Hydrauliköl-Probenahme mit MINIMESS: Ölzustand und Verschleiß erkennen

Hydrauliköl Probenahme mit MINIMESS Messkupplung zur Bewertung von Ölzustand, Partikeln und Verschleiß
→ Produktkategorie: MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche

 

Der Zustand des Hydrauliköls beeinflusst unmittelbar die Zuverlässigkeit von Pumpen, Ventilen, Zylindern und Servokomponenten. Feststoffpartikel können enge Steuerkanten beschädigen, Wasser kann Korrosion und Ölalterung begünstigen, und metallische Verschleißpartikel können auf beginnende Schäden hinweisen.

Eine Laboranalyse oder Partikelzählung ist jedoch nur so aussagekräftig wie die entnommene Ölprobe. Wird die Probe aus einer verschmutzten Auffangschale, über die Tanköffnung oder aus einem ungeklärten Totraum entnommen, beschreibt das Ergebnis möglicherweise nicht den tatsächlichen Zustand des umlaufenden Hydrauliköls.

Ein fest installierter MINIMESS®-Messpunkt ermöglicht eine wiederholbare Probenahme aus einem definierten Bereich des Hydraulikkreises. Die Anlage muss dafür in der Regel nicht geöffnet werden. Entscheidend bleiben jedoch die Wahl des Probenahmepunktes, das Spülen von Kupplung und Schlauch, ein sauberer Probenbehälter sowie eine konsequente Dokumentation der Betriebsbedingungen.

Inhaltsverzeichnis

Warum ist eine repräsentative Ölprobe wichtig?

Eine Ölprobe ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Fluidvolumen einer Hydraulikanlage. Trotzdem soll sie den Zustand von mehreren zehn oder mehreren hundert Litern Hydrauliköl abbilden.

Damit dies gelingt, muss die Probe möglichst dieselbe Zusammensetzung besitzen wie das Öl, das während des normalen Betriebs durch Pumpen, Ventile und Aktoren fließt. Das betrifft insbesondere:

  • Feststoffpartikel,
  • metallischen Verschleißabrieb,
  • Wasser und andere Flüssigkeiten,
  • Ölalterungsprodukte,
  • Additive und mögliche Fremdöle.

In einer stillstehenden Anlage können sich schwere Partikel am Tankboden absetzen, während leichtere Verunreinigungen an der Oberfläche verbleiben. Eine Probe unmittelbar nach einer langen Stillstandszeit kann deshalb deutlich von einer Probe unter normaler Last abweichen.

Auch der Entnahmeort beeinflusst das Ergebnis. Eine Probe hinter einem Feinfilter beschreibt eher die Ölreinheit, mit der empfindliche Komponenten versorgt werden. Eine Probe vor dem Filter kann dagegen zeigen, welche Partikel aus der Anlage zurückkommen und welche Belastung der Filter aufnehmen muss.

Vor der Einrichtung eines Probenahmeprogramms muss deshalb festgelegt werden, welche technische Frage mit der Analyse beantwortet werden soll.

Welche Informationen liefert eine Hydraulikölanalyse?

Analysewert Mögliche Aussage Wichtiger Hinweis
Partikelzahl / Reinheitsklasse Belastung durch feste Verunreinigungen Ergebnis reagiert besonders empfindlich auf verschmutzte Flaschen und Entnahmeschläuche
Wassergehalt Feuchtigkeitseintrag, Kondensation, Kühlerleckage oder Dichtungsproblem Lösliches und freies Wasser müssen unterschieden werden
Viskosität Ölalterung, Vermischung oder thermische Schädigung Mit Sollwert und Frischöl vergleichen
Säurezahl und Oxidation Chemische Alterung des Öls Grenzwerte hängen vom Öltyp und Hersteller ab
Elementanalyse Feinste Verschleißmetalle, Additive und Fremdstoffe Große Verschleißpartikel werden nicht von jeder Methode vollständig erfasst
Patch- oder Mikroskopie Form, Farbe und Art der Partikel Kann metallischen Abrieb, Fasern, Rost und Dichtungsreste unterscheiden helfen
Geruch und Aussehen Erste Hinweise auf Überhitzung, Fremdöl oder starke Verunreinigung Ersetzt keine quantitative Analyse

Eine einzelne Prüfmethode kann nicht jeden Fehler erkennen. Für eine umfassende Zustandsbewertung werden daher häufig Partikelzählung, Wasserbestimmung, Viskositätsmessung und Verschleißanalyse kombiniert.

Den richtigen Probenahmepunkt auswählen

Der beste Probenahmepunkt hängt von der Diagnoseaufgabe ab. Idealerweise befindet er sich in einer durchströmten Leitung, in der das Öl und die enthaltenen Partikel ausreichend vermischt sind.

Probenahmepunkt Geeignet für Mögliche Einschränkung
Druckleitung hinter der Pumpe Pumpenzustand und Ölreinheit im Druckkreis Hoher Druck erfordert eine kontrollierte Druckreduzierung bei der Entnahme
Hinter dem Druckfilter Reinheit des Öls, das empfindliche Komponenten erreicht Verschleißpartikel vor dem Filter werden nicht vollständig abgebildet
Rücklaufleitung vor dem Filter Gesamtverschleiß aus Ventilen, Zylindern und Verbrauchern Ergebnis kann von einzelnen Betriebsbewegungen abhängen
Direkt hinter einer verdächtigen Komponente Gezielte Ursachenanalyse Beschreibt nicht automatisch den Zustand der gesamten Anlage
Rücklauf hinter dem Filter Filterwirkung und Rücklaufreinheit Für die Erkennung des erzeugten Verschleißes weniger geeignet
Tank oder Ablassstelle Tankablagerungen, freies Wasser oder allgemeine Reservoirkontrolle Häufig nicht repräsentativ für das umlaufende Öl

Für regelmäßige Trendanalysen sollte immer derselbe Probenahmepunkt verwendet werden. Bereits der Wechsel von einer Druckleitung zu einer Tankprobe kann die Partikelzahl so stark verändern, dass die Ergebnisse nicht mehr sinnvoll miteinander vergleichbar sind.

Ein Probenahmepunkt sollte möglichst nicht am Ende einer langen, ungespülten Stichleitung liegen. Das dort eingeschlossene Öl kann über längere Zeit stehen und einen anderen Zustand besitzen als der Hauptstrom.

Probenahme im laufenden Betrieb

Eine Probe unter repräsentativen Betriebsbedingungen bildet den tatsächlichen Anlagenzustand meist besser ab als eine Probe aus einer kalten, lange stillstehenden Maschine.

Vor der Entnahme sollte die Anlage ausreichend lange betrieben worden sein, damit:

  • die normale Betriebstemperatur annähernd erreicht ist,
  • das Öl im System zirkuliert,
  • Partikel und Wasser im Fluid verteilt sind,
  • typische Pumpen-, Ventil- und Zylinderbewegungen stattgefunden haben.

Die Entnahme sollte nach Möglichkeit immer in einem vergleichbaren Betriebszustand erfolgen. Bei einer Maschine mit stark wechselnden Lasten muss dokumentiert werden, ob die Probe während Leerlauf, Produktion, Volllast oder unmittelbar nach einem bestimmten Arbeitszyklus entnommen wurde.

Eine Probe direkt nach einem Filterwechsel, Ölwechsel oder einer Reparatur kann sinnvoll sein, ist aber nicht unmittelbar mit einer normalen Trendprobe vergleichbar. Der besondere Betriebszustand muss im Analyseprotokoll vermerkt werden.

Wie funktioniert die Probenahme über MINIMESS?

Eine MINIMESS®-Messkupplung bildet einen dauerhaft eingebauten Zugang zum Hydrauliksystem. Im ungekuppelten Zustand verschließt ein Rückschlagmechanismus die Messstelle. Beim Anschließen eines passenden Kupplungsstücks wird der Zugang kontrolliert geöffnet.

Für die Ölprobenahme wird üblicherweise ein geeigneter Mikrobohrschlauch mit dem Messpunkt verbunden. Das andere Schlauchende führt zu einer kontrollierten Probenahmeeinrichtung oder zum Probenbehälter.

Die Vorteile einer fest installierten Messstelle sind:

  • wiederholbarer Entnahmeort,
  • Probenahme ohne Öffnen des Hydrauliktanks,
  • geringerer Kontakt des Öls mit der Umgebung,
  • kontrollierte Ableitung des Mediums,
  • mögliche Entnahme während des Betriebs,
  • Nutzung derselben Messstelle für weitere Diagnoseaufgaben.

Die Messkupplung allein reduziert den Systemdruck jedoch nicht automatisch auf einen für die offene Probenflasche sicheren Wert. Bei einer Entnahme aus einer Hochdruckleitung müssen Schlauch, Kupplung und gegebenenfalls eine Drossel- oder Probenahmeeinrichtung für den maximalen Druck geeignet sein.

Ein Hochdruck-Ölstrahl darf niemals direkt in eine offene Flasche geleitet werden.

Spülvolumen und Totvolumen richtig berücksichtigen

Vor der eigentlichen Probenahme muss das alte Öl aus Messkupplung, Adapter, Schlauch und möglichen Stichleitungen verdrängt werden. Andernfalls enthält die Probe einen erheblichen Anteil Öl, das nicht aus dem aktuellen Hauptstrom stammt.

Das notwendige Spülvolumen ist nicht für jede Anlage gleich. Es hängt ab von:

  • Innendurchmesser und Länge des Schlauchs,
  • Volumen der Messkupplung und Adapter,
  • Länge einer vorgeschalteten Stichleitung,
  • Viskosität und Temperatur des Öls,
  • erforderlicher Analysegenauigkeit,
  • vorheriger Nutzung des Schlauchs.

Das geometrische Schlauchvolumen kann näherungsweise berechnet werden:

Schlauchvolumen = π × Innendurchmesser² / 4 × Schlauchlänge

Schlauch Geometrisches Volumen bei 1 m Länge
DN2 mit ungefähr 2 mm Innendurchmesser etwa 3,1 ml
DN4 mit ungefähr 4 mm Innendurchmesser etwa 12,6 ml

Diese Werte berücksichtigen noch nicht das Volumen von Messstelle, Adapter und Stichleitung. Für die Spülung muss das gesamte Totvolumen mehrfach verdrängt werden. Die konkrete Spülmenge sollte in einer betrieblichen Probenahmeanweisung festgelegt werden.

Das Spülöl wird getrennt aufgefangen und darf nicht in den Probenbehälter gelangen. Nach einer ausreichend langen Spülung wird der Durchfluss kontrolliert und die eigentliche Probe entnommen.

Probenflasche und Schlauch sauber handhaben

Bei einer Partikelanalyse können bereits wenige Staubkörner aus der Umgebung das Ergebnis deutlich verändern. Der Probenbehälter muss deshalb für die vorgesehene Analyse geeignet und ausreichend sauber sein.

Wichtige Regeln sind:

  • möglichst vom Labor bereitgestellte Probenflaschen verwenden,
  • Flasche erst unmittelbar vor der Befüllung öffnen,
  • Innenseite von Flasche und Deckel nicht berühren,
  • Deckel nicht auf einer Werkbank oder Maschine ablegen,
  • Schlauchende nicht mit Händen, Putzlappen oder Behälterrand berühren,
  • Flasche nach der Befüllung sofort verschließen,
  • Probe nicht nachträglich in einen anderen Behälter umfüllen.

Eine zertifiziert gereinigte Probenflasche sollte nur dann mit Prozessöl vorgespült werden, wenn das Labor dies ausdrücklich vorgibt. Eigenmächtiges Spülen kann die definierte Reinheit des Behälters verschlechtern.

Die erforderliche Füllhöhe richtet sich nach der Analyse. Für manche Verfahren wird ein kleiner Luftraum benötigt, damit die Probe vor der Messung homogenisiert werden kann. Maßgeblich sind die Angaben des beauftragten Labors.

Hydraulikölprobe systematisch entnehmen

  1. Analyseziel festlegen: Systemreinheit, Komponentenverschleiß, Wasser, Ölalterung oder Filterwirkung bestimmen.
  2. Messstelle identifizieren: Probenahmepunkt eindeutig mit Anlage, Kreislauf und Position kennzeichnen.
  3. Betriebszustand herstellen: Anlage unter einem dokumentierten und repräsentativen Zustand betreiben.
  4. Ausrüstung prüfen: Druck- und Temperaturfreigabe von MINIMESS-Kupplung, Schlauch und Probenahmeeinrichtung kontrollieren.
  5. Messpunkt reinigen: Schutzkappe und äußeren Bereich säubern, ohne Schmutz in die Kupplung einzubringen.
  6. Schlauch anschließen: Kupplung korrekt und vollständig verbinden sowie Schlauch sicher fixieren.
  7. Spülen: Totvolumen und möglicherweise stehendes Öl in einen getrennten Behälter ableiten.
  8. Probe entnehmen: Gleichmäßigen, kontrollierten Ölstrom in die saubere Probenflasche führen.
  9. Flasche verschließen: Deckel unmittelbar aufsetzen und äußere Ölreste entfernen.
  10. Messstelle trennen: Schlauch kontrolliert druckentlasten und gemäß Herstellervorgabe abkuppeln.
  11. Probe kennzeichnen: Anlage, Messpunkt, Datum, Betriebsstunden, Öltemperatur und Betriebszustand dokumentieren.

Bei wiederkehrenden Analysen sollte diese Vorgehensweise als feste Arbeitsanweisung dokumentiert werden. Dadurch lassen sich Ergebnisse unterschiedlicher Techniker und Entnahmezeitpunkte besser vergleichen.

Partikelbelastung und Reinheitsklasse bewerten

Die Partikelbelastung hydraulischer Fluide wird häufig als Reinheitscode nach ISO 4406 angegeben. Dabei beschreiben drei Kennzahlen die Anzahl der Partikel ab definierten Größenklassen.

Der Reinheitscode muss mit den Anforderungen der empfindlichsten Komponenten verglichen werden. Servoventile und hochdynamische Proportionalventile benötigen in der Regel saubereres Öl als einfache Zylinder- oder Niederdruckkreise.

Ein erhöhter Partikelwert kann unter anderem verursacht werden durch:

  • unzureichende Filtration,
  • gesättigte oder beschädigte Filterelemente,
  • Verschleiß von Pumpen und Ventilen,
  • eingetragenen Montageschmutz,
  • verschmutztes Frischöl,
  • offene Tankbelüftung oder defekte Belüftungsfilter,
  • ungeeignete Probenahme.

Ein einzelner hoher Wert sollte zunächst durch eine zweite, korrekt entnommene Probe bestätigt werden. Werden Reinigung oder Filterwechsel sofort eingeleitet, ohne einen Probenahmefehler auszuschließen, kann die eigentliche Ursache unentdeckt bleiben.

Wasser im Hydrauliköl erkennen

Wasser kann gelöst, emulgiert oder als freie Flüssigkeit im Hydrauliköl auftreten. Wie viel Wasser ein Öl gelöst halten kann, hängt unter anderem von Öltyp und Temperatur ab.

Mögliche Quellen sind:

  • Kondensation im Tank,
  • undichte Wasser-Öl-Wärmetauscher,
  • Reinigungsvorgänge,
  • feuchte Umgebungsluft,
  • ungeeignete Lagerung und Befüllung,
  • defekte Dichtungen.

Eine milchige oder trübe Probe kann auf emulgiertes Wasser hinweisen. Klares Öl ist jedoch kein Nachweis dafür, dass der Wassergehalt unkritisch ist. Gelöstes Wasser ist optisch häufig nicht erkennbar.

Das Labor kann den Wassergehalt beispielsweise in ppm oder als relative Sättigung angeben. Für die Bewertung müssen Öltyp, Betriebstemperatur und Vorgaben des Anlagen- beziehungsweise Ölherstellers berücksichtigt werden.

Ölalterung und Viskositätsänderung beurteilen

Hydrauliköl altert durch Temperatur, Sauerstoff, Druckbelastung und katalytisch wirkende Verschleißmetalle. Dabei können sich Viskosität, Säurezahl, Farbe und Additivkonzentration verändern.

Eine zu hohe Viskosität kann zu erhöhten Druckverlusten, schlechterem Kaltstart und trägerem Ventilverhalten führen. Eine zu niedrige Viskosität kann den Schmierfilm vermindern und interne Leckage erhöhen.

Abweichungen können auch durch Vermischung entstehen, beispielsweise mit:

  • einem Hydrauliköl anderer Viskositätsklasse,
  • Getriebe- oder Schmieröl,
  • Kraftstoff,
  • Reinigungsflüssigkeit,
  • Wasser-Glykol-Flüssigkeit.

Eine Zustandsanalyse sollte deshalb möglichst mit einer Referenzprobe des eingesetzten Frischöls und den Herstellerdaten verglichen werden.

Verschleißpartikel richtig interpretieren

Metallische Partikel können Hinweise auf den Ursprung eines Schadens geben. Eisen kann beispielsweise aus Zahnrädern, Lagern oder Zylinderflächen stammen. Kupfer kann auf Lagerbuchsen oder bestimmte Kühlerwerkstoffe hinweisen. Chrom und Nickel können aus beschichteten oder legierten Bauteilen stammen.

Die Zuordnung ist jedoch nicht immer eindeutig. Entscheidend sind:

  • Werkstoffaufbau der Anlage,
  • Partikelgröße und -form,
  • Konzentration und zeitliche Entwicklung,
  • begleitende Druck-, Temperatur- und Vibrationswerte,
  • durchgeführte Reparaturen oder Komponentenwechsel.

Sehr feine Verschleißmetalle können mit einer Elementanalyse erfasst werden. Größere metallische Partikel lassen sich häufig besser mit Patch-Analyse, Mikroskopie, ferrographischen Verfahren oder einem geeigneten Ferromagnetismus-Index bewerten.

Ein Anstieg des Eisenwertes ohne Veränderung der Partikelzahl kann daher eine andere Bedeutung haben als gleichzeitig steigende Metallkonzentration, grobe Partikel und zunehmende Pumpengeräusche.

Warum Trendanalysen wichtiger als Einzelwerte sind

Der wichtigste Vorteil regelmäßiger Ölproben liegt in der zeitlichen Entwicklung. Ein Wert, der für eine einzelne Maschine noch akzeptabel erscheint, kann kritisch sein, wenn er sich innerhalb weniger Wochen deutlich verschlechtert.

Für vergleichbare Trenddaten sollten konstant bleiben:

  • Probenahmepunkt,
  • Entnahmeschlauch und Vorgehensweise,
  • Betriebszustand und Öltemperatur,
  • Labor und Analysemethode,
  • Probenahmeintervall,
  • Dokumentation der Anlagenänderungen.

Zusätzlich sollten Filterwechsel, Nachfüllmengen, Reparaturen, Ölwechsel und ungewöhnliche Betriebsereignisse dokumentiert werden. Sonst kann eine Verbesserung oder Verschlechterung der Analysewerte falsch interpretiert werden.

Typische Fehler bei der Ölprobenahme

Probe aus der geöffneten Tankoberseite

Staub aus der Umgebung kann in die Flasche gelangen. Außerdem ist die Entnahmetiefe häufig nicht reproduzierbar.

Entnahme direkt am Tankablass

Die Probe enthält möglicherweise Sedimente und freies Wasser vom Tankboden und beschreibt nicht das umlaufende Öl.

Messschlauch wird nicht gespült

Altes Öl und Ablagerungen aus dem Schlauch verfälschen das Ergebnis.

Beliebige Getränkeflasche als Probenbehälter

Rückstände, Staub und Reinigungsmittel können Partikel-, Wasser- und chemische Analysen unbrauchbar machen.

Probe bei kalter, stillstehender Anlage

Abgesetzte Partikel und ungleichmäßig verteiltes Wasser werden nicht repräsentativ erfasst.

Unterschiedliche Entnahmestellen werden verglichen

Der vermeintliche Trend entsteht durch die geänderte Position und nicht durch einen veränderten Ölzustand.

Schlauchende berührt den Flaschenrand

Äußere Verunreinigungen können direkt in die Probe gelangen.

Ölprobe wird offen stehen gelassen

Staub, Feuchtigkeit und mögliche Verdunstung verändern die Probe vor der Analyse.

Spülöl wird als Probe verwendet

Es enthält einen überhöhten Anteil aus Totraum, Messkupplung und Schlauch.

Sicherheit bei der Probenahme unter Druck

Hydrauliköl unter hohem Druck kann schwere Verletzungen verursachen. Bereits ein sehr feiner Strahl kann die Haut durchdringen. Zusätzlich bestehen Gefahren durch heiße Oberflächen und hohe Öltemperaturen.

Vor der Probenahme müssen daher geprüft werden:

  • maximaler Betriebs- und möglicher Spitzendruck,
  • zulässiger Druck von Messkupplung, Schlauch und Adaptern,
  • Medien- und Temperaturbeständigkeit der Dichtungen,
  • sichere Befestigung und Führung des Schlauchs,
  • kontrollierte Druckreduzierung vor der offenen Probe,
  • geeignete persönliche Schutzausrüstung,
  • sicherer Auffangbehälter für das Spülöl.

Leckagen dürfen niemals mit der Hand gesucht werden. Vor dem Trennen muss sichergestellt sein, dass der nachgeschaltete Schlauchbereich kontrolliert druckentlastet wurde.

Die Probenahme darf nur durch eingewiesene Personen und entsprechend der Betriebs- und Sicherheitsanweisung der Anlage erfolgen.

Praxisbeispiel: Ölzustand an einer Hydraulikpresse überwachen

Bei einer Hydraulikpresse treten wiederholt Störungen an einem Proportionalventil auf. Die Anlage besitzt einen Druckfilter hinter der Pumpe und einen Rücklauffilter vor dem Tank.

Für die Diagnose werden zwei feste MINIMESS®-Probenahmepunkte genutzt:

  • hinter dem Druckfilter zur Bewertung der Ölreinheit vor den Ventilen,
  • im Rücklauf vor dem Filter zur Erfassung des aus der Anlage zurückkehrenden Verschleißes.

Die Proben werden nach einer Stunde Produktionsbetrieb bei vergleichbarer Öltemperatur entnommen. Messkupplung und Schlauch werden jeweils vollständig gespült. Anschließend werden Partikelzahl, Wasser, Viskosität und Verschleißmetalle analysiert.

Die Probe hinter dem Druckfilter erfüllt zunächst die geforderte Reinheitsklasse. Im Rücklauf ist die Partikelzahl jedoch deutlich höher und der Eisenanteil steigt gegenüber den vorherigen Proben an.

Eine zusätzliche mikroskopische Untersuchung zeigt metallische Schneid- und Ermüdungspartikel. Die weitere Prüfung ergibt beginnenden Verschleiß an der Hydraulikpumpe. Der Druckfilter hält einen großen Teil der Partikel zurück, weshalb die Ölreinheit vor dem Ventil noch unauffällig erscheint.

Nach dem Pumpentausch und einer kontrollierten Spülung der Anlage sinken Partikelzahl und Eisenwert. Die wiederholbare Probenahme an zwei definierten Messstellen ermöglicht damit sowohl die Ursachenanalyse als auch die Erfolgskontrolle.

Probenahmesystem richtig auslegen

Für die Auswahl und Positionierung werden mindestens folgende Angaben benötigt:

  • Hydraulikmedium und Viskositätsklasse,
  • minimaler und maximaler Betriebsdruck,
  • Öl- und Umgebungstemperatur,
  • gewünschter Probenahmepunkt im Kreislauf,
  • Analyseziel und erforderliches Probenvolumen,
  • verfügbarer Prozessanschluss,
  • benötigte Schlauchlänge,
  • Werkstoff- und Dichtungsanforderungen,
  • mögliche Druckspitzen,
  • erforderliche Druckreduzierung,
  • mobile oder fest installierte Probenahmeeinrichtung.

Die Messstelle sollte bereits bei der Konstruktion der Hydraulikanlage eingeplant werden. Nachträglich eingebaute Probenahmepunkte an schwer zugänglichen oder nicht repräsentativen Stellen erschweren die regelmäßige Zustandsüberwachung.

Welche Produkte eignen sich?

MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche

Die Kategorie MINIMESS-Kupplungen und -Schläuche umfasst Messkupplungen, Mikrobohrschläuche und Zubehör für Diagnose-, Mess- und Serviceaufgaben an hydraulischen Systemen.

Für eine Ölprobenahme werden Messkupplung, Schlauch, Adapter und gegebenenfalls eine Einrichtung zur kontrollierten Druckreduzierung passend zum maximalen Systemdruck und zum Hydraulikmedium zusammengestellt.

MINIMESS von Hydrotechnik

Die Kategorie MINIMESS von Hydrotechnik enthält die originalen Hydrotechnik-Systemzugänge für Messung, Diagnose, Befüllung, Entlüftung und Probenahme.

Ein fest installierter Messpunkt schafft eine reproduzierbare Entnahmestelle und reduziert die Notwendigkeit, den Tank oder eine Hydraulikleitung für jede Probe zu öffnen.

MINIMESS® 1620

Der MINIMESS® 1620 ist ein kompakter Systemzugang für Hydraulik- und Fluidkreise. Er kann unter anderem zur Druckmessung, Entlüftung, Befüllung und Probenahme verwendet werden.

Die Baureihe ist in unterschiedlichen Prozessgewinden, Werkstoffen und Dichtungsvarianten erhältlich. Für die Ölprobenahme müssen Prozessanschluss, Dichtung, Betriebsdruck und Öltemperatur passend zur Anlage ausgewählt werden.

MINIMESS-Schläuche

Die Kategorie MINIMESS-Schläuche umfasst Mikrobohrschläuche für Mess- und Serviceanwendungen.

Für die Probenahme sollte der Schlauch so kurz wie praktisch möglich gewählt werden. Ein kleiner Innendurchmesser reduziert das Tot- und Spülvolumen. Gleichzeitig müssen zulässiger Druck, Temperatur, Biegeradius und Medienverträglichkeit eingehalten werden.

Fazit: Eine gute Ölanalyse beginnt an der Probenahmestelle

Eine Laboranalyse kann nur dann belastbare Aussagen über Partikel, Wasser, Ölalterung und Verschleiß liefern, wenn die Ölprobe den tatsächlichen Anlagenzustand repräsentiert.

Ein fest installierter MINIMESS®-Messpunkt ermöglicht eine wiederholbare Entnahme aus einem definierten Bereich des Hydraulikkreises. Dadurch werden offene Tankproben und wechselnde Entnahmestellen vermieden.

Vor der eigentlichen Probenahme müssen Messkupplung, Stichleitung und Schlauch ausreichend gespült werden. Die Probe ist anschließend in einen sauberen, geeigneten Behälter zu füllen und sofort zu verschließen.

Für Condition Monitoring sind wiederkehrende Proben unter vergleichbaren Betriebsbedingungen wichtiger als ein einzelner Messwert. Erst der Trend von Reinheitsklasse, Wasser, Viskosität und Verschleißmetallen zeigt, ob sich der Anlagenzustand verändert.

Messpunkt, MINIMESS-Kupplung, Schlauch, Druckreduzierung und Probenbehälter müssen dabei als vollständiges Probenahmesystem betrachtet werden.

Häufige Fragen zur MINIMESS-Probenahme

Kann eine Hydraulikölprobe bei laufender Anlage entnommen werden?

Mit einem geeigneten MINIMESS-Systemzugang ist eine Entnahme während des Betriebs möglich. Kupplung, Schlauch und Probenahmeeinrichtung müssen für Druck, Temperatur und Medium ausgelegt sein.

Wo sollte die Ölprobe entnommen werden?

Der Probenahmepunkt richtet sich nach der Diagnoseaufgabe. Für den Gesamtverschleiß eignet sich häufig der Rücklauf vor dem Filter. Für die Ölreinheit an empfindlichen Komponenten ist eine Messstelle hinter dem Druckfilter aussagekräftiger.

Warum muss der MINIMESS-Schlauch gespült werden?

Im Schlauch und in der Kupplung befindet sich stehendes Öl aus der vorherigen Nutzung oder dem Totraum. Ohne Spülung gelangt dieses Öl in die Probe und verfälscht das Ergebnis.

Wie viel Öl muss vor der Probe gespült werden?

Das gesamte Totvolumen von Messstelle, Adapter, Stichleitung und Schlauch muss mehrfach verdrängt werden. Eine universelle Spülmenge gibt es nicht; sie sollte für die konkrete Messstelle festgelegt werden.

Kann die Probe direkt aus dem Tank entnommen werden?

Eine Tankprobe kann für bestimmte Fragestellungen sinnvoll sein, ist aber häufig weniger reproduzierbar. Ablagerungen, Entnahmetiefe und der Anlagenstillstand können das Ergebnis stark beeinflussen.

Welche Flasche eignet sich für eine Partikelanalyse?

Es sollte eine geeignete, ausreichend gereinigte Probenflasche verwendet werden, vorzugsweise vom beauftragten Labor. Handelsübliche Getränkeflaschen sind für eine zuverlässige Partikelanalyse ungeeignet.

Warum sind regelmäßige Proben besser als eine Einzelanalyse?

Regelmäßige Proben zeigen die zeitliche Entwicklung. Dadurch können steigende Partikelzahlen, zunehmender Wassergehalt oder wachsende Verschleißmetallkonzentrationen frühzeitig erkannt werden.

Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auslegung?

Benötigt werden Hydraulikmedium, Betriebsdruck, Temperatur, Prozessanschluss, gewünschter Probenahmepunkt, Schlauchlänge, Analyseziel, erforderliches Probenvolumen sowie Werkstoff- und Dichtungsanforderungen.

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