Temperaturschalter schaltet zu häufig: Hysterese, Totband und Einbauort richtig einstellen

Temperaturschalter mit Hysterese im Hydraulikaggregat – häufiges Schalten vermeiden
→ Produktkategorie: Temperaturschalter / Thermostate

 

Ein Lüfter schaltet ein, wenige Sekunden später wieder aus und kurz darauf erneut ein. Ein Kompressor startet und stoppt ständig, obwohl sich die Prozesstemperatur scheinbar kaum verändert. Oder ein Heizregister wird rund um den eingestellten Sollwert permanent ein- und ausgeschaltet.

Ein solches Takten bedeutet nicht automatisch, dass der Temperaturschalter defekt ist. Sehr häufig liegt die Ursache in einer zu kleinen Hysterese, einem ungünstig gewählten Schaltpunkt, einer ungeeigneten Fühlerposition oder einer nicht berücksichtigten thermischen Trägheit des Systems.

Die Folgen können erheblich sein: Relais und Schütze werden unnötig häufig betätigt, Verdichter und Motoren starten zu oft, Ventile verschleißen schneller und die Temperaturregelung wird instabil. Gleichzeitig kann ein zu großes Totband die Temperatur stärker schwanken lassen als für den Prozess zulässig.

Geeignete Geräte finden Sie unter Temperaturschalter / Thermostate. Weitere Lösungen zur industriellen Temperaturmessung sind unter Temperaturmesstechnik zusammengefasst.

Wie arbeitet ein Temperaturschalter?

Ein Temperaturschalter überwacht eine Temperatur und verändert beim Erreichen eines festgelegten Grenzwertes seinen elektrischen Schaltzustand.

Je nach Anwendung kann dadurch beispielsweise:

  • ein Lüfter eingeschaltet,
  • eine Heizung abgeschaltet,
  • ein Kühlaggregat gestartet,
  • ein Magnetventil betätigt,
  • eine Warnmeldung ausgelöst oder
  • eine Maschine bei Übertemperatur abgeschaltet

werden.

Die Temperatur, bei der der Ausgang seinen Zustand ändert, wird als Schaltpunkt bezeichnet.

Damit das angeschlossene Gerät nicht unmittelbar wieder zurückschaltet, sobald die Temperatur den Schaltpunkt geringfügig unterschreitet, gibt es einen zweiten Wert: den Rückschaltpunkt.

Die Differenz zwischen beiden Temperaturen ist für einen stabilen Betrieb entscheidend.

Was bedeuten Hysterese, Schaltdifferenz und Totband?

Bei Temperaturschaltern werden die Begriffe Hysterese und Schaltdifferenz häufig für die Differenz zwischen Schaltpunkt und Rückschaltpunkt verwendet.

Vereinfacht gilt:

Hysterese = |Schaltpunkt − Rückschaltpunkt|

Ein Beispiel:

Ein Lüfter soll bei 80 °C eingeschaltet werden und nach dem Abkühlen bei 75 °C wieder ausschalten.

Dann beträgt die Hysterese:

80 °C − 75 °C = 5 K

Zwischen 75 und 80 °C bleibt der zuletzt erreichte Schaltzustand erhalten.

Auch der Begriff Totband wird bei Schaltern häufig in diesem Zusammenhang verwendet. In komplexeren Reglern kann „Totband“ jedoch auch eine neutrale Zone zwischen zwei getrennten Regelaktionen – beispielsweise Heizen und Kühlen – bezeichnen. Deshalb sollte bei einer Parametrierung immer geprüft werden, wie der jeweilige Gerätehersteller den Begriff verwendet.

Warum verhindert Hysterese häufiges Schalten?

Angenommen, ein Lüfter soll einen Hydrauliktank auf ungefähr 60 °C begrenzen.

Würde der Lüfter bei exakt 60,0 °C einschalten und bereits bei 59,9 °C wieder ausschalten, könnte Folgendes passieren:

  1. Temperatur erreicht 60,0 °C.
  2. Lüfter schaltet ein.
  3. Temperatur fällt geringfügig auf 59,9 °C.
  4. Lüfter schaltet wieder aus.
  5. Durch die weiterhin vorhandene Verlustwärme steigt die Temperatur erneut.
  6. Der Lüfter startet wieder.

Dieser Vorgang kann sich ständig wiederholen.

Wird dagegen beispielsweise bei 60 °C eingeschaltet und erst bei 55 °C wieder ausgeschaltet, muss sich die Temperatur deutlich verändern, bevor ein neuer Schaltvorgang erfolgt.

Die Regelung wird dadurch ruhiger und die Zahl der Schaltzyklen sinkt.

Was passiert bei zu kleiner Hysterese?

Eine sehr kleine Schaltdifferenz erscheint zunächst attraktiv, weil die Temperatur dadurch scheinbar besonders exakt um einen Sollwert gehalten wird.

In einer realen Anlage können jedoch bereits kleinste normale Temperaturschwankungen einen neuen Schaltvorgang auslösen.

Typische Folgen sind:

  • häufiges Ein- und Ausschalten,
  • Relais- oder Schützverschleiß,
  • häufige Verdichterstarts,
  • unruhige Ventilansteuerung,
  • schwankende Prozesszustände,
  • erhöhter mechanischer Verschleiß und
  • unnötig viele Schaltmeldungen in SPS oder Leitsystem.

Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass eine Temperatur niemals vollkommen konstant ist. Strömungsänderungen, Lastwechsel, Mischvorgänge und die Messunsicherheit des Sensors erzeugen bereits kleine Schwankungen.

Die Hysterese sollte deshalb größer sein als die normalen kurzfristigen Schwankungen, die nicht tatsächlich einen neuen Betriebszustand auslösen sollen.

Kann die Hysterese auch zu groß sein?

Ja. Eine große Hysterese reduziert zwar die Schalthäufigkeit, führt aber gleichzeitig zu einer größeren Temperaturspanne.

Beispielsweise:

Eine Heizung schaltet bei 40 °C ein und erst bei 60 °C wieder aus.

Die Hysterese beträgt 20 K. Das System schaltet dadurch vergleichsweise selten, die Prozesstemperatur schwankt jedoch innerhalb eines großen Bereiches.

Bei einem einfachen Frostschutz oder einer robusten Maschinenkühlung kann ein größeres Totband akzeptabel sein. Bei temperaturkritischen Produktionsprozessen kann dieselbe Einstellung ungeeignet sein.

Die richtige Hysterese ist daher immer ein Kompromiss zwischen:

  • Temperaturstabilität,
  • Schalthäufigkeit,
  • thermischer Dynamik und
  • Belastbarkeit der angeschlossenen Aktoren.

Warum ist der Einbauort des Fühlers so wichtig?

Selbst eine korrekt eingestellte Hysterese funktioniert schlecht, wenn der Temperaturfühler an einer ungeeigneten Stelle montiert ist.

Ein typisches Beispiel ist ein Kühlaggregat.

Befindet sich der Fühler unmittelbar im kalten Luftstrom des Verdampfers, sinkt seine gemessene Temperatur kurz nach dem Einschalten der Kühlung sehr schnell. Der Thermostat geht davon aus, dass der gesamte zu kühlende Bereich bereits kalt genug ist und schaltet die Kühlung wieder ab.

Kurz nach dem Abschalten verschwindet der kalte Luftstrom. Der Fühler erwärmt sich wieder und der Verdichter startet erneut.

Die tatsächliche Raum- oder Produkttemperatur hat sich dabei möglicherweise kaum verändert.

Eine ähnliche Problematik entsteht bei Heizungen, wenn ein Fühler unmittelbar neben dem Heizelement sitzt. Er erkennt lokal sehr schnell eine hohe Temperatur, obwohl der übrige Prozess noch deutlich kälter ist.

Die Messstelle sollte deshalb möglichst die Temperatur erfassen, die tatsächlich geregelt beziehungsweise überwacht werden soll.

Thermische Trägheit und Nachheizen berücksichtigen

Ein Temperaturschalter kann die thermische Energie eines Systems nicht augenblicklich stoppen.

Wird eine Heizung bei 80 °C ausgeschaltet, können Heizelement, Rohrwand oder Wärmetauscher noch erhebliche Wärme gespeichert haben. Die Prozesstemperatur steigt deshalb möglicherweise nach dem Abschalten zunächst weiter.

Dieses Verhalten wird häufig als thermisches Nachlaufen beziehungsweise Überschwingen wahrgenommen.

Bei Kühlanlagen tritt der umgekehrte Effekt auf: Auch nach dem Abschalten eines Verdichters oder Ventils kann noch Kälteleistung im System vorhanden sein.

Bei der Wahl des Schaltpunktes muss daher berücksichtigt werden:

  • Wie schnell wird Wärme oder Kälte eingebracht?
  • Wie groß ist die thermische Masse?
  • Wie schnell reagiert der Fühler?
  • Wie weit läuft die Temperatur nach dem Schalten noch nach?

Eine Hysterese allein kann einen grundsätzlich schlecht abgestimmten thermischen Prozess nicht kompensieren.

Ansprechzeit des Temperaturfühlers beachten

Auch der Temperaturfühler selbst besitzt eine thermische Trägheit.

Ein kleiner direkt angeströmter Fühler reagiert wesentlich schneller als ein massiver Temperaturfühler in einer dicken Schutz- oder Tauchhülse.

Je langsamer der Sensor reagiert, desto später erkennt der Temperaturschalter eine tatsächliche Prozessänderung.

Das kann dazu führen, dass die reale Temperatur den vorgesehenen Schaltpunkt bereits deutlich überschritten hat, bevor der Fühler diesen Wert erfasst.

Bei schnellen Prozessen sollte deshalb neben Messbereich und Genauigkeit auch die Ansprechzeit der kompletten Messstelle berücksichtigt werden.

Dazu gehören Sensor, Schutzrohr, Wärmeübergang und Einbausituation.

Kontaktbelastung und Relaisverschleiß

Häufiges Schalten ist besonders problematisch, wenn der Temperaturschalter eine elektrische Last direkt schaltet.

Mechanische Kontakte besitzen nur eine begrenzte elektrische und mechanische Lebensdauer.

Besonders belastend sind Verbraucher mit hohen Einschaltströmen, beispielsweise:

  • Motoren,
  • Kompressoren,
  • Transformatoren,
  • Magnetventile und
  • bestimmte Heizlasten.

Beim Schalten können Kontaktabbrand und Lichtbögen entstehen.

Die zulässige Schaltleistung darf daher nicht ausschließlich anhand des normalen Betriebsstroms beurteilt werden. Spannung, Strom, Lastart sowie Herstellerangaben zum Schaltkontakt müssen berücksichtigt werden.

Bei größeren Lasten ist es häufig sinnvoll, dass der Temperaturschalter lediglich ein Schütz, Relais oder einen SPS-Eingang ansteuert und die eigentliche Leistung separat geschaltet wird.

Mindestlauf- und Mindeststillstandszeiten

Bei bestimmten Maschinen reicht eine geeignete Temperaturhysterese allein nicht aus.

Ein typisches Beispiel ist ein Verdichter.

Auch wenn die Temperatur bereits wieder einen Einschaltpunkt erreicht hat, kann ein unmittelbarer Neustart technisch unerwünscht sein. In solchen Anwendungen werden häufig zusätzliche Mindeststillstandszeiten vorgesehen.

Umgekehrt kann eine Mindestlaufzeit verhindern, dass eine Maschine nur wenige Sekunden nach dem Start wieder abgeschaltet wird.

Diese Zeitfunktionen werden normalerweise nicht durch einen einfachen mechanischen Thermostat bereitgestellt, sondern durch:

  • elektronische Steuerungen,
  • Zeitrelais,
  • SPS-Programme oder
  • entsprechend parametrierbare Regler.

Bei dauerhaft taktenden Verdichtern sollte deshalb nicht automatisch nur die Hysterese vergrößert werden. Auch die vorgesehene Start-/Stopp-Logik muss geprüft werden.

Heizen und Kühlen richtig schalten

Bei einfachen Anwendungen wird entweder geheizt oder gekühlt.

Komplexer wird es, wenn beide Funktionen vorhanden sind.

Beispielsweise soll ein Schaltschrank bei niedriger Temperatur beheizt und bei hoher Temperatur belüftet werden.

Eine mögliche Strategie wäre:

  • Heizung EIN unter 10 °C,
  • Heizung AUS bei 15 °C,
  • Lüfter EIN über 35 °C,
  • Lüfter AUS bei 30 °C.

Zwischen 15 und 30 °C sind beide Ausgänge ausgeschaltet.

Dieser neutrale Temperaturbereich wird in Reglern teilweise ebenfalls als Totband bezeichnet.

Besonders wichtig ist, dass sich Heiz- und Kühlfunktion nicht gegenseitig beeinflussen. Eine falsch konfigurierte Regelung kann sonst dazu führen, dass unmittelbar nach dem Abschalten der Heizung bereits die Kühlung startet.

Messwertschwankungen und elektrische Störungen

Ein elektronischer Temperaturschalter kann auch durch ein unruhiges Eingangssignal häufig schalten.

Ursachen können beispielsweise sein:

  • elektromagnetische Störungen,
  • schlechte elektrische Kontakte,
  • beschädigte Fühlerleitungen,
  • ungeeignete Leitungsführung,
  • stark schwankende Strömungsverhältnisse oder
  • ein tatsächlich instabiler Prozess.

Vor einer starken Vergrößerung der Hysterese sollte deshalb geprüft werden, ob die gemessene Temperatur tatsächlich schwankt.

Ein zusätzlicher Temperaturdatenlogger kann hierbei hilfreich sein. Wird die Temperatur über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet, lässt sich erkennen, ob das Schalten dem realen Prozess folgt oder lediglich durch die Mess- beziehungsweise Schaltkette verursacht wird.

Regelthermostat und Sicherheitstemperaturbegrenzer unterscheiden

Nicht jeder Temperaturschalter ist für eine normale zyklische Temperaturregelung vorgesehen.

Ein Regelthermostat kann beispielsweise einen Lüfter oder eine Heizung regelmäßig ein- und ausschalten.

Ein Sicherheitstemperaturbegrenzer erfüllt dagegen eine Schutzfunktion. Er soll bei einer unzulässigen Temperatur einen sicheren Zustand herbeiführen.

Bei bestimmten Ausführungen ist nach dem Ansprechen eine manuelle Rückstellung erforderlich. Ein solcher Begrenzer darf nicht einfach als normaler Zweipunktregler behandelt werden.

Wenn ein Sicherheitstemperaturbegrenzer wiederholt auslöst, sollte deshalb die Ursache im Prozess untersucht werden.

Das bloße Verändern des Grenzwertes oder Umgehen der Abschaltung wäre keine geeignete Lösung für ein häufiges Ansprechen einer Sicherheitseinrichtung.

Typische Fehlerbilder

Beobachtung Mögliche Ursache Sinnvolle Prüfung
Schalter wechselt ständig unmittelbar am Sollwert Hysterese zu klein Schalt- und Rückschaltpunkt prüfen
Kühlung startet und stoppt innerhalb weniger Sekunden Fühler unmittelbar im kalten Luftstrom Einbauort des Sensors überprüfen
Heizung schaltet sehr früh ab Fühler zu nah am Heizelement Repräsentativere Messstelle wählen
Temperatur überschwingt nach dem Abschalten Thermische Trägheit beziehungsweise gespeicherte Wärme Schaltpunkt und Prozessdynamik überprüfen
Relais fällt nach kurzer Betriebszeit aus Zu hohe Schalthäufigkeit oder ungeeignete Kontaktbelastung Schaltzyklen, Lastart und Schaltleistung prüfen
Schalter reagiert deutlich später als Referenzfühler Langsame thermische Ansprechzeit Sensorbauform und Einbausituation prüfen
Elektronischer Schalter flattert trotz stabiler Prozesstemperatur Elektrisches Störsignal möglich Sensorleitung und Messsignal kontrollieren
Sicherheitstemperaturbegrenzer löst wiederholt aus Tatsächliche Übertemperatur oder Fehler im Regelkreis Ursache der Übertemperatur untersuchen

Empfohlenes Vorgehen bei der Einstellung

  1. Regelaufgabe festlegen: Soll geheizt, gekühlt, alarmiert oder sicher abgeschaltet werden?
  2. Gewünschten Schaltpunkt bestimmen: Festlegen, bei welcher tatsächlichen Prozesstemperatur die Aktion beginnen soll.
  3. Rückschaltpunkt definieren: Festlegen, wie weit sich die Temperatur ändern muss, bevor zurückgeschaltet wird.
  4. Prozessschwankungen berücksichtigen: Normale kurzfristige Temperaturänderungen dürfen nicht permanent Schaltvorgänge auslösen.
  5. Thermische Trägheit prüfen: Nachheizen beziehungsweise Nachkühlen berücksichtigen.
  6. Fühlerposition kontrollieren: Der Sensor sollte die relevante Prozesstemperatur und nicht nur einen lokalen Extremwert erfassen.
  7. Aktordynamik berücksichtigen: Verdichter, Motoren und Ventile dürfen nicht beliebig häufig geschaltet werden.
  8. Kontaktbelastung prüfen: Schaltleistung und Lastart mit den Herstellerdaten vergleichen.
  9. Probezyklus durchführen: Anlage mehrfach über Schalt- und Rückschaltpunkt fahren.
  10. Schalthäufigkeit beobachten: Nicht nur einen einzelnen Schaltvorgang prüfen, sondern den realen Betrieb über längere Zeit.

Schalt- und Rückschaltpunkt richtig prüfen

Bei einem Temperaturschalter sollten Schaltpunkt und Rückschaltpunkt getrennt geprüft werden.

Dazu wird die Temperatur kontrolliert in Richtung des Schaltpunktes verändert.

Beim tatsächlichen Wechsel des Kontaktes wird die Temperatur dokumentiert.

Anschließend wird die Temperatur in die Gegenrichtung verändert, bis der Schalter wieder in seinen Ausgangszustand zurückkehrt.

Aus beiden Temperaturen lässt sich die tatsächliche Hysterese bestimmen.

Beispiel:

Messgröße Temperatur
Schaltpunkt 80,3 °C
Rückschaltpunkt 75,1 °C
Tatsächliche Hysterese 5,2 K

Wichtig ist, die Temperatur nicht zu schnell zu verändern. Andernfalls können die thermische Trägheit von Referenzfühler und Prüfling sowie unterschiedliche Fühlerpositionen das Ergebnis verfälschen.

Bei sicherheits- oder qualitätsrelevanten Temperaturschaltern sollte die Prüfung entsprechend der vorgesehenen Prüfvorschrift beziehungsweise Kalibrieranforderung durchgeführt und dokumentiert werden.

Praxisbeispiel an einem Kühlaggregat

Ein industrielles Hydraulikaggregat besitzt einen Temperaturschalter zur Steuerung des Ölkühlers.

Der Lüfter soll verhindern, dass die Öltemperatur dauerhaft über 60 °C steigt.

Nach einer Änderung der Anlagenparametrierung fällt auf, dass der Lüfter teilweise mehrmals innerhalb weniger Minuten ein- und ausschaltet.

Eine Kontrolle zeigt zunächst keinen Defekt des Temperaturschalters.

Der Schaltpunkt liegt bei 60 °C, der Rückschaltpunkt wurde jedoch auf 59 °C eingestellt. Gleichzeitig befindet sich der Fühler unmittelbar hinter dem Ölkühler.

Beim Einschalten des Lüfters strömt dort sehr schnell kühleres Öl vorbei. Der Sensor erkennt innerhalb kurzer Zeit einen Temperaturabfall und schaltet den Lüfter wieder aus.

Die mittlere Öltemperatur im Behälter hat sich zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum verändert.

Nach Prüfung des gesamten Systems werden zwei Änderungen vorgenommen:

Der Fühler wird an einer Position angeordnet, die die relevante Öltemperatur besser repräsentiert. Gleichzeitig wird der Rückschaltpunkt so gewählt, dass eine ausreichend große Hysterese zwischen Ein- und Ausschalten entsteht.

Danach läuft der Lüfter jeweils deutlich länger, die Zahl der Starts sinkt und die mittlere Öltemperatur bleibt trotzdem innerhalb des gewünschten Bereiches.

Das Beispiel zeigt: Ein häufig schaltender Temperaturschalter muss nicht falsch messen. Auch ein korrekt arbeitender Schalter kann durch eine ungünstige Parametrierung oder Fühlerposition einen instabilen Anlagenbetrieb erzeugen.

Welche Produkte und Lösungen eignen sich?

WIKA TSD-30 – elektronischer Temperaturschalter mit Anzeige

Der WIKA TSD-30 eignet sich besonders für Maschinen- und Anlagenanwendungen, in denen Temperaturwerte direkt angezeigt und Schaltfunktionen elektronisch ausgewertet werden sollen.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Werkzeugmaschinen,
  • Hydraulikaggregate,
  • Kühl- und Schmiersysteme sowie
  • allgemeiner Maschinenbau.

Die lokale Anzeige erleichtert bei einer Fehlersuche den Vergleich zwischen aktueller Temperatur und Schaltzustand.

Elektronische Temperaturschalter sind insbesondere dort interessant, wo eine flexible Parametrierung und Integration in eine Maschinensteuerung benötigt wird.

WIKA TCS – mechanischer Kompakt-Temperaturschalter

Der WIKA TCS ist ein mechanischer Kompakt-Temperaturschalter für industrielle Prozessanwendungen.

Ein wesentlicher Unterschied zu elektronischen Schaltern besteht darin, dass bei mechanischen Schaltern die Schaltdifferenz konstruktiv vom verwendeten Schaltelement beeinflusst wird und nicht automatisch frei über ein Menü parametriert werden kann.

Bei der Auswahl sollte deshalb bereits vor der Bestellung geprüft werden, ob Schaltpunkt, Rückschaltverhalten und Kontaktbelastung zur Anwendung passen.

STW / STB Anlege-Sicherheitsthermostate

Die STW / STB Anlege-Sicherheitsthermostate zeigen einen weiteren wichtigen Unterschied: Für bestimmte Überwachungs- und Sicherheitsaufgaben ist die Schaltdifferenz bewusst durch die Gerätekonstruktion vorgegeben.

Solche Geräte sollten nicht allein unter dem Gesichtspunkt einer möglichst engen Temperaturregelung ausgewählt werden. Entscheidend ist ihre vorgesehene Überwachungs- beziehungsweise Sicherheitsfunktion.

Weitere elektronische und mechanische Ausführungen finden Sie unter Temperaturschalter / Thermostate.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Messbereich, Schaltfunktion, Hysterese, Fühlerausführung, Prozessanschluss und elektrischer Kontaktbelastung sowie bei der Auslegung kompletter Temperaturüberwachungen.

Fazit

Wenn ein Temperaturschalter ständig ein- und ausschaltet, ist der Schalter selbst häufig nicht die eigentliche Ursache.

Eine zu kleine Hysterese führt dazu, dass bereits geringe normale Temperaturschwankungen neue Schaltvorgänge auslösen. Dadurch entstehen unnötige Schaltzyklen und damit Belastungen für Relais, Schütze, Verdichter, Motoren und Ventile.

Ein zu großes Totband ist jedoch ebenfalls nicht optimal, weil dadurch größere Temperaturschwankungen entstehen.

Neben der Einstellung ist der Einbauort des Temperaturfühlers entscheidend. Ein Fühler unmittelbar neben einem Heizregister oder direkt im kalten Luftstrom eines Verdampfers kann lokale Temperaturänderungen erfassen, die für den eigentlichen Prozess nicht repräsentativ sind.

Auch thermische Trägheit, Nachheizen beziehungsweise Nachkühlen und die Ansprechzeit des Sensors müssen berücksichtigt werden.

Bei Maschinen mit empfindlichen Start-/Stopp-Bedingungen kann zusätzlich zur Hysterese eine Mindestlauf- oder Mindeststillstandszeit erforderlich sein.

Die zuverlässigste Einstellung entsteht daher nicht durch einen möglichst engen Temperaturbereich, sondern durch eine Hysterese und Sensorposition, die zur tatsächlichen Dynamik der Anlage passen.

Häufige Fragen zu Hysterese und Temperaturschaltern

Was ist die Hysterese eines Temperaturschalters?

Die Hysterese ist die Differenz zwischen Schaltpunkt und Rückschaltpunkt. Sie verhindert, dass der Schalter bei kleinsten Temperaturänderungen unmittelbar wieder zurückschaltet.

Was ist der Unterschied zwischen Hysterese und Totband?

Bei einfachen Temperaturschaltern werden die Begriffe häufig ähnlich verwendet. Bei komplexeren Reglern kann das Totband jedoch auch einen neutralen Bereich zwischen zwei Regelaktionen wie Heizen und Kühlen bezeichnen. Maßgeblich ist deshalb die Definition des jeweiligen Geräteherstellers.

Warum schaltet mein Thermostat ständig ein und aus?

Häufige Ursachen sind eine zu kleine Hysterese, ein ungünstiger Fühlerstandort, eine stark schwankende Prozesstemperatur oder ein elektrisches beziehungsweise messtechnisches Störsignal.

Hilft es immer, die Hysterese zu vergrößern?

Nein. Eine größere Hysterese reduziert zwar die Schalthäufigkeit, erhöht aber gleichzeitig die Temperaturspanne zwischen Ein- und Ausschalten. Die Einstellung muss zur zulässigen Prozessschwankung passen.

Warum ist der Fühlerstandort so wichtig?

Der Sensor sollte möglichst die für den Prozess relevante Temperatur erfassen. Befindet er sich unmittelbar an einer Heiz- oder Kühlquelle, kann er deutlich schneller reagieren als der restliche Prozess und dadurch unnötige Schaltzyklen verursachen.

Was bedeutet Rückschaltpunkt?

Der Rückschaltpunkt ist die Temperatur, bei der der Schalter nach dem vorherigen Schaltvorgang wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt.

Kann häufiges Schalten einen Temperaturschalter beschädigen?

Bei mechanischen Kontakten erhöht jeder Schaltvorgang den elektrischen und mechanischen Verschleiß. Besonders bei hohen Einschaltströmen oder induktiven Lasten kann eine hohe Schalthäufigkeit die Lebensdauer deutlich beeinflussen.

Sollte ein Temperaturschalter einen Motor direkt schalten?

Das hängt von der zulässigen Kontaktbelastung und der konkreten Last ab. Bei größeren Motoren oder hohen Einschaltströmen wird häufig ein Schütz oder Relais zwischengeschaltet.

Warum überschreitet die Temperatur den Schaltpunkt noch nach dem Abschalten der Heizung?

Heizelement, Rohrwand oder Prozessmedium können gespeicherte Wärme enthalten. Deshalb kann die Temperatur trotz abgeschalteter Heizung zunächst weiter steigen. Diese thermische Trägheit muss bei der Festlegung des Schaltpunktes berücksichtigt werden.

Ist ein Sicherheitstemperaturbegrenzer dasselbe wie ein normaler Thermostat?

Nein. Ein Sicherheitstemperaturbegrenzer erfüllt eine Schutzfunktion und kann je nach Ausführung eine manuelle Rückstellung verlangen. Er sollte nicht als normaler zyklischer Temperaturregler verwendet werden.

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