Temperaturmessketten werden in der Praxis oft erst dann geprüft, wenn Messwerte unplausibel sind, ein Temperaturmessumformer kein korrektes Signal liefert oder die SPS einen falschen Wert anzeigt. Häufig wird dann versucht, den Temperaturfühler real zu erwärmen oder abzukühlen. Das ist jedoch nicht immer praktisch, nicht reproduzierbar und im Schaltschrank oder bei eingebauten Sensoren oft unnötig aufwendig.
Ein Pt100 lässt sich auch elektrisch simulieren. Dabei wird kein echter Temperaturprozess erzeugt, sondern ein definierter Widerstandswert bereitgestellt, der einer bestimmten Temperatur entspricht. So kann gezielt geprüft werden, ob Messumformer, Anzeige, Regler oder SPS-Eingang den simulierten Temperaturwert korrekt verarbeiten.
Dieser Beitrag erklärt, wie Pt100-Simulation funktioniert, warum 2-, 3- und 4-Leiteranschlüsse unterschiedlich bewertet werden müssen, wie sich definierte Temperaturen simulieren lassen und wie Messumformer, 4–20-mA-Ausgang, Grenzwerte, Sensorbrucherkennung und SPS-Skalierung sinnvoll geprüft werden.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen: Was bedeutet Pt100 simulieren?
- Pt100-Widerstandswerte: Temperatur als Ohmwert verstehen
- 2-, 3- und 4-Leiteranschluss: Warum die Verdrahtung entscheidend ist
- Temperaturmessumformer prüfen: Vom Pt100-Eingang zum Ausgangssignal
- SPS-Eingang und Anzeige prüfen: Skalierung richtig bewerten
- 4–20 mA bei Temperaturmessketten: Warum der UPS4E hier wichtig ist
- Grenzwerte, Alarme und Sensorbruch testen
- Typische Fehler bei der Pt100-Simulation
- Tabelle: Typische Pt100-Widerstandswerte
- Praxisbeispiel: Temperaturmessumformer im Schaltschrank prüfen
- Tabelle: Was wird bei welcher Prüfart kontrolliert?
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit: Pt100-Simulation spart Zeit und macht Fehler schneller sichtbar
- FAQ: Häufige Fragen zur Pt100-Simulation
Grundlagen: Was bedeutet Pt100 simulieren?
Ein Pt100 ist ein Widerstandsthermometer. Der elektrische Widerstand des Sensors verändert sich mit der Temperatur. Bei 0 °C hat ein Pt100 einen Widerstand von 100 Ohm. Steigt die Temperatur, steigt auch der Widerstand. Sinkt die Temperatur, sinkt der Widerstand.
Beim Simulieren eines Pt100 wird dieser Widerstandswert künstlich erzeugt. Ein Simulator oder Prozesskalibrator stellt zum Beispiel den Widerstand bereit, der einer Temperatur von 0 °C, 50 °C oder 100 °C entspricht. Das angeschlossene Messgerät, der Temperaturmessumformer oder die SPS „sieht“ dann einen Pt100 mit genau dieser Temperatur.
Der große Vorteil liegt in der Reproduzierbarkeit. Statt einen Fühler physisch in ein Bad, einen Ofen oder an eine Wärmequelle zu bringen, kann ein definierter Temperaturpunkt direkt elektrisch vorgegeben werden. Dadurch lassen sich Messketten schneller prüfen, Grenzwerte gezielter testen und Skalierungsfehler einfacher erkennen.
Wichtig ist dabei, dass die Simulation zur Messkette passt. Ein Pt100-Eingang darf nicht mit einem Thermoelement-Signal verwechselt werden. Auch 2-, 3- und 4-Leiteranschlüsse müssen korrekt angeschlossen werden, sonst entsteht schnell ein scheinbarer Temperaturfehler, obwohl nur die Verdrahtung falsch ist.
Pt100-Widerstandswerte: Temperatur als Ohmwert verstehen
Bei einer Pt100-Messung wird keine Temperatur im direkten Sinne übertragen, sondern ein Widerstandswert gemessen. Das Auswertegerät rechnet diesen Widerstand anhand einer Kennlinie in eine Temperatur um. Deshalb ist es bei der Fehlersuche hilfreich, grob zu wissen, welche Widerstandswerte zu welchen Temperaturen gehören.
Ein häufiger Prüfpunkt ist 0 °C, weil ein Pt100 dort genau 100 Ohm hat. Ein weiterer typischer Punkt ist 100 °C mit etwa 138,51 Ohm. Werden diese Werte simuliert und das Messgerät zeigt deutlich andere Temperaturen an, liegt die Ursache häufig in falscher Skalierung, falschem Sensortyp, Leitungswiderständen, Verdrahtung oder einem fehlerhaft parametrierten Eingang.
Für die Praxis muss nicht jeder Widerstandswert auswendig bekannt sein. Ein guter Simulator zeigt die Temperatur direkt in °C an und erzeugt intern den passenden Widerstand. Trotzdem hilft das Grundverständnis, um Messfehler besser einzuordnen. Wenn zum Beispiel ein zusätzlicher Leitungswiderstand von wenigen Ohm in einer 2-Leiter-Messung nicht kompensiert wird, kann daraus bereits ein deutlicher Temperaturfehler entstehen.
Gerade in der Instandhaltung ist die Simulation definierter Punkte oft schneller als eine vollständige Temperaturkalibrierung. Sie beantwortet die Frage: Reagiert die Messkette plausibel und korrekt auf einen bekannten Pt100-Wert?
2-, 3- und 4-Leiteranschluss: Warum die Verdrahtung entscheidend ist
Pt100-Fühler können als 2-, 3- oder 4-Leiteranschluss ausgeführt sein. Diese Anschlussart beeinflusst, wie Leitungswiderstände in der Messung berücksichtigt werden. Genau hier entstehen in der Praxis viele Fehler.
Beim 2-Leiteranschluss addiert sich der Leitungswiderstand direkt zum Sensorwiderstand. Das kann bei längeren Leitungen zu einem zu hohen Temperaturwert führen. Diese Anschlussart ist einfach, aber für genaue Messungen nur eingeschränkt geeignet.
Beim 3-Leiteranschluss wird der Leitungswiderstand durch die Auswerteelektronik teilweise kompensiert. Voraussetzung ist, dass die Leitungen ähnlich aufgebaut sind und korrekt angeschlossen werden. In der Industrie ist der 3-Leiteranschluss sehr verbreitet, weil er Genauigkeit und Verdrahtungsaufwand gut kombiniert.
Beim 4-Leiteranschluss wird der Leitungswiderstand am besten kompensiert. Strom- und Spannungspfad sind getrennt, wodurch der Einfluss der Leitung sehr klein wird. Diese Anschlussart wird häufig bei genaueren Messungen, Prüfständen, Laboranwendungen oder Referenzmessungen eingesetzt.
Beim Simulieren muss die Anschlussart des Eingangs berücksichtigt werden. Ein 3-Leiter-Eingang sollte nicht wie ein 2-Leiter-Eingang angeschlossen werden. Ein 4-Leiter-Eingang erwartet eine andere Verdrahtung als ein einfacher Widerstandseingang. Ein falscher Anschluss kann zu unplausiblen Werten oder Fehlermeldungen führen.
Temperaturmessumformer prüfen: Vom Pt100-Eingang zum Ausgangssignal
Ein Temperaturmessumformer wandelt den Pt100-Widerstand in ein normiertes Ausgangssignal um. In vielen Anlagen ist das ein 4–20-mA-Signal, ein 0–10-V-Signal oder ein digitales Signal. Der Messumformer bildet damit die Schnittstelle zwischen Sensor und Steuerung.
Bei der Prüfung wird der Pt100 am Eingang des Messumformers durch einen Simulator ersetzt. Anschließend wird ein definierter Temperaturwert vorgegeben. Der Messumformer muss daraufhin am Ausgang das passende Signal liefern. Wenn der Messbereich zum Beispiel auf 0…100 °C skaliert ist, sollte 0 °C dem unteren Ausgangswert und 100 °C dem oberen Ausgangswert entsprechen.
Diese Prüfung ist besonders hilfreich, wenn unklar ist, ob der Fehler vom Sensor, vom Messumformer oder von der nachfolgenden SPS kommt. Wird am Eingang ein korrekter Pt100-Wert simuliert und der Ausgang reagiert falsch, liegt der Fehler eher im Messumformer oder in dessen Parametrierung. Reagiert der Messumformer korrekt, aber die SPS zeigt falsch an, liegt die Ursache eher in Verdrahtung, Eingangskarte oder Skalierung.
Vor Arbeiten im Schaltschrank muss die Anlage sicher bewertet werden. Prüfungen an elektrischen Anlagen und Steuerungen dürfen nur durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen. Außerdem sollte klar sein, ob der Sensor im laufenden Prozess abgeklemmt werden darf oder ob dadurch Alarme, Abschaltungen oder Prozessfreigaben beeinflusst werden.
SPS-Eingang und Anzeige prüfen: Skalierung richtig bewerten
Viele Temperaturfehler entstehen nicht am Pt100 selbst, sondern in der Skalierung der SPS oder Anzeige. Ein Messumformer kann korrekt 4–20 mA ausgeben, während die SPS den Stromwert auf einen falschen Temperaturbereich umrechnet.
Typisch ist eine Verwechslung des Messbereichs. Der Messumformer ist zum Beispiel auf 0…150 °C eingestellt, die SPS rechnet aber mit 0…100 °C. Dann stimmen Anfang und Ende vielleicht teilweise, aber die angezeigten Werte sind über den Bereich hinweg falsch.
Auch Einheiten und Grenzwerte können falsch parametriert sein. Eine Anzeige kann °C darstellen, während im Regler intern eine andere Skalierung verwendet wird. Ebenso können Alarmgrenzen zwar korrekt gemeint, aber auf falsche Rohwerte bezogen sein.
Eine gute Prüfung umfasst deshalb mehrere Punkte im Messbereich. Nur 0 °C oder nur Raumtemperatur zu prüfen, reicht oft nicht aus. Sinnvoll sind mindestens ein unterer Punkt, ein mittlerer Punkt und ein oberer Punkt. So wird sichtbar, ob Offset, Spanne und Linearität der Skalierung plausibel sind.
4–20 mA bei Temperaturmessketten: Warum der UPS4E hier wichtig ist
Viele Pt100-Messketten enden nicht direkt an einem Pt100-Eingang, sondern an einem Temperaturmessumformer mit 4–20-mA-Ausgang. In diesem Fall sollte die Messkette in zwei Teile aufgeteilt werden: Pt100-Simulation am Eingang und Stromsignalprüfung am Ausgang.
Für die Pt100-Seite wird ein geeigneter Pt100-Simulator oder Prozesskalibrator verwendet. Damit wird geprüft, ob der Messumformer auf definierte Temperaturwerte korrekt reagiert. Für die 4–20-mA-Seite ist ein Stromschleifen-Kalibrator sinnvoll. Damit lässt sich prüfen, ob das Ausgangssignal korrekt ankommt, ob die Leitung in Ordnung ist und ob die SPS den Stromwert richtig skaliert.
Für solche Aufgaben eignet sich der UPS4E Stromschleifen-Kalibrator / Loop Calibrator. Er kann mA-Signale messen und simulieren und ist deshalb besonders hilfreich, wenn ein Temperaturmessumformer mit 4–20-mA-Ausgang in Betrieb genommen oder geprüft werden soll.
Ein praktischer Ablauf ist: Zuerst wird am Messumformereingang ein Pt100-Wert simuliert. Danach wird am Ausgang das mA-Signal gemessen. Anschließend kann zusätzlich an der SPS ein mA-Wert simuliert werden, um die Eingangskarte und Skalierung unabhängig vom Messumformer zu prüfen. So lässt sich die Fehlerursache deutlich schneller eingrenzen.
Grenzwerte, Alarme und Sensorbruch testen
Pt100-Simulation eignet sich nicht nur für die Prüfung normaler Messwerte, sondern auch für Grenzwerte und Fehlerzustände. In vielen Anlagen sind Temperaturgrenzen hinterlegt, bei denen ein Alarm, eine Abschaltung, eine Lüfterfreigabe, eine Heizungsregelung oder eine Prozesssperre ausgelöst wird.
Mit einem Simulator können solche Grenzwerte gezielt angefahren werden. Statt den realen Prozess zu erwärmen, wird zum Beispiel eine Temperatur knapp unterhalb und knapp oberhalb des Schaltpunktes simuliert. So lässt sich prüfen, ob die Anlage korrekt reagiert und ob Hysterese, Verzögerungszeit und Alarmmeldung zur Prozessanforderung passen.
Auch Sensorbruch oder Leitungsfehler können bewertet werden, sofern das Prüfgerät beziehungsweise die Messkette entsprechende Zustände unterstützt. Viele Messumformer erkennen offene Leitungen, Kurzschluss oder unplausible Widerstände und geben dann ein Fehlerverhalten aus. Dieses Verhalten sollte bekannt sein, damit die SPS eine Störung nicht mit einem realen Temperaturwert verwechselt.
Bei sicherheitsrelevanten Funktionen muss besonders sorgfältig gearbeitet werden. Die Simulation eines Grenzwertes kann reale Schalthandlungen auslösen. Deshalb sollte vor der Prüfung klar sein, ob Ausgänge, Aktoren, Heizungen, Pumpen oder Sicherheitsfunktionen beeinflusst werden.
Typische Fehler bei der Pt100-Simulation
Ein häufiger Fehler ist die falsche Anschlussart. Wird ein 3-Leiter-Eingang nicht korrekt gebrückt oder ein 4-Leiter-Eingang wie ein 2-Leiter-Eingang angeschlossen, entstehen unplausible Werte. Der Fehler wird dann oft fälschlicherweise dem Messumformer zugeschrieben.
Ein weiterer Fehler ist die falsche Sensorkennlinie. Manche Eingänge können Pt100, Pt1000, Ni100, Thermoelemente oder andere Sensortypen verarbeiten. Ist der Eingang auf den falschen Sensortyp parametriert, passt der simulierte Wert nicht zur Anzeige.
Auch die Skalierung des Ausgangssignals wird häufig übersehen. Ein Messumformer kann korrekt messen, aber auf einen anderen Temperaturbereich eingestellt sein als die SPS. Die Folge sind systematisch falsche Werte, obwohl Sensor und Messumformer grundsätzlich funktionieren.
Schließlich darf die Leitungsstrecke nicht vergessen werden. Wenn der Simulator direkt am Messumformer angeschlossen wird, ist die Feldleitung zum echten Sensor nicht mitgeprüft. Wird dagegen am Feldende simuliert, werden Leitung, Klemmen und Übergänge mit einbezogen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Fehlerquelle eingegrenzt werden soll.
Tabelle: Typische Pt100-Widerstandswerte
Die folgende Tabelle zeigt typische Näherungswerte für einen Pt100 nach gängiger Kennlinie. Für genaue Kalibrieraufgaben sollte immer mit einem geeigneten Kalibrator, einer passenden Tabelle oder der Gerätekennlinie gearbeitet werden.
| Temperatur | Pt100-Widerstand ungefähr | Typische Nutzung bei der Prüfung |
|---|---|---|
| -50 °C | ca. 80,31 Ω | Prüfung unterer Messbereich bei Kühl- oder Außenanwendungen |
| 0 °C | 100,00 Ω | Referenzpunkt und schneller Plausibilitätscheck |
| 25 °C | ca. 109,73 Ω | Prüfung im Bereich Raumtemperatur |
| 50 °C | ca. 119,40 Ω | Prüfung typischer Prozess- oder Schaltschranktemperaturen |
| 100 °C | ca. 138,51 Ω | Prüfung oberer Bereich vieler Standardmessketten |
| 150 °C | ca. 157,33 Ω | Prüfung erweiterter Messbereiche |
Praxisbeispiel: Temperaturmessumformer im Schaltschrank prüfen
In einer Anlage zeigt die SPS für einen Pt100-Messkreis dauerhaft eine zu hohe Temperatur an. Der Prozess selbst ist stabil, und der echte Fühler wurde bereits optisch geprüft. Unklar ist, ob der Fehler am Sensor, an der Leitung, am Temperaturmessumformer oder an der SPS-Skalierung liegt.
Der Techniker trennt die Messkette kontrolliert auf und simuliert zunächst direkt am Eingang des Temperaturmessumformers definierte Pt100-Werte. Bei 0 °C, 50 °C und 100 °C reagiert der Messumformer plausibel. Danach wird das 4–20-mA-Ausgangssignal mit einem Stromschleifen-Kalibrator gemessen. Auch dieses Signal passt zum eingestellten Temperaturbereich.
Im nächsten Schritt wird die SPS-Seite geprüft. Dort wird ein definierter mA-Wert simuliert. Dabei zeigt sich, dass die SPS-Skalierung auf einen anderen Temperaturbereich eingestellt ist als der Messumformer. Der Fehler liegt also nicht am Pt100 und nicht am Messumformer, sondern in der Parametrierung der Eingangskarte beziehungsweise der Visualisierung.
Das Beispiel zeigt, warum die Kombination aus Pt100-Simulation und 4–20-mA-Prüfung so wirkungsvoll ist. Die Messkette wird in einzelne Abschnitte zerlegt. Dadurch lässt sich die Fehlerursache schneller finden, ohne den realen Temperaturprozess verändern zu müssen.
Tabelle: Was wird bei welcher Prüfart kontrolliert?
| Prüfung | Was wird kontrolliert? | Was wird nicht automatisch geprüft? |
|---|---|---|
| Pt100-Simulation direkt am Messumformer | Pt100-Eingang, Messumformer-Parametrierung, Grundfunktion | Feldleitung und echter Sensor |
| Pt100-Simulation am Feldende | Leitung, Klemmen, Messumformer und Eingangsbeschaltung | Der echte Sensor selbst |
| mA-Messung am Messumformerausgang | Ausgangssignal des Temperaturmessumformers | SPS-Skalierung und Anzeige |
| mA-Simulation am SPS-Eingang | SPS-Eingang, Skalierung, Visualisierung und Grenzwerte | Messumformer und Pt100-Eingang |
| Grenzwertsimulation | Alarmgrenzen, Hysterese, Verzögerung und Meldeverhalten | Reales thermisches Verhalten des Prozesses |
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
Für die Simulation von Pt100- und anderen Temperatursignalen eignen sich Simulatoren, wenn definierte Widerstands-, RTD-, Thermoelement- oder Spannungssignale erzeugt werden sollen. Damit lassen sich Temperaturmessumformer, Anzeigen, Regler und SPS-Eingänge deutlich schneller prüfen als über einen realen Temperaturprozess.
Ein passendes Gerät für solche Aufgaben ist der ICS 02S Simulator für Pt-100 | RTD | TC | mV/V. Er eignet sich für Anwender, die Pt100- beziehungsweise RTD-Signale simulieren und messen möchten und zusätzlich typische Temperatur- und Spannungssignale prüfen müssen.
Für umfangreichere Prüf- und Kalibrieraufgaben sind außerdem Prozesskalibratoren / Elektrische Kalibratoren relevant. Sie kommen zum Einsatz, wenn mehrere Signalarten, Messumformer, Prozesssignale oder ganze Messketten geprüft werden sollen.
Wenn die Temperaturmesskette über einen Messumformer mit 4–20-mA-Ausgang arbeitet, sollte zusätzlich der UPS4E Stromschleifen-Kalibrator / Loop Calibrator berücksichtigt werden. Er ist das passende Werkzeug, um mA-Signale zu messen, zu simulieren und die Stromschleife bis zur SPS oder Anzeige zu prüfen.
In der Praxis ist häufig die Kombination aus Pt100-Simulator und Stromschleifen-Kalibrator am effizientesten: Der Pt100-Simulator prüft die Sensoreingangsseite, der UPS4E prüft die 4–20-mA-Seite. So wird sichtbar, ob der Fehler am Sensorersatzsignal, am Messumformer, an der Verdrahtung oder an der SPS-Skalierung liegt.
Fazit: Pt100-Simulation spart Zeit und macht Fehler schneller sichtbar
Pt100-Simulation ist eine sehr praktische Methode, um Temperaturmessketten zu prüfen, ohne einen echten Temperaturprozess erzeugen zu müssen. Statt einen Sensor zu erwärmen oder zu kühlen, wird ein definierter Widerstandswert vorgegeben. Dadurch lassen sich Messumformer, Anzeigen, Regler und SPS-Eingänge schnell und reproduzierbar kontrollieren.
Entscheidend ist, die Messkette richtig aufzuteilen. Die Pt100-Seite prüft Widerstandswert, Anschlussart und Messumformer-Eingang. Die Ausgangsseite prüft 4–20 mA, 0–10 V oder andere Prozesssignale. Erst wenn beide Seiten sauber bewertet werden, lässt sich ein Fehler sicher eingrenzen.
Besonders bei Instandhaltung, Schaltschrankbau, Inbetriebnahme und Fehlersuche ist die Pt100-Simulation ein großer Zeitgewinn. Sie ersetzt nicht jede Temperaturkalibrierung im realen Prozess, liefert aber eine sehr schnelle und aussagekräftige Prüfung der elektrischen Messkette.
FAQ: Häufige Fragen zur Pt100-Simulation
Was bedeutet Pt100 simulieren?
Pt100 simulieren bedeutet, einen definierten Widerstandswert bereitzustellen, der einer bestimmten Temperatur entspricht. Das angeschlossene Messgerät oder der Messumformer wertet diesen Widerstand so aus, als wäre ein echter Pt100-Fühler angeschlossen.
Warum sollte man einen Pt100 simulieren statt den Fühler zu erwärmen?
Die Simulation ist schneller, reproduzierbarer und oft direkt im Schaltschrank möglich. Sie eignet sich besonders, um Messumformer, Anzeigen, Regler oder SPS-Skalierungen zu prüfen, ohne den realen Prozess verändern zu müssen.
Kann man mit der Pt100-Simulation den echten Fühler prüfen?
Nicht direkt. Die Simulation ersetzt den Fühler elektrisch. Sie prüft die nachfolgende Messkette. Um den echten Fühler zu prüfen, muss dieser gemessen, verglichen oder in einem geeigneten Temperaturpunkt beziehungsweise Kalibrierbad geprüft werden.
Wo sollte der Simulator angeschlossen werden?
Das hängt von der Fehlersuche ab. Direkt am Messumformer wird der Eingang geprüft. Am Feldende werden zusätzlich Leitung, Klemmen und Übergänge mitgeprüft. Bei unklaren Fehlern können beide Varianten sinnvoll sein.
Was muss bei 2-Leiter-Pt100 beachtet werden?
Beim 2-Leiteranschluss addiert sich der Leitungswiderstand zum Sensorwert. Bei längeren Leitungen kann dadurch ein zu hoher Temperaturwert entstehen. Für genaue Messungen ist 2-Leitertechnik deshalb nur eingeschränkt geeignet.
Warum ist 3-Leitertechnik in der Industrie so verbreitet?
3-Leitertechnik reduziert den Einfluss des Leitungswiderstands, benötigt aber weniger Verdrahtungsaufwand als 4-Leitertechnik. Voraussetzung ist eine korrekte und möglichst symmetrische Verdrahtung.
Wann ist 4-Leitertechnik sinnvoll?
4-Leitertechnik ist sinnvoll, wenn hohe Genauigkeit gefordert ist oder Leitungswiderstände möglichst zuverlässig kompensiert werden sollen. Sie wird häufig bei Referenzmessungen, Laboranwendungen oder präziseren Messketten eingesetzt.
Warum zeigt der Messumformer trotz simuliertem Pt100-Wert falsch an?
Mögliche Ursachen sind falsche Anschlussart, falscher Sensortyp, falsche Kennlinie, fehlerhafte Parametrierung, Defekt am Eingang oder ein ungeeigneter Simulatoranschluss. Deshalb sollten Anschlussplan und Eingangseinstellung immer geprüft werden.
Wie prüft man einen Temperaturmessumformer mit 4–20-mA-Ausgang?
Zuerst wird am Eingang ein Pt100-Wert simuliert. Danach wird am Ausgang das mA-Signal gemessen. Mit dem UPS4E kann zusätzlich ein mA-Signal simuliert werden, um SPS-Eingang und Skalierung unabhängig vom Messumformer zu prüfen.
Welche Punkte sollte man bei der SPS-Skalierung prüfen?
Wichtig sind der eingestellte Temperaturbereich, die Zuordnung von 4 mA und 20 mA, Einheit, Offset, Spanne, Grenzwerte und Visualisierung. Sinnvoll ist die Prüfung mit mindestens drei Punkten: unten, mittig und oben im Messbereich.
Kann man Sensorbruch mit einem Simulator testen?
Je nach Messumformer und Prüfgerät kann ein Fehlerzustand wie offene Leitung oder Kurzschluss simuliert oder durch gezieltes Trennen der Messleitung geprüft werden. Dabei muss klar sein, welche Reaktion die Anlage auslöst.
Warum reicht ein einzelner Prüfpunkt oft nicht aus?
Ein einzelner Punkt zeigt nur, ob die Messkette dort plausibel reagiert. Skalierungsfehler, falsche Spanne oder vertauschte Endwerte erkennt man besser mit mehreren Punkten über den Messbereich.
Ist Pt100-Simulation dasselbe wie Kalibrierung?
Nein. Die Simulation prüft die elektrische Messkette mit definierten Signalen. Eine vollständige Kalibrierung bewertet zusätzlich die Messabweichung unter festgelegten Bedingungen und mit rückführbaren Referenzen.
Was ist der Unterschied zwischen Pt100- und Thermoelement-Simulation?
Ein Pt100 wird über einen Widerstand simuliert. Ein Thermoelement wird über eine sehr kleine Spannung im mV-Bereich simuliert und benötigt zusätzlich die richtige Thermoelementkennlinie sowie eine passende Vergleichsstellenbewertung.
Welches Gerät eignet sich für Pt100-Simulation?
Für Pt100-Simulation eignet sich ein Simulator oder Prozesskalibrator, der RTD- beziehungsweise Pt100-Signale erzeugen kann. Für Messketten mit 4–20-mA-Ausgang ist zusätzlich ein Stromschleifen-Kalibrator wie der UPS4E sinnvoll.
