Messgeräte sind die Grundlage für sichere, reproduzierbare und nachvollziehbare Messwerte. Ob Druckmessgerät, Prozesskalibrator, Temperaturfühler, Stromschleife oder Simulator: Nur wenn die Messwerte regelmäßig überprüft werden, lässt sich sicher beurteilen, ob ein Gerät noch innerhalb der zulässigen Toleranz arbeitet.
In der Praxis werden die Begriffe „prüfen“, „kalibrieren“ und „justieren“ jedoch häufig miteinander verwechselt. Dabei bedeuten sie nicht dasselbe. Eine Kalibrierung zeigt, wie stark ein Messgerät von einem Referenzwert abweicht. Eine Justierung verändert das Gerät so, dass die Abweichung kleiner wird. Eine Prüfung bewertet, ob das Messgerät für die jeweilige Anwendung noch geeignet ist.
Dieser Beitrag erklärt verständlich, was beim Kalibrieren eines Messgeräts passiert, worin der Unterschied zwischen Prüfen, Kalibrieren und Justieren liegt, welche Rolle Referenzgeräte und Kalibrierzertifikate spielen und worauf Anwender bei Druck, Temperatur und elektrischen Prozesssignalen achten sollten.
Passende Geräte und Lösungen finden Sie in unseren Kategorien
Druckkalibriertechnik,
Prozesskalibratoren / Elektrische Kalibratoren
und
Simulatoren.
Für vielseitige Kalibrieraufgaben ist zum Beispiel der
DPI620 GENII Druckkalibrator / Prozesskalibrator
geeignet. Für 4 … 20-mA-Stromschleifen ist der
UPS4E Stromschleifen-Kalibrator
relevant. Für Temperatur- und Sensorsignale kann der
ICS 02S Simulator für Pt100, RTD, TC und mV/V
eingesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Warum müssen Messgeräte kalibriert werden?
- Prüfen, kalibrieren und justieren: Was ist der Unterschied?
- Was passiert bei einer Kalibrierung?
- Warum ist ein Referenzgerät erforderlich?
- Toleranz, Messabweichung und Messunsicherheit
- As-Found und As-Left: Warum beide Werte wichtig sind
- Werkskalibrierung oder DAkkS-Kalibrierung?
- Druckmessgeräte kalibrieren
- Prozesssignale kalibrieren: 4 … 20 mA, Spannung und Frequenz
- Temperaturmessgeräte und Sensoren prüfen
- Wann werden Simulatoren eingesetzt?
- Wie oft sollte ein Messgerät kalibriert werden?
- Typische Fehler bei der Kalibrierung
- Welche Kalibriergeräte sind geeignet?
- Praxisbeispiele aus Wartung, Labor und Prozessindustrie
- Checkliste: Messgerät richtig kalibrieren
- Fazit
- FAQ: Häufige Fragen zum Kalibrieren von Messgeräten
Warum müssen Messgeräte kalibriert werden?
Messgeräte können sich im Laufe der Zeit verändern. Mechanische Belastung, Temperaturwechsel, Alterung, Verschmutzung, Überlast, Transport, Vibrationen oder elektrische Einflüsse können dazu führen, dass ein Messgerät nicht mehr exakt denselben Wert anzeigt wie bei der Inbetriebnahme.
Eine regelmäßige Kalibrierung macht diese Abweichung sichtbar. Sie zeigt, ob das Messgerät noch innerhalb der zulässigen Toleranz liegt oder ob eine Justierung, Reparatur oder ein Austausch erforderlich ist. Besonders wichtig ist das in Bereichen, in denen Messwerte für Qualität, Sicherheit, Anlagenverfügbarkeit oder Dokumentation relevant sind.
| Grund für Kalibrierung | Warum wichtig? | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Qualitätssicherung | Messwerte müssen nachvollziehbar und reproduzierbar sein. | Prüfmittelüberwachung nach internen QS-Vorgaben. |
| Prozesssicherheit | Falsche Messwerte können zu falschen Entscheidungen führen. | Drucktransmitter in einer Anlage zeigt zu niedrige Werte an. |
| Wartung | Drift oder Fehler werden frühzeitig erkannt. | Regelmäßige Prüfung von Manometern und Sensoren. |
| Audits | Kalibrierungen müssen dokumentiert nachweisbar sein. | Kalibrierzertifikate für ISO- oder Kundenaudits. |
| Vergleichbarkeit | Messwerte verschiedener Geräte müssen zueinander passen. | Vergleich zwischen Referenzgerät und Betriebsgerät. |
Prüfen, kalibrieren und justieren: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe Prüfen, Kalibrieren und Justieren werden im Alltag oft gleich verwendet. Technisch betrachtet beschreiben sie jedoch unterschiedliche Vorgänge.
| Begriff | Bedeutung | Wird das Gerät verändert? |
|---|---|---|
| Prüfen | Es wird bewertet, ob ein Messgerät eine bestimmte Anforderung erfüllt. | Nein, normalerweise nicht. |
| Kalibrieren | Die Anzeige des Messgeräts wird mit einem Referenzwert verglichen und die Abweichung dokumentiert. | Nein, die Kalibrierung selbst verändert das Gerät nicht. |
| Justieren | Das Messgerät wird so eingestellt, dass die Abweichung möglichst reduziert wird. | Ja, das Gerät wird verändert. |
| Eichen | Amtliche Prüfung nach gesetzlichen Vorgaben für bestimmte Messgeräte. | Je nach Verfahren, aber nicht mit normaler Kalibrierung gleichzusetzen. |
Ein wichtiger Punkt: Ein Messgerät kann kalibriert sein und trotzdem außerhalb der zulässigen Toleranz liegen. Die Kalibrierung dokumentiert die Abweichung. Sie garantiert nicht automatisch, dass das Gerät korrekt eingestellt wurde.
Was passiert bei einer Kalibrierung?
Bei einer Kalibrierung wird der Messwert eines Prüflings mit dem Messwert eines geeigneten Referenzgeräts verglichen. Der Prüfling ist das zu kalibrierende Messgerät. Das Referenzgerät besitzt eine bekannte Genauigkeit und ist auf eine übergeordnete Referenz rückgeführt.
Je nach Messgröße werden mehrere Messpunkte angefahren. Bei einem Druckmessgerät können das zum Beispiel 0 %, 25 %, 50 %, 75 % und 100 % des Messbereichs sein. Bei einem 4 … 20-mA-Signal entsprechen typische Prüfpunkte 4 mA, 8 mA, 12 mA, 16 mA und 20 mA.
| Schritt | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Messaufgabe festlegen | Messbereich, Messpunkte und Toleranz werden definiert. | Drucktransmitter 0 … 10 bar, Prüfung bei fünf Messpunkten. |
| 2. Referenz wählen | Ein geeignetes Referenzgerät wird ausgewählt. | Digitales Referenzmanometer oder Druckkalibrator. |
| 3. Prüfling anschließen | Messgerät wird mechanisch oder elektrisch mit dem Kalibrieraufbau verbunden. | Manometer an Kalibrierpumpe anschließen. |
| 4. Messpunkte anfahren | Die definierten Punkte werden nacheinander geprüft. | 0 %, 25 %, 50 %, 75 %, 100 %. |
| 5. Abweichung dokumentieren | Sollwert, Istwert und Abweichung werden protokolliert. | Referenz: 5,000 bar, Prüfling: 5,025 bar. |
| 6. Bewertung | Die Abweichung wird mit der zulässigen Toleranz verglichen. | Gerät innerhalb oder außerhalb der Toleranz. |
Warum ist ein Referenzgerät erforderlich?
Eine Kalibrierung ist nur sinnvoll, wenn der Vergleichswert zuverlässig ist. Deshalb wird ein Referenzgerät verwendet, dessen Genauigkeit, Messunsicherheit und Rückführbarkeit bekannt sind. Das Referenzgerät sollte deutlich genauer sein als das zu prüfende Messgerät.
Bei der Druckkalibrierung kann die Referenz zum Beispiel ein Digitalmanometer, ein Druckkalibrator, ein Druckmodul, ein Druckcontroller oder eine Druckwaage sein. Bei elektrischen Prozesssignalen können Prozesskalibratoren oder Stromschleifenkalibratoren eingesetzt werden. Bei Temperatursignalen können Simulatoren oder Temperaturkalibratoren verwendet werden.
| Messaufgabe | Geeignete Referenz | Typischer Prüfling |
|---|---|---|
| Druck | Druckkalibrator, Digitalmanometer, Druckcontroller, Druckwaage. | Manometer, Drucktransmitter, Druckschalter. |
| Stromsignal | Stromschleifenkalibrator oder Prozesskalibrator. | 4 … 20-mA-Messumformer, SPS-Eingang, Anzeigegerät. |
| Temperatursignal | RTD-/TC-Simulator oder Temperaturkalibrator. | Temperaturtransmitter, Regler, Anzeige, Eingangskarte. |
| Spannung / mV | Elektrischer Kalibrator oder Simulator. | Messverstärker, Anzeige, Eingangskarte. |
| Frequenz / Impuls | Frequenzgenerator oder Prozesskalibrator. | Durchflussausgang, Drehzahlsignal, Zähleingang. |
Toleranz, Messabweichung und Messunsicherheit
Bei einer Kalibrierung geht es nicht nur darum, ob ein Gerät „richtig“ oder „falsch“ misst. Entscheidend ist, wie groß die Abweichung ist und ob sie innerhalb der zulässigen Toleranz liegt. Zusätzlich muss die Messunsicherheit des Kalibrieraufbaus berücksichtigt werden.
| Begriff | Bedeutung | Praxisbeispiel |
|---|---|---|
| Sollwert | Der vorgegebene Referenzwert. | 10,000 bar. |
| Istwert | Der vom Prüfling angezeigte Wert. | 10,035 bar. |
| Messabweichung | Differenz zwischen Istwert und Sollwert. | +0,035 bar. |
| Toleranz | Zulässige maximale Abweichung. | ±0,05 bar. |
| Messunsicherheit | Unsicherheitsbereich des Kalibrierergebnisses. | Einfluss von Referenz, Auflösung, Umgebung und Methode. |
Ein Messergebnis sollte deshalb immer mit Blick auf die Messunsicherheit bewertet werden. Besonders bei engen Toleranzen ist es wichtig, dass die verwendete Referenz und der gesamte Kalibrieraufbau zur geforderten Genauigkeit passen.
As-Found und As-Left: Warum beide Werte wichtig sind
Bei vielen Kalibrierungen werden zwei Zustände dokumentiert: As-Found und As-Left.
| Begriff | Bedeutung | Warum wichtig? |
|---|---|---|
| As-Found | Zustand des Messgeräts vor einer möglichen Justierung. | Zeigt, wie das Gerät im Betrieb tatsächlich gemessen hat. |
| As-Left | Zustand des Messgeräts nach einer möglichen Justierung. | Zeigt, wie das Gerät nach Abschluss der Arbeiten eingestellt ist. |
Der As-Found-Wert ist besonders wichtig, weil er Rückschlüsse auf den bisherigen Betrieb erlaubt. Wenn ein Gerät vor der Justierung deutlich außerhalb der Toleranz lag, müssen möglicherweise frühere Messwerte, Prozesse oder Qualitätsentscheidungen überprüft werden.
Der As-Left-Wert zeigt dagegen, ob das Gerät nach der Kalibrierung oder Justierung wieder innerhalb der zulässigen Toleranz arbeitet.
Werkskalibrierung oder DAkkS-Kalibrierung?
In der Praxis wird häufig zwischen Werkskalibrierung und akkreditierter Kalibrierung unterschieden. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Anwendung, den internen Qualitätsanforderungen, Kundenvorgaben und dem Auditumfeld ab.
| Kalibrierart | Typische Anwendung | Hinweis |
|---|---|---|
| Werkskalibrierung | Viele Standardprüfungen, interne Prüfmittelüberwachung, allgemeine Wartung. | Oft ausreichend, wenn keine akkreditierte Kalibrierung gefordert ist. |
| DAkkS-Kalibrierung | Hohe Anforderungen an Rückführbarkeit, Audits, Labor, regulierte Prozesse. | Sinnvoll oder erforderlich, wenn Kundenvorgaben oder Normanforderungen dies verlangen. |
Wichtig ist: Die passende Kalibrierart sollte bereits vor der Beauftragung geklärt werden. Nachträglich lässt sich ein einfaches Kalibrierzertifikat nicht automatisch in ein akkreditiertes Zertifikat umwandeln.
Druckmessgeräte kalibrieren
Bei der Druckkalibrierung werden Druckmessgeräte mit einem definierten Druck beaufschlagt und mit einer Referenz verglichen. Zu den typischen Prüflingen gehören Manometer, Digitalmanometer, Drucktransmitter, Drucksensoren, Druckschalter und Druckmodule.
Je nach Druckbereich und Medium kommen pneumatische oder hydraulische Kalibrierpumpen, Druckcontroller, Druckmodule, Kolbenmanometer oder tragbare Druckkalibratoren zum Einsatz.
| Prüfling | Typische Kalibrieraufgabe | Geeignete Geräteart |
|---|---|---|
| Manometer | Anzeige bei mehreren Druckpunkten prüfen. | Kalibrierpumpe, Digitalreferenz, Druckcontroller. |
| Drucktransmitter | Druckwert und Ausgangssignal prüfen. | Druckkalibrator mit mA-Messung oder Prozesskalibrator. |
| Druckschalter | Schaltpunkt und Rückschaltpunkt prüfen. | Druckkalibrator mit Schaltertest. |
| Differenzdrucksensor | Niedrige Differenzdrücke genau prüfen. | Geeignetes Niederdruckmodul oder Druckcontroller. |
| Druckmodul | Referenz oder Modul selbst überprüfen. | Höherwertige Druckreferenz oder Laboraufbau. |
Eine Übersicht über passende Geräte finden Sie in der Kategorie
Druckkalibriertechnik.
Prozesssignale kalibrieren: 4 … 20 mA, Spannung und Frequenz
In der Prozessindustrie werden Messwerte häufig als elektrische Signale übertragen. Besonders verbreitet ist das 4 … 20-mA-Signal. Bei der Kalibrierung wird geprüft, ob der Messumformer, die Stromschleife, die Anzeige oder der SPS-Eingang den richtigen Wert liefert.
Ein Stromschleifenkalibrator kann mA-Signale messen, geben oder simulieren. Dadurch lassen sich Transmitter, Anzeigen, Regler und Eingangskarten prüfen, ohne den kompletten Prozess betreiben zu müssen.
| Signal | Typische Prüfung | Geeignetes Gerät |
|---|---|---|
| 4 … 20 mA | Messumformer, Anzeige oder SPS-Eingang prüfen. | Stromschleifenkalibrator oder Prozesskalibrator. |
| 0 … 10 V | Analoge Spannungseingänge prüfen. | Elektrischer Kalibrator oder Simulator. |
| mV-Signal | Messverstärker oder Thermoelementeingänge prüfen. | Prozesskalibrator oder TC-Simulator. |
| Frequenz / Impuls | Durchfluss-, Drehzahl- oder Zähleingänge prüfen. | Frequenzgeber oder Multifunktionskalibrator. |
Für 4 … 20-mA-Stromschleifen ist zum Beispiel der
UPS4E Stromschleifen-Kalibrator
eine passende Lösung. Für vielseitige elektrische, Druck- und Temperaturaufgaben eignet sich der
DPI620 GENII Druckkalibrator / Prozesskalibrator.
Temperaturmessgeräte und Sensoren prüfen
Bei Temperaturmessungen besteht die Messkette häufig aus Sensor, Leitung, Messumformer, Anzeige und Steuerung. Ein falscher Temperaturwert kann daher viele Ursachen haben: Sensorfehler, Leitungswiderstand, falscher Sensortyp, falsche Kennlinie, falsche Kaltstellenkompensation oder ein fehlerhaft parametrierter Messumformer.
Simulatoren helfen dabei, die Messkette gezielt zu prüfen. Sie geben definierte Signale aus, die einem Pt100, RTD, Thermoelement oder mV-Signal entsprechen. So kann geprüft werden, ob Anzeige, Regler oder Messumformer korrekt reagieren.
| Temperatursignal | Typische Anwendung | Prüfziel |
|---|---|---|
| Pt100 / RTD | Widerstandssignal simulieren. | Temperaturtransmitter oder Regler prüfen. |
| Thermoelement | mV-Signal mit Temperaturbezug simulieren. | TC-Eingang und Kaltstellenkompensation prüfen. |
| mV/V | Kleine Sensorsignale simulieren. | Messverstärker oder Eingangskarte prüfen. |
| Anzeige / Regler | Definierten Temperaturwert einspeisen. | Linearisierung und Skalierung kontrollieren. |
Für solche Aufgaben ist zum Beispiel der
ICS 02S Simulator für Pt100, RTD, TC und mV/V
geeignet.
Wann werden Simulatoren eingesetzt?
Ein Simulator wird eingesetzt, wenn ein Sensor- oder Prozesssignal künstlich erzeugt werden soll. Dadurch kann eine Messkette geprüft werden, ohne dass der echte Sensor, der echte Druck, die echte Temperatur oder der reale Prozesszustand vorhanden sein muss.
| Situation | Warum Simulator sinnvoll ist | Beispiel |
|---|---|---|
| Inbetriebnahme | Eingänge können geprüft werden, bevor der Prozess läuft. | SPS-Eingang mit 12 mA simulieren. |
| Fehlersuche | Sensor und Anzeige können getrennt bewertet werden. | Pt100-Signal simulieren, um Transmitter zu prüfen. |
| Grenzwertprüfung | Alarme und Schaltpunkte lassen sich gezielt auslösen. | Temperaturgrenzwert simulieren. |
| Regelkreisprüfung | Signalverlauf kann definiert verändert werden. | 4 … 20-mA-Rampe zur Prüfung eines Reglers. |
| Schulung | Messketten können ohne echten Prozess demonstriert werden. | Signalquellen für Training und Service. |
Simulatoren ersetzen keine vollständige Prozessbewertung, sind aber sehr hilfreich, um einzelne Teile einer Messkette schnell und reproduzierbar zu prüfen.
Wie oft sollte ein Messgerät kalibriert werden?
Das passende Kalibrierintervall hängt von der Anwendung ab. Es gibt kein Intervall, das automatisch für alle Messgeräte richtig ist. Entscheidend sind Einsatzbedingungen, Genauigkeitsanforderung, Kritikalität der Messung, Herstellerangaben, interne QS-Vorgaben und die bisherigen Kalibrierergebnisse.
| Einflussfaktor | Auswirkung auf Intervall | Beispiel |
|---|---|---|
| Kritische Messstelle | Kürzere Intervalle sinnvoll. | Sicherheitsrelevanter Drucktransmitter. |
| Stabile Historie | Intervall kann ggf. beibehalten oder verlängert werden. | Referenzgerät zeigt über Jahre geringe Abweichung. |
| Hohe Belastung | Kürzere Intervalle empfehlenswert. | Starke Vibration, Temperaturwechsel oder rauer Feldeinsatz. |
| Hohe Genauigkeit | Engere Überwachung erforderlich. | Laborreferenz oder Prüfmittel mit kleiner Toleranz. |
| Nach Reparatur oder Überlast | Zwischenkalibrierung sinnvoll. | Drucksensor wurde überlastet oder mechanisch beschädigt. |
Viele Unternehmen starten mit einem festen Intervall, zum Beispiel jährlich, und passen dieses später anhand der Kalibrierhistorie und Risikobewertung an.
Typische Fehler bei der Kalibrierung
Kalibrierungen liefern nur dann belastbare Ergebnisse, wenn der Aufbau, die Referenz, die Methode und die Dokumentation stimmen. Häufige Fehler entstehen durch ungeeignete Referenzen, falsche Anschlüsse, nicht stabile Messwerte oder fehlende Umgebungsbedingungen.
| Fehler | Mögliche Folge | Praxisempfehlung |
|---|---|---|
| Referenz zu ungenau | Toleranzentscheidung ist nicht belastbar. | Referenz mit ausreichender Genauigkeit auswählen. |
| Messpunkte falsch gewählt | Wichtige Bereiche werden nicht geprüft. | Messpunkte passend zur Anwendung definieren. |
| Keine Stabilisierung abgewartet | Messwerte driften während der Ablesung. | Stabilisierungszeit beachten. |
| Falscher Anschluss | Leckage, Verdrahtungsfehler oder falsches Signal. | Mechanischen und elektrischen Aufbau prüfen. |
| As-Found nicht dokumentiert | Bisheriger Betriebszustand ist nicht nachvollziehbar. | Vor jeder Justierung zuerst As-Found-Werte aufnehmen. |
| Umgebung ignoriert | Temperatur oder Feuchte beeinflussen Ergebnis. | Umgebungsbedingungen erfassen. |
Welche Kalibriergeräte sind geeignet?
Die Auswahl des passenden Kalibriergeräts hängt davon ab, welche Messgröße geprüft werden soll. Für Druckmessgeräte werden andere Geräte benötigt als für Stromschleifen, Temperaturtransmitter oder simulierte Sensorsignale.
| Produkt / Kategorie | Geeignet für | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Druckkalibriertechnik | Druckmessgeräte, Drucksensoren, Manometer, Drucktransmitter. | Druck erzeugen, messen, regeln und dokumentieren. |
| DPI620 GENII Druckkalibrator / Prozesskalibrator | Druck, Temperatur, elektrische Signale, Frequenz und Prozessinstrumente. | Multifunktionale Kalibrierung im Feld oder Labor. |
| UPS4E Stromschleifen-Kalibrator | 4 … 20-mA-Stromschleifen, Loop-Tests, Ventiltest, Rampenfunktion. | Prüfung von Messumformern, Anzeigen und SPS-Eingängen. |
| ICS 02S Simulator für Pt100, RTD, TC und mV/V | Temperatur- und Sensorsignale. | Simulation von Pt100, RTD, Thermoelementen und mV/V-Signalen. |
| DPI800 Handmessgerät | Druckmessung, mA-Messung, Schaltertest und Loop-Versorgung. | Mobile Druckprüfung und Fehlersuche im Feld. |
| Simulatoren | RTD, Thermoelemente, 4 … 20 mA, Spannung, Widerstand, Frequenz und Impulse. | Signalprüfung ohne echten Prozesszustand. |
Praxisbeispiele aus Wartung, Labor und Prozessindustrie
Beispiel 1: Drucktransmitter zeigt falschen Prozessdruck
Ein Drucktransmitter in einer Anlage zeigt einen abweichenden Wert. Mit einem Druckkalibrator wird der Transmitter bei mehreren Druckpunkten geprüft. Zusätzlich wird das 4 … 20-mA-Ausgangssignal gemessen. So lässt sich erkennen, ob der Fehler vom Drucksensor, vom Ausgangssignal oder von der Skalierung in der Steuerung kommt.
Beispiel 2: SPS-Eingang für 4 … 20 mA prüfen
Ein Anlagenwert springt unplausibel. Mit einem Stromschleifenkalibrator wird ein definiertes mA-Signal direkt in den SPS-Eingang eingespeist. Wenn die Steuerung den Wert korrekt anzeigt, liegt der Fehler wahrscheinlich nicht am Eingang, sondern am Messumformer, an der Verdrahtung oder am Prozesssensor.
Beispiel 3: Temperaturtransmitter ohne echten Sensor prüfen
Ein Temperaturtransmitter soll geprüft werden, ohne einen echten Pt100 oder ein Thermoelement anzuschließen. Mit einem Simulator wird ein definierter Temperaturwert erzeugt. Die Anzeige oder der Ausgang des Transmitters kann dann mit dem erwarteten Wert verglichen werden.
Beispiel 4: Druckschalter-Schaltpunkt prüfen
Ein Druckschalter soll bei 6 bar schalten. Mit einer Kalibrierpumpe wird der Druck langsam erhöht und der Schaltpunkt erfasst. Anschließend wird der Druck gesenkt, um den Rückschaltpunkt zu bestimmen. So lassen sich Schaltpunkt, Hysterese und Wiederholbarkeit beurteilen.
Beispiel 5: Kalibrierung vor Audit dokumentieren
Vor einem Kundenaudit werden relevante Prüfmittel kalibriert. Im Kalibrierprotokoll werden Seriennummer, Referenzgerät, Messpunkte, Abweichungen, Toleranzbewertung, Messunsicherheit und Kalibrierdatum dokumentiert. Dadurch ist nachvollziehbar, ob die Messmittel zum Zeitpunkt der Prüfung geeignet waren.
Checkliste: Messgerät richtig kalibrieren
Mit dieser Checkliste lässt sich eine Kalibrierung besser vorbereiten und durchführen.
| Prüffrage | Warum wichtig? | Praxisempfehlung |
|---|---|---|
| Welche Messgröße soll kalibriert werden? | Druck, Strom, Spannung, Temperatur oder Frequenz benötigen unterschiedliche Geräte. | Messgröße und Messbereich klar definieren. |
| Welche Toleranz gilt? | Ohne Toleranz ist keine Bewertung möglich. | Herstellerangabe, Prozessanforderung oder QS-Vorgabe prüfen. |
| Ist die Referenz geeignet? | Die Referenz bestimmt die Aussagekraft der Kalibrierung. | Genauigkeit, Messbereich und gültiges Zertifikat prüfen. |
| Welche Messpunkte werden geprüft? | Der relevante Messbereich muss abgedeckt werden. | Typisch sind mehrere Punkte über den Messbereich verteilt. |
| Wird As-Found dokumentiert? | Der ursprüngliche Zustand ist wichtig für die Bewertung früherer Messungen. | Vor jeder Justierung zuerst As-Found-Werte aufnehmen. |
| Ist eine Justierung erlaubt? | Nicht jedes Gerät darf oder soll direkt verstellt werden. | Vorgabe des Kunden oder QS-Systems beachten. |
| Werden Umgebungsbedingungen erfasst? | Temperatur und Feuchte können Messergebnisse beeinflussen. | Umgebung im Protokoll dokumentieren. |
| Ist die Dokumentation vollständig? | Kalibrierungen müssen später nachvollziehbar sein. | Gerät, Seriennummer, Referenz, Messwerte und Bewertung erfassen. |
Fazit: Kalibrieren zeigt die Abweichung, Justieren verändert das Gerät
Das Kalibrieren eines Messgeräts bedeutet, dass seine Anzeige oder sein Ausgangssignal mit einer geeigneten Referenz verglichen wird. Die Abweichung wird dokumentiert und bewertet. Das Gerät wird dabei nicht automatisch verändert. Erst eine Justierung verändert das Messgerät, um die Abweichung zu reduzieren.
Für zuverlässige Messergebnisse sind passende Referenzen, klare Messpunkte, definierte Toleranzen, dokumentierte Messunsicherheiten und eine saubere Protokollierung entscheidend. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen As-Found und As-Left, da nur so nachvollzogen werden kann, wie das Messgerät vor und nach einer möglichen Justierung gearbeitet hat.
Je nach Messaufgabe kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz:
Druckkalibriertechnik
für Manometer, Drucksensoren und Drucktransmitter,
Prozesskalibratoren
für elektrische und kombinierte Kalibrieraufgaben sowie
Simulatoren
für definierte Sensor- und Prozesssignale. Geeignete Produkte sind zum Beispiel der
DPI620 GENII,
der
UPS4E Stromschleifen-Kalibrator,
der
ICS 02S Simulator
oder das
DPI800 Handmessgerät.
FAQ: Häufige Fragen zum Kalibrieren von Messgeräten
Was bedeutet Messgerät kalibrieren?
Kalibrieren bedeutet, dass die Anzeige oder das Ausgangssignal eines Messgeräts mit einem Referenzwert verglichen wird. Die Abweichung wird dokumentiert, aber das Gerät wird dadurch nicht automatisch verändert.
Was ist der Unterschied zwischen Kalibrieren und Justieren?
Beim Kalibrieren wird die Abweichung festgestellt und dokumentiert. Beim Justieren wird das Messgerät eingestellt, um die Abweichung zu verringern. Eine Kalibrierung kann also zeigen, dass eine Justierung notwendig ist.
Was bedeutet Prüfen im Vergleich zur Kalibrierung?
Beim Prüfen wird bewertet, ob ein Messgerät eine bestimmte Anforderung erfüllt. Eine Kalibrierung liefert dafür die Messdaten. Die Prüfung entscheidet anschließend, ob das Gerät innerhalb oder außerhalb der Toleranz liegt.
Was steht in einem Kalibrierzertifikat?
Ein Kalibrierzertifikat enthält typischerweise Angaben zum Prüfling, zur Referenz, zu Messpunkten, Messwerten, Abweichungen, Umgebungsbedingungen, Messunsicherheit und Kalibrierdatum.
Was bedeuten As-Found und As-Left?
As-Found beschreibt den Zustand des Messgeräts vor einer möglichen Justierung. As-Left beschreibt den Zustand nach der Kalibrierung oder Justierung. Beide Werte sind wichtig für die Nachvollziehbarkeit.
Wie oft sollte ein Messgerät kalibriert werden?
Das Kalibrierintervall hängt von Anwendung, Belastung, Genauigkeitsanforderung, Kritikalität, Herstellerangaben und Kalibrierhistorie ab. Viele Unternehmen beginnen mit jährlichen Intervallen und passen diese später an.
Welche Geräte werden zur Druckkalibrierung verwendet?
Für die Druckkalibrierung werden zum Beispiel Druckkalibratoren, Digitalmanometer, Druckmodule, Kalibrierpumpen, Druckcontroller oder Druckwaagen verwendet. Die Auswahl hängt vom Druckbereich, der Genauigkeit und dem Prüfling ab.
Wie kalibriert man ein 4 … 20-mA-Signal?
Ein 4 … 20-mA-Signal wird mit einem Stromschleifenkalibrator oder Prozesskalibrator gemessen, gegeben oder simuliert. Typische Prüfpunkte sind 4 mA, 8 mA, 12 mA, 16 mA und 20 mA.
Wann brauche ich einen Simulator?
Ein Simulator wird eingesetzt, wenn ein Sensor- oder Prozesssignal künstlich erzeugt werden soll. So können Anzeigen, Regler, Transmitter oder SPS-Eingänge geprüft werden, ohne den echten Prozesszustand zu erzeugen.
Welche Produkte eignen sich zum Kalibrieren von Messgeräten?
Für vielseitige Kalibrieraufgaben eignet sich zum Beispiel der
DPI620 GENII Druckkalibrator / Prozesskalibrator.
Für Stromschleifen ist der
UPS4E Stromschleifen-Kalibrator
passend. Für Temperatur- und Sensorsignale kann der
ICS 02S Simulator
eingesetzt werden. Für mobile Druckmessungen ist auch das
DPI800 Handmessgerät
relevant.
