Ein Tank besitzt bereits eine kontinuierliche Füllstandmessung.
Der Messumformer liefert:
4 … 20 mA
an die SPS.
Bei:
90 %
wird ein High-Alarm ausgelöst und bei:
95 %
soll die Befüllung automatisch gestoppt werden.
Braucht der Tank dann überhaupt noch einen separaten Grenzstandschalter?
Für eine unabhängige Überfüllschutzfunktion ist die alleinige Auswertung desselben kontinuierlichen Füllstandsignals häufig nicht ausreichend.
Denn bei:
Sensorfehler → Messwertfehler → SPS-Auswertung falsch
können gleichzeitig:
- Füllstandanzeige,
- Regelung,
- High-Alarm,
- High-High-Abschaltung
betroffen sein.
Eine robuste Anlagenarchitektur trennt deshalb häufig:
kontinuierliche Prozessmessung
von:
unabhängiger Grenzstanderfassung
.
Die kontinuierliche Messung liefert dabei den aktuellen Füllstand für Anzeige, Regelung, Bilanzierung oder Leitsystem.
Ein zusätzlicher Grenzstandschalter überwacht dagegen nur einen klar definierten kritischen Punkt:
High-High / HH
und kann bei Erreichen dieses Grenzstands eine separate Alarm- oder Abschaltkette auslösen.
Entscheidend ist nicht nur, zwei Geräte in den Tank einzubauen. Entscheidend ist, wie unabhängig Sensor, Signalweg, Logik, Energieversorgung und Abschaltelement der Schutzfunktion tatsächlich voneinander sind.
Geeignete kontinuierliche Füllstandsensoren und Grenzschalter finden Sie bei ICS Schneider unter Füllstandmesstechnik.
Inhaltsverzeichnis
- Warum kontinuierliche Messung und Überfüllsicherung unterschiedliche Aufgaben haben
- High, High-High und maximal zulässigen Füllstand unterscheiden
- Was bedeutet eine unabhängige Schutzebene?
- Warum ein zweiter Grenzwert aus demselben Sensorsignal keine echte Redundanz ist
- Warum ein separater Grenzstandschalter sinnvoll ist
- Gleiches oder anderes Messprinzip verwenden?
- Common-Cause-Fehler berücksichtigen
- High-High-Schaltpunkt richtig festlegen
- Reaktionszeit und Nachlauf berücksichtigen
- Fail-Safe-Verhalten der Überfüllsicherung
- Relaislogik und Ruhestromprinzip
- SPS, Sicherheitssteuerung oder hartverdrahtete Abschaltung?
- Ventil, Pumpe oder Zulauf als Abschaltelement
- Mediumeigenschaften bei der Grenzschalterauswahl
- Schaum, Ablagerungen und Turbulenzen
- Montageposition des Grenzschalters
- Überfüllsicherung und WHG/AwSV
- SIL und funktionale Sicherheit richtig einordnen
- Funktionsprüfung und Proof Test
- Bypass und Wartungsüberbrückung beherrschen
- Diagnose der kontinuierlichen Messung trotzdem nutzen
- Empfohlener Planungs- und Prüfablauf
- Typische Fehlerbilder
- Praxisbeispiel: Lagertank mit kontinuierlicher Messung und HH-Abschaltung
- Passende ICS-Produkte
- Fazit
- FAQ
Warum kontinuierliche Messung und Überfüllsicherung unterschiedliche Aufgaben haben
Eine kontinuierliche Füllstandmessung beantwortet die Frage:
Wie voll ist der Behälter aktuell?
Sie wird typischerweise verwendet für
- Füllstandanzeige,
- Bestandsüberwachung,
- Pumpensteuerung,
- Regelung,
- Volumenberechnung,
- Fernüberwachung,
- Prozessoptimierung.
Eine Grenzstanderfassung beantwortet dagegen nur
Ist der definierte Grenzstand erreicht – ja oder nein?
Diese Reduktion ist bewusst
Ein High-High-Grenzschalter muss nicht wissen, ob der Tank aktuell:
61 %, 72 % oder 84 %
gefüllt ist.
Er muss zuverlässig erkennen:
kritischer Grenzstand erreicht
Damit unterscheiden sich die Aufgaben grundlegend
| Kontinuierliche Messung | Grenzstanderfassung |
|---|---|
| Liefert fortlaufenden Messwert | Liefert binären Schaltzustand |
| Anzeige und Regelung | Alarm oder Abschaltung |
| z. B. 4–20 mA / HART | z. B. Kontakt, Relais, NAMUR |
| Messbereich über Tankhöhe | Fester Schaltpunkt |
| Prozessführung | Grenzwertüberwachung |
Wichtig
Eine hochwertige kontinuierliche Füllstandmessung macht einen unabhängigen Grenzschalter nicht automatisch überflüssig.
High, High-High und maximal zulässigen Füllstand unterscheiden
In Anlagen werden häufig mehrere Füllstandgrenzen definiert.
Normaler Arbeitsbereich
Beispielsweise:
20 … 80 %
High – H
Ein hoher Füllstand kann zunächst einen Betriebsalarm auslösen.
Beispiel:
H = 85 %
High-High – HH
Ein zusätzlicher höherer Grenzwert kann eine Schutzaktion einleiten.
Beispiel:
HH = 92 %
Oberhalb davon
muss weiterhin ausreichend Sicherheitsraum vorhanden sein, um:
- Reaktionszeiten,
- Ventilschließzeit,
- Pumpennachlauf,
- Rohrleitungsinhalt,
- Kommunikationsverzögerung
aufzunehmen.
Deshalb gilt nicht
HH = Tankoberkante
Sondern
Der High-High-Punkt muss so tief liegen, dass die Anlage nach dessen Auslösung noch sicher reagieren kann, bevor ein unzulässiger Zustand erreicht wird.
Was bedeutet eine unabhängige Schutzebene?
Der Begriff:
unabhängig
wird in der Praxis häufig zu einfach verstanden.
Zwei Sensoren im Behälter reichen allein nicht
Die Schutzfunktion kann beispielsweise noch gemeinsame Elemente besitzen:
- gleiche Spannungsversorgung,
- gleiche SPS-Eingangskarte,
- gleiche SPS,
- gleiche Softwarelogik,
- gleiche Klemmenleiste,
- gleiche Kabeltrasse,
- gleichen Prozessanschluss,
- gleiches Abschaltventil.
Je nach erforderlicher Sicherheitsfunktion
müssen deshalb mehrere Ebenen betrachtet werden:
Sensor → Signalleitung → Auswertung → Logik → Ausgang → Abschaltelement
Eine sinnvolle Trennung kann beispielsweise bedeuten
- separater Grenzstandsensor,
- separate Anschlussleitung,
- separate Auswertung,
- definiertes Fail-Safe-Verhalten,
- eigener Alarm- beziehungsweise Abschaltpfad.
Wichtig
Wie weit diese Unabhängigkeit gehen muss, hängt von:
- Gefährdungsbeurteilung,
- Medium,
- Anlagenkonzept,
- rechtlichen Anforderungen,
- geforderter Sicherheitsintegrität
ab.
Warum ein zweiter Grenzwert aus demselben Sensorsignal keine echte Redundanz ist
Eine häufige Architektur sieht folgendermaßen aus:
Füllstandtransmitter → 4–20 mA → SPS
und innerhalb der SPS:
85 % → High Alarm
92 % → High-High Abschaltung
Das ist betrieblich durchaus sinnvoll
aber beide Funktionen hängen vom selben:
- Messprinzip,
- Sensor,
- Analogausgang,
- Kabel,
- Analogeingang
ab.
Beispiel
Ein Radar-Füllstandsensor zeigt aufgrund einer Fehlparametrierung dauerhaft:
70 %
obwohl der Tank tatsächlich bereits:
94 %
gefüllt ist.
Dann werden möglicherweise weder
High
noch:
High-High
erkannt.
Der zweite Softwaregrenzwert
ist deshalb:
eine zusätzliche Auswertung desselben Messsignals, aber kein automatisch unabhängiges Messsystem.
Warum ein separater Grenzstandschalter sinnvoll ist
Ein separater Grenzstandschalter überwacht den kritischen Füllstand unmittelbar an einer festgelegten Position.
Beispiel
Die kontinuierliche Messung liefert:
0 … 100 %
über einen analogen Transmitter.
Zusätzlich befindet sich bei
HH = 92 %
ein eigener Grenzstandschalter.
Damit existieren zwei Informationswege
kontinuierlicher Füllstand → Prozessführung
und:
HH-Grenzstand → Schutzaktion
Vorteil
Ein Fehler der Skalierung des kontinuierlichen Messsystems muss nicht automatisch den Grenzstandschalter beeinflussen.
Weitere mögliche Fehler des kontinuierlichen Messsystems
- falsche Tanklinearisierung,
- falscher Nullpunkt,
- falscher Messbereich,
- Softwarefehler,
- fehlerhafte SPS-Skalierung
können damit teilweise von der HH-Erfassung entkoppelt werden.
Gleiches oder anderes Messprinzip verwenden?
Ein separater Sensor kann nach demselben oder nach einem anderen physikalischen Prinzip arbeiten.
Beispiel
Kontinuierliche Messung:
80-GHz-Radar
Überfüllschutz:
Schwimmerschalter
Oder
Kontinuierliche Messung:
magnetostriktiver Schwimmer
Grenzstand:
Vibrationsschalter
Unterschiedliche Messprinzipien können helfen
gemeinsame Fehlerursachen zu reduzieren.
Beispiel Radar + Schwimmer
Eine ungünstige Echoauswertung des Radars beeinflusst den mechanisch beziehungsweise magnetisch arbeitenden Grenzschalter nicht unmittelbar.
Aber
Unterschiedliche Messprinzipien sind nicht automatisch immer besser.
Das zweite Messprinzip muss weiterhin zum:
- Medium,
- Druck,
- Temperatur,
- Tankaufbau,
- Schaltpunkt
passen.
Common-Cause-Fehler berücksichtigen
Auch zwei verschiedene Sensoren können durch dieselbe Ursache gleichzeitig beeinträchtigt werden.
Typische gemeinsame Fehlerursachen
| Gemeinsame Ursache | Mögliche Auswirkung |
|---|---|
| Beide Sensoren an ungeeigneter Tankposition | Beide erfassen lokalen Füllstand falsch |
| Starke Produktablagerung | Mehrere Sensoren können beeinträchtigt werden |
| Gemeinsame Spannungsversorgung fällt aus | Beide Signale können verloren gehen |
| Gemeinsame SPS fällt aus | Messung und Abschaltung gleichzeitig betroffen |
| Gemeinsames Absperrventil blockiert | Abschaltung funktioniert trotz korrektem Sensorsignal nicht |
| Falsche Tankdaten in der Planung | Schaltpunkte beider Systeme falsch definiert |
Deshalb
sollte nicht nur gefragt werden:
Haben wir zwei Sensoren?
sondern:
Welche Fehler können beide Schutzpfade gleichzeitig unwirksam machen?
High-High-Schaltpunkt richtig festlegen
Der HH-Schaltpunkt sollte nicht allein nach einem komfortablen Prozentwert gewählt werden.
Berücksichtigt werden müssen
- maximal zulässiger Füllstand,
- Tankgeometrie,
- Einlaufmenge,
- maximaler Befüllstrom,
- Ventilschließzeit,
- Pumpennachlauf,
- Rohrleitungsvolumen,
- Mess- und Schaltverzögerungen,
- Prozessschwankungen.
Wichtig bei nichtlinearen Behältern
Bei einem liegenden Rundtank oder Kugeltank bedeutet:
10 % zusätzliche Füllhöhe
nicht zwangsläufig:
10 % zusätzliches Volumen
Der Sicherheitsspielraum
sollte deshalb möglichst auf:
reales Restvolumen
und:
maximal möglichen Zulauf
bezogen werden.
Reaktionszeit und Nachlauf berücksichtigen
Nach dem Schalten des Grenzstandsensors stoppt der Zulauf nicht sofort.
Die gesamte Reaktionszeit besteht beispielsweise aus
tgesamt = tSensor + tLogik + tVentil + tNachlauf
Während dieser Zeit
fließt weiterhin Medium in den Tank.
Vereinfachte Abschätzung
Bei einem maximalen Nettozufluss:
Qmax
und einem verfügbaren Restvolumen:
ΔV
ergibt sich die theoretische Reservezeit:
tReserve = ΔV / Qmax
Beispiel
Zwischen HH-Schaltpunkt und maximal zulässigem Füllstand stehen noch:
400 l
zur Verfügung.
Der maximale Zulauf beträgt:
200 l/min
Dann beträgt die theoretische Reserve
400 l / 200 l/min = 2 min
Diese zwei Minuten
müssen unter anderem ausreichen für:
- Sensorreaktion,
- Logikverarbeitung,
- Ventilschließung,
- Pumpenauslauf,
- nachströmendes Rohrleitungsvolumen.
Damit wird klar
Der Schaltpunkt ist Teil der sicherheitstechnischen Auslegung und nicht nur eine Parametrierung im Schaltschrank.
Fail-Safe-Verhalten der Überfüllsicherung
Eine wichtige Frage lautet:
Was passiert bei einem Fehler?
Beispiele
- Kabelbruch,
- Spannungsausfall,
- Sensordefekt,
- Relaisdefekt,
- Ausfall der Auswerteeinheit.
Ungünstige Architektur
Der sichere Zustand wird ausschließlich durch ein:
aktiv anstehendes Schaltsignal
erzeugt.
Bei Kabelbruch kommt dieses Signal nicht mehr an.
Fail-Safe-orientierte Architektur
kann dagegen so ausgelegt werden, dass ein definierter Fehler zu:
Alarm / Abschaltung
führt.
Welches Verhalten korrekt ist
muss für die jeweilige Sicherheitsfunktion festgelegt werden.
Fail-Safe bedeutet nicht einfach „Öffner statt Schließer“, sondern dass das gesamte Fehlerszenario von Sensor bis Abschaltelement betrachtet wird.
Relaislogik und Ruhestromprinzip
Bei binären Schutzfunktionen wird häufig das Ruhestromprinzip betrachtet.
Grundidee
Im normalen Zustand ist das Relais:
angezogen
Bei
- erreichtem HH-Grenzstand,
- Versorgungsausfall,
- bestimmten Leitungsfehlern
fällt es ab.
Vorteil
Ein Energieverlust kann dadurch eher als Störung erkannt werden.
Aber
die korrekte elektrische Architektur hängt vom verwendeten Sensor und dessen Ausgang ab.
Bei:
- potentialfreien Reed-Kontakten,
- NAMUR-Signalen,
- Transistorausgängen,
- Relaisausgängen
können unterschiedliche Auswerteprinzipien erforderlich sein.
SPS, Sicherheitssteuerung oder hartverdrahtete Abschaltung?
Ein HH-Grenzschalter muss nicht zwangsläufig direkt ein Ventil schalten.
Mögliche Architektur
Grenzschalter → Auswerterelais → Abschaltventil
Oder
Grenzschalter → Sicherheitssteuerung → Abschaltventil
Oder bei weniger kritischen Prozessfunktionen
Grenzschalter → SPS → Alarm
Welche Variante geeignet ist
hängt von der erforderlichen Schutzfunktion und ihrer Risikobewertung ab.
Wichtig für echte Unabhängigkeit
Wird sowohl die kontinuierliche Messung als auch der separate HH-Grenzschalter über:
dieselbe Standard-SPS
geführt, muss geprüft werden, ob die gewünschte Unabhängigkeit tatsächlich erreicht wird.
Ventil, Pumpe oder Zulauf als Abschaltelement
Die Überfüllschutzkette endet nicht am Grenzschalter.
Der Sensor kann korrekt auslösen
aber der Tank wird trotzdem überfüllt, wenn:
- das Zulaufventil klemmt,
- die Pumpe weiterläuft,
- ein Schütz verschweißt ist,
- der Zulauf aus einer zweiten Leitung weiterläuft.
Die komplette Funktion lautet deshalb
Grenzstand erkennen → Signal auswerten → Zulauf sicher stoppen
Bei der Planung muss geklärt werden
- welche Zuläufe gestoppt werden müssen,
- welche Ventilstellung der sichere Zustand ist,
- wie schnell das Ventil schließt,
- ob die Pumpe zusätzlich abgeschaltet werden muss,
- ob ein Wiederanlauf automatisch zulässig ist.
Für kritische HH-Abschaltungen
kann außerdem ein:
verriegelter Abschaltzustand
sinnvoll sein.
Dann startet die Befüllung nicht automatisch wieder, sobald der Pegel knapp unter den Grenzschalter gefallen ist.
Mediumeigenschaften bei der Grenzschalterauswahl
Die funktionale Trennung ist nur sinnvoll, wenn der Grenzschalter auch physikalisch zur Anwendung passt.
Zu prüfen sind insbesondere
- Dichte,
- Viskosität,
- Leitfähigkeit,
- Dielektrizitätskonstante,
- Schaumbildung,
- Ablagerungen,
- Kristallisation,
- Feststoffanteile,
- Temperatur,
- Druck,
- chemische Beständigkeit.
Bei einem Schwimmerschalter
ist beispielsweise die:
Grenzdichte des Schwimmers
entscheidend.
Ein Schwimmer
der für das Medium nicht ausreichend aufschwimmt, kann den vorgesehenen Schaltpunkt nicht zuverlässig anfahren.
Bei einem Vibrationsschalter
spielen dagegen andere Medieneigenschaften und mögliche Ablagerungen eine Rolle.
Schaum, Ablagerungen und Turbulenzen
Eine Überfüllsicherung wird häufig genau im oberen Tankbereich montiert.
Dort können auftreten
- Schaum,
- Spritzer,
- Einlaufstrahlen,
- Kondensat,
- Ablagerungen.
Der Einbau direkt neben dem Zulauf
kann beispielsweise dazu führen, dass ein Sensor zeitweise vom Einlaufstrahl beeinflusst wird, obwohl der reale Tankfüllstand noch unter dem Schaltpunkt liegt.
Umgekehrt
können dicke Ablagerungen die Erkennung eines tatsächlichen Grenzstands beeinträchtigen.
Deshalb
sollte die Montageposition:
- repräsentativ für den Tankfüllstand,
- zugänglich für Prüfung,
- möglichst frei von direktem Einlauf
sein.
Montageposition des Grenzschalters
Die geometrische Höhe des Schalters ist unmittelbar Teil der Schutzfunktion.
Zu berücksichtigen sind
- Einbaulänge des Sensors,
- Schwimmergeometrie,
- Schaltpunkt bezogen auf den Prozessanschluss,
- Tankdach,
- Stutzenhöhe,
- Dichtung,
- Montageflansch.
Ein häufiger Fehler
ist die Annahme:
Prozessanschluss auf 9.000 mm = Schaltpunkt auf 9.000 mm
Das muss nicht stimmen
da der eigentliche Schaltpunkt konstruktiv:
unterhalb oder oberhalb des Referenzpunkts des Anschlusses
liegen kann.
Deshalb
sollte der tatsächliche Schaltpunkt aus:
- Zeichnung,
- Einbaulänge,
- Gerätekonfiguration
bestimmt werden.
Überfüllsicherung und WHG/AwSV
Bei Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen kann der Begriff:
Überfüllsicherung
eine konkrete rechtliche Bedeutung besitzen.
Dann reicht nicht automatisch
ein beliebiger industrieller Füllstandschalter.
Zu prüfen sind
- konkreter Anwendungsfall,
- Medium,
- Behälter,
- geltende Anforderungen nach WHG und AwSV,
- Zulassung des eingesetzten Systems,
- zulässige Gerätekonfiguration,
- vorgeschriebene Prüfung und Dokumentation.
WIKA FLS
Im bei ICS verfügbaren WIKA-Datenblatt werden für bestimmte Ausführungen des:
FLS-S
DIBt-Zulassungen für den Einsatz als Überfüllsicherung aufgeführt.
Wichtig
Die Zulassung darf nicht pauschal auf jede FLS-Ausführung oder jede daraus aufgebaute Schaltung übertragen werden.
Vor der Auswahl muss die konkrete:
- Typvariante,
- Schwimmerausführung,
- elektrische Auswertung,
- Zulassung,
- Einbausituation
geprüft werden.
SIL und funktionale Sicherheit richtig einordnen
In Prozessanlagen kann die Überfüllabschaltung Bestandteil einer:
Safety Instrumented Function – SIF
sein.
Dann müssen Sensor, Logik und Aktor gemeinsam betrachtet werden
Sensor → Logic Solver → Final Element
Ein Sensor mit SIL-Eignung bedeutet deshalb nicht automatisch
dass die gesamte Überfüllschutzfunktion:
SIL 2
oder:
SIL 3
erfüllt.
Zusätzlich relevant sind beispielsweise
- Architektur,
- Ausfallwahrscheinlichkeiten,
- Diagnose,
- Proof-Test-Intervall,
- gemeinsame Fehlerursachen,
- Logiksystem,
- Abschaltventil.
Siemens SITRANS LVL200
wird bei ICS als Vibrations-Grenzstandschalter für:
- Überlaufschutz,
- Trockenlaufschutz,
- Voll- und Leermeldung
geführt und bietet je nach Ausführung Optionen beziehungsweise Unterstützung für sicherheitsgerichtete Anwendungen.
Für die konkrete Sicherheitsfunktion
muss jedoch immer die:
exakte Geräteausführung + Zertifizierung + Systemarchitektur
bewertet werden.
Funktionsprüfung und Proof Test
Eine Schutzfunktion, die jahrelang nicht auslöst, kann trotzdem unbemerkt defekt sein.
Deshalb sollte sie regelmäßig geprüft werden
und zwar möglichst vollständig:
Sensor → Signalauswertung → Abschaltung
Eine reine Sichtprüfung reicht nicht
Der Grenzschalter kann äußerlich einwandfrei aussehen und trotzdem:
- mechanisch blockiert,
- elektrisch defekt,
- falsch verdrahtet
sein.
Ein vollständiger Funktionstest sollte prüfen
- Schaltpunkt,
- Schaltfunktion,
- Alarmweitergabe,
- Verriegelung,
- Pumpenabschaltung,
- Ventilreaktion,
- Störmeldung.
Bei sicherheitsgerichteten Anwendungen
sind Prüfumfang und Prüfintervall aus der jeweiligen Sicherheitsbewertung beziehungsweise Zulassung abzuleiten.
Bypass und Wartungsüberbrückung beherrschen
Für Wartungsarbeiten kann es erforderlich sein, eine HH-Abschaltung vorübergehend zu überbrücken.
Genau hier entsteht ein erhebliches Risiko
wenn der Bypass nach der Wartung:
aktiv bleibt
Eine gute Anlagenorganisation berücksichtigt deshalb
- eindeutige Bypass-Anzeige,
- protokollierte Freigabe,
- zeitliche Begrenzung,
- Rücksetzung nach Wartung,
- abschließende Funktionsprüfung.
Ein gefährlicher Zustand wäre
Sensor funktionsfähig + Schutzlogik gebrückt = keine Abschaltung
Daher
Die organisatorische Behandlung von Bypässen ist Bestandteil einer zuverlässigen Schutzfunktion.
Diagnose der kontinuierlichen Messung trotzdem nutzen
Die Trennung der Schutzfunktion bedeutet nicht, dass die kontinuierliche Messung für die Sicherheit wertlos ist.
Im Gegenteil
sie kann zusätzliche Informationen liefern.
Beispiel
Kontinuierlicher Füllstand:
93 %
aber HH-Grenzschalter:
nicht betätigt
Das ist ein wichtiger Plausibilitätskonflikt
und kann auf:
- falsche Skalierung,
- falschen Schaltpunkt,
- Sensorfehler,
- mechanische Blockierung
hinweisen.
Umgekehrt
meldet der HH-Grenzschalter:
HIGH-HIGH
aber der kontinuierliche Sensor zeigt:
68 %
Dann sollte die Anlage
nicht einfach einen der beiden Werte ignorieren.
Der Widerspruch ist selbst eine:
Diagnoseinformation
Empfohlener Planungs- und Prüfablauf
- Medium definieren: Dichte, Viskosität, Leitfähigkeit, Schaumbildung, Ablagerung, Temperatur und Druck erfassen.
- Tankgeometrie aufnehmen: Höhe, Volumen, Dachform, Stutzen und Einlaufposition dokumentieren.
- Normalen Betriebsbereich bestimmen: Gewünschte minimale und maximale Betriebsfüllstände festlegen.
- Maximal zulässigen Füllstand definieren: Prozess- und rechtliche Anforderungen berücksichtigen.
- High-Alarm festlegen: Frühwarnung vor Erreichen des kritischen Bereichs definieren.
- High-High-Schaltpunkt bestimmen: Ausreichend Abstand zum maximal zulässigen Füllstand einplanen.
- Maximalen Zulauf bestimmen: Worst-Case-Füllstrom berücksichtigen.
- Nachlauf berechnen: Ventilschließzeit, Pumpennachlauf und Rohrleitungsinhalt berücksichtigen.
- Kontinuierliches Messprinzip auswählen: Zum Prozess und Behälter passende Messmethode festlegen.
- Separaten Grenzschalter auswählen: Medium, Druck, Temperatur und Schaltpunkt berücksichtigen.
- Messprinzipien vergleichen: Gemeinsame Fehlerursachen identifizieren.
- Mechanische Unabhängigkeit prüfen: Separate und geeignete Montageposition bestimmen.
- Elektrische Architektur festlegen: Versorgung, Verkabelung und Signalweg definieren.
- Fail-Safe-Verhalten festlegen: Reaktion auf Kabelbruch, Spannungsausfall und Gerätestörung bestimmen.
- Logiksystem definieren: Standard-SPS, Sicherheitssteuerung oder separate Auswertung entsprechend der Risikobewertung wählen.
- Final Element festlegen: Ventil, Pumpe oder andere Zulaufunterbrechung bestimmen.
- Wiederanlauf festlegen: Automatische Rücksetzung oder manuelle Quittierung definieren.
- Zulassungen prüfen: Bei WHG/AwSV-, Ex- oder SIL-Anwendungen exakte Geräteausführung überprüfen.
- Funktionsprüfung definieren: Prüfmethode für Sensor und komplette Abschaltkette festlegen.
- Prüfintervall dokumentieren: Wiederkehrende Prüfung in Wartungsplan übernehmen.
- Bypass-Verfahren festlegen: Überbrückungen kontrolliert verwalten.
- Inbetriebnahme durchführen: Tatsächlichen Schaltpunkt und vollständige Schutzreaktion prüfen.
- Dokumentation erstellen: Schaltpunkt, Gerätetypen, Logik und Prüfverfahren festhalten.
Typische Fehler bei Überfüllsicherungen
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|---|
| High und High-High fallen gleichzeitig aus | Beide Grenzwerte stammen aus demselben Transmitter | Unabhängigen Grenzschalter prüfen |
| HH-Schalter reagiert zu spät | Schaltpunkt zu hoch gesetzt | Restvolumen und Reaktionszeit berechnen |
| Tank läuft trotz HH-Alarm weiter voll | Ventil oder Pumpe reagiert nicht | Komplette Abschaltkette testen |
| Schwimmerschalter betätigt nicht | Dichte oder Bewegungsfreiheit ungeeignet | Schwimmerauslegung und Ablagerungen prüfen |
| Grenzschalter löst beim Befüllen sporadisch aus | Einlaufstrahl oder starke Turbulenz | Montageposition kontrollieren |
| Sensor zeigt nach Wartung permanent Alarm | Einbau- oder Schaltlogik verändert | Montage und Kontaktfunktion prüfen |
| Kabelbruch bleibt unbemerkt | Keine geeignete Fail-Safe-Auswertung | Signal- und Relaiskonzept prüfen |
| Schutzfunktion funktioniert beim Test nicht | Bypass noch aktiv | Bypass-Management prüfen |
| Kontinuierlicher Wert und HH-Signal widersprechen sich | Skalierungs-, Sensor- oder Montagefehler | Beide Messsysteme separat prüfen |
| Sensor besitzt passende Technik, darf aber nicht als gesetzlich geforderte Überfüllsicherung eingesetzt werden | Erforderliche Zulassung fehlt | Exakte Geräteausführung und Zulassungsunterlagen prüfen |
| Beide Sensoren fallen gleichzeitig aus | Gemeinsame Versorgung oder gemeinsame Fehlerursache | Unabhängigkeit der gesamten Architektur bewerten |
Praxisbeispiel: Lagertank mit kontinuierlicher Messung und HH-Abschaltung
Ein Lagertank wird über eine Pumpe befüllt.
Der Betreiber benötigt:
- kontinuierliche Füllstandanzeige,
- High-Alarm,
- unabhängige High-High-Abschaltung.
Kontinuierliche Messung
Für die laufende Füllstanderfassung wird ein:
4–20-mA-Füllstandtransmitter
verwendet.
Die SPS nutzt den Messwert für
- Anzeige,
- Trendaufzeichnung,
- Bestandsüberwachung,
- High-Alarm bei 85 %.
Separater HH-Schalter
Bei:
92 %
wird ein eigener Grenzstandschalter installiert.
Dieser Grenzschalter
ist nicht Bestandteil der analogen Füllstandmesskette.
Beim Ansprechen
wird:
HH → Befüllpumpe AUS + Zulaufventil ZU + Alarm
Der Zustand wird verriegelt
und muss nach Ursachenprüfung manuell quittiert werden.
Reservevolumen
Zwischen HH und maximal zulässigem Füllstand stehen:
500 l
zur Verfügung.
Maximaler Zulauf
150 l/min
Theoretische Reservezeit
500 / 150 = 3,33 min
Nun muss geprüft werden
ob:
Sensorreaktion + Logik + Pumpenabschaltung + Ventilschließzeit + Nachlauf
sicher innerhalb dieser Reserve bleiben.
Funktionsprüfung
Bei der Inbetriebnahme wird nicht nur der Kontakt des Grenzschalters geprüft.
Geprüft wird die gesamte Kette
Grenzstand → Schaltsignal → Logik → Pumpe AUS → Ventil ZU → Alarm
Ergebnis
Die kontinuierliche Messung liefert den komfortablen Prozesswert, während die separate HH-Erfassung eine eigenständige Schutzaufgabe übernimmt. Beide Funktionen ergänzen sich, statt dieselbe Messkette nur mehrfach auszuwerten.
Passende ICS-Produkte für kontinuierliche Messung und unabhängige Grenzstanderfassung
WIKA Typ FLS – Schwimmerschalter für die Prozessindustrie
Für eine separate Grenzstanderfassung führt ICS den:
Das Funktionsprinzip
Ein Schwimmer mit Permanentmagnet bewegt sich entlang eines Führungsrohres.
Im Rohr befindet sich ein:
Reed-Kontakt
der beim Erreichen des definierten Füllstands betätigt wird.
ICS nennt unter anderem
- vertikalen Einbau,
- potentialfreie Kontakte,
- mehrere mögliche Schaltpunkte,
- Schließer, Öffner oder Wechsler,
- Temperaturen je nach Ausführung bis +350 °C,
- Prozessdruck von Vakuum bis 40 bar,
- Grenzdichten ab 300 kg/m³,
- verschiedene Werkstoffe und Prozessanschlüsse,
- explosionsgeschützte Ausführungen.
Für Überfüllschutz besonders interessant
ist die Möglichkeit, einen physisch definierten:
MAX / HH-Schaltpunkt
unabhängig von der kontinuierlichen Messwertskalierung zu realisieren.
WHG-Anwendungen
Das auf der ICS-Seite verfügbare WIKA-Datenblatt führt für bestimmte FLS-S-Ausführungen eine DIBt-Zulassung für Überfüllsicherungen auf.
Für eine konkrete WHG-/AwSV-Anwendung muss die exakte zulässige Gerätekonfiguration geprüft werden.
Siemens SITRANS LVL200 – Vibrations-Grenzstandschalter
Eine weitere bei ICS gelistete Lösung ist der:
ICS beschreibt ihn als
Vibrations-Grenzstandschalter für Flüssigkeiten und Schlämme zur:
- Überlaufüberwachung,
- Trockenlaufüberwachung,
- Vollmeldung,
- Leermeldung,
- Pumpenüberwachung.
Besonders interessant für Schutzfunktionen sind
- Testfunktion einschließlich Remoteoptionen,
- Fehlerüberwachung auf Korrosion,
- Überwachung des Schwingungsausfalls,
- Überwachung auf Leitungsbruch zum Piezoantrieb,
- verschiedene Ausgangsvarianten.
ICS nennt als Prozessbereiche
-196 … +450 °C
und:
-1 … 160 bar g
Je nach Ausführung
sind zusätzlich sicherheitsgerichtete Zulassungen beziehungsweise Optionen verfügbar.
WIKA Typ FLM-CA – kontinuierliche Füllstandmessung
Für die kontinuierliche Prozessmessung führt ICS den:
Das Gerät dient
zur hochgenauen kontinuierlichen Füllstanderfassung von Flüssigkeiten nach dem:
magnetostriktiven Messprinzip
ICS nennt
- 4 … 20 mA nach NAMUR NE43,
- optional HART® Version 6,
- Gleitrohrlängen von 100 mm bis 3 m,
- Temperaturbereich -40 … +250 °C,
- Druckbereich Vakuum bis 40 bar,
- Grenzdichte ≥ 580 kg/m³,
- optional explosionsgeschützte Ausführung.
Typische Aufgabenteilung
FLM-CA → kontinuierlicher Prozesswert
FLS oder LVL200 → separater Grenzstand
Siemens SITRANS LR100 Baureihe – berührungslose Radar-Füllstandmessung
Für berührungslose kontinuierliche Messung ist bei ICS außerdem die:
gelistet.
Die Baureihe arbeitet mit
80-GHz-Radar
ICS nennt unter anderem
- schmalen Öffnungswinkel,
- Messung von Flüssigkeiten und Schüttgütern,
- Bluetooth® zur Inbetriebnahme,
- HART beziehungsweise je nach Ausführung Modbus RTU,
- Messbereiche je nach Variante bis 30 m.
Für die hier beschriebene Architektur
könnte beispielsweise:
SITRANS LR100 → kontinuierliche Messung
mit:
FLS oder SITRANS LVL200 → separater HH-Grenzstand
kombiniert werden.
Welche Lösung passt?
| Aufgabe | Passende ICS-Lösung |
|---|---|
| Kontinuierlicher Füllstand von Flüssigkeiten mit Schwimmerprinzip | WIKA FLM-CA |
| Berührungslose kontinuierliche Füllstandmessung | Siemens SITRANS LR100 Baureihe |
| Separater MAX-/HH-Schaltpunkt mit Schwimmer | WIKA FLS |
| Separater Grenzstand über Vibrationsprinzip | Siemens SITRANS LVL200 |
| Anwendung mit WHG-/AwSV-Anforderung | Nur exakt zugelassene Geräte- und Systemkonfiguration nach Prüfung der Zulassungsunterlagen einsetzen |
| Sicherheitsgerichtete Überfüllabschaltung | Sensor, Logik, Aktor und erforderliche Sicherheitsintegrität als Gesamtsystem bewerten |
Eine Übersicht aller Lösungen finden Sie unter Füllstandmesstechnik bei ICS Schneider.
Fazit
Eine kontinuierliche Füllstandmessung und eine Überfüllsicherung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Die kontinuierliche Messung liefert den Prozesswert
Sie zeigt beispielsweise:
Füllstand = 73,4 %
und kann für:
- Anzeige,
- Regelung,
- Trend,
- Bestandsüberwachung
verwendet werden.
Die unabhängige Grenzstanderfassung überwacht einen kritischen Punkt
Sie entscheidet beispielsweise:
HH erreicht → Befüllung stoppen
Ein zweiter Softwaregrenzwert ist nicht automatisch eine zweite Schutzebene
Wenn High und High-High aus demselben Sensor und demselben 4–20-mA-Signal gebildet werden, bleiben viele gemeinsame Fehlerursachen bestehen.
Ein separater Grenzschalter reduziert diese Abhängigkeit
besonders dann, wenn auch:
- Signalweg,
- Auswertung,
- Versorgung,
- Abschaltlogik
entsprechend der geforderten Schutzfunktion betrachtet werden.
Der HH-Schaltpunkt braucht Reserve
Er muss tief genug liegen, damit nach dem Ansprechen noch ausreichend Zeit und Volumen für:
- Signalverarbeitung,
- Pumpenabschaltung,
- Ventilschließung,
- Nachlauf
vorhanden sind.
Fail-Safe betrifft die komplette Kette
Nicht nur der Sensor, sondern:
Sensor → Leitung → Logik → Aktor
muss betrachtet werden.
Auch eine zugelassene Komponente ist noch keine komplette zugelassene Überfüllsicherung
Bei WHG-/AwSV- oder SIL-Anforderungen sind die konkrete Gerätevariante, Zulassung und Systemarchitektur entscheidend.
Für die Praxis gilt deshalb
Normalen Füllbereich definieren → maximal zulässigen Füllstand festlegen → High und High-High getrennt planen → maximalen Zulauf und Nachlauf bestimmen → kontinuierliches Messprinzip auswählen → separaten Grenzschalter auslegen → gemeinsame Fehlerursachen prüfen → Montageposition festlegen → Fail-Safe-Konzept definieren → Signalweg und Logik festlegen → Abschaltelement bewerten → Zulassungen prüfen → tatsächlichen HH-Schaltpunkt bei der Inbetriebnahme kontrollieren → gesamte Abschaltkette funktional testen → Proof-Test- und Wartungsintervalle dokumentieren.
FAQ: Überfüllsicherung unabhängig von der Füllstandmessung planen
Was ist eine Überfüllsicherung?
Eine Überfüllsicherung soll verhindern, dass ein Behälter über einen zulässigen Füllstand hinaus befüllt wird. Je nach Anwendung kann dies eine einfache betriebliche Schutzfunktion oder eine rechtlich beziehungsweise sicherheitstechnisch definierte Schutzfunktion sein.
Was ist der Unterschied zwischen Füllstandmessung und Grenzstanderfassung?
Eine kontinuierliche Füllstandmessung liefert fortlaufend den aktuellen Füllstand. Ein Grenzstandschalter erkennt dagegen nur das Erreichen eines definierten Schaltpunkts.
Was bedeutet High-High?
High-High beziehungsweise HH bezeichnet üblicherweise einen besonders hohen Füllstand, bei dessen Erreichen eine definierte Schutzaktion wie das Abschalten einer Pumpe oder Schließen eines Zulaufventils ausgelöst wird.
Ist ein High-Alarm dasselbe wie eine Überfüllsicherung?
Nicht zwangsläufig. Ein High-Alarm kann lediglich eine Warnung für das Bedienpersonal darstellen. Eine Überfüllschutzfunktion kann zusätzlich eine automatische Abschaltung erfordern.
Kann ich den High-High-Grenzwert aus meinem 4–20-mA-Füllstandsignal bilden?
Technisch ja. Dies kann betrieblich sinnvoll sein. Wenn jedoch eine unabhängige Schutzfunktion gefordert ist, muss geprüft werden, ob die gemeinsame Nutzung desselben Sensors, Signalwegs und Logiksystems ausreichend ist.
Warum ist ein zweiter SPS-Grenzwert keine vollständige Redundanz?
Weil beide Grenzwerte weiterhin vom selben Sensor und dessen Messsignal abhängig sind. Ein gemeinsamer Sensorfehler kann deshalb beide Grenzwertfunktionen gleichzeitig beeinflussen.
Warum sollte ein separater Grenzstandschalter eingesetzt werden?
Er ermöglicht eine vom kontinuierlichen Messwert getrennte Erfassung eines kritischen Füllstands und reduziert damit bestimmte gemeinsame Fehlerursachen.
Muss der Grenzschalter ein anderes Messprinzip verwenden?
Nicht zwingend. Ein anderes physikalisches Messprinzip kann jedoch helfen, bestimmte gemeinsame Fehlermechanismen zu reduzieren. Das Messprinzip muss trotzdem für Medium und Prozess geeignet sein.
Was ist ein Common-Cause-Fehler?
Damit wird eine gemeinsame Ursache bezeichnet, die mehrere eigentlich getrennte Komponenten oder Schutzpfade gleichzeitig beeinträchtigt.
Was wäre ein Beispiel für einen Common-Cause-Fehler?
Wenn kontinuierlicher Sensor und Grenzschalter aus derselben Spannungsversorgung gespeist werden und diese ausfällt, können beide Systeme gleichzeitig betroffen sein.
Wie wird der High-High-Schaltpunkt festgelegt?
Er muss so gewählt werden, dass zwischen Auslösung und maximal zulässigem Füllstand noch ausreichend Volumen und Reaktionszeit für die vollständige Abschaltung des Zulaufs zur Verfügung stehen.
Warum darf HH nicht direkt an der Tankoberkante liegen?
Weil nach der Auslösung weiterhin Medium nachströmen kann, bis Pumpen und Ventile tatsächlich reagieren.
Wie berechne ich die verfügbare Reservezeit?
Vereinfacht kann tReserve = ΔV / Qmax verwendet werden, wobei ΔV das verfügbare Restvolumen und Qmax der maximale Nettozulauf ist.
Was gehört zur Reaktionszeit?
Unter anderem Sensorreaktion, Signalverarbeitung, Logik, Ventilschließzeit, Pumpennachlauf und gegebenenfalls nachströmender Rohrleitungsinhalt.
Was bedeutet Fail-Safe bei einer Überfüllsicherung?
Die Schutzfunktion soll so ausgelegt sein, dass relevante Fehler möglichst in einen definierten sicheren beziehungsweise erkennbaren Zustand führen.
Ist ein Öffner automatisch Fail-Safe?
Nein. Die gesamte Signalkette einschließlich Versorgung, Auswertung und Aktor muss betrachtet werden.
Was ist das Ruhestromprinzip?
Dabei wird im Normalzustand beispielsweise ein Relais aktiv gehalten. Bei Auslösung oder bestimmten Fehlern fällt es ab. Ob dieses Prinzip geeignet ist, hängt von der konkreten Schaltung ab.
Sollte eine HH-Abschaltung automatisch zurückgesetzt werden?
Das hängt von der Risikobewertung ab. Bei kritischen Schutzfunktionen kann eine verriegelte Abschaltung mit bewusster manueller Quittierung sinnvoll sein.
Muss neben der Pumpe auch ein Ventil geschlossen werden?
Das hängt von der Anlage ab. Entscheidend ist, dass alle relevanten Zulaufwege zuverlässig unterbrochen werden.
Warum muss auch das Abschaltventil geprüft werden?
Weil ein korrekt ausgelöster Grenzstandsensor die Überfüllung nicht verhindert, wenn das Ventil mechanisch nicht schließt.
Was ist ein Proof Test?
Ein Proof Test ist eine wiederkehrende Funktionsprüfung einer Schutzfunktion, mit der gefährliche, im normalen Betrieb nicht erkennbare Fehler aufgedeckt werden sollen.
Sollte nur der Grenzschalter geprüft werden?
Für die Bewertung der gesamten Schutzfunktion sollte möglichst die komplette Kette vom Grenzstandsensor bis zur tatsächlichen Abschaltreaktion geprüft werden.
Was ist bei einer Wartungsüberbrückung zu beachten?
Ein aktiver Bypass muss eindeutig erkennbar, kontrolliert freigegeben und nach Abschluss der Arbeiten wieder entfernt werden. Anschließend sollte die Schutzfunktion erneut geprüft werden.
Kann die kontinuierliche Messung zur Plausibilitätsprüfung verwendet werden?
Ja. Widersprüche zwischen kontinuierlichem Messwert und binärem Grenzstandsignal können wertvolle Diagnoseinformationen liefern.
Welche Messprinzipien eignen sich für kontinuierliche Füllstandmessung?
Je nach Anwendung kommen unter anderem Radar, Ultraschall, hydrostatische Messung, magnetostriktive Schwimmersysteme, Reedketten oder geführte Mikrowelle infrage.
Welche Messprinzipien eignen sich für einen Grenzstand?
Je nach Medium beispielsweise Schwimmer, Vibrationsschalter, optoelektronische, kapazitive oder leitfähige Grenzstandsensoren.
Wann eignet sich ein Schwimmerschalter?
Schwimmerschalter sind besonders robuste Lösungen für Flüssigkeiten, wenn Dichte, Temperatur, Druck und mechanische Einbaubedingungen zum ausgewählten Schwimmer passen.
Warum ist die Dichte bei einem Schwimmerschalter wichtig?
Der Schwimmer muss auf dem jeweiligen Medium ausreichend Auftrieb erzeugen, damit der vorgesehene Schaltpunkt zuverlässig erreicht wird.
Was ist der WIKA FLS?
Der WIKA FLS ist ein bei ICS gelisteter Schwimmerschalter für industrielle Prozessanwendungen mit vertikalem Einbau.
Wie funktioniert der WIKA FLS?
Ein Schwimmer mit Permanentmagnet bewegt sich entlang eines Führungsrohres und betätigt darin befindliche Reed-Kontakte.
Welche Kontaktarten bietet der FLS?
Je nach Ausführung sind Schließer, Öffner oder Wechsler möglich.
Kann der WIKA FLS mehrere Schaltpunkte besitzen?
Ja. ICS führt den FLS auch mit mehreren definierbaren Schaltpunkten.
Kann der WIKA FLS als Überfüllsicherung eingesetzt werden?
Für bestimmte FLS-S-Ausführungen werden in den verfügbaren WIKA-Unterlagen entsprechende DIBt-Zulassungen aufgeführt. Für die konkrete Anwendung muss jedoch die exakt zugelassene Geräte- und Systemausführung geprüft werden.
Was ist der Siemens SITRANS LVL200?
Der SITRANS LVL200 ist ein Vibrations-Grenzstandschalter für Flüssigkeiten und Schlämme, den ICS unter anderem für Überlauf- und Trockenlaufschutz führt.
Welche Diagnosemöglichkeiten besitzt der SITRANS LVL200?
ICS nennt unter anderem eine Testfunktion einschließlich Remoteoptionen sowie Fehlerüberwachung auf Korrosion, Schwingungsausfall und Leitungsbruch zum Piezoantrieb.
Kann der SITRANS LVL200 für sicherheitsgerichtete Anwendungen eingesetzt werden?
ICS nennt entsprechende SIL-Optionen beziehungsweise sicherheitsgerichtete Einsatzmöglichkeiten. Die konkrete Geräteausführung und die Sicherheitsarchitektur der gesamten Anlage müssen jedoch separat geprüft werden.
Was ist der WIKA FLM-CA?
Der FLM-CA ist ein magnetostriktiver Füllstandtransmitter zur hochgenauen kontinuierlichen Füllstanderfassung von Flüssigkeiten.
Welches Ausgangssignal besitzt der FLM-CA?
ICS nennt 4 … 20 mA nach NAMUR NE43 und optional HART® Version 6.
Was ist die SITRANS LR100 Baureihe?
Die SITRANS LR100 Baureihe besteht aus kompakten 80-GHz-Radar-Füllstandtransmittern für die kontinuierliche Messung von Flüssigkeiten und Schüttgütern.
Kann ich SITRANS LR100 und einen separaten Grenzschalter kombinieren?
Ja. Beispielsweise kann das Radar den kontinuierlichen Prozesswert liefern, während ein separater Schwimmer- oder Vibrationsschalter einen definierten HH-Grenzstand überwacht.
Ist ein SIL-fähiger Sensor allein eine SIL-Schutzfunktion?
Nein. Sensor, Logik, Abschaltelement, Architektur und Prüfkonzept müssen gemeinsam bewertet werden.
Was muss bei WHG- beziehungsweise AwSV-Anwendungen beachtet werden?
Die konkret geltenden Anforderungen sowie die Zulassung der vollständigen vorgesehenen Überfüllsicherung müssen geprüft werden. Ein beliebiger industrieller Grenzschalter darf nicht automatisch als zugelassene Überfüllsicherung betrachtet werden.
Wo finde ich den WIKA FLS bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA FLS Schwimmerschalter bei ICS Schneider.
Wo finde ich den Siemens SITRANS LVL200 bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter Siemens SITRANS LVL200 bei ICS Schneider.
Wo finde ich den WIKA FLM-CA bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA FLM-CA bei ICS Schneider.
Wo finde ich die SITRANS LR100 Baureihe bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter Siemens SITRANS LR100 Baureihe bei ICS Schneider.
Wo finde ich weitere Füllstandlösungen bei ICS Schneider?
Eine Übersicht finden Sie unter Füllstandmesstechnik bei ICS Schneider.
