Hydrantenprüfung richtig durchführen: Ruhedruck, Fließdruck und verfügbare Wassermenge bewerten

Hydrantenprüfung am Unterflurhydranten – Ruhedruck, Fließdruck und Durchfluss messen
→ Produktkategorie: Hydrantenprüfgeräte / Hydrantentester

 

Ein Hydrant zeigt im geschlossenen Zustand einen scheinbar guten Druck von beispielsweise 5 oder 6 bar. Wird anschließend jedoch eine größere Wassermenge entnommen, fällt der Druck deutlich ab. Genau hier zeigt sich, warum eine reine Ruhedruckmessung für die Beurteilung einer Löschwasserentnahmestelle nicht ausreicht.

Für eine aussagekräftige Hydrantenprüfung müssen mindestens zwei Betriebszustände unterschieden werden: der Druck ohne Entnahme und der Druck während einer definierten Wasserentnahme. Zusätzlich muss bekannt sein, welcher Volumenstrom bei diesem Fließdruck tatsächlich zur Verfügung steht.

Erst die Kombination aus Ruhedruck, Fließdruck und Durchfluss ermöglicht eine belastbare Beurteilung der hydraulischen Leistungsfähigkeit am Messpunkt.

Dabei ist wichtig: Ein Hydrantentest liefert zunächst das Verhalten des Netzes unter den tatsächlich hergestellten Prüfbedingungen. Ob die gemessenen Werte ausreichend sind, muss anschließend mit den für die konkrete Anlage geltenden Anforderungen, Planungswerten beziehungsweise Vorgaben des Betreibers oder Wasserversorgers verglichen werden.

Geeignete Messgeräte finden Sie unter Hydrantenprüfgeräte / Hydrantentester. Weitere Lösungen zur industriellen Durchflussmessung sind unter Durchflussmesstechnik zusammengefasst.

Was wird bei einer Hydrantenprüfung eigentlich geprüft?

Bei einer Hydrantenprüfung soll nicht nur festgestellt werden, ob Wasser aus dem Hydranten austritt.

Für die hydraulische Bewertung ist entscheidend, welche Wassermenge unter definierten Bedingungen tatsächlich entnommen werden kann und welcher Druck dabei noch zur Verfügung steht.

Typischerweise werden deshalb drei Größen betrachtet:

  • Ruhedruck: Druck am Hydranten ohne Wasserentnahme über die Prüfeinrichtung.
  • Fließdruck: Druck am Messpunkt während einer definierten Wasserentnahme.
  • Volumenstrom: tatsächlich abgegebene Wassermenge, beispielsweise in l/min oder m³/h.

Diese Werte sollten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.

Ein hoher Ruhedruck kann beispielsweise gleichzeitig mit einem starken Druckabfall bei größerer Entnahme auftreten.

Was bedeutet Ruhedruck?

Der Ruhedruck wird erfasst, wenn über den geprüften Hydranten beziehungsweise die Prüfeinrichtung kein Wasser abgegeben wird.

Er beschreibt den an dieser Stelle momentan vorhandenen Netzdruck unter den aktuellen Betriebsbedingungen.

Der Ruhedruck ist ein wichtiger Ausgangswert, sagt allein jedoch wenig darüber aus, wie leistungsfähig die Wasserversorgung bei größerer Entnahme ist.

Beispielsweise können sowohl ein leistungsfähiges als auch ein hydraulisch ungünstiges Leitungsnetz im Ruhezustand 5 bar anzeigen.

Erst wenn Wasser entnommen wird, werden Druckverluste in Rohrleitungen, Armaturen und vorgelagerten Netzabschnitten sichtbar.

Außerdem sollte der Begriff Ruhedruck nicht mit einem vollkommen unbeeinflussten Netzzustand gleichgesetzt werden. Während der Messung können an anderen Stellen des Versorgungsnetzes weiterhin Verbraucher Wasser entnehmen.

Was bedeutet Fließdruck?

Der Fließdruck ist der Druck, der während einer Wasserentnahme am definierten Messpunkt anliegt.

Er muss deshalb immer zusammen mit dem zugehörigen Durchfluss betrachtet werden.

Die Angabe:

„Fließdruck 3,0 bar“

ist ohne die gleichzeitig abgegebene Wassermenge nur eingeschränkt aussagekräftig.

Wesentlich hilfreicher ist beispielsweise:

1.500 l/min bei 3,0 bar Fließdruck.

Erhöht man die Wasserentnahme, sinkt der Fließdruck normalerweise weiter ab. Wie stark dieser Druckabfall ausfällt, hängt unter anderem von Rohrnetz, Leitungsquerschnitten, Leitungslängen, Armaturen, Pumpen und der aktuellen Netzbelastung ab.

Warum der Durchfluss entscheidend ist

Bei einer Löschwasserentnahmestelle interessiert letztlich nicht nur der vorhandene Druck, sondern vor allem die tatsächlich verfügbare Wassermenge.

Der Volumenstrom beschreibt, wie viel Wasser pro Zeiteinheit abgegeben wird.

Typische Einheiten sind:

  • l/min,
  • l/s und
  • m³/h.

Eine belastbare Aussage über die Leistungsfähigkeit sollte deshalb immer Druck und Volumenstrom miteinander verknüpfen.

Ein Hydrant, der bei kleiner Entnahme noch einen hohen Druck aufweist, kann bei größerer Wasserabgabe deutlich einbrechen.

Umgekehrt kann ein niedrigerer Ruhedruck durchaus mit einer guten verfügbaren Wassermenge verbunden sein, wenn das vorgelagerte Leitungsnetz ausreichend dimensioniert ist.

Ruhedruck, Fließdruck und Durchfluss gemeinsam bewerten

Vereinfacht lässt sich die Hydrantenprüfung als Belastungsversuch betrachten.

Ohne Entnahme wird zunächst der Ausgangsdruck erfasst.

Anschließend wird der Hydrant belastet, indem eine definierte Wassermenge abgegeben wird.

Mit zunehmendem Durchfluss steigt der hydraulische Druckverlust im System.

Eine Messreihe könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen:

Betriebszustand Durchfluss Druck am Messpunkt
Keine Entnahme 0 l/min 5,8 bar
Entnahme 1 1.000 l/min 4,3 bar
Entnahme 2 1.500 l/min 3,4 bar
Entnahme 3 2.000 l/min 2,3 bar

Die Zahlen dienen nur als Beispiel. Sie zeigen jedoch deutlich, warum der einzelne Wert „Ruhedruck 5,8 bar“ die verfügbare Löschwasserleistung nicht beschreibt.

Ob beispielsweise 2.000 l/min bei 2,3 bar ausreichend sind, kann nur anhand der für das konkrete Objekt beziehungsweise Netz festgelegten Anforderungen beurteilt werden.

Typischer Messaufbau

Für eine reproduzierbare Hydrantenprüfung wird eine definierte Messstrecke benötigt.

Je nach Prüfgerät kann sie beispielsweise bestehen aus:

  • Über- oder Unterflurhydrant,
  • gegebenenfalls Standrohr,
  • passender Kupplung beziehungsweise Adapter,
  • Hydrantenprüfgerät,
  • Druckmessung,
  • Durchflussmessung,
  • Absperr- beziehungsweise Regelarmatur und
  • definierter Wasserableitung.

Entscheidend ist, dass das eingesetzte Prüfgerät zum erwarteten Druck, Durchfluss und Anschluss des Hydranten passt.

Auch die Ableitung der teilweise erheblichen Wassermenge muss bereits vor Beginn der Prüfung geplant werden.

Messung richtig vorbereiten

Vor der eigentlichen Messung sollte der Prüfaufbau vollständig vorbereitet werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Hydrant eindeutig identifizieren,
  • Zustand des Hydranten visuell kontrollieren,
  • passende Kupplungen und Dichtungen prüfen,
  • Messgerät auf Beschädigungen kontrollieren,
  • Messbereiche überprüfen,
  • Wasserableitung festlegen,
  • Gefahrenbereich durch austretendes Wasser berücksichtigen und
  • gegebenenfalls erforderliche betriebliche Freigaben einholen.

Ein leistungsfähiger Hydrant kann innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen abgeben. Die Ausströmrichtung darf deshalb nicht erst nach dem Öffnen festgelegt werden.

Auch lose Schläuche oder nicht ausreichend gesicherte Armaturen können bei hohem Durchfluss erhebliche Kräfte aufnehmen.

Messstrecke füllen und entlüften

Nach der Montage sollte die Messstrecke kontrolliert mit Wasser gefüllt werden.

Armaturen werden dabei nicht schlagartig geöffnet.

Je nach Aufbau können sich zunächst Luftpolster in Messgerät, Schläuchen oder höher liegenden Bereichen befinden.

Eingeschlossene Luft kann eine stabile Druckmessung erschweren und beim schnellen Druckaufbau zusätzliche dynamische Effekte verursachen.

Die Messstrecke sollte deshalb entsprechend der Bedienungsanleitung des Prüfgerätes vollständig gefüllt und gegebenenfalls entlüftet werden.

Erst danach sollte die eigentliche Messreihe beginnen.

Ruhedruck richtig messen

Für die Ruhedruckmessung muss der Hydrant mit dem Messgerät hydraulisch verbunden sein, während über den Prüfausgang keine beziehungsweise die für das Prüfverfahren vorgesehene Wasserentnahme erfolgt.

Nach dem Druckaufbau sollte gewartet werden, bis sich die Anzeige ausreichend stabilisiert hat.

Dokumentiert werden sollten mindestens:

  • Ruhedruck,
  • Datum und Uhrzeit,
  • Hydranten-ID beziehungsweise Standort und
  • gegebenenfalls besondere Netz- oder Anlagenzustände.

Der Zeitpunkt ist relevant, weil die Netzbelastung zu unterschiedlichen Tageszeiten variieren kann.

Fließdruck und Durchfluss messen

Nach der Ruhedruckmessung wird eine definierte Wasserentnahme hergestellt.

Die Öffnung sollte kontrolliert erfolgen, damit keine unnötigen Druckstöße entstehen.

Während der Wasserabgabe werden gleichzeitig erfasst:

  • Volumenstrom und
  • zugehöriger Fließdruck.

Die Werte sollten erst dokumentiert werden, wenn sich ein ausreichend stabiler Betriebszustand eingestellt hat.

Je nach Prüfziel kann es sinnvoll sein, mehrere Belastungspunkte anzufahren.

Dadurch lässt sich erkennen, wie stark der Druck mit zunehmender Wasserentnahme abfällt.

Eine solche Messreihe ist wesentlich aussagekräftiger als nur ein einzelner Fließwert.

Gleichzeitige Wasserentnahme berücksichtigen

Bei bestimmten Versorgungs- oder Brandschutzkonzepten reicht es nicht aus, nur einen einzelnen Hydranten isoliert zu betrachten.

Entscheidend kann sein, welche Wassermenge bei gleichzeitiger Entnahme an mehreren Stellen zur Verfügung steht.

Ein Hydrant kann allein beispielsweise gute Werte erreichen, während bei zusätzlicher Entnahme an einem zweiten Hydranten der Fließdruck deutlich stärker abfällt.

Solche Tests müssen gezielt geplant werden.

Dabei sollte klar definiert sein:

  • welche Hydranten gleichzeitig geöffnet werden,
  • an welcher Stelle Druck gemessen wird,
  • welche Durchflüsse an den einzelnen Entnahmestellen auftreten und
  • welcher Netzzustand beurteilt werden soll.

Ein Mehrhydrantentest ist damit nicht einfach die Wiederholung mehrerer Einzelprüfungen, sondern eine definierte Belastung des Versorgungsnetzes.

Schläuche, Armaturen und Druckverluste

Auch der Prüfaufbau selbst verursacht Druckverluste.

Lange Schläuche, kleine Querschnitte, enge Bögen, Reduzierungen und Armaturen erhöhen den Strömungswiderstand.

Deshalb muss eindeutig bekannt sein, an welcher Stelle der Fließdruck gemessen wird.

Wird beispielsweise weit hinter einem langen Prüfschlauch gemessen, enthält der Messwert bereits den Druckverlust dieses Schlauches.

Für vergleichbare Wiederholungsprüfungen sollte möglichst immer derselbe oder zumindest ein hydraulisch vergleichbarer Aufbau verwendet werden.

Besonders bei hohen Volumenströmen können bereits kleine Änderungen im Messaufbau deutlich messbare Auswirkungen haben.

Messbereich des Prüfgerätes richtig auswählen

Ein Durchflussmessgerät arbeitet nur innerhalb seines vorgesehenen Messbereiches zuverlässig.

Ein für kleine Volumenströme ausgelegtes Gerät ist deshalb nicht automatisch für die Prüfung eines leistungsfähigen Großhydranten geeignet.

Umgekehrt kann ein sehr groß dimensioniertes Messgerät bei kleinen Durchflüssen eine ungünstigere nutzbare Auflösung besitzen.

Bei der Auswahl sind deshalb unter anderem zu berücksichtigen:

  • erwarteter maximaler Volumenstrom,
  • erwarteter Druck,
  • Anschlussgröße,
  • Hydrantentyp,
  • gewünschte Messgenauigkeit und
  • Art der Wasserableitung.

Auch das Druckmesssystem muss den maximal möglichen Netzdruck sicher abdecken.

Warum eine einzige Messstelle nicht immer ausreicht

Die Messung an einem Hydranten beschreibt zunächst die hydraulischen Bedingungen an genau dieser Stelle und zum Zeitpunkt der Prüfung.

Sie erlaubt nicht automatisch eine vollständige Aussage über das gesamte Versorgungsnetz.

Ursachen für lokal abweichende Ergebnisse können beispielsweise sein:

  • unterschiedliche Leitungsquerschnitte,
  • lange Versorgungsleitungen,
  • teilweise geschlossene Armaturen,
  • Verkrustungen oder Ablagerungen,
  • Höhenunterschiede,
  • Netzstruktur und
  • gleichzeitige Verbraucher.

Bei auffälligen Ergebnissen kann deshalb eine Vergleichsmessung an weiteren Hydranten sinnvoll sein.

Dadurch lässt sich besser unterscheiden, ob die Ursache lokal am Hydranten oder in einem größeren Netzabschnitt liegt.

Messungen reproduzierbar durchführen

Hydrantenprüfungen werden besonders wertvoll, wenn Ergebnisse über längere Zeit miteinander verglichen werden können.

Dafür sollten die Randbedingungen möglichst konstant gehalten oder zumindest dokumentiert werden.

Dazu gehören:

  • gleicher Hydrant beziehungsweise Messpunkt,
  • gleicher Messaufbau,
  • vergleichbare Ventilstellungen,
  • gleicher beziehungsweise dokumentierter Belastungspunkt,
  • identische Einheiten und
  • bekannter Kalibrierzustand des Prüfgerätes.

Nur dann lässt sich beispielsweise beurteilen, ob ein über mehrere Prüfungen zunehmender Druckverlust tatsächlich auf eine Veränderung des Netzes hindeutet.

Typische Fehler bei Hydrantenprüfungen

Beobachtung beziehungsweise Fehler Mögliche Ursache Sinnvolle Prüfung
Nur Ruhedruck wird dokumentiert Hydraulische Leistungsfähigkeit unter Last bleibt unbekannt Fließdruck und Durchfluss zusätzlich messen
Hoher Ruhedruck, aber niedriger Fließdruck Hoher Druckverlust bei größerer Entnahme Durchflussabhängigkeit und Netzsituation untersuchen
Durchfluss wird ohne zugehörigen Druck notiert Messwert ist hydraulisch nur eingeschränkt bewertbar Fließdruck gleichzeitig dokumentieren
Druckanzeige schwankt nach dem Öffnen stark Messstrecke noch nicht stabil oder Luft eingeschlossen Kontrolliert füllen und stabilisieren lassen
Werte unterscheiden sich stark zur Vorjahresprüfung Anderer Messaufbau oder veränderte Netzbedingungen Prüfbedingungen und Messaufbau vergleichen
Fließdruck wird hinter einem langen Schlauch gemessen Schlauchdruckverlust beeinflusst Messwert Position der Druckmessung berücksichtigen
Messgerät erreicht oberen Durchflussbereich Prüfgerät möglicherweise zu klein dimensioniert Geeigneten Messbereich verwenden
Ein Hydrant liefert auffällig geringe Werte Lokales Problem oder Netzproblem möglich Vergleichsmessung an benachbarten Messstellen durchführen

Empfohlener Prüfablauf

  1. Hydrant identifizieren: Standort, Hydranten-ID und Anschluss eindeutig erfassen.
  2. Prüfziel festlegen: Klären, welche Druck- und Durchflusswerte beziehungsweise Belastungszustände überprüft werden sollen.
  3. Messgerät auswählen: Druckbereich, Durchflussbereich und Anschlussgröße passend festlegen.
  4. Messaufbau kontrollieren: Kupplungen, Dichtungen, Schläuche und Wasserableitung überprüfen.
  5. Hydrant kontrolliert öffnen: Druckstöße vermeiden.
  6. Messstrecke füllen: Gegebenenfalls vorhandene Luft entfernen.
  7. Ruhedruck erfassen: Stabilen Ausgangsdruck dokumentieren.
  8. Wasserentnahme einstellen: Gewünschten Belastungspunkt kontrolliert herstellen.
  9. Stabilisierung abwarten: Keine Momentanwerte direkt nach dem Öffnen übernehmen.
  10. Fließdruck und Durchfluss gleichzeitig erfassen: Beide Werte als zusammengehöriges Wertepaar dokumentieren.
  11. Gegebenenfalls weitere Belastungspunkte messen: Verhalten bei zunehmender Entnahme beurteilen.
  12. Hydrant langsam schließen: Druckstöße im Netz vermeiden.
  13. Messstrecke drucklos machen: Erst danach demontieren.
  14. Messwerte dokumentieren: Messbedingungen, Auffälligkeiten und verwendetes Prüfgerät ergänzen.
  15. Mit Anforderungen vergleichen: Bewertung anhand der für die konkrete Anlage geltenden Soll- beziehungsweise Mindestwerte durchführen.

Welche Werte sollten dokumentiert werden?

Ein Prüfprotokoll sollte nicht nur einen einzelnen Druckwert enthalten.

Sinnvoll sind mindestens:

  • Hydranten-ID beziehungsweise genaue Messstelle,
  • Datum und Uhrzeit,
  • Hydrantentyp,
  • verwendeter Anschluss beziehungsweise Adapter,
  • Ruhedruck,
  • Fließdruck,
  • zugehöriger Volumenstrom,
  • gegebenenfalls mehrere Belastungspunkte,
  • gleichzeitig geöffnete weitere Entnahmestellen,
  • verwendetes Prüfgerät,
  • besondere Auffälligkeiten und
  • Bewertung gegenüber dem vorgesehenen Sollwert.

Auch der Zustand des Hydranten kann zusätzlich dokumentiert werden, beispielsweise schwergängige Betätigung, Undichtigkeiten oder auffällige Geräusche und Vibrationen.

Bei regelmäßigen Wiederholungsprüfungen lässt sich dadurch eine Entwicklung über mehrere Jahre erkennen.

Praxisbeispiel

Bei einem Industriebetrieb soll die Leistungsfähigkeit eines Außenhydranten überprüft werden.

Im geschlossenen Zustand werden 6,1 bar Ruhedruck gemessen.

Der Wert erscheint zunächst komfortabel.

Anschließend wird eine Wasserentnahme von 1.000 l/min eingestellt. Der Fließdruck beträgt dabei noch 4,7 bar.

Bei 1.500 l/min sinkt der Druck auf 3,6 bar.

Bei einer weiteren Erhöhung auf 2.000 l/min fällt der Fließdruck auf 2,1 bar.

Allein aus dem Ruhedruck von 6,1 bar wäre dieser deutliche Druckabfall nicht erkennbar gewesen.

Eine zusätzliche Messung an einem benachbarten Hydranten zeigt ein deutlich günstigeres Verhalten.

Dadurch entsteht der Verdacht, dass nicht die gesamte Wasserversorgung zu schwach ist, sondern im Versorgungsweg des ersten Hydranten ein zusätzlicher hydraulischer Widerstand vorhanden sein könnte.

Die weitere Untersuchung konzentriert sich deshalb auf den betreffenden Leitungsabschnitt und die dort vorhandenen Armaturen.

Das Beispiel zeigt, warum Ruhedruck, Fließdruck und Durchfluss gemeinsam gemessen werden sollten und warum Vergleichsmessungen an mehreren Punkten bei der Fehlersuche hilfreich sein können.

Welche Produkte und Lösungen eignen sich?

Mobiles Hydrantenprüfgerät – Ruhedruck, Fließdruck und Volumenstrom direkt erfassen

Das mobile Hydrantenprüfgerät eignet sich für die Leistungsprüfung von Über- und Unterflurhydranten.

Mit einem Gerät können die für die hydraulische Bewertung wesentlichen Größen direkt an der Entnahmestelle erfasst werden:

  • Ruhedruck,
  • Fließdruck und
  • Volumenstrom.

Das Prüfgerät ist in unterschiedlichen Anschluss- beziehungsweise Durchflussgrößen verfügbar. Dadurch kann die Ausführung an den erwarteten Volumenstrom und den jeweiligen Hydrantenanschluss angepasst werden.

Eine direkte Durchflussmessung ist besonders praktisch, weil Druck und tatsächlich abgegebene Wassermenge während desselben Belastungszustandes erfasst werden können.

Adapter, Standrohre und Messstrecken

Für Unterflurhydranten beziehungsweise unterschiedliche Anschlussgrößen werden passende Standrohre, Kupplungen und Adapter benötigt.

Dabei sollte eine unnötige Kette aus Reduzierungen und Engstellen vermieden werden, da zusätzliche Strömungswiderstände den Prüfaufbau beeinflussen können.

Auch die Ein- und Auslaufbedingungen des verwendeten Durchflussmessgerätes sollten entsprechend der Geräteanforderungen ausgeführt werden.

Druckmessung und Netzüberwachung

Wenn nicht nur eine kurze Hydrantenprüfung, sondern das Druckverhalten eines Wassernetzes über längere Zeit untersucht werden soll, können zusätzliche Drucksensoren beziehungsweise Datenlogger sinnvoll sein.

Damit lässt sich beispielsweise beobachten, wie sich der Netzdruck während unterschiedlicher Verbrauchszeiten oder während definierter Entnahmeversuche verändert.

Weitere Lösungen für die Messung von Wasserströmen finden Sie unter Durchflussmesstechnik.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Hydrantenprüfgeräten, passenden Messbereichen, Kupplungen, Adaptern und Zubehör sowie bei der Zusammenstellung kompletter Prüfausrüstungen für Hydranten und Löschwassersysteme.

Fazit

Ein hoher Ruhedruck allein ist kein ausreichender Nachweis für eine leistungsfähige Löschwasserversorgung.

Entscheidend ist, wie sich der Druck verhält, wenn tatsächlich Wasser entnommen wird.

Deshalb gehören bei einer aussagekräftigen Hydrantenprüfung immer drei Größen zusammen:

Ruhedruck, Fließdruck und Volumenstrom.

Der Ruhedruck beschreibt den Ausgangszustand. Der Fließdruck zeigt, welcher Druck während der Entnahme verbleibt. Der Durchfluss beschreibt die tatsächlich abgegebene Wassermenge.

Besonders aussagekräftig ist eine Messreihe mit mehreren Belastungspunkten. Sie zeigt, wie stark der Druck mit zunehmender Entnahme abfällt.

Auch der Prüfaufbau beeinflusst das Ergebnis. Schläuche, Adapter, Armaturen und die Position der Druckmessung müssen deshalb berücksichtigt und für Wiederholungsprüfungen möglichst konstant gehalten werden.

Eine Messung an nur einem Hydranten erlaubt außerdem nicht automatisch eine Aussage über das gesamte Netz. Bei Auffälligkeiten können zusätzliche Messpunkte oder definierte gleichzeitige Entnahmen erforderlich sein.

Erst der Vergleich der reproduzierbar gemessenen Werte mit den für die konkrete Anlage geltenden Anforderungen ermöglicht eine fachgerechte Bewertung der verfügbaren Löschwasserversorgung.

Häufige Fragen zur Hydrantenprüfung

Was ist der Ruhedruck eines Hydranten?

Der Ruhedruck ist der am Messpunkt anliegende Druck, wenn über die Prüfeinrichtung keine Wasserentnahme erfolgt. Er beschreibt den Ausgangszustand, sagt allein aber noch nichts über die bei größerer Entnahme verfügbare Wassermenge aus.

Was ist der Fließdruck?

Der Fließdruck ist der Druck am Messpunkt während einer definierten Wasserentnahme. Er sollte immer zusammen mit dem gleichzeitig gemessenen Volumenstrom dokumentiert werden.

Warum reicht eine reine Druckmessung nicht aus?

Weil ein hoher Druck bei geringer oder keiner Entnahme nicht automatisch bedeutet, dass auch eine große Wassermenge zur Verfügung steht. Erst unter Belastung werden die hydraulischen Druckverluste des Versorgungssystems sichtbar.

Wie wird der Durchfluss eines Hydranten gemessen?

Der Volumenstrom kann beispielsweise mit einem geeigneten mobilen Hydrantenprüfgerät beziehungsweise einer definierten Durchflussmessstrecke erfasst werden. Das Messgerät muss zum erwarteten Durchflussbereich und Anschluss passen.

Müssen Ruhedruck und Fließdruck am selben Hydranten gemessen werden?

Für einen direkten Vergleich sollten die Messbedingungen eindeutig definiert sein. Bei erweiterten Netztests können zusätzlich Drücke oder Durchflüsse an weiteren Hydranten erfasst werden.

Warum sinkt der Druck beim Öffnen des Hydranten?

Mit zunehmender Wasserströmung entstehen Druckverluste in Rohrleitungen, Armaturen und anderen Komponenten des Versorgungsnetzes. Deshalb liegt der Fließdruck normalerweise unter dem Ruhedruck.

Ist ein hoher Ruhedruck automatisch gut?

Nein. Entscheidend ist, welcher Druck bei der benötigten Wasserentnahme noch vorhanden ist. Ein hoher Ruhedruck kann mit einem starken Druckabfall unter Last verbunden sein.

Warum sollte man mehrere Durchflussstufen messen?

Mehrere Belastungspunkte zeigen, wie das System auf zunehmende Wasserentnahme reagiert. Dadurch lässt sich die hydraulische Leistungsfähigkeit deutlich besser beurteilen als mit einem einzelnen Messwert.

Beeinflusst der Prüfschlauch das Messergebnis?

Ja. Länge, Durchmesser, Bögen und Armaturen verursachen Strömungsverluste. Deshalb sollten Messaufbau und Position der Druckmessung bekannt und bei Vergleichsmessungen möglichst konstant sein.

Welche Werte gelten bei einer Hydrantenprüfung als ausreichend?

Dafür gibt es keinen einzelnen Wert, der unabhängig von Anlage und Anwendung verwendet werden sollte. Die gemessenen Werte müssen mit den für das konkrete Objekt beziehungsweise Versorgungsnetz geltenden Anforderungen, Planungswerten und Vorgaben verglichen werden.

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