Ein Feuchtesensor zeigt seit einem Temperaturwechsel dauerhaft 100 % rF an. Der Kühlraum ist inzwischen wieder trocken, andere Messgeräte zeigen normale Werte – nur der fest eingebaute Sensor bleibt über Stunden deutlich zu hoch. Ist das Sensorelement beschädigt oder muss es lediglich noch trocknen?
Dieses Verhalten ist bei Feuchtemessungen nach Kondensation nicht ungewöhnlich. Sobald Wasser direkt auf dem Sensorelement, dem Schutzfilter oder innerhalb des Fühlerkopfes kondensiert, misst der Sensor nicht mehr nur den Wasserdampf der Umgebungsluft. Ein Flüssigkeitsfilm kann das Feuchteelement sättigen und dafür sorgen, dass der Ausgang auch nach Änderung der Umgebungsbedingungen längere Zeit nahe 100 % relativer Feuchte bleibt.
Das bedeutet noch nicht automatisch, dass der Sensor defekt ist. Entscheidend ist, ob sich der Messwert nach ausreichender Trocknung wieder reproduzierbar normalisiert oder ob eine bleibende Abweichung, ungewöhnlich langsame Reaktion oder instabile Anzeige zurückbleibt.
Geeignete Sensoren und Messgeräte finden Sie unter Feuchtemessgeräte / Feuchtesensoren. Prozess- und Taupunktsensoren sind unter Feuchtesensoren / Taupunktsensor zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- Was passiert bei Kondensation am Feuchtesensor?
- Warum zeigt der Sensor so lange 100 % rF?
- Wie lange darf die Erholzeit dauern?
- Welche Rolle spielt der Schutzfilter?
- Erholzeit oder bleibende Drift?
- Warum sind Salz und Staub besonders kritisch?
- Kondensation über den Taupunktabstand vermeiden
- Einbaulage und Messstelle richtig wählen
- Wann hilft eine Sensor- oder Sondenheizung?
- Sensor nach Betauung richtig trocknen
- Funktionsprüfung nach Kondensation
- Wann sollte der Sensor ausgetauscht werden?
- Praxisbeispiel aus einem Kühlraum
- Welche Sensoren eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Was passiert bei Kondensation am Feuchtesensor?
Ein Sensor für relative Feuchte soll grundsätzlich den Wasserdampfgehalt der Luft in Verbindung mit der aktuellen Temperatur bewerten. Bei einem kapazitiven Feuchtesensor verändert die Aufnahme von Wassermolekülen in einer hygroskopischen Sensorschicht deren elektrische Eigenschaften. Daraus wird die relative Feuchte berechnet.
Dieser normale Messvorgang darf nicht mit direkter Benetzung verwechselt werden.
Erreicht die Temperatur des Sensorelements den Taupunkt oder fällt darunter, kann sich flüssiges Wasser auf dem Sensor niederschlagen. Statt eines Gleichgewichtes mit dem Wasserdampf befindet sich dann ein Wasserfilm unmittelbar am Messelement.
Der Sensor befindet sich damit außerhalb des normalen trockenen Messzustands. Häufig steigt der Messwert auf annähernd 100 % rF und bleibt dort, solange das Sensorelement oder der umgebende Filter noch nass ist.
Besonders häufig passiert dies bei schnellen Temperaturwechseln. Wird beispielsweise ein kalter Sensor aus einem Kühlraum in warme feuchte Luft gebracht, kann seine Oberfläche noch mehrere Minuten deutlich kälter als die Umgebung sein. Obwohl die Luft selbst nicht gesättigt ist, kann die Sensortemperatur unter ihrem Taupunkt liegen und Kondenswasser entstehen.
Warum zeigt der Sensor so lange 100 % rF?
Nachdem die Umgebung wieder trockener geworden ist, verschwindet das Wasser nicht augenblicklich vom Sensor. Zunächst muss der Flüssigkeitsfilm verdunsten. Gleichzeitig müssen Filterkappe, Sensorschutz und gegebenenfalls angrenzende Materialien austrocknen.
Dadurch entsteht ein wichtiger Unterschied zwischen der tatsächlichen Raumfeuchte und dem lokalen Mikroklima unmittelbar am Sensorelement.
Ein Beispiel: Die Raumluft liegt bereits wieder bei 65 % rF. Im porösen Filter eines zuvor betauten Sensors befindet sich jedoch noch Feuchtigkeit. Direkt am Sensorelement verdunstet dieses Wasser weiter. Der Sensor kann deshalb erheblich höhere Feuchtewerte anzeigen als ein trockener Referenzsensor wenige Zentimeter daneben.
Das Verhalten ist grundsätzlich plausibel und darf nicht sofort als Kalibrierfehler interpretiert werden.
Kritisch wird es, wenn der Sensor auch nach vollständiger Trocknung dauerhaft zu hoch oder zu niedrig misst.
Wie lange darf die Erholzeit dauern?
Für die Erholzeit nach Kondensation gibt es keinen allgemeingültigen Wert. Sie hängt stark vom Sensoraufbau und von den Umgebungsbedingungen ab.
Ein freiliegendes Sensorelement bei warmer, trockener und bewegter Luft kann sich deutlich schneller erholen als ein Sensor mit dichter Filterkappe in einem nahezu unbelüfteten Bereich. Befindet sich Kondenswasser zusätzlich innerhalb des Fühlerkopfes, kann die Stabilisierung erheblich länger dauern.
| Einfluss | Typische Auswirkung auf die Erholung |
|---|---|
| Warme, trockene Luft | Beschleunigt das Verdunsten des Kondensats |
| Gute Luftbewegung | Verkürzt häufig die Trocknungszeit |
| Sehr hohe Umgebungsfeuchte | Sensor trocknet nur langsam |
| Nasser oder stark poröser Filter | Kann Feuchtigkeit lange in Sensornähe halten |
| Wasser im Fühlerkopf | Deutlich längere Stabilisierung möglich |
| Beheiztes Sensorelement | Kann Erholung nach Kondensation deutlich beschleunigen |
| Salz- oder Schmutzbelastung | Messwert kann auch nach dem Trocknen verfälscht bleiben |
Deshalb sollte nicht nach einer festen Zeit entschieden werden, ob ein Sensor defekt ist. Wichtiger ist der Verlauf. Sinkt der Messwert kontinuierlich und nähert er sich einem plausiblen Referenzwert an, spricht dies zunächst für einen normalen Trocknungsprozess.
Bleibt der Wert dagegen über lange Zeit praktisch unverändert oder stabilisiert er sich nach dem Trocknen mit einer deutlichen Abweichung, sollte der Sensor überprüft werden.
Welche Rolle spielt der Schutzfilter?
Der Schutzfilter hat eine wichtige Aufgabe. Er hält Staub, Partikel und je nach Ausführung auch Tropfen oder andere Verunreinigungen vom empfindlichen Sensorelement fern.
Nach Kondensation kann er allerdings selbst zum Feuchtespeicher werden.
Eine poröse Filterkappe kann Wasser aufnehmen beziehungsweise zwischen ihren Strukturen festhalten. Dadurch bleibt die Luft unmittelbar um das Sensorelement länger feucht als die eigentliche Prozessluft.
Ein Sensor kann deshalb scheinbar extrem träge werden, obwohl das eigentliche Sensorelement bereits weitgehend funktionsfähig ist.
Bei ungewöhnlich langsamer Erholung sollte daher auch der Zustand des Filters kontrolliert werden. Ein zugesetzter, ölhaltiger oder stark verschmutzter Filter sollte entsprechend der Herstellervorgaben gereinigt oder ersetzt werden.
Den Sensor vollständig ohne vorgesehenen Schutzfilter weiterzubetreiben ist dagegen meist keine gute Lösung. Dadurch kann das Messelement direkt Staub, Sprühnebel oder mechanischer Beschädigung ausgesetzt werden.
Erholzeit oder bleibende Drift?
Eine verzögerte Rückkehr des Messwertes ist noch keine Drift.
Von Drift sollte eher gesprochen werden, wenn sich die Kennlinie beziehungsweise der Messwert des Sensors dauerhaft verändert hat. Ein Sensor kann beispielsweise nach vollständiger Stabilisierung bei einer Umgebung von tatsächlich etwa 50 % rF konstant 56 % rF anzeigen.
Für die Unterscheidung ist eine Referenzmessung entscheidend.
Ein einzelner Vergleich unmittelbar nach der Kondensation reicht nicht aus. Zunächst müssen Sensor und Referenzgerät ausreichend lange unter denselben stabilen Temperatur- und Feuchtebedingungen betrieben werden.
Danach lässt sich beurteilen, ob lediglich eine Erholzeit vorlag oder ob ein bleibender Offset entstanden ist.
Noch aussagekräftiger ist eine Prüfung an mehreren Feuchtepunkten. Zeigt der Sensor beispielsweise bei mittlerer Feuchte noch korrekt an, weicht im Bereich von 80 bis 90 % rF aber deutlich ab, kann sich die Sensorkennlinie verändert haben.
Warum sind Salz und Staub besonders kritisch?
Sauberes Kondenswasser ist für viele hochwertige Feuchtesensorelemente weniger problematisch als kontaminiertes Wasser.
In industriellen Anlagen befindet sich auf einem Sensor jedoch selten nur reines Wasser. Staub, Salze, Aerosole, Reinigungsmittel oder Prozessrückstände können sich auf Filter und Sensorelement befinden.
Während der Kondensation werden wasserlösliche Stoffe angelöst. Verdunstet das Wasser anschließend wieder, bleiben diese Stoffe zurück.
Besonders Salze sind problematisch, weil sie hygroskopisch wirken. Sie können also selbst Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen. Dadurch entsteht direkt auf dem Sensor eine lokale Feuchtebelastung, die nicht mehr repräsentativ für die Umgebungsluft ist.
Das typische Ergebnis ist ein Sensor, der nach einer Betauung zunächst scheinbar wieder funktioniert, anschließend aber dauerhaft etwas zu hohe Werte zeigt oder wesentlich langsamer reagiert.
Auch wiederholte Kondensationszyklen können Verschmutzungen zunehmend auf dem Sensorelement konzentrieren.
Kondensation über den Taupunktabstand vermeiden
Die relative Feuchte allein reicht nicht aus, um das Kondensationsrisiko zu beurteilen.
Entscheidend ist, ob die Temperatur des Sensorelements beziehungsweise einer Oberfläche über oder unter dem Taupunkt der Umgebungsluft liegt.
Eine Messstelle kann beispielsweise bei 80 % rF zunächst unkritisch aussehen. Ist der Sensorkopf jedoch mehrere Kelvin kälter als die Luft, kann seine Oberflächentemperatur bereits den Taupunkt erreichen.
Besonders relevant ist das in Kühlräumen, Außenluftmessstellen, Klimakanälen hinter Kühlregistern und bei Sensoren, die durch metallische Prozessanschlüsse thermisch mit einem kalten Bauteil verbunden sind.
Für kritische Anwendungen sollte deshalb ein ausreichender Temperaturabstand zum Taupunkt vorgesehen werden. Dabei muss die tatsächliche Temperatur des Sensorkopfes und nicht nur die Lufttemperatur an einer entfernten Stelle berücksichtigt werden.
Einbaulage und Messstelle richtig wählen
Ein Sensor kann konstruktiv für hohe Feuchte geeignet sein und trotzdem durch eine ungünstige Montage regelmäßig nass werden.
Typisch ist beispielsweise eine senkrechte Leitung oder ein Kanal, aus dem Kondenswasser direkt auf die Filterkappe laufen kann. Auch unterhalb eines Kühlregisters oder Befeuchters können Tropfen auf den Sensor gelangen, obwohl die mittlere Luftfeuchte noch innerhalb des vorgesehenen Messbereichs liegt.
Die Messstelle sollte deshalb repräsentativ sein, aber direkten Tropfeneintrag möglichst vermeiden.
Bei Außenmessungen muss außerdem verhindert werden, dass Regenwasser oder Kondensat entlang des Kabels unmittelbar zum Sensor beziehungsweise in eine Kabelverschraubung läuft.
Die konkrete zulässige Einbaulage hängt vom verwendeten Sensortyp ab und sollte anhand der Montageanleitung festgelegt werden.
Wann hilft eine Sensor- oder Sondenheizung?
Bei Anwendungen, in denen dauerhaft sehr hohe Feuchte oder häufige Temperaturwechsel auftreten, kann eine aktive Beheizung sinnvoll sein.
Dabei wird das Sensorelement oder der gesamte Fühlerkopf geringfügig erwärmt, sodass seine Temperatur oberhalb des Taupunktes bleibt. Dadurch kann verhindert werden, dass sich überhaupt ein Wasserfilm auf dem Sensor bildet.
Die technische Umsetzung ist jedoch anspruchsvoller als das einfache Erwärmen eines normalen Feuchtesensors. Relative Feuchte ist temperaturabhängig. Wird der Sensor beheizt, misst er lokal eine andere relative Feuchte als die unbeheizte Prozessluft.
Geeignete Systeme berücksichtigen deshalb die Sondentemperatur und gegebenenfalls eine zusätzliche Umgebungstemperatur, um daraus wieder die gewünschte Prozessgröße zu berechnen.
Eine beliebige externe Heizung direkt neben einem vorhandenen Feuchtesensor ist daher keine geeignete Nachrüstlösung. Sie kann Kondensation verhindern, gleichzeitig aber einen erheblichen systematischen Messfehler erzeugen.
Sensor nach Betauung richtig trocknen
Nach erkannter Kondensation sollte zunächst die Ursache beseitigt werden. Solange sich der Sensor weiterhin unterhalb des Taupunktes befindet, kann keine echte Erholung stattfinden.
Der Fühler sollte anschließend unter sauberen, trockeneren und innerhalb der zulässigen Betriebsbedingungen liegenden Bedingungen stabilisieren können. Eine moderate Luftbewegung kann das Trocknen unterstützen.
Von improvisierten Maßnahmen wie Heißluftpistole, Ofen, Lösungsmitteln oder Druckluft direkt auf das Sensorelement ist abzuraten, sofern der Hersteller dies nicht ausdrücklich vorsieht. Zu hohe Temperaturen oder mechanische Belastung können Sensorschicht, Filter oder Elektronik beschädigen.
Auch ein stark verschmutztes Sensorelement sollte nur nach der vorgesehenen Herstellerprozedur gereinigt werden.
Wenn der Filter separat austauschbar ist und sichtbar nass oder verschmutzt bleibt, kann ein Filterwechsel deutlich sinnvoller sein als eine aggressive Reinigung.
Funktionsprüfung nach Kondensation
Nachdem der Sensor vollständig stabilisiert ist, sollte er nicht allein anhand einer scheinbar plausiblen Anzeige wieder freigegeben werden.
Eine einfache Vergleichsprüfung mit einem bekannten Referenzgerät ist für viele Serviceanwendungen ausreichend. Sensor und Referenz sollten dafür möglichst dicht nebeneinander platziert werden und genügend Zeit erhalten, dieselbe Temperatur anzunehmen.
| Beobachtung nach Trocknung | Wahrscheinliche Bewertung | Sinnvolle Maßnahme |
|---|---|---|
| Messwert nähert sich langsam der Referenz und bleibt anschließend stabil | Normale Erholung nach Betauung wahrscheinlich | Weiter beobachten und Ereignis dokumentieren |
| Konstanter Offset gegenüber der Referenz | Mögliche Drift oder Kontamination | Kalibrierprüfung beziehungsweise Justage |
| Extrem langsame Reaktion | Nasser, verschmutzter oder zugesetzter Filter möglich | Filter kontrollieren und gegebenenfalls ersetzen |
| Stark springender oder unplausibler Messwert | Feuchtigkeit im Fühlerkopf oder elektrisches Problem möglich | Sensor außer Betrieb nehmen und prüfen |
| Keine sinnvolle Reaktion auf deutliche Feuchteänderungen | Sensorelement möglicherweise beschädigt | Rekalibrierung beziehungsweise Austausch prüfen |
Bei qualitätsrelevanten oder geregelten Prozessen sollte nach einem starken Kondensationsereignis eine dokumentierte Kalibrierkontrolle durchgeführt werden. Nur damit lässt sich beurteilen, ob der Sensor seine spezifizierte Genauigkeit weiterhin erfüllt.
Wann sollte der Sensor ausgetauscht werden?
Ein einmaliges Kondensationsereignis bedeutet nicht automatisch, dass der komplette Feuchtesensor ersetzt werden muss.
Kann sich der Sensor vollständig erholen und liegt er anschließend wieder innerhalb der zulässigen Abweichung, spricht technisch wenig gegen die weitere Verwendung.
Ein Austausch beziehungsweise eine Rekalibrierung wird dagegen sinnvoll, wenn nach ausreichender Trocknung eine reproduzierbare Abweichung verbleibt, das Ansprechverhalten deutlich schlechter geworden ist oder sich das Ausgangssignal instabil verhält.
Auch sichtbare Korrosion, Flüssigkeit im Elektronikbereich oder wiederkehrende Feuchtefehler trotz trockener Bedingungen sind Warnzeichen.
Bei austauschbaren Sensormodulen kann es ausreichen, nur das Sensormodul beziehungsweise den Fühlerkopf zu ersetzen. Bei anderen Konstruktionen muss der komplette Transmitter ausgetauscht oder zur Überprüfung eingesendet werden.
Entscheidend ist nicht, ob der Sensor irgendwann einmal 100 % rF angezeigt hat, sondern ob er nach dem Ereignis seine spezifizierte Messfunktion wieder reproduzierbar erfüllt.
Praxisbeispiel aus einem Kühlraum
In einem Kühlraum wird die relative Feuchte mit einem fest installierten Temperatur-/Feuchtesensor überwacht. Während einer Reinigung wird die Tür längere Zeit geöffnet. Warme und feuchte Hallenluft gelangt in den noch kalten Raum.
Der Sensorkopf hat zu diesem Zeitpunkt nur etwa 4 °C. Die einströmende Luft ist deutlich wärmer und besitzt einen Taupunkt oberhalb der Sensortemperatur. Am Filter und am Fühler bildet sich Kondenswasser.
Der Sensor steigt auf 100 % rF.
Nach dem Schließen der Tür stabilisiert sich der Kühlraum wieder. Ein mobiles Referenzgerät zeigt bereits 76 % rF, der fest installierte Sensor steht jedoch weiterhin bei 98 bis 100 % rF.
Statt den Sensor sofort neu zu justieren, wird zunächst die Kondensation als mögliche Ursache berücksichtigt. Der Schutzfilter ist sichtbar feucht. Nach vollständiger Trocknung sinkt der Messwert über mehrere Stunden langsam ab und nähert sich dem Referenzsensor an.
Am folgenden Tag werden beide Geräte unter stabilen Bedingungen erneut verglichen. Die Abweichung beträgt nur etwa 1,5 % rF und liegt damit innerhalb der festgelegten Toleranz.
Eine Justage unmittelbar nach der Betauung hätte dagegen einen Fehler erzeugt: Der noch nasse Sensor wäre künstlich nach unten korrigiert worden und hätte nach vollständiger Trocknung zu niedrige Werte angezeigt.
Da sich das Ereignis im Kühlraum wiederholen kann, wird anschließend nicht nur der Sensor betrachtet. Die Messstelle wird so verändert, dass kein Kondenswasser direkt auf die Filterkappe tropfen kann. Zusätzlich wird geprüft, ob für die Anwendung langfristig ein für Hochfeuchte beziehungsweise Kondensationsrisiko geeigneterer Sensortyp sinnvoll ist.
Welche Sensoren eignen sich?
IFG80 / ITFG80 für Hochfeuchtebereiche
Der IFG80 beziehungsweise ITFG80 ist für die Messung von relativer Feuchte beziehungsweise Feuchte und Temperatur in Räumen und Luftkanälen vorgesehen.
Das verwendete Polyga®-Feuchtemesselement zeichnet sich besonders durch Robustheit und Eignung im Hochfeuchtebereich aus. Damit ist die Baureihe beispielsweise für Klimakammern, Industriehallen, Container sowie Innen- und Außenbereiche interessant, in denen dauerhaft höhere Feuchtewerte auftreten können.
Auch bei einem für Hochfeuchte ausgelegten Sensor sollte direkte und dauerhafte Betauung jedoch nicht mit einem normalen Feuchtebetrieb gleichgesetzt werden. Ein geeigneter Montageort und Schutz vor direktem Tropfwasser bleiben wichtig.
IVC / IVR für raue Umgebungsbedingungen
Die IVC- und IVR-Kompaktsensoren verwenden ein kapazitives Mela®-Feuchtesensorelement in einem robusten Edelstahlgehäuse mit Schutzart IP65.
Sie eignen sich deshalb besonders für industrielle Anwendungen, bei denen mechanische Robustheit und ein widerstandsfähiger Fühleraufbau wichtig sind.
Die Schutzart des Gehäuses darf allerdings nicht mit einer beliebigen Betauungsfestigkeit des eigentlichen Sensorelements verwechselt werden. Filter, Prozessbedingungen und vorgesehener Feuchtebereich müssen zusätzlich berücksichtigt werden.
IFA510 / IFA515 für Taupunktmessungen
Wenn nicht die relative Luftfeuchte eines Raumes, sondern die Restfeuchte beziehungsweise der Taupunkt in Druckluft oder Gasen überwacht werden soll, sind spezielle Taupunktsensoren die passendere Lösung.
Die IFA510 / IFA515 sind je nach Ausführung für Kälte- oder Adsorptionstrockner vorgesehen. Das Sensorelement wird als betauungsunempfindlich beschrieben und durch eine Edelstahl-Sinterkappe vor direktem Kontakt mit verschmutzten Partikeln geschützt.
Damit eignen sich diese Sensoren besonders für Anwendungen, in denen kurzzeitig deutlich höhere Feuchte auftreten kann, beispielsweise nach Störungen eines Trockners.
Unter Feuchtemessgeräte / Feuchtesensoren finden Sie weitere Sensoren für Raum-, Kanal- und Prozessanwendungen. Taupunkt- und Prozesssensoren sind unter Feuchtesensoren / Taupunktsensor zusammengefasst.
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Feuchtesensor, Filter, Messbereich und Einbauposition sowie bei Kalibrierung und Bewertung kritischer Hochfeuchte- und Kondensationsanwendungen.
Fazit
Ein Feuchtesensor, der nach Kondensation lange 100 % rF anzeigt, ist nicht automatisch defekt. Flüssiges Wasser am Sensorelement oder im Schutzfilter kann dafür sorgen, dass der Fühler noch lange nach Änderung der Umgebung ein lokal stark feuchtes Mikroklima misst.
Wie schnell sich der Sensor erholt, hängt von Sensorkonstruktion, Filter, Temperatur, Luftbewegung und Ausmaß der Betauung ab. Eine allgemeingültige Erholzeit gibt es deshalb nicht.
Problematischer wird Kondensation, wenn gleichzeitig Staub, Salze oder Prozessrückstände vorhanden sind. Nach dem Verdunsten des Wassers können hygroskopische Ablagerungen zurückbleiben und zu dauerhafter Drift oder langsamerem Ansprechverhalten führen.
Der Sensor sollte deshalb erst nach vollständiger Trocknung bewertet werden. Anschließend kann eine Vergleichsmessung mit einer geeigneten Referenz zeigen, ob er wieder innerhalb der zulässigen Toleranz arbeitet.
Eine Justage unmittelbar nach der Kondensation ist dagegen riskant, weil ein vorübergehender Feuchtefilm fälschlicherweise als dauerhafter Sensoroffset interpretiert werden kann.
Bei regelmäßig kondensierenden Anwendungen sollte nicht nur der Sensor ausgetauscht werden. Messstelle, Taupunktabstand, Filter, Einbaulage und gegebenenfalls ein aktiv beheiztes beziehungsweise speziell für Hochfeuchte ausgelegtes Messsystem müssen gemeinsam betrachtet werden.
Häufige Fragen zu Feuchtesensoren nach Kondensation
Ist ein Feuchtesensor kaputt, wenn er nass geworden ist?
Nicht automatisch. Viele Sensortechnologien können sich nach einer einmaligen Kondensation wieder erholen. Ob der Sensor weiterhin verwendbar ist, sollte nach vollständiger Trocknung durch eine Vergleichs- oder Kalibrierprüfung beurteilt werden.
Warum zeigt der Sensor noch 100 % rF, obwohl der Raum trocken ist?
Am Sensorelement oder im Filter kann noch Wasser vorhanden sein. Dieses erzeugt unmittelbar am Sensor ein deutlich feuchteres Mikroklima als in der übrigen Umgebung.
Wie lange braucht ein Feuchtesensor zum Trocknen?
Dafür gibt es keinen universellen Zeitraum. Abhängig von Sensor, Filter, Temperatur, Luftbewegung und Kondensatmenge kann die Erholung von relativ kurzer Zeit bis zu mehreren Stunden dauern.
Sollte ich den Sensor nach Kondensation sofort neu kalibrieren?
Nein. Zunächst sollte er vollständig trocknen und stabilisieren. Eine Justage eines noch feuchten Sensors kann anschließend zu einem falschen Offset führen.
Kann Kondenswasser dauerhafte Messfehler verursachen?
Ja, insbesondere wenn das Wasser Salze, Staub oder andere Verunreinigungen auf dem Sensorelement zurücklässt. Diese können die Langzeitstabilität und das Ansprechverhalten beeinflussen.
Hilft ein Schutzfilter gegen Kondensation?
Ein Filter schützt vor Partikeln und je nach Bauform auch vor Tropfeneintrag, verhindert jedoch nicht zwangsläufig Kondensation durch Unterschreiten des Taupunktes. Außerdem kann ein nasser Filter die Erholzeit verlängern.
Wie erkenne ich dauerhafte Drift?
Wenn der vollständig trockene und stabilisierte Sensor unter denselben Bedingungen reproduzierbar von einem geeigneten Referenzgerät abweicht, sollte eine Kalibrierprüfung beziehungsweise Rekalibrierung erfolgen.
Warum sind beheizte Feuchtesensoren bei Hochfeuchte hilfreich?
Durch eine kontrollierte Erwärmung kann die Sensortemperatur oberhalb des Taupunktes gehalten und Kondensation verhindert beziehungsweise die Erholung beschleunigt werden. Die Temperaturabhängigkeit der relativen Feuchte muss dabei jedoch vom Messsystem berücksichtigt werden.
Wann sollte ein Feuchtesensor ausgetauscht werden?
Ein Austausch ist sinnvoll, wenn nach vollständiger Trocknung eine unzulässige und reproduzierbare Abweichung verbleibt, das Ansprechverhalten stark verschlechtert ist, das Signal instabil bleibt oder sichtbare Schäden beziehungsweise Korrosion vorhanden sind.
