In Separatoren, Lagertanks und Prozessbehältern befinden sich häufig zwei nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten. Typische Beispiele sind Wasser unter Öl, Kondensat unter Kraftstoff oder eine wässrige Phase unter einem organischen Lösungsmittel. Für einen stabilen Prozess reicht es dabei nicht aus, nur den Gesamtfüllstand im Behälter zu kennen. Entscheidend ist zusätzlich, auf welcher Höhe sich die Grenzfläche zwischen den beiden Flüssigkeiten befindet.
Eine falsche Grenzflächenmessung kann dazu führen, dass beim Entwässern wertvolles Öl mit ausgetragen wird, Wasser in einen nachfolgenden Prozess gelangt oder ein Separator außerhalb seines vorgesehenen Arbeitsbereichs betrieben wird. Besonders anspruchsvoll wird die Messung, wenn sich zwischen Öl und Wasser eine Emulsionsschicht bildet, die Dichten schwanken oder Ablagerungen an der Sonde beziehungsweise am Führungsrohr entstehen.
Für die kontinuierliche Öl-Wasser-Grenzflächenmessung kommen unter anderem die geführte Mikrowelle und schwimmerbasierte Systeme infrage. Eine Übersicht geeigneter Messverfahren finden Sie in der ICS-Kategorie Kontinuierliche Füllstanderfassung. Magnetostriktive Geber, Bypass-Anzeiger und weitere robuste Schwimmerlösungen sind unter WIKA KSR Kübler Füllstandstechnik zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- Gesamtfüllstand und Grenzfläche unterscheiden
- Welche Prozessdaten werden benötigt?
- Wie funktioniert die geführte Mikrowelle?
- Wann eignet sich TDR für Öl und Wasser?
- Wie funktioniert die Messung mit zwei Schwimmern?
- Dichte und Schwimmer richtig auslegen
- TDR und Schwimmersystem im Vergleich
- Emulsion, Schaum und Übergangsschichten bewerten
- Sondenlänge, Einbau und Bypass richtig planen
- Kalibrierung, Inbetriebnahme und Diagnose
- Typische Fehler bei der Grenzflächenmessung
- Praxisbeispiel: Öl-Wasser-Separator
- Welche Produkte und Lösungen eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen
Gesamtfüllstand und Grenzfläche unterscheiden
Bei einem Behälter mit Öl und Wasser existieren mindestens zwei relevante Höhen:
- der Gesamtfüllstand an der Oberfläche zwischen Gasraum und oberer Flüssigkeit,
- die Grenzfläche zwischen der oberen und der unteren Flüssigkeitsphase.
Befinden sich beispielsweise 800 mm Wasser und darüber 1.000 mm Öl im Behälter, liegt die Öl-Wasser-Grenzfläche 800 mm über dem Behälterboden. Der Gesamtfüllstand beträgt dagegen 1.800 mm. Steigt die Wasserschicht bei unverändertem Gesamtfüllstand an, wird Öl verdrängt. Eine reine Gesamtfüllstandmessung würde diese Veränderung nicht erkennen.
Vor der Geräteauswahl muss deshalb festgelegt werden, welche Messwerte tatsächlich benötigt werden:
| Messaufgabe | Erforderlicher Messwert | Typischer Zweck |
|---|---|---|
| Behälterfüllung überwachen | Gesamtfüllstand | Überfüllung und verfügbares Volumen überwachen |
| Wasser automatisch ablassen | Öl-Wasser-Grenzfläche | Entwässerungsventil steuern |
| Beide Phasen bilanzieren | Gesamtfüllstand und Grenzfläche | Öl- und Wasservolumen getrennt berechnen |
| Emulsionsschicht überwachen | Mehrere Übergänge oder Dichteprofil | Separatorleistung und Chemikaliendosierung beurteilen |
Eine Grenzflächenmessung ersetzt außerdem nicht automatisch eine unabhängige Überfüllsicherung oder einen separaten Grenzstandschalter. Ob zusätzliche Sicherheitseinrichtungen erforderlich sind, ergibt sich aus der betrieblichen Risikobeurteilung und den Anforderungen der Anlage.
Welche Prozessdaten werden benötigt?
Die zuverlässige Auswahl beginnt mit vollständigen Daten für beide Flüssigkeiten. Die Bezeichnung „Öl und Wasser“ allein ist nicht ausreichend, weil Rohöl, Schmieröl, Diesel, Lösungsmittel oder Prozessöl sehr unterschiedliche Eigenschaften besitzen können.
Für die Auslegung sollten mindestens folgende Angaben vorliegen:
- Dichte der oberen und unteren Phase bei minimaler und maximaler Temperatur,
- dynamische oder kinematische Viskosität beider Flüssigkeiten,
- elektrische Leitfähigkeit und relative Permittivität, soweit verfügbar,
- Temperatur- und Druckbereich,
- maximale und minimale Höhe der einzelnen Schichten,
- erwartete Dicke einer Emulsions- oder Übergangszone,
- Schaum, Gasblasen, Feststoffe und Ablagerungen,
- chemische Zusammensetzung und Werkstoffverträglichkeit,
- Tankhöhe, Stutzen, Einbauten, Rührwerke und Strömungsverhältnisse,
- gewünschte Ausgangssignale und Einbindung in die Steuerung.
Besonders wichtig sind die ungünstigsten Betriebszustände. Die Dichte eines Öls kann sich mit Temperatur, Zusammensetzung oder aufgenommenem Wasser verändern. Auch die Wasserschicht kann Salze, Feststoffe oder Chemikalien enthalten. Eine Messstelle, die bei einem sauberen Referenzmedium funktioniert, muss deshalb nicht automatisch unter realen Prozessbedingungen zuverlässig arbeiten.
Wie funktioniert die geführte Mikrowelle?
Bei der geführten Mikrowelle, häufig als TDR oder Guided Wave Radar bezeichnet, werden kurze elektromagnetische Impulse entlang einer Stab-, Seil- oder Koaxialsonde in den Behälter geführt. Ändert sich entlang der Sonde die elektrische Eigenschaft des umgebenden Mediums, wird ein Teil des Signals reflektiert.
In einem Öl-Wasser-System können zwei relevante Reflexionen entstehen:
- an der Oberfläche zwischen Gasraum und Öl,
- an der Grenzfläche zwischen Öl und Wasser.
Aus der Laufzeit der Reflexionen berechnet die Elektronik die Entfernung zu den jeweiligen Schichten. Voraussetzung für eine Interface-Messung ist, dass ein ausreichender Anteil des Signals die obere Flüssigkeit durchdringt und die Reflexion an der unteren Phase eindeutig ausgewertet werden kann.
Der große Unterschied zur freistrahlenden Radarmessung besteht darin, dass das Signal entlang einer Sonde geführt wird. Dadurch ist die Messung häufig weniger empfindlich gegenüber schrägen Oberflächen, engen Behältern oder seitlichen Einbauten. Die Sonde steht jedoch direkt mit dem Medium in Kontakt und kann durch starke Ablagerungen mechanisch oder messtechnisch beeinträchtigt werden.
Wann eignet sich TDR für Öl und Wasser?
Öl über Wasser ist grundsätzlich eine günstige Anwendung für TDR, weil die beiden Phasen meist deutlich unterschiedliche dielektrische Eigenschaften besitzen. Die obere Ölphase muss das Signal jedoch ausreichend durchlassen. Ist die obere Flüssigkeit stark leitfähig oder besitzt sie eine hohe Signalabsorption, kann die Reflexion an der Oberfläche so dominant sein, dass die darunterliegende Grenzfläche nicht mehr sicher erkannt wird.
Folgende Punkte sind bei der TDR-Auslegung besonders wichtig:
Ausreichender Kontrast zwischen den Phasen
Die Reflexion an der Grenzfläche entsteht durch den Unterschied der elektrischen Eigenschaften. Je deutlicher dieser Unterschied ist, desto besser lässt sich die Grenzfläche erkennen. Bei zwei Flüssigkeiten mit ähnlichen Eigenschaften kann das Interface-Echo dagegen sehr schwach sein.
Mindestdicke der oberen Schicht
Liegt die Öl-Wasser-Grenzfläche sehr nahe an der oberen Produktoberfläche, können sich beide Reflexionen überlagern. Die erforderliche Mindestschichtdicke hängt von Gerät, Sonde, Parametrierung und Prozessbedingungen ab und muss anhand der konkreten Geräteausführung geprüft werden.
Geeignete Sondenbauform
| Sondenbauform | Stärken | Zu beachten |
|---|---|---|
| Stabsonde | Mechanisch stabil, vergleichsweise gut zu reinigen | Geeigneter Einbauraum und ausreichende Behälterhöhe erforderlich |
| Seilsonde | Für große Messlängen und hohe Behälter geeignet | Seitliche Bewegung, Zugkräfte und Bodenbefestigung prüfen |
| Koaxialsonde | Sehr definierte Signalführung und geringer Einfluss naher Einbauten | Enge Zwischenräume können bei zähen oder verschmutzten Medien zusetzen |
Ablagerungen und Anhaftungen
Ein dünner, gleichmäßiger Film ist nicht automatisch kritisch. Dicke, ungleichmäßige oder leitfähige Ablagerungen können jedoch zusätzliche Reflexionen, Signalabschwächung oder eine scheinbare Verlängerung der Sonde verursachen. Reinigbarkeit und Ablagerungsneigung müssen deshalb bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Wie funktioniert die Messung mit zwei Schwimmern?
Schwimmerbasierte Grenzflächenmessungen nutzen den Auftrieb der Flüssigkeiten. Bei einem Doppelschwimmersystem werden zwei unterschiedlich ausgelegte Schwimmer entlang eines Führungsrohrs eingesetzt.
Der obere Schwimmer folgt der Oberfläche der leichteren Flüssigkeit und erfasst den Gesamtfüllstand. Der zweite Schwimmer sinkt durch die leichtere Ölphase, wird aber von der dichteren Wasserphase getragen. Er folgt dadurch der Öl-Wasser-Grenzfläche.
Bei einem magnetostriktiven Füllstandstransmitter besitzen die Schwimmer integrierte Magnete. Ein Messimpuls läuft durch einen magnetostriktiven Draht im Führungsrohr. An der Position eines Schwimmers entsteht durch die Überlagerung der Magnetfelder eine mechanische Torsionswelle. Aus ihrer Laufzeit berechnet die Elektronik die Schwimmerposition.
Unterstützt die konkrete Ausführung mehrere Schwimmer, können Gesamtfüllstand und Grenzfläche über einen gemeinsamen Sensor erfasst und beispielsweise über HART oder getrennte Ausgangssignale an die Steuerung übertragen werden.
Dichte und Schwimmer richtig auslegen
Für eine zuverlässige Grenzflächenmessung muss jeder Schwimmer zum vorgesehenen Dichtebereich passen. Vereinfacht gelten folgende Bedingungen:
Dichte des Gesamtfüllstandschwimmers < Dichte der oberen Flüssigkeit
Dichte der oberen Flüssigkeit < Dichte des Grenzflächenschwimmers < Dichte der unteren Flüssigkeit
Der Grenzflächenschwimmer muss also durch das Öl hindurchsinken, aber auf dem Wasser genügend Auftrieb erhalten. In der Praxis wird nicht nur die mittlere Schwimmerdichte betrachtet. Form, Volumen, Masse, Eintauchtiefe und Magnetposition werden vom Hersteller auf die Anwendung abgestimmt.
Problematisch wird die Messung, wenn sich die Dichten der beiden Flüssigkeiten annähern. Steigt beispielsweise die Dichte der Ölphase durch Wasseraufnahme, Verschmutzung oder Temperaturänderung, kann der Grenzflächenschwimmer höher in der Ölphase stehen. Sinkt gleichzeitig die Dichte der Wasserphase, wird die verfügbare Dichtedifferenz zusätzlich kleiner.
Für die Auslegung sollten daher nicht nur Nennwerte, sondern folgende Grenzfälle angegeben werden:
- maximale Dichte der oberen Phase,
- minimale Dichte der unteren Phase,
- vollständiger Temperaturbereich,
- mögliche Konzentrations- und Zusammensetzungsänderungen.
Auch die Viskosität ist relevant. Sehr zähes Öl kann die Bewegung des Schwimmers verzögern. Wachs, Harz, Schlamm oder klebrige Ablagerungen können dazu führen, dass der Schwimmer nicht mehr frei am Führungsrohr entlangläuft.
TDR und Schwimmersystem im Vergleich
| Kriterium | Geführte Mikrowelle | Magnetostriktives Doppelschwimmersystem |
|---|---|---|
| Physikalische Grundlage | Dielektrischer Kontrast und Signallaufzeit | Dichteunterschied, Auftrieb und Schwimmerposition |
| Gesamtfüllstand und Interface | Auswertung mehrerer Reflexionen | Zwei passend ausgelegte Schwimmer |
| Einfluss von Dichteänderungen | Meist geringer direkter Einfluss | Kann Eintauchtiefe und Messposition verschieben |
| Einfluss elektrischer Eigenschaften | Entscheidend für Signalübertragung und Reflexion | Für das Messprinzip weitgehend unerheblich |
| Schaum an der Oberfläche | Abhängig von Struktur und Signalabsorption | Schwimmer sinkt gewöhnlich durch leichten Schaum zur Flüssigkeit |
| Emulsionsschicht | Breites oder mehrdeutiges Echo möglich | Schwimmer kann innerhalb der Dichteübergangszone stehen |
| Anhaftungen | Können Störechos und Dämpfung verursachen | Können Schwimmer mechanisch blockieren |
| Lange Messbereiche | Mit geeigneter Seilsonde gut realisierbar | Führungsrohr, Stabilität und Montageaufwand beachten |
| Inbetriebnahme | Parametrierung und Echoprofil erforderlich | Schwimmerauslegung ist entscheidend, Parametrierung oft überschaubar |
| Diagnose | Echokurve, Signalqualität und Reflexionspositionen | Positionswerte, Plausibilität und mechanische Beweglichkeit |
Keines der beiden Verfahren ist grundsätzlich immer überlegen. TDR ist häufig vorteilhaft, wenn die Dichten schwanken, aber ein klarer dielektrischer Kontrast vorhanden ist. Ein Doppelschwimmersystem ist besonders robust, wenn die Dichten zuverlässig bekannt sind und elektrische Eigenschaften, Schaum oder Dampf stark variieren.
Emulsion, Schaum und Übergangsschichten bewerten
In realen Separatoren besteht zwischen Öl und Wasser nicht immer eine scharf definierte Trennlinie. Durch Pumpen, Rührwerke, Tenside oder hohe Strömungsgeschwindigkeiten kann eine Emulsionszone entstehen. Innerhalb dieser Schicht verändern sich Dichte und elektrische Eigenschaften kontinuierlich.
Bei TDR kann eine breite Emulsionsschicht zu einer ausgedehnten, abgeschwächten oder mehrfachen Reflexion führen. Das Gerät muss dann entscheiden, welcher Punkt als Grenzfläche ausgegeben wird. Abhängig von Parametrierung und Signalverarbeitung kann dies die Oberkante, die Unterkante oder das stärkste Echo innerhalb der Übergangszone sein.
Ein Grenzflächenschwimmer stellt sich dort ein, wo Auftrieb und Gewicht im Gleichgewicht sind. Bei einer breiten Dichteübergangszone kann diese Position innerhalb der Emulsion liegen. Sie entspricht dann nicht zwingend der sichtbaren Unter- oder Oberkante der Emulsionsschicht.
Deshalb muss vorab definiert werden, was der Prozess unter „Grenzfläche“ versteht:
- Beginn der wasserreichen Phase,
- Ende der ölreichen Phase,
- Mittelpunkt der Emulsionszone,
- bestimmte Dichte oder elektrische Eigenschaft,
- zulässige Steuerposition für das Entwässerungsventil.
Soll nicht nur eine einzelne Grenzfläche, sondern das vollständige Profil aus Öl, Emulsion, Wasser und Sediment bestimmt werden, kann ein einfaches Zwei-Punkt-Interface-Verfahren unzureichend sein. Dann sind zusätzliche Probenahmen, mehrere Messprinzipien oder spezielle Dichteprofil-Messsysteme erforderlich.
Sondenlänge, Einbau und Bypass richtig planen
Direkter Einbau von oben
Eine TDR-Sonde oder ein magnetostriktives Führungsrohr kann direkt von oben in den Behälter eingebaut werden. Die aktive Messlänge muss den gesamten relevanten Bereich abdecken. Gleichzeitig sind obere und untere Totbereiche, der Behälterboden, Einbauten und die notwendige Ausbauhöhe über dem Tank zu berücksichtigen.
Eine Stabsonde darf nicht unter mechanischer Spannung montiert oder durch Behälterbewegungen seitlich belastet werden. Seilsonden dürfen nicht unkontrolliert gegen Einbauten schlagen. Bei Strömung, Turbulenz oder starkem Zulauf kann ein Schwallrohr oder eine andere mechanische Beruhigung erforderlich sein.
Messung im Bypass oder Bezugsgefäß
Ein externes Bezugsgefäß wird über einen oberen und einen unteren Anschluss mit dem Behälter verbunden. Unter stabilen Bedingungen entsprechen die Füllstände im Bezugsgefäß den Füllständen im Hauptbehälter. Sensor und Schwimmer sind dort gut zugänglich und können häufig einfacher gewartet werden.
Für eine Grenzflächenmessung müssen jedoch beide Flüssigkeitsphasen frei in die Kammer ein- und austreten können. Ein verstopfter unterer Anschluss kann dazu führen, dass die Wasserschicht im Bezugsgefäß nicht mehr der tatsächlichen Grenzfläche im Behälter entspricht. Auch zu kleine Anschlüsse, lange Leitungen oder hohe Viskosität können die Reaktion verzögern.
Bei starkem Durchfluss im Hauptbehälter kann der Bypass die Messung beruhigen. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob sich das Medium in der externen Kammer abkühlt, entgast oder anders trennt als im Prozessbehälter.
Kalibrierung, Inbetriebnahme und Diagnose
Die Inbetriebnahme sollte nicht nur mit einem leeren und vollständig gefüllten Behälter erfolgen. Für eine Interface-Messung müssen Gesamtfüllstand und Grenzfläche getrennt geprüft werden.
- Referenzebenen festlegen: Prozessanschluss, Sondenanfang, Behälterboden und Nullpunkt eindeutig dokumentieren.
- Messbereiche zuordnen: Festlegen, welcher Ausgang Gesamtfüllstand und welcher Ausgang Grenzfläche überträgt.
- Leeren Zustand prüfen: Nullpunkt, Totbereiche, Sondenende und mögliche feste Störechos kontrollieren.
- Nur Wasser einfüllen: Untere Phase und grundlegende Sensorfunktion prüfen.
- Öl schrittweise ergänzen: Gesamtfüllstand und Grenzfläche mit einer unabhängigen Referenz vergleichen.
- Reale Temperaturen anfahren: Dichteänderung, Viskosität und Signalstabilität bewerten.
- Dynamischen Betrieb prüfen: Zulauf, Entwässerung, Pumpen und Turbulenz unter realen Bedingungen testen.
- Alarme plausibilisieren: Signalverlust, unplausible Schichtdicken und Grenzwertüberschreitungen simulieren.
Als Referenz können ein Schauglas, definierte Probenahmestellen, Peilungen oder eine kontrollierte Befüllung mit bekannten Volumina dienen. Bei einem Bypass ist zusätzlich zu prüfen, ob dessen Anzeige ohne Verzögerung dem Hauptbehälter folgt.
Bei TDR sollte das Echoprofil in mehreren Betriebszuständen gespeichert werden. So lässt sich später erkennen, ob sich Reflexionen, Signalstärke oder Störechos verändert haben. Bei Schwimmersystemen gehören die freie Beweglichkeit, die korrekte Reihenfolge der Schwimmer und die Plausibilität der beiden Positionswerte zur Funktionsprüfung.
Typische Fehler bei der Grenzflächenmessung
| Fehler | Mögliche Folge | Geeignete Maßnahme |
|---|---|---|
| Nur Gesamtfüllstand gemessen | Steigende Wasserschicht bleibt unbemerkt | Separaten Interface-Messwert vorsehen |
| Dichte nur bei Raumtemperatur angegeben | Grenzflächenschwimmer arbeitet bei Prozesstemperatur falsch | Dichtebereich für alle Temperaturen angeben |
| Obere Phase für TDR zu stark dämpfend | Interface-Echo wird nicht erkannt | Elektrische Eigenschaften prüfen oder Schwimmerprinzip erwägen |
| Emulsion als scharfe Trennlinie behandelt | Messwert stimmt nicht mit der betrieblichen Erwartung überein | Definition der Grenzfläche und Emulsionsbreite festlegen |
| Falscher Schwimmer eingesetzt | Schwimmer verbleibt auf dem Öl oder sinkt bis zum Boden | Schwimmer anhand beider Dichtebereiche auslegen |
| TDR-Sonde zu kurz oder Totbereich übersehen | Grenzfläche wird in kritischen Bereichen nicht erfasst | Aktive Messlänge und Totzonen vollständig prüfen |
| Ablagerungen nicht berücksichtigt | Störechos oder blockierter Schwimmer | Reinigungsstrategie und geeignete Bauform vorsehen |
| Unterer Bypass-Anschluss zugesetzt | Grenzfläche im Bypass weicht vom Tank ab | Anschlüsse kontrollieren und spülbar ausführen |
| Gesamtfüllstand und Interface in der SPS vertauscht | Ventil wird anhand des falschen Messwertes gesteuert | Signalzuordnung, Skalierung und Bezeichnung prüfen |
Praxisbeispiel: Öl-Wasser-Separator
In einem industriellen Separator wird ölhaltiges Prozesswasser getrennt. Die Wasserphase befindet sich unten, darüber liegt eine Ölschicht. Der Gesamtfüllstand soll konstant gehalten werden, während ein Ventil am Behälterboden die Wasserphase kontrolliert ableitet.
Die Dichte des Öls schwankt abhängig von Zusammensetzung und Temperatur. Zwischen Öl und Wasser entsteht zeitweise eine 50 bis 150 mm dicke Emulsionsschicht. Außerdem können sich an ruhigen Stellen Schlamm und Feststoffe absetzen.
Für eine TDR-Lösung wird eine starre Stabsonde von oben vorgesehen. Der dielektrische Kontrast zwischen der Öl- und Wasserphase ist grundsätzlich gut. Bei der Inbetriebnahme zeigt das Echoprofil jedoch, dass sich die Interface-Reflexion während starker Emulsionsbildung verbreitert. Deshalb wird nicht nur der Messwert, sondern auch die Signalqualität überwacht.
Die Steuerung öffnet das Entwässerungsventil nicht unmittelbar bei jeder kleinen Messwertänderung. Stattdessen werden ein zulässiger Interface-Bereich, eine Zeitverzögerung und eine Plausibilitätsprüfung mit dem Gesamtfüllstand eingerichtet. Ein sprunghafter Interface-Wert bei unverändertem Prozess wird als Diagnoseereignis behandelt.
Als Alternative wird ein magnetostriktives Doppelschwimmersystem bewertet. Der obere Schwimmer wird für die minimale Dichte der Ölphase ausgelegt. Der Grenzflächenschwimmer muss durch das Öl sinken, aber bei der minimal zu erwartenden Dichte der Wasserphase sicher aufschwimmen.
Da die Emulsionszone zeitweise breit ist, würde auch der Schwimmer keinen universell gültigen Übergangspunkt liefern. Für die Prozessführung wird deshalb festgelegt, dass die Messung die Position einer definierten mittleren Dichte repräsentiert. Regelmäßige Proben am unteren Ablass bestätigen, ob der gewählte Abschaltpunkt verhindert, dass Öl mit dem Wasser ausgetragen wird.
Die Entscheidung zwischen TDR und Schwimmer wird letztlich anhand der Dichteschwankungen, Ablagerungsneigung, Wartungszugänglichkeit und Diagnoseanforderungen getroffen. Bei besonders kritischen Anlagen kann eine Kombination aus kontinuierlicher Grenzflächenmessung, separatem Grenzschalter und Probenahme sinnvoll sein.
Welche Produkte und Lösungen eignen sich?
SITRANS LG
Der SITRANS LG arbeitet nach dem Prinzip der geführten Mikrowelle. Die Baureihe ist für kontinuierliche Füllstand-, Volumen- und Grenzflächenmessungen vorgesehen. Für Flüssigkeits- und Interface-Anwendungen ist insbesondere eine passend konfigurierte Ausführung mit geeigneter Stab-, Seil- oder Koaxialsonde relevant.
Bei der Auswahl müssen Sondenbauform, Messlänge, Prozessanschluss, Temperatur, Druck, Werkstoffe und die elektrischen Eigenschaften beider Flüssigkeiten gemeinsam betrachtet werden. Für die Inbetriebnahme sind die Echokurve und die eindeutige Zuordnung von Gesamtfüllstand und Grenzfläche besonders wichtig.
WIKA FLM-S, FLM-T und FLM-P
Die WIKA-Typen FLM-S, FLM-T und FLM-P sind magnetostriktive Füllstandstransmitter für die hochgenaue kontinuierliche Erfassung von Flüssigkeiten. In einer für mehrere Schwimmer vorgesehenen Ausführung können Gesamtfüllstand und Grenzfläche parallel erfasst werden.
Die Auslegung erfolgt anwendungsbezogen. Schwimmer, Führungsrohr, Prozessanschluss und Werkstoffe müssen zu den Dichten, zur Viskosität, zur Temperatur, zum Druck und zur chemischen Zusammensetzung beider Medien passen.
WIKA BZG Bezugsgefäß
Das WIKA BZG Bezugsgefäß wird seitlich über mindestens zwei Prozessanschlüsse mit dem Behälter verbunden. Es kann je nach Ausführung mit geeigneten Füllstandsensoren oder einer geführten Mikrowelle kombiniert werden.
Ein externes Bezugsgefäß erleichtert häufig Wartung, Nachrüstung und mechanische Beruhigung der Messstelle. Für die Öl-Wasser-Grenzflächenmessung müssen Anschlusspositionen, Leitungsquerschnitte, Entleerung, Entlüftung und mögliche Ablagerungen besonders sorgfältig geplant werden.
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl des Messprinzips, der Bewertung von Dichte und dielektrischen Eigenschaften, der Sonden- und Schwimmerauslegung sowie bei Signalzuordnung, Parametrierung und Integration in SPS oder Prozessleitsystem.
Fazit
Eine zuverlässige Öl-Wasser-Grenzflächenmessung beginnt mit der klaren Trennung zwischen Gesamtfüllstand, eigentlicher Phasengrenze und möglicher Emulsionszone. Erst wenn definiert ist, welcher Übergang für die Prozesssteuerung relevant ist, kann das passende Messprinzip ausgewählt werden.
Die geführte Mikrowelle nutzt den Unterschied der dielektrischen Eigenschaften. Sie ist besonders interessant, wenn die obere Phase das Signal ausreichend durchlässt und an der Grenzfläche ein eindeutiges Echo entsteht. Magnetostriktive Doppelschwimmersysteme arbeiten dagegen auf Grundlage des Dichteunterschieds und sind weitgehend unabhängig von Leitfähigkeit und Permittivität.
TDR reagiert empfindlich auf ungeeignete elektrische Eigenschaften, überlagerte Reflexionen und starke Anhaftungen. Schwimmersysteme benötigen ausreichend stabile Dichteunterschiede und eine freie mechanische Beweglichkeit. Eine breite Emulsionsschicht kann bei beiden Verfahren dazu führen, dass nicht eine scharfe Trennlinie, sondern ein definierter Punkt innerhalb der Übergangszone gemessen wird.
Die richtige Lösung ergibt sich deshalb aus Dichte, Dielektrizitätskontrast, Emulsionsverhalten, Ablagerungen, Tankgeometrie, Wartungszugang und den erforderlichen Diagnosefunktionen. Eine Prüfung unter realen Betriebsbedingungen ist für kritische Separatoren und Entwässerungsprozesse unverzichtbar.
Häufige Fragen zur Öl-Wasser-Grenzflächenmessung
Kann ein normaler Füllstandsensor Wasser unter Öl erkennen?
Nicht automatisch. Viele Sensoren erfassen nur die obere Produktoberfläche. Für Wasser unter Öl muss das Gerät ausdrücklich zur Grenzflächenmessung geeignet und für beide Flüssigkeiten korrekt ausgelegt sein.
Warum eignet sich die geführte Mikrowelle für Öl und Wasser?
Öl und Wasser besitzen meist deutlich unterschiedliche elektrische Eigenschaften. Dadurch kann an der Grenzfläche eine zusätzliche Reflexion entstehen. Die Ölphase muss jedoch genügend Messsignal bis zur Wasserphase durchlassen.
Welche Dichte benötigt ein Grenzflächenschwimmer?
Der Schwimmer muss eine für beide Flüssigkeiten passende Auslegung besitzen. Er muss durch die leichtere obere Phase sinken, aber auf der dichteren unteren Phase genügend Auftrieb erhalten. Die konkrete Auslegung erfolgt anhand der vollständigen Dichtebereiche und Prozessbedingungen.
Kann eine Emulsionsschicht exakt gemessen werden?
Eine einzelne Grenzflächenmessung liefert bei einer breiten Emulsion meist nur einen charakteristischen Punkt innerhalb der Übergangszone. Soll die komplette Dicke oder Zusammensetzung der Emulsion bestimmt werden, sind zusätzliche Messungen oder spezielle Profilverfahren erforderlich.
Beeinflusst Schaum die Grenzflächenmessung?
Schaum an der oberen Oberfläche kann die Erfassung des Gesamtfüllstands beeinflussen. Ein passend ausgelegter Schwimmer sinkt häufig durch leichten Schaum bis zur Flüssigkeitsoberfläche. Bei TDR hängt der Einfluss von Dichte, Feuchte, Struktur und elektrischen Eigenschaften des Schaums ab.
Ist ein Bypass für die Grenzflächenmessung sinnvoll?
Ein Bypass kann die Messung beruhigen und die Wartung vereinfachen. Er funktioniert jedoch nur zuverlässig, wenn beide Phasen frei mit dem Hauptbehälter kommunizieren und die Anschlüsse nicht durch Schlamm, Wachs oder Ablagerungen zugesetzt werden.
Wie lässt sich die Messung bei der Inbetriebnahme prüfen?
Gesamtfüllstand und Grenzfläche sollten mit unabhängigen Referenzen verglichen werden, beispielsweise über Schauglas, Probenahme oder kontrollierte Befüllung. Bei TDR ist zusätzlich das Echoprofil zu prüfen; bei Schwimmersystemen die freie Bewegung und korrekte Signalzuordnung beider Schwimmer.
Welche Messung ist bei schwankender Öldichte besser?
Bei stark schwankender Dichte kann TDR vorteilhaft sein, sofern die elektrischen Eigenschaften eine sichere Interface-Reflexion ermöglichen. Bei stabilen Dichten und wechselnder Leitfähigkeit oder Schaumbildung kann ein passend ausgelegtes Schwimmersystem robuster sein.
