Ein Zeigerthermometer ist korrekt in die Rohrleitung eingebaut.
Der Tauchschaft sitzt im Prozess, der Messbereich passt und das Gerät zeigt einen plausiblen Wert.
Trotzdem ist das Zifferblatt vom Bediengang aus kaum ablesbar.
Die naheliegende Lösung:
Gehäuse drehen oder schwenken
Bei einem dafür vorgesehenen Zeigerthermometer ist genau das möglich.
Die verstellbare Ausführung erlaubt es, Tauchschaft und Prozessanschluss mechanisch korrekt im Prozess zu belassen und gleichzeitig das Zifferblatt auf den gewünschten Ablesewinkel auszurichten.
Dabei darf das Gehäuse jedoch nicht einfach mit Kraft verdreht werden.
Bei dreh- und schwenkbaren Thermometern müssen:
- das Gelenk korrekt gelöst,
- die Anzeige ohne mechanische Spannung positioniert,
- der verfügbare Einbauraum berücksichtigt,
- der Tauchschaft unverändert im Prozess gehalten,
- die Verbindung anschließend wieder sicher fixiert
werden.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen:
Ausrichtung des Gehäuses
und:
thermisch korrekter Position des Tauchschafts
.
Ein optimal ausgerichtetes Zifferblatt liefert keinen korrekten Temperaturwert, wenn der Tauchschaft zu kurz ist, die aktive Länge nicht ausreichend vom Medium umströmt wird oder Wärme über den Anschluss abgeführt wird.
Geeignete Geräte finden Sie bei ICS Schneider unter Temperaturmesstechnik und speziell unter Zeigerthermometer.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ein verstellbares Zeigerthermometer einsetzen?
- Axial, radial und dreh- und schwenkbar unterscheiden
- Wie funktioniert das Verstellgelenk?
- Dreh- und schwenkbares Thermometer richtig einstellen
- Warum das Gehäuse nicht einfach verdreht werden darf
- Ablesewinkel und Parallaxenfehler
- Einbauraum bereits bei der Auswahl berücksichtigen
- Tauchschaft und aktive Messlänge richtig positionieren
- Einbaulänge richtig auswählen
- Einbau in Rohrleitungen
- Thermometer mit Schutzrohr
- Mechanische Spannung vermeiden
- Vibrationen und Zeigerberuhigung
- Umgebungstemperatur am Gehäuse berücksichtigen
- Nullpunktkorrektur nicht mit Gehäuseausrichtung verwechseln
- Wartung und erneute Positionierung
- Empfohlener Montage- und Prüfablauf
- Typische Fehlerbilder
- Praxisbeispiel: Thermometer an einer schlecht zugänglichen Rohrleitung
- Passende ICS-Produkte
- Fazit
- FAQ
Warum ein verstellbares Zeigerthermometer einsetzen?
Bei einem fest ausgeführten Zeigerthermometer wird die Position des Zifferblatts wesentlich durch:
- Prozessanschluss,
- Rohrleitungsrichtung,
- Einbaulage,
- Position des Anschlussstutzens
bestimmt.
Das ist unproblematisch, solange die Anzeige gut sichtbar bleibt.
In realen Anlagen befindet sich die Messstelle jedoch häufig
- unter einer Rohrleitung,
- hinter einer Armatur,
- nah an einer Wand,
- zwischen mehreren Leitungen,
- über Kopfhöhe,
- innerhalb einer Maschinenverkleidung.
Dann kann ein festes Gehäuse ungünstig stehen
beispielsweise:
Zifferblatt zeigt zur Wand
oder:
Zifferblatt liegt nahezu horizontal
Eine dreh- und schwenkbare Ausführung erlaubt dagegen
die Prozessanbindung und die Anzeigeorientierung weitgehend voneinander zu entkoppeln.
Das ist besonders praktisch für
- Bedienpersonal,
- Wartung,
- Inbetriebnahme,
- regelmäßige Kontrollgänge,
- schwer zugängliche Anlagenbereiche.
Axial, radial und dreh- und schwenkbar unterscheiden
Zeigerthermometer werden mit unterschiedlichen Anschlusslagen angeboten.
Axiale Ausführung
Der Tauchschaft befindet sich rückseitig hinter dem Zifferblatt.
Vereinfacht:
Zifferblatt → Tauchschaft
Radiale Ausführung
Der Tauchschaft tritt typischerweise unten aus dem Gehäuse aus.
Das Gehäuse steht dadurch ungefähr:
90° zum Tauchschaft
Dreh- und schwenkbare Ausführung
Zwischen Tauchschaft beziehungsweise Prozessanschluss und Gehäuse befindet sich ein Gelenk.
Dadurch kann die Anzeige nach der Montage an die Sichtlinie angepasst werden.
Wichtig
„Dreh- und schwenkbar“ bedeutet eine konstruktiv dafür vorgesehene Geräteausführung. Ein normales axiales oder radiales Gehäuse darf nicht einfach nachträglich mit Kraft verdreht werden.
Wie funktioniert das Verstellgelenk?
Bei einer dreh- und schwenkbaren Ausführung übernimmt das Gelenk die mechanische Entkopplung zwischen:
Prozessanschluss / Tauchschaft
und:
Anzeigerichtung
Dadurch kann das Gehäuse
innerhalb des konstruktiv vorgesehenen Bereichs:
- gedreht,
- geschwenkt,
- auf den Bediengang ausgerichtet
werden.
Beim WIKA Typ 55
wird für die dreh- und schwenkbare Ausführung beispielsweise ein Verstellbereich von:
360° drehbar
und:
90° schwenkbar
angegeben.
Die Verstellbarkeit dient jedoch nicht dazu
Montagefehler oder eine falsch positionierte Prozessverschraubung mechanisch auszugleichen.
Das Gelenk sollte im Endzustand
- spannungsfrei,
- fest fixiert,
- innerhalb seines vorgesehenen Bewegungsbereichs
stehen.
Dreh- und schwenkbares Thermometer richtig einstellen
Für die WIKA-Bimetallthermometer TG53 und TG54 beschreibt die Betriebsanleitung einen definierten Ablauf.
Grundsätzlich erfolgt die Einstellung in dieser Reihenfolge
- Konter- beziehungsweise Überwurfmutter am Prozessanschluss lösen.
- Schrauben am Schwenkgelenk lösen. Dabei sind auch die auf der gegenüberliegenden Seite befindlichen Schrauben zu berücksichtigen.
- Anzeige in die gewünschte Position bringen.
- Schrauben am Gelenk wieder festziehen.
- Konter- beziehungsweise Überwurfmutter am Prozessanschluss wieder festziehen.
Warum diese Reihenfolge wichtig ist
Wird versucht, das Gehäuse bei vollständig fixiertem Gelenk zu verdrehen, können Kräfte in:
- Gelenk,
- Tauchschaft,
- Prozessanschluss,
- Messmechanik
eingeleitet werden.
Deshalb gilt
Das Gehäuse wird über die dafür vorgesehene Gelenkmechanik positioniert und nicht mit Kraft in die gewünschte Richtung gedreht.
Warum das Gehäuse nicht einfach verdreht werden darf
Bei der Montage muss zwischen zwei Vorgängen unterschieden werden:
Prozessanschluss festziehen
und:
Anzeige ausrichten
Ungünstige Vorgehensweise
Das Thermometer wird vollständig eingeschraubt.
Danach zeigt das Zifferblatt in die falsche Richtung.
Der Monteur greift am Gehäuse an und dreht das komplette Gerät weiter.
Dadurch können
- Gelenkverbindungen überlastet,
- Tauchschäfte verspannt,
- Gewindeverbindungen unnötig belastet,
- Dichtungen beeinflusst
werden.
Besser
ist eine Konstruktion, bei der:
Prozessanschluss dicht und korrekt montiert
und anschließend:
Anzeige über das Gelenk ausgerichtet
wird.
Ablesewinkel und Parallaxenfehler
Die Orientierung des Zifferblatts verändert nicht automatisch die tatsächliche Prozesstemperatur.
Sie beeinflusst jedoch erheblich:
wie zuverlässig ein Bediener den Wert ablesen kann
Bei einem ungünstigen Blickwinkel
kann der Zeiger scheinbar gegenüber einem anderen Skalenstrich stehen.
Dieser Effekt wird als
Parallaxenfehler
bezeichnet.
Er entsteht durch den räumlichen Abstand zwischen
- Zeiger,
- Skala,
- Auge des Betrachters.
Optimal ist
eine möglichst frontale Betrachtung des Zifferblatts.
Der WIKA TG54
besitzt ein geprägtes Zifferblatt zur Reduzierung von Parallaxenfehlern.
Trotzdem gilt
Ein ergonomisch richtig ausgerichtetes Gehäuse erleichtert die eindeutige und reproduzierbare Ablesung.
Einbauraum bereits bei der Auswahl berücksichtigen
Ein verstellbares Thermometer benötigt mehr Bewegungsraum als eine fest montierte Ausführung.
Vor Bestellung sollten deshalb berücksichtigt werden
- Gehäusedurchmesser,
- Länge des Gelenks,
- Schwenkradius,
- benachbarte Rohrleitungen,
- Armaturen,
- Isolierung,
- Wände,
- Kabeltrassen,
- Maschinenverkleidungen.
Typischer Planungsfehler
Das Thermometer lässt sich zwar in den Stutzen einschrauben, anschließend kann das Gehäuse jedoch nicht mehr vollständig geschwenkt werden.
Ursache
Eine benachbarte Rohrleitung befindet sich innerhalb des:
Schwenkbereichs
Deshalb sollte bereits in der Konstruktion geprüft werden
Kann das Gehäuse nach der Montage tatsächlich in die gewünschte Ableseposition gebracht werden?
Tauchschaft und aktive Messlänge richtig positionieren
Während die Gehäuseposition hauptsächlich für Bedienbarkeit und Ablesung relevant ist, bestimmt die Position des Tauchschafts wesentlich die Messqualität.
Beim Bimetallthermometer befindet sich im Tauchschaft
das temperaturempfindliche:
Bimetall-Messelement
Dabei muss unterschieden werden zwischen
Einbaulänge L1
und:
aktiver Länge l2
Für eine korrekte Messung
muss die für das Gerät relevante aktive Messzone ausreichend durch die tatsächliche Prozesstemperatur beeinflusst werden.
Problematisch ist beispielsweise
wenn ein großer Teil des temperaturempfindlichen Bereichs:
- im Anschlussstutzen,
- innerhalb einer dicken Rohrwand,
- in der Wärmedämmung,
- außerhalb des eigentlichen Mediumstroms
liegt.
Dann kann Wärmeleitung über die Umgebung
das Ergebnis beeinflussen.
Einbaulänge richtig auswählen
Die Einbaulänge muss zur Prozessgeometrie passen.
Zu kurze Einbaulänge
kann dazu führen, dass das Thermometer überwiegend die Temperatur des:
Rohrstutzens
statt des:
strömenden Mediums
erfasst.
Eine unnötig lange Ausführung
ist jedoch ebenfalls nicht automatisch besser.
Sie kann:
- mechanische Belastungen erhöhen,
- den Einbauraum vergrößern,
- bei hoher Strömung größere Kräfte aufnehmen müssen.
Die Auswahl sollte deshalb berücksichtigen
- Rohrdurchmesser,
- Stutzenlänge,
- Schutzrohr,
- Isolierungsdicke,
- Strömungsgeschwindigkeit,
- aktive Messlänge des Thermometers.
Einbau in Rohrleitungen
Bei kleinen Rohrdurchmessern ist eine ausreichende Eintauchtiefe häufig schwieriger zu realisieren.
Eine mögliche Einbausituation ist
ein schräg zur Strömung montiertes Thermometer.
Alternativ kann je nach Rohrleitungsaufbau
eine Messstelle so ausgeführt werden, dass der Tauchschaft möglichst weit in den repräsentativen Strömungsbereich hineinragt.
Entscheidend ist
dass das temperaturempfindliche Element nicht überwiegend durch:
- Umgebungsluft,
- Rohrwand,
- Stutzen
thermisch beeinflusst wird.
Das verstellbare Gehäuse hilft hierbei
weil eine thermisch günstige Tauchschaftposition nicht zwangsläufig zu einer schlecht ablesbaren Anzeige führen muss.
Thermometer mit Schutzrohr
In vielen Prozessanwendungen wird das Zeigerthermometer nicht direkt in das Medium eingebaut, sondern zusammen mit einem Schutzrohr eingesetzt.
Vorteile eines Schutzrohrs
- Trennung des Thermometers vom Prozessmedium,
- mechanischer Schutz des Tauchschafts,
- Gerätewechsel ohne Öffnen des Prozesses,
- Anpassung an Prozessdruck und Strömungsbelastung.
Das Schutzrohr beeinflusst jedoch
das thermische Verhalten.
Relevant sind beispielsweise
- Spalt zwischen Thermometer und Schutzrohr,
- Material,
- Wandstärke,
- Einbaulänge,
- Wärmeübergang.
Deshalb
Die Verstellbarkeit des Gehäuses löst keine Probleme, die durch eine ungeeignete Schutzrohr- oder Tauchschaftauslegung entstehen.
Mechanische Spannung vermeiden
Das Thermometer sollte nach der Montage nicht durch seine Umgebung in eine bestimmte Position gedrückt werden.
Problematische Beispiele
- Gehäuse liegt an einer Rohrleitung an,
- Gelenk wird gegen eine Wand gedrückt,
- Isolierung presst gegen das Gehäuse,
- eine Schutzabdeckung belastet das Thermometer,
- der Tauchschaft wird durch eine versetzte Bohrung seitlich gedrückt.
Derartige Kräfte können
die mechanische Integrität der Messstelle beeinträchtigen.
Nach der Montage sollte deshalb geprüft werden
Ist das Thermometer vollständig frei von äußeren Zwangskräften?
Vibrationen und Zeigerberuhigung
Bei Pumpen, Kompressoren und Maschinen können starke mechanische Schwingungen auftreten.
Mögliche Folgen
- unruhiger Zeiger,
- erschwerte Ablesung,
- mechanische Dauerbelastung,
- erhöhter Verschleiß.
Für solche Anwendungen
muss bereits bei der Geräteauswahl eine geeignete Ausführung berücksichtigt werden.
Der WIKA TG54
wird bei ICS ausdrücklich auch für Anwendungen mit hohen Vibrationen beschrieben.
Der WIKA TG53
bietet darüber hinaus verschiedene Dämpfungsoptionen, beispielsweise eine Gehäusefüllung beziehungsweise gedämpfte Lagerung.
Wichtig
Eine Dämpfung sollte nicht dazu verwendet werden, eine mechanisch offensichtlich ungeeignete Montageposition zu kompensieren.
Umgebungstemperatur am Gehäuse berücksichtigen
Nicht nur der Tauchschaft ist einer Temperatur ausgesetzt.
Auch das Gehäuse besitzt einen zulässigen Umgebungstemperaturbereich.
Eine ungünstige Gehäuseposition kann beispielsweise
das Thermometer näher an:
- heiße Rohrleitungen,
- Behälteroberflächen,
- Öfen,
- Dampfarmaturen
bringen.
Dann kann eine für die Ablesung günstige Position
thermisch ungünstig sein.
Deshalb muss bei der Ausrichtung geprüft werden
Ablesbarkeit + zulässige Gehäuseumgebungstemperatur
Bei hohen Prozesstemperaturen
sollte außerdem die Wärmeübertragung über Tauchschaft und Anschluss berücksichtigt werden.
Nullpunktkorrektur nicht mit Gehäuseausrichtung verwechseln
Beim Verstellen des Gehäuses wird ausschließlich die:
mechanische Orientierung der Anzeige
verändert.
Eine Nullpunkt- beziehungsweise Referenzkorrektur
hat dagegen Einfluss auf die Anzeigecharakteristik.
Beim WIKA TG54
ist eine externe Einstellung der Referenztemperatur vorgesehen.
Diese sollte nicht verwendet werden
um einen durch schlechte:
- Einbaulänge,
- Messstelle,
- Wärmeableitung,
- Schutzrohrauslegung
verursachten systematischen Fehler zu kaschieren.
Grundsätzlich gilt
Zuerst die Messstelle und Einbausituation prüfen, danach gegebenenfalls die Anzeige mit einem geeigneten Referenzverfahren kontrollieren.
Wartung und erneute Positionierung
Bei Wartungsarbeiten kann es erforderlich sein, die Anzeige erneut auszurichten.
Beispielsweise nach
- Austausch des Thermometers,
- Demontage eines Schutzrohres,
- Umbau der Rohrleitung,
- Änderung der Isolierung,
- Montage einer neuen Verkleidung.
Nach jeder Veränderung sollte geprüft werden
- korrekter Sitz des Prozessanschlusses,
- Position des Tauchschafts,
- Gelenkstellung,
- fester Sitz der Gelenkschrauben,
- freie Ablesbarkeit,
- ausreichender Abstand zu angrenzenden Komponenten.
Zusätzlich
sollte der angezeigte Temperaturwert auf Plausibilität geprüft werden.
Empfohlener Montage- und Prüfablauf
- Messbereich definieren: Minimal- und Maximaltemperatur des Prozesses bestimmen.
- Prozessbedingungen prüfen: Medium, Druck, Temperatur und chemische Beanspruchung erfassen.
- Rohr- beziehungsweise Behältergeometrie aufnehmen: Stutzen, Wandstärke und Isolierung berücksichtigen.
- Einbaulänge auswählen: Tauchschaft so dimensionieren, dass die aktive Messzone sinnvoll im Prozess liegt.
- Anschlusslage auswählen: Axial, radial oder dreh- und schwenkbar nach Einbausituation festlegen.
- Gehäusegröße berücksichtigen: Verfügbaren Platz und gewünschte Ableseentfernung prüfen.
- Schwenkraum prüfen: Sicherstellen, dass benachbarte Leitungen oder Armaturen die Verstellung nicht blockieren.
- Thermometer montieren: Prozessanschluss nach den Herstellerangaben fachgerecht befestigen.
- Bei verstellbarer Ausführung Gelenk lösen: Vorgaben der Betriebsanleitung beachten.
- Zifferblatt ausrichten: Möglichst frontalen Ablesewinkel vom normalen Bedienstand aus wählen.
- Mechanische Spannungen vermeiden: Gehäuse nicht gegen andere Bauteile drücken.
- Gelenk fixieren: Gelöste Verbindungen wieder ordnungsgemäß befestigen.
- Prozessanschluss kontrollieren: Sicherstellen, dass die vorherige Einstellung die Prozessverbindung nicht gelöst hat.
- Einbaulage kontrollieren: Tauchschaftposition und Einbaulänge überprüfen.
- Umgebungstemperatur prüfen: Abstand zu heißen oder kalten benachbarten Komponenten berücksichtigen.
- Anzeige kontrollieren: Zeiger muss frei und stabil anzeigen.
- Plausibilitätsprüfung durchführen: Temperatur mit Prozesszustand beziehungsweise Referenz vergleichen.
- Bei Bedarf dokumentieren: Einbaulänge, Anschlusslage und endgültige Gehäuseposition festhalten.
Typische Fehler bei verstellbaren Zeigerthermometern
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|---|
| Zifferblatt zeigt nach der Montage zur Wand | Feste Anschlusslage gewählt oder Gelenk nicht ausgerichtet | Geräteausführung und Gelenkeinstellung prüfen |
| Gehäuse lässt sich nicht schwenken | Gelenk nicht korrekt gelöst oder Einbauraum blockiert | Montageanleitung und Umgebung prüfen |
| Thermometer steht mechanisch unter Spannung | Gehäuse wurde mit Kraft in Position gebracht | Gelenk lösen und spannungsfrei neu ausrichten |
| Messwert erscheint zu niedrig | Tauchschaft beziehungsweise aktive Länge nicht ausreichend im Medium | Einbaulänge und Messstelle prüfen |
| Anzeige ändert sich nach Änderung der Gehäuseposition deutlich | Mögliche mechanische Beanspruchung oder veränderte Einbausituation | Montage und Plausibilität prüfen |
| Zeigerwert wird von verschiedenen Personen unterschiedlich abgelesen | Ungünstiger Ablesewinkel beziehungsweise Parallaxeneffekt | Zifferblatt frontaler ausrichten |
| Gehäuse kann nicht weit genug gedreht werden | Nachbarbauteil liegt im Bewegungsbereich | Einbauraum und Gehäusegröße prüfen |
| Zeiger schwankt stark | Vibration der Rohrleitung oder Maschine | Montageort und geeignete Dämpfungsoption prüfen |
| Anzeige ist stabil, aber systematisch falsch | Thermischer Einbaufehler oder ungeeignete Einbaulänge | Tauchschaft, Schutzrohr und Referenzmessung prüfen |
| Gehäuse wird sehr heiß | Zu geringer Abstand zu heißer Prozessleitung oder Wärmeleitung über Anschluss | Umgebungstemperatur und Einbausituation prüfen |
| Thermometer ist nach Wartung schlecht ablesbar | Gehäuse bei Wiedermontage nicht neu ausgerichtet | Gelenkposition kontrollieren |
Praxisbeispiel: Thermometer an einer schlecht zugänglichen Rohrleitung
In einer Prozessanlage soll die Temperatur einer horizontal verlaufenden Leitung lokal angezeigt werden.
Problem
Der Anschlussstutzen befindet sich auf der Oberseite der Leitung.
Direkt hinter der Messstelle verläuft zusätzlich eine zweite Rohrleitung.
Mit einer festen axialen Ausführung
würde das Zifferblatt nahezu nach oben zeigen.
Für einen Bediener am Boden
wäre die Anzeige nur schwer erkennbar.
Lösung
Es wird ein dreh- und schwenkbares Bimetallthermometer eingesetzt.
Schritt 1
Die benötigte Tauchschaftlänge wird anhand von:
- Rohrdurchmesser,
- Stutzenhöhe,
- Prozessposition
festgelegt.
Schritt 2
Das Thermometer wird über den vorgesehenen Prozessanschluss korrekt montiert.
Schritt 3
Die Gelenkverbindung wird entsprechend der Betriebsanleitung gelöst.
Schritt 4
Das Zifferblatt wird so geschwenkt, dass es vom Bediengang möglichst frontal sichtbar ist.
Schritt 5
Zusätzlich wird geprüft, ob das Gehäuse ausreichend Abstand zur benachbarten Leitung besitzt.
Schritt 6
Die Gelenkverbindungen und der Prozessanschluss werden wieder sicher fixiert.
Schritt 7
Nach Erreichen eines stabilen Prozesszustands wird der Temperaturwert auf Plausibilität geprüft.
Ergebnis
Der Tauchschaft bleibt thermisch korrekt im Prozess positioniert, während die Anzeige unabhängig davon auf den Bediener ausgerichtet werden kann.
Passende ICS-Produkte für verstellbare Temperaturanzeigen
WIKA TG54 – Bimetallthermometer
Für die hier beschriebene Anwendung eignet sich besonders das bei ICS gelistete:
ICS nennt unter anderem
- Nenngrößen 63, 80, 100 und 160 mm,
- robustes, hermetisch abgedichtetes Gehäuse,
- dreh- und schwenkbare Ausführung,
- externes Rücksetzen zur Einstellung der Referenztemperatur,
- geprägtes Zifferblatt zur Reduzierung von Parallaxenfehlern,
- Eignung für Anwendungen mit hohen Vibrationen,
- CrNi-Stahl-Ausführung.
Das TG54 ist besonders sinnvoll
wenn eine Kombination aus:
robuster Prozessausführung + flexibler Ableseposition
benötigt wird.
Genauigkeit
Für den TG54 wird:
Klasse 1 nach EN 13190
angegeben.
Anschlusslagen
Je nach Konfiguration sind erhältlich:
- rückseitig axial,
- unten radial,
- rückseitig dreh- und schwenkbar.
WIKA TG53 – Bimetallthermometer
Eine weitere bei ICS verfügbare Lösung ist das:
ICS nennt
- robustes, hermetisch abgedichtetes Gehäuse,
- dreh- und schwenkbare Ausführung,
- geprägtes Anti-Parallax-Zifferblatt,
- verschiedene Tauchschaftlängen,
- Dämpfungsoptionen für Anwendungen mit Vibrationen.
Normative Ausführung
Der TG53 ist nach:
ASME B40.200
ausgeführt.
Damit eignet er sich besonders
wenn eine entsprechende ASME-orientierte Ausführung gefragt ist.
WIKA Typ 55 – Bimetallthermometer
Für klassische Prozessanwendungen führt ICS außerdem den:
ICS nennt unter anderem
- Anzeigebereiche von -70 … +600 °C,
- CrNi-Stahl-Ausführung,
- individuelle Tauchschaftlängen von 63 … 1.000 mm,
- Einsatz in Chemie, Petrochemie, Öl und Gas sowie Energie- und Wasserwirtschaft.
Für die dreh- und schwenkbare Variante
führt das zugehörige WIKA-Datenblatt die Ausführungen:
S5550 / S5551
auf.
Der angegebene Verstellbereich beträgt
90° schwenkbar
und:
360° drehbar
Welche Lösung passt?
| Anwendung | Passende ICS-Lösung |
|---|---|
| Robustes Prozess-Bimetallthermometer nach EN 13190 mit verstellbarer Anzeige | WIKA TG54 |
| Prozess-Bimetallthermometer nach ASME B40.200 | WIKA TG53 |
| Große Auswahl an Einbaulängen und hohe Temperaturbereiche | WIKA Typ 55 |
| Schlecht zugänglicher Einbauort | Dreh- und schwenkbare Geräteausführung passend zur Prozessanforderung wählen |
| Starke Vibrationen | Geeignete TG53-/TG54-Ausführung und verfügbare Dämpfungsoptionen prüfen |
Weitere Lösungen finden Sie unter Zeigerthermometer bei ICS Schneider sowie unter Temperaturmesstechnik.
Fazit
Ein dreh- und schwenkbares Zeigerthermometer löst ein sehr praktisches Problem:
optimale Messposition ≠ optimale Ableseposition
Das Gelenk trennt beide Anforderungen
Der Tauchschaft kann thermisch sinnvoll im Prozess positioniert werden, während das Zifferblatt zum Bediener ausgerichtet wird.
Das Gehäuse darf nicht einfach mit Kraft verdreht werden
Die vorgesehene Gelenkmechanik muss entsprechend der Betriebsanleitung gelöst, eingestellt und wieder fixiert werden.
Der Ablesewinkel beeinflusst die Bedienbarkeit
Eine möglichst frontale Anzeige reduziert Fehlablesungen und Parallaxeneffekte.
Die thermische Messqualität hängt jedoch weiterhin vom Tauchschaft ab
Entscheidend bleiben:
- Einbaulänge,
- aktive Länge,
- Position im Medium,
- Schutzrohr,
- Wärmeableitung.
Auch der Einbauraum muss passen
Die dreh- und schwenkbare Ausführung benötigt ausreichend Platz für:
Drehung + Schwenkung + sichere Ablesung
Für die Praxis gilt deshalb
Prozessdaten bestimmen → Messbereich auswählen → Rohr- und Stutzengeometrie erfassen → passende Einbaulänge bestimmen → axiale, radiale oder dreh- und schwenkbare Anschlusslage auswählen → verfügbaren Einbauraum und Schwenkradius prüfen → Thermometer fachgerecht montieren → Gelenk gemäß Betriebsanleitung lösen → Anzeige auf den Bediener ausrichten → mechanische Spannungen vermeiden → Gelenk wieder sicher fixieren → Tauchschaftposition und Prozessanschluss kontrollieren → Umgebungstemperatur berücksichtigen → Anzeige auf Plausibilität prüfen.
FAQ: Verstellbare Zeigerthermometer richtig montieren
Was ist ein dreh- und schwenkbares Zeigerthermometer?
Es handelt sich um ein Thermometer, dessen Anzeigegehäuse über ein konstruktiv vorgesehenes Gelenk relativ zum Tauchschaft gedreht und geschwenkt werden kann.
Warum braucht man ein verstellbares Thermometer?
Es ermöglicht eine thermisch geeignete Position des Tauchschafts bei gleichzeitig gut ablesbarer Anzeige.
Was ist der Unterschied zwischen axialem und radialem Thermometer?
Bei einer axialen Ausführung befindet sich der Tauchschaft rückseitig am Gehäuse. Bei einer radialen Ausführung tritt er typischerweise unten aus dem Gehäuse aus.
Was bedeutet dreh- und schwenkbar?
Die Gehäuseposition kann innerhalb des vom Hersteller vorgesehenen Bewegungsbereichs gegenüber dem Tauchschaft verändert werden.
Kann ich jedes Zeigerthermometer einfach drehen?
Nein. Nur dafür vorgesehene Geräteausführungen dürfen über die entsprechende Gelenkmechanik verstellt werden.
Kann ich das Gehäuse nach dem Festziehen einfach mit der Hand verdrehen?
Nein. Bei einer dreh- und schwenkbaren Ausführung müssen die vorgesehenen Befestigungselemente am Gelenk entsprechend der Betriebsanleitung gelöst und anschließend wieder befestigt werden.
Wie wird ein WIKA TG54 ausgerichtet?
Bei der dreh- und schwenkbaren Ausführung werden gemäß Betriebsanleitung zunächst Konter- beziehungsweise Überwurfmutter und anschließend die entsprechenden Schrauben des Schwenkgelenks gelöst. Danach wird die Anzeige positioniert und wieder fixiert.
Müssen beim Gelenk alle Schrauben gelöst werden?
Die WIKA-Betriebsanleitung weist ausdrücklich darauf hin, auch die auf der gegenüberliegenden Seite befindlichen Schrauben zu lösen.
Beeinflusst die Gehäuseposition den Temperaturmesswert?
Die reine Orientierung eines dafür vorgesehenen verstellbaren Gehäuses sollte nicht mit einer Änderung der Messstelle verwechselt werden. Messabweichungen können jedoch entstehen, wenn beim Verstellen mechanische Kräfte eingeleitet oder Tauchschaft beziehungsweise Prozessanschluss verändert werden.
Was ist ein Parallaxenfehler?
Ein Parallaxenfehler entsteht, wenn ein Zeigerinstrument schräg betrachtet wird und der Zeiger dadurch scheinbar einem anderen Skalenwert zugeordnet wird.
Wie sollte das Zifferblatt ausgerichtet werden?
Möglichst so, dass es vom üblichen Bedienstand aus annähernd frontal betrachtet werden kann.
Was ist die Einbaulänge eines Thermometers?
Die Einbaulänge beschreibt die geometrische Länge des in Richtung Prozess hineinragenden Tauchschaftbereichs gemäß der jeweiligen Gerätekonstruktion.
Was bedeutet aktive Länge?
Die aktive Länge bezeichnet den für die Temperaturerfassung wirksamen Bereich des Tauchschafts beziehungsweise Messelements.
Warum ist eine zu kurze Einbaulänge problematisch?
Dann kann die aktive Messzone zu stark von Prozessanschluss, Rohrwand oder Umgebung beeinflusst werden und die tatsächliche Mediumtemperatur nicht ausreichend repräsentieren.
Ist ein längerer Tauchschaft immer besser?
Nein. Die Einbaulänge muss zur Anwendung passen. Unnötig lange Tauchschäfte können mechanisch stärker belastet werden und mehr Einbauraum benötigen.
Kann ein Schutzrohr den Messwert beeinflussen?
Ja. Schutzrohrmaterial, Wandstärke, Einbaulänge und Wärmeübergang beeinflussen insbesondere das thermische Ansprechverhalten.
Warum sollte das Gehäuse nicht an einer Rohrleitung anliegen?
Dadurch können mechanische Zwangskräfte und zusätzliche thermische Einflüsse entstehen.
Was muss bei Wärmedämmung beachtet werden?
Die Dämmung darf das Gehäuse und das Verstellgelenk nicht mechanisch belasten und sollte die vorgesehene Gehäuseumgebung nicht unzulässig erwärmen.
Kann ein verstellbares Thermometer in einer vibrierenden Leitung eingesetzt werden?
Ja, sofern die gewählte Geräteausführung für die auftretenden Vibrationen geeignet ist. ICS führt beispielsweise TG53 und TG54 für industrielle Anwendungen mit entsprechenden robusten beziehungsweise gedämpften Ausführungen.
Was ist der WIKA TG54?
Der TG54 ist ein bei ICS gelistetes Bimetallthermometer für industrielle Prozessanwendungen nach EN 13190.
Ist der WIKA TG54 dreh- und schwenkbar erhältlich?
Ja. ICS nennt ausdrücklich eine dreh- und schwenkbare Ausführung zur optimalen Prozessanbindung.
Welche Nenngrößen gibt es beim WIKA TG54?
ICS nennt 63, 80, 100 und 160 mm.
Welche Genauigkeitsklasse besitzt der TG54?
Für den TG54 wird Klasse 1 nach EN 13190 angegeben.
Was ist der WIKA TG53?
Der TG53 ist ein robustes Bimetallthermometer für Prozessanwendungen nach ASME B40.200.
Ist auch der TG53 dreh- und schwenkbar erhältlich?
Ja. ICS führt auch beim TG53 eine entsprechende verstellbare Ausführung.
Was ist der WIKA Typ 55?
Der Typ 55 ist ein Bimetallthermometer für anspruchsvolle industrielle Prozessanwendungen mit Anzeigebereichen von -70 … +600 °C und verschiedenen Tauchschaftlängen.
Gibt es den WIKA Typ 55 dreh- und schwenkbar?
Ja. Das bei ICS verfügbare WIKA-Datenblatt führt für die dreh- und schwenkbare Ausführung die Varianten S5550 und S5551 auf.
Wie weit lässt sich die dreh- und schwenkbare Ausführung des Typ 55 verstellen?
Im WIKA-Datenblatt werden 90° Schwenkbereich und 360° Drehbereich angegeben.
Welche Bauform sollte ich auswählen: axial, radial oder verstellbar?
Das hängt von Prozessanschluss, Platzverhältnissen und gewünschter Ableserichtung ab. Bei schwer vorhersehbaren beziehungsweise ungünstigen Sichtverhältnissen bietet eine dreh- und schwenkbare Ausführung besonders viel Flexibilität.
Kann ich mit dem Verstellgelenk eine falsch gewählte Einbaulänge ausgleichen?
Nein. Das Gelenk verändert die Gehäuseorientierung, nicht die thermisch wirksame Position des Tauchschafts.
Wo finde ich den WIKA TG54 bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA TG54 Bimetallthermometer bei ICS Schneider.
Wo finde ich den WIKA TG53 bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA TG53 Bimetallthermometer bei ICS Schneider.
Wo finde ich den WIKA Typ 55 bei ICS Schneider?
Weitere Informationen finden Sie unter WIKA Typ 55 Bimetallthermometer bei ICS Schneider.
Wo finde ich weitere Zeigerthermometer bei ICS Schneider?
Eine Übersicht finden Sie unter Zeigerthermometer bei ICS Schneider.
