Wärmebildkamera im Schaltschrank: Überhitzte Klemmen, Sicherungen und Schütze früh erkennen

HIKMICRO M11 bei der Wärmebildprüfung überhitzter Klemmen und Schütze im Schaltschrank
→ Produktgruppe: Wärmebildkameras

 

Lose Klemmen, verschlissene Kontakte und überlastete Betriebsmittel kündigen sich häufig durch eine erhöhte Temperatur an. Mit einer Wärmebildkamera lassen sich solche thermischen Auffälligkeiten erkennen, bevor es zu Abschaltungen, beschädigten Komponenten oder einem Produktionsausfall kommt.

Die Thermografie ist besonders hilfreich, weil der Schaltschrank während des normalen Betriebs untersucht werden kann. Dadurch werden Fehler sichtbar, die im spannungsfreien Zustand nicht auftreten würden. Eine lose Verbindung erwärmt sich beispielsweise erst, wenn ausreichend Strom über den erhöhten Übergangswiderstand fließt.

Ein heller oder roter Bereich im Wärmebild ist jedoch nicht automatisch ein Defekt. Sicherungen, Schütze, Frequenzumrichter und Netzteile erzeugen im Betrieb regelmäßig Wärme. Entscheidend sind Temperaturunterschiede zu vergleichbaren Komponenten, die aktuelle Belastung, die Umgebungstemperatur und die zeitliche Entwicklung.

Dieser Beitrag erklärt, wie Schaltschränke thermografisch geprüft werden, woran sich typische Fehlerbilder erkennen lassen und weshalb Emissionsgrad, Reflexion und Sicherheitsabstand für eine zuverlässige Bewertung wichtig sind.

Inhaltsverzeichnis

Was eine Wärmebildkamera im Schaltschrank erkennt

Eine Wärmebildkamera erfasst die von einer Oberfläche abgegebene und reflektierte Infrarotstrahlung. Daraus berechnet sie eine scheinbare Oberflächentemperatur und stellt Temperaturunterschiede als Wärmebild dar.

Im Schaltschrank können dadurch unter anderem folgende Auffälligkeiten sichtbar werden:

  • erhöhte Übergangswiderstände an Klemmen und Kontakten
  • überlastete Leitungen und Betriebsmittel
  • unsymmetrisch belastete Phasen
  • defekte Sicherungshalter oder Leistungsschalter
  • erwärmte Schütz- und Relaiskontakte
  • unzureichende Belüftung oder Kühlung
  • lokale Wärmenester an Frequenzumrichtern und Netzteilen

Die Kamera misst ausschließlich die sichtbare Oberfläche. Ein interner Kontaktfehler kann nur indirekt durch die Erwärmung des Gehäuses, Anschlusses oder Leiters erkannt werden.

Metallische Türen und geschlossene Abdeckungen sind für übliche Wärmebildkameras nicht durchsichtig. Eine zuverlässige Prüfung erfordert daher einen sicheren Sichtkontakt zum Bauteil oder ein dafür vorgesehenes Infrarotfenster.

Warum die Anlage unter Last geprüft werden sollte

Viele elektrische Fehler erzeugen ihre charakteristische Erwärmung erst unter Belastung. Wird ein Schaltschrank unmittelbar nach dem Einschalten oder bei geringer Anlagenleistung geprüft, kann ein vorhandener Fehler unentdeckt bleiben.

Die Messung sollte möglichst unter einem repräsentativen Betriebszustand erfolgen. Dabei sind insbesondere zu dokumentieren:

  • aktueller Laststrom
  • Auslastung der Maschine oder Anlage
  • Umgebungstemperatur
  • Betriebsdauer vor der Messung
  • Schaltzustand relevanter Verbraucher

Ein Vergleich mit einer früheren Aufnahme ist nur sinnvoll, wenn die Betriebsbedingungen ähnlich sind. Eine Klemme bei 80 % Anlagenlast kann nicht ohne Weiteres mit einer Aufnahme bei 20 % Last verglichen werden.

Nach größeren Laständerungen sollte ausreichend gewartet werden, bis sich ein weitgehend stabiler thermischer Zustand eingestellt hat.

Sicherheit beim geöffneten Schaltschrank

Für eine thermografische Untersuchung müssen häufig Abdeckungen entfernt oder Schaltschranktüren geöffnet werden. Dadurch können aktive Teile zugänglich werden und das Risiko eines elektrischen Schlags oder Lichtbogens steigt.

Arbeiten und Messungen an geöffneten elektrischen Anlagen dürfen ausschließlich von dafür qualifizierten Elektrofachkräften nach den geltenden betrieblichen Sicherheitsregeln durchgeführt werden.

Vor der Messung sind unter anderem zu prüfen:

  • Nennspannung und Kurzschlussleistung der Anlage
  • erforderlicher Sicherheitsabstand
  • notwendige persönliche Schutzausrüstung
  • sicherer Standort des Prüfers
  • Zustand der Abdeckungen und Verriegelungen
  • mögliche Gefährdung durch bewegliche Anlagenteile

Die Wärmebildkamera ermöglicht eine berührungslose Messung. Sie hebt jedoch die Gefährdung durch den geöffneten Schaltschrank nicht auf.

Bei regelmäßig zu prüfenden kritischen Anlagen können geeignete Infrarotfenster die Inspektion erleichtern. Deren Transmission muss bei der Temperaturmessung berücksichtigt werden.

Typische thermische Fehlerbilder

Die Form und Verteilung der Erwärmung gibt häufig einen ersten Hinweis auf die Ursache.

Thermisches Erscheinungsbild Mögliche Ursache Weitere Prüfung
Punktuell heißer Anschluss Lose Klemme, Korrosion oder erhöhter Übergangswiderstand Spannungsfrei schalten und Verbindung fachgerecht kontrollieren
Gesamter Leiter gleichmäßig warm Hoher Laststrom oder zu geringer Leiterquerschnitt Strom messen und Auslegung prüfen
Eine Phase deutlich wärmer Unsymmetrische Belastung oder Kontaktproblem Phasenströme und Anschlussstellen vergleichen
Sicherung an einem Ende heiß Kontaktproblem im Sicherungshalter Halter, Klemmung und Kontaktflächen prüfen
Mehrere Geräte im oberen Bereich warm Wärmestau oder unzureichende Belüftung Schaltschrankklimatisierung kontrollieren
Schütz lokal an einem Hauptkontakt warm Kontaktverschleiß oder erhöhter Übergangswiderstand Kontaktzustand und Spannungsfall prüfen

Eine thermische Auffälligkeit liefert zunächst einen Verdacht. Die Ursache sollte anschließend mit elektrischen Messungen und einer Prüfung im spannungsfreien Zustand bestätigt werden.

Lose und überhitzte Klemmen erkennen

Eine lose oder beschädigte Klemme besitzt häufig einen erhöhten Übergangswiderstand. Fließt Strom über diese Stelle, entsteht lokal Verlustleistung.

Typisch ist ein stark begrenzter Hotspot unmittelbar an der Klemmstelle. Der angeschlossene Leiter kann sich von dort ausgehend ebenfalls erwärmen, wobei die Temperatur mit zunehmendem Abstand häufig abnimmt.

Eine Überlast zeigt dagegen eher eine gleichmäßigere Erwärmung über eine größere Leiter- oder Bauteillänge.

Mögliche Ursachen einer auffälligen Klemme sind:

  • unzureichendes Anzugsmoment
  • nicht vollständig eingeführter Leiter
  • ungeeignete oder beschädigte Aderendhülse
  • Korrosion oder Verschmutzung
  • mechanische Lockerung durch Vibrationen
  • thermische Alterung der Kontaktstelle

Eine verdächtige Klemme darf nicht während des laufenden Betriebs nachgezogen werden. Der Stromkreis muss sicher freigeschaltet und die Verbindung nach Hersteller- und Betriebsvorgaben geprüft werden.

Sicherungen und Sicherungshalter beurteilen

Sicherungen erwärmen sich unter Last. Eine gewisse Temperaturerhöhung ist deshalb nicht automatisch ungewöhnlich.

Hinweise auf einen Fehler sind insbesondere:

  • deutlicher Temperaturunterschied zwischen drei gleich belasteten Sicherungen
  • starke Erwärmung nur an einem Kontaktende
  • Hotspot am Sicherungshalter statt am Sicherungseinsatz
  • Verfärbung oder beschädigte Kunststoffteile
  • zunehmende Erwärmung bei unveränderter Belastung

Eine warme Sicherung kann auch durch einen höheren Strom in dieser Phase verursacht werden. Vor einer Bewertung sollten daher die tatsächlichen Phasenströme gemessen werden.

Bei einem lokalen Hotspot am Halter sind Kontaktflächen, Klemmanschlüsse und mechanischer Sitz zu kontrollieren. Ein bloßer Austausch des Sicherungseinsatzes beseitigt einen fehlerhaften Halter nicht.

Schütze und Leistungsschalter prüfen

Schütze können sich durch die Spule, die Hauptkontakte und den Laststrom erwärmen. Eine gleichmäßige Erwärmung des Spulenbereichs kann konstruktionsbedingt sein.

Auffällig ist dagegen ein deutlich heißerer einzelner Hauptanschluss oder ein Temperaturunterschied zwischen vergleichbaren Kontaktbahnen.

Mögliche Ursachen sind:

  • verschlissene oder abgebrannte Hauptkontakte
  • lose Anschlussklemme
  • ungleiche Phasenbelastung
  • zu hohe Schalthäufigkeit
  • ungeeignete Dimensionierung

Auch Leistungsschalter und Motorschutzschalter erzeugen unter Last Wärme. Eine erhöhte Temperatur kann durch den normalen Stromfluss, ein Kontaktproblem oder eine zu hohe Belastung entstehen.

Zur weiteren Beurteilung sollten Laststrom, Spannungsfall, Herstellerangaben und vergleichbare Komponenten einbezogen werden.

Phasenvergleich richtig anwenden

Bei dreiphasigen Anlagen ist der Vergleich von L1, L2 und L3 eine der effektivsten Bewertungsmethoden. Gleichartige Sicherungen, Klemmen und Schaltkontakte sollten bei ähnlicher Belastung ein vergleichbares thermisches Verhalten zeigen.

Eine einzelne deutlich wärmere Phase kann auf ein Kontaktproblem oder eine ungleichmäßige Lastverteilung hinweisen.

Der Phasenvergleich ist jedoch nur belastbar, wenn:

  • die Bauteile baugleich sind
  • die Phasenströme bekannt sind
  • die Oberflächen vergleichbar sind
  • Messwinkel und Entfernung ähnlich sind
  • keine unterschiedlichen Luftströmungen vorliegen

Bei stark unsymmetrischen Verbrauchern können unterschiedliche Temperaturen normal sein. Deshalb sollte die thermische Aufnahme möglichst mit einer gleichzeitigen Strommessung kombiniert werden.

Emissionsgrad und Reflexion beachten

Der Emissionsgrad beschreibt, wie gut eine Oberfläche Infrarotstrahlung abgibt. Dunkle, matte und nichtmetallische Oberflächen besitzen häufig einen höheren Emissionsgrad als blanke Metalle.

Glänzende Kupferschienen, Schrauben und metallische Klemmen können Strahlung aus der Umgebung stark reflektieren. Die Kamera zeigt dann möglicherweise nicht die tatsächliche Oberflächentemperatur, sondern eine Spiegelung des Bedieners, einer Lampe oder eines benachbarten heißen Bauteils.

Hinweise auf eine Reflexion sind:

  • der Hotspot wandert bei verändertem Kamerawinkel
  • die angezeigte Temperatur ändert sich stark mit der Position
  • eine glänzende Fläche erscheint wärmer als angrenzendes Isoliermaterial
  • die Form des warmen Bereichs entspricht einer reflektierten Wärmequelle

Für quantitative Messungen müssen Emissionsgrad und reflektierte Temperatur passend eingestellt werden. Bei vorbereiteten Messstellen können geeignete Referenzflächen verwendet werden. Solche Markierungen dürfen nur im sicheren, spannungsfreien Zustand angebracht werden.

Bei stark reflektierenden Oberflächen ist häufig der relative Vergleich mit derselben Oberfläche zuverlässiger als ein einzelner absoluter Temperaturwert.

Auflösung, Fokus und Messabstand

Damit eine kleine Klemme zuverlässig beurteilt werden kann, muss sie durch ausreichend viele Infrarotpixel erfasst werden. Ist das Bauteil im Wärmebild nur ein oder zwei Pixel groß, wird seine Temperatur mit der kühleren Umgebung vermischt.

Die Folge ist eine zu niedrige Anzeige des tatsächlichen Hotspots.

Für Detailaufnahmen sind daher wichtig:

  • ausreichende thermische Auflösung
  • passender Bildwinkel
  • korrekt eingestellter Fokus
  • möglichst geringer, aber sicherer Messabstand
  • ruhige Kamerahaltung

Ein Weitwinkelobjektiv erleichtert die Aufnahme eines vollständigen Schaltschranks aus kurzer Entfernung. Für kleine Klemmen aus größerem Sicherheitsabstand kann dagegen ein engeres Sichtfeld beziehungsweise eine höhere geometrische Auflösung vorteilhaft sein.

Digitalzoom vergrößert lediglich vorhandene Pixel. Er ersetzt keine ausreichende Detektorauflösung oder geeignete Optik.

Hotspots fachlich bewerten

Für elektrische Komponenten gibt es keinen universellen Temperaturwert, ab dem jedes Bauteil automatisch defekt ist. Die zulässige Temperatur hängt unter anderem von Bauteiltyp, Strombelastung, Isolationsklasse, Umgebung und Herstellerangaben ab.

Für die Bewertung sind daher mehrere Kriterien zu kombinieren:

  • Temperaturdifferenz zu vergleichbaren Bauteilen
  • Temperaturdifferenz zur Umgebung
  • tatsächlicher Laststrom
  • Position und Form des Hotspots
  • frühere Messungen derselben Stelle
  • sichtbare Verfärbungen oder Materialschäden

Ein kleiner lokaler Temperaturanstieg an einer Anschlussstelle kann kritischer sein als ein insgesamt wärmeres, aber konstruktiv dafür ausgelegtes Netzteil.

Die thermische Bewertung sollte deshalb nicht allein über die automatische Hotspot-Markierung der Kamera erfolgen.

Messungen dokumentieren und vergleichen

Eine Thermografieaufnahme besitzt nur dann langfristigen Nutzen, wenn Messstelle und Betriebszustand nachvollziehbar dokumentiert sind.

Zu einer aussagekräftigen Dokumentation gehören:

  • Bezeichnung der Anlage und des Schaltschranks
  • Datum und Uhrzeit
  • Wärmebild und sichtbares Vergleichsbild
  • Bauteil und genaue Position
  • Laststrom beziehungsweise Anlagenlast
  • Umgebungsbedingungen
  • eingestellter Emissionsgrad
  • bewertete Temperaturdifferenz
  • empfohlene Maßnahme

Für Trendvergleiche sollten nach Möglichkeit derselbe Kamerastandpunkt, Bildausschnitt und Temperaturbereich verwendet werden.

Dadurch wird sichtbar, ob sich eine bereits bekannte Auffälligkeit vergrößert oder nach einer Reparatur verschwunden ist.

Systematischer Prüfablauf

  1. Anlage vorbereiten: Schaltplan, Betriebszustand und erwartete Lasten prüfen.
  2. Sicherheitsmaßnahmen festlegen: Gefährdung beurteilen und geeignete Schutzausrüstung verwenden.
  3. Kamera einstellen: Temperaturbereich, Emissionsgrad, reflektierte Temperatur und Abstand prüfen.
  4. Übersichtsaufnahme erstellen: Gesamten Schaltschrank auf auffällige Bereiche untersuchen.
  5. Details aufnehmen: Verdächtige Klemmen, Sicherungen und Kontakte fokussiert erfassen.
  6. Phasen vergleichen: Baugleiche Komponenten und zugehörige Lastströme gegenüberstellen.
  7. Messwerte dokumentieren: Thermogramm, Realbild und Betriebsdaten speichern.
  8. Ursache bestätigen: Anlage sicher freischalten und elektrische beziehungsweise mechanische Prüfung durchführen.
  9. Nachkontrolle durchführen: Reparierte Stelle unter vergleichbarer Last erneut thermografieren.

Praxisbeispiel: Erwärmte Einspeiseklemme

Bei der regelmäßigen Thermografie einer Niederspannungsverteilung fällt eine Einspeiseklemme auf L2 deutlich auf. L1 und L3 liegen bei vergleichbarer Belastung bei etwa 42 °C, während die Klemme von L2 rund 68 °C erreicht.

Der angeschlossene Leiter ist nur unmittelbar an der Klemme stark erwärmt. Bereits wenige Zentimeter entfernt sinkt seine Temperatur deutlich. Dieses Muster spricht eher für einen erhöhten Übergangswiderstand als für eine allgemeine Überlastung des Leiters.

Eine Strommessung zeigt, dass die drei Phasen ähnlich belastet sind. Eine unterschiedliche Phasenlast kann als Ursache weitgehend ausgeschlossen werden.

Nach dem sicheren Freischalten wird festgestellt, dass der Leiter nicht vollständig in der Klemme sitzt. Zudem sind an der Kontaktstelle leichte Verfärbungen vorhanden.

Die Verbindung wird entsprechend den Herstellervorgaben erneuert. Bei der anschließenden Prüfung unter vergleichbarer Last liegt die Temperatur der drei Phasen wieder in einer ähnlichen Größenordnung.

Das Beispiel zeigt den Vorteil einer wiederkehrenden Thermografie: Die Verbindung konnte instand gesetzt werden, bevor die fortschreitende Erwärmung zu einer Abschaltung oder stärkeren Beschädigung führte.

Typische Fehler bei der Thermografie

Fehler Mögliche Folge Bessere Vorgehensweise
Messung bei geringer Anlagenlast Kontaktfehler bleibt thermisch unauffällig Unter repräsentativer Belastung prüfen
Glänzende Metallfläche direkt bewertet Reflexion wird als Hotspot interpretiert Winkel verändern und Emissionsgrad berücksichtigen
Bauteil im Bild zu klein Spitzentemperatur wird zu niedrig angezeigt Abstand und Optik anpassen
Nur automatische Hotspot-Anzeige verwendet Irrelevante warme Stelle wird überbewertet Bauteil, Last und Temperaturverteilung fachlich beurteilen
Phasen ohne Stromvergleich beurteilt Normale Lastunsymmetrie wird als Defekt bewertet Phasenströme parallel erfassen
Messbedingungen nicht dokumentiert Spätere Trendvergleiche sind nicht belastbar Last, Umgebung und Kameraeinstellungen festhalten
Thermogramm als endgültige Diagnose betrachtet Tatsächliche Fehlerursache bleibt ungeklärt Elektrische und mechanische Prüfung anschließen

Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?

Die Kategorie Wärmebildkameras – Fortgeschritten enthält handgehaltene Kameras für industrielle Wartung, elektrische Inspektionen und professionelle Fehlersuche.

Für besonders hohe Anforderungen an Auflösung, Optik und Dokumentation stehen Geräte aus der Kategorie Wärmebildkameras – Premium zur Verfügung.

HIKMICRO M11 für gezielte Detailprüfungen

Die HIKMICRO M11 besitzt einen manuellen Fokus und eignet sich für gezielte Aufnahmen von Klemmen, Sicherungen und anderen kleineren Bauteilen.

Das vergleichsweise enge Sichtfeld ist hilfreich, wenn Details aus einem größeren Sicherheitsabstand erfasst werden sollen.

HIKMICRO M20W für Schaltschrankübersichten

Die HIKMICRO M20W bietet ein weites Sichtfeld und eignet sich damit besonders für Übersichtsaufnahmen in engen Technikräumen und vor größeren Schaltschrankfeldern.

Nach dem Auffinden eines auffälligen Bereichs sollten zusätzliche Detailaufnahmen aus geeigneter Entfernung erstellt werden.

HIKMICRO SP40 für professionelle Inspektionen

Die HIKMICRO SP40 ist für detaillierte industrielle Thermografie und umfangreiche Inspektionsaufgaben ausgelegt.

Die höhere thermische Auflösung und die flexible Objektivausrichtung unterstützen die Untersuchung kleiner Komponenten sowie die wiederkehrende Dokumentation größerer Anlagen.

Auswahl der passenden Wärmebildkamera

Für die Auswahl sind insbesondere die Größe der zu untersuchenden Bauteile, der erforderliche Sicherheitsabstand, der verfügbare Platz vor dem Schaltschrank und die Anforderungen an Berichte und Trendanalysen wichtig.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl einer Wärmebildkamera passend zu thermischer Auflösung, Sichtfeld, Fokus, Temperaturbereich und Dokumentationsanforderungen.

Fazit: Hotspots müssen unter realen Betriebsbedingungen bewertet werden

Eine Wärmebildkamera ermöglicht die berührungslose und schnelle Kontrolle von Klemmen, Sicherungen, Schützen und Leistungsschaltern. Lokale Erwärmungen können auf erhöhte Übergangswiderstände, Überlastungen oder verschlissene Kontakte hinweisen.

Eine aussagekräftige Messung setzt eine repräsentative Anlagenlast und einen sicheren Sichtkontakt zu den Komponenten voraus. Durch geschlossene Metalltüren oder normale Abdeckungen kann die Kamera keine zuverlässige Innentemperatur erfassen.

Besonders wirkungsvoll sind der Vergleich baugleicher Phasen und die wiederkehrende Aufnahme derselben Messstellen. Laststrom, Umgebungstemperatur und Kameraeinstellungen müssen dabei dokumentiert werden.

Glänzende Metalloberflächen können Umgebungsstrahlung reflektieren. Emissionsgrad, Messwinkel und reflektierte Temperatur sind deshalb bei der Bewertung zu berücksichtigen.

Ein Thermogramm zeigt die thermische Auswirkung eines möglichen Fehlers, aber nicht automatisch dessen Ursache. Auffällige Stellen müssen anschließend im spannungsfreien Zustand fachgerecht geprüft und nach der Reparatur erneut unter Last kontrolliert werden.

Häufige Fragen zur Schaltschrankthermografie

Kann eine Wärmebildkamera durch die geschlossene Schaltschranktür messen?

Nein. Metalltüren und übliche Abdeckungen sind für die eingesetzte Infrarotstrahlung nicht transparent. Erforderlich sind ein sicherer Sichtkontakt oder ein geeignetes Infrarotfenster.

Muss der Schaltschrank während der Messung unter Last stehen?

Ja, möglichst unter einer repräsentativen Belastung. Viele Kontakt- und Überlastungsfehler erzeugen erst bei ausreichendem Strom eine erkennbare Erwärmung.

Ist jede rote Stelle im Wärmebild ein Fehler?

Nein. Die Farbpalette stellt lediglich relative Temperaturen dar. Entscheidend sind der Messwert, die Last, vergleichbare Komponenten und die Temperaturverteilung.

Wie erkennt man eine lose Klemme?

Typisch ist eine lokal begrenzte Erwärmung direkt an der Klemmstelle. Eine endgültige Diagnose erfordert jedoch eine Prüfung im sicher spannungsfreien Zustand.

Warum sind glänzende Schrauben schwer zu messen?

Blankes Metall besitzt einen niedrigen Emissionsgrad und reflektiert häufig Wärmestrahlung aus der Umgebung. Dadurch kann die angezeigte Temperatur deutlich verfälscht werden.

Warum sollte zusätzlich der Strom gemessen werden?

Damit sich unterscheiden lässt, ob eine wärmere Phase durch höhere Belastung oder durch einen elektrischen Fehler verursacht wird.

Welche Auflösung benötigt eine Wärmebildkamera für Schaltschränke?

Das hängt von Bauteilgröße und Messabstand ab. Kleine Klemmen aus größerer Entfernung benötigen eine höhere thermische beziehungsweise geometrische Auflösung als eine reine Schaltschrankübersicht.

Kann Thermografie eine Drehmomentprüfung ersetzen?

Nein. Sie kann eine thermisch auffällige Verbindung erkennen, ersetzt aber keine fachgerechte mechanische und elektrische Kontrolle.

Wie oft sollte ein Schaltschrank thermografiert werden?

Das Intervall richtet sich nach Kritikalität, Belastung, Betriebsbedingungen und bisherigen Befunden. Kritische Anlagen und bekannte Auffälligkeiten sollten häufiger kontrolliert werden.

Was sollte in einem Thermografiebericht enthalten sein?

Wärmebild, sichtbares Vergleichsbild, Messstelle, Lastzustand, Umgebungstemperatur, Kameraeinstellungen, Temperaturdifferenz und empfohlene Maßnahme sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.

Welche Kamera eignet sich für enge Schaltschränke?

Ein weites Sichtfeld erleichtert Übersichtsaufnahmen aus kurzer Entfernung. Für kleine Anschlussstellen müssen zusätzlich Auflösung, Fokus und geometrische Auflösung ausreichen.

Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auswahl?

Benötigt werden typische Bauteilgröße, Messabstand, Temperaturbereich, gewünschte Auflösung, Platzverhältnisse, Anforderungen an Berichte und geplante Einsatzhäufigkeit.

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