Geerdetes oder ungeerdetes Thermoelement: Ansprechzeit, Masseschleifen und elektrische Isolation abwägen

WIKA TC40 Thermoelement mit geerdeter und ungeerdeter Messstelle im Vergleich de
→ Produktkategorie: Temperaturmesstechnik

 

Ein Thermoelement Typ K sitzt direkt in einer metallischen Maschinenkomponente und soll schnelle Temperaturänderungen erfassen. Mit einer geerdeten Messstelle reagiert der Fühler schnell und zuverlässig. Nach dem Anschluss an eine SPS beginnt der Messwert jedoch zu schwanken oder verschiebt sich abhängig davon, welche weiteren Geräte an der Maschine eingeschaltet sind. Wird derselbe Aufbau mit einer ungeerdeten Messstelle verwendet, verschwinden die Störungen – dafür reagiert die Temperaturanzeige etwas träger.

Die Ursache liegt im inneren Aufbau des Thermoelements. Bei einer geerdeten Messstelle ist die eigentliche Verbindungsstelle der beiden Thermodrähte elektrisch mit dem metallischen Fühlermantel verbunden. Dadurch kann die Wärme sehr direkt zur Messstelle gelangen. Gleichzeitig besteht jedoch eine elektrische Verbindung zwischen Thermoelement und Prozess beziehungsweise Maschinenmasse. Bei einer ungeerdeten Ausführung befindet sich die Messstelle elektrisch isoliert innerhalb des Mantels. Dadurch verbessert sich die elektrische Entkopplung, der zusätzliche thermische Übergang kann jedoch die Ansprechzeit verlängern.

Welche Ausführung besser geeignet ist, hängt deshalb nicht allein von der gewünschten Temperaturgenauigkeit ab. Prozessdynamik, Sensordurchmesser, Einbau, Wärmeübergang, Potentialunterschiede, EMV-Umgebung, Eingangsschaltung und galvanische Trennung der Signalaufbereitung beeinflussen das Gesamtergebnis. Ein geerdetes Thermoelement kann in einer sauber aufgebauten Messkette hervorragend funktionieren, während dieselbe Ausführung in einer komplex geerdeten Maschine erhebliche Störungen verursachen kann.

Die Entscheidung zwischen geerdeter und ungeerdeter Messstelle ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen möglichst direktem Wärmeübergang und möglichst guter elektrischer Entkopplung. Entscheidend ist nicht nur der Fühler, sondern die komplette Messkette vom Prozess bis zum Auswertegerät.

Wie funktioniert die Messstelle eines Thermoelements?

Ein Thermoelement besteht aus zwei Leitern unterschiedlicher Metalllegierungen. Werden diese an der Messstelle miteinander verbunden, entsteht eine temperaturabhängige Thermospannung. Für die Temperaturbestimmung wird diese sehr kleine Spannung zusammen mit der Temperatur der Vergleichsstelle beziehungsweise Kaltstelle ausgewertet.

Bei industriellen Mantelthermoelementen befinden sich die Thermodrähte häufig innerhalb eines metallischen Mantels und sind durch verdichtetes mineralisches Isoliermaterial voneinander beziehungsweise vom Mantel getrennt. An der eigentlichen Messspitze müssen die beiden Thermodrähte jedoch miteinander verbunden werden. Genau an dieser Stelle entstehen die unterschiedlichen Ausführungen „geerdet“ und „ungeerdet“.

Der Unterschied betrifft also nicht den Thermoelementtyp selbst. Ein Typ-K-Thermoelement kann sowohl mit geerdeter als auch mit ungeerdeter Messstelle aufgebaut sein. Werkstoffpaarung, Kennlinie und grundsätzliche Thermoelementfunktion bleiben gleich. Verändert werden vor allem der thermische Kontakt zum Mantel und die elektrische Verbindung zum Prozess.

Was ist ein geerdetes Thermoelement?

Bei einer geerdeten Messstelle – häufig auch als grounded junction bezeichnet – ist die Verbindung der beiden Thermodrähte mit dem metallischen Boden beziehungsweise Mantel der Fühlerspitze verschweißt. Messstelle und Fühlermantel liegen damit elektrisch auf demselben Potential.

Thermisch ist diese Konstruktion vorteilhaft, weil zwischen Fühlermantel und Messstelle nur ein sehr kurzer Wärmeweg liegt. Temperaturänderungen am Mantel können dadurch schnell auf das Thermopaar übertragen werden. Besonders bei kleinen Manteldurchmessern und gutem Wärmeübergang kann damit eine sehr schnelle Messung erreicht werden.

Elektrisch entsteht jedoch gleichzeitig eine Verbindung zum Prozess. Ist der metallische Mantel beispielsweise in ein geerdetes Maschinengehäuse eingeschraubt, liegt auch die Thermoelement-Messstelle auf diesem Potential. Wird die Signalseite an einer anderen Stelle ebenfalls geerdet, kann ein zusätzlicher Strompfad entstehen.

Was ist ein ungeerdetes Thermoelement?

Bei einer ungeerdeten beziehungsweise ungrounded Messstelle sind die miteinander verschweißten Thermodrähte elektrisch vom metallischen Mantel isoliert. Zwischen Messstelle und Außenmantel befindet sich weiterhin das Isoliermaterial der Mantelleitung. Dadurch besitzt das Thermoelement eine deutlich bessere elektrische Trennung gegenüber dem Prozess.

Der Vorteil zeigt sich insbesondere in Anlagen mit Potentialunterschieden, Frequenzumrichtern, Motoren, Heizungen, mehreren Erdungspunkten oder empfindlichen Messverstärkern. Prozessseitige Störspannungen können nicht so unmittelbar über den Fühlermantel in den Thermoelementkreis gelangen.

Der zusätzliche Isolationsweg bildet allerdings auch einen zusätzlichen thermischen Widerstand. Die Messstelle folgt der Temperatur des Außenmantels deshalb häufig etwas langsamer. Wie groß dieser Unterschied tatsächlich ist, hängt stark vom konkreten Sensordesign ab.

Geerdet und ungeerdet im direkten Vergleich

Kriterium Geerdete Messstelle Ungeerdete Messstelle
Elektrische Verbindung zum Mantel Ja Nein
Wärmeübergang zur Messstelle Sehr direkt Über zusätzliche Isolationsschicht
Ansprechzeit Häufig schneller Häufig etwas langsamer
Elektrische Entkopplung vom Prozess Gering Deutlich besser
Risiko für Masseschleifen Höher Geringer
Typische Anwendung Schnelle Temperaturänderungen bei elektrisch unkritischer Installation EMV-kritische Anlagen und Messstellen mit möglichen Potentialunterschieden

Die Tabelle beschreibt die grundsätzliche Tendenz, ersetzt jedoch keine Betrachtung des konkreten Sensors. Ein dünnes ungeerdetes Mantelthermoelement kann beispielsweise schneller reagieren als ein wesentlich massiverer geerdeter Fühler. Für die tatsächliche Ansprechzeit sind deshalb Sensordurchmesser, Mantelwerkstoff, Konstruktion und Einbausituation mindestens ebenso wichtig.

Warum reagiert die geerdete Messstelle häufig schneller?

Temperatur wird nicht unmittelbar „gemessen“, sobald der Prozess seine Temperatur verändert. Die Wärme muss zunächst vom Medium beziehungsweise vom Bauteil bis zur eigentlichen Messstelle des Thermoelements gelangen. Jeder thermische Übergang benötigt Zeit.

Bei einer geerdeten Messstelle befindet sich das Thermopaar in direktem thermischen Kontakt mit der Fühlerspitze. Bei einer ungeerdeten Ausführung liegt zwischen Metallmantel und Messstelle zusätzlich elektrisch isolierendes Material. Dadurch kann der Wärmestrom etwas stärker gedämpft werden.

Wie schnell ein Thermoelement in der Praxis reagiert, wird jedoch durch mehrere Faktoren gemeinsam bestimmt:

  • Manteldurchmesser: Kleine Durchmesser besitzen weniger thermische Masse und reagieren in der Regel schneller.
  • Einbau und Eintauchtiefe: Eine unzureichend eingetauchte Messspitze kann stärker von der Umgebungstemperatur beziehungsweise Wärmeableitung beeinflusst werden.
  • Medium und Strömung: Strömende Flüssigkeiten und Gase übertragen Wärme anders als ruhende Medien oder massive Bauteile.
  • Schutzrohr: Ein zusätzliches Schutzrohr erhöht die thermische Masse und kann die Reaktionszeit deutlich verlängern.
  • Kontakt zur Messfläche: Bei Oberflächen- und Maschinenmessungen bestimmt die Qualität des mechanischen Kontakts wesentlich den Wärmeübergang.

Deshalb sollte eine geerdete Messstelle nicht allein mit dem Argument „schneller“ ausgewählt werden. Wenn der Sensor anschließend in einem massiven Schutzrohr steckt, kann der Unterschied zwischen geerdeter und ungeerdeter Messstelle gegenüber dem Einfluss des Schutzrohres praktisch in den Hintergrund treten.

Wie entstehen Masseschleifen bei Thermoelementen?

Thermoelemente erzeugen nur sehr kleine elektrische Signale. Bereits vergleichsweise geringe Störspannungen können deshalb einen sichtbaren Einfluss auf die Temperaturanzeige haben. Besonders problematisch sind ungewollte elektrische Verbindungen zwischen Messstelle, Maschine, Schaltschrank und Auswertegerät.

Ein typischer Fall entsteht, wenn ein geerdetes Thermoelement in ein metallisches Maschinengehäuse eingeschraubt ist. Über die geerdete Messstelle besteht eine elektrische Verbindung zwischen Thermopaar und Maschinenmasse. Ist der Eingang des Messgeräts beziehungsweise der SPS an einer anderen Stelle ebenfalls mit Erde oder Masse verbunden, kann sich ein geschlossener Strompfad bilden.

Fließen über diesen Pfad Ausgleichs- oder Störströme, überlagern sie das eigentliche Thermoelementsignal. Der Messwert kann dadurch springen, langsam wandern oder sich verändern, sobald Motoren, Heizungen, Frequenzumrichter oder andere elektrische Verbraucher eingeschaltet werden. Solche Symptome werden häufig fälschlicherweise als defekter Temperaturfühler interpretiert.

Welche Rolle spielt die galvanische Trennung?

Eine geerdete Messstelle führt nicht zwangsläufig zu einer fehlerhaften Messung. Entscheidend ist, wie der Eingang des nachgeschalteten Temperaturtransmitters oder Messgerätes aufgebaut ist. Ein galvanisch isolierter Eingang kann verhindern, dass sich über den Signalweg eine problematische Masseschleife schließt.

Messkette Bewertung Typische Folge
Geerdetes Thermoelement + nicht isolierter Eingang + unterschiedliche Erdpotentiale Kritisch Masseschleifen und Störeinflüsse möglich
Geerdetes Thermoelement + galvanisch isolierter Messumformer Deutlich günstiger Schnelle Messstelle kann trotz Prozesskontakt störungsarm arbeiten
Ungeerdetes Thermoelement + geeigneter Eingang Sehr gute elektrische Entkopplung Geringeres Risiko für prozessseitige Störungen
Ungeerdetes Thermoelement + fehlerhafte Schirm- oder Leitungsführung Trotzdem störanfällig möglich Isolation der Messstelle allein löst nicht jedes EMV-Problem

Damit wird deutlich, warum die Auswahl nicht am Sensor enden darf. Ein ungeerdetes Thermoelement ist kein Ersatz für einen sauberen Signalweg, und ein geerdetes Thermoelement ist nicht automatisch ungeeignet für industrielle Anlagen. Entscheidend ist die elektrische Architektur der gesamten Messkette.

Warum der Einbau häufig wichtiger ist als die Messstellenart

In vielen Anwendungen entstehen wesentlich größere Temperaturfehler durch den Einbau als durch die Wahl zwischen geerdeter und ungeerdeter Messstelle. Ein zu kurzer Fühler, schlechte Wärmeankopplung, starke Wärmeableitung über den Schaft oder eine ungünstige Position innerhalb einer Rohrleitung können den Messwert deutlich stärker beeinflussen.

Besonders bei Rohrleitungen sollte die Messspitze ausreichend in den relevanten Temperaturbereich hineinragen. Bei Messungen an Maschinenoberflächen muss ein reproduzierbarer Kontakt zum Bauteil vorhanden sein. Befindet sich zusätzlich ein Schutzrohr zwischen Medium und Thermoelement, bestimmen dessen Werkstoff, Wandstärke und Geometrie einen großen Teil des dynamischen Verhaltens.

Auch die Leitung zwischen Sensor und Auswertung gehört zur Messkette. Thermoelemente dürfen nicht beliebig mit normalen Kupferleitungen verlängert werden. Passende Thermo- beziehungsweise Ausgleichsleitungen, korrekte Polarität und eine saubere Vergleichsstellenkompensation sind notwendig, damit die elektrische Entkopplung des Sensors nicht durch Fehler an anderer Stelle zunichtegemacht wird.

Störende Temperaturmessung systematisch diagnostizieren

Schwankt eine Thermoelementmessung oder verändert sich der Wert abhängig vom Betriebszustand der Maschine, sollte zunächst geklärt werden, ob das Problem thermischer oder elektrischer Natur ist. Besonders verdächtig für eine elektrische Ursache ist ein Messwert, der sich beim Schalten von Motoren, Frequenzumrichtern, Heizungen oder anderen leistungsstarken Verbrauchern verändert, obwohl sich die tatsächliche Prozesstemperatur nicht entsprechend ändern kann.

Beobachtung Mögliche Ursache Prüfung
Messwert ändert sich beim Einschalten eines Motors EMV-Einkopplung oder Masseschleife Erdung, Eingangstrennung und Leitungsführung prüfen
Geerdeter Fühler störanfällig, ungeerdeter Fühler stabil Potentialunterschied über Prozessmasse wahrscheinlich Signalweg und galvanische Trennung untersuchen
Messwert stabil, aber deutlich zu langsam Thermischer Aufbau beziehungsweise Einbau Fühlerdurchmesser, Schutzrohr und Wärmeübergang prüfen
Abweichung konstant und unabhängig vom Maschinenbetrieb Anschluss-, Kaltstellen- oder Kalibrierfehler möglich Thermoelementtyp, Polarität und Vergleichsstelle kontrollieren

Bei einer systematischen Diagnose kann zusätzlich der elektrische Widerstand zwischen Fühlermantel und Thermoelementkreis geprüft werden. Bei einer geerdeten Messstelle besteht konstruktiv eine elektrische Verbindung. Bei einer ungeerdeten Messstelle sollte dagegen eine ausreichende Isolation vorhanden sein. Dabei müssen jedoch die Herstellerangaben, Prüfspannung und zulässige Messmethode berücksichtigt werden.

Praxisbeispiel: Thermoelement an einer geerdeten Maschine

An einem beheizten Maschinenblock soll eine schnelle Temperaturänderung während eines Produktionszyklus erfasst werden. Zunächst wird ein geerdetes Mantelthermoelement verwendet. Die Messspitze besitzt einen kleinen Durchmesser und reagiert sehr schnell auf Änderungen der Bauteiltemperatur. Im Stillstand liefert die Messstelle plausible und stabile Werte.

Sobald der Frequenzumrichter des Hauptantriebs aktiviert wird, beginnt die Anzeige jedoch um mehrere Grad zu schwanken. Die tatsächliche Bauteiltemperatur kann sich in dieser Geschwindigkeit nicht verändern. Der Fühlermantel besitzt über die Montage eine elektrische Verbindung zum Maschinenkörper, während der Eingang der Auswertung an einem weiteren Massepunkt referenziert ist.

Wird testweise ein baugleiches Thermoelement mit ungeerdeter Messstelle eingesetzt und verschwindet die Störung, deutet dies stark auf ein elektrisches Problem der Messkette hin. Die Lösung muss jedoch nicht zwangsläufig darin bestehen, dauerhaft den langsameren Fühler einzusetzen. Alternativ kann geprüft werden, ob ein galvanisch isolierter Temperaturtransmitter beziehungsweise eine geeignete Eingangstrennung die schnelle geerdete Messstelle weiterhin ermöglicht.

Das Beispiel zeigt: Geerdet oder ungeerdet ist keine reine Sensorentscheidung. Die optimale Lösung ergibt sich erst aus der Kombination von gewünschter Dynamik, Einbausituation und elektrischer Signalarchitektur.

Welche Ausführung sollte gewählt werden?

Für schnelle, dynamische Prozesse kann eine geerdete Messstelle vorteilhaft sein, wenn die elektrische Installation eindeutig beherrscht wird. Das gilt beispielsweise für kompakte Maschinenmessstellen mit kurzen Signalwegen, galvanisch isolierter Auswertung und gut definiertem Potentialausgleich.

Bei großen Anlagen, langen Leitungswegen, mehreren Erdungspunkten, Frequenzumrichtern oder unbekannten Potentialunterschieden ist eine ungeerdete Messstelle häufig die robustere Ausgangsbasis. Sie reduziert die direkte elektrische Kopplung zwischen Prozess und Thermoelementsignal.

  1. Erforderliche Dynamik bestimmen: Wie schnell muss eine reale Temperaturänderung erkannt werden?
  2. Einbau berücksichtigen: Manteldurchmesser, Eintauchtiefe und Schutzrohr können die Ansprechzeit stärker beeinflussen als die Messstellenart.
  3. Elektrisches Umfeld prüfen: Motoren, Umrichter, Heizungen und mehrere Erdpotentiale erhöhen das Risiko von Störungen.
  4. Eingangsschaltung bewerten: Prüfen, ob SPS, Messgerät oder Temperaturtransmitter galvanisch isolierte Eingänge besitzt.
  5. Gesamte Messkette betrachten: Thermoleitung, Schirmung, Kaltstellenkompensation und Erdung müssen zur gewählten Ausführung passen.

Häufige Fehler

  • Geerdet grundsätzlich als besser einstufen: Die schnellere thermische Kopplung kann durch elektrische Störungen erkauft werden.
  • Ungeerdet automatisch mit langsamer Messung gleichsetzen: Ein dünnes, ungeerdetes Mantelthermoelement kann trotzdem sehr schnell reagieren.
  • Nur den Sensor betrachten: Schutzrohr, Einbau und Signalaufbereitung beeinflussen das Ergebnis oft stärker als die Messstellenart.
  • Masseschleifen mit Sensorfehlern verwechseln: Betriebsabhängige Sprünge oder Schwankungen können aus der elektrischen Installation stammen.
  • Galvanische Trennung nicht berücksichtigen: Ein geeigneter isolierter Messumformer kann eine geerdete Messstelle auch in anspruchsvollen Anlagen nutzbar machen.
  • Schirmung und Erdung beliebig ausführen: Mehrere unkontrollierte Erdungspunkte können neue Strompfade und Störungen erzeugen.
  • Ansprechzeit nur über „grounded/ungrounded“ auswählen: Sensordurchmesser und Wärmeübergang müssen immer mit betrachtet werden.

Thermoelemente für industrielle Temperaturmessungen

Für industrielle Temperaturmessungen stehen Thermoelemente in zahlreichen Bauformen zur Verfügung. Mantelthermoelemente eignen sich besonders für Anwendungen, in denen kleine Sensordurchmesser, mechanische Robustheit und hohe Temperaturbeständigkeit gefordert sind. Abhängig von der Ausführung kann die Messstelle geerdet oder elektrisch vom Mantel isoliert ausgeführt werden.

Für Anwendungen mit schnellen Temperaturänderungen sollte neben der Messstellenart besonders auf Manteldurchmesser, Einbaulänge und thermische Ankopplung geachtet werden. Bei elektrisch anspruchsvollen Anlagen sind zusätzlich Isolation, Leitungsführung und Eingangsschaltung entscheidend. Wird ein Temperaturtransmitter verwendet, kann eine galvanische Signaltrennung die Störsicherheit der gesamten Messkette deutlich verbessern.

Passende Thermoelemente, Mantelfühler, Schutzrohre und weitere Komponenten finden Sie unter Temperaturmesstechnik bei ICS Schneider. Eine gezielte Auswahl von Thermoelementen finden Sie außerdem in der Kategorie Thermoelemente.

Fazit

Bei einem geerdeten Thermoelement ist die Messstelle elektrisch mit dem metallischen Fühlermantel verbunden. Dadurch entsteht ein besonders direkter Wärmeweg, weshalb diese Ausführung häufig eine kurze Ansprechzeit ermöglicht. Gleichzeitig besteht eine elektrische Verbindung zum Prozess, die in ungünstigen Anlagenkonfigurationen Masseschleifen und Störeinkopplungen begünstigen kann.

Eine ungeerdete Messstelle trennt das Thermopaar elektrisch vom Mantel und damit besser vom Prozesspotential. Das reduziert das Risiko von Erdschleifen und kann in EMV-kritischen Anlagen deutliche Vorteile bieten. Der zusätzliche thermische Übergang kann die Reaktion jedoch etwas verlangsamen.

Die praktische Ansprechzeit hängt allerdings nicht nur von dieser Entscheidung ab. Manteldurchmesser, Schutzrohr, Eintauchtiefe, Strömung und Kontakt zur Messstelle können einen mindestens ebenso großen Einfluss haben. Ebenso entscheidet auf der elektrischen Seite nicht allein die Messstelle über die Störsicherheit: galvanische Eingangstrennung, Leitung, Schirmung und Erdung gehören zur gleichen Messkette.

Für die Auswahl gilt deshalb: Geerdet ist sinnvoll, wenn maximale Dynamik gefordert und die elektrische Messkette beherrscht wird. Ungeerdet ist häufig vorteilhaft, wenn elektrische Entkopplung und Störsicherheit wichtiger sind. Die beste Lösung ergibt sich aus dem Gesamtsystem und nicht aus der Messstellenart allein.

FAQ: Geerdete und ungeerdete Thermoelemente

Was ist der Unterschied zwischen einem geerdeten und einem ungeerdeten Thermoelement?

Bei einer geerdeten Messstelle ist das Thermopaar elektrisch mit dem metallischen Fühlermantel verbunden. Bei einer ungeerdeten Messstelle ist die Verbindungsstelle der Thermodrähte elektrisch vom Mantel isoliert.

Welches Thermoelement reagiert schneller?

Bei vergleichbarem Aufbau reagiert eine geerdete Messstelle häufig schneller, weil die Wärme direkter vom Fühlermantel zur Messstelle übertragen wird. Die tatsächliche Ansprechzeit hängt jedoch zusätzlich stark von Sensordurchmesser, Einbau und Wärmeübergang ab.

Warum kann ein geerdetes Thermoelement Messstörungen verursachen?

Über die metallische Verbindung zwischen Thermopaar und Prozess kann ein zusätzlicher Erd- beziehungsweise Massepfad entstehen. Bei mehreren Erdungspunkten oder Potentialunterschieden können dadurch Störströme das kleine Thermoelementsignal beeinflussen.

Verhindert ein ungeerdetes Thermoelement alle EMV-Probleme?

Nein. Die elektrische Entkopplung zum Mantel reduziert einen wichtigen Störpfad, ersetzt aber keine korrekte Leitungsführung, Schirmung, Kaltstellenkompensation und geeignete Eingangsschaltung.

Kann ein geerdetes Thermoelement mit einem galvanisch isolierten Transmitter verwendet werden?

Ja. Eine galvanisch getrennte Signalaufbereitung kann verhindern, dass sich über den Messkreis eine problematische Masseschleife schließt. Dadurch lässt sich in vielen Anwendungen die schnelle geerdete Messstelle mit einer störsicheren Signalübertragung kombinieren.

Ist ein ungeerdetes Thermoelement immer deutlich langsamer?

Nein. Der Unterschied hängt vom Sensoraufbau ab. Ein kleiner Manteldurchmesser und eine gute thermische Kopplung können auch bei einer ungeerdeten Messstelle sehr kurze Ansprechzeiten ermöglichen.

Welche Ausführung ist für Anlagen mit Frequenzumrichtern besser?

Bei Anlagen mit starken elektrischen Störquellen und mehreren Massepotentialen ist eine ungeerdete Messstelle häufig eine robuste Wahl. Alternativ kann eine geerdete Messstelle mit geeigneter galvanisch isolierter Signalaufbereitung eingesetzt werden.

Kann ein Schutzrohr den Vorteil einer geerdeten Messstelle zunichtemachen?

Ein massives Schutzrohr kann die thermische Reaktion der gesamten Messstelle deutlich verlangsamen. In solchen Fällen kann der Unterschied zwischen geerdeter und ungeerdeter Thermoelementspitze wesentlich kleiner sein als der Einfluss des Schutzrohres selbst.

Wie erkennt man, ob ein Thermoelement geerdet oder ungeerdet ist?

Die Ausführung ist in der Gerätespezifikation beziehungsweise Herstellerdokumentation angegeben. Zusätzlich kann bei geeigneten Sensoren der elektrische Widerstand beziehungsweise die Isolation zwischen Thermoelementkreis und metallischem Mantel geprüft werden.

Welche Thermoelementausführung sollte für Maschinenbau gewählt werden?

Das hängt von der Anwendung ab. Für sehr schnelle Temperaturänderungen und elektrisch gut kontrollierte Messketten kann eine geerdete Ausführung vorteilhaft sein. Bei möglichen Potentialunterschieden oder hoher Störbelastung ist eine ungeerdete Messstelle häufig die sicherere Wahl.

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