Eine Druckluftanlage wird hinter einem Aktivkohlefilter mit einem Restölmessgerät überwacht. Das Gerät zeigt beispielsweise nur 0,004 mg/m³ an. Bedeutet dieser niedrige Wert automatisch, dass der gesamte Ölgehalt der Druckluft ebenfalls nur 0,004 mg/m³ beträgt und die geforderte Druckluftklasse sicher eingehalten wird?
Nicht unbedingt. Öl kann in Druckluft in unterschiedlichen physikalischen Formen vorkommen. Neben flüssigem Öl beziehungsweise größeren Öltröpfchen gibt es sehr feine Öl-Aerosole und gasförmigen Öldampf. Diese Verunreinigungen unterscheiden sich nicht nur durch ihre physikalische Form, sondern auch hinsichtlich Abscheidung, Probenahme und Messverfahren.
Ein Messgerät für dampfförmiges Restöl beantwortet deshalb zunächst die Frage, wie viel gasförmige Kohlenwasserstoffverunreinigung in der untersuchten Druckluft vorhanden ist. Es ist nicht automatisch ein Messgerät für gleichzeitig vorhandene Flüssigkeitströpfchen oder Öl-Aerosole.
Diese Unterscheidung findet sich auch in der ISO-8573-Normenreihe. Flüssiges Öl und Öl-Aerosole werden mit anderen Verfahren erfasst als Öldampf. Bei der Bewertung einer geforderten Ölreinheitsklasse müssen deshalb Messaufgabe, Messstelle und tatsächlich erfasste Ölphase eindeutig bekannt sein.
Ein niedriger Öldampfwert beweist somit nicht automatisch, dass überhaupt kein Öl-Aerosol vorhanden ist. Umgekehrt kann eine sehr gut arbeitende Koaleszenzfiltration Aerosole weitgehend reduzieren, während gasförmige Kohlenwasserstoffe weiterhin durch das Filtersystem gelangen. Erst wenn klar ist, welche Ölphase gemessen wird, lässt sich der Messwert richtig interpretieren.
In welchen Formen kann Öl in Druckluft vorkommen?
Der Begriff „Öl in Druckluft“ klingt zunächst nach einer einzelnen messbaren Größe. Tatsächlich kann die Verunreinigung jedoch in mehreren physikalischen Zuständen auftreten.
| Ölform | Physikalischer Zustand | Typisches Verhalten |
|---|---|---|
| Flüssiges Öl | Größere Flüssigkeitstropfen beziehungsweise Flüssigkeitsansammlungen | Kann sich an Leitungswänden, Behältern oder Tiefpunkten abscheiden |
| Öl-Aerosol | Sehr kleine Flüssigkeitströpfchen in der Druckluft | Wird mit der Luftströmung transportiert und muss durch geeignete Aerosolabscheidung entfernt werden |
| Öldampf | Gasförmige Kohlenwasserstoffe beziehungsweise organische Komponenten | Verhält sich gasförmig und wird von normalen Partikel- beziehungsweise Koaleszenzfiltern nicht auf dieselbe Weise abgeschieden |
Diese drei Formen können gleichzeitig in derselben Druckluftanlage vorhanden sein. Ihre jeweiligen Anteile hängen unter anderem von Kompressortyp, Schmierstoff, Temperatur, Druck, Aufbereitungsanlage und Betriebszustand ab.
Deshalb sollte bereits vor der Auswahl eines Messgerätes geklärt werden, welche Form des Öls tatsächlich bestimmt werden soll.
Was ist ein Öl-Aerosol?
Ein Aerosol besteht aus sehr kleinen flüssigen beziehungsweise festen Teilchen, die in einem Gas verteilt sind. Bei einem Öl-Aerosol handelt es sich um feine Flüssigkeitströpfchen, die mit der Druckluft transportiert werden.
Solche Aerosole können beispielsweise aus einem ölgeschmierten Kompressor stammen. Werden Öltröpfchen bei der Verdichtung und Strömung stark zerteilt, können sehr feine Tropfen entstehen, die nicht unmittelbar durch die Schwerkraft aus der Luft ausfallen.
Öl-Aerosole sind damit nicht dasselbe wie Öldampf. Die Ölsubstanz befindet sich weiterhin in der flüssigen Phase – lediglich in Form sehr kleiner Tropfen.
Zur Abscheidung werden typischerweise geeignete Koaleszenz- beziehungsweise Feinfilter eingesetzt. Dort werden kleine Tröpfchen zusammengeführt, sodass größere Tropfen entstehen, die anschließend abgeschieden und über einen Kondensatableiter entfernt werden können.
Was ist Öldampf?
Beim Öldampf befinden sich die relevanten Kohlenwasserstoffbestandteile in der Gasphase. Es handelt sich nicht um sichtbare oder mikroskopisch kleine Flüssigkeitstropfen, sondern um gasförmig vorhandene organische Komponenten.
Das ist messtechnisch entscheidend. Ein Filter, der Öltröpfchen mechanisch beziehungsweise durch Koaleszenz sehr effektiv abscheidet, muss gasförmige Kohlenwasserstoffe nicht automatisch im gleichen Maße zurückhalten.
Für besonders hochwertige Druckluft werden deshalb nach der Aerosolfiltration häufig weitere Aufbereitungsstufen verwendet, beispielsweise Aktivkohlefilter oder Aktivkohleadsorber. Dort werden gasförmige Kohlenwasserstoffe an einer großen aktiven Oberfläche adsorbiert.
Ein Öldampfmonitor wird typischerweise hinter einer solchen Aufbereitung eingesetzt, um zu kontrollieren, ob der gasförmige Restölgehalt weiterhin innerhalb des gewünschten Bereiches liegt.
Was bedeutet Gesamtölgehalt nach ISO 8573?
Die Reinheitsklassen für Druckluft werden in ISO 8573-1 unter anderem für Partikel, Wasser und Öl beschrieben. Beim Öl ist entscheidend, dass sich die entsprechende Klassifizierung auf den Gesamtölgehalt bezieht.
Dieser Gesamtölgehalt kann Anteile aus:
- flüssigem Öl,
- Öl-Aerosol und
- Öldampf
enthalten.
Damit ist eine wichtige Konsequenz verbunden: Wird ausschließlich Öldampf gemessen, wurde damit zunächst nur eine Teilkomponente des möglichen Gesamtölgehaltes bestimmt.
Für eine vollständige Bewertung muss deshalb bekannt sein, ob flüssiges Öl beziehungsweise Aerosol durch die Anlagenkonstruktion, vorgeschaltete Aufbereitung oder zusätzliche Messverfahren ausreichend berücksichtigt wurde.
Warum werden Aerosol und Öldampf unterschiedlich gemessen?
Die unterschiedlichen physikalischen Zustände erfordern unterschiedliche Probenahme- und Messverfahren.
Die ISO-8573-Normenreihe trennt deshalb die Verfahren. Für flüssiges Öl und Öl-Aerosole werden Verfahren nach ISO 8573-2 eingesetzt. Öldampf wird dagegen nach ISO 8573-5 betrachtet.
| Ölverunreinigung | Normativer Messbereich | Grundprinzip |
|---|---|---|
| Flüssiges Öl | ISO 8573-2 | Öl wird aus der Druckluftprobe gesammelt und quantitativ bestimmt |
| Öl-Aerosol | ISO 8573-2 | Aerosol wird aus der Druckluft abgeschieden beziehungsweise auf einem geeigneten Medium gesammelt |
| Öldampf | ISO 8573-5 | Gasförmige Ölbestandteile werden über dafür geeignete Probenahme- und Analyseverfahren bestimmt |
Ein Messverfahren für eine Phase sollte deshalb nicht ungeprüft zur Beurteilung einer anderen Phase verwendet werden.
Welche Aufbereitungsstufe entfernt welche Ölverunreinigung?
Auch die Druckluftaufbereitung folgt dieser Unterscheidung. Eine einzelne Filterstufe kann nicht automatisch jede mögliche Ölform optimal reduzieren.
| Aufbereitung | Primäre Aufgabe | Grenze |
|---|---|---|
| Abscheider beziehungsweise Vorfilter | Gröbere Flüssigkeits- und Partikelbelastung reduzieren | Feine Aerosole und Öldampf können verbleiben |
| Koaleszenzfilter | Feine Flüssigkeitsaerosole zusammenführen und abscheiden | Gasförmiger Öldampf wird nicht nach demselben Prinzip abgeschieden |
| Aktivkohlefilter | Gasförmige Kohlenwasserstoffanteile adsorbieren | Kapazität ist begrenzt und nimmt mit Beladung ab |
| Aktivkohleadsorber | Sehr geringe Öldampfgehalte für hochwertige Druckluft erreichen | Benötigt geeignete Vorfiltration und Betriebsbedingungen |
Die richtige Reihenfolge ist wichtig. Ein Aktivkohleelement, das mit großen Mengen flüssigen Öls oder Aerosol beaufschlagt wird, kann wesentlich schneller belastet werden als vorgesehen.
Deshalb steht am Anfang einer zuverlässigen Restölüberwachung immer eine korrekt ausgelegte Druckluftaufbereitung.
Warum beeinflusst die Temperatur die Ölphase?
Die Verteilung zwischen flüssiger und gasförmiger Phase hängt unter anderem von der Temperatur ab. Bei steigender Temperatur können mehr flüchtige Bestandteile gasförmig vorliegen. Bei Abkühlung können Bestandteile dagegen kondensieren beziehungsweise an Oberflächen adsorbieren.
Damit kann sich die Zusammensetzung einer Ölverunreinigung innerhalb einer Druckluftanlage verändern, obwohl die ursprüngliche Quelle unverändert bleibt.
Ein Beispiel ist eine heiße Druckluftströmung unmittelbar hinter dem Kompressor. Dort können bestimmte Kohlenwasserstoffanteile überwiegend gasförmig vorliegen. Nach Kühlung und weiterer Aufbereitung können sich die Phasenverhältnisse verändern.
Die Temperatur gehört deshalb zur Interpretation einer Ölmessung. Messstellen sollten nicht beliebig miteinander verglichen werden, wenn Druck- und Temperaturbedingungen deutlich unterschiedlich sind.
Wo sollte der Ölgehalt gemessen werden?
Die richtige Messstelle hängt von der Fragestellung ab. Soll die Leistung einer einzelnen Aufbereitungsstufe bewertet werden, können Messungen vor und hinter dieser Komponente erforderlich sein. Soll dagegen die Qualität der Druckluft am Verbraucher nachgewiesen werden, muss die Messstelle die tatsächlich dort ankommende Luft möglichst repräsentativ erfassen.
Typische Messstellen können sein:
- hinter der zentralen Druckluftaufbereitung,
- hinter einem Aktivkohlefilter beziehungsweise Aktivkohleadsorber,
- nach einem ölfrei verdichtenden Kompressor,
- vor einer besonders sensiblen Produktionsanlage,
- an einem repräsentativen Punkt des Verteilnetzes.
Die Messung unmittelbar an einer Aufbereitungsanlage beantwortet nicht zwangsläufig die Frage, welche Luftqualität nach mehreren hundert Metern Rohrleitung tatsächlich am Verbraucher vorhanden ist.
Altleitungen können beispielsweise über Jahre Ablagerungen aufgenommen haben. Veränderungen des Betriebszustandes können solche Rückstände erneut beeinflussen beziehungsweise transportieren.
Warum ist die Probenahme so wichtig?
Bei sehr niedrigen Ölkonzentrationen wird die Probenahme selbst zu einem wesentlichen Teil der Messaufgabe. Schläuche, Leitungen und Armaturen können organische Substanzen aufnehmen, abgeben oder das Messergebnis anderweitig beeinflussen.
Deshalb sollten nur für die jeweilige Messung geeignete und saubere Probenahmekomponenten verwendet werden. Hersteller von Restölmesssystemen geben hierfür konkrete Anforderungen an Material, Durchfluss, Druck, Temperatur und Feuchte vor.
Beim OIL CHECK 500 erfolgt die Probenahme beispielsweise über eine geeignete PTFE-Leitung beziehungsweise Edelstahlleitung. Das Gerät benötigt einen definierten Messgasdurchfluss und ist für eine Messstelle mit vorgeschalteter Filtration und Trocknung vorgesehen.
Eine Leitung, die zuvor mit Öl oder ungeeigneten Reinigungsmitteln kontaminiert wurde, kann bei einer Messung im unteren µg/m³- beziehungsweise mg/m³-Bereich erhebliche Auswirkungen haben.
Was kann ein kontinuierlicher Öldampfmonitor leisten?
Eine Laboranalyse liefert einen sehr wertvollen Zustand zu einem definierten Zeitpunkt. Zwischen zwei Laborprüfungen können sich Betriebsbedingungen jedoch verändern.
Eine kontinuierliche Öldampfüberwachung kann deshalb dazu dienen, Trends und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Ein typisches Beispiel ist ein Aktivkohleadsorber, dessen Adsorptionskapazität sich mit zunehmender Beladung reduziert.
Steigt der Öldampfgehalt hinter dieser Aufbereitungsstufe langsam an, kann ein kontinuierliches Messsystem diese Entwicklung erkennen und einen Alarm auslösen, bevor die zulässige interne Qualitätsgrenze deutlich überschritten wird.
Dabei muss die Rolle des Gerätes richtig verstanden werden: Ein Online-Öldampfmonitor überwacht die von ihm erfasste gasförmige Ölkomponente. Er ersetzt nicht automatisch jedes normative Messverfahren für sämtliche Ölphasen.
Warum reicht eine reine Öldampfmessung nicht immer zur Gesamtölbewertung?
Angenommen, ein Öldampfmonitor zeigt hinter der Aufbereitung:
0,004 mg/m³
Dieser Wert beschreibt den vom Gerät erfassten dampfförmigen Restölgehalt.
Wenn gleichzeitig beispielsweise ein zusätzlicher Öl-Aerosolanteil von:
0,008 mg/m³
vorhanden wäre, läge der Gesamtölgehalt bereits oberhalb des reinen Öldampfwertes.
Der Öldampfmonitor kann diesen Aerosolanteil nicht einfach mathematisch aus seinem eigenen Messsignal ableiten.
Deshalb ist insbesondere bei einer erstmaligen Qualifizierung einer Druckluftanlage wichtig zu klären, wie sämtliche relevanten Ölphasen bewertet werden. Ist anschließend nachgewiesen, dass Flüssigkeit und Aerosol durch die vorgelagerte Aufbereitung zuverlässig beherrscht werden, kann die kontinuierliche Überwachung des kritischen Öldampfanteils eine wertvolle zusätzliche Prozesssicherheit bieten.
Praxisbeispiel: niedriger Öldampfwert trotz möglicher Aerosolbelastung
Eine Produktionsanlage benötigt sehr reine Druckluft. Hinter der zentralen Aufbereitung befindet sich ein OIL CHECK 500. Der angezeigte Öldampfgehalt liegt konstant bei etwa 0,003 mg/m³.
Nach einer Wartung tritt jedoch ein Problem an einer vorgeschalteten Koaleszenzfilterstufe auf. Ein defekter Kondensatableiter beziehungsweise ein stark belastetes Filterelement beeinträchtigt die Abscheidung von flüssigen Bestandteilen.
Der Öldampfmonitor kann weiterhin einen niedrigen gasförmigen Restölwert anzeigen, weil die Ursache primär die Aerosol- beziehungsweise Flüssigphase betrifft.
Würde ausschließlich der Öldampfwert betrachtet, könnte dadurch der falsche Eindruck entstehen, dass die gesamte Ölqualität unverändert ist.
Bei der Fehlersuche werden deshalb die Filterstufen kontrolliert und die Ölphase gezielt berücksichtigt. Erst danach kann bewertet werden, ob tatsächlich eine Veränderung des Gesamtölgehaltes vorliegt.
Das Beispiel zeigt: Ein Messwert ist nur dann aussagekräftig, wenn klar ist, welche physikalische Komponente das verwendete Gerät tatsächlich misst.
Ölproblem in einer Druckluftanlage systematisch diagnostizieren
- Geforderte Druckluftqualität festlegen: Welche Ölklasse beziehungsweise welcher maximale Gesamtölgehalt ist erforderlich?
- Messaufgabe definieren: Soll Gesamtöl, Öl-Aerosol, flüssiges Öl oder Öldampf bewertet werden?
- Kompressortyp und mögliche Ölquellen dokumentieren.
- Vorhandene Abscheider, Koaleszenzfilter und Aktivkohlestufen prüfen.
- Repräsentative Messstelle festlegen.
- Temperatur, Druck und Feuchte an der Messstelle berücksichtigen.
- Für die jeweilige Ölphase geeignetes Messverfahren auswählen.
- Saubere und geeignete Probenahmeleitungen verwenden.
- Bei unerwartet hohem Öldampfwert Aktivkohle beziehungsweise Adsorber und mögliche externe Kohlenwasserstoffquellen prüfen.
- Bei vermutetem Aerosolproblem Koaleszenzfilter, Differenzdruck, Kondensatableitung und vorgeschaltete Abscheidung untersuchen.
- Nach Wartungsmaßnahmen erneut unter vergleichbaren Bedingungen messen.
- Bei qualitätskritischen Prozessen Messergebnisse und Betriebszustände dokumentieren.
Warum kontinuierliche Überwachung wirtschaftlich sinnvoll sein kann
Eine verschlechterte Druckluftqualität kann Folgekosten verursachen, die weit über den Preis eines Filterelements hinausgehen. Je nach Anwendung können Ölverunreinigungen Produkte, Beschichtungen, pneumatische Komponenten oder sensible Produktionsprozesse beeinträchtigen.
Besonders problematisch ist ein schleichender Qualitätsverlust. Ein Aktivkohleadsorber fällt normalerweise nicht zwangsläufig innerhalb eines einzigen Augenblicks vollständig aus. Seine Leistungsfähigkeit kann sich über längere Zeit verändern.
Eine kontinuierliche Trendüberwachung ermöglicht es, solche Veränderungen früher zu erkennen und Wartungsarbeiten stärker nach dem tatsächlichen Zustand auszurichten.
Gleichzeitig kann verhindert werden, dass Filter oder Adsorber unnötig früh allein aufgrund eines starren Zeitintervalls ersetzt werden, sofern das Wartungskonzept und die Prozessanforderungen eine zustandsorientierte Betrachtung zulassen.
Häufige Fehler
- Öldampf mit Gesamtöl gleichsetzen: Ein Öldampfmonitor erfasst nicht automatisch flüssiges Öl und Öl-Aerosol.
- Aerosol und Dampf als denselben Stoffzustand betrachten: Aerosole bestehen aus Flüssigkeitströpfchen, während Öldampf gasförmig vorliegt.
- Koaleszenzfilter als Öldampffilter betrachten: Die Mechanismen zur Aerosolabscheidung und zur Entfernung gasförmiger Kohlenwasserstoffe unterscheiden sich.
- Aktivkohle ohne ausreichende Vorfiltration betreiben: Flüssige beziehungsweise aerosolartige Belastungen können die Aufbereitungsstufe unnötig stark beanspruchen.
- Ungeeignete Probenahmeschläuche verwenden: Bei sehr niedrigen Konzentrationen kann bereits die Probenahme das Ergebnis beeinflussen.
- Messstelle nur nach Bequemlichkeit auswählen: Die gemessene Luft muss für die eigentliche Anwendung repräsentativ sein.
- Temperatur nicht berücksichtigen: Änderungen der Temperatur können die Verteilung zwischen gasförmigen und kondensierten Bestandteilen beeinflussen.
- Einen Online-Messwert ungeprüft als vollständigen normativen Nachweis verwenden: Das konkrete Messverfahren und die erfasste Ölphase müssen zur Nachweisaufgabe passen.
- Ölfreien Kompressor mit garantiert ölfreier Druckluft am Verbraucher gleichsetzen: Verunreinigungen können auch aus Ansaugluft, Rohrleitungen oder anderen Komponenten stammen.
- Bei einem erhöhten Ölwert sofort nur den Kompressor verdächtigen: Filter, Adsorber, Leitungsnetz und Probenahme gehören ebenfalls zur Diagnose.
OIL CHECK 500 zur kontinuierlichen Öldampfüberwachung
Ein konkretes Messsystem zur kontinuierlichen Überwachung des dampfförmigen Restölgehaltes ist der OIL CHECK 500. Das Gerät ist für Druckluft und Stickstoff sowie weitere Gase auf Anfrage ausgelegt.
Der Messbereich beträgt 0,001 ... 5 mg/m³. Die Nachweisgrenze liegt bei 0,001 mg/m³. Dadurch eignet sich das System insbesondere für die Überwachung sehr hochwertig aufbereiteter Druckluft.
Als Messwert wird der druck- und temperaturkompensierte Restöldampfgehalt in mg/Norm m³ ausgegeben. Erfasst werden unter anderem Kohlenwasserstoffe, funktionelle Kohlenwasserstoffe und Aromaten.
Typische Einsatzstellen sind:
- nach Aktivkohlefilter,
- nach Aktivkohleadsorber,
- nach ölfrei verdichtendem Kompressor,
- jeweils mit geeigneter vorgeschalteter Filtration und Trocknung.
Für die Integration in ein Überwachungssystem stehen unter anderem eine RS-485-Schnittstelle mit Modbus RTU sowie ein galvanisch getrennter 4 ... 20 mA-Ausgang zur Verfügung. Grenzwertüberschreitungen können dadurch in übergeordnete Prozess- oder Alarmierungssysteme eingebunden werden.
Wichtig für das hier behandelte Thema ist jedoch die vorgesehene Messaufgabe: Der OIL CHECK 500 dient der hochsensitiven Messung des dampfförmigen Restölgehaltes. Aerosole beziehungsweise flüssige Ölbestandteile sollen bei bestimmungsgemäßer Installation nicht in den Geräteeintritt gelangen.
Passende Geräte finden Sie unter Druckluftqualität bei ICS Schneider. Weitere Informationen zum hier verwendeten Messsystem finden Sie beim OIL CHECK 500.
Fazit
Der Begriff Ölgehalt beschreibt bei Druckluft nicht automatisch eine einzige physikalische Verunreinigung. Öl kann als Flüssigkeit, als fein verteiltes Aerosol oder in der Gasphase als Öldampf vorliegen.
Diese Formen verhalten sich unterschiedlich. Aerosole sind kleine Flüssigkeitströpfchen und werden beispielsweise durch geeignete Koaleszenzfilter abgeschieden. Gasförmige Kohlenwasserstoffe benötigen dagegen andere Aufbereitungsmechanismen wie Aktivkohleadsorption.
Auch die Messtechnik muss diese Unterschiede berücksichtigen. Flüssiges Öl und Aerosole werden mit anderen Verfahren erfasst als Öldampf. Ein hochsensitiver Öldampfmonitor liefert deshalb eine wertvolle Aussage über den gasförmigen Restölanteil, kann aber nicht automatisch jede andere Ölphase mitmessen.
Besonders wichtig ist diese Unterscheidung bei der Bewertung der Druckluftqualität nach ISO 8573. Der Gesamtölgehalt kann mehrere Ölphasen umfassen. Deshalb muss bei einer qualitätskritischen Anwendung bekannt sein, welche Komponenten bereits durch Aufbereitung beziehungsweise andere Prüfungen abgesichert wurden.
Ein kontinuierliches System wie der OIL CHECK 500 kann anschließend eine besonders wertvolle Aufgabe übernehmen: Es überwacht den dampfförmigen Restölgehalt permanent und kann dadurch schleichende Veränderungen der Aufbereitung zwischen einzelnen Laborprüfungen frühzeitig sichtbar machen.
Für eine zuverlässige Bewertung des Ölgehalts gilt deshalb: zuerst klären, ob Flüssigöl, Aerosol oder Öldampf untersucht werden soll, anschließend das dafür geeignete Messverfahren und eine repräsentative Messstelle auswählen und einen niedrigen Einzelwert niemals auf eine Ölphase übertragen, die das verwendete Messgerät gar nicht erfasst.
FAQ: Öl-Aerosol und Öldampf in Druckluft
Was ist der Unterschied zwischen Öl-Aerosol und Öldampf?
Öl-Aerosol besteht aus sehr kleinen flüssigen Öltröpfchen, die in der Druckluft schweben. Öldampf besteht dagegen aus gasförmig vorhandenen Kohlenwasserstoffbestandteilen. Beide benötigen unterschiedliche Aufbereitungs- und Messverfahren.
Was bedeutet Gesamtölgehalt bei Druckluft?
Der Gesamtölgehalt kann flüssiges Öl, Öl-Aerosol und Öldampf umfassen. Deshalb darf der Messwert einer einzelnen Ölphase nicht automatisch mit dem gesamten Ölgehalt gleichgesetzt werden.
Welche Norm behandelt Öl-Aerosole in Druckluft?
Die Messung von flüssigem Öl und Öl-Aerosolen wird innerhalb der ISO-8573-Normenreihe in ISO 8573-2 behandelt.
Welche Norm behandelt Öldampf?
Die Bestimmung des Öldampfgehaltes wird in ISO 8573-5 behandelt. Das Messverfahren unterscheidet sich von der Aerosolmessung.
Kann ein Koaleszenzfilter auch Öldampf entfernen?
Ein Koaleszenzfilter ist primär zur Abscheidung flüssiger Aerosole ausgelegt. Gasförmige Kohlenwasserstoffe werden nicht nach demselben Abscheidemechanismus entfernt. Für sehr niedrige Öldampfgehalte werden deshalb beispielsweise Aktivkohle-Aufbereitungsstufen eingesetzt.
Kann ein Aktivkohlefilter Öl-Aerosol ersetzen?
Eine Aktivkohlestufe sollte nicht als Ersatz für eine geeignete vorgelagerte Aerosolfiltration betrachtet werden. Flüssige beziehungsweise aerosolartige Belastungen können die Aktivkohle unnötig stark beanspruchen.
Kann ein Öldampfmonitor den Gesamtölgehalt direkt messen?
Nicht automatisch. Ein Gerät, das speziell den dampfförmigen Restölgehalt misst, erfasst damit nicht gleichzeitig jede mögliche Flüssig- oder Aerosolkomponente.
Warum beeinflusst die Temperatur die Ölmessung?
Die Verteilung zwischen gasförmiger und kondensierter Phase ist temperaturabhängig. Veränderungen der Temperatur können deshalb beeinflussen, welcher Anteil einer Ölverunreinigung als Dampf beziehungsweise Flüssigkeit vorliegt.
Wo sollte ein Restölmessgerät installiert werden?
Die Messstelle muss zur Fragestellung passen. Für die Überwachung hochwertiger Druckluft kann eine Messung beispielsweise hinter Aktivkohlefilter oder Aktivkohleadsorber beziehungsweise an einer repräsentativen Stelle vor einem sensiblen Verbraucher sinnvoll sein.
Warum ist die Probenahmeleitung bei Restölmessungen wichtig?
Bei sehr niedrigen Kohlenwasserstoffkonzentrationen können ungeeignete oder kontaminierte Leitungen Stoffe aufnehmen oder abgeben und dadurch das Messergebnis verfälschen. Deshalb sind geeignete saubere Materialien und definierte Probenahmebedingungen erforderlich.
Was misst der OIL CHECK 500?
Der OIL CHECK 500 misst kontinuierlich den dampfförmigen Restölgehalt in Druckluft beziehungsweise geeigneten Gasen. Der Messbereich beträgt 0,001 bis 5 mg/m³ und die Nachweisgrenze liegt bei 0,001 mg/m³.
Wo wird der OIL CHECK 500 typischerweise eingesetzt?
Typische Einsatzstellen sind hinter einem Aktivkohlefilter oder Aktivkohleadsorber sowie nach einem ölfrei verdichtenden Kompressor. Für die bestimmungsgemäße Messung sind eine geeignete vorgeschaltete Filtration und Trocknung erforderlich.
Dürfen Öl-Aerosole in den OIL CHECK 500 gelangen?
Bei bestimmungsgemäßer Installation sollen am Eintritt des Gerätes keine Aerosole oder flüssigen Ölbestandteile vorhanden sein. Das System ist für die Messung des dampfförmigen Restölgehaltes ausgelegt.
Kann auch ein ölfreier Kompressor verunreinigte Druckluft liefern?
Ja. Kohlenwasserstoffe können beispielsweise bereits über die Ansaugluft eingetragen werden oder aus dem Leitungs- und Aufbereitungssystem stammen. Die Bezeichnung des Kompressors allein beschreibt deshalb nicht automatisch die endgültige Luftqualität am Verbraucher.
