Prozessdruck und die gesamte Messstelle wird auf Dichtheit kontrolliert.

Das Beispiel zeigt: Das Block-and-Bleed-Ventil ist nicht lediglich Zubehör. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Prüf- und Wartungskonzeptes einer Druckmessstelle.

Welche Produkte und Lösungen eignen sich?

WIKA IV2 – Block-and-Bleed-Ventil für einzelne Druckmessgeräte

Der WIKA Typ IV2 ist ein 2-fach-Ventilblock in Block-and-Bleed-Ausführung und eignet sich zur Absperrung und Entlüftung von Druckmessgeräten wie Manometern, Druckschaltern und Drucktransmittern.

Das Absperrventil trennt das Messgerät vom Prozess. Über das Entlüftungsventil kann die Instrumentenseite beispielsweise vor Wartung, Kalibrierung, Austausch oder Nullpunktprüfung kontrolliert entlastet werden.

Die kompakte Kombination reduziert gegenüber einem Aufbau aus mehreren einzelnen Fittings und Ventilen die Zahl der separat zu montierenden Komponenten.

Ventilblöcke und passende Ausführungen finden Sie unter Zubehör für Druckmessgeräte.

Manometerventile mit Prüfanschluss

Für Anwendungen, bei denen zusätzlich ein definierter Anschluss für ein Referenzmessgerät beziehungsweise einen Druckkalibrator benötigt wird, sind Manometerventile mit Prüfanschluss eine weitere Möglichkeit.

Solche Ventile können an Druckmessumformern, Druckschaltern oder Manometern eingesetzt werden und ermöglichen abhängig von der Ausführung den Anschluss einer Referenz beziehungsweise eines Prüfgerätes.

Bei der Auswahl muss geprüft werden, wie Prüfanschluss und Entlüftungsfunktion bei der konkreten Ventilausführung aufgebaut sind.

3- und 5-fach-Ventilblöcke für Differenzdrucktransmitter

Für Differenzdruckmessungen stehen 3- und 5-fach-Ventilblöcke zur Verfügung.

Sie kombinieren Absperr-, Equalize- und abhängig von der Ausführung Entlüftungs- beziehungsweise Prüffunktionen für die Hoch- und Niederdruckseite eines Differenzdrucktransmitters.

Diese Bauformen dürfen nicht mit einem einfachen Block-and-Bleed-Ventil für einen einzelnen Druckanschluss verwechselt werden.

Komplette Geräte-Hook-ups

Bei neuen Messstellen kann es sinnvoll sein, Drucktransmitter, Ventilblock, Adapter und weitere Komponenten bereits als abgestimmte Einheit auszulegen.

Ein solcher Geräte-Hook-up reduziert unnötige Adapter, vereinfacht die Montage und ermöglicht eine gemeinsame Prüfung der zusammengebauten Messstelle.

Gerade bei hohen Drücken, aggressiven Medien, Gasen oder Wasserstoff sollte bereits bei der Planung auf geeignete Werkstoffe, Dichtkonzepte, Prozessanschlüsse und möglichst wenige potenzielle Leckstellen geachtet werden.

Weitere Lösungen finden Sie unter Druckmesstechnik.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Drucktransmittern, Block-and-Bleed- und Double-Block-and-Bleed-Ventilen, Prüfanschlüssen sowie kompletten einbaufertigen Messgeräte-Hook-ups.

Fazit

Ein Block-and-Bleed-Ventil macht Wartung und Prüfung eines Drucktransmitters deutlich einfacher – vorausgesetzt, die einzelnen Ventilfunktionen werden richtig verstanden.

Das Blockventil trennt den Transmitter vom Prozess. Es macht die Instrumentenseite jedoch nicht automatisch drucklos. Der dort eingeschlossene Prozessdruck muss anschließend kontrolliert über die vorgesehene Bleed-Funktion abgebaut werden.

Gerade dieser Punkt ist für Arbeitssicherheit und Messqualität entscheidend.

Ein Nullpunkt darf erst bewertet werden, wenn tatsächlich die vorgesehene Druckreferenz am Sensor anliegt. Restdruck, Flüssigkeitssäulen oder ein intern undichtes Blockventil können andernfalls wie eine Sensorabweichung aussehen.

Für eine In-situ-Prüfung kann ein separater Prüfanschluss die Arbeit deutlich erleichtern. Wichtig ist jedoch, dass der Kalibrator ausschließlich auf das definierte Prüfvolumen wirkt und nicht unbeabsichtigt mit dem Prozess verbunden ist.

Bei der Wiederinbetriebnahme gilt das umgekehrte Prinzip: Bleed- und Prüfwege schließen und den Prozessdruck kontrolliert über das Blockventil auf das Messgerät aufschalten.

Eine fachgerecht ausgelegte Block-and-Bleed-Messstelle reduziert damit nicht nur Wartungsaufwand. Sie hilft auch, eingeschlossenen Druck, falsche Nullpunktbewertungen, unnötige Prozessöffnungen und typische Bedienfehler zu vermeiden.

Häufige Fragen zu Block-and-Bleed-Ventilen

Was bedeutet Block and Bleed bei einem Drucktransmitter?

Block bezeichnet die Absperrung des Drucktransmitters vom Prozess. Bleed bezeichnet die kontrollierte Druckentlastung der nach dem Absperren eingeschlossenen Instrumentenseite.

Ist der Drucktransmitter nach dem Schließen des Blockventils drucklos?

Nein. Zwischen Blockventil und Sensormembran kann weiterhin der vollständige zuvor anliegende Prozessdruck eingeschlossen sein. Die Instrumentenseite muss über die vorgesehene Bleed-Funktion kontrolliert entlastet werden.

Welche Ventile sind im normalen Betrieb geöffnet?

Bei einer klassischen Block-and-Bleed-Einzelmessstelle ist das Blockventil geöffnet und das Bleed-Ventil geschlossen.

Warum soll das Blockventil langsam geöffnet werden?

Nach einer Druckentlastung besteht möglicherweise ein großer Druckunterschied zwischen Prozess und Messgeräteseite. Langsames Öffnen reduziert den schnellen Druckausgleich und damit die dynamische Belastung des Messgerätes.

Kann ich über das Bleed-Ventil den Nullpunkt eines Drucktransmitters prüfen?

Bei einem Relativdrucktransmitter kann dies grundsätzlich möglich sein, wenn die Instrumentenseite vollständig und auf die korrekte Referenz druckentlastet wird. Bei Absolutdrucktransmittern entspricht Atmosphärendruck dagegen nicht dem Nullpunkt.

Woran erkenne ich ein undichtes Blockventil?

Ein Hinweis kann sein, dass der Druck nach dem Absperren, vollständigen Entlasten und erneuten Schließen des Bleed-Ventils auf der Instrumentenseite wieder ansteigt. Andere Einflüsse wie Temperaturänderungen müssen dabei ausgeschlossen werden.

Kann ich einen Druckkalibrator direkt am Prüfanschluss anschließen?

Ja, wenn der Anschluss ausdrücklich dafür vorgesehen ist und die Messstelle zuvor entsprechend dem vorgesehenen Verfahren sicher isoliert und druckentlastet wurde. Anschlussart, Druckbereich und Medium des Kalibrators müssen ebenfalls passen.

Was ist der Unterschied zwischen Block and Bleed und Double Block and Bleed?

Block and Bleed besitzt typischerweise eine Absperr- und eine Entlüftungsfunktion. Double Block and Bleed verwendet zwei Absperrfunktionen mit einer dazwischenliegenden Bleed-Funktion und bietet damit ein anderes Isolationskonzept.

Kann ein einfacher Block-and-Bleed-Ventilblock für einen Differenzdrucktransmitter verwendet werden?

Für einen typischen Differenzdrucktransmitter werden Hoch- und Niederdruckseite separat geführt. Hier kommen normalerweise 3- oder 5-fach-Ventilblöcke mit Absperr- und Equalize-Funktionen zum Einsatz.

Darf das Prozessmedium über den Bleed-Anschluss einfach in die Umgebung entlüftet werden?

Nicht grundsätzlich. Bei brennbaren, toxischen, korrosiven, heißen oder umweltgefährdenden Medien muss die Entlastung entsprechend dem Anlagen- und Sicherheitskonzept in einen dafür vorgesehenen sicheren Bereich beziehungsweise ein geeignetes Auffang- oder Rückführsystem erfolgen.

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