Leitfähigen Grenzstandschalter auslegen: Mindestleitfähigkeit, Elektrodenabstand und Belag berücksichtigen

Leitfähigen Grenzstandschalter richtig auslegen Leitfähigkeit, Elektrodenabstand und Belag beachten
→ Produktkategorie: Füllstandmesstechnik

 

Leitfähige Grenzstandschalter sind eine einfache und robuste Lösung zur Erkennung von Wasser und anderen elektrisch leitfähigen Flüssigkeiten. Sie können als Überfüllsicherung, Trockenlaufschutz, Leckageerkennung oder Zweipunktregelung eingesetzt werden. Das Messprinzip kommt ohne bewegliche Teile aus und lässt sich mit Stab-, Seil- oder Mehrfachelektroden an sehr unterschiedliche Behälter anpassen.

Eine sichere Funktion hängt jedoch nicht allein davon ab, ob das Medium grundsätzlich „leitfähig“ ist. Entscheidend sind die niedrigste zu erwartende Leitfähigkeit, der Abstand und die benetzte Länge der Elektroden, die Behältergeometrie, mögliche Beläge sowie die Einstellung des Auswertegeräts. Auch Schaum, Kondensat, Reinigungsmedien und wechselnde Produktqualitäten können das Schaltverhalten verändern.

Dieser Beitrag zeigt, wie eine leitfähige Grenzstandmessung systematisch ausgelegt wird, welche Fehler bei Behältermasse und Elektrodenanordnung entstehen und wann ein anderes Messprinzip die zuverlässigere Wahl ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie die leitfähige Grenzstanderfassung funktioniert
  2. Elektrode, Gegenelektrode und Auswertegerät
  3. Mindestleitfähigkeit richtig bewerten
  4. Warum mit Wechselspannung gemessen wird
  5. Elektrodenzahl und Schaltpunkte festlegen
  6. Elektrodenabstand und Behältergeometrie
  7. Metallbehälter als Gegenelektrode nutzen
  8. Nichtleitende Behälter richtig ausrüsten
  9. Belag, Brückenbildung und Kriechströme
  10. Schaum, Kondensat und Spritzwasser
  11. Schaltpunkt, Empfindlichkeit und Verzögerung
  12. Elektrodenwerkstoff und Isolation auswählen
  13. Messfunktion und Sicherheitsfunktion trennen
  14. Empfohlener Ablauf für Auslegung und Inbetriebnahme
  15. Häufige Auslegungs- und Montagefehler
  16. Wann ein anderes Messprinzip sinnvoll ist
  17. Passende Füllstandslösungen bei ICS Schneider
  18. Fazit
  19. FAQ: Leitfähige Grenzstandschalter

Wie die leitfähige Grenzstanderfassung funktioniert

Bei der leitfähigen oder konduktiven Grenzstanderfassung wird zwischen zwei Elektroden eine kleine elektrische Messspannung angelegt. Sobald eine leitfähige Flüssigkeit beide Elektroden benetzt, fließt ein geringer Strom. Das Auswertegerät erfasst diesen Strom und schaltet abhängig von Betriebsart, Empfindlichkeit und Zeitverzögerung ein Ausgangsrelais oder einen elektronischen Ausgang.

In einem metallischen Behälter kann die Behälterwand als Gegenelektrode dienen. Dann genügt für einen einzelnen Schaltpunkt häufig eine Messelektrode. In einem Kunststoffbehälter oder einem beschichteten Metalltank wird dagegen eine separate Masse- beziehungsweise Bezugselektrode benötigt.

Das Verfahren misst keinen kontinuierlichen Füllstand. Der mechanische Einbauort beziehungsweise das Ende der Elektrode bestimmt den Grenzstand. Mehrere unterschiedlich lange Elektroden ermöglichen mehrere Schaltpunkte, beispielsweise Minimum, Maximum und eine Zweipunktregelung für eine Pumpe.

Elektrode, Gegenelektrode und Auswertegerät

Eine vollständige Messstelle besteht normalerweise aus drei Funktionsgruppen:

  • Messelektrode: Sie wird bei Erreichen des gewünschten Grenzstands vom Medium benetzt.
  • Gegenelektrode: Sie stellt den Rückweg für den Messstrom bereit. Das kann eine zweite Elektrode oder die leitfähige Behälterwand sein.
  • Auswertegerät: Es erzeugt die Messspannung, bewertet den Leitwert und stellt den Schaltausgang bereit.

Bei getrennten Systemen werden die Elektroden im Behälter und das Auswertegerät im Schaltschrank montiert. Kompakte Grenzstandschalter vereinen Elektrode und Auswerteelektronik in einem Gerät. Welche Bauform besser geeignet ist, hängt von Leitungslänge, Umgebung, Ex-Zone, Wartungszugang und gewünschter Diagnose ab.

Mindestleitfähigkeit richtig bewerten

Jedes Auswertegerät benötigt einen bestimmten Mindestleitwert. Ein pauschaler Grenzwert für alle leitfähigen Grenzstandschalter existiert nicht. Je nach Sensor, Leitungslänge, Auswerteelektronik und Elektrodengeometrie können die Herstellerangaben deutlich voneinander abweichen.

Für die Auslegung ist nicht der typische Laborwert des Produkts maßgeblich, sondern die geringste Leitfähigkeit, die im realen Prozess auftreten kann. Zu berücksichtigen sind:

  • Temperaturabhängigkeit der Leitfähigkeit,
  • Verdünnung durch Spül- oder Kondenswasser,
  • unterschiedliche Produktrezepturen und Chargen,
  • vollentsalztes, demineralisiertes oder sehr reines Wasser,
  • Reinigungs- und Sterilisationszustände,
  • mögliche Vermischung mit schlecht leitenden Flüssigkeiten.

Die Leitfähigkeit sollte im ungünstigsten Betriebszustand gemessen oder durch belastbare Produktdaten abgesichert werden. Liegt sie nur knapp oberhalb der Gerätegrenze, fehlt die Reserve für Belag, Temperaturänderungen, Leitungseinflüsse und Alterung. Dann ist ein kapazitives, optisches, mechanisches oder vibronisches Verfahren meist robuster.

Warum mit Wechselspannung gemessen wird

Eine dauerhafte Gleichspannung an den Elektroden kann elektrochemische Reaktionen verursachen. Dazu gehören Polarisation, Gasbildung, Materialabtrag und Ablagerungen. Diese Effekte verändern die Elektrodenoberfläche und damit den gemessenen Widerstand.

Geeignete Auswertegeräte arbeiten deshalb mit einer kleinen Wechselspannung. Der periodische Polaritätswechsel reduziert Elektrolyseeffekte und verbessert die Langzeitstabilität. Die Elektroden dürfen nicht einfach an eine beliebige Gleichspannungsquelle oder direkt an einen SPS-Eingang angeschlossen werden. Maßgeblich sind das vorgesehene Auswertegerät und dessen Anschlussschaltbild.

Elektrodenzahl und Schaltpunkte festlegen

Die benötigte Elektrodenzahl ergibt sich aus Behälterwerkstoff und Aufgabe:

Aufgabe Metallbehälter als Masse Nichtleitender Behälter
Ein Grenzstand Eine Messelektrode Eine Mess- und eine Bezugselektrode
Zwei unabhängige Grenzstände Zwei Messelektroden Zwei Mess- und eine gemeinsame Bezugselektrode
Pumpensteuerung zwischen Minimum und Maximum Min- und Max-Elektrode Min-, Max- und Bezugselektrode

Bei einer Zweipunktregelung speichert die Auswertung den Schaltzustand zwischen oberer und unterer Elektrode. Dadurch läuft eine Pumpe nicht bei jeder kleinen Wellenbewegung an und aus. Die erforderliche Schalthysterese wird in diesem Fall mechanisch durch den Höhenunterschied der Elektroden festgelegt.

Elektrodenabstand und Behältergeometrie

Mit zunehmendem Abstand zwischen Mess- und Gegenelektrode steigt der elektrische Widerstand des Strompfads. Gleichzeitig beeinflussen benetzte Elektrodenfläche, Flüssigkeitsgeometrie und Behältereinbauten den messbaren Leitwert. Ein Auswertegerät kann deshalb trotz grundsätzlich leitfähigem Medium unsicher schalten, wenn die Elektroden sehr weit voneinander entfernt oder nur minimal benetzt sind.

Die Bezugselektrode sollte den relevanten Füllstandsbereich sicher erreichen und ausreichend Kontaktfläche bieten. Bei Stabelektroden sind die vom Hersteller zulässigen Abstände und Längen einzuhalten. Elektroden dürfen sich durch Strömung, Rührwerk oder Befüllung nicht berühren. Flexible Seilsonden benötigen gegebenenfalls Gewichte, Abstandhalter oder eine mechanische Führung.

Einbauten, Rohrstutzen und Toträume können dazu führen, dass eine Elektrode früher oder später benetzt wird als der Behälterquerschnitt. Der Schaltpunkt muss deshalb auf die reale Geometrie und nicht nur auf eine Zeichnungshöhe bezogen werden.

Metallbehälter als Gegenelektrode nutzen

Ein metallischer Behälter kann nur dann zuverlässig als Gegenelektrode dienen, wenn eine sichere und dauerhaft niederohmige elektrische Verbindung zum Auswertegerät besteht. Lack, Emaille, Kunststoffauskleidung, Dichtungen, isolierende Flanschverbindungen oder Korrosion können den Strompfad unterbrechen.

Der Schutzleiteranschluss ersetzt nicht automatisch den für die Messung vorgesehenen Masseanschluss. Die Verdrahtung muss nach Herstellerangabe erfolgen. Vor der Inbetriebnahme sollte geprüft werden, ob die Behälterwand tatsächlich leitend mit der Messmasse verbunden ist. Bei Unsicherheit ist eine separate Bezugselektrode die kontrollierbarere Lösung.

Nichtleitende Behälter richtig ausrüsten

In Kunststoff-, Glas- oder ausgekleideten Behältern kann kein Messstrom über die Behälterwand zurückfließen. Eine separate Bezugselektrode ist deshalb zwingend erforderlich. Sie muss so lang angeordnet sein, dass sie bei allen Betriebszuständen, in denen eine Schaltung erwartet wird, sicher benetzt ist.

Bei einem Maximalalarm genügt keine kurze Bezugselektrode oberhalb des normalen Füllstands. Der Stromkreis würde dann erst schließen, wenn Mess- und Bezugselektrode gleichzeitig benetzt sind. Für eine Min-/Max-Regelung muss die gemeinsame Elektrode normalerweise bis unter den unteren Schaltpunkt reichen.

Belag, Brückenbildung und Kriechströme

Leitfähige Ablagerungen können einen Strompfad erzeugen, obwohl der Flüssigkeitsspiegel unterhalb der Messelektrode liegt. Besonders kritisch sind feuchte, salzhaltige oder klebrige Beläge zwischen Elektrode und Behälterwand beziehungsweise zwischen mehreren Elektroden.

Mögliche Folgen sind:

  • verzögertes Rückschalten nach dem Absinken des Füllstands,
  • dauerhaft belegter Schaltausgang,
  • sporadische Schaltungen durch feuchte Kriechpfade,
  • unterschiedliches Verhalten nach Produktion und Reinigung.

Gegenmaßnahmen sind größere Abstände an den isolierten Bereichen, geeignete Sondenbauformen, kurze freiliegende Elektrodenabschnitte, regelmäßige Reinigung und eine weniger empfindliche Einstellung mit ausreichender Leitfähigkeitsreserve. Wenn der Prozess dauerhaft leitfähige Brücken bildet, sollte ein gegenüber Belag unempfindlicheres Messprinzip gewählt werden.

Schaum, Kondensat und Spritzwasser

Ob Schaum eine leitfähige Sonde auslöst, hängt von Flüssigkeitsanteil, Blasengröße, Leitfähigkeit und Benetzung ab. Feuchter, leitfähiger Schaum kann einen Grenzstand vortäuschen; trockener Schaum kann trotz sichtbarer Höhe elektrisch nicht sicher erfasst werden. Der Schaltpunkt sollte daher nicht ungeprüft in einer Schaumzone liegen.

Kondensat an Isolatoren und Behälterdecken kann Kriechströme verursachen. Spritzwasser oder ein direkter Befüllstrahl kann eine Elektrode kurzzeitig benetzen. Eine geeignete Einbauposition, Abschirmung gegen den Zulauf und eine kurze Schaltverzögerung können Fehlschaltungen reduzieren. Die Verzögerung darf jedoch eine erforderliche schnelle Schutzfunktion nicht unzulässig verlangsamen.

Schaltpunkt, Empfindlichkeit und Verzögerung

Der geometrische Schaltpunkt wird durch die Position beziehungsweise das Ende der Messelektrode bestimmt. Die elektrische Empfindlichkeit legt fest, bei welchem Leitwert die Auswertung den benetzten Zustand erkennt. Sie verschiebt den mechanischen Schaltpunkt nicht beliebig, beeinflusst aber, wie sicher eine teilweise Benetzung oder ein Belag bewertet wird.

Eine praxisgerechte Einstellung erfolgt mit dem realen Medium. Die Elektrode wird entsprechend der Herstelleranleitung benetzt und die Empfindlichkeit mit einer ausreichenden Schaltreserven eingestellt. Ändert sich die Leitfähigkeit des Produkts, muss die Einstellung überprüft werden.

Ein- und Ausschaltverzögerungen helfen bei Wellen, Spritzern und kurzen Prozessstörungen. Für Überfüllschutz und Trockenlaufschutz muss die zulässige Reaktionszeit aus Prozessgeschwindigkeit, Restvolumen und Sicherheitsanforderung ermittelt werden.

Elektrodenwerkstoff und Isolation auswählen

Die Elektrode steht direkt mit dem Medium in Kontakt. Werkstoff und Isolation müssen daher zu Chemikalien, Temperatur, Druck sowie Reinigungsverfahren passen. Häufig werden nichtrostende Stähle eingesetzt; bei aggressiven Medien können andere metallische Werkstoffe oder Beschichtungen erforderlich sein.

Zu prüfen sind insbesondere:

  • Korrosionsbeständigkeit der Elektrode,
  • Beständigkeit von Isolator und Dichtung,
  • zulässige Prozess- und Umgebungstemperatur,
  • Prozessdruck und Anschlussbauform,
  • Hygieneanforderungen und Reinigbarkeit,
  • elektrochemische Wechselwirkung mit Behälter und Medium.

Korrosion verändert nicht nur die Lebensdauer, sondern auch Oberfläche und Kontaktwiderstand. Für hygienische Prozesse sind totraumarme Anschlüsse und geeignete Oberflächen wichtiger als eine nur elektrisch funktionierende Standardsonde.

Messfunktion und Sicherheitsfunktion trennen

Eine Betriebsregelung und eine unabhängige Überfüll- oder Trockenlaufsicherung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine gemeinsame Elektrode, Auswertung oder SPS-Logik kann einen gemeinsamen Fehler verursachen. Für sicherheitsrelevante Schutzfunktionen sind Risikobeurteilung, erforderlicher Performance Level beziehungsweise SIL, geeignete Geräteausführung, Ruhestromprinzip und regelmäßige Funktionsprüfung zu berücksichtigen.

Ein Ausgang, der bei Leitungsbruch oder Versorgungsausfall denselben Zustand wie „alles in Ordnung“ meldet, ist für viele Schutzaufgaben ungeeignet. Fail-safe-Betriebsart, Leitungsüberwachung und Relaisverhalten müssen bereits bei der Auslegung festgelegt und anschließend geprüft werden.

Empfohlener Ablauf für Auslegung und Inbetriebnahme

  1. Aufgabe definieren: Maximum, Minimum, Leckage oder Zweipunktregelung festlegen.
  2. Medium prüfen: Kleinste Leitfähigkeit, Temperatur, Belag und Schaum bewerten.
  3. Behälter erfassen: Werkstoff, Auskleidung, Geometrie, Einbauten und Anschlussposition prüfen.
  4. Messprinzip bestätigen: Ausreichende Leitfähigkeitsreserve gegenüber der Gerätegrenze nachweisen.
  5. Elektrodenzahl festlegen: Messelektroden und erforderliche Bezugselektrode bestimmen.
  6. Schaltpunkte definieren: Elektrodenlängen aus Prozessgrenzen und Sicherheitsreserve ableiten.
  7. Werkstoffe auswählen: Elektrode, Isolation, Dichtung und Prozessanschluss auf das Medium abstimmen.
  8. Einbauort wählen: Zulauf, Rührwerk, Schaumzone, Kondensat und Wartungszugang berücksichtigen.
  9. Verdrahtung planen: Auswertegerät, Behältermasse, Schirmung und Leitungsüberwachung korrekt vorsehen.
  10. Empfindlichkeit einstellen: Mit realem Medium und nach Herstelleranleitung abgleichen.
  11. Verzögerung festlegen: Störungen filtern, ohne die Schutzreaktion unzulässig zu verzögern.
  12. Funktionsprüfung durchführen: Benetzung, Freimeldung, Leitungsbruch und Versorgungsausfall testen.
  13. Zustände dokumentieren: Medium, Einstellung, Schaltpunkte, Verzögerung und Prüfergebnis festhalten.

Häufige Auslegungs- und Montagefehler

Fehler Typische Folge Bessere Vorgehensweise
Nur typische Leitfähigkeit betrachten Ausfall bei kaltem, verdünntem oder wechselndem Medium Kleinsten realen Leitwert mit Reserve zugrunde legen
Beschichteten Metalltank als Masse annehmen Messstromkreis bleibt offen Leitende Verbindung prüfen oder Bezugselektrode einsetzen
Elektroden zu weit auseinander anordnen Zu geringer Messstrom und unsicheres Schalten Herstellervorgaben und reale Benetzung berücksichtigen
Gleichspannung direkt an Elektroden anlegen Elektrolyse, Polarisation und Korrosion Vorgesehenes AC-Auswertegerät verwenden
Leitfähigen Belag ignorieren Schalter bleibt trotz abgesunkenem Füllstand aktiv Reinigung, Geometrie und alternatives Prinzip prüfen
Schaum automatisch als Flüssigkeitsstand werten Nicht reproduzierbare Schaltung Schaumverhalten mit Originalmedium testen
Bezugselektrode endet oberhalb des Min-Punkts Min-Schaltung funktioniert nicht zuverlässig Bezugselektrode bis unter den niedrigsten Schaltpunkt führen
Empfindlichkeit maximal einstellen Kondensat und Kriechpfade lösen Fehlalarm aus Nur so empfindlich wie nötig einstellen
Betriebs- und Sicherheitsschaltung gemeinsam ausführen Gemeinsamer Fehler setzt beide Funktionen außer Kraft Erforderliche Unabhängigkeit aus Risikobeurteilung ableiten

Wann ein anderes Messprinzip sinnvoll ist

Ein leitfähiger Grenzstandschalter ist ungeeignet, wenn das Medium nicht ausreichend oder nicht reproduzierbar leitet. Dazu gehören viele Öle, Kraftstoffe, Lösemittel und sehr reine Wässer. Auch starke leitfähige Beläge oder eine unklare Schaumerfassung sprechen für ein anderes Verfahren.

  • Kapazitiv: Für leitende und nichtleitende Flüssigkeiten sowie viele Schüttgüter; Empfindlichkeit und Belagseinfluss müssen beachtet werden.
  • Vibronisch: Für viele Flüssigkeiten und Schlämme weitgehend unabhängig von Leitfähigkeit; je nach Gerät robust gegen Schaum, Blasen und Anhaftung.
  • Optisch: Kompakt und für kleine Behälter geeignet; transparente Spitze muss sauber bleiben.
  • Schwimmer: Einfaches mechanisch-magnetisches Prinzip, unabhängig von der Leitfähigkeit; benötigt Bewegungsraum und eine ausreichende Dichtedifferenz.

Passende Füllstandslösungen bei ICS Schneider

Leitfähige Elektrodenmessstellen werden anhand von Medium, Leitfähigkeit, Behälterwerkstoff und Schaltaufgabe projektspezifisch ausgewählt. Einen Überblick über verfügbare Grenzstand- und Füllstandlösungen bietet die Kategorie Füllstandmesstechnik bei ICS Schneider.

Pointek CLS100 – kapazitive Alternative bei ungeeigneter Leitfähigkeit

Der Pointek CLS100 ist ein kompakter kapazitiver Grenzstandschalter für Flüssigkeiten und Schüttgüter. Er arbeitet nicht nach dem leitfähigen Elektrodenprinzip und kann deshalb eine Alternative sein, wenn die Mindestleitfähigkeit nicht sicher erreicht wird.

Pointek CLS200 – einstellbare kapazitive Grenzstanderfassung

Der Pointek CLS200 bietet eine einstellbare Empfindlichkeit und kann je nach Anwendung so parametriert werden, dass Produktanhaftungen weniger stark bewertet werden. Die Eignung muss dennoch mit dem realen Medium und der Einbausituation geprüft werden.

SITRANS LVL100 – vibronische Alternative für Flüssigkeiten und Schlämme

Der SITRANS LVL100 erkennt Grenzstände über eine Schwinggabel. Das Messprinzip ist weitgehend unabhängig von der elektrischen Leitfähigkeit und eignet sich unter anderem für Überfüllschutz, Minimalstand und Pumpenschutz bei Flüssigkeiten und Schlämmen.

Fazit

Ein leitfähiger Grenzstandschalter funktioniert zuverlässig, wenn Medium, Elektrodengeometrie und Auswertung gemeinsam betrachtet werden. Die Mindestleitfähigkeit muss im ungünstigsten Prozesszustand mit ausreichender Reserve eingehalten werden. Metallbehälter dürfen nur bei nachgewiesener elektrischer Verbindung als Gegenelektrode genutzt werden; Kunststoff- und ausgekleidete Behälter benötigen eine separate Bezugselektrode.

Elektrodenabstand, benetzte Fläche und Beläge verändern den messbaren Leitwert. Wechselspannung reduziert elektrochemische Effekte, beseitigt aber keine leitfähigen Brücken oder ungeeignete Werkstoffe. Schaum, Kondensat und Spritzer müssen an der realen Messstelle bewertet werden.

Für Schutzfunktionen sind zusätzlich Fail-safe-Verhalten, Leitungsüberwachung, Funktionsprüfung und die notwendige Unabhängigkeit von der Betriebsregelung festzulegen. Kann die Leitfähigkeit oder Sauberkeit des Mediums nicht zuverlässig garantiert werden, ist ein kapazitives, vibronisches, optisches oder mechanisches Verfahren häufig die bessere Lösung.

FAQ: Leitfähige Grenzstandschalter

Welche Mindestleitfähigkeit benötigt ein leitfähiger Grenzstandschalter?

Der Mindestwert ist geräteabhängig und muss dem Datenblatt des Auswertegeräts entnommen werden. Für die Auslegung zählt die niedrigste im Prozess auftretende Leitfähigkeit einschließlich einer angemessenen Funktionsreserve.

Kann die Behälterwand als zweite Elektrode verwendet werden?

Ja, wenn der Behälter metallisch, unbeschichtet und dauerhaft niederohmig mit dem vorgesehenen Masseanschluss verbunden ist. Bei Kunststoff, Emaille, Auskleidung oder isolierenden Verbindungen ist eine separate Bezugselektrode erforderlich.

Warum wird Wechselspannung verwendet?

Der Polaritätswechsel reduziert Elektrolyse, Polarisation und elektrochemischen Materialabtrag. Deshalb müssen die Elektroden mit einem dafür vorgesehenen Auswertegerät und nicht mit einer beliebigen Gleichspannung betrieben werden.

Wie wird der Schaltpunkt festgelegt?

Der mechanische Schaltpunkt ergibt sich aus der Position beziehungsweise dem Ende der Messelektrode. Die Empfindlichkeit des Auswertegeräts passt die Erkennung an die Leitfähigkeit des Mediums an.

Welchen Einfluss hat der Elektrodenabstand?

Ein größerer Abstand erhöht grundsätzlich den Widerstand des Strompfads. Ob sicher geschaltet wird, hängt außerdem von Leitfähigkeit, benetzter Elektrodenfläche, Geometrie und der Empfindlichkeit der Auswertung ab.

Kann ein leitfähiger Grenzstandschalter destilliertes Wasser erkennen?

Sehr reines oder demineralisiertes Wasser kann unterhalb der erforderlichen Mindestleitfähigkeit liegen. Die tatsächliche Leitfähigkeit muss für Temperatur und Prozesszustand geprüft werden; gegebenenfalls ist ein anderes Messprinzip erforderlich.

Führt Schaum zu einer Schaltung?

Das ist nicht pauschal vorhersehbar. Feuchter leitfähiger Schaum kann schalten, trockener oder grobblasiger Schaum möglicherweise nicht. Das Verhalten sollte mit dem Originalmedium getestet werden.

Warum schaltet die Sonde nach dem Entleeren nicht zurück?

Häufig bilden leitfähige Ablagerungen, Kondensat oder Flüssigkeitsfilme einen verbleibenden Strompfad. Auch eine zu hohe Empfindlichkeit oder eine falsch eingestellte Ausschaltverzögerung kommen als Ursache infrage.

Kann eine Sonde zwei Pumpenschaltpunkte erfassen?

Ja. Mit Min- und Max-Elektrode sowie einer gemeinsamen Gegenelektrode lässt sich eine Zweipunktregelung realisieren. Das Auswertegerät muss diese Funktion unterstützen.

Was ist bei langen Sensorleitungen zu beachten?

Zulässige Leitungslänge, Kabeltyp, Schirmung und getrennte Verlegung von Leistungskabeln sind den Herstellerangaben zu entnehmen. Leitungskapazitäten und elektrische Störungen können die empfindliche Leitwertmessung beeinflussen.

Ist das Verfahren für Öl oder Kraftstoff geeignet?

In der Regel nicht, weil viele Öle und Kraftstoffe elektrisch schlecht leiten. Kapazitive, vibronische, optische oder schwimmerbasierte Grenzstandschalter sind hierfür häufig geeigneter.

Wie wird die Funktion geprüft?

Die Messelektrode wird mit dem realen Medium bis über den vorgesehenen Schaltpunkt benetzt und anschließend wieder freigelegt. Zusätzlich sind je nach Gerät Leitungsbruch, Versorgungsausfall, Relaiszustand und Fail-safe-Funktion zu prüfen.

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