Ein Manometer befindet sich direkt an einer Druckleitung und wird regelmäßig von Bedienpersonal abgelesen. Im normalen Betrieb wirkt die Messstelle völlig unkritisch. Kommt es jedoch durch Überdruck, Druckstoß, Materialermüdung oder einen anderen Fehler zum Bersten des Messsystems, kann innerhalb kürzester Zeit erhebliche Energie freigesetzt werden.
Bei einem gewöhnlichen Manometer können dabei im ungünstigen Fall:
- Messstoff,
- Teile des Messsystems,
- Gehäuseteile,
- oder die Sichtscheibe
in Richtung des Bedieners austreten.
Genau hier setzt die Sicherheitsausführung S3 an. Sie kombiniert eine nicht splitternde Sichtscheibe, eine massive bruchsichere Trennwand zwischen Messsystem und Zifferblatt sowie eine ausblasbare Gehäuserückwand.
Im Fehlerfall wird die Druckentlastung gezielt nach hinten geführt. Die Frontseite, an der sich das Bedienpersonal typischerweise befindet, bleibt durch die Solidfront-Trennwand geschützt.
Ein passendes Beispiel ist das WIKA Sicherheitsmanometer Typ 232.30 beziehungsweise 233.30. Beide Geräte werden in Sicherheitsausführung S3 nach EN 837-1 gefertigt. Der Typ 233.30 besitzt zusätzlich eine Gehäusefüllung für Anwendungen mit hohen dynamischen Druckbelastungen oder Vibrationen.
Weitere Lösungen finden Sie unter Druckmesstechnik bei ICS Schneider.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Sicherheitsausführung S3?
- Wie schützt ein S3-Manometer den Bediener?
- Berstwand, Solidfront und ausblasbare Rückwand unterscheiden
- S1, S2 und S3 im Vergleich
- Wann sollte ein S3-Manometer eingesetzt werden?
- Warum gasförmige Medien besonders kritisch sind
- Gefährliche Medien richtig bewerten
- Ausblasrichtung bei der Montage berücksichtigen
- Freiraum hinter dem Manometer einhalten
- S3-Manometer in Schalttafeln und Bedienbereichen
- S3 ersetzt keinen Überdruckschutz
- Wann eine Gehäusefüllung sinnvoll ist
- Messbereich richtig wählen
- Werkstoff und Messstoffverträglichkeit prüfen
- Praxisbeispiel: Gasleitung im Bedienbereich
- Typische Auswahl- und Montagefehler
- Sicherheitsmanometer systematisch auswählen
- Passende Sicherheitsmanometer bei ICS Schneider
- Fazit
- FAQ
Was bedeutet Sicherheitsausführung S3?
Die Sicherheitsausführung eines Manometers beschreibt nicht seine Messgenauigkeit, sondern konstruktive Maßnahmen zum Schutz von Personen im Fehlerfall.
Bei einem Manometer der Sicherheitsstufe S3 gehören dazu insbesondere:
- eine nicht splitternde beziehungsweise sicher ausgeführte Sichtscheibe,
- eine bruchsichere Trennwand zwischen Messsystem und Zifferblatt,
- eine ausblasbare Gehäuserückwand.
Die Trennwand wird häufig als:
Solidfront
bezeichnet.
Das Schutzprinzip
Versagt beispielsweise die Rohrfeder, soll die freiwerdende Energie nicht nach vorne über Sichtscheibe und Zifferblatt entweichen.
Stattdessen wird die Entlastung konstruktiv nach hinten geleitet.
Damit wird insbesondere die Person geschützt, die vor dem Manometer steht und den Messwert abliest.
Wie schützt ein S3-Manometer den Bediener?
Ein Rohrfedermanometer enthält ein druckbeaufschlagtes elastisches Messelement.
Im normalen Betrieb verformt sich die Rohrfeder abhängig vom Prozessdruck. Über ein mechanisches Zeigerwerk wird diese Bewegung auf den Zeiger übertragen.
Im Fehlerfall kann jedoch beispielsweise:
Rohrfeder → Messsystem → Gehäuseinnenraum
mit Prozessdruck beaufschlagt werden.
Bei einer S3-Ausführung befindet sich zwischen Messsystem und Anzeige eine massive Trennwand
Dadurch sind:
- Zifferblatt,
- Zeiger,
- Sichtscheibe,
- Bedienerseite
vom eigentlichen druckbeaufschlagten Messsystem getrennt.
Gleichzeitig ist die Rückseite des Gehäuses so ausgeführt, dass sie sich im Fehlerfall gezielt entlasten kann.
S3 bedeutet damit nicht, dass das Manometer im Fehlerfall geschlossen bleibt. Die Sicherheitsfunktion besteht gerade darin, die freiwerdende Energie in eine definierte, vom Bediener weggerichtete Richtung abzuleiten.
Berstwand, Solidfront und ausblasbare Rückwand unterscheiden
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird bei Sicherheitsmanometern häufig von einer:
Berstwand
gesprochen.
Technisch sollten jedoch zwei unterschiedliche Bauteile auseinandergehalten werden.
Bruchsichere Trennwand – Solidfront
Sie befindet sich zwischen:
Messsystem ↔ Zifferblatt / Sichtscheibe
und verhindert, dass Teile des Messsystems im Fehlerfall nach vorne austreten.
Ausblasbare Rückwand
Sie befindet sich auf der Gehäuserückseite und stellt den vorgesehenen Entlastungsweg dar.
Im Fehlerfall kann sie sich öffnen beziehungsweise ausblasen, sodass:
- Druck,
- Messstoff,
- gegebenenfalls Bauteile
nach hinten austreten können.
Für eine sichere Messstelle sind deshalb beide Eigenschaften entscheidend: eine stabile Frontbarriere und ein freier Entlastungsweg auf der Rückseite.
S1, S2 und S3 im Vergleich
| Sicherheitsstufe | Konstruktives Prinzip | Personenschutz |
|---|---|---|
| S1 | Entlastungsöffnung beziehungsweise Ausblasvorrichtung in der Gehäuserückseite | Druck kann nach hinten entlastet werden, jedoch keine massive Trennung zwischen Messsystem und Front |
| S2 | Ausblasvorrichtung beziehungsweise ausblasbare Rückwand | Erweiterte Druckentlastung, jedoch ohne Solidfront-Trennwand |
| S3 | Bruchsichere Trennwand + ausblasbare Rückwand + sicher ausgeführte Sichtscheibe | Höchste Sicherheitsstufe mit gezielter Entlastung zur Rückseite und Schutz der Frontseite |
Der wesentliche Unterschied zwischen S1 und S3
Auch eine S1-Ausführung besitzt eine rückseitige Entlastungsmöglichkeit.
Bei einer sehr schnellen und energiereichen Beschädigung des Messsystems ist jedoch keine Solidfront-Trennwand vorhanden, die die Bedienerseite konstruktiv vom Messsystem trennt.
S3 ergänzt deshalb die rückseitige Druckentlastung um eine massive Schutzbarriere zur Vorderseite.
Wann sollte ein S3-Manometer eingesetzt werden?
Die Auswahl hängt nicht ausschließlich vom maximalen Prozessdruck ab.
Zu bewerten sind unter anderem:
- Aggregatzustand des Messstoffs,
- Betriebsdruck,
- gespeicherte Energie,
- Gefährlichkeit des Messstoffs,
- Aufstellort,
- Aufenthaltsbereich von Personen,
- mögliche Druckstöße,
- Prozessrisiko bei einem Messsystembruch.
Besonders sinnvoll ist S3 bei Messstellen mit erhöhtem Personenschutzbedarf
Beispielsweise wenn sich das Manometer:
- direkt auf Augenhöhe befindet,
- an einem Bedienplatz befindet,
- regelmäßig manuell abgelesen wird,
- in einem begehbaren Anlagenbereich installiert ist,
- einen kompressiblen oder gefährlichen Messstoff misst.
Warum gasförmige Medien besonders kritisch sind
Der Unterschied zwischen Flüssigkeiten und Gasen ist für die Sicherheitsbewertung besonders wichtig.
Flüssigkeiten sind unter normalen Bedingungen nur sehr gering kompressibel.
Gase speichern dagegen bei Druckbeaufschlagung deutlich mehr Expansionsenergie.
Bei einem plötzlichen Bruch
kann ein komprimiertes Gas sehr schnell expandieren.
Dadurch kann ein Manometergehäuse erheblich stärker belastet werden als bei einer vergleichbaren Flüssigkeitsanwendung.
WIKA weist unter Bezug auf EN 837-2 für gasförmige beziehungsweise dampfförmige Messstoffe ab einem Betriebsdruck von etwa:
25 bar
auf die Verwendung einer Sicherheitsausführung S3 hin.
Der Druckwert allein reicht jedoch nicht aus
Auch unterhalb dieser Größenordnung kann eine S3-Ausführung sinnvoll sein, beispielsweise bei:
- brennbaren Gasen,
- toxischen Gasen,
- Wasserstoff,
- stark pulsierenden Gasleitungen,
- Messstellen unmittelbar im Bedienbereich.
Die konkrete Risikobeurteilung der Anlage bleibt entscheidend.
Gefährliche Medien richtig bewerten
Ein S3-Gehäuse verbessert den Personenschutz im Fall eines mechanischen Versagens.
Es macht ein Manometer jedoch nicht automatisch für jeden gefährlichen Messstoff geeignet.
Bei gefährlichen Medien müssen zusätzlich geprüft werden
- chemische Beständigkeit der messstoffberührten Werkstoffe,
- Dichtungswerkstoffe,
- Prozessanschluss,
- zulässige Temperatur,
- erforderliche Dichtheit,
- Reinheitsanforderungen,
- Explosionsschutz, falls erforderlich,
- geltende anwendungsspezifische Vorschriften.
Sauerstoff
Bei Sauerstoffanwendungen ist beispielsweise nicht allein S3 entscheidend.
Das Messgerät muss zusätzlich für Sauerstoff geeignet und entsprechend:
öl- und fettfrei
ausgeführt sein.
Wasserstoff
Bei Wasserstoff sind zusätzlich Werkstoffverträglichkeit und Dichtheit zu berücksichtigen. WIKA empfiehlt für entsprechende Anwendungen unter anderem die Sicherheitsausführung der Typen 232.30 beziehungsweise 233.30.
Brennbare oder toxische Medien
Hier ist besonders wichtig, wohin der Messstoff bei einer rückseitigen Druckentlastung gelangen würde.
Ein S3-Manometer schützt die Person vor dem direkten Austritt nach vorne. Es verhindert jedoch nicht grundsätzlich, dass Prozessmedium im Fehlerfall aus dem Gerät austritt.
Die rückseitige Ausblaszone muss deshalb ebenfalls in die Anlagen-Sicherheitsbetrachtung einbezogen werden.
Ausblasrichtung bei der Montage berücksichtigen
Die Sicherheitsfunktion eines S3-Manometers funktioniert nur sinnvoll, wenn die Rückseite tatsächlich als Entlastungsweg genutzt werden kann.
Ungünstig wäre beispielsweise
das Manometer so zu montieren, dass sich unmittelbar hinter der ausblasbaren Rückwand:
- eine massive Wand,
- ein Rohr,
- ein Schaltschrankbauteil,
- eine Kabeltrasse
befindet.
Dadurch könnte die vorgesehene Druckentlastung behindert werden.
Noch kritischer
ist eine Einbausituation, bei der sich regelmäßig Personen hinter dem Manometer aufhalten.
Der vorgesehene Sicherheitsbereich verlagert sich bei einem S3-Manometer bewusst von der Front auf die Rückseite.
Diese Ausblasrichtung muss deshalb bereits bei der Planung der Messstelle berücksichtigt werden.
Freiraum hinter dem Manometer einhalten
Für Manometer mit ausblasbarer Rückwand beziehungsweise Entlastungseinrichtung muss ausreichend Freiraum hinter dem Gehäuse vorhanden sein.
WIKA nennt in entsprechenden Betriebsanleitungen einen Mindestabstand von:
20 mm
zu Gegenständen hinter der Druckentlastung.
Dieser Wert ist kein allgemeiner Ersatz für die Herstelleranleitung
Für die konkrete Geräteausführung müssen immer:
- Datenblatt,
- Betriebsanleitung,
- Zulassungen
des tatsächlich verwendeten Manometers geprüft werden.
Bei sicherheitskritischen Anwendungen sollte die Ausblaszone darüber hinaus so gestaltet werden, dass austretendes Medium keine neue Gefährdung erzeugt.
S3-Manometer in Schalttafeln und Bedienbereichen
Gerade bei einem Einbau in Schalttafeln ist die S3-Funktion sorgfältig zu berücksichtigen.
Von vorne wirkt die Montage ideal
Das Bedienpersonal sieht lediglich:
- Zifferblatt,
- Zeiger,
- sicher ausgeführte Sichtscheibe.
Die gefährdete Seite befindet sich hinter der Schalttafel.
Dort muss jedoch genügend Raum vorhanden sein
Die ausblasbare Rückwand darf nicht:
- direkt an einer Montageplatte anliegen,
- durch Elektronikkomponenten verdeckt werden,
- gegen eine Kabeltrasse ausblasen,
- in einen regelmäßig betretenen Bereich entlasten.
Bei toxischen oder brennbaren Medien kann es erforderlich sein, die gesamte Messstelle anders anzuordnen oder das Manometer über eine geeignete Messleitung von der eigentlichen Druckentnahme räumlich zu trennen.
S3 ersetzt keinen Überdruckschutz
Ein häufiger Auswahlfehler besteht darin, Sicherheitsausführung und Überlastsicherheit miteinander gleichzusetzen.
Das sind zwei unterschiedliche Eigenschaften.
S3 beschreibt
das Verhalten des Gehäuses im Fehlerfall
Überlastsicherheit beschreibt
welchen Druck das Messsystem ohne bleibende Beschädigung aufnehmen kann
Ein S3-Manometer darf deshalb nicht automatisch mit einem beliebig hohen Druck beaufschlagt werden.
Bei Druckspitzen können zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sein
Beispielsweise:
- Drosselbohrung,
- einstellbare Dämpfung,
- Überdruckschutzvorrichtung,
- hochüberlastsicheres Manometer.
Die S3-Sicherheitsausführung ist die letzte Schutzbarriere für den Fehlerfall und kein Ersatz für eine korrekt ausgelegte Druckmessstelle.
Wann eine Gehäusefüllung sinnvoll ist
Die WIKA Typen 232.30 und 233.30 besitzen grundsätzlich das gleiche S3-Sicherheitsprinzip.
Der wesentliche Unterschied ist:
| Typ | Ausführung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 232.30 | ungefülltes Gehäuse | ruhige Prozessbedingungen |
| 233.30 | Gehäuse mit Flüssigkeitsfüllung | Vibrationen und dynamische Druckbelastungen |
Eine Gehäusefüllung dämpft insbesondere
- Zeigerschwingungen,
- mechanische Vibrationen,
- Belastung des Zeigerwerks.
Dadurch lässt sich der Messwert bei unruhigen Anlagenbedingungen besser ablesen und die mechanische Belastung der Anzeige reduzieren.
Eine Gehäusefüllung dämpft jedoch keine extremen Prozessdruckspitzen am eigentlichen Messelement. Bei starken Pulsationen muss gegebenenfalls zusätzlich eine Drossel oder ein Pulsationsdämpfer eingesetzt werden.
Messbereich richtig wählen
Auch ein S3-Manometer muss passend zum tatsächlichen Betriebsdruck dimensioniert werden.
Für eine gute Ablesbarkeit und ausreichende Reserve sollte der normale Betriebsdruck nicht dauerhaft am Skalenendwert liegen.
Als bewährte Orientierung
sollte sich der normale Betriebsdruck möglichst im mittleren Bereich der Skala befinden.
Beispiel:
Betriebsdruck ca. 6 bar → Messbereich 0 … 10 bar
kann je nach Prozess sinnvoller sein als:
Messbereich 0 … 6 bar
wenn Druckschwankungen bis nahe an 6 bar auftreten.
Bei pulsierenden Drücken
ist zusätzlich die zulässige dynamische Belastung zu beachten.
Ein falsch gewählter Messbereich erhöht die Wahrscheinlichkeit von:
- bleibender Rohrfederverformung,
- Nullpunktverschiebung,
- vorzeitigem Verschleiß,
- Ausfall des Messsystems.
Werkstoff und Messstoffverträglichkeit prüfen
Die Sicherheitsausführung S3 sagt zunächst nichts darüber aus, ob der Messstoff mit dem Messsystem chemisch verträglich ist.
Beim WIKA 232.30 beziehungsweise 233.30 besteht das Messelement standardmäßig aus CrNi-Stahl.
Das eignet sich für viele:
- gasförmige,
- flüssige,
- aggressive
Messstoffe, sofern diese nicht hochviskos oder kristallisierend sind und die konkrete Werkstoffverträglichkeit gegeben ist.
Bei kritischen Messstoffen kann ein Druckmittler erforderlich sein
Beispielsweise bei:
- hochviskosen Medien,
- kristallisierenden Medien,
- stark verschmutzten Medien,
- sehr heißen Medien,
- Medien, die nicht in die Rohrfeder gelangen dürfen.
Dann wird das Manometer vom Prozessmedium über einen geeigneten Druckmittler getrennt.
Praxisbeispiel: Gasleitung im Bedienbereich
An einer Prozessanlage soll der Druck einer Gasleitung überwacht werden.
Die Messstelle befindet sich in etwa:
1,6 m Höhe
und wird täglich vom Bedienpersonal kontrolliert.
Der Betriebsdruck beträgt:
40 bar
Ungeeignete Auswahl
Ein normales Prozessmanometer mit einfacher rückseitiger Entlastungsöffnung wird unmittelbar auf Augenhöhe montiert.
Im unwahrscheinlichen Fall eines schlagartigen Messsystembruchs befindet sich der Bediener unmittelbar vor der Sichtscheibe.
Bessere Lösung
Verwendet wird ein:
S3-Sicherheitsmanometer
mit:
- Solidfront-Trennwand,
- nicht splitternder Sichtscheibe,
- ausblasbarer Rückwand.
Das Manometer wird so montiert, dass hinter der Gehäuserückseite ausreichend Freiraum vorhanden ist und der rückwärtige Bereich nicht als Bedien- oder Verkehrsweg genutzt wird.
Zusätzlich werden:
- Messbereich,
- Werkstoffverträglichkeit,
- Überdruckbelastung,
- Pulsationen,
- Messstoffgefährdung
geprüft.
Erst die Kombination aus geeignetem Manometer und korrekter Einbausituation ergibt eine sichere Messstelle.
Typische Auswahl- und Montagefehler
| Beobachtung / Auswahl | Problem | Sinnvolle Maßnahme |
|---|---|---|
| Standardmanometer an Hochdruck-Gasleitung | unzureichender Personenschutz | Sicherheitsstufe prüfen, gegebenenfalls S3 einsetzen |
| Ausblasbare Rückwand direkt vor einer Wand | Druckentlastung behindert | erforderlichen rückseitigen Freiraum schaffen |
| Personen halten sich regelmäßig hinter dem Manometer auf | Ausblasrichtung führt in Aufenthaltsbereich | Einbauort beziehungsweise Ausrichtung ändern |
| S3 wird als Überdruckschutz betrachtet | Messsystem kann trotzdem überlastet werden | Messbereich und Überdruckschutz separat auslegen |
| Manometer vibriert stark | Zeigerwerk und Anzeige werden belastet | gefüllte Ausführung beziehungsweise Entkopplung prüfen |
| Gefährlicher Messstoff wird nur aufgrund S3 freigegeben | Werkstoff- oder Prozessrisiken nicht bewertet | Messstoffverträglichkeit und Vorschriften separat prüfen |
| Sauerstoff mit Standardausführung | fehlende Reinheitsanforderung | öl- und fettfreie Sauerstoffausführung verwenden |
| Starke Druckstöße trotz S3 | Rohrfeder wird mechanisch überlastet | Drossel, Dämpfer oder Überdruckschutz vorsehen |
| Gefülltes Manometer wird für pulsierende Prozessdrücke als ausreichend angesehen | Gehäusefüllung dämpft primär das Zeigerwerk | Prozesspulsationen zusätzlich begrenzen |
| Manometer sitzt unmittelbar im Bedienbereich, Rückseite in Schaltschrank | Ausblaszone möglicherweise blockiert | Schaltschrankaufbau und rückseitigen Freiraum prüfen |
Sicherheitsmanometer systematisch auswählen
- Messstoff bestimmen: Flüssigkeit, Gas oder Dampf eindeutig festlegen.
- Gefährlichkeit bewerten: Brennbarkeit, Toxizität, Reaktivität und besondere Reinheitsanforderungen berücksichtigen.
- Betriebsdruck bestimmen: Normaldruck, maximale Betriebswerte und mögliche Druckspitzen erfassen.
- Personengefährdung bewerten: Befindet sich die Messstelle im Bedien- oder Verkehrsbereich?
- Sicherheitsstufe festlegen: Anforderungen nach EN 837 sowie Anlagen-Risikobeurteilung berücksichtigen.
- Bei erhöhtem Personenschutz S3 prüfen: Insbesondere bei kompressiblen und gefährlichen Messstoffen.
- Messbereich auswählen: Betriebsdruck nicht dauerhaft am Skalenendwert betreiben.
- Werkstoffe prüfen: Messsystem, Anschluss und gegebenenfalls Dichtungen müssen zum Messstoff passen.
- Überdruck bewerten: Sicherheitsausführung nicht mit Überlastschutz verwechseln.
- Pulsationen bewerten: Gegebenenfalls Drossel oder Dämpfung vorsehen.
- Vibrationen berücksichtigen: Bei Bedarf flüssigkeitsgefüllte Ausführung wählen.
- Ausblasrichtung planen: Rückseite nicht in Richtung von Bedienern oder empfindlichen Komponenten orientieren.
- Freiraum einhalten: Herstellerangaben für die ausblasbare Rückwand beachten.
- Montageposition kontrollieren: Solidfront schützt nur dann sinnvoll, wenn die vorgesehene Entlastungsrichtung frei bleibt.
- Besondere Zulassungen prüfen: Beispielsweise ATEX, Sauerstoffausführung oder weitere anwendungsspezifische Anforderungen.
Passende Sicherheitsmanometer bei ICS Schneider
WIKA Typ 232.30 – Sicherheitsmanometer ohne Gehäusefüllung
Der WIKA Typ 232.30 ist ein Rohrfedermanometer aus CrNi-Stahl für erhöhte Sicherheitsanforderungen in der Prozessindustrie.
Wesentliche Eigenschaften sind:
- Sicherheitsausführung S3,
- bruchsichere Solidfront-Trennwand,
- ausblasbare Rückwand,
- nicht splitternde Sichtscheibe,
- CrNi-Stahl-Ausführung,
- Anzeigebereiche von 0 … 0,6 bis 0 … 1.600 bar.
Das Gerät eignet sich für viele flüssige und gasförmige, auch aggressive Medien, sofern Werkstoffverträglichkeit und weitere Prozessbedingungen erfüllt sind.
WIKA Typ 233.30 – Sicherheitsmanometer mit Gehäusefüllung
Der WIKA Typ 233.30 besitzt zusätzlich eine Gehäuseflüssigkeitsfüllung.
Diese Ausführung ist besonders interessant bei:
- mechanischen Vibrationen,
- unruhiger Zeigeranzeige,
- dynamischen Druckbelastungen.
Weitere Optionen
Für spezielle Anwendungen sind je nach Konfiguration unter anderem Ausführungen für:
- Sauerstoff, öl- und fettfrei,
- explosionsgefährdete Bereiche,
- besondere Werkstoffe,
- erhöhte Dichtheitsanforderungen
verfügbar.
Weitere Manometer finden Sie unter Druckmesstechnik bei ICS Schneider.
Fazit
Bei einem Sicherheitsmanometer der Stufe S3 steht nicht eine höhere Messgenauigkeit, sondern der Schutz von Personen im Fehlerfall im Mittelpunkt.
S3 kombiniert mehrere Schutzmaßnahmen
Eine bruchsichere Solidfront-Trennwand schützt die Bedienerseite, während eine ausblasbare Rückwand Druck, Messstoff und gegebenenfalls Bauteile gezielt nach hinten ableitet.
Die Ausblasrichtung gehört zur Sicherheitsfunktion
Ein S3-Manometer darf deshalb nicht mit blockierter Rückseite oder unmittelbar vor einem Aufenthaltsbereich montiert werden.
Besonders bei Gasen gewinnt S3 an Bedeutung
Komprimierte Gase speichern deutlich mehr Expansionsenergie als Flüssigkeiten. Bei höheren Drücken und in Bedienbereichen ist der Personenschutz deshalb besonders sorgfältig zu bewerten.
Gefährliche Medien benötigen zusätzliche Prüfungen
S3 ersetzt weder Werkstoffverträglichkeit noch Sauerstoffreinheit, Explosionsschutz oder andere anwendungsspezifische Anforderungen.
S3 ist auch kein Überdruckschutz
Druckspitzen und Pulsationen müssen weiterhin durch eine geeignete Messbereichsauswahl beziehungsweise zusätzliche Schutzkomponenten beherrscht werden.
Für die Praxis gilt
Messstoff und Betriebsdruck bestimmen → Gefährdung und Bedienbereich bewerten → geeignete Sicherheitsstufe auswählen → bei erhöhtem Personenschutz S3 prüfen → Messbereich und Überlastung separat auslegen → Werkstoffe und Zulassungen kontrollieren → Vibrationen und Pulsationen berücksichtigen → ausblasbare Rückwand frei halten → Ausblasrichtung vom Bedienpersonal weg planen → Herstellerangaben zum rückseitigen Freiraum einhalten.
FAQ: Sicherheitsmanometer S3 richtig auswählen
Was bedeutet S3 bei einem Manometer?
S3 bezeichnet eine Sicherheitsausführung mit bruchsicherer Trennwand zwischen Messsystem und Zifferblatt sowie einer ausblasbaren Rückwand. Dadurch wird das Bedienpersonal an der Vorderseite im Fehlerfall geschützt.
Was ist eine Solidfront-Ausführung?
Solidfront bezeichnet die massive Trennwand zwischen dem druckbeaufschlagten Messsystem und der Frontseite des Manometers.
Was ist die Berstwand bei einem Sicherheitsmanometer?
Umgangssprachlich wird dieser Begriff unterschiedlich verwendet. Bei einer S3-Ausführung sollte zwischen der bruchsicheren Solidfront-Trennwand und der ausblasbaren Gehäuserückwand unterschieden werden.
Was passiert, wenn die Rohrfeder eines S3-Manometers platzt?
Die Solidfront-Trennwand schützt die Vorderseite. Druck, Messstoff und mögliche Bauteile sollen über die dafür vorgesehene Gehäuserückseite austreten.
Was ist der Unterschied zwischen S1 und S3?
S1 besitzt eine rückseitige Entlastungsmöglichkeit. S3 verfügt zusätzlich über eine massive Trennwand zwischen Messsystem und Bedienerseite und bietet damit einen höheren Personenschutz.
Wann ist S3 bei gasförmigen Medien sinnvoll?
Bei gasförmigen und dampfförmigen Messstoffen steigt das Risiko aufgrund der gespeicherten Expansionsenergie. WIKA weist unter Bezug auf EN 837-2 insbesondere ab etwa 25 bar Betriebsdruck auf S3 hin. Die konkrete Risikobeurteilung bleibt jedoch entscheidend.
Brauche ich unter 25 bar niemals S3?
Nein. Bei gefährlichen Gasen, Wasserstoff, toxischen Medien oder Messstellen unmittelbar im Bedienbereich kann S3 auch bei niedrigeren Drücken sinnvoll beziehungsweise aufgrund anderer Anforderungen erforderlich sein.
Ist ein S3-Manometer überdrucksicher?
Nicht automatisch. S3 beschreibt das Sicherheitsverhalten des Gehäuses im Fehlerfall. Die zulässige Überlast des Messsystems ist eine separate technische Eigenschaft.
Schützt S3 vor Druckstößen?
S3 schützt Personen bei einem möglichen Geräteversagen. Druckstöße sollten trotzdem durch geeignete Drosseln, Dämpfer oder Überdruckschutzvorrichtungen begrenzt werden.
Warum muss hinter einem S3-Manometer Platz bleiben?
Die Gehäuserückseite ist der vorgesehene Druckentlastungsweg. Wird sie blockiert, kann die Sicherheitsfunktion beeinträchtigt werden.
Wie viel Platz muss hinter der ausblasbaren Rückwand bleiben?
WIKA nennt in entsprechenden Betriebsanleitungen mindestens 20 mm Abstand zu Gegenständen. Für die konkrete Ausführung ist immer die zugehörige Betriebsanleitung maßgeblich.
Darf sich hinter dem Manometer eine Wand befinden?
Nur wenn der erforderliche Freiraum für die Druckentlastung eingehalten wird und die Ausblasfunktion nicht behindert wird.
Kann ein S3-Manometer in eine Schalttafel eingebaut werden?
Ja, sofern die rückseitige Ausblaszone ausreichend frei bleibt und die Druckentlastung nicht durch Montageplatten, Kabelkanäle oder andere Bauteile behindert wird.
Ist ein S3-Manometer automatisch für brennbare Gase geeignet?
Nein. Zusätzlich müssen Werkstoffverträglichkeit, Dichtheit, gegebenenfalls Explosionsschutz und weitere anwendungsspezifische Anforderungen geprüft werden.
Ist ein S3-Manometer automatisch für Sauerstoff geeignet?
Nein. Für Sauerstoff werden zusätzlich speziell gereinigte, öl- und fettfreie Ausführungen benötigt.
Welches S3-Manometer eignet sich bei Vibrationen?
Der WIKA Typ 233.30 besitzt eine Gehäusefüllung und eignet sich dadurch besonders für Messstellen mit mechanischen Vibrationen und dynamischen Druckbelastungen.
Was ist der Unterschied zwischen WIKA 232.30 und 233.30?
Der Typ 232.30 besitzt ein ungefülltes Gehäuse. Der Typ 233.30 ist mit Gehäuseflüssigkeitsfüllung erhältlich und dämpft dadurch die Zeigerbewegung bei Vibrationen.
Welche Messbereiche gibt es beim WIKA 232.30 und 233.30?
Je nach Ausführung stehen Anzeigebereiche von 0 … 0,6 bis 0 … 1.600 bar zur Verfügung.
Wo finde ich das WIKA Sicherheitsmanometer bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA Typ 232.30 und 233.30 bei ICS Schneider.
Wo finde ich weitere Druckmessgeräte?
Eine Übersicht finden Sie unter Druckmesstechnik bei ICS Schneider.
