Mit einer AC/DC-Stromzange lässt sich der Strom in einer Leitung messen, ohne den Stromkreis aufzutrennen. Das ist besonders bei Batterieanlagen, USV-Systemen, Gleichstromantrieben, Ladegeräten und industriellen DC-Zwischenkreisen praktisch.
Eine Gleichstrommessung mit der Zange unterscheidet sich jedoch deutlich von einer klassischen Wechselstrommessung. Vor jeder Messung muss der Nullpunkt kontrolliert werden. Auch die Stromrichtung, äußere Magnetfelder, eine mögliche Restmagnetisierung der Zange und die Position des Leiters innerhalb der Zangenöffnung beeinflussen das Ergebnis.
Besonders bei kleinen DC-Strömen kann bereits ein geringer Nullpunktfehler einen erheblichen Anteil des angezeigten Messwerts ausmachen. Eine Stromzange, die für 1.000 A ausgelegt ist, eignet sich daher nicht automatisch für die präzise Messung von wenigen Milliampere.
Dieser Beitrag erklärt, wie AC- und DC-Stromzangen arbeiten, wie der Nullabgleich richtig durchgeführt wird und wie sich Lade- und Entladeströme, Antriebsströme und kleine Gleichströme zuverlässig beurteilen lassen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum nicht jede Stromzange Gleichstrom messen kann
- Wie eine Hall-Effekt-Stromzange arbeitet
- Nullabgleich vor der DC-Messung
- Restmagnetisierung und äußere Magnetfelder
- Stromrichtung und Vorzeichen richtig interpretieren
- Nur einen einzelnen Leiter umschließen
- Leiterposition und geschlossene Zangenbacken
- Lade- und Entladestrom an Batterien messen
- Gleichstrom und Mischsignale an Antrieben
- Messbereich, Auflösung und Genauigkeit
- Warum kleine DC-Ströme besonders anspruchsvoll sind
- Sicherheit in Batterie- und Gleichstromanlagen
- Systematischer Messablauf
- Typische Fehler bei DC-Strommessungen
- Praxisbeispiel: Ruhestrom einer Batterieanlage prüfen
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen zu AC/DC-Stromzangen
Warum nicht jede Stromzange Gleichstrom messen kann
Eine einfache Wechselstromzange arbeitet meist nach dem Transformatorprinzip. Der zu messende Leiter bildet dabei die Primärwicklung eines Stromwandlers. Da ein Transformator eine zeitliche Änderung des Magnetfelds benötigt, kann dieses Messprinzip keinen konstanten Gleichstrom erfassen.
Solche Stromzangen eignen sich ausschließlich für AC-Signale. Das gilt auch für viele flexible Rogowski-Stromwandler. Sie sind besonders praktisch bei großen Leitern und hohen Wechselströmen, können einen konstanten DC-Anteil jedoch normalerweise nicht messen.
Für Gleichstrom wird eine Stromzange mit zusätzlicher magnetfeldempfindlicher Sensorik benötigt. Häufig kommt dafür ein Hall-Sensor zum Einsatz.
Eine AC/DC-Stromzange kann damit erfassen:
- konstanten Gleichstrom
- Wechselstrom
- je nach Geräteausführung gemischte AC/DC-Signale
- positive und negative Stromrichtung
Die Kennzeichnung „AC/DC“ muss sich ausdrücklich auf den Strommessbereich beziehen. Eine Zange kann beispielsweise AC-Strom messen und zusätzlich AC/DC-Spannung über Messleitungen erfassen, ohne für DC-Strom geeignet zu sein.
Wie eine Hall-Effekt-Stromzange arbeitet
Der Strom im Leiter erzeugt ein Magnetfeld. Der magnetische Kern der Stromzange führt dieses Feld zum Hall-Sensor, der daraus ein elektrisches Signal erzeugt. Dieses Signal wird vom Messgerät in einen Stromwert umgerechnet.
Da der Hall-Sensor auch ein statisches Magnetfeld erkennt, kann die Zange Gleichstrom messen. Gleichzeitig reagiert das System aber auch auf unerwünschte magnetische Einflüsse.
Dazu gehören beispielsweise:
- Restmagnetisierung des Zangenkerns
- benachbarte stark belastete Leiter
- Motoren, Transformatoren und Drosseln
- Permanentmagnete
- eine veränderte Ausrichtung im Erdmagnetfeld
- Temperaturänderungen der Sensorelektronik
Deshalb benötigt eine DC-Stromzange einen Nullabgleich. Bei Wechselstrom wird ein konstanter Offset weitgehend ausgeblendet. Bei Gleichstrom würde er dagegen direkt zum Messwert addiert oder von ihm abgezogen.
Nullabgleich vor der DC-Messung
Vor einer Gleichstrommessung muss die Anzeige bei geschlossenem Zangenkopf und ohne stromdurchflossenen Leiter auf null gesetzt werden.
Ein sinnvoller Ablauf ist:
- Den passenden DC-Strommessbereich auswählen.
- Die Zangenbacken vollständig schließen.
- Sicherstellen, dass sich kein stromführender Leiter in der Zange befindet.
- Die Zange möglichst in derselben Position halten, in der anschließend gemessen wird.
- Ausreichend Abstand zu Motoren, Transformatoren und stark belasteten Leitungen halten.
- Die ZERO- beziehungsweise REL-Funktion ausführen.
- Prüfen, ob die Anzeige stabil bei null oder sehr nahe daran bleibt.
Der Nullabgleich sollte möglichst direkt vor der Messung erfolgen. Wird die Zange danach gedreht, an einen anderen Messort gebracht oder starken Magnetfeldern ausgesetzt, kann sich der Nullpunkt erneut verschieben.
Bei einer längeren Messreihe ist es sinnvoll, den Nullpunkt zwischendurch erneut zu kontrollieren. Das gilt besonders bei kleinen Messwerten oder wechselnden Umgebungstemperaturen.
Die ZERO-Funktion korrigiert nur den momentanen Offset. Sie verbessert nicht die grundsätzliche Genauigkeit oder Auflösung des gewählten Messbereichs.
Restmagnetisierung und äußere Magnetfelder
Nach der Messung eines hohen Gleichstroms kann im magnetischen Kern der Zange eine Restmagnetisierung verbleiben. Wird die Zange anschließend ohne Leiter geschlossen, zeigt sie möglicherweise nicht mehr exakt null an.
Auch mehrfaches Öffnen und Schließen kann den angezeigten Nullwert geringfügig verändern. Vor einer präzisen Messung sollte die Zange daher geschlossen, stabil positioniert und erneut genullt werden.
Ein auffälliger Nullpunkt kann außerdem durch ein externes Magnetfeld verursacht werden. Typische Quellen sind:
- große Gleichstromschienen
- benachbarte Batteriehauptleitungen
- Elektromotoren
- Drosseln und Transformatoren
- magnetische Werkzeughalter
Ändert sich die Anzeige deutlich, obwohl die Zange nur gedreht oder wenige Zentimeter verschoben wird, sollte der Messort auf magnetische Störeinflüsse geprüft werden.
Ein Nullabgleich unmittelbar neben einem stark belasteten Nachbarleiter kann problematisch sein. Das externe Feld wird dann als Teil des Nullpunkts gespeichert. Wird die Zange anschließend an eine andere Position gebracht, entsteht ein zusätzlicher Messfehler.
Stromrichtung und Vorzeichen richtig interpretieren
Bei Gleichstrom kann die Stromzange neben dem Betrag auch die Richtung des Stromflusses erkennen. Dazu besitzt sie meist einen Pfeil oder eine Kennzeichnung auf dem Zangenkopf.
Zeigt der tatsächliche Strom in die definierte positive Richtung, erscheint ein positiver Messwert. Wird die Zange umgedreht oder kehrt sich der Stromfluss um, wird der Wert negativ.
Bei einer Batterie hängt das Vorzeichen daher von zwei Faktoren ab:
- Ausrichtung der Stromzange
- aktueller Lade- oder Entladezustand
Ein negatives Vorzeichen ist nicht automatisch ein Messfehler. Es kann anzeigen, dass Strom entgegen der angenommenen Richtung fließt.
Vor der Messung sollte festgelegt werden, welche Richtung positiv bewertet wird. Beispielsweise:
- positiv = Strom von der Batterie zum Verbraucher
- negativ = Strom vom Ladegerät zur Batterie
Die Zuordnung kann auch umgekehrt gewählt werden. Wichtig ist, dass die Pfeilrichtung und die verwendete Vorzeichenkonvention dokumentiert werden.
Nur einen einzelnen Leiter umschließen
Für eine Strommessung muss die Zange nur den einzelnen Hin- oder Rückleiter umschließen.
Werden Plus- und Minusleitung eines Gleichstromkreises gemeinsam umfasst, erzeugen die entgegengesetzt gerichteten Ströme entgegengesetzte Magnetfelder. Bei identischen Strombeträgen heben sie sich nahezu vollständig auf.
Die Zange zeigt dann ungefähr null an, obwohl im Stromkreis ein hoher Strom fließt.
Das gilt ebenso für:
- mehradrige AC-Leitungen mit Hin- und Rückleiter
- komplette Batterieanschlusskabel mit beiden Polaritäten
- Kabelbündel mit mehreren Strompfaden
Eine gemeinsame Umschließung mehrerer Leiter ist nur sinnvoll, wenn bewusst die Stromdifferenz gemessen werden soll. Für eine normale Laststrommessung muss dagegen ein einzelner Leiter eindeutig zugänglich sein.
Leiterposition und geschlossene Zangenbacken
Der Leiter sollte möglichst mittig in der Zangenöffnung liegen. Besonders bei kleinen Strömen kann eine Position direkt an einer Zangenbacke einen zusätzlichen Messfehler verursachen.
Die Backen müssen vollständig geschlossen sein. Verschmutzungen, Metallspäne oder ein mechanisch beschädigter Zangenkopf können einen Luftspalt verursachen und die magnetische Führung beeinträchtigen.
Vor der Messung sollte deshalb kontrolliert werden:
- Sind die Kontaktflächen sauber?
- Schließt der Zangenkopf vollständig?
- Liegt nur der gewünschte Leiter in der Öffnung?
- Ist der Leiter möglichst mittig positioniert?
- Berührt die Zange keine benachbarte Stromschiene?
Bei Vergleichsmessungen sollte die Zange immer ähnlich positioniert werden. Unterschiedliche Leiterlagen können sonst einen scheinbaren Trend erzeugen, obwohl sich der tatsächliche Strom nicht verändert hat.
Lade- und Entladestrom an Batterien messen
Eine typische Anwendung ist die Prüfung von Batterie-, USV- oder Speichersystemen. Die Stromzange wird dazu um einen einzelnen Batteriehauptleiter gelegt.
Damit lassen sich beispielsweise erfassen:
- Ladestrom eines Ladegeräts
- Entladestrom unter Last
- Ruhestrom einer abgeschalteten Anlage
- Strom einzelner Batterieabgänge
- Stromverteilung bei parallel geschalteten Batteriezweigen
Bei parallel geschalteten Batterien sollte jeder Zweig einzeln gemessen werden. Unterschiedliche Ströme können auf abweichende Innenwiderstände, Kontaktprobleme oder ungleichmäßige Ladezustände hinweisen.
Ein kurzzeitig hoher Strom beim Einschalten eines Wechselrichters oder Laden eines Zwischenkreiskondensators ist nicht mit dem dauerhaften Betriebsstrom gleichzusetzen. Für solche Vorgänge wird eine Zange mit geeigneter Einschaltstrom- oder Peak-Funktion benötigt.
Bei kleinen Ruheströmen ist zu prüfen, ob Auflösung und Grundgenauigkeit der Stromzange ausreichen. Ein Messgerät für Ströme bis 1.000 A ist nicht automatisch die beste Wahl für einen Ruhestrom von wenigen Milliampere.
Gleichstrom und Mischsignale an Antrieben
Bei Antrieben können unterschiedliche Stromformen auftreten. Der richtige Messpunkt und Messmodus sind daher entscheidend.
Typische Messstellen sind:
- DC-Versorgung eines Gleichstrommotors
- Batterieleitung eines mobilen Antriebs
- DC-Zwischenkreis eines Frequenzumrichters
- Ausgang eines getakteten Motorstellers
Im DC-Zwischenkreis fließt häufig ein Gleichstrom mit überlagerten Wechselanteilen. Ein reiner DC-Messmodus zeigt gegebenenfalls nur den Gleichanteil. Für eine vollständige Bewertung kann eine AC+DC- beziehungsweise TRMS-Funktion erforderlich sein.
Am Ausgang eines Frequenzumrichters oder PWM-Reglers liegt kein einfacher sinusförmiger Strom vor. Schaltfrequenz, Pulsform und Bandbreite der Stromzange beeinflussen das Ergebnis.
Eine gewöhnliche AC/DC-Stromzange kann für eine überschlägige Stromkontrolle geeignet sein. Für genaue Analysen von Motorleistung, PWM-Strom oder dynamischen Stromverläufen können jedoch ein Leistungsanalysator, ein geeigneter Stromsensor oder ein Oszilloskop mit dafür ausgelegter Stromsonde erforderlich sein.
Messbereich, Auflösung und Genauigkeit
Für eine zuverlässige Messung muss der Messbereich zum erwarteten Strom passen. Der größtmögliche Messbereich bietet zwar ausreichend Überlastreserve, aber häufig eine geringere Auflösung.
Bei der Auswahl sind zu unterscheiden:
- Messbereich: größter Strom, den das Gerät erfassen kann
- Auflösung: kleinste Änderung, die das Display darstellen kann
- Genauigkeit: zulässige Abweichung vom tatsächlichen Wert
- Nullpunktstabilität: Veränderung der Anzeige ohne Messstrom
Eine Anzeige mit zwei Nachkommastellen bedeutet nicht automatisch, dass der letzte dargestellte Wert auch mit derselben Genauigkeit gemessen wird.
Bei einer Zange mit einer Genauigkeitsangabe aus prozentualem Messwertanteil und zusätzlichen Digits kann der absolute Fehler bei kleinen Strömen im Verhältnis zum Messwert erheblich werden.
Für Vergleichsmessungen sollte möglichst derselbe Messbereich verwendet werden. Ein Wechsel zwischen Bereichen kann Auflösung und Messunsicherheit verändern.
Warum kleine DC-Ströme besonders anspruchsvoll sind
Bei einem Strom von 500 A ist ein Nullpunktfehler von 0,1 A meist unbedeutend. Bei einem Ruhestrom von 0,2 A würde derselbe Offset bereits 50 % des tatsächlichen Werts ausmachen.
Für kleine DC-Ströme sind daher wichtig:
- kleiner Messbereich
- hohe Auflösung
- stabiler Nullpunkt
- geringer Einfluss äußerer Magnetfelder
- wiederholter Nullabgleich
- möglichst reproduzierbare Leiterposition
Bei Messungen im Milliamperebereich sollte eine spezielle DC-Niedrigstrom- oder Fehlerstromzange eingesetzt werden. Alternativ kann der Stromkreis mit einem geeigneten Multimeter oder Shunt gemessen werden, sofern ein sicheres Auftrennen des Stromkreises möglich und zulässig ist.
Die Stromzange ist besonders vorteilhaft, wenn der Stromkreis nicht unterbrochen werden darf. Für sehr kleine Ströme ist eine direkte Strommessung jedoch häufig genauer.
Sicherheit in Batterie- und Gleichstromanlagen
Auch bei vermeintlich niedriger Spannung können Batterieanlagen sehr hohe Kurzschlussströme liefern. Ein versehentlich überbrückter Batteriepol kann innerhalb kürzester Zeit zu starken Lichtbögen, Verbrennungen oder geschmolzenen Werkzeugen führen.
Bei höheren DC-Spannungen kommt hinzu, dass ein Gleichstromlichtbogen keinen natürlichen Nulldurchgang besitzt und deshalb schwerer verlöschen kann als ein vergleichbarer Wechselstromlichtbogen.
Vor der Messung müssen mindestens geprüft werden:
- maximale Systemspannung
- erwarteter Strom und möglicher Kurzschlussstrom
- Messkategorie und Spannungsfestigkeit des Geräts
- Isolationszustand der Stromzange
- erforderliche persönliche Schutzausrüstung
- ausreichender Abstand zu blanken Polen und Stromschienen
Die Stromzange darf nur am isolierten Griff gehalten werden. Schmuck, Uhren und unisolierte Werkzeuge sind in der Nähe offener Batterieanschlüsse besonders kritisch.
Für Spannungsmessungen mit den Messleitungen gelten zusätzlich die Anschlussregeln und Messkategorien des Geräts. Eine Strommessung mit geschlossener Zange ist nicht mit einer direkten Spannungsmessung an offenen Kontakten gleichzusetzen.
Systematischer Messablauf
- Messaufgabe festlegen: Erwarteten Strom, Stromform und gewünschte Richtung bestimmen.
- Gerät prüfen: AC/DC-Eignung, Messbereich, Messkategorie und Zangenöffnung kontrollieren.
- Messstelle auswählen: Einen einzelnen, sicher zugänglichen Leiter identifizieren.
- DC-Modus einstellen: Passenden Strommessbereich auswählen.
- Nullabgleich durchführen: Zange geschlossen und ohne Leiter auf null setzen.
- Zange ausrichten: Pfeil entsprechend der definierten positiven Stromrichtung positionieren.
- Leiter umschließen: Leiter möglichst mittig anordnen und Backen vollständig schließen.
- Messwert stabilisieren lassen: Betrag und Vorzeichen ablesen.
- Plausibilität prüfen: Betriebszustand, Ladegerät, Verbraucher und erwarteten Strom vergleichen.
- Nullpunkt nachprüfen: Nach der Messung den Leiter entfernen und die Nullanzeige kontrollieren.
Weicht die abschließende Nullanzeige deutlich vom Anfangswert ab, sollte die Messung nach erneutem Nullabgleich wiederholt werden.
Typische Fehler bei DC-Strommessungen
| Fehler | Mögliche Auswirkung | Bessere Vorgehensweise |
|---|---|---|
| AC-Zange für Gleichstrom verwendet | Kein oder falscher Messwert | Ausdrücklich AC/DC-fähige Stromzange einsetzen |
| Nullabgleich nicht durchgeführt | Konstanter Offset verfälscht den Messwert | Vor jeder präzisen DC-Messung nullen |
| Plus- und Minusleitung gemeinsam umfasst | Magnetfelder kompensieren sich, Anzeige nahe null | Nur einen einzelnen Leiter umschließen |
| Zange nach dem Nullabgleich stark gedreht | Nullpunkt verändert sich durch äußere Magnetfelder | In späterer Messposition nullen |
| Pfeilrichtung nicht beachtet | Vorzeichen wird falsch interpretiert | Positive Stromrichtung vorher festlegen |
| Leiter liegt direkt an der Zangenbacke | Zusätzlicher Positionsfehler | Leiter möglichst mittig positionieren |
| Großen Messbereich für kleinen Ruhestrom verwendet | Auflösung und relative Genauigkeit unzureichend | Niedrigstromzange oder direkte Messmethode wählen |
| DC-Modus für stark gepulsten Strom verwendet | Wechselanteil bleibt unberücksichtigt | Signalform und geeigneten AC+DC-Modus prüfen |
Praxisbeispiel: Ruhestrom einer Batterieanlage prüfen
Eine mobile Maschine entlädt ihre Batterie innerhalb weniger Tage, obwohl sie ausgeschaltet ist. Der erwartete Ruhestrom liegt unter 0,1 A.
Zunächst wird eine große AC/DC-Stromzange mit einem Messbereich bis 1.000 A eingesetzt. Nach dem Nullabgleich schwankt die Anzeige zwischen 0,0 und 0,2 A. Damit lässt sich nicht eindeutig beurteilen, ob der tatsächliche Ruhestrom 30 mA oder 150 mA beträgt.
Die Messung ist nicht grundsätzlich falsch. Der gesuchte Strom liegt jedoch zu nahe an Auflösung, Offset und Messunsicherheit der verwendeten Zange.
Für die weitere Fehlersuche wird eine DC-Niedrigstromzange verwendet. Sie zeigt einen stabilen Ruhestrom von etwa 120 mA.
Durch nacheinander abgeschaltete Sicherungsabgänge wird der Stromkreis eingegrenzt. Nach dem Trennen eines Kommunikationsmoduls fällt der Ruhestrom auf den erwarteten Wert.
Das Beispiel zeigt, dass der maximale Messbereich allein kein Auswahlkriterium ist. Für hohe Batterie- und Antriebsströme ist eine 1.000-A-Zange sinnvoll. Für Ruheströme im Milliamperebereich wird dagegen eine empfindlichere Messlösung benötigt.
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
Die Kategorie Stromzangen und flexible Stromwandler enthält Lösungen für AC- und DC-Strommessungen, hohe Lastströme, kleine Fehlerströme sowie große Leiter und Stromschienen.
HT9021 für AC/DC-Ströme bis 1.000 A
Die HT9021 AC/DC-Stromzange eignet sich für Service- und Wartungsmessungen an Batterieanlagen, Gleichstromkreisen, Maschinen und industriellen Verbrauchern.
Sie misst Gleich- und Wechselströme bis 1.000 A und besitzt eine Zangenöffnung für Leiter bis etwa 45 mm Durchmesser. Für AC-Signale steht eine TRMS-Messung zur Verfügung.
Neben dem Strom kann das Gerät mit Messleitungen unter anderem AC/DC-Spannung, Widerstand, Frequenz, Kapazität und Temperatur mit einem K-Fühler erfassen.
Die HT9021 ist eine geeignete Wahl, wenn ein großer Strombereich und eine robuste universelle Stromzange benötigt werden. Für sehr kleine Ruhestrom- oder Fehlerstrommessungen sollte dagegen eine speziell dafür ausgelegte Niedrigstromzange gewählt werden.
Flexible Stromwandler für hohe Wechselströme
Flexible Rogowski-Stromwandler eignen sich für große Stromschienen, hohe Wechselströme und beengte Einbauverhältnisse.
Sie sind jedoch normalerweise nicht für konstanten Gleichstrom geeignet. Für Batterie- und DC-Anwendungen muss daher ausdrücklich eine AC/DC-Stromzange mit Hall-Sensor verwendet werden.
Auswahl der passenden Stromzange
Für die Auswahl sind insbesondere erforderlich:
- AC, DC oder gemischtes AC/DC-Signal
- kleinster und größter zu erwartender Strom
- Leiterdurchmesser und Einbauraum
- Systemspannung und Messkategorie
- gewünschte Auflösung
- Bedarf an Peak-, Einschaltstrom- oder Datenloggerfunktion
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl einer Stromzange, die zum Strombereich, zur Signalform und zur elektrischen Anlage passt.
Fazit: Bei Gleichstrom sind Nullpunkt und Messbereich entscheidend
Eine AC/DC-Stromzange ermöglicht die berührungslose Messung von Batterie-, Lade-, Antriebs- und Gleichströmen, ohne den Stromkreis aufzutrennen.
Für Gleichstrom ist eine Hall-Effekt-Stromzange erforderlich. Reine Wechselstromzangen und die meisten flexiblen Rogowski-Sensoren können keinen konstanten DC-Strom erfassen.
Vor jeder präzisen DC-Messung muss die Zange geschlossen und ohne stromdurchflossenen Leiter genullt werden. Die spätere Ausrichtung, äußere Magnetfelder und eine mögliche Restmagnetisierung können den Nullpunkt beeinflussen.
Die Stromzange darf nur einen einzelnen Leiter umschließen. Werden Hin- und Rückleiter gemeinsam umfasst, kompensieren sich deren Magnetfelder weitgehend.
Das Vorzeichen zeigt die Stromrichtung relativ zur Pfeilrichtung der Zange. Bei Batterien kann damit zwischen Laden und Entladen unterschieden werden, sofern die positive Richtung vorher eindeutig definiert wurde.
Für hohe Batterie- und Antriebsströme eignet sich eine robuste 1.000-A-Zange. Kleine Ruheströme im Milliamperebereich erfordern dagegen eine empfindlichere Niedrigstromzange oder eine geeignete direkte Messmethode.
Häufige Fragen zu AC/DC-Stromzangen
Kann jede Stromzange Gleichstrom messen?
Nein. Für Gleichstrom ist eine AC/DC-Stromzange mit geeigneter magnetfeldempfindlicher Sensorik erforderlich. Eine reine Transformator- oder Rogowski-Zange misst normalerweise nur Wechselstrom.
Warum muss eine DC-Stromzange genullt werden?
Der Hall-Sensor erfasst auch statische Fremdfelder und einen möglichen magnetischen Offset. Ohne Nullabgleich wird dieser Wert zum tatsächlichen Messstrom addiert.
Wie wird der Nullabgleich durchgeführt?
Die Zange wird ohne stromdurchflossenen Leiter vollständig geschlossen und möglichst in der späteren Messposition über die ZERO- oder REL-Funktion auf null gesetzt.
Warum zeigt die Zange ohne Leiter einen kleinen Strom an?
Mögliche Ursachen sind Restmagnetisierung, äußere Magnetfelder, Temperaturdrift oder ein nicht erneut durchgeführter Nullabgleich.
Was bedeutet ein negatives Vorzeichen?
Der Strom fließt entgegen der an der Zange definierten positiven Richtung. Bei Batterien kann dies je nach Ausrichtung Laden oder Entladen bedeuten.
Darf die Zange Plus- und Minusleitung gleichzeitig umschließen?
Für eine normale Strommessung nicht. Die Magnetfelder der entgegengesetzten Ströme heben sich weitgehend auf, sodass die Anzeige nahe null liegen kann.
Warum sollte der Leiter mittig in der Zange liegen?
Eine mittige Position reduziert den Einfluss der Leiterlage und verbessert insbesondere bei kleinen Strömen die Reproduzierbarkeit.
Kann eine 1.000-A-Stromzange einen Ruhestrom von wenigen Milliampere messen?
Meist nicht mit ausreichender Genauigkeit. Dafür ist eine DC-Niedrigstromzange oder eine geeignete direkte Strommessung erforderlich.
Kann eine flexible Rogowski-Spule Batteriestrom messen?
Einen konstanten Gleichstrom normalerweise nicht. Rogowski-Spulen reagieren auf zeitlich veränderliche Ströme und werden hauptsächlich für AC- und Impulsmessungen eingesetzt.
Welche Richtung muss der Pfeil auf der Stromzange zeigen?
Das hängt von der gewünschten Vorzeichenkonvention ab. Häufig zeigt der Pfeil von der Quelle zum Verbraucher. Entscheidend ist, die gewählte Richtung zu dokumentieren.
Was ist bei Strommessungen am Frequenzumrichter zu beachten?
Zwischenkreis und Motorausgang besitzen unterschiedliche Signalformen. Für PWM- und Mischsignale müssen Messmodus, Bandbreite und Eignung der Stromzange geprüft werden.
Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auswahl?
Benötigt werden Signalart, kleinster und größter Strom, Systemspannung, Leiterdurchmesser, Messkategorie, erforderliche Auflösung sowie Anforderungen an Peak-, Einschaltstrom- oder Aufzeichnungsfunktionen.
