Ein dokumentierender Prozesskalibrator verbindet die Messung mit einem digitalen Prüfablauf. Prüfpunkte, Toleranzen, Messstelleninformationen und Arbeitsanweisungen werden vorab festgelegt und auf den Kalibrator übertragen oder direkt im Gerät angelegt. Während der Kalibrierung führt das Gerät den Anwender durch die einzelnen Schritte, speichert die erfassten Werte und stellt die Ergebnisse anschließend für ein Prüfprotokoll oder eine Kalibriersoftware bereit.
Der größte Vorteil liegt nicht darin, dass jede Kalibrierung vollständig ohne Bediener abläuft. Vielmehr werden wiederkehrende Abläufe vereinheitlicht, Messwerte direkt übernommen und Übertragungsfehler reduziert. Das spart insbesondere in Instandhaltung, Qualitätsmanagement und Kalibrierlabor Zeit und verbessert gleichzeitig die Vergleichbarkeit wiederkehrender Prüfungen.
Geeignete Geräte finden Sie in der Kategorie Prozesskalibratoren. Weitere Referenzgeräte, Druckmodule, Kalibriersoftware und Zubehör sind im Bereich Kalibriertechnik zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein dokumentierender Prozesskalibrator?
- Warum kostet die Dokumentation so viel Zeit?
- Wie läuft eine dokumentierte Kalibrierung ab?
- Prüfpunkte und Kalibrierroutinen vorbereiten
- Toleranzen und Bestehensgrenzen richtig festlegen
- As-Found und As-Left getrennt dokumentieren
- Wie entsteht ein automatisches Prüfprotokoll?
- Messstellenverwaltung und Wiederholprüfungen
- Fehler durch manuelle Dateneingabe reduzieren
- Rückführbarkeit und Messunsicherheit
- Was macht eine Dokumentation auditfähig?
- Manuelle und dokumentierte Kalibrierung im Vergleich
- Praxisbeispiel: Drucktransmitter mit 4–20 mA kalibrieren
- Auswahlkriterien für dokumentierende Prozesskalibratoren
- Kalibrierroutinen im Unternehmen einführen
- Welche Produkte eignen sich?
- Grenzen der automatischen Dokumentation
- Fazit
- Häufige Fragen
Was ist ein dokumentierender Prozesskalibrator?
Ein Prozesskalibrator ist ein tragbares oder stationäres Prüfgerät, das industrielle Standardsignale messen, erzeugen oder simulieren kann. Je nach Ausführung verarbeitet er beispielsweise Strom, Spannung, Widerstand, Frequenz, Impulse, Widerstandsthermometer und Thermoelemente. Mit internen oder externen Druckmodulen können zusätzlich Drucksensoren, Drucktransmitter, Manometer und Druckschalter geprüft werden.
Ein dokumentierender Prozesskalibrator erweitert diese Messfunktionen um einen strukturierten Prüfablauf. Das Gerät speichert nicht nur einen einzelnen Messwert, sondern verknüpft ihn mit der Messstelle, dem Prüfling, dem vorgegebenen Prüfpunkt, der zulässigen Toleranz, dem Anwender und dem Zeitpunkt der Messung.
Der Kalibrator wird damit zu einem mobilen Bestandteil des Prüfmittelmanagements. Er erhält einen vorbereiteten Arbeitsauftrag, führt den Prüfer durch die Messpunkte und gibt die Ergebnisse anschließend an eine Kalibrier- oder Prüfmittelsoftware zurück. Das reduziert die Zahl der Medienbrüche zwischen Arbeitsauftrag, handschriftlicher Notiz, Tabellenkalkulation und endgültigem Bericht.
Warum kostet die Dokumentation so viel Zeit?
Bei einer rein manuellen Kalibrierung müssen häufig mehrere Informationsquellen parallel verwendet werden. Der Prüfer benötigt die Messstellenbezeichnung, den Messbereich, die geforderten Prüfpunkte, die Toleranz, Angaben zum Referenzgerät und gegebenenfalls eine frühere Kalibrierhistorie. Die Messwerte werden auf Papier, in einer Tabelle oder in einem mobilen Erfassungsgerät notiert und später in ein Protokoll übertragen.
Dieser Ablauf verursacht nicht nur zusätzlichen Zeitaufwand. Er erzeugt auch typische Fehlerquellen: Zahlen können vertauscht, Dezimalstellen falsch gesetzt, Einheiten verwechselt oder Messwerte der falschen Messstelle zugeordnet werden. Auch die manuelle Berechnung der Abweichung und die Bewertung gegen eine Toleranz können fehlerhaft sein.
Besonders aufwendig wird die Dokumentation, wenn ein Prüfling außerhalb der Toleranz liegt. Dann müssen As-Found-Werte gesichert, eine Justage dokumentiert, neue As-Left-Werte aufgenommen und beide Datensätze im Prüfbericht eindeutig voneinander getrennt werden. Bei vielen wiederkehrenden Prüfungen kann dieser administrative Anteil mehr Zeit beanspruchen als die tatsächliche Messung.
Wie läuft eine dokumentierte Kalibrierung ab?
Ein digitaler Ablauf beginnt normalerweise nicht am Kalibrator, sondern in der Prüfmittel- oder Kalibriersoftware. Dort wird die Messstelle mit ihren Stammdaten angelegt. Dazu gehören beispielsweise Messstellenkennzeichen, Hersteller, Gerätetyp, Seriennummer, Messbereich, Einheit, Einbauort, Kalibrierintervall und zulässige Abweichung.
Anschließend wird eine Kalibrierroutine erstellt. Sie legt fest, welche Messpunkte anzufahren sind, in welcher Reihenfolge sie geprüft werden, wie lange eine Stabilisierung dauern soll und welche Toleranz gilt. Der Arbeitsauftrag wird danach auf den dokumentierenden Kalibrator übertragen.
Vor Ort wählt der Prüfer den Auftrag aus und verbindet den Kalibrator mit dem Prüfling. Das Gerät zeigt die nächste erforderliche Aktion an und speichert die Messwerte direkt im zugehörigen Prüfpunkt. Nach Abschluss der Messung werden die Ergebnisse wieder an die Software übertragen. Dort können sie geprüft, freigegeben, ausgewertet und als Bericht ausgegeben werden.
Ein typischer Ablauf besteht damit aus:
- Messstelle und Prüfling eindeutig auswählen.
- Vorgegebene Kalibrierroutine aufrufen.
- Referenz und Prüfling anschließen.
- As-Found-Messung durchführen.
- Ergebnis gegen die Toleranz bewerten.
- Falls erforderlich, Prüfling justieren oder instand setzen.
- As-Left-Messung durchführen.
- Ergebnisse an die Kalibriersoftware übertragen.
- Prüfprotokoll kontrollieren und freigeben.
Prüfpunkte und Kalibrierroutinen vorbereiten
Die Prüfpunkte bestimmen, an welchen Stellen des Messbereichs der Prüfling mit der Referenz verglichen wird. Bei einem linearen Messumformer werden häufig mehrere gleichmäßig verteilte Punkte verwendet. Je nach Anwendung können zusätzlich steigende und fallende Reihen erforderlich sein, um Hysterese oder mechanisches Verhalten zu beurteilen.
Eine Kalibrierroutine kann beispielsweise die Punkte 0, 25, 50, 75 und 100 Prozent des Messbereichs enthalten. Für bestimmte Geräte sind zusätzliche Punkte an typischen Betriebszuständen sinnvoll. Arbeitet eine Anlage überwiegend bei 60 Prozent des Messbereichs, kann ein zusätzlicher Prüfpunkt in diesem Bereich aussagekräftiger sein als ein rein gleichmäßiges Raster.
Die Routine sollte außerdem festlegen, ob jeder Wert manuell bestätigt oder nach einer definierten Stabilisierung automatisch übernommen wird. Bei Druckkalibrierungen können steigende und fallende Druckreihen, ein Nullpunkt am Ende der Prüfung und eine Wartezeit an jedem Prüfpunkt sinnvoll sein. Bei Temperaturkalibrierungen sind meist längere Stabilitätszeiten erforderlich.
Eine gut vorbereitete Routine sorgt dafür, dass verschiedene Mitarbeiter denselben Gerätetyp nach demselben Verfahren prüfen. Dadurch steigt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass ungeeignete Standardroutinen unkritisch auf alle Messgeräte übertragen werden. Messbereich, Geräteprinzip, geforderte Genauigkeit und Prozessanforderung müssen weiterhin berücksichtigt werden.
Toleranzen und Bestehensgrenzen richtig festlegen
Ein dokumentierender Kalibrator kann eine Abweichung automatisch berechnen und als bestanden oder nicht bestanden kennzeichnen. Voraussetzung ist jedoch, dass die richtige Toleranz hinterlegt wurde. Der Kalibrator entscheidet nicht selbst, welche Abweichung für den Prozess noch zulässig ist.
Die Toleranz kann sich auf den Messwert, den Endwert, die Messspanne oder eine Kombination aus mehreren Anteilen beziehen. Diese Unterscheidung ist wichtig. Eine Toleranz von ±0,5 Prozent vom Endwert führt bei einem Messbereich von 0 bis 100 bar zu einer konstanten Grenze von ±0,5 bar. Eine Angabe von ±0,5 Prozent vom Messwert ergibt dagegen an jedem Prüfpunkt eine andere zulässige Abweichung.
Zusätzlich muss geklärt werden, ob die Herstellergenauigkeit, eine betriebliche Prozesstoleranz oder eine interne Eingriffsgrenze verwendet wird. Diese Werte sind nicht automatisch identisch. Ein Sensor kann noch innerhalb seiner Herstellerspezifikation liegen, für einen besonders kritischen Prozess aber bereits ungeeignet sein.
Auch die Messunsicherheit der verwendeten Referenz sollte in die Entscheidung einbezogen werden. Eine automatische Grün-Rot-Anzeige ist nur dann belastbar, wenn Toleranz, Messunsicherheit und interne Entscheidungsregel fachlich korrekt festgelegt wurden.
As-Found und As-Left getrennt dokumentieren
As-Found bezeichnet den Zustand, in dem der Prüfling vor Beginn einer Justage oder Reparatur vorgefunden wurde. Diese Werte zeigen, wie das Messgerät während des vorangegangenen Einsatzzeitraums tatsächlich gearbeitet hat. Sie sind daher besonders wichtig für die Bewertung möglicher Auswirkungen auf Produktion, Qualität oder Sicherheit.
As-Left bezeichnet den Zustand, in dem das Gerät nach Abschluss der Arbeiten zurückgelassen wird. Wurde der Prüfling justiert, repariert oder neu parametriert, wird mit einer erneuten Messreihe geprüft, ob er anschließend innerhalb der geforderten Toleranz liegt.
Beide Datensätze dürfen nicht miteinander vermischt werden. Werden nur die Werte nach einer Justage dokumentiert, ist später nicht mehr nachvollziehbar, wie groß die ursprüngliche Abweichung war. Für das Qualitätsmanagement fehlt dann die Grundlage, um zu beurteilen, ob Produkte, Chargen oder Prozesse durch die Messabweichung beeinflusst worden sein könnten.
Ein dokumentierender Prozesskalibrator unterstützt diesen Ablauf, indem er die erste Messreihe als As-Found speichert und nach einer Justage eine zweite Reihe als As-Left erfasst. Kommentare, durchgeführte Maßnahmen und verantwortliche Personen sollten ebenfalls dokumentiert werden.
Wie entsteht ein automatisches Prüfprotokoll?
Der Begriff automatisches Prüfprotokoll bedeutet nicht zwingend, dass der Handkalibrator selbst unmittelbar ein fertiges PDF erzeugt. Häufig speichert das Gerät zunächst strukturierte Messdaten und überträgt diese an eine Kalibriersoftware. Dort werden Stammdaten, Prüfpunkte, Referenzen, Ergebnisse und Bewertungen in einer einheitlichen Vorlage zusammengeführt.
Ein vollständiges Prüfprotokoll kann je nach System unter anderem folgende Angaben enthalten:
- Messstellenkennzeichen und Gerätebezeichnung
- Hersteller, Typ und Seriennummer des Prüflings
- Messbereich und Einheit
- Datum, Uhrzeit und verantwortlicher Prüfer
- verwendete Referenzgeräte
- Prüfpunkte und Sollwerte
- As-Found- und As-Left-Ergebnisse
- Messabweichungen und Toleranzbewertung
- Justage-, Reparatur- oder Wartungshinweise
- Freigabestatus und nächster Prüftermin
Der Zeitgewinn entsteht vor allem dadurch, dass die Messwerte nicht erneut abgeschrieben werden müssen. Auch wiederkehrende Angaben wie Messstellenname, Seriennummer, Messbereich und Toleranz werden aus den hinterlegten Stammdaten übernommen. Die abschließende fachliche Kontrolle und Freigabe bleibt trotzdem erforderlich.
Messstellenverwaltung und Wiederholprüfungen
In Anlagen mit vielen Messstellen reicht es nicht aus, einzelne Protokolle in Ordnern abzulegen. Es muss nachvollziehbar sein, welche Geräte vorhanden sind, wann sie zuletzt geprüft wurden, welches Ergebnis vorlag und wann die nächste Kalibrierung fällig ist.
Eine Kalibriersoftware kann Messstellen und Prüfmittel zentral verwalten. Für jede Messstelle werden Geräteinformationen, Prüfintervalle, frühere Ergebnisse und offene Arbeitsaufträge gespeichert. Wiederkehrende Prüfungen lassen sich dadurch vorbereiten, ohne jedes Mal eine neue Tabelle oder ein neues Formular anzulegen.
Für die Instandhaltung ist außerdem die Kalibrierhistorie wertvoll. Zeigt ein Transmitter über mehrere Prüfungen eine zunehmende Drift, kann das Intervall verkürzt oder ein Austausch geplant werden. Bleiben vergleichbare Geräte über Jahre stabil, kann geprüft werden, ob das bisherige Intervall weiterhin angemessen ist. Die Entscheidung sollte risikobasiert und nicht allein nach einem starren Jahresrhythmus erfolgen.
Bei größeren Anlagen erleichtern eindeutige Messstellenkennzeichen, Barcodes oder QR-Codes die Zuordnung. Der Prüfer kann die Messstelle identifizieren und erhält direkt den dazugehörigen Arbeitsauftrag. Dadurch sinkt das Risiko, eine Routine am falschen Prüfling auszuführen.
Fehler durch manuelle Dateneingabe reduzieren
Das Abschreiben eines Messwerts wirkt zunächst einfach, ist in der Praxis aber eine häufige Fehlerquelle. Besonders unter Zeitdruck, bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei vielen ähnlichen Messstellen können Ziffern vertauscht oder Werte falsch zugeordnet werden.
Ein dokumentierender Kalibrator übernimmt den tatsächlich gemessenen Wert direkt aus dem Messkanal. Dadurch entfällt die manuelle Übertragung vom Display auf Papier und anschließend vom Papier in eine Software. Auch die Berechnung der Abweichung und die Zuordnung zum jeweiligen Prüfpunkt können automatisch erfolgen.
Die Digitalisierung verhindert jedoch nicht alle Fehler. Ein falsch angeschlossener Prüfling, eine ungeeignete Referenz, ein falscher Messbereich oder eine falsch angelegte Kalibrierroutine führen weiterhin zu falschen Ergebnissen. Die automatische Datenerfassung reduziert Übertragungsfehler, ersetzt aber keine fachgerechte Vorbereitung und Bedienung.
Rückführbarkeit und Messunsicherheit
Ein Prüfprotokoll ist nur dann messtechnisch belastbar, wenn die verwendeten Referenzen bekannt und geeignet sind. Zur Rückführbarkeit gehört eine dokumentierte Kette von Vergleichen zu nationalen oder internationalen Normalen. Dafür müssen die Referenzgeräte selbst gültig kalibriert sein und ihre Kalibrierzertifikate müssen eindeutig zugeordnet werden können.
In der Messstellenverwaltung sollten deshalb mindestens Referenzgerät, Seriennummer, Kalibrierdatum, Zertifikatsnummer und Gültigkeitsstatus hinterlegt sein. Wird ein Referenzmodul außerhalb seines gültigen Kalibrierstatus verwendet, kann ein technisch sauber ausgefülltes Protokoll trotzdem unbrauchbar sein.
Auch die Messunsicherheit darf nicht mit der Geräteauflösung oder der Herstellerangabe zur Genauigkeit verwechselt werden. Sie berücksichtigt neben der Referenz unter anderem Auflösung, Wiederholbarkeit, Stabilität, Umgebungsbedingungen und den Kalibrieraufbau. Bei anspruchsvollen Kalibrierungen muss geprüft werden, ob die Unsicherheit klein genug ist, um eine eindeutige Aussage zur Toleranz des Prüflings zu ermöglichen.
Ein dokumentierendes System kann die erforderlichen Informationen zusammenführen und Berechnungen unterstützen. Die richtige Auswahl der Unsicherheitsbeiträge und die fachliche Bewertung bleiben jedoch eine messtechnische Aufgabe.
Was macht eine Dokumentation auditfähig?
Auditfähigkeit bedeutet, dass ein Dritter den Ablauf und das Ergebnis einer Prüfung nachvollziehen kann. Dazu müssen nicht nur die Endwerte vorhanden sein. Auch Messstelle, Prüfling, Verfahren, Referenzen, Verantwortlichkeiten, Änderungen und Freigaben müssen eindeutig erkennbar sein.
Eine nachvollziehbare Dokumentation beantwortet unter anderem folgende Fragen:
- Welches Gerät wurde geprüft?
- Nach welchem Verfahren wurde geprüft?
- Welche Referenzen wurden verwendet?
- Welche Ergebnisse lagen vor der Justage vor?
- Welche Maßnahmen wurden durchgeführt?
- Welche Ergebnisse lagen nach der Justage vor?
- Wer hat die Prüfung durchgeführt und freigegeben?
- Wurden Daten nachträglich geändert?
Je nach Qualitätsanforderung können Rollen- und Rechteverwaltung, elektronische Freigaben, Versionsstände oder ein Audit-Trail erforderlich sein. Nicht jede Dokumentationssoftware bietet diese Funktionen im gleichen Umfang. Deshalb muss vor der Auswahl geklärt werden, welche internen, kundenspezifischen oder regulatorischen Anforderungen tatsächlich gelten.
Manuelle und dokumentierte Kalibrierung im Vergleich
| Arbeitsschritt | Manuelle Vorgehensweise | Dokumentierender Prozesskalibrator |
|---|---|---|
| Prüfauftrag | Papierformular oder separate Tabelle vorbereiten | Digitaler Arbeitsauftrag mit hinterlegter Routine |
| Prüfpunkte | Vom Prüfer auswählen oder ablesen | Im Verfahren vorgegeben und geführt abgearbeitet |
| Messwerterfassung | Wert abschreiben und später übertragen | Messwert wird direkt dem Prüfpunkt zugeordnet |
| Toleranzbewertung | Manuell berechnen oder in Tabelle auswerten | Automatische Bewertung nach hinterlegter Grenze |
| As-Found / As-Left | Getrennte Tabellen oder Formulare erforderlich | Beide Zustände werden strukturiert gespeichert |
| Prüfprotokoll | Nachträglich aus mehreren Quellen erstellen | Aus Messdaten und Stammdaten generieren |
| Historie | Protokolle manuell suchen und vergleichen | Ergebnisse messstellenbezogen auswertbar |
Die größte Zeitersparnis entsteht bei wiederkehrenden Prüfungen mit ähnlichem Ablauf. Bei einer einmaligen Sondermessung kann das Anlegen einer umfangreichen Routine dagegen mehr Aufwand verursachen als eine einfache manuelle Dokumentation. Der Nutzen steigt mit der Zahl der Messstellen, der Häufigkeit der Wiederholungen und dem Umfang der geforderten Nachweise.
Praxisbeispiel: Drucktransmitter mit 4–20 mA kalibrieren
In einer Produktionsanlage soll ein Drucktransmitter mit einem Messbereich von 0 bis 10 bar geprüft werden. Das Ausgangssignal beträgt 4–20 mA. Die Kalibrierroutine enthält die Prüfpunkte 0, 2,5, 5, 7,5 und 10 bar in steigender und anschließend fallender Richtung.
In der Kalibriersoftware sind Messstellenkennzeichen, Transmittertyp, Seriennummer, Messbereich, zulässige Abweichung und die verwendete Druckreferenz hinterlegt. Der Arbeitsauftrag wird auf den Prozesskalibrator übertragen. Vor Ort verbindet der Prüfer das Druckmodul mit dem Transmitter und misst gleichzeitig das Drucksignal sowie den Schleifenstrom.
Bei 0 bar werden 4 mA, bei 5 bar 12 mA und bei 10 bar 20 mA erwartet. Der dokumentierende Kalibrator führt den Anwender zu jedem Prüfpunkt und speichert Druck, Stromsignal und berechnete Abweichung. Die erste Messreihe wird als As-Found gespeichert.
Zeigt der Transmitter außerhalb der zulässigen Toleranz liegende Werte, wird geprüft, ob eine Justage zulässig und erforderlich ist. Anschließend wird dieselbe Routine erneut ausgeführt. Die zweite Messreihe wird als As-Left gespeichert. Im späteren Bericht bleiben ursprünglicher Zustand, durchgeführte Maßnahme und Endzustand eindeutig getrennt.
Für solche kombinierten Aufgaben aus Druckmessung, elektrischem Signal und Dokumentation ist ein modularer Prozesskalibrator sinnvoll. Geht es dagegen ausschließlich um einen schnellen Loop-Check oder das Messen und Simulieren eines 4–20-mA-Signals, kann ein kompakter UPS4E Stromschleifen-Kalibrator ausreichen. Er ersetzt jedoch keine Druckreferenz und keine vollständige dokumentierende Kalibrierlösung.
Auswahlkriterien für dokumentierende Prozesskalibratoren
Bei der Geräteauswahl sollte nicht nur geprüft werden, welche Messgrößen der Kalibrator unterstützt. Ebenso wichtig ist, wie gut das Gerät in den vorhandenen Arbeitsablauf und die bestehende Softwareumgebung passt.
| Auswahlkriterium | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| Mess- und Simulationsfunktionen | mA, V, mV, Widerstand, RTD, Thermoelement, Frequenz und Druck müssen zur Messstellenstruktur passen. |
| Dokumentationsfunktion | Prüfpunkte, Toleranzen, As-Found und As-Left müssen eindeutig gespeichert werden können. |
| Softwareanbindung | Arbeitsaufträge, Messstellen und Ergebnisse sollten ohne mehrfache Dateneingabe übertragen werden. |
| Druckmodule und Referenzen | Messbereich, Genauigkeit, Überlastgrenze und Medium müssen zur Druckkalibrierung passen. |
| Feldtauglichkeit | Schutzart, Akkulaufzeit, Bedienbarkeit, Gewicht und Ablesbarkeit sind bei Vor-Ort-Prüfungen entscheidend. |
| Kommunikation | USB, Bluetooth oder andere Schnittstellen müssen mit dem vorgesehenen Workflow kompatibel sein. |
| Benutzer- und Rechteverwaltung | Für kontrollierte Prozesse müssen Verantwortlichkeiten und Freigaben nachvollziehbar sein. |
| Export und Berichtsvorlagen | Das Ausgabeformat muss zu QM, Kundenanforderungen und Archivierung passen. |
Vor der Investition ist es sinnvoll, typische Arbeitsaufträge aus dem eigenen Betrieb zu testen. Dabei zeigt sich schnell, ob eine Routine vor Ort verständlich bedient werden kann, wie lange die Datenübertragung dauert und ob die erzeugten Berichte alle erforderlichen Informationen enthalten.
Kalibrierroutinen im Unternehmen einführen
Die Einführung sollte nicht damit beginnen, sämtliche vorhandenen Messstellen sofort in eine neue Software zu übertragen. Zweckmäßiger ist ein Pilotbereich mit häufig geprüften und technisch gut bekannten Geräten. Geeignet sind beispielsweise mehrere baugleiche Drucktransmitter, Temperaturmessumformer oder Stromschleifen.
Zunächst werden Stammdaten, Prüfpunkte, Toleranzen und Verantwortlichkeiten vereinheitlicht. Anschließend wird eine Standardroutine erstellt und mit einigen realen Messstellen getestet. Dabei sollte geprüft werden, ob die Reihenfolge der Arbeitsschritte verständlich ist, ob Stabilitätszeiten ausreichen und ob Kommentare oder Sonderfälle sinnvoll erfasst werden können.
Nach dem Pilotbetrieb können Vorlagen für weitere Gerätetypen aufgebaut werden. Wichtig ist eine geregelte Änderungskontrolle. Wird eine Toleranz, ein Messbereich oder ein Prüfverfahren geändert, muss nachvollziehbar sein, ab welchem Zeitpunkt die neue Version gilt.
Auch die Schulung der Anwender ist entscheidend. Der Prüfer muss nicht nur wissen, welche Taste zu betätigen ist. Er muss erkennen können, ob ein Messaufbau technisch plausibel ist, ein Wert stabil ist, eine Verbindung fehlerhaft ist oder eine hinterlegte Routine nicht zur tatsächlichen Messstelle passt.
Welche Produkte eignen sich?
Die Kategorie Prozesskalibratoren umfasst unterschiedliche Geräte zum Messen, Geben und Simulieren industrieller Signale. Nicht jedes Modell besitzt eine vollständige Dokumentationsfunktion. Vor der Auswahl muss daher geprüft werden, ob lediglich einzelne Messwerte gespeichert oder vollständige Kalibrierroutinen mit Prüfpunkten, Toleranzbewertung und As-Found-/As-Left-Ergebnissen benötigt werden.
Der DPI620 GENII Druckkalibrator / Prozesskalibrator ist für umfangreiche Kalibrieraufgaben geeignet, bei denen elektrische Signale, Temperatur, Frequenz, Druckmodule, Kommunikation und Dokumentation miteinander kombiniert werden sollen. Er kann mit vorbereiteten Kalibrierverfahren arbeiten und Ergebnisse für die weitere Auswertung speichern.
Die 4Sight2 Kalibrierungssoftware ergänzt den mobilen Kalibrator um Messstellenverwaltung, Kalibrierplanung, Arbeitsaufträge, Datenübertragung und Berichtsfunktionen. Der konkrete Funktionsumfang hängt von der verwendeten Lizenz, Installation und Systemkonfiguration ab.
Im übergeordneten Bereich Kalibriertechnik finden sich außerdem Druckreferenzen, Druckmodule, Temperaturkalibratoren, Simulatoren und weitere Geräte, die für einen vollständigen rückführbaren Kalibrieraufbau erforderlich sein können.
Grenzen der automatischen Dokumentation
Ein dokumentierender Prozesskalibrator kann Abläufe beschleunigen, aber keine falsche Prüfstrategie korrigieren. Sind Prüfpunkte, Toleranzen oder Messbereiche falsch hinterlegt, werden diese Fehler lediglich besonders konsequent wiederholt.
Auch die automatische Kennzeichnung als bestanden oder nicht bestanden ersetzt keine Ursachenanalyse. Liegt ein Wert außerhalb der Toleranz, muss geprüft werden, ob tatsächlich der Prüfling fehlerhaft ist oder ob Referenz, Anschluss, Versorgung, Stabilisierung, Umgebung oder Bedienung das Ergebnis beeinflusst haben.
Ein automatisch erzeugtes Protokoll ist außerdem nicht automatisch ein Kalibrierschein eines akkreditierten Kalibrierlaboratoriums. Es dokumentiert die durchgeführte Prüfung im eigenen Betrieb. Welche Aussagekraft und Anerkennung dieser Nachweis besitzt, hängt vom verwendeten Verfahren, den Referenzen, der Messunsicherheit, der Rückführbarkeit und den geltenden Qualitätsanforderungen ab.
Die beste Lösung verbindet daher Automatisierung mit fachlicher Kontrolle. Der Kalibrator übernimmt wiederkehrende Schritte und Datenerfassung, während qualifiziertes Personal Messaufbau, Ergebnis und Freigabe bewertet.
Fazit: Weniger Schreibarbeit und besser vergleichbare Kalibrierungen
Ein dokumentierender Prozesskalibrator spart vor allem dort Zeit, wo viele wiederkehrende Messstellen nach definierten Verfahren geprüft werden. Prüfpunkte, Toleranzen und Arbeitsanweisungen werden vorbereitet, der Anwender wird durch die Messung geführt und die Ergebnisse werden direkt der richtigen Messstelle zugeordnet.
As-Found- und As-Left-Werte lassen sich sauber voneinander trennen. Die automatische Übernahme der Messwerte reduziert Übertragungsfehler, und ein Prüfprotokoll kann aus bereits vorhandenen Stamm- und Messdaten erstellt werden. Gleichzeitig entsteht eine besser auswertbare Kalibrierhistorie.
Der Nutzen hängt jedoch von der Qualität der hinterlegten Daten und Verfahren ab. Toleranzen, Messunsicherheit, Referenzen, Rückführbarkeit und Freigaberegeln müssen fachlich korrekt definiert sein. Ein dokumentierender Kalibrator automatisiert den Ablauf, nicht die messtechnische Verantwortung.
Für umfangreiche Aufgaben ist die Kombination aus einem modularen Prozesskalibrator wie dem DPI620 GENII und einer passenden Kalibriersoftware besonders interessant. Bei einfachen Signal- oder Loop-Checks kann dagegen ein kompakter Einzelkalibrator wirtschaftlicher und schneller sein.
Häufige Fragen zu dokumentierenden Prozesskalibratoren
Was ist der Unterschied zwischen einem normalen und einem dokumentierenden Prozesskalibrator?
Ein normaler Prozesskalibrator misst, erzeugt oder simuliert Signale. Ein dokumentierendes Gerät kann zusätzlich Kalibrierroutinen ausführen, Messwerte Messstellen und Prüfpunkten zuordnen sowie As-Found- und As-Left-Ergebnisse speichern.
Erstellt ein dokumentierender Kalibrator automatisch ein PDF-Prüfprotokoll?
Das hängt vom System ab. Häufig speichert der Kalibrator strukturierte Ergebnisse, die anschließend an eine Kalibriersoftware übertragen werden. Die Software erstellt daraus je nach Konfiguration einen Bericht oder exportierbaren Datensatz.
Was bedeutet As-Found?
As-Found beschreibt den Zustand des Prüflings vor einer Justage oder Reparatur. Diese Werte zeigen, ob das Gerät während seines vorherigen Einsatzzeitraums innerhalb der zulässigen Toleranz gearbeitet hat.
Was bedeutet As-Left?
As-Left beschreibt den Zustand nach Abschluss der Arbeiten. Die Werte zeigen, ob der Prüfling nach Justage, Reparatur oder Kontrolle ordnungsgemäß zurückgegeben werden kann.
Ist ein automatisch erzeugtes Prüfprotokoll rückführbar?
Nicht automatisch. Rückführbarkeit setzt geeignete und gültig kalibrierte Referenzgeräte sowie eine dokumentierte Kette zu übergeordneten Normalen voraus. Das Protokoll muss die verwendeten Referenzen eindeutig ausweisen.
Kann ein dokumentierender Kalibrator manuelle Eingabefehler vollständig verhindern?
Er reduziert insbesondere Abschreib-, Zuordnungs- und Berechnungsfehler. Falsche Anschlüsse, ungeeignete Referenzen, fehlerhafte Routinen oder falsch festgelegte Toleranzen kann er jedoch nicht grundsätzlich verhindern.
Wann lohnt sich eine Dokumentationsfunktion?
Sie lohnt sich besonders bei vielen wiederkehrenden Messstellen, festgelegten Prüfabläufen, hohen Dokumentationsanforderungen und regelmäßigen Audits. Bei seltenen Einzelmessungen kann eine einfachere Lösung ausreichend sein.
Kann derselbe Prüfablauf für mehrere baugleiche Messgeräte verwendet werden?
Ja, sofern Messbereich, Signal, Genauigkeitsanforderung, Einbau- und Betriebsbedingungen tatsächlich vergleichbar sind. Seriennummer, Messstellenkennzeichen und individuelle Ergebnisse müssen dennoch eindeutig zugeordnet werden.
