Ein Differenzdrucktransmitter zeigt bei drucklosem Zustand zunächst korrekt 0 mbar an. Anschließend wird die Anlage mit Leitungsdruck beaufschlagt. Werden Hochdruck- und Niederdruckseite danach wieder auf denselben Druck gebracht, zeigt der Transmitter jedoch nicht mehr Null, sondern beispielsweise einige Millibar Differenzdruck. Schnell entsteht der Verdacht, dass der Sensor beschädigt oder seine Kalibrierung verändert wurde.
Ein solcher Nullpunktversatz kann tatsächlich durch eine mechanische oder messtechnische Überlastung der Messzelle entstehen. Zuvor sollten jedoch andere Ursachen ausgeschlossen werden. Beide Prozessseiten müssen wirklich denselben Druck besitzen, Impulsleitungen müssen vollständig gefüllt beziehungsweise entlüftet sein und die Ventilstellung eines vorhandenen Manifolds muss eindeutig sein. Bei Differenzdrucktransmittern kommt zusätzlich hinzu, dass auf beiden Seiten ein hoher gemeinsamer Leitungsdruck anliegen kann, obwohl der eigentlich zu messende Differenzdruck sehr klein ist.
Damit müssen zwei Größen klar voneinander getrennt werden: der Differenzdruck, den das Gerät messen soll, und der statische beziehungsweise gemeinsame Leitungsdruck, dem die Messzelle gleichzeitig ausgesetzt ist. Hinzu kommt die mögliche einseitige Überlast, wenn während des Anfahrens oder durch eine falsche Ventilfolge nur eine Seite des Transmitters mit Prozessdruck beaufschlagt wird.
Zeigt ein Differenzdrucktransmitter nach einer Druckbeaufschlagung einen verschobenen Nullpunkt, sollte deshalb nicht sofort nachkalibriert werden. Zuerst muss geklärt werden, ob tatsächlich ein bleibender Sensorfehler vorliegt oder ob Druckausgleich, Leitungsdruck, Ventilstellung beziehungsweise eine vorausgegangene einseitige Überlast die Ursache sind.
Was misst ein Differenzdrucktransmitter tatsächlich?
Ein Differenzdrucktransmitter misst die Druckdifferenz zwischen zwei Prozessanschlüssen. Vereinfacht wird die Hochdruckseite mit p1 und die Niederdruckseite mit p2 bezeichnet. Der Messwert ergibt sich aus:
Δp = p1 - p2
Liegen beispielsweise auf der Hochdruckseite 5,100 bar und auf der Niederdruckseite 5,000 bar an, beträgt der Differenzdruck 0,100 bar beziehungsweise 100 mbar. Liegen dagegen auf beiden Seiten exakt 5 bar an, sollte der Differenzdruck idealerweise 0 mbar betragen.
Gerade diese zweite Situation ist messtechnisch interessant. Der Differenzdruck beträgt zwar Null, die Messzelle steht jedoch gleichzeitig unter einem gemeinsamen statischen Druck von mehreren bar. Bei Anwendungen mit kleinen Differenzdruckmessbereichen kann der statische Prozessdruck damit um Größenordnungen höher sein als die eigentlich gemessene Druckdifferenz.
Differenzdruck und Leitungsdruck unterscheiden
Bei einem Differenzdrucktransmitter müssen Differenzdruck, statischer Leitungsdruck und einseitige Druckbelastung getrennt betrachtet werden. Diese Größen werden in der Praxis häufig miteinander verwechselt, obwohl sie für Auswahl und Diagnose unterschiedliche Bedeutung besitzen.
| Druckzustand | Beispiel | Bedeutung für den Transmitter |
|---|---|---|
| Differenzdruck | p1 = 5,1 bar, p2 = 5,0 bar |
Zu messende Differenz beträgt 100 mbar |
| Gleicher Leitungsdruck auf beiden Seiten | p1 = 20 bar, p2 = 20 bar |
Differenzdruck idealerweise 0 mbar, Messzelle steht jedoch unter hohem statischem Druck |
| Einseitige Belastung | p1 = 20 bar, p2 = 0 bar |
Messzelle wird mit 20 bar Differenzdruck belastet |
Vor allem der letzte Fall kann kritisch sein. Ein Differenzdrucktransmitter mit kleinem Messbereich kann durchaus für einen hohen gemeinsamen Leitungsdruck ausgelegt sein, ohne deshalb denselben Druck auch als einseitigen Differenzdruck verkraften zu können. Zulässiger statischer Druck und zulässige einseitige Überlast sind deshalb bei der Geräteauswahl getrennt zu betrachten.
Was bedeutet Nullpunktversatz?
Von einem Nullpunktversatz wird gesprochen, wenn der Transmitter bei eigentlich identischem Druck an beiden Eingängen nicht mehr den erwarteten Nullwert ausgibt. Bei einem 4…20-mA-Transmitter kann sich das beispielsweise dadurch zeigen, dass bei ausgeglichenem Differenzdruck nicht mehr exakt das dem Nullpunkt entsprechende Ausgangssignal erreicht wird.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem echten bleibenden Nullpunktversatz und einem scheinbaren Nullpunktfehler. Wenn auf beiden Seiten nicht wirklich dieselben Druckbedingungen herrschen, misst der Transmitter möglicherweise korrekt. Schon kleine Druckunterschiede durch Flüssigkeitssäulen, eingeschlossene Luft, unterschiedliche Impulsleitungsfüllungen oder nicht vollständig geöffnete beziehungsweise geschlossene Ventile können bei kleinen Messbereichen sichtbar werden.
Deshalb sollte ein Nullpunkt erst dann bewertet werden, wenn ein definierter hydraulischer oder pneumatischer Zustand hergestellt wurde. Ein bloßer Blick auf zwei vermeintlich gleich beaufschlagte Prozessanschlüsse reicht dafür nicht immer aus.
Was ist der Leitungsdruckeffekt?
Bei einem idealen Differenzdrucksensor würde ein identischer Druckanstieg auf beiden Seiten den Differenzdruckwert überhaupt nicht verändern. Reale Messzellen sind jedoch mechanische Systeme. Ein hoher gemeinsamer Leitungsdruck kann deshalb einen kleinen Einfluss auf den Nullpunkt beziehungsweise das Ausgangssignal haben. Dieser Zusammenhang wird häufig als Leitungsdruckeffekt oder statischer Druckeinfluss bezeichnet.
Wie relevant dieser Effekt ist, hängt von der Konstruktion des Transmitters und den Anforderungen der Anwendung ab. Besonders sichtbar kann er werden, wenn ein sehr kleiner Differenzdruckmessbereich mit einem vergleichsweise hohen Prozessdruck kombiniert wird. Ein kleiner absoluter Nullpunkteffekt kann dann bereits einen relevanten Anteil des eigentlichen Messbereiches ausmachen.
Entscheidend ist außerdem, ob sich der Nullpunkt nach Druckentlastung wieder reproduzierbar einstellt. Ein kleiner, spezifizierter Einfluss während anliegendem statischem Druck ist anders zu bewerten als eine dauerhafte Verschiebung, die auch nach vollständiger Druckentlastung bestehen bleibt.
Einseitige Überlast als mögliche Ursache
Eine der wichtigsten Fehlerursachen ist eine kurzzeitige einseitige Druckbeaufschlagung. Sie kann beispielsweise beim Anfahren einer Anlage entstehen, wenn zuerst eine Impulsleitung geöffnet wird und die Gegenseite des Differenzdrucktransmitters noch drucklos ist. Für kurze Zeit liegt dann nahezu der gesamte Leitungsdruck als Differenzdruck an der Messzelle an.
Bei einem Prozess mit 20 bar Leitungsdruck und einem Differenzdruckmessbereich von beispielsweise wenigen hundert Millibar kann dieser Zustand eine sehr hohe Belastung darstellen. Ob der Transmitter dies schadlos verkraftet, hängt nicht vom normalen Messbereich allein, sondern von seiner konstruktiven Überlastfestigkeit ab.
Nach einer starken Überlast kann sich die Messzelle zunächst wieder weitgehend erholen. Je nach Ausmaß der Belastung kann jedoch auch ein bleibender Nullpunktversatz oder eine Veränderung weiterer Messkennwerte zurückbleiben. Deshalb sollte nach einer vermuteten Überlast nicht lediglich der Nullpunkt nachjustiert werden, ohne die Messfunktion genauer zu prüfen.
Ventilblock und Druckausgleich richtig prüfen
Ein 3- beziehungsweise 5-fach-Ventilblock erleichtert die Inbetriebnahme und Prüfung eines Differenzdrucktransmitters erheblich. Über die Absperrventile können die Prozessseiten getrennt werden, während ein Ausgleichsventil beide Seiten des Transmitters miteinander verbindet. Bei korrekt hergestelltem Druckausgleich sollte dadurch auf beiden Eingängen derselbe Druck anliegen.
Zeigt das Gerät in diesem Zustand weiterhin einen relevanten Differenzdruck, ist die Diagnose wesentlich eindeutiger als bei einer Prüfung direkt am laufenden Prozess. Allerdings muss sichergestellt sein, dass das Ausgleichsventil tatsächlich geöffnet ist und keine Absperrung, Verstopfung oder eingeschlossene Flüssigkeitssäule einen realen Druckunterschied erzeugt.
Die Ventilfolge beim Anfahren und Außerbetriebnehmen ist ebenfalls wichtig. Wird ein Transmitter mit kleinem Messbereich unkontrolliert einseitig dem vollen Prozessdruck ausgesetzt, kann genau der Zustand entstehen, der später als vermeintlicher Sensorfehler auffällt.
Einfluss von Impulsleitungen, Luft und Flüssigkeit
Bei Differenzdruckmessstellen gehören die Impulsleitungen zum Messsystem. Unterschiedliche Füllstände oder Gasblasen können zwischen den beiden Seiten einen realen hydrostatischen Druckunterschied erzeugen. Besonders bei kleinen Messbereichen reichen bereits vergleichsweise geringe Höhendifferenzen aus, um einen sichtbaren Nullpunktversatz zu verursachen.
Bei Flüssigkeitsanwendungen sollten beide Impulsleitungen deshalb entsprechend dem vorgesehenen Messkonzept gleichmäßig gefüllt und frei von unerwünschten Gasblasen sein. Bei Gasanwendungen können dagegen Flüssigkeitsansammlungen problematisch sein. Auch unterschiedliche Temperaturen der beiden Leitungen können über Dichteänderungen der Füllmedien Einfluss auf die Messung nehmen.
Ein vermeintlicher Sensor-Nullpunktfehler kann deshalb tatsächlich aus der Installation stammen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Transmitter im ausgebauten oder unmittelbar ausgeglichenen Zustand korrekt arbeitet, während der Fehler nur an der Prozessmessstelle auftritt.
Nullpunktversatz systematisch diagnostizieren
Eine sinnvolle Diagnose beginnt mit der Frage, unter welchem Druckzustand der Fehler auftritt. Zeigt der Transmitter bereits vollständig drucklos einen verschobenen Nullpunkt, liegt eine andere Situation vor als bei einem Gerät, das bei atmosphärischem Druck korrekt arbeitet und erst unter hohem gemeinsamen Leitungsdruck abweicht.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Nächste Prüfung |
|---|---|---|
| Nullpunkt bereits drucklos verschoben | Nullpunktdrift, vorherige Überlast oder Sensorveränderung | Definierten Nullpunkt herstellen und Transmitter prüfen |
| Drucklos korrekt, unter gleichem Leitungsdruck verschoben | Statischer Druckeinfluss oder nicht vollständiger Druckausgleich | Direkten Druckausgleich über Ventilblock prüfen |
| Fehler nur an der eingebauten Messstelle | Impulsleitungen, Gasblasen, Flüssigkeitssäulen oder Ventile | Installation und Füllzustand kontrollieren |
| Nullpunkt nach einseitiger Druckbeaufschlagung dauerhaft verändert | Mögliche Überlast der Messzelle | Nullpunkt, Messspanne und Wiederholbarkeit überprüfen |
| Wert verändert sich mit Leitungsdruck reproduzierbar | Möglicher Leitungsdruckeffekt | Verhalten bei mehreren statischen Druckstufen vergleichen |
Besonders aussagekräftig ist eine Prüfung bei mehreren definierten Zuständen. Zunächst wird der Nullpunkt ohne Prozessdruck kontrolliert. Anschließend können beide Seiten gleichmäßig mit Leitungsdruck beaufschlagt werden. Wird der Leitungsdruck danach wieder entfernt und kehrt der Nullpunkt reproduzierbar auf seinen ursprünglichen Wert zurück, spricht dies gegen eine bleibende mechanische Verschiebung der Messzelle.
Praxisbeispiel: Nullpunkt nach Druckbeaufschlagung verschoben
Ein Differenzdrucktransmitter wird zur Überwachung eines kleinen Druckverlustes in einer Anlage eingesetzt. Vor Inbetriebnahme zeigen beide Anschlüsse Atmosphärendruck und der Transmitter liefert einen korrekten Nullwert. Beim Anfahren wird zunächst die Hochdruckseite geöffnet, während die Niederdruckseite noch abgesperrt ist. Für kurze Zeit wirkt dadurch ein großer Teil des Prozessdruckes einseitig auf die Messzelle.
Nach vollständiger Inbetriebnahme stehen beide Seiten unter annähernd gleichem Leitungsdruck, der Nullwert ist jedoch verschoben. Für die Fehlersuche wird der Transmitter zunächst nicht neu justiert. Stattdessen werden beide Prozessseiten abgesperrt und über das Ausgleichsventil miteinander verbunden. Bleibt der Versatz bestehen, wird anschließend der gesamte Leitungsdruck kontrolliert abgebaut und der Nullpunkt bei drucklosem Zustand erneut geprüft.
Verschwindet der Fehler nach der Druckentlastung und tritt bei erneuter gleichmäßiger Druckbeaufschlagung reproduzierbar auf, muss ein statischer Druckeinfluss beziehungsweise das Verhalten unter Leitungsdruck untersucht werden. Bleibt der Nullpunkt dagegen auch drucklos verschoben, ist eine bleibende Veränderung durch die vorherige einseitige Belastung wahrscheinlicher. In diesem Fall sollte nicht nur der Nullpunkt betrachtet, sondern auch die Messspanne beziehungsweise die gesamte Messfunktion überprüft werden.
Die Diagnose trennt damit drei grundsätzlich unterschiedliche Fälle: einen real vorhandenen Prozessdifferenzdruck, einen reversiblen Einfluss des Leitungsdruckes und eine mögliche bleibende Veränderung der Messzelle nach Überlast.
Messbereich und Überlastfestigkeit richtig auslegen
Bei der Auswahl eines Differenzdrucktransmitters reicht es nicht aus, lediglich den gewünschten Differenzdruckmessbereich festzulegen. Ein Gerät kann beispielsweise nur wenige Millibar oder hundert Millibar messen, während beide Prozessanschlüsse gleichzeitig einem Leitungsdruck von mehreren bar ausgesetzt sind. Deshalb müssen zusätzlich der maximal auftretende statische Druck und mögliche einseitige Druckzustände berücksichtigt werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist Anlagenzuständen außerhalb des Normalbetriebs zu widmen. Anfahren, Abfahren, Spülen, Entlüften, Ventilbetätigung oder Wartungsarbeiten können deutlich ungünstigere Druckzustände erzeugen als der reguläre Prozess. Ein Transmitter kann im normalen Betrieb jahrelang nur wenige Millibar Differenzdruck sehen und während einer ungünstigen Ventilschaltung innerhalb weniger Sekunden einer sehr hohen einseitigen Belastung ausgesetzt werden.
Zur richtigen Auslegung gehören deshalb Messbereich, maximaler Leitungsdruck, zulässige einseitige Überlast, Prozessanschluss, Medium, Temperatur und Montagekonzept. Ebenso sollte bereits bei der Planung festgelegt werden, wie der Transmitter sicher in Betrieb genommen und auf Null geprüft werden kann.
Systematische Vorgehensweise
- Normalen Differenzdruckmessbereich und maximal erwarteten Differenzdruck festlegen.
- Maximalen gemeinsamen Leitungsdruck der Anwendung ermitteln.
- Mögliche einseitige Druckzustände beim Anfahren, Abschalten und bei Störungen berücksichtigen.
- Einen Differenzdrucktransmitter mit geeigneter statischer Druck- und Überlastfestigkeit auswählen.
- Hochdruck- und Niederdruckseite eindeutig zuordnen und korrekt anschließen.
- Impulsleitungen hinsichtlich Verlauf, Füllzustand, Entlüftung beziehungsweise Entwässerung prüfen.
- Bei Bedarf einen geeigneten 3- oder 5-fach-Ventilblock für Absperrung und Druckausgleich vorsehen.
- Nullpunkt zunächst unter eindeutig definierten Druckbedingungen prüfen.
- Bei einem Versatz kontrollieren, ob dieser nur unter Leitungsdruck oder auch drucklos vorhanden ist.
- Nach vermuteter Überlast nicht nur den Nullpunkt, sondern auch Messspanne und Wiederholbarkeit beurteilen.
Häufige Fehler
- Nullpunkt sofort nachjustieren: Dadurch wird die Ursache des Versatzes verdeckt. Zunächst sollte geklärt werden, ob ein Installationsproblem, Leitungsdruckeffekt oder eine Überlast vorliegt.
- Leitungsdruck mit Differenzdruck verwechseln: Ein kleiner Differenzdruckmessbereich bedeutet nicht automatisch, dass auch der zulässige statische Druck klein ist – beide Angaben müssen getrennt betrachtet werden.
- Einseitige Druckbeaufschlagung beim Anfahren: Eine ungünstige Ventilfolge kann kurzfristig nahezu den gesamten Prozessdruck als Differenzdruck auf die Messzelle geben.
- Druckausgleich nur annehmen statt prüfen: Geschlossene Ventile, verstopfte Impulsleitungen oder unterschiedliche Flüssigkeitssäulen können trotz scheinbar gleicher Prozessbedingungen einen realen Differenzdruck erzeugen.
- Impulsleitungen nicht entlüften beziehungsweise entwässern: Gasblasen oder Flüssigkeitsansammlungen können insbesondere bei kleinen Messbereichen deutliche Offsetwerte verursachen.
- Nur den Messbereich spezifizieren: Für eine sichere Geräteauswahl müssen auch maximaler Leitungsdruck und zulässige einseitige Überlast berücksichtigt werden.
- Nach Überlast nur den Nullpunkt kontrollieren: Auch Messspanne, Linearität beziehungsweise Wiederholbarkeit können betroffen sein.
Passende Druckmesstechnik
Für Differenzdruckmessungen stehen unterschiedliche Transmitterausführungen für kleine Druckdifferenzen bis hin zu anspruchsvollen Prozessanwendungen mit hohen statischen Drücken zur Verfügung. Entscheidend ist, dass das Gerät nicht nur zum gewünschten Differenzdruckmessbereich, sondern auch zum tatsächlichen Prozessdruck und zu möglichen Überlastzuständen passt.
Bei der Auswahl sollten zudem Medium, Temperatur, Werkstoffe, Prozessanschlüsse, elektrische Ausgangssignale und die gewünschte Einbindung in die Anlage berücksichtigt werden. Für Prozessmessstellen kann außerdem ein passender Ventilblock entscheidend sein, um den Transmitter sicher abzusperren, einen definierten Druckausgleich herzustellen und die Inbetriebnahme kontrolliert durchzuführen.
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Fazit
Ein Nullpunktversatz nach einer Druckbeaufschlagung bedeutet nicht automatisch, dass ein Differenzdrucktransmitter defekt ist. Zunächst muss sichergestellt werden, dass beide Messseiten tatsächlich denselben Druck sehen und keine Ventilstellung, Impulsleitung oder hydrostatische Druckdifferenz den angezeigten Wert verursacht.
Ein weiterer wichtiger Einfluss ist der gemeinsame Leitungsdruck. Obwohl auf beiden Seiten derselbe Prozessdruck anliegt und der theoretische Differenzdruck Null beträgt, kann der statische Druck bei hochauflösenden Messungen einen kleinen Einfluss auf den Nullpunkt haben. Entscheidend ist, ob dieser Effekt reproduzierbar und reversibel ist.
Besonders kritisch ist eine einseitige Druckbeaufschlagung. Sie kann beim Anfahren oder durch eine ungünstige Ventilfolge entstehen und einen Differenzdruck erzeugen, der weit oberhalb des normalen Messbereiches liegt. Überschreitet dieser Zustand die zulässige Überlastfestigkeit, kann ein bleibender Nullpunktversatz zurückbleiben.
Deshalb gehören bei der Auslegung eines Differenzdrucktransmitters nicht nur Messbereich und Genauigkeit auf die Checkliste. Ebenso wichtig sind maximaler Leitungsdruck, zulässige einseitige Überlast, Prozessanschluss, Impulsleitungen und eine sichere Ventilstrategie.
Für eine zuverlässige Fehlersuche gilt somit: Erst einen echten Druckausgleich herstellen, anschließend den Einfluss des Leitungsdruckes prüfen und erst danach entscheiden, ob tatsächlich eine bleibende Überlast- beziehungsweise Sensorverschiebung vorliegt.
FAQ: Nullpunktversatz bei Differenzdrucktransmittern
Warum zeigt ein Differenzdrucktransmitter trotz gleichem Druck auf beiden Seiten nicht Null?
Mögliche Ursachen sind ein unvollständiger Druckausgleich, unterschiedliche Flüssigkeitssäulen in den Impulsleitungen, Luft- beziehungsweise Flüssigkeitseinschlüsse, ein Leitungsdruckeffekt oder ein bleibender Nullpunktversatz nach einer Überlastung.
Was ist der Leitungsdruckeffekt bei einem Differenzdrucktransmitter?
Der Leitungsdruckeffekt beschreibt den Einfluss eines gemeinsamen statischen Druckes auf den Nullpunkt beziehungsweise das Ausgangssignal des Differenzdrucktransmitters, obwohl theoretisch auf beiden Seiten derselbe Druck anliegt.
Was ist der Unterschied zwischen Differenzdruck und Leitungsdruck?
Der Differenzdruck ist die Differenz zwischen Hoch- und Niederdruckseite. Der Leitungsdruck ist das gemeinsame Druckniveau, auf dem beide Seiten liegen können. Ein Transmitter kann beispielsweise 100 mbar Differenzdruck messen, obwohl auf beiden Seiten mehrere bar Prozessdruck anliegen.
Kann ein Differenzdrucktransmitter durch einseitige Druckbeaufschlagung beschädigt werden?
Ja, wenn der dabei entstehende Differenzdruck die zulässige einseitige Überlast des Transmitters überschreitet. Deshalb müssen insbesondere Anfahr- und Abschaltzustände bei der Auslegung berücksichtigt werden.
Warum ist ein Ventilblock bei Differenzdruckmessungen sinnvoll?
Ein Ventilblock ermöglicht das kontrollierte Absperren der Prozessseiten und den Druckausgleich zwischen Hoch- und Niederdruckseite. Dadurch lassen sich Inbetriebnahme, Nullpunktprüfung und Wartung wesentlich kontrollierter durchführen.
Sollte man einen verschobenen Nullpunkt sofort nachjustieren?
Nein. Zunächst sollte die Ursache des Versatzes geklärt werden. Eine unmittelbare Nullpunktkorrektur kann einen Installationsfehler oder eine durch Überlast veränderte Messzelle lediglich verdecken.
Wie erkennt man, ob ein Nullpunktversatz durch Leitungsdruck oder Überlast verursacht wird?
Hilfreich ist der Vergleich zwischen drucklosem Zustand und einem Zustand mit gleichem statischem Druck auf beiden Seiten. Verschwindet der Versatz nach vollständiger Druckentlastung, spricht dies eher für einen reversiblen Einfluss. Bleibt er auch drucklos bestehen, sollte eine bleibende Sensorveränderung geprüft werden.
Können Impulsleitungen einen scheinbaren Nullpunktfehler erzeugen?
Ja. Unterschiedliche Flüssigkeitssäulen, Gasblasen, Kondensat oder Verstopfungen können einen realen Druckunterschied zwischen beiden Transmitterseiten erzeugen, obwohl der Prozessdruck auf den ersten Blick gleich erscheint.
Warum reicht der Differenzdruckmessbereich für die Geräteauswahl nicht aus?
Zusätzlich müssen der maximale gemeinsame Leitungsdruck und mögliche einseitige Überlastzustände berücksichtigt werden. Gerade ein Transmitter für sehr kleine Differenzdrücke kann gleichzeitig einem wesentlich höheren Prozessdruck ausgesetzt sein.
Was sollte nach einer vermuteten Überlast eines Differenzdrucktransmitters geprüft werden?
Neben dem Nullpunkt sollten auch die Messspanne und die Wiederholbarkeit unter definierten Druckbedingungen überprüft werden. Ein neu eingestellter Nullpunkt allein bestätigt noch nicht, dass die Messzelle vollständig unbeschädigt ist.
