Schweißgeräteprüfung nach DIN EN IEC 60974-4: Messungen richtig durchführen

Schweißgeräteprüfung nach DIN EN IEC 60974 4 – Leerlaufspannung, Schutzleiter und Ableitstrom prüfen
→ Produktkategorie: Elektrische Mess- und Prüfgeräte

 

Ein Lichtbogenschweißgerät ist elektrisch deutlich komplexer als viele gewöhnliche ortsveränderliche Betriebsmittel. Neben dem Netzstromkreis besitzt es einen galvanisch getrennten beziehungsweise leistungselektronisch gekoppelten Schweißstromkreis mit hohen Strömen und einer für den Lichtbogen erforderlichen Leerlaufspannung.

Bei der Wiederholungsprüfung reicht es deshalb nicht aus, lediglich:

Schutzleiter → Isolation → Funktion

wie bei einem einfachen Elektrogerät zu prüfen.

Zusätzlich müssen unter anderem die elektrische Sicherheit des Schweißstromkreises und die Leerlaufspannung beurteilt werden.

Die aktuelle deutsche Norm ist DIN EN IEC 60974-4:2025-12 beziehungsweise VDE 0544-4:2025-12. Sie ersetzt die frühere DIN EN 60974-4:2017-05. Die häufig verwendete Bezeichnung „Ableitstrom“ ist dabei technisch zu ungenau: Die Norm unterscheidet insbesondere zwischen Berührungsstrom des Schweißstromkreises, Berührungsstrom an zugänglichen leitfähigen Teilen und Schutzleiterstrom.

Für diese Prüfaufgabe bietet ICS Schneider beispielsweise den MultiTest HT700+ ARC. Der Gerätetester ist speziell auch für Prüfungen von Lichtbogenschweißeinrichtungen nach DIN VDE 0544-4 beziehungsweise EN 60974-4 vorgesehen und unterstützt neben Schutzleiter-, Isolations- und Strommessungen auch die erforderlichen Schweißgeräteprüfungen.

Weitere Prüfgeräte finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.

Welche Norm gilt aktuell für die Schweißgeräteprüfung?

Für die wiederkehrende Prüfung elektrischer Lichtbogenschweißeinrichtungen gilt aktuell:

DIN EN IEC 60974-4:2025-12 / VDE 0544-4:2025-12

Die Norm beschreibt Prüfverfahren für:

  • wiederkehrende Prüfungen,
  • Prüfungen nach Reparaturen,
  • Prüfungen im Rahmen der Instandhaltung.

Sie gilt insbesondere für Stromquellen zum Lichtbogenschweißen und verwandte Verfahren.

Die Ausgabe 2025 ersetzt die Ausgabe von 2017

Gegenüber der vorherigen Fassung wurden unter anderem:

  • Messverfahren stärker an die Normenreihe IEC 61557 angebunden,
  • die Beurteilung älterer Schweißstromquellen erweitert,
  • batteriebetriebene Schweißstromquellen berücksichtigt.

Wichtig für ältere Fachliteratur

In älteren Unterlagen findet sich häufig die Bezeichnung:

Ableitstrom

Die aktuelle Terminologie unterscheidet genauer zwischen:

  • Berührungsstrom des Schweißstromkreises,
  • Berührungsstrom zugänglicher leitfähiger Oberflächen,
  • Schutzleiterstrom.

Für Suchanfragen und den Werkstattalltag wird „Ableitstrom“ zwar weiterhin häufig verwendet, im Prüfprotokoll sollte jedoch möglichst die korrekte Messgröße angegeben werden.

Warum Schweißgeräte besonders geprüft werden müssen

Ein typisches Lichtbogenschweißgerät besitzt mindestens zwei elektrisch relevante Bereiche:

Netzstromkreis → Leistungselektronik / Transformator → Schweißstromkreis

Auf der Netzseite liegen beispielsweise:

  • 230 V AC,
  • 400 V AC dreiphasig

an.

Auf der Ausgangsseite werden dagegen sehr hohe Schweißströme erzeugt.

Die Spannung ist während des Schweißvorgangs vergleichsweise niedrig, im Leerlauf muss jedoch eine ausreichend hohe Spannung zur Zündung beziehungsweise zum Betrieb des Lichtbogens bereitstehen.

Genau daraus entsteht die besondere Prüfaufgabe

Es muss sichergestellt werden, dass:

  • der Schutzleiter zuverlässig funktioniert,
  • Netz- und Schweißstromkreis ausreichend isoliert sind,
  • keine unzulässigen Ströme über Schweißleitungen oder berührbare Teile fließen,
  • die Leerlaufspannung innerhalb der zulässigen Grenzen liegt.

Ein Schweißgerät kann einen einwandfreien Schutzleiter besitzen und trotzdem aufgrund einer fehlerhaften Trennung zwischen Netz- und Schweißstromkreis elektrisch unsicher sein.

Welche Prüfungen gehören zur DIN EN IEC 60974-4?

Der genaue Prüfumfang hängt von Bauart, Schutzklasse und Zustand des Gerätes ab.

Typischerweise gehören dazu:

  • Sichtprüfung,
  • Durchgängigkeit des Schutzleiterstromkreises,
  • Isolationswiderstand,
  • Berührungsstrom des Schweißstromkreises,
  • Berührungsstrom zugänglicher leitfähiger Teile,
  • Schutzleiterstrom,
  • Leerlaufspannung,
  • Funktionsprüfung,
  • Dokumentation.

Nicht jede Messung ist bei jeder Geräteausführung identisch

Eine Schutzklasse-II-Stromquelle wird beispielsweise anders bewertet als ein Schutzklasse-I-Gerät mit Schutzleiter.

Auch:

  • fest angeschlossene Geräte,
  • dreiphasige Geräte,
  • batteriebetriebene Stromquellen,
  • ältere Schweißgeräte

können besondere Prüfbedingungen erfordern.

Sichtprüfung nicht unterschätzen

Die Sichtprüfung erfolgt vor den elektrischen Messungen.

Sie dient nicht nur dazu, offensichtliche Gehäuseschäden zu finden.

Zu kontrollieren sind unter anderem

  • Netzanschlussleitung,
  • Netzstecker beziehungsweise CEE-Stecker,
  • Zugentlastungen,
  • Gehäuse,
  • Lüftungsöffnungen,
  • Elektrodenhalter beziehungsweise Brenner,
  • Schweißstromleitungen,
  • Werkstückanschlussleitung,
  • Steckverbinder,
  • Bedienelemente,
  • Kennzeichnungen und Typenschild.

Gerade Schweißleitungen werden mechanisch stark beansprucht

Typische Schäden sind:

  • angeschnittene Isolation,
  • thermische Beschädigungen,
  • offene Litzen,
  • beschädigte Stecker,
  • lockere Kontakte.

Ein elektrisch gemessener Wert kann daher unauffällig sein, obwohl bereits ein sicherheitsrelevanter mechanischer Mangel vorliegt.

Schutzleiterwiderstand richtig messen

Bei netzbetriebenen Geräten der Schutzklasse I muss die Durchgängigkeit des Schutzleiterstromkreises geprüft werden.

Gemessen wird zwischen:

PE-Kontakt des Netzanschlusses ↔ berührbare leitfähige, mit PE verbundene Gehäuseteile

Bei einer Netzanschlussleitung bis 5 m

darf der gemessene Schutzleiterwiderstand nach der aktuellen Norm grundsätzlich:

0,3 Ω

nicht überschreiten.

Bei längeren Leitungen

erhöht sich der zulässige Wert um:

0,1 Ω je weitere 7,5 m

bis zu einem maximalen Wert von:

1 Ω

Die Leitung während der Messung bewegen

Besonders wichtig ist die mechanische Beanspruchung der Anschlussleitung während der Prüfung.

Die Leitung sollte insbesondere im Bereich von:

  • Stecker,
  • Zugentlastung,
  • Gehäuseeinführung

bewegt beziehungsweise gebogen werden.

Dadurch lassen sich intermittierende Schutzleiterunterbrechungen erkennen, die bei einer statischen Messung möglicherweise unauffällig bleiben.

Isolationswiderstand zwischen Primär- und Schweißstromkreis prüfen

Die Isolationsprüfung ist bei Schweißgeräten besonders wichtig, weil mehrere elektrisch getrennte Stromkreise betrachtet werden müssen.

Die aktuelle Norm sieht typischerweise folgende Mindestwerte vor

Messung Mindest-Isolationswiderstand
Netzstromkreis gegen Schweißstromkreis 5,0 MΩ
Schweißstromkreis gegen Schutzleiterstromkreis 2,5 MΩ
Netzstromkreis gegen Schutzleiterstromkreis 2,5 MΩ
Netzstromkreis eines Schutzklasse-II-Gerätes gegen zugängliche Oberflächen 5,0 MΩ

Die Messung erfolgt grundsätzlich mit:

500 V DC Prüfspannung

sofern die konkrete Geräteausführung beziehungsweise Herstelleranweisung nichts anderes erfordert.

Der entscheidende Unterschied zu einem einfachen Gerätetest

Es genügt nicht, nur:

L/N gegen PE

zu prüfen.

Auch die Isolation zwischen:

Netzstromkreis ↔ Schweißstromkreis

ist eine zentrale Sicherheitsbarriere.

Inverter-Schweißgeräte bei der Isolationsprüfung beachten

Moderne Schweißstromquellen arbeiten häufig mit:

  • Netzgleichrichtern,
  • Zwischenkreiskondensatoren,
  • IGBT- oder MOSFET-Leistungselektronik,
  • EMV-Filtern,
  • Steuer- und Kommunikationsschaltungen.

Eine Isolationsmessung darf deshalb nicht blind wie bei einem einfachen Heizgerät durchgeführt werden.

Herstellerangaben berücksichtigen

Je nach Schaltungsaufbau können beispielsweise elektronische Komponenten oder Schutzbeschaltungen während der Messung entsprechend der Prüfanweisung behandelt werden müssen.

Bei nicht galvanisch getrennten internen Stromkreisen sind gegebenenfalls die Prüfhinweise des Herstellers maßgeblich.

Eine hohe Prüfspannung am falschen Anschluss kann elektronische Baugruppen beschädigen. Die Normprüfung setzt deshalb sowohl geeignetes Prüfgerät als auch Kenntnis der konkreten Stromquelle voraus.

Berührungsstrom des Schweißstromkreises messen

Eine Besonderheit der Schweißgeräteprüfung ist der Berührungsstrom des Schweißstromkreises.

Gemessen wird zwischen den Anschlüssen des Schweißstromkreises und dem Schutzleiteranschluss.

Der Grenzwert beträgt

10 mA RMS

.

Die Messung erfolgt bei:

  • Bemessungsversorgungsspannung,
  • Leerlauf des Schweißstromkreises.

Beide Schweißanschlüsse berücksichtigen

Das vorgesehene Messnetzwerk wird nacheinander an die relevanten Schweißstromanschlüsse angeschlossen.

Damit wird geprüft, ob eine unzulässige elektrische Kopplung zwischen dem leistungsführenden Schweißstromkreis und Erde beziehungsweise Schutzleiter besteht.

Warum ein normales Amperemeter nicht genügt

Die Messung erfolgt über ein definiertes Messnetzwerk.

Ein gewöhnliches Multimeter direkt zwischen Schweißausgang und PE bildet die normativ geforderte Belastung und Frequenzbewertung nicht zuverlässig nach.

Berührungsstrom zugänglicher Teile prüfen

Nicht alle zugänglichen leitfähigen Teile eines Gerätes müssen zwangsläufig mit dem Schutzleiter verbunden sein.

Für solche zugänglichen leitfähigen Oberflächen kann eine Berührungsstrommessung erforderlich sein.

Unter normalen Bedingungen gilt als Grenzwert

0,5 mA RMS

.

Damit wird geprüft, ob eine Person beim Berühren eines nicht geerdeten leitfähigen Geräteteils einem unzulässig hohen Strom ausgesetzt werden könnte.

Schutzleiterstrom richtig bewerten

Bei einem Gerät der Schutzklasse I kann während des Betriebs ein Strom über den Schutzleiter fließen.

Der Schutzleiterstrom darf grundsätzlich:

10 mA RMS

nicht überschreiten.

Ausnahme

Für fest angeschlossene Geräte mit entsprechend verstärktem Schutzleiter können andere Bedingungen gelten.

Hier kann abhängig von der Ausführung ein Strom bis zu einem bestimmten Anteil des Bemessungs-Eingangsstroms zulässig sein.

Messverfahren

Der Schutzleiterstrom kann je nach Prüfaufbau beispielsweise:

  • direkt,
  • über Differenzstrommessung

bestimmt werden.

Bei großen dreiphasigen Schweißstromquellen ist die geeignete Messtechnik besonders wichtig, da das Gerät häufig nicht einfach über die 16-A-Prüfsteckdose eines gewöhnlichen Gerätetesters betrieben werden kann.

Warum die Leerlaufspannung eine eigene Prüfung benötigt

Die Leerlaufspannung:

U0

liegt zwischen den Schweißstromanschlüssen an, wenn kein Lichtbogen brennt.

Sie ist erforderlich, damit ein Lichtbogen gezündet und stabil betrieben werden kann.

Gleichzeitig ist gerade diese Spannung für den Personenschutz relevant.

Während des Schweißens

sinkt die Ausgangsspannung typischerweise deutlich.

Im Leerlauf

kann die Spannung dagegen erheblich höher sein.

Eine Stromquelle kann deshalb beim eigentlichen Schweißvorgang völlig normal funktionieren und trotzdem eine unzulässige Leerlaufspannung erzeugen.

Die reine Funktionsprüfung durch Probeschweißen ersetzt daher niemals die Messung der Leerlaufspannung.

Leerlaufspannung richtig bewerten

Die zulässige Leerlaufspannung hängt von der vorgesehenen Arbeitsumgebung und Geräteausführung ab.

Bei erhöhter elektrischer Gefährdung

gelten für Wechselspannung niedrigere Grenzwerte als in normalen Arbeitsumgebungen.

Die aktuelle Norm nennt beispielsweise für Wechselspannung:

Arbeitsbedingung Maximale Leerlaufspannung AC
Umgebung mit erhöhter elektrischer Gefährdung 68 V Scheitelwert und 48 V RMS
Umgebung ohne erhöhte elektrische Gefährdung 113 V Scheitelwert und 80 V RMS

Für Gleichspannung gilt bei diesen beiden Fällen ein maximaler Scheitelwert von:

113 V

Für spezielle Anwendungen wie mechanisch gehaltene Brenner oder Plasmaschneidgeräte gelten andere Werte.

Typenschild beachten

Die gemessene Leerlaufspannung sollte außerdem zur angegebenen Bemessungs-Leerlaufspannung des Gerätes passen.

Bei Geräten mit:

  • Spannungsreduziereinrichtung,
  • geschalteter Leerlaufspannung

ist die jeweilige vorgesehene Betriebsart zu prüfen.

Warum ein normales Multimeter nicht ausreicht

Bei modernen Schweißinvertern ist die Ausgangsspannung häufig keine saubere Sinusspannung.

Sie kann:

  • gepulst,
  • getaktet,
  • verzerrt,
  • mit Zündimpulsen überlagert

sein.

Die Norm bewertet deshalb nicht nur einen einfachen Mittelwert

Für die Effektivwertmessung wird eine echte:

TRUE-RMS-Messung

benötigt.

Bei der Leerlaufspannungsmessung wird außerdem eine definierte Belastung des Schweißstromkreises verwendet.

Für den RMS-Wert sieht die aktuelle Norm beispielsweise einen Widerstand von ungefähr:

5 kΩ

zwischen den Schweißstromanschlüssen vor.

Genau deshalb ist ein Schweißgeräteprüfgerät sinnvoll

Ein geeignetes Gerät stellt:

  • die erforderlichen Messschaltungen,
  • die richtige Belastung,
  • TRUE-RMS- beziehungsweise Spitzenwertmessung,
  • den richtigen Prüfablauf

bereit.

Mit einem gewöhnlichen Installationstester oder Multimeter lässt sich dies nur mit zusätzlicher spezieller Messschaltung reproduzieren.

Primär- und Sekundärseite nicht verwechseln

In der Praxis werden häufig die Begriffe:

Primärseite

und:

Sekundärseite

verwendet.

Primärseite

Damit ist im Wesentlichen der netzseitige Stromkreis gemeint.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Netzstecker,
  • Netzleitung,
  • Netzfilter,
  • Gleichrichter,
  • Leistungselektronik.

Sekundärseite beziehungsweise Schweißstromkreis

Hierzu gehören insbesondere:

  • Schweißstromanschlüsse,
  • Brenneranschluss,
  • Elektrodenhalter,
  • Werkstückanschluss.

Die sichere elektrische Trennung beziehungsweise Isolation zwischen diesen Bereichen ist ein wesentliches Schutzziel.

Dreiphasige Schweißgeräte prüfen

Viele professionelle Schweißstromquellen werden über:

CEE 16 A

oder:

CEE 32 A

betrieben.

Größere Geräte können noch höhere Anschlussleistungen besitzen oder fest angeschlossen sein.

Eine normale Prüfsteckdose reicht dann nicht aus

Für die passive Messung von:

  • Schutzleiterwiderstand,
  • Isolationswiderstand

können geeignete Adapter verwendet werden.

Für aktive Prüfungen wie:

  • Schutzleiterstrom,
  • Berührungsstrom,
  • Funktionsprüfung

muss der Prüfling unter realen Versorgungsbedingungen betrieben werden können.

Beim MultiTest HT700+ ARC

stehen hierfür beispielsweise passende CEE- beziehungsweise dreiphasige Prüfadapter zur Verfügung.

Damit kann das Prüfgerät auch in professionelle Werkstatt- und Industrieanwendungen eingebunden werden.

Funktionsprüfung nach den elektrischen Messungen

Nach bestandenen elektrischen Sicherheitsmessungen folgt die Funktionsprüfung.

Zu prüfen sind abhängig von der Ausstattung beispielsweise:

  • Netz-Ein-/Ausschalter,
  • Spannungsreduziereinrichtung,
  • Magnetventil für Schutzgas,
  • Signal- und Kontrollanzeigen,
  • Lüfter,
  • Bedienelemente.

Die Funktionsprüfung erfolgt erst nach der Sicherheitsprüfung

Ein Gerät mit beschädigtem Schutzleiter oder mangelhafter Isolation sollte nicht einfach zur Funktionsprüfung eingeschaltet werden.

Die elektrische Sicherheit steht deshalb vor der Bewertung der eigentlichen Schweißfunktion.

Sinnvolle Prüfreihenfolge

  1. Gerät identifizieren: Hersteller, Typ, Seriennummer, Schutzklasse und Anschlussart erfassen.
  2. Norm und Herstellerangaben prüfen: Besonderheiten der konkreten Schweißstromquelle berücksichtigen.
  3. Sichtprüfung durchführen: Netzleitung, Gehäuse, Schweißleitungen, Stecker und Bedienelemente kontrollieren.
  4. Schutzleiter prüfen: Bei Schutzklasse I Durchgängigkeit und Widerstand messen.
  5. Isolationswiderstand messen: Netz-, Schutzleiter- und Schweißstromkreis korrekt gegeneinander prüfen.
  6. Elektronik berücksichtigen: Bei Invertergeräten Herstellerhinweise zur Isolationsmessung beachten.
  7. Berührungsstrom des Schweißstromkreises messen: Beide relevanten Schweißanschlüsse berücksichtigen.
  8. Berührungsstrom zugänglicher Teile prüfen: Falls entsprechende leitfähige Teile vorhanden sind.
  9. Schutzleiterstrom messen: Bei Schutzklasse-I-Geräten unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen.
  10. Leerlaufspannung messen: RMS- und erforderlichen Spitzenwert mit geeigneter Messschaltung erfassen.
  11. Grenzwerte bewerten: Arbeitsumgebung, Typenschild und Geräteausführung berücksichtigen.
  12. Funktionsprüfung durchführen: Schalter, Spannungsreduzierung, Gasventil und Anzeigen kontrollieren.
  13. Ergebnisse dokumentieren: Messwerte, Grenzwerte und Bewertung speichern.
  14. Prüfkennzeichnung anbringen: Nur bei bestandenem Gesamtprüfergebnis.

Praxisbeispiel: 400-V-Inverter-Schweißgerät

Ein dreiphasiges MIG/MAG-Schweißgerät soll im Rahmen einer Wiederholungsprüfung kontrolliert werden.

Der Netzanschluss erfolgt über:

CEE 16 A / 400 V

1. Sichtprüfung

Festgestellt werden:

  • Netzleitung ohne erkennbare Beschädigung,
  • CEE-Stecker in Ordnung,
  • Gehäuse geschlossen,
  • Brennerleitung und Massekabel mechanisch intakt.

2. Schutzleiterprüfung

Gemessen wird zwischen PE des CEE-Steckers und mehreren leitfähigen Gehäusepunkten.

Die Leitung wird dabei insbesondere im Bereich der Zugentlastung bewegt.

3. Isolationsprüfung

Geprüft werden entsprechend der Geräteausführung:

Netzstromkreis ↔ Schweißstromkreis

sowie:

Netzstromkreis ↔ Schutzleiter

und:

Schweißstromkreis ↔ Schutzleiter

4. Strommessungen

Das Gerät wird mit geeigneter dreiphasiger Prüftechnik versorgt.

Berührungs- beziehungsweise Schutzleiterströme werden mit den dafür vorgesehenen Messverfahren erfasst.

5. Leerlaufspannung

Die beiden Schweißanschlüsse werden über die vorgesehene Messschaltung mit dem Prüfgerät verbunden.

Die Stromquelle wird eingeschaltet, ohne einen Lichtbogen zu erzeugen.

Das Prüfgerät bestimmt die relevanten Werte der Leerlaufspannung.

6. Funktionsprüfung

Anschließend werden:

  • Netzschalter,
  • Lüfter,
  • Drahtvorschub,
  • Schutzgas-Magnetventil,
  • Kontrollanzeigen

geprüft.

Erst wenn Sichtprüfung, elektrische Messungen und Funktionsprüfung insgesamt bestanden sind, kann das Gerät als sicher beurteilt werden.

Typische Fehlerbilder

Beobachtung Mögliche Ursache Sinnvolle Prüfung
Schutzleiterwiderstand schwankt beim Bewegen der Leitung Litze oder PE-Anschluss beschädigt Netzleitung und Zugentlastung prüfen
RPE dauerhaft zu hoch lockerer Schutzleiteranschluss oder korrodierte Verbindung PE-Verbindungen kontrollieren
Isolation Netz gegen Schweißkreis zu gering Isolationsschaden oder Verschmutzung interne Trennung und Leistungsteil prüfen
Isolationswert nach Reinigung wieder normal leitfähiger Metallstaub im Gerät Wartung und Reinigungsintervalle prüfen
Berührungsstrom am Schweißausgang zu hoch unzulässige Kopplung zwischen Primär- und Sekundärseite Netzfilter, Transformator und Leistungselektronik prüfen
Schutzleiterstrom zu hoch EMV-Beschaltung oder Isolationsfehler Gerät nach Herstellervorgabe untersuchen
Leerlaufspannung deutlich zu hoch Fehler in Spannungsbegrenzung oder Steuerung Ausgangsstufe und Spannungsreduziereinrichtung prüfen
Leerlaufspannung deutlich zu niedrig Spannungsreduzierung aktiv oder Gerätefehler Betriebsart und Typenschild vergleichen
Multimeter und Prüfgerät zeigen unterschiedliche Spannung nicht sinusförmige Ausgangsspannung TRUE-RMS-/Spitzenwertverfahren verwenden
Gerät besteht bei 230 V, dreiphasige Prüfung nicht möglich ungeeigneter Prüfadapter passenden CEE-/Drehstromadapter verwenden
Prüfgerät meldet Fehler nur bei eingeschaltetem Schweißgerät betriebsabhängiger Strom beziehungsweise Elektronikfehler aktive Strommessungen auswerten

Prüfung dokumentieren

Eine Wiederholungsprüfung ist erst dann nachvollziehbar, wenn die Ergebnisse eindeutig dokumentiert sind.

Sinnvolle Angaben sind

  • Hersteller und Typ,
  • Seriennummer beziehungsweise Betriebsmittel-ID,
  • Prüfdatum,
  • angewendete Norm beziehungsweise Prüfgrundlage,
  • Sichtprüfergebnis,
  • Schutzleiterwiderstand,
  • Isolationswerte,
  • Berührungsströme,
  • Schutzleiterstrom,
  • Leerlaufspannung,
  • Funktionsprüfung,
  • Gesamtbewertung,
  • Prüfer.

Messwerte statt nur „bestanden“ speichern

Die tatsächlichen Werte sind für spätere Prüfungen wertvoll.

Beispielsweise kann ein Schutzleiterwiderstand:

0,08 Ω → 0,12 Ω → 0,21 Ω

über mehrere Prüfintervalle hinweg noch unterhalb des Grenzwertes liegen, aber bereits eine erkennbare Verschlechterung zeigen.

Eine vollständige Messwerthistorie unterstützt deshalb die vorbeugende Instandhaltung.

Warum ein spezieller Schweißgeräteprüfer sinnvoll ist

Ein universeller Gerätetester kann viele grundlegende Messungen durchführen.

Für die Schweißgeräteprüfung kommen jedoch zusätzliche Anforderungen hinzu.

Ein geeignetes Prüfgerät sollte insbesondere unterstützen

  • Schutzleiterprüfung mit ausreichendem Prüfstrom,
  • Isolationsmessung,
  • Berührungs- und Schutzleiterstrommessung,
  • normgerechte Prüfung des Schweißstromkreises,
  • Leerlaufspannungsmessung,
  • TRUE-RMS- beziehungsweise Spitzenwerterfassung,
  • automatische oder geführte Prüfabläufe,
  • Dokumentation der Messergebnisse.

Der Prüfablauf reduziert Anschlussfehler

Gerade bei der Schweißgeräteprüfung müssen Messleitungen während des Ablaufs an unterschiedliche Anschlüsse geführt werden.

Grafische Anschlussbilder und geführte Prüfschritte sind deshalb nicht nur komfortabel, sondern reduzieren das Risiko einer fehlerhaften Messung.

Passende Prüftechnik bei ICS Schneider

MultiTest HT700+ ARC

Der MultiTest HT700+ ARC ist ein professioneller Gerätetester, der ausdrücklich auch für die Prüfung von Lichtbogenschweißgeräten vorgesehen ist.

Zu den relevanten Funktionen gehören unter anderem:

  • Prüfung nach DIN VDE 0544-4 / EN 60974-4,
  • Schutzleiterwiderstandsmessung,
  • Prüfstrom über 600 mA beziehungsweise 10 A,
  • Isolationswiderstandsmessung,
  • Schutzleiterstrommessung,
  • Berührungsstrommessung,
  • geführte Prüfabläufe,
  • grafische Anschlussbilder,
  • GUT-/SCHLECHT-Bewertung,
  • Speicherung von Kunden- und Prüflingsdaten.

Für dreiphasige Geräte

steht entsprechendes Zubehör wie der:

HT-MK4 3-Phasen-Adapterkoffer

zur Verfügung.

Zusätzlich sind CEE-Adapter für:

  • 16 A,
  • 32 A

erhältlich.

Wichtig bei der aktuellen Normausgabe

Da Prüfgeräte und hinterlegte Prüfabläufe über viele Jahre eingesetzt werden, sollte bei Verwendung nach der aktuellen DIN EN IEC 60974-4:2025-12 grundsätzlich geprüft werden, ob Firmware und Herstellerfreigabe dem aktuellen Normstand entsprechen.

Weitere Lösungen finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.

Fazit

Die Prüfung eines Schweißgerätes unterscheidet sich deutlich von der Wiederholungsprüfung eines einfachen elektrischen Betriebsmittels.

Die aktuelle Prüfgrundlage ist DIN EN IEC 60974-4:2025-12

Sie regelt die wiederkehrende Prüfung sowie Prüfungen nach Reparatur und bei der Instandhaltung von Lichtbogenschweißeinrichtungen.

Der Schutzleiter ist nur ein Teil der Prüfung

Zusätzlich müssen insbesondere die Isolation zwischen Netz- und Schweißstromkreis sowie die relevanten Berührungs- und Schutzleiterströme geprüft werden.

Die Leerlaufspannung ist eine schweißgerätespezifische Schlüsselprüfung

Sie muss mit einer dafür vorgesehenen Messschaltung und geeigneter TRUE-RMS-/Spitzenwertmesstechnik erfasst werden.

Moderne Inverter benötigen besondere Aufmerksamkeit

Leistungselektronik, EMV-Beschaltungen und nicht galvanisch getrennte Stromkreise können Einfluss auf die Prüfverfahren haben. Herstellerhinweise sind deshalb Bestandteil einer fachgerechten Prüfung.

Dreiphasige Geräte benötigen geeignetes Zubehör

Ein professionelles 400-V-Schweißgerät lässt sich nicht einfach über die Prüfsteckdose eines gewöhnlichen 230-V-Gerätetesters vollständig prüfen.

Für die Praxis gilt

Gerät identifizieren → Sichtprüfung durchführen → Schutzleiter messen → Netz-, Schweiß- und Schutzleiterstromkreis korrekt gegeneinander auf Isolation prüfen → Berührungsstrom des Schweißstromkreises messen → gegebenenfalls Berührungsstrom zugänglicher Teile bestimmen → Schutzleiterstrom messen → Leerlaufspannung mit geeigneter Messschaltung prüfen → Funktionsprüfung durchführen → alle Messwerte dokumentieren → Gesamtbewertung vornehmen.

FAQ: Schweißgeräteprüfung nach DIN EN IEC 60974-4

Welche Norm gilt aktuell für die Wiederholungsprüfung von Schweißgeräten?

Aktuell gilt DIN EN IEC 60974-4:2025-12 beziehungsweise VDE 0544-4:2025-12.

Ist DIN EN 60974-4:2017-05 noch aktuell?

Nein. Die Ausgabe 2017-05 wurde durch DIN EN IEC 60974-4:2025-12 ersetzt.

Ist die Schweißgeräteprüfung eine normale VDE-0702-Prüfung?

Nein. Lichtbogenschweißeinrichtungen besitzen zusätzliche schweißgerätespezifische Prüfanforderungen, insbesondere am Schweißstromkreis und bei der Leerlaufspannung.

Was wird bei einem Schweißgerät geprüft?

Je nach Geräteausführung gehören Sichtprüfung, Schutzleiter, Isolation, Berührungsströme, Schutzleiterstrom, Leerlaufspannung, Funktionsprüfung und Dokumentation zum Prüfumfang.

Wie hoch darf der Schutzleiterwiderstand sein?

Bei einer Netzanschlussleitung bis 5 m beträgt der maximale Wert grundsätzlich 0,3 Ω. Bei längeren Leitungen erhöht sich der zulässige Wert entsprechend, maximal jedoch bis 1 Ω.

Warum soll die Anschlussleitung während der Schutzleiterprüfung bewegt werden?

Dadurch können intermittierende Leitungsunterbrechungen insbesondere an Stecker, Zugentlastung und Gehäuseeinführung erkannt werden.

Mit welcher Spannung wird der Isolationswiderstand geprüft?

Die Norm sieht grundsätzlich eine stabilisierte Gleichspannungsprüfung mit 500 V DC vor. Geräte- und Herstellerbesonderheiten müssen berücksichtigt werden.

Wie hoch muss die Isolation zwischen Netz- und Schweißstromkreis sein?

Der Mindestwert beträgt 5,0 MΩ.

Wie hoch muss die Isolation zwischen Schweißstromkreis und Schutzleiter sein?

Der Mindestwert beträgt 2,5 MΩ.

Kann eine Isolationsprüfung einen Schweißinverter beschädigen?

Bei falscher Durchführung ist dies möglich. Deshalb müssen die Geräteausführung und gegebenenfalls die Prüfanweisungen des Herstellers berücksichtigt werden.

Was ist der Berührungsstrom des Schweißstromkreises?

Er beschreibt den Strom zwischen den Schweißstromanschlüssen und dem Schutzleiter beziehungsweise Erdbezug unter den definierten Prüfbedingungen.

Wie hoch darf dieser Strom sein?

Der Berührungsstrom des Schweißstromkreises darf 10 mA RMS nicht überschreiten.

Was ist der normale Berührungsstrom an zugänglichen leitfähigen Teilen?

Bei zugänglichen leitfähigen Oberflächen, die nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind, beträgt der Grenzwert unter normalen Bedingungen 0,5 mA RMS.

Wie hoch darf der Schutzleiterstrom sein?

Bei Schutzklasse-I-Geräten grundsätzlich maximal 10 mA RMS, wobei für bestimmte fest angeschlossene Geräte mit verstärktem Schutzleiter besondere Regelungen gelten können.

Was ist die Leerlaufspannung eines Schweißgerätes?

Die Leerlaufspannung ist die Spannung zwischen den Schweißstromanschlüssen, wenn kein Schweißstrom beziehungsweise Lichtbogen fließt.

Warum ist die Leerlaufspannung sicherheitsrelevant?

Sie liegt direkt am Schweißstromkreis an und kann vom Bediener über Elektrodenhalter, Brenner oder Werkstückanschluss berührt werden.

Kann ich die Leerlaufspannung mit einem normalen Multimeter messen?

Für eine normgerechte Prüfung ist das in der Regel nicht ausreichend. Die Norm fordert definierte Messbedingungen sowie abhängig vom Signal TRUE-RMS- und Spitzenwertbewertung.

Warum zeigt ein Multimeter manchmal einen anderen Wert als ein Schweißgeräteprüfer?

Moderne Inverter können stark verzerrte oder gepulste Ausgangsspannungen erzeugen. Unterschiedliche Messverfahren reagieren darauf unterschiedlich.

Was bedeutet TRUE RMS?

TRUE RMS bezeichnet die echte Effektivwertmessung auch bei nicht sinusförmigen Spannungen oder Strömen.

Muss jedes Schweißgerät auf 113 V begrenzt sein?

Nein. Die zulässige Leerlaufspannung hängt unter anderem von der Arbeitsumgebung, Stromart und Geräteausführung ab.

Warum gelten in Bereichen mit erhöhter elektrischer Gefährdung niedrigere Werte?

Weil dort das Risiko eines gefährlichen Stromflusses durch den menschlichen Körper erhöht ist, beispielsweise bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit oder leitfähiger Umgebung.

Was ist eine Spannungsreduziereinrichtung?

Sie reduziert die Ausgangsspannung automatisch, wenn das Schweißgerät im Leerlauf ist, und erhöht damit den Schutz gegen elektrischen Schlag.

Muss diese Funktion ebenfalls geprüft werden?

Ja, wenn das Schweißgerät über eine entsprechende Einrichtung verfügt, gehört deren Funktion zur Prüfung.

Wie prüfe ich ein 400-V-Schweißgerät?

Dafür wird ein geeignetes Prüfgerät mit passenden dreiphasigen beziehungsweise CEE-Adaptern benötigt. Aktive Messungen müssen unter den vorgesehenen Netzbedingungen erfolgen.

Kann ein Schweißgerät funktionieren und trotzdem die Prüfung nicht bestehen?

Ja. Ein Gerät kann problemlos schweißen und trotzdem beispielsweise einen fehlerhaften Schutzleiter, zu niedrige Isolation oder eine unzulässige Leerlaufspannung besitzen.

Welches Prüfgerät von ICS eignet sich für Schweißgeräte?

Der MultiTest HT700+ ARC ist speziell auch für die Prüfung von Lichtbogenschweißeinrichtungen vorgesehen.

Kann der MultiTest HT700+ ARC Schutzleiterwiderstand messen?

Ja. Das Gerät unterstützt die Schutzleiterwiderstandsmessung mit Prüfströmen über 600 mA beziehungsweise 10 A.

Kann der HT700+ ARC Isolationswiderstände messen?

Ja. Der Gerätetester unterstützt Isolationsmessungen mit unterschiedlichen Prüfspannungen.

Gibt es Zubehör für dreiphasige Schweißgeräte?

Ja. Für den MultiTest HT700+ ARC stehen unter anderem dreiphasige Prüfadapter sowie CEE-Adapter für 16 A und 32 A zur Verfügung.

Warum sollten Messwerte gespeichert werden?

Die Messwerthistorie ermöglicht es, schleichende Veränderungen bereits vor einer Grenzwertüberschreitung zu erkennen und die Prüfung nachvollziehbar zu dokumentieren.

Wo finde ich weitere elektrische Prüfgeräte?

Eine Übersicht finden Sie unter Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider.

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