Eine Kontaminationssonde wird regelmäßig auf verschmutzten, feuchten oder mechanisch ungünstigen Oberflächen eingesetzt. Um das empfindliche Eintrittsfenster vor Beschädigung beziehungsweise einer direkten Kontamination zu schützen, soll eine dünne Kunststofffolie über die Detektorfläche gespannt werden. Ist das messtechnisch unproblematisch?
Nicht grundsätzlich. Eine zusätzliche Schutzfolie bietet einen mechanischen beziehungsweise hygienischen Vorteil, liegt aber gleichzeitig direkt zwischen radioaktiver Kontamination und Detektor.
Bei Gamma-Strahlung kann eine sehr dünne Kunststofffolie häufig nur einen geringen Einfluss besitzen. Bei Alpha-Strahlung sieht die Situation völlig anders aus: Alpha-Teilchen besitzen nur eine sehr geringe Reichweite in Materie und verlieren ihre Energie bereits in dünnen Schichten sehr schnell. Auch niederenergetische Beta-Strahlung kann durch zusätzliche Folien deutlich abgeschwächt werden.
Dadurch kann dieselbe kontaminierte Oberfläche mit Schutzfolie einen deutlich niedrigeren Messwert erzeugen als ohne Folie.
Eine Schutzfolie darf deshalb nicht nur nach mechanischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Entscheidend ist, wie stark sie die für die Messaufgabe relevanten Strahlungsarten und Energien beeinflusst und ob Kalibrierung beziehungsweise Wirkungsgradfaktoren genau für diesen Messaufbau gelten.
Wie funktioniert eine Kontaminationssonde?
Eine Kontaminationssonde erfasst ionisierende Strahlung, die von radioaktiven Stoffen auf einer Oberfläche ausgeht.
Das Messgerät wird dabei in einem definierten Abstand über die zu prüfende Fläche geführt.
Je nach Detektortyp können beispielsweise:
- Alpha-Strahlung,
- Beta-Strahlung,
- Gamma-Strahlung
registriert werden.
Die Sonde liefert zunächst typischerweise eine Impulsrate:
Impulse pro Sekunde
beziehungsweise:
Ip/s
Mit geeigneten Kalibrier- oder Nuklidfaktoren kann daraus bei dafür vorgesehenen Messsystemen auch eine Oberflächenaktivität beziehungsweise Kontamination bestimmt werden.
Damit ein Zerfallsereignis erkannt wird, muss die emittierte Strahlung jedoch zunächst den Detektor erreichen.
Jedes Material zwischen Quelle und empfindlicher Detektorfläche kann diesen Weg beeinflussen.
Warum ist das Eintrittsfenster so empfindlich?
Eine Sonde, die Alpha- und Beta-Strahlung messen soll, benötigt ein möglichst strahlungsdurchlässiges Eintrittsfenster.
Ein massiver Metall- oder Kunststoffdeckel würde insbesondere Alpha- und schwächere Beta-Strahlung weitgehend zurückhalten.
Deshalb besitzen entsprechende Kontaminationsdetektoren besonders dünne Fenster beziehungsweise Detektorschichten.
Diese Bauweise verbessert die Empfindlichkeit, hat aber einen konstruktiven Nachteil:
Je weniger Material sich vor dem Detektor befindet, desto empfindlicher ist der Bereich häufig gegenüber mechanischer Beschädigung.
Typische Risiken sind:
- Anstoßen an eine scharfkantige Oberfläche,
- Durchstechen durch Draht oder Späne,
- Abrieb,
- Verschmutzung der Detektorfläche,
- Übertragung radioaktiver Kontamination auf das Messgerät.
Damit entsteht ein echter Zielkonflikt zwischen mechanischem Schutz und maximaler Strahlungsempfindlichkeit.
Warum wird überhaupt eine Schutzfolie verwendet?
Eine zusätzliche dünne Folie kann in bestimmten Anwendungen verhindern, dass die eigentliche Detektoroberfläche unmittelbar mit einer möglicherweise kontaminierten Fläche in Kontakt kommt.
Mögliche Vorteile sind:
- Schutz vor Schmutz,
- Schutz vor Feuchtigkeit,
- geringeres Risiko einer direkten Detektorkontamination,
- einfacherer Folienwechsel nach dem Einsatz,
- zusätzlicher mechanischer Schutz.
Gerade bei Feuerwehr-, Dekontaminations- oder Wartungseinsätzen kann dieser Schutz praktisch wertvoll sein.
Eine Folie ist jedoch keine messtechnisch unsichtbare Schicht.
Ihre Wirkung hängt von:
- Material,
- Dicke,
- Flächenmasse,
- Strahlungsart,
- Teilchenenergie
ab.
Warum ist Alpha-Strahlung besonders kritisch?
Alpha-Teilchen besitzen eine hohe Ionisationswirkung, aber nur eine sehr geringe Reichweite in Materie.
Bereits Luft, Staubschichten, Papier oder dünne Kunststofflagen können Alpha-Strahlung erheblich abschwächen beziehungsweise vollständig absorbieren.
Bei einer Kontaminationsmessung bedeutet das:
Quelle → Luftspalt → Schutzfolie → Eintrittsfenster → Detektor
Jede zusätzliche Schicht verbraucht einen Teil der ohnehin kurzen Reichweite.
Eine Schutzfolie, die für eine Beta-/Gamma-Messung praktisch unauffällig erscheint, kann deshalb im Alpha-Kanal einen erheblichen Empfindlichkeitsverlust verursachen.
Besonders kritisch wird dies bei:
- größerem Abstand zwischen Oberfläche und Detektor,
- gefalteter oder doppelt liegender Folie,
- Schmutz beziehungsweise Flüssigkeit auf der Folie,
- zusätzlichen Schutzschichten.
Für Alpha-Kontaminationsmessungen sollte eine zusätzliche Folie deshalb nur verwendet werden, wenn ihre Eignung für den konkreten Detektor und die Messaufgabe bekannt ist.
Wie beeinflusst eine Folie Beta-Strahlung?
Beta-Strahlung besitzt eine wesentlich größere Reichweite als Alpha-Strahlung.
Der Einfluss einer Schutzfolie ist deshalb häufig geringer, aber keinesfalls grundsätzlich vernachlässigbar.
Entscheidend ist insbesondere die Beta-Energie.
Energiereichere Beta-Strahler können dünne Folien vergleichsweise gut durchdringen.
Bei niederenergetischen Beta-Strahlern kann dieselbe Folie dagegen einen deutlich größeren Anteil der emittierten Teilchen absorbieren.
Deshalb kann beispielsweise dieselbe Schutzfolie bei unterschiedlichen Radionukliden zu unterschiedlichen Wirkungsgradänderungen führen.
Ein pauschaler Faktor:
Schutzfolie = -10 %
ist deshalb normalerweise nicht allgemein auf alle Nuklide übertragbar.
Welche Auswirkungen hat die Folie auf Gamma-Strahlung?
Gamma-Strahlung besitzt eine wesentlich höhere Durchdringungsfähigkeit.
Eine sehr dünne Kunststofffolie verursacht deshalb bei typischen Gammaenergien meist eine wesentlich kleinere Abschwächung als bei Alpha- oder schwacher Beta-Strahlung.
Bei einer kombinierten Alpha-/Beta-/Gamma-Kontaminationssonde darf daraus jedoch nicht geschlossen werden, dass eine Folie generell irrelevant ist.
Die Sonde kann beispielsweise gleichzeitig:
- im Gamma-Anteil nahezu unverändert reagieren,
- im energiereichen Beta-Anteil moderat verändert reagieren,
- im Alpha-Anteil deutlich an Empfindlichkeit verlieren.
Die Bewertung muss deshalb strahlungsart- beziehungsweise nuklidspezifisch erfolgen.
Warum ist die Foliendicke entscheidend?
Für den Schutz des Eintrittsfensters wird häufig versucht, eine möglichst dünne Folie zu verwenden.
Messtechnisch ist dabei nicht allein die nominelle Dicke relevant.
Entscheidend ist letztlich die Materialmenge im Strahlungsweg.
Eine Folie von beispielsweise:
10 µm
ist nicht automatisch messtechnisch gleichwertig zu einer anderen Folie mit derselben Dicke, wenn sich:
- Dichte,
- Materialzusammensetzung,
- Beschichtung
unterscheiden.
Zudem muss die Folie glatt und einlagig montiert sein.
Eine Falte kann lokal aus einer Lage zwei oder drei Lagen machen.
Damit verändert sich auch die Strahlungsabschwächung lokal über der Detektorfläche.
Welche Rolle spielt das Folienmaterial?
Schutzfolien können aus unterschiedlichen Kunststoffen beziehungsweise Spezialfolien bestehen.
Für eine Kontaminationsmessung sollten keine beliebigen Verpackungs- oder Haushaltsfolien verwendet werden.
Entscheidend sind unter anderem:
- definierte Dicke,
- homogene Materialstärke,
- mechanische Festigkeit,
- geringe Flächenmasse,
- chemische Beständigkeit,
- möglichst geringe Beeinflussung der relevanten Strahlung.
Die sinnvollste Lösung ist deshalb eine vom Geräte- beziehungsweise Detektorhersteller vorgesehene oder messtechnisch charakterisierte Schutzfolie.
Wird eine andere Folie eingesetzt, sollte ihr Einfluss vor einer quantitativen Kontaminationsbewertung ermittelt werden.
Warum verändert eine Folie auch die Messgeometrie?
Die Folie beeinflusst nicht nur die Strahlung durch Materialabsorption.
Sie kann zusätzlich den Abstand zwischen kontaminierter Oberfläche und Detektor vergrößern.
Bei einer aufgespannten Folie entstehen beispielsweise:
- Folienstärke,
- Luftspalt,
- eventuelle Wölbung,
- Abstand durch Schutzgitter
als zusätzliche geometrische Einflüsse.
Gerade bei Alpha-Strahlung ist bereits ein kleiner zusätzlicher Luftweg relevant.
Auch beim systematischen Abscannen einer Fläche ist deshalb auf einen möglichst konstanten Abstand zu achten.
Die Messgeometrie sollte bei:
- Kalibrierung,
- Funktionsprüfung,
- Einsatzmessung
möglichst vergleichbar sein.
Was passiert mit dem Wirkungsgrad der Sonde?
Der Wirkungsgrad beschreibt vereinfacht, welcher Anteil der von einer definierten Quelle beziehungsweise Oberfläche emittierten Strahlung vom Messsystem registriert wird.
Er hängt unter anderem ab von:
- Radionuklid,
- Strahlungsart,
- Energie,
- Detektortyp,
- Messabstand,
- Quelle beziehungsweise Oberflächengeometrie,
- Material zwischen Quelle und Detektor.
Wird eine Schutzfolie ergänzt, verändert sich damit ein Bestandteil des Messaufbaus.
Ein ursprünglich bestimmter Wirkungsgrad:
ε ohne Folie
muss deshalb nicht identisch sein mit:
ε mit Folie
.
Das ist besonders wichtig, wenn nicht nur eine Impulsrate verglichen, sondern eine quantitative Aktivität in:
Bq
oder:
Bq/cm²
ermittelt werden soll.
Warum müssen Kalibrierung und Messaufbau zusammenpassen?
Eine nuklidbezogene Kontaminationsmessung basiert auf einem definierten Zusammenhang zwischen tatsächlicher Aktivität und registrierter Impulsrate.
Wurde dieser Zusammenhang ohne zusätzliche Schutzfolie bestimmt, kann die spätere Verwendung einer Folie zu einer systematischen Unterbewertung führen.
Beispielsweise:
Kalibrierung ohne Folie
aber:
Messung mit Folie
ist nicht automatisch messtechnisch gleichwertig.
Besonders kritisch ist dies bei Alpha- und niederenergetischen Beta-Nukliden.
Für quantitative Messungen sollte deshalb geklärt sein:
- Welche Folie wird verwendet?
- Ist sie vom Hersteller vorgesehen?
- Für welche Nuklide gilt der verwendete Wirkungsgrad?
- Wurde der Einfluss der Folie berücksichtigt?
- Entspricht die Messgeometrie der Kalibrier- beziehungsweise Prüfgeometrie?
Wann kann eine Schutzfolie trotzdem sinnvoll sein?
Ein Verzicht auf jeglichen zusätzlichen Schutz maximiert nicht automatisch die praktische Messqualität.
Wird das empfindliche Eintrittsfenster selbst radioaktiv kontaminiert, kann dies erhebliche Folgen haben.
Das Messgerät besitzt dann möglicherweise einen erhöhten Eigenuntergrund beziehungsweise eine scheinbare Kontamination auch auf sauberen Flächen.
Zusätzlich kann eine Dekontamination eines empfindlichen Detektors schwierig oder riskant sein.
Eine geeignete wechselbare Schutzfolie kann deshalb bei Anwendungen sinnvoll sein, bei denen:
- eine direkte Kontamination des Detektors wahrscheinlich ist,
- feuchte Oberflächen untersucht werden,
- Partikel oder Staub vorhanden sind,
- mechanische Beschädigung wahrscheinlich ist.
Die Entscheidung lautet also nicht:
Folie immer verwenden
oder:
Folie niemals verwenden
sondern:
Schutzwirkung gegen den für die konkrete Strahlungsart tolerierbaren Empfindlichkeitsverlust abwägen.
Warum sollte eine Schutzfolie regelmäßig gewechselt werden?
Eine Schutzfolie erfüllt ihren Zweck nur, wenn ihr Zustand bekannt ist.
Nach einem Einsatz kann sie:
- radioaktiv kontaminiert,
- verschmutzt,
- verkratzt,
- gedehnt,
- eingerissen oder
- feucht
sein.
Wird eine kontaminierte Schutzfolie weiterverwendet, erhöht sich möglicherweise der Nulleffekt beziehungsweise die Hintergrundzählrate.
Das kann dazu führen, dass:
- saubere Flächen fälschlich auffällig erscheinen,
- kleine Kontaminationen schlechter erkennbar werden,
- Warnschwellen früher ansprechen.
Nach einem Folienwechsel sollte deshalb auch der Hintergrund beziehungsweise Nulleffekt des Messsystems kontrolliert werden.
Schutzfolie und Transportkappe nicht verwechseln
Viele empfindliche Kontaminationsdetektoren besitzen zusätzlich einen mechanischen Schutz für Transport beziehungsweise Lagerung.
Eine solche Schutzkappe ist grundsätzlich etwas anderes als eine für Messungen vorgesehene dünne Detektorfolie.
Ein Transportdeckel kann wesentlich dicker und stabiler ausgeführt sein.
Wird versehentlich mit einer solchen Schutzkappe gemessen, können insbesondere Alpha- und Beta-Strahlung massiv abgeschirmt werden.
Deshalb sollte vor jeder Messung kontrolliert werden, ob:
- nur die vorgesehene Detektor- beziehungsweise Messfolie vorhanden ist,
- eine reine Transportabdeckung entfernt wurde,
- keine zusätzliche unbeabsichtigte Schutzschicht vor dem Detektor liegt.
Wie kann der Einfluss der Folie praktisch kontrolliert werden?
Für eine einfache Plausibilitätskontrolle kann eine geeignete Prüfquelle unter reproduzierbaren Bedingungen verwendet werden.
Dabei wird beispielsweise verglichen:
Impulsrate ohne zusätzliche Folie
und:
Impulsrate mit vorgesehener Folie
.
Wichtig ist, dass:
- dieselbe Prüfquelle,
- derselbe Abstand,
- dieselbe Position,
- dieselbe Messzeit
verwendet werden.
Ein Unterschied zeigt unmittelbar, dass die Schutzfolie Teil des messtechnischen Systems ist.
Eine solche Funktionskontrolle ersetzt allerdings keine formale Kalibrierung beziehungsweise keine herstellerseitig bestimmte nuklidspezifische Effizienz.
Praxisbeispiel: Oberflächenkontrolle mit Alpha- und Beta-Anteil
Eine Kontaminationssonde wird bei Wartungsarbeiten in einem Bereich eingesetzt, in dem sowohl Alpha- als auch Beta-Kontamination möglich ist.
Da die Oberflächen teilweise staubig sind, wird zum Schutz des Eintrittsfensters eine zusätzliche dünne Folie erwogen.
Vor dem Einsatz wird eine Vergleichsmessung mit einer geeigneten Prüfquelle durchgeführt.
Dabei zeigt sich:
- Beta-Anzeige mit Folie nur moderat verändert,
- Alpha-Anzeige mit Folie deutlich geringer.
Die Folie bietet zwar einen guten mechanischen Schutz, ist für die vorgesehene empfindliche Alpha-Kontaminationssuche in dieser Konfiguration jedoch ungeeignet.
Die Einsatzstrategie wird deshalb angepasst.
Für trockene, mechanisch unkritische Oberflächen wird ohne zusätzliche Folie gemessen.
Bei Bereichen mit besonders hohem Kontaminations- beziehungsweise Beschädigungsrisiko wird ein dafür vorgesehenes Schutzkonzept verwendet und der entsprechende Einfluss auf die Nachweisempfindlichkeit berücksichtigt.
Das Beispiel zeigt: Die optimale Schutzlösung hängt von der eigentlichen Messaufgabe ab. Eine Folie, die mechanisch ideal ist, kann radiologisch ungeeignet sein.
Schutzfolie systematisch auswählen
- Zu erwartende Strahlungsart bestimmen.
- Relevante Radionuklide beziehungsweise Energien berücksichtigen.
- Empfindlichkeit des verwendeten Detektors prüfen.
- Risiko einer mechanischen Beschädigung bewerten.
- Risiko einer Detektorkontamination bewerten.
- Nur definierte beziehungsweise vorgesehene Folien verwenden.
- Foliendicke und Material konstant halten.
- Folie glatt und ohne Falten montieren.
- Messabstand nicht unnötig vergrößern.
- Einfluss mit geeigneter Prüfquelle kontrollieren.
- Nuklidspezifische Wirkungsgrade nur für den passenden Messaufbau verwenden.
- Nach dem Einsatz Folie auf Kontamination prüfen beziehungsweise ersetzen.
- Nach Folienwechsel Nulleffekt kontrollieren.
- Messaufbau in der Prüfdokumentation festhalten.
Häufige Fehler
- Beliebige Haushaltsfolie verwenden: Dicke und Materialeigenschaften sind messtechnisch nicht definiert.
- Schutzfolie als völlig strahlungsdurchlässig betrachten: Besonders Alpha- und niederenergetische Beta-Strahlung können stark abgeschwächt werden.
- Kalibrierfaktor ohne Folie für Messungen mit Folie übernehmen: Der tatsächliche Wirkungsgrad kann sich verändert haben.
- Alle Nuklide gleich behandeln: Der Einfluss der Folie ist energie- und strahlungsartabhängig.
- Folie doppelt legen: Zusätzliche Schichten erhöhen die Abschwächung.
- Falten ignorieren: Dadurch entsteht über der Detektorfläche eine unterschiedliche Materialstärke.
- Verschmutzte Folie weiterverwenden: Eigene Kontamination kann den Nulleffekt erhöhen.
- Transportkappe während der Messung aufgesetzt lassen: Ein mechanischer Transportdeckel kann Alpha- und Beta-Strahlung massiv abschirmen.
- Nur den Folienwerkstoff betrachten: Auch zusätzlicher Luftabstand und Messgeometrie beeinflussen das Ergebnis.
- Alpha-Messung nach Beta-Erfahrung beurteilen: Alpha-Strahlung reagiert wesentlich empfindlicher auf zusätzliche Materialschichten.
- Schutzfolie nachträglich ergänzen, ohne das Prüfverfahren anzupassen: Der Messaufbau hat sich damit verändert.
GRAETZ ABG170 für Alpha-, Beta- und Gamma-Kontaminationen
Eine konkrete Kontaminationssonde für Oberflächenmessungen ist die GRAETZ ABG170.
Die Sonde arbeitet mit einem:
dünnschichtigen Plastik-Szintillationsdetektor mit ZnS-Beschichtung
und besitzt eine aktive Detektorfläche von:
170 cm²
.
Sie ist für den Nachweis von:
- α-Kontaminationen,
- β-Kontaminationen,
- γ-Kontaminationen
ausgelegt.
Die ABG170 wird über ein Sondenkabel als Impulssonde an kompatible GRAETZ Grundgeräte wie beispielsweise X5C plus beziehungsweise GammaTwin S angeschlossen.
Je nach Grundgerät erfolgt die Anzeige als Impulsrate beziehungsweise Impulssumme.
Gerade aufgrund der hohen Empfindlichkeit und der dünnschichtigen Detektorkonstruktion sollte bei jeder zusätzlichen Schutzschicht vor der Detektorfläche geprüft werden, ob sie mit der vorgesehenen Messaufgabe vereinbar ist.
Eine konkrete zusätzliche Schutzfolie sollte nur verwendet werden, wenn deren Eignung beziehungsweise Einfluss auf die Messung für die betreffende Anwendung bekannt ist.
Weitere Informationen finden Sie bei der GRAETZ ABG170 Kontaminationssonde sowie unter Strahlungsmesstechnik bei ICS Schneider.
Fazit
Eine Schutzfolie vor einer Kontaminationssonde kann das empfindliche Eintrittsfenster vor Verschmutzung, radioaktiver Kontamination und mechanischen Schäden schützen.
Dieser Schutz besitzt jedoch einen messtechnischen Preis: Die Folie wird Bestandteil des Strahlungsweges.
Besonders Alpha-Strahlung kann bereits durch sehr dünne zusätzliche Materialschichten erheblich abgeschwächt werden. Auch bei Beta-Strahlung kann der Einfluss je nach Energie des Radionuklids deutlich sein.
Damit verändert eine zusätzliche Folie nicht nur die Impulsrate, sondern gegebenenfalls auch den für eine quantitative Kontaminationsmessung erforderlichen Wirkungsgrad.
Eine Kalibrierung beziehungsweise ein Nuklidfaktor ohne Folie darf deshalb nicht automatisch als unverändert gültig betrachtet werden, wenn später mit zusätzlicher Schutzfolie gemessen wird.
Gleichzeitig kann der vollständige Verzicht auf Schutz in mechanisch oder radiologisch stark belasteten Einsatzbereichen ebenfalls ungünstig sein, wenn dadurch das Detektorfenster beschädigt oder selbst kontaminiert wird.
Für eine belastbare Kontaminationsmessung gilt deshalb: Schutzfolie nur gezielt einsetzen, Material und Dicke definieren, besonders den Einfluss auf Alpha- und niederenergetische Beta-Strahlung berücksichtigen, Kalibrierung beziehungsweise Wirkungsgrad an den tatsächlichen Messaufbau anpassen und die Folie als festen Bestandteil der Messgeometrie behandeln.
FAQ: Schutzfolie bei Kontaminationssonden
Kann eine Schutzfolie vor einer Kontaminationssonde verwendet werden?
Grundsätzlich kann dies je nach Sonde und Messaufgabe möglich sein. Die Folie beeinflusst jedoch die Strahlungsübertragung und sollte deshalb nur verwendet werden, wenn ihre Eignung für den konkreten Detektor und die Messung bekannt ist.
Warum beeinflusst eine Schutzfolie Alpha-Strahlung so stark?
Alpha-Teilchen besitzen nur eine sehr geringe Reichweite in Materie. Bereits dünne Folien und zusätzliche Luftwege können einen erheblichen Teil der Strahlung absorbieren.
Beeinflusst eine Folie auch Beta-Strahlung?
Ja. Der Einfluss hängt stark von der Beta-Energie ab. Niederenergetische Beta-Strahlung wird stärker abgeschwächt als hochenergetische Beta-Strahlung.
Beeinflusst eine dünne Kunststofffolie Gamma-Strahlung?
Bei typischen Gammaenergien ist der Einfluss einer sehr dünnen Kunststofffolie normalerweise wesentlich geringer als bei Alpha- und Beta-Strahlung.
Kann ich normale Frischhaltefolie verwenden?
Für quantitative Messungen sollte keine Folie mit unbekannter beziehungsweise nicht reproduzierbarer Dicke und Materialeigenschaft verwendet werden. Eine definierte beziehungsweise vom Hersteller vorgesehene Lösung ist vorzuziehen.
Muss die Sonde mit der Schutzfolie kalibriert werden?
Wenn die Folie den Wirkungsgrad relevant verändert und quantitative Messwerte bestimmt werden sollen, muss der tatsächliche Messaufbau bei Kalibrierung beziehungsweise Wirkungsgradbestimmung berücksichtigt werden.
Kann ich einen Kalibrierfaktor ohne Folie weiterhin verwenden?
Nicht automatisch. Besonders bei Alpha- und schwachen Beta-Strahlern kann die zusätzliche Folie den Wirkungsgrad deutlich verändern.
Warum kann eine Schutzfolie trotzdem sinnvoll sein?
Sie kann das empfindliche Eintrittsfenster vor direkter Kontamination, Feuchtigkeit, Staub oder mechanischer Beschädigung schützen und dadurch die Einsatzfähigkeit des Detektors erhalten.
Was passiert, wenn die Schutzfolie selbst kontaminiert ist?
Die Folie kann dann zusätzliche Impulse verursachen und den Nulleffekt beziehungsweise die Hintergrundanzeige erhöhen. Sie sollte entsprechend dem vorgesehenen Verfahren gewechselt werden.
Ist eine Transportkappe dasselbe wie eine Schutzfolie?
Nein. Eine Transportkappe dient in erster Linie dem mechanischen Schutz und kann wesentlich dicker sein. Sie darf nur während einer Messung verwendet werden, wenn der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht.
Warum ist ein konstanter Messabstand wichtig?
Der Abstand beeinflusst besonders die Erfassung kurzreichweitiger Strahlung. Eine Folie darf deshalb nicht zu einer wechselnden oder undefinierten Messgeometrie führen.
Welche Sonde bietet ICS für Alpha-, Beta- und Gamma-Kontaminationen an?
Ein konkretes Beispiel ist die GRAETZ ABG170 mit dünnschichtigem Plastik-Szintillationsdetektor, ZnS-Beschichtung und 170 cm² aktiver Detektorfläche.
