Druckmittler-Füllflüssigkeit auswählen: Temperatur, Vakuum und Prozessmedium richtig berücksichtigen

WIKA Druckmittlersystem am beheizten Reaktor Füllflüssigkeit für Temperatur und Vakuum richtig auswählen
→ Produktkategorie: Druckmittler

 

Bei einem Druckmittlersystem steht häufig zunächst das Material der Membrane im Mittelpunkt. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Flüssigkeit, die sich zwischen Membrane und Druckmessgerät befindet. Sie überträgt den Prozessdruck hydraulisch auf das Manometer, den Drucksensor oder den Prozesstransmitter.

Eine ungeeignete Füllflüssigkeit kann zu einem langsamen Ansprechverhalten, temperaturabhängigen Nullpunktverschiebungen, instabilen Messwerten oder einem vollständigen Ausfall der Messung führen. Besonders kritisch sind niedrige Temperaturen, hohe Prozesstemperaturen, Vakuum, sehr kleine Messbereiche sowie Sauerstoff-, Lebensmittel- und Pharmaanwendungen.

Die Füllflüssigkeit darf deshalb nicht isoliert ausgewählt werden. Membrandurchmesser, Messbereich, Kapillarlänge, Einbaulage, Prozessdruck und Temperaturverlauf bilden gemeinsam ein geschlossenes Messsystem.

Dieser Beitrag erklärt, welche Eigenschaften der Füllflüssigkeit entscheidend sind, weshalb Vakuumanwendungen besonders sorgfältig geprüft werden müssen und wann Silikonöl, Halocarbon oder lebensmitteltaugliche Flüssigkeiten infrage kommen.

Inhaltsverzeichnis

Welche Aufgabe die Füllflüssigkeit übernimmt

Die Membrane des Druckmittlers trennt das Prozessmedium vom eigentlichen Druckmessgerät. Hinter der Membrane befindet sich ein vollständig mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum.

Wirkt Prozessdruck auf die Membrane, wird sie geringfügig ausgelenkt. Diese Volumenänderung überträgt sich über die Füllflüssigkeit auf das Messglied des angeschlossenen Manometers oder Transmitters.

Die Füllflüssigkeit muss dafür:

  • den Druck möglichst verlustarm übertragen
  • im gesamten Temperaturbereich flüssig bleiben
  • ausreichend geringe Kompressibilität besitzen
  • zum Druck- und Vakuumbereich passen
  • mit den internen Systemwerkstoffen verträglich sein
  • bei einer möglichen Membranbeschädigung zur Anwendung passen

Druckmittler, Füllflüssigkeit, Kapillarleitung und Messgerät bilden ein geschlossenes System. Füll- oder Verschlussschrauben dürfen nicht geöffnet werden. Bereits geringe Flüssigkeitsverluste oder eingeschlossene Gasblasen können die Messfunktion beeinträchtigen.

Welche Angaben für die Auswahl benötigt werden

Die Bezeichnung des Prozessmediums allein reicht für die Auslegung nicht aus. Für eine belastbare Auswahl werden mindestens folgende Angaben benötigt:

  • minimaler und maximaler Prozessdruck
  • absoluter Druck bei Vakuumanwendungen
  • minimale und maximale Prozesstemperatur
  • Umgebungstemperatur am Messgerät und an der Kapillare
  • Messbereich und gewünschte Genauigkeit
  • Druckmittlerbauform und Membrandurchmesser
  • Direktanbau, Kühlelement oder Kapillarlänge
  • Höhenunterschied zwischen Druckmittler und Messgerät
  • Anforderungen aus Lebensmittel-, Pharma-, Sauerstoff- oder Ex-Anwendungen
  • Reinigungs- und Sterilisationsbedingungen

Entscheidend sind die tatsächlichen Extrembedingungen. Ein Prozess mit normalerweise 80 °C kann während einer SIP-Reinigung kurzfristig deutlich höhere Temperaturen erreichen. Ebenso kann ein Behälter im normalen Betrieb unter leichtem Unterdruck stehen, während beim Abkühlen ein wesentlich niedrigerer absoluter Druck entsteht.

Temperaturbereich und thermische Ausdehnung

Füllflüssigkeiten verändern ihr Volumen mit der Temperatur. Da das Druckmittlersystem geschlossen ist, führt diese Volumenänderung zu einer zusätzlichen Auslenkung der Membrane.

Bei steigender Temperatur dehnt sich die Flüssigkeit aus. Die Membrane wird in Richtung Prozess gedrückt und das Messgerät kann einen positiven Nullpunktversatz anzeigen. Beim Abkühlen zieht sich die Flüssigkeit zusammen, wodurch ein negativer Nullpunktversatz entstehen kann.

Der Temperatureinfluss wird unter anderem größer bei:

  • großem Füllvolumen
  • langer Kapillarleitung
  • kleinem oder steifem Membrandurchmesser
  • kleinem Druckmessbereich
  • großen Temperaturänderungen
  • unterschiedlichen Temperaturen entlang des Systems

Ein großer Membrandurchmesser kann Temperaturfehler reduzieren, weil eine größere Membrane für dieselbe Volumenänderung weniger Gegendruck erzeugt. Auch ein möglichst kleines internes Füllvolumen wirkt sich günstig aus.

Der in einer Füllflüssigkeitstabelle angegebene Gefrier-, Siede- oder Zersetzungspunkt ist nicht automatisch der zulässige Einsatzbereich des kompletten Druckmittlersystems. Membrane, Druck, Vakuum, Messbereich und Einbauart können den tatsächlichen Bereich weiter einschränken.

Viskosität und Reaktionszeit

Die Viskosität beschreibt die Zähflüssigkeit der Füllflüssigkeit. Je höher die Viskosität, desto langsamer kann sich eine Druckänderung durch enge Kanäle und Kapillarleitungen übertragen.

Bei sinkender Temperatur werden viele Füllflüssigkeiten deutlich viskoser. Die Flüssigkeit kann physikalisch noch flüssig sein, während die Reaktionszeit des Messsystems bereits erheblich zunimmt.

Die Reaktionszeit wird insbesondere beeinflusst durch:

  • Viskosität der Füllflüssigkeit
  • Kapillarlänge und Innendurchmesser
  • internes Füllvolumen
  • Verdrängungsvolumen des Messgeräts
  • Membrangröße und Membransteifigkeit
  • Temperatur des gesamten Systems

Eine Füllflüssigkeit für niedrige Temperaturen wird daher nicht nur nach ihrem Erstarrungspunkt ausgewählt. Ihre Viskosität bei der tatsächlichen Mindesttemperatur muss ebenfalls berücksichtigt werden.

Für schnell wechselnde Drücke, Dosierprozesse oder Regelkreise ist eine kurze Kapillarleitung beziehungsweise ein Direktanbau meist vorteilhaft. Bei einer langsamen Behälterdruckmessung kann eine längere Reaktionszeit dagegen akzeptabel sein.

Warum Vakuum besondere Anforderungen stellt

Bei Vakuumanwendungen ist nicht nur der Relativdruck entscheidend. Für die Auslegung muss der niedrigste absolute Druck bekannt sein.

Sinkt der absolute Druck, kann eine Füllflüssigkeit abhängig von ihrer Temperatur zu verdampfen oder auszugasen beginnen. Entstehende Gasblasen sind wesentlich kompressibler als die Flüssigkeit und können folgende Probleme verursachen:

  • verzögerte Druckübertragung
  • instabile oder springende Messwerte
  • fehlender Rücklauf zum Nullpunkt
  • größere Temperaturabhängigkeit
  • Beschädigung oder Überlastung der Membrane

Ein hoher Siedepunkt bei Atmosphärendruck beweist noch keine Eignung für ein heißes Vakuum. Bei geringerem absolutem Druck verändert sich das Verdampfungsverhalten.

Für eine Vakuumauslegung müssen deshalb gemeinsam geprüft werden:

  • minimaler absoluter Druck
  • Temperatur am Druckmittler
  • Temperatur entlang der Kapillare
  • Dampfdruck der Füllflüssigkeit
  • Einbaulage und Höhenunterschied
  • Membrandurchmesser und Messbereich

Eine Füllflüssigkeit, die für eine Sauerstoffanwendung geeignet ist, kann für bestimmte Vakuum- oder Absolutdruckbereiche ungeeignet sein. Die Freigabe muss daher immer anhand der vollständigen Kombination erfolgen.

Prozessmedium und Membranbruch berücksichtigen

Im normalen Betrieb kommt die Füllflüssigkeit nicht mit dem Prozessmedium in Kontakt. Bei einer beschädigten Membrane kann sie jedoch in den Prozess gelangen.

Deshalb muss bewertet werden:

  • Kann die Füllflüssigkeit mit dem Prozessmedium gefährlich reagieren?
  • Darf sie das Produkt verunreinigen?
  • Kann sie eine nachgeschaltete Anlage oder einen Katalysator beschädigen?
  • Bestehen Anforderungen an FDA-, USP- oder andere Zulassungen?
  • Ist eine silikonfreie Ausführung erforderlich?
  • Muss ein Membranbruch zusätzlich überwacht werden?

Die chemische Beständigkeit der Membrane und die Eignung der Füllflüssigkeit sind getrennt zu betrachten. Eine korrosionsbeständige Hastelloy- oder Tantal-Membrane bedeutet nicht automatisch, dass jede beliebige Füllflüssigkeit für den Prozess zulässig ist.

Bei toxischen, hochreaktiven oder besonders wertvollen Produkten kann ein Doppelmembransystem mit Membranbruchüberwachung sinnvoll sein.

Sauerstoff- und Chloranwendungen

Sauerstoff kann mit Ölen, Fetten und anderen brennbaren Stoffen heftig reagieren. Ein gewöhnliches silikonölgefülltes Druckmittlersystem darf deshalb nicht automatisch in einer Sauerstoffanwendung eingesetzt werden.

Für solche Anwendungen kommen herstellerspezifisch beispielsweise geeignete Halocarbon-Füllflüssigkeiten infrage. Zusätzlich sind erforderlich:

  • eine ausdrücklich für Sauerstoff freigegebene Systemausführung
  • öl- und fettfreie Reinigung
  • geeignete Membran- und Dichtungswerkstoffe
  • Einhaltung der zulässigen Sauerstoffdrücke und Temperaturen
  • saubere Montage und geschützte Verpackung

Die zulässigen Kombinationen aus Sauerstoffdruck und Temperatur sind begrenzt und müssen den Herstellerunterlagen beziehungsweise der jeweiligen Prüfung entsprechen.

Halocarbon darf nicht pauschal als Lösung für jede kritische Anwendung betrachtet werden. Je nach Gerät kann seine Verwendung bei Vakuum oder sehr kleinen Absolutdrücken ausgeschlossen sein.

Lebensmittel, Pharma und Biotechnologie

In hygienischen Prozessen muss berücksichtigt werden, dass die Füllflüssigkeit bei einem Membranbruch in das Produkt gelangen könnte.

Abhängig von den betrieblichen und regulatorischen Anforderungen kommen beispielsweise infrage:

  • lebensmitteltaugliche Glycerinfüllungen
  • Neobee® M-20 oder vergleichbare zugelassene Flüssigkeiten
  • medizinisches Weißöl
  • weitere FDA- oder pharmakopöekonforme Füllflüssigkeiten

Eine allgemeine Bezeichnung wie „Lebensmittelöl“ reicht für die Freigabe nicht aus. Die genaue Flüssigkeit, ihre Zulassungen und die zulässigen Einsatzbedingungen müssen dokumentiert sein.

Bei CIP- und SIP-Prozessen ist nicht nur die normale Produkttemperatur relevant. Die Auslegung muss auch Reinigungstemperatur, Sterilisationsdauer, Druck und mögliche schnelle Temperaturwechsel berücksichtigen.

Der hygienische Prozessanschluss, die Oberflächenqualität und die Totraumfreiheit bleiben unabhängig von der Füllflüssigkeit wichtige Bestandteile der Messstelle.

Silikonfreie und hochreine Prozesse

In Lackierereien, Halbleiterfertigung, hochreinen Gasprozessen oder bestimmten Pharmaanwendungen kann bereits eine geringe Silikonkontamination problematisch sein.

Eine silikonfreie Füllflüssigkeit kann dann erforderlich sein. Zusätzlich müssen weitere Bestandteile des Systems betrachtet werden, beispielsweise:

  • Montagehilfsstoffe
  • Dichtungen und Schmierstoffe
  • Reinigungsverfahren
  • Verpackung und Transport
  • Kontaminationsgrenzen des Betreibers

Für Reinstwasser- oder Halbleiterprozesse können spezielle hochreine Flüssigkeiten oder Wasser-/Alkoholgemische vorgesehen werden. Auch hier gelten begrenzte Temperatur- und Druckbereiche.

Direktanbau, Kühlelement oder Kapillarleitung

Die Montageart beeinflusst Temperaturfehler und Reaktionszeit erheblich.

Montageart Vorteil Zu beachten
Direktanbau Kleines Füllvolumen und schnelle Reaktion Messgerät wird stärker durch die Prozesstemperatur belastet
Kühlelement Reduziert die Temperatur am Messgerät Einbaulage und Wärmeabgabe müssen passen
Kapillarleitung Räumliche und thermische Trennung Größeres Füllvolumen, längere Reaktionszeit und Höheneinfluss

Eine möglichst lange Kapillare ist nicht automatisch die beste Lösung für einen heißen Prozess. Mit zunehmender Länge steigen Füllvolumen, Temperatureinfluss und Reaktionszeit.

Kapillarleitungen sollten vibrationsarm verlegt, vor mechanischer Beschädigung geschützt und nicht enger als vom Hersteller zugelassen gebogen werden.

Höhenunterschied und hydrostatischer Zusatzdruck

Bei einer Kapillarleitung erzeugt die Flüssigkeitssäule einen zusätzlichen hydrostatischen Druck. Dieser hängt von Dichte und Höhenunterschied ab:

Δp = ρ × g × h

Steht das Messgerät oberhalb des Druckmittlers, kann die Anzeige gegenüber dem Prozessdruck niedriger ausfallen. Bei einer Montage unterhalb des Druckmittlers kann sie höher ausfallen.

Der Effekt ist besonders relevant bei:

  • kleinen Messbereichen
  • hoher Dichte der Füllflüssigkeit
  • langen senkrechten Kapillarleitungen
  • Vakuum- und Absolutdruckmessungen

Der Höhenunterschied muss bereits bei der Bestellung angegeben werden. Das System kann entsprechend berechnet und gegebenenfalls mit einer angepassten Nullpunkteinstellung geliefert werden.

Typische Messfehler durch falsche Auslegung

Beobachtung Mögliche Ursache Prüfung
Nullpunkt wandert mit der Temperatur Thermische Ausdehnung der Füllflüssigkeit Temperaturverlauf, Membrandurchmesser und Füllvolumen prüfen
Messwert reagiert bei Kälte sehr langsam Viskosität zu hoch Füllflüssigkeit und Kapillarleitung neu bewerten
Instabile Anzeige im Vakuum Gasbildung oder ungeeignete Vakuumauslegung Absolutdruck, Temperatur und Flüssigkeit prüfen
Druck bleibt nach Prozessende stehen Langsame Rückstellung, Gasblase oder Membranüberlastung Gesamtsystem durch den Hersteller untersuchen lassen
Großer konstanter Nullpunktfehler Höhenunterschied der Kapillare Dichte, Einbauhöhe und Werksauslegung vergleichen
Fehler nach SIP-Reinigung Temperaturgrenze oder thermischer Übergang nicht berücksichtigt Reinigungszyklus in die Auslegung einbeziehen

Ein bestehendes Druckmittlersystem sollte nicht vor Ort geöffnet, nachgefüllt oder in einzelne Komponenten zerlegt werden. Das fachgerechte Befüllen erfolgt unter definierten Bedingungen und häufig unter Vakuum, damit keine Luft im System verbleibt.

Systematische Auswahl der Füllflüssigkeit

  1. Prozessdruck erfassen: Minimal-, Betriebs- und Maximaldruck einschließlich absolutem Vakuumwert angeben.
  2. Temperaturen dokumentieren: Prozess, Umgebung, Reinigung und Stillstand berücksichtigen.
  3. Anwendung klassifizieren: Chemie, Sauerstoff, Lebensmittel, Pharma, Reinstmedium oder silikonfreier Prozess.
  4. Messanforderung festlegen: Messbereich, Genauigkeit und erforderliche Reaktionszeit bestimmen.
  5. Montage planen: Direktanbau, Kühlelement, Kapillarlänge und Höhenunterschied festlegen.
  6. Membrane auswählen: Werkstoff, Durchmesser und Prozessanschluss auf das Medium abstimmen.
  7. Füllflüssigkeit prüfen lassen: Temperatur, Druck, Vakuum, Viskosität und Zulassungen gemeinsam bewerten.
  8. Gesamtsystem berechnen: Temperaturfehler, Reaktionszeit und hydrostatischen Einfluss berücksichtigen.
  9. Ausführung dokumentieren: Füllflüssigkeit, Einbaulage und Einsatzgrenzen in den Unterlagen festhalten.

Praxisbeispiel: Druckmessung an einem beheizten Vakuumbehälter

An einem Prozessbehälter soll ein Absolutdrucktransmitter mit Druckmittler eingesetzt werden. Der normale Prozess läuft bei 120 °C und etwa 150 mbar absolut. Während des Abkühlens kann der Druck kurzfristig auf 40 mbar absolut sinken.

Zunächst wird ein universelles Druckmittlersystem mit Standard-Silikonöl und langer Kapillarleitung vorgesehen.

Bei der technischen Prüfung fallen jedoch mehrere kritische Punkte auf:

  • Der niedrigste absolute Druck wurde in der ursprünglichen Anfrage nicht genannt.
  • Die Kapillarleitung vergrößert das Füllvolumen und den Temperatureinfluss.
  • Der kleine Absolutdruckmessbereich reagiert empfindlich auf thermische Nullpunktverschiebungen.
  • Die Vakuumeignung der Füllflüssigkeit muss bei 120 °C gesondert geprüft werden.

Die Auslegung wird deshalb nicht allein anhand der Nenntemperatur vorgenommen. Herstellerseitig werden Vakuum, Temperatur, Membrandurchmesser, Kapillarlänge und gewünschte Reaktionszeit gemeinsam berechnet.

Als Ergebnis wird die Kapillare verkürzt, ein größerer Druckmittler gewählt und eine für den konkreten Absolutdruck- und Temperaturbereich geeignete Füllflüssigkeit festgelegt.

Das Beispiel zeigt: Die Angabe „−1 bis 0 bar relativ“ genügt für eine Vakuumauslegung nicht. Erforderlich ist der niedrigste absolute Druck zusammen mit der dort auftretenden Temperatur.

Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?

Die Kategorie Druckmittler enthält Membran- und Rohrdruckmittler mit Gewinde-, Flansch- und hygienischen Prozessanschlüssen sowie Ausführungen mit Direktanbau, Kühlelement oder Kapillarleitung.

Passende Messgeräte finden Sie in der Kategorie Drucksensoren und Differenzdrucksensoren.

WIKA DSS10T für allgemeine Prozessanwendungen

Der WIKA DSS10T kombiniert einen Drucksensor mit einem angebauten Gewinde-Druckmittler.

Die kompakte Ausführung mit Direktanbau besitzt ein vergleichsweise kleines Füllvolumen und eignet sich für aggressive, korrosive oder heiße Messstoffe in der Prozessindustrie. Füllflüssigkeit und Einsatzgrenzen werden passend zur Messaufgabe ausgelegt.

WIKA DSS26M für Flanschanschlüsse

Das WIKA DSS26M ist ein mechanisches Manometer mit angebautem Flansch-Druckmittler und innenliegender, vollverschweißter Membrane.

Es eignet sich insbesondere für aggressive, hochviskose, kristallisierende oder heiße Prozessmedien. Neben dem Membranwerkstoff müssen auch Füllflüssigkeit, Temperatur und Prozessdruck abgestimmt werden.

WIKA 990.60 für sterile Prozesse

Der WIKA 990.60 besitzt einen hygienischen NEUMO-BioControl®-Anschluss und ist für Anwendungen in Pharmaindustrie und Biotechnologie ausgelegt.

Für solche Systeme können anwendungsspezifisch geeignete, zugelassene Füllflüssigkeiten sowie Ausführungen für CIP- und SIP-Prozesse gewählt werden.

Individuelle Auslegung des Gesamtsystems

Für eine technische Prüfung werden Medium, Druckbereich, niedrigster Absolutdruck, Prozess- und Umgebungstemperatur, Messgerät, Anschluss, Einbaulage, Kapillarlänge sowie besondere Anforderungen an Hygiene, Sauerstoff oder Silikonfreiheit benötigt.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Druckmittler, Membranwerkstoff, Füllflüssigkeit und Messgerät sowie bei der Berechnung von Temperatureinfluss und Reaktionszeit.

Fazit: Die Füllflüssigkeit muss zum vollständigen Druckmittlersystem passen

Die Füllflüssigkeit ist ein funktionsentscheidender Bestandteil eines Druckmittlersystems. Sie überträgt den Prozessdruck vom Druckmittler auf das Messgerät und beeinflusst Temperaturverhalten, Reaktionszeit und Messabweichung.

Bei hohen oder niedrigen Temperaturen müssen sowohl die physikalischen Einsatzgrenzen als auch Viskosität und thermische Ausdehnung berücksichtigt werden.

Für Vakuum reicht die Angabe des relativen Unterdrucks nicht aus. Entscheidend sind niedrigster absoluter Druck und gleichzeitig auftretende Temperatur. Eine ungeeignete Flüssigkeit kann ausgasen und die Druckübertragung beeinträchtigen.

In Lebensmittel-, Pharma- und Biotechnologieprozessen muss die mögliche Produktkontamination bei einem Membranbruch berücksichtigt werden. Sauerstoffanwendungen benötigen speziell freigegebene, gereinigte Systeme mit klar definierten Druck- und Temperaturgrenzen.

Kapillarlänge, Membrandurchmesser, Füllvolumen und Höhenunterschied gehören ebenfalls zur Auslegung. Eine Füllflüssigkeit kann deshalb nicht unabhängig vom restlichen Messsystem bestellt oder ausgetauscht werden.

Die zuverlässigste Lösung entsteht, wenn alle Prozess- und Montagebedingungen vor der Fertigung angegeben und das komplette Druckmittlersystem herstellerseitig berechnet, gefüllt und geprüft wird.

Häufige Fragen zur Druckmittler-Füllflüssigkeit

Welche Aufgabe hat die Füllflüssigkeit im Druckmittler?

Sie überträgt den von der Membrane aufgenommenen Prozessdruck hydraulisch auf das angeschlossene Manometer oder den Drucktransmitter.

Ist Silikonöl für jeden Druckmittler geeignet?

Nein. Silikonöl ist für viele industrielle Anwendungen geeignet, kann aber bei Sauerstoff, silikonfreien Prozessen, bestimmten Hygieneanwendungen oder speziellen Vakuumbedingungen ungeeignet sein.

Warum verändert Temperatur den Messwert?

Die Füllflüssigkeit dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. In dem geschlossenen System kann dies eine zusätzliche Membranauslenkung und damit einen Nullpunktfehler verursachen.

Was passiert bei niedrigen Temperaturen?

Die Viskosität steigt häufig deutlich an. Dadurch kann das Druckmittlersystem langsamer reagieren, obwohl die Flüssigkeit noch nicht erstarrt ist.

Welche Angabe ist bei Vakuum entscheidend?

Der niedrigste absolute Druck zusammen mit der dort auftretenden Temperatur. Eine reine Angabe in bar relativ reicht für die Auslegung nicht aus.

Kann Halocarbon im Vakuum eingesetzt werden?

Nicht pauschal. Halocarbon wird häufig für speziell freigegebene Sauerstoffanwendungen verwendet, kann bei bestimmten Vakuum- und Absolutdruckmessbereichen jedoch ausgeschlossen sein.

Welche Füllflüssigkeit eignet sich für Lebensmittel?

Je nach Anforderung kommen beispielsweise zugelassene Glycerin-, Neobee- oder medizinische Weißölfüllungen infrage. Die konkrete Zulassung und der Einsatzbereich müssen geprüft werden.

Beeinflusst die Kapillarlänge die Messung?

Ja. Eine längere Kapillare erhöht Füllvolumen, Reaktionszeit, Temperatureinfluss und den möglichen hydrostatischen Fehler.

Kann ein Druckmittlersystem vor Ort nachgefüllt werden?

Normalerweise nicht. Das System wird unter definierten Bedingungen vollständig und blasenfrei gefüllt. Ein Öffnen kann die Messfunktion dauerhaft beeinträchtigen.

Warum muss der Höhenunterschied angegeben werden?

Die Flüssigkeitssäule in der Kapillare erzeugt einen zusätzlichen hydrostatischen Druck, der insbesondere bei kleinen Messbereichen relevant ist.

Reicht der Temperaturbereich der Füllflüssigkeit für die Auswahl aus?

Nein. Zusätzlich müssen Druck, Vakuum, Membrane, Messbereich, Kapillare, Umgebungstemperatur und gewünschte Reaktionszeit berücksichtigt werden.

Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auslegung?

Benötigt werden Prozessmedium, Druck- und Absolutdruckbereich, Prozess- und Umgebungstemperatur, Anschluss, Messgerät, Einbaulage, Kapillarlänge, Höhenunterschied sowie Anforderungen an Hygiene, Sauerstoff, Ex-Schutz oder Silikonfreiheit.

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