SF6-Gasdichtewächter nach Transport prüfen: Temperaturausgleich und Zeigerstellung vor Inbetriebnahme bewerten

WIKA GDM 100 SF6 Gasdichtewächter nach kaltem Transport, anschließendem Temperaturausgleich bei 20 °C und abschließender Prüfung der Zeigerstellung
→ Produktkategorie: SF6-Gas Lösungen

 

Ein neuer SF6-Gasdichtewächter wird im Winter angeliefert. Direkt nach dem Auspacken steht der Zeiger im drucklosen Zustand nicht genau dort, wo er bei Raumtemperatur erwartet wird. Ist das Gerät beim Transport beschädigt worden und darf es nicht eingebaut werden?

Nicht zwangsläufig. Ein mechanischer Gasdichtewächter besitzt ein Temperaturkompensationssystem. Während Transport und Lagerung kann sich das Gerät deutlich erwärmen oder abkühlen. Unterschiedliche Temperaturen innerhalb des Messsystems können dabei vorübergehend eine sichtbare Zeigerbewegung verursachen.

WIKA weist für den GDM-100 ausdrücklich darauf hin, dass solche Zeigerbewegungen nach Transport oder Lagerung durch das Kompensationssystem verursacht werden können. Vor der Beurteilung der Zeigerstellung im drucklosen Zustand muss sich das Gerät deshalb ausreichend an eine definierte Temperatur angeglichen haben.

Für den GDM-100 sieht die Betriebsanleitung hierfür mindestens zwei Stunden bei 20 °C vor. Erst danach sollte kontrolliert werden, ob sich der Zeiger im vorgesehenen Toleranzbereich befindet.

Eine unmittelbar nach dem Auspacken auffällige Zeigerstellung ist deshalb noch kein ausreichender Nachweis für einen Transportschaden. Zuerst temperieren, anschließend im vorgesehenen Zustand kontrollieren und erst danach über Einbau, Funktionsprüfung oder weitere Prüfung entscheiden.

Was überwacht ein SF6-Gasdichtewächter?

In gasisolierten Mittel- und Hochspannungsanlagen ist nicht allein der aktuelle Gasdruck entscheidend.

Für die elektrische Isolations- und Schaltfähigkeit ist insbesondere die vorhandene Gasmenge beziehungsweise Gasdichte relevant.

Der Druck von SF6 verändert sich jedoch auch dann mit der Temperatur, wenn aus einem geschlossenen Gasraum überhaupt kein Gas verloren geht.

Vereinfacht gilt:

Temperatur steigt → Gasdruck steigt

und:

Temperatur sinkt → Gasdruck sinkt

Ein normales Manometer würde deshalb bei gleicher Gasmenge je nach Umgebungstemperatur unterschiedliche Drücke anzeigen.

Ein Gasdichtewächter kompensiert diesen Temperatureinfluss.

Dadurch kann die Anzeige auf einen definierten Referenzzustand bezogen werden und eine tatsächliche Verringerung der Gasdichte zuverlässiger von einer normalen temperaturbedingten Druckänderung unterschieden werden.

Warum muss die Temperatur kompensiert werden?

Angenommen, ein geschlossenes SF6-System besitzt bei 20 °C den korrekten Fülldruck.

Sinkt die Umgebungstemperatur auf beispielsweise:

-10 °C

sinkt auch der Gasdruck.

Die Gasmenge im Behälter hat sich dabei jedoch nicht verändert.

Ein einfacher Druckschalter könnte diesen Druckabfall fälschlich als Gasverlust interpretieren.

Ein Gasdichtewächter besitzt deshalb ein mechanisches beziehungsweise mechatronisches Kompensationssystem, das die Temperaturabhängigkeit berücksichtigt.

Beim WIKA GDM-100 erfolgt die mechanische Temperaturkompensation unter anderem über ein Bimetallglied innerhalb des Messwerks.

Die Vor-Ort-Anzeige kann dadurch den Gaszustand bezogen auf die definierte Referenztemperatur darstellen.

Beim GDM-100 wird der angezeigte Druck auf:

20 °C

bezogen.

Warum kann sich der Zeiger nach dem Transport bewegen?

Während des Transportes befindet sich der Gasdichtewächter möglicherweise über Stunden bei einer deutlich anderen Temperatur als am späteren Einbauort.

Typische Situationen sind:

  • Wintertransport im kalten Lkw,
  • Lagerung in unbeheizter Halle,
  • Sommertransport in aufgeheiztem Fahrzeug,
  • schneller Wechsel von Außen- zu Raumtemperatur.

Nach dem Auspacken erwärmen beziehungsweise kühlen sich die einzelnen Bauteile des Gasdichtewächters nicht zwangsläufig alle mit exakt derselben Geschwindigkeit.

Dadurch befindet sich das Temperaturkompensationssystem vorübergehend noch nicht in seinem thermischen Gleichgewicht.

Der Zeiger kann sich deshalb bewegen, obwohl:

  • kein Druck anliegt,
  • keine Gasfüllung verloren gegangen ist,
  • das Messwerk mechanisch nicht beschädigt wurde.

Genau diesen Effekt nennt WIKA ausdrücklich in der Betriebsanleitung des GDM-100.

Warum ist die Zeigerbewegung nicht automatisch ein Defekt?

Ein Gasdichtewächter ist temperaturkompensiert.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Zeiger während jedes beliebig schnellen Temperaturwechsels vollkommen unbeweglich bleiben muss.

Temperaturkompensation beschreibt die korrekte Funktion des Messsystems unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen und nach ausreichendem Temperaturausgleich.

Unmittelbar nach einem starken Temperaturwechsel kann das Messwerk noch einen vorübergehenden Zustand anzeigen.

Ein typisches Beispiel:

Transport bei 0 °C → Auspacken bei 20 °C → Zeiger bewegt sich während Erwärmung

Eine solche Bewegung ist zunächst mit dem normalen thermischen Verhalten des Kompensationssystems vereinbar.

Erst wenn der Zeiger nach der vorgeschriebenen Temperierung weiterhin außerhalb des zulässigen Bereiches liegt, besteht Anlass für eine weitergehende Prüfung.

Warum nennt WIKA zwei Stunden bei 20 °C?

Für den GDM-100 gibt WIKA eine konkrete Vorgehensweise vor.

Nach Transport oder Lagerung soll das Gerät zur ausreichenden Temperaturanpassung:

mindestens 2 Stunden bei 20 °C

gelagert werden.

Diese Zeit ermöglicht dem kompletten Messsystem, sich thermisch weitgehend auszugleichen.

Danach kann die Zeigerstellung im drucklosen Zustand sinnvoll bewertet werden.

Wichtig ist die genaue Interpretation:

Die zwei Stunden bei 20 °C sind eine konkrete Herstellervorgabe für die Beurteilung des GDM-100 nach Transport beziehungsweise Lagerung und keine universelle Regel für jeden beliebigen Gasdichtewächter.

Bei anderen Typen muss die jeweilige Betriebsanleitung verwendet werden.

Was bedeutet der Toleranzbereich im drucklosen Zustand?

Nach ausreichender Temperierung beschreibt WIKA für den GDM-100, dass der Zeiger im drucklosen Zustand innerhalb des vorgesehenen Toleranzbalkens liegen muss.

Damit wird keine normale Betriebsfüllung simuliert.

Es handelt sich vielmehr um eine Plausibilitätskontrolle des Messwerks ohne Prozessdruck.

Wichtig ist deshalb die Reihenfolge:

  1. Gerät drucklos.
  2. Ausreichend bei der vorgesehenen Referenztemperatur temperieren.
  3. Erst danach Zeigerstellung beurteilen.

Der Toleranzbereich berücksichtigt, dass auch ein Präzisionsmesswerk nicht mathematisch exakt auf einem einzelnen idealen Punkt stehen muss.

Ein Zeiger innerhalb des vorgesehenen Toleranzbereiches ist deshalb nicht „ungenau“, sondern befindet sich innerhalb des vom Hersteller festgelegten zulässigen Zustandes.

Was sollte unmittelbar nach der Lieferung geprüft werden?

Die Temperierung ersetzt nicht die normale Wareneingangs- beziehungsweise Sichtprüfung.

Direkt nach der Lieferung sollte kontrolliert werden, ob erkennbare Transportschäden vorhanden sind.

Zu prüfen sind beispielsweise:

  • Gehäuse eingedrückt oder verformt,
  • Sichtscheibe beschädigt,
  • Prozessanschluss verbogen,
  • Gewinde beschädigt,
  • elektrischer Anschluss beschädigt,
  • Kabeldose beziehungsweise Stecker gebrochen,
  • sichtbare lose Teile,
  • Beschädigungen an Kalibrier- beziehungsweise Prüfanschluss.

Ein offensichtlicher mechanischer Schaden sollte unmittelbar dokumentiert und gemeldet werden.

Eine reine Zeigerabweichung bei stark abweichender Gerätetemperatur sollte dagegen zunächst nicht mit einem mechanischen Transportschaden gleichgesetzt werden.

Was ist vor der Montage zu kontrollieren?

Vor dem Einbau sollten auch die mechanischen Anschlussstellen geprüft werden.

WIKA fordert insbesondere saubere und unbeschädigte Dichtflächen am Gerät und an der Messstelle.

Zu kontrollieren sind:

  • Prozessgewinde,
  • Dichtfläche,
  • passende Dichtung,
  • Anschlussgeometrie,
  • elektrischer Stecker beziehungsweise Kabelausgang.

Beim Einschrauben darf das notwendige Drehmoment nicht über das Gehäuse des Gasdichtewächters eingeleitet werden.

Das Werkzeug wird am dafür vorgesehenen Schlüsselflächenbereich des Prozessanschlusses angesetzt.

Auch ein Verkanten des Gewindes ist zu vermeiden.

Eine mechanisch verspannte Montage kann das Messsystem beeinflussen beziehungsweise Anschluss oder Dichtfläche beschädigen.

Wie wird die Zeigerstellung sinnvoll bewertet?

Vor der Bewertung sollte zunächst eindeutig geklärt werden, in welchem Zustand sich das Gerät befindet.

Drei Situationen dürfen nicht miteinander verwechselt werden:

Zustand Bedeutung der Zeigerstellung
Direkt nach kaltem oder warmem Transport Noch nicht zuverlässig bewerten
Drucklos und ausreichend temperiert Zeiger mit vorgesehenem Toleranzbereich vergleichen
Mit SF6-Gasraum verbunden Temperaturkompensierten Gaszustand beziehungsweise Betriebsbereich beurteilen

Ein häufiger Fehler besteht darin, einen frisch ausgepackten, drucklosen Gasdichtewächter anhand der späteren grünen Betriebszone zu beurteilen.

Diese Zone bezieht sich jedoch auf die konfigurierte Anwendung beziehungsweise den vorgesehenen Gaszustand der Anlage.

Was ändert sich nach Verbindung mit dem SF6-Gasraum?

Nach der Montage wird der Gasdichtewächter mit dem geschlossenen Gasraum der Schaltanlage verbunden.

Nun wirkt der tatsächliche SF6-Gasdruck auf das Messsystem.

Der Gasdichtewächter berücksichtigt gleichzeitig die Temperatur und zeigt einen auf den definierten Referenzzustand bezogenen Wert an.

Beim GDM-100 kann über die Vor-Ort-Anzeige der auf 20 °C bezogene Druck abgelesen werden.

Je nach kundenspezifischer Ausführung besitzt die Skala:

  • grüne Betriebsbereiche,
  • gelbe Warnbereiche,
  • rote kritische Bereiche,
  • definierte Schaltpunkte.

Die konkrete Zeigerstellung muss deshalb immer mit den Daten der tatsächlich gelieferten Ausführung beziehungsweise der Schaltanlage verglichen werden.

Warum sollten auch die Schaltkontakte geprüft werden?

Ein Gasdichtewächter ist nicht nur ein Anzeigeinstrument.

Typische Ausführungen besitzen einen oder mehrere elektrische Schaltkontakte.

Diese können beispielsweise:

  • eine Vorwarnung auslösen,
  • eine Alarmmeldung erzeugen,
  • eine Schaltfreigabe beeinflussen.

Beim GDM-100 werden magnetische Sprungkontakte über die Zeigermechanik betätigt.

Eine reine Sichtprüfung des Zeigers bestätigt deshalb noch nicht vollständig die elektrische Funktion der Überwachungskette.

Vor beziehungsweise während der Inbetriebnahme sollten entsprechend der Anlagen- und Prüfanweisung auch:

  • Kontakttyp,
  • Verdrahtung,
  • Schaltfunktion,
  • Meldeweg

kontrolliert werden.

Eine vollständige Funktionsprüfung erfolgt mit dafür vorgesehenem Prüf- beziehungsweise Rekalibriergerät.

Welche Rolle spielt die vorherige Lagerung?

Nicht nur ein Transport kann zu einer starken Temperaturabweichung führen.

Auch eine längere Lagerung kann denselben Effekt verursachen.

Beispiele:

  • unbeheiztes Ersatzteillager im Winter,
  • Containerlager im Sommer,
  • Lagerung nahe einem Hallentor,
  • Wechsel zwischen klimatisiertem und unbeheiztem Bereich.

Beim GDM-100 ist ein Lagertemperaturbereich von:

-50 ... +60 °C

vorgesehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein bei -30 °C gelagertes Gerät unmittelbar nach dem Einbringen in eine 20-°C-Werkstatt hinsichtlich seiner Zeigerstellung bewertet werden sollte.

Zulässige Lagertemperatur und erforderlicher Temperaturausgleich vor der Prüfung sind zwei unterschiedliche Anforderungen.

Was passiert bei großen Temperatursprüngen?

Je größer die Temperaturdifferenz zwischen Transport beziehungsweise Lagerung und Prüfort ist, desto deutlicher kann der thermische Einschwingvorgang werden.

Beispiel:

Gerät bei -10 °C → Prüfraum bei +20 °C

Das Gehäuse, das Messglied, das Bimetall der Temperaturkompensation und weitere innere Komponenten erreichen ihre neue Temperatur nicht gleichzeitig.

Während dieser Phase kann sich der Zeiger langsam bewegen.

Dieser Verlauf unterscheidet sich von typischen mechanischen Fehlerbildern.

Eine temperaturbedingte Bewegung:

  • verläuft meist kontinuierlich,
  • stabilisiert sich mit zunehmendem Temperaturausgleich,
  • ist bei vergleichbaren Bedingungen reproduzierbar.

Ein mechanisches Problem kann sich dagegen beispielsweise durch:

  • blockierten Zeiger,
  • sprunghafte Bewegung,
  • dauerhafte starke Abweichung,
  • sichtbare Gehäuseschäden

zeigen.

Wann spricht die Zeigerstellung tatsächlich für ein Problem?

Eine weitere Prüfung ist erforderlich, wenn beispielsweise nach vollständigem Temperaturausgleich:

  • der Zeiger drucklos außerhalb des vorgesehenen Toleranzbereiches bleibt,
  • der Zeiger mechanisch hängt,
  • der Zeiger trotz Druckänderung keine Bewegung zeigt,
  • die Bewegung sprunghaft oder offensichtlich blockiert ist,
  • Gehäuse oder Prozessanschluss sichtbare Transportschäden besitzen,
  • Schaltkontakte nicht plausibel funktionieren.

WIKA nennt beispielsweise für den Fall:

keine Zeigerbewegung trotz Druckänderung

eine blockierte Mechanik als mögliche Ursache.

In einem solchen Fall sollte das Gerät nicht durch manuelles Bewegen oder Nachstellen des Zeigers „korrigiert“ werden.

Die Ursache muss fachgerecht geprüft beziehungsweise das Gerät ersetzt oder zur technischen Überprüfung gegeben werden.

Praxisbeispiel: Gasdichtewächter aus kaltem Transportfahrzeug

Ein WIKA GDM-100 wird im Januar morgens angeliefert.

Außentemperatur:

-5 °C

Temperatur im Montagebereich:

20 °C

Der Karton wird unmittelbar nach der Anlieferung geöffnet.

Bei der Sichtprüfung sind:

  • Gehäuse unbeschädigt,
  • Sichtscheibe intakt,
  • Prozessanschluss unbeschädigt,
  • Stecker intakt.

Der Zeiger steht im drucklosen Zustand jedoch außerhalb der erwarteten Ruheposition.

Das Gerät wird deshalb nicht sofort als beschädigt zurückgewiesen.

Stattdessen wird es entsprechend der WIKA-Vorgabe:

mindestens 2 Stunden bei 20 °C

drucklos temperiert.

Während dieser Zeit verändert sich die Zeigerstellung langsam.

Nach dem Temperaturausgleich befindet sich der Zeiger innerhalb des vorgesehenen Toleranzbalkens.

Die zunächst auffällige Zeigerstellung war damit durch den thermischen Zustand des Kompensationssystems erklärbar.

Anschließend werden Montage, elektrische Anschlüsse und die spätere Funktionsprüfung entsprechend der Anlagenanweisung durchgeführt.

Das Beispiel zeigt: Die Beurteilung eines Gasdichtewächters unmittelbar nach einem starken Temperaturwechsel kann zu einer falschen Diagnose führen.

Systematischer Prüfablauf vor der Inbetriebnahme

  1. Verpackung auf erkennbare Transportschäden kontrollieren.
  2. Gerät vorsichtig auspacken.
  3. Gehäuse und Sichtscheibe prüfen.
  4. Prozessanschluss und Gewinde kontrollieren.
  5. Dichtfläche prüfen.
  6. Elektrischen Anschluss kontrollieren.
  7. Transport- beziehungsweise Lagertemperatur berücksichtigen.
  8. Zeiger unmittelbar nach starkem Temperaturwechsel noch nicht abschließend bewerten.
  9. Beim GDM-100 mindestens 2 Stunden bei 20 °C temperieren.
  10. Gerät während dieser Prüfung drucklos halten.
  11. Zeiger anschließend mit dem vorgesehenen Toleranzbereich vergleichen.
  12. Bei Auffälligkeit nicht am Zeiger nachstellen.
  13. Montageanschluss und Dichtung entsprechend der Betriebsanleitung vorbereiten.
  14. Drehmoment ausschließlich über die vorgesehenen Schlüsselflächen einleiten.
  15. Elektrische Kontakte nach Anschlussplan verdrahten.
  16. Gasdichtewächter kontrolliert mit dem Gasraum verbinden.
  17. Zeigerstellung im Betriebszustand prüfen.
  18. Schalt- beziehungsweise Meldefunktion entsprechend der Anlagenanweisung prüfen.
  19. Prüfung und Geräteidentifikation dokumentieren.

Häufige Fehler

  • Zeiger unmittelbar nach kaltem Transport beurteilen: Das Temperaturkompensationssystem kann sich noch im thermischen Übergang befinden.
  • Temperaturbedingte Zeigerbewegung sofort als Transportschaden einstufen: WIKA beschreibt diesen Effekt ausdrücklich als mögliches normales Verhalten.
  • „Temperaturkompensiert“ mit „Zeiger bewegt sich bei Temperaturänderung niemals“ gleichsetzen: Nach starken Temperaturwechseln ist zunächst ein Temperaturausgleich erforderlich.
  • Beliebige Wartezeit verwenden: Beim GDM-100 nennt WIKA konkret mindestens zwei Stunden bei 20 °C für die entsprechende Prüfung.
  • Drucklosen Zeiger mit dem normalen grünen Betriebsbereich vergleichen: Für die Vorprüfung ist der vorgesehene drucklose Toleranzbereich maßgeblich.
  • Zeiger manuell korrigieren: Ein außerhalb der Toleranz liegendes Gerät muss fachgerecht geprüft werden.
  • Nur auf den Zeiger schauen: Gehäuse, Scheibe, Prozessanschluss, Dichtfläche und elektrische Anschlüsse gehören ebenfalls zur Wareneingangsprüfung.
  • Gehäuse zum Einschrauben verwenden: Das Montagedrehmoment muss über die dafür vorgesehenen Schlüsselflächen eingeleitet werden.
  • Schaltkontakte nicht prüfen: Eine korrekte Vor-Ort-Anzeige bestätigt noch nicht die gesamte elektrische Alarmkette.
  • Lagertemperatur und Prüftemperatur verwechseln: Ein zulässiger großer Lagertemperaturbereich bedeutet nicht, dass das Gerät ohne Temperierung beurteilt werden kann.
  • Gasdruck mit Gasdichte verwechseln: Der Gasdichtewächter kompensiert gerade die normale temperaturbedingte Druckänderung.
  • Nach Transport automatisch rekalibrieren: Eine vorübergehende temperaturbedingte Zeigerbewegung allein ist kein Nachweis dafür, dass eine Rekalibrierung erforderlich ist.

WIKA GDM-100 für die SF6-Gasdichteüberwachung

Ein konkreter Gasdichtewächter für Mittel- und Hochspannungsanlagen ist der WIKA GDM-100.

Der Gasdichtewächter dient zur Überwachung der Gasdichte in geschlossenen SF6-Gasräumen und verfügt über:

  • örtliche Anzeige,
  • elektrische Schaltkontakte,
  • mechanische Temperaturkompensation,
  • hermetisch dichtes Messsystem,
  • kundenspezifische Schaltpunkte.

Über die Vor-Ort-Anzeige lässt sich der Druck bezogen auf:

20 °C

ablesen.

WIKA gibt für den GDM-100 eine Genauigkeit bezogen auf die Messspanne von:

±1 % bei 20 °C

an.

Über den Umgebungstemperaturbereich von:

-20 ... +60 °C

wird unter den spezifizierten Bedingungen eine Genauigkeit von:

±2,5 %

angegeben.

Je nach Ausführung sind ein bis drei magnetische Sprungkontakte erhältlich.

Besonders interessant für Wartungsanwendungen ist die Ausführung mit fest angeschweißtem Kalibrierventil.

Damit kann der Gasdichtewächter für eine Funktionsprüfung beziehungsweise Rekalibrierung vom Gasraum getrennt werden, ohne das komplette Gerät demontieren zu müssen.

Weitere Informationen finden Sie beim WIKA GDM-100 Gasdichtewächter sowie unter SF6-Gas Lösungen bei ICS Schneider.

Fazit

Eine auffällige Zeigerstellung unmittelbar nach dem Transport ist bei einem SF6-Gasdichtewächter nicht automatisch ein Zeichen für einen Transportschaden.

Das Temperaturkompensationssystem kann während Transport und Lagerung aufgrund von Erwärmung oder Abkühlung eine sichtbare Zeigerbewegung verursachen.

Beim WIKA GDM-100 ist deshalb vor der Beurteilung im drucklosen Zustand ein definierter Temperaturausgleich vorgesehen.

WIKA fordert dafür mindestens zwei Stunden bei 20 °C. Erst anschließend sollte kontrolliert werden, ob sich der Zeiger innerhalb des vorgesehenen Toleranzbereiches befindet.

Davon unabhängig muss jedes neu angelieferte Gerät auf sichtbare Transportschäden an Gehäuse, Sichtscheibe, Prozessanschluss und elektrischen Komponenten geprüft werden.

Nach erfolgreicher Vorprüfung folgt die korrekte mechanische Montage, die elektrische Verdrahtung und schließlich die Funktionsprüfung im vorgesehenen Anlagenzustand.

Für eine sichere Inbetriebnahme gilt deshalb: Gasdichtewächter nach Transport zuerst auf sichtbare Schäden prüfen, starke Temperaturunterschiede berücksichtigen, beim GDM-100 mindestens zwei Stunden bei 20 °C temperieren, erst danach die drucklose Zeigerstellung bewerten und ein tatsächlich auffälliges Gerät niemals durch manuelles Nachstellen des Zeigers „korrigieren“.

FAQ: SF6-Gasdichtewächter nach Transport prüfen

Warum kann der Zeiger eines Gasdichtewächters nach dem Transport anders stehen?

Transport und Lagerung können das Gerät erwärmen oder abkühlen. Das Temperaturkompensationssystem reagiert auf diese Temperaturänderungen und kann vorübergehend eine Zeigerbewegung verursachen.

Ist eine auffällige Zeigerstellung nach dem Auspacken automatisch ein Defekt?

Nein. Zunächst muss geprüft werden, ob das Gerät einen ausreichenden Temperaturausgleich erreicht hat und ob sichtbare mechanische Schäden vorhanden sind.

Wie lange muss ein WIKA GDM-100 nach dem Transport temperieren?

WIKA gibt für die entsprechende Prüfung mindestens zwei Stunden bei 20 °C vor.

In welchem Zustand wird die Zeigerstellung nach der Temperierung geprüft?

Die in der WIKA-Betriebsanleitung beschriebene Kontrolle erfolgt im drucklosen Zustand. Der Zeiger sollte anschließend innerhalb des vorgesehenen Toleranzbalkens liegen.

Warum genau 20 °C?

20 °C ist beim GDM-100 die definierte Referenztemperatur. Auch die Vor-Ort-Anzeige des Gaszustandes ist auf 20 °C bezogen.

Warum bewegt sich der Zeiger trotz Temperaturkompensation?

Nach schnellen oder großen Temperaturwechseln befinden sich die Komponenten des Mess- und Kompensationssystems zunächst noch nicht im thermischen Gleichgewicht. Nach ausreichender Temperierung sollte sich der vorgesehene Zustand einstellen.

Was soll ich tun, wenn der Zeiger nach zwei Stunden weiterhin außerhalb der Toleranz liegt?

Das Gerät sollte nicht einfach eingebaut oder am Zeiger nachgestellt werden. Geräteidentifikation, Transportzustand und Prüfbedingungen sollten dokumentiert und das Gerät fachgerecht überprüft werden.

Darf ich den Zeiger selbst auf Null stellen?

Nein. Eine auffällige Zeigerstellung sollte nicht durch manuelles Biegen oder Nachstellen korrigiert werden. Dadurch könnte die Kalibrierung beziehungsweise Schaltfunktion verändert werden.

Welche sichtbaren Transportschäden sind kritisch?

Zu den typischen Auffälligkeiten gehören ein beschädigtes Gehäuse, eine gebrochene Sichtscheibe, verbogener Prozessanschluss, beschädigtes Gewinde oder defekte elektrische Anschlüsse.

Kann ein Gasdichtewächter unmittelbar aus einem kalten Lkw eingebaut werden?

Die mechanische Montage ist von der konkreten Arbeitsanweisung abhängig. Für die Beurteilung der drucklosen Zeigerstellung beim GDM-100 sollte jedoch zuerst die von WIKA vorgesehene Temperierung erfolgen.

Ist Gasdruck dasselbe wie Gasdichte?

Nein. Der Druck von SF6 verändert sich mit der Temperatur. Die Gasdichte beschreibt dagegen die vorhandene Gasmenge bezogen auf das Volumen und ist der entscheidende Überwachungsparameter für einen geschlossenen Gasraum.

Was zeigt der WIKA GDM-100 vor Ort an?

Der GDM-100 zeigt den temperaturkompensierten Gaszustand beziehungsweise den auf 20 °C bezogenen Druck an und kann über elektrische Kontakte definierte Warn- oder Alarmgrenzen überwachen.

Muss ein Gasdichtewächter nach jedem Transport neu kalibriert werden?

Nein. Eine vorübergehende temperaturbedingte Zeigerbewegung ist für sich allein kein Grund für eine Rekalibrierung. Erst wenn die anschließende Prüfung Auffälligkeiten zeigt, sind weitere Maßnahmen erforderlich.

Welcher Gasdichtewächter eignet sich für diesen Anwendungsfall?

Ein konkretes Beispiel ist der WIKA GDM-100 für die Gasdichteüberwachung geschlossener SF6-Gasräume in Mittel- und Hochspannungsanlagen.

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