Zwei Reifenfüllmessgeräte sollen in einer Werkstatt oder Prüfstelle überprüft werden. Beide Geräte besitzen denselben Messbereich und werden regelmäßig an derselben Tankstelle beziehungsweise im selben Werkstattbereich eingesetzt. Muss nun jedes Gerät einzeln an die Referenz angeschlossen, auf mehrere Prüfpunkte gebracht, wieder entlüftet und anschließend das zweite Gerät nach demselben Verfahren geprüft werden?
Nicht unbedingt. Eine Referenzprüfeinrichtung wie der PRM-25 ermöglicht den gleichzeitigen Anschluss von zwei Reifenfüllmessgeräten an denselben pneumatischen Prüfkreis. Damit können beide Prüflinge gemeinsam mit dem Referenzmanometer auf dieselben Druckstufen gebracht werden.
Das besitzt einen großen praktischen Vorteil: Wird beispielsweise ein Prüfpunkt von 2,0 bar eingestellt und ausreichend stabilisiert, sehen Referenz und beide Prüflinge im gemeinsamen statischen Druckkreis grundsätzlich denselben Prüfdruck. Die Anzeigen können deshalb unmittelbar miteinander verglichen werden.
Die gleichzeitige Prüfung bedeutet jedoch nicht, dass alle Einflüsse automatisch verschwinden. Zwei unterschiedliche Reifenfüllgeräte können unterschiedliche interne Volumina, Schlauchlängen, Ventile, Manometermechaniken oder Entlüftungsfunktionen besitzen. Eine kleine Undichtigkeit an nur einem Prüfling kann den gemeinsamen Prüfdruck verändern und damit auch den zweiten Prüfling beeinflussen.
Auch die Ablesung muss organisiert werden. Wird zuerst die Referenz notiert, anschließend Prüfling 1 abgelesen und erst deutlich später Prüfling 2, während der Druck langsam driftet, wurden die drei Werte nicht mehr unter exakt demselben Druckzustand aufgenommen.
Der Vorteil der gemeinsamen Prüfung liegt deshalb nicht einfach darin, zwei Geräte „irgendwie gleichzeitig“ anzuschließen. Entscheidend ist ein stabiler gemeinsamer Prüfkreis, in dem Druckänderungen ausreichend abgeklungen sind und Referenz sowie beide Prüflinge möglichst zeitnah abgelesen werden.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Zwei Reifenfüllmessgeräte können sehr effizient gleichzeitig geprüft werden, wenn beide Prüflinge an demselben stabilisierten Prüfkreis angeschlossen sind. Jeder Prüfling bleibt jedoch ein eigenständiges Messgerät und muss separat gegen die Referenz bewertet und dokumentiert werden.
Wie funktioniert die gleichzeitige Prüfung zweier Reifenfüllmessgeräte?
Bei einer klassischen Vergleichsprüfung wird ein Prüfling gemeinsam mit einer genaueren Referenz an denselben pneumatischen Druckkreis angeschlossen.
Der Prüfdruck wird erzeugt und auf einen definierten Wert eingestellt. Anschließend wird der von der Referenz angezeigte Druck mit dem Wert des Reifenfüllmessgerätes verglichen.
Bei einer gleichzeitigen Prüfung wird dieses Prinzip erweitert.
Neben der Referenz werden zwei Reifenfüllmessgeräte an denselben Prüfkreis angeschlossen. Der gemeinsame pneumatische Aufbau besteht damit vereinfacht aus:
Druckerzeugung → gemeinsamer Prüfkreis → Referenz + Prüfling 1 + Prüfling 2
Nach dem Einstellen und Stabilisieren des Druckes befinden sich alle drei Messgeräte im selben statischen Drucksystem.
Damit kann beispielsweise ein Prüfpunkt von 2,0 bar gleichzeitig an beiden Reifenfüllmessgeräten beurteilt werden. Danach wird der Druck auf 3,0 bar erhöht und wiederum die Referenz mit beiden Prüflingsanzeigen verglichen.
Die Zahl der Druckerzeugungs- und Einstellvorgänge kann dadurch gegenüber zwei vollständig getrennten Prüfungen reduziert werden.
Warum beide Prüflinge denselben statischen Prüfdruck sehen
In einem geschlossenen beziehungsweise ausreichend ruhig gewordenen pneumatischen System stellt sich ein gemeinsamer statischer Druck ein.
Die Referenz, Prüfling 1 und Prüfling 2 müssen deshalb nicht exakt dieselben Schlauchlängen oder identischen Innenvolumina besitzen, um nach ausreichender Stabilisierung denselben statischen Druck zu sehen.
Unterschiedliche Schlauchvolumina beeinflussen vor allem den Übergang von einem Prüfpunkt zum nächsten.
Wird der Prüfdruck beispielsweise von 1 auf 3 bar erhöht, muss zusätzliches Gas sämtliche angeschlossenen Volumina füllen. Ein größerer Prüfkreis benötigt entsprechend mehr Gas und kann nach einer Druckänderung etwas mehr Zeit benötigen, bis Temperatur- und Strömungseffekte abgeklungen sind.
Nach vollständiger Stabilisierung gilt jedoch für die miteinander verbundenen Punkte desselben Prüfkreises grundsätzlich derselbe statische Druck.
Genau darin liegt der große Vorteil einer gemeinsamen Vergleichsprüfung: Beide Prüflinge werden nicht nacheinander unter möglicherweise leicht unterschiedlichen Bedingungen geprüft, sondern können am gleichen Druckzustand miteinander verglichen werden.
Die Referenz bleibt der maßgebliche Wert
Auch wenn zwei Reifenfüllmessgeräte gleichzeitig angeschlossen sind, entsteht daraus keine zusätzliche Referenz.
Der maßgebliche Prüfdruck wird weiterhin durch das vorgesehene Referenzmanometer bestimmt.
Zeigt die Referenz beispielsweise:
2,000 bar
und die beiden Prüflinge zeigen:
Prüfling 1 = 2,05 bar
Prüfling 2 = 1,98 bar
dann werden beide Geräte jeweils gegen die Referenz bewertet.
Der Unterschied zwischen den beiden Prüflingen ist zusätzlich interessant, ersetzt die Referenzmessung aber nicht.
Es wäre beispielsweise falsch, aus 2,05 bar und 1,98 bar einen Mittelwert zu bilden und diesen als tatsächlichen Prüfdruck anzunehmen.
Die Referenz liefert die Rückführung des tatsächlichen Prüfdruckes. Die beiden Reifenfüllmessgeräte sind die zu beurteilenden Prüflinge.
Direkter Vergleich der beiden Prüflinge
Der parallele Anschluss bietet zusätzlich einen sehr anschaulichen Vorteil: Unterschiede zwischen zwei Prüflingen werden unmittelbar sichtbar.
Stehen beide Geräte am selben Prüfkreis und zeigen bei einem stabilen Referenzdruck von 4,00 bar beispielsweise 4,00 bar und 4,20 bar an, kann diese Differenz nicht durch einen unterschiedlichen tatsächlichen Prüfdruck erklärt werden.
Beide Geräte sehen denselben Druck.
Der Unterschied stammt deshalb aus dem jeweiligen Messverhalten der beiden Prüflinge, sofern der Prüfkreis dicht und stabil ist.
Gerade bei einer größeren Zahl ähnlicher Reifenfüllmessgeräte kann dies praktisch interessant sein. Geräte mit deutlich abweichendem Verhalten werden sehr schnell sichtbar.
Trotzdem bleibt jeder Wert einzeln zu dokumentieren.
Vor der Ablesung ausreichend stabilisieren
Nach jeder Druckänderung benötigt ein pneumatischer Prüfkreis eine gewisse Zeit, bis ein stabiler Zustand erreicht ist.
Beim Komprimieren erwärmt sich Gas. Beim Entspannen kühlt es ab. Diese Temperaturänderungen können kurzfristig zu Druckänderungen führen, obwohl kein Gas aus dem System entweicht.
Bei einem größeren Prüfvolumen mit zwei angeschlossenen Reifenfüllmessgeräten kann dieser Effekt sichtbarer sein als bei einem sehr kleinen Aufbau.
Deshalb sollte nach dem Anfahren eines Prüfpunktes nicht sofort abgelesen werden.
Der Druck wird zunächst mit dem Feinregler möglichst genau eingestellt. Anschließend wird gewartet, bis die Referenzanzeige ausreichend stabil ist.
Erst dann werden Referenz und beide Prüflinge bewertet.
Für reproduzierbare Prüfungen empfiehlt es sich, bei allen Prüfpunkten nach demselben Stabilitätskriterium vorzugehen.
Einmal fünf Sekunden zu warten und beim nächsten Prüfpunkt sofort abzulesen, erschwert unnötig die Vergleichbarkeit.
Unterschiedliche Schlauch- und Gerätevolumina berücksichtigen
Zwei Reifenfüllmessgeräte müssen nicht denselben internen Aufbau besitzen.
Ein Gerät kann einen kurzen Anschlussschlauch besitzen, ein anderes einen deutlich längeren. Auch Ventilblöcke, Manometergehäuse und interne Druckräume unterscheiden sich.
Damit unterscheiden sich auch die pneumatischen Volumina.
Für den endgültigen statischen Druck ist dies nach ausreichender Stabilisierung normalerweise unkritisch.
Für die Druckeinstellung ist es jedoch relevant.
Wird ein zweiter Prüfling angeschlossen, vergrößert sich das Gesamtvolumen des Prüfkreises. Für denselben Druckanstieg muss mehr Gas eingebracht werden als bei nur einem angeschlossenen Prüfling.
Bei der manuellen Druckerzeugung kann sich der Prüfaufbau dadurch etwas anders anfühlen.
Der Feinregler beziehungsweise Volumensteller bleibt deshalb wichtig, um den gewünschten Prüfpunkt nach dem groben Druckaufbau exakt einzustellen.
Unterschiedliche Volumina sind also kein Grund, auf die gleichzeitige Prüfung zu verzichten. Sie müssen lediglich bei Druckaufbau und Stabilisierung berücksichtigt werden.
Warum eine Leckage eines Prüflings beide Messungen beeinflussen kann
Der gemeinsame Prüfkreis besitzt auch eine wichtige Konsequenz:
Eine Undichtigkeit an einer einzigen angeschlossenen Komponente beeinflusst den gesamten Prüfkreis.
Ist beispielsweise der Schlauch von Prüfling 2 undicht, verliert nicht nur Prüfling 2 Druck.
Da Referenz, Prüfling 1 und Prüfling 2 pneumatisch miteinander verbunden sind, fällt der Druck im gesamten System.
Die Referenz zeigt dann ebenfalls einen sinkenden Wert und auch Prüfling 1 wird mit diesem veränderten Druck beaufschlagt.
Das kann zu einer falschen Interpretation führen, wenn lediglich die Anzeigen der beiden Prüflinge beobachtet werden.
Vor der eigentlichen Messreihe sollte deshalb die Dichtheit des kompletten Prüfaufbaus beurteilt werden.
Ein langsam driftender Prüfpunkt ist nicht automatisch ein Zeichen für ein ungenaues Referenzmanometer oder einen instabilen Prüfling. Ursache kann eine kleine Leckage an einer Kupplung, einem Schlauch oder einem der Reifenfüllmessgeräte sein.
Ventile und Entlüftungsfunktionen nicht während der Messung betätigen
Reifenfüllmessgeräte besitzen typischerweise Funktionen zum Befüllen beziehungsweise Ablassen von Druck.
Wird eine solche Funktion während der gemeinsamen Prüfung betätigt, verändert sich der Druck im gesamten Prüfkreis.
Das gilt auch dann, wenn nur an einem der beiden Prüflinge ein Ventil betätigt wird.
Während der eigentlichen Ablesung müssen die Prüflinge deshalb in einem ruhigen, unveränderten Zustand bleiben.
Soll eine spezielle Ventilfunktion eines Reifenfüllgerätes geprüft werden, sollte dies als eigener Prüfschritt betrachtet werden und nicht gleichzeitig mit der statischen Vergleichsmessung erfolgen.
Nach jeder Betätigung muss der gewünschte Prüfpunkt erneut eingestellt und stabilisiert werden.
Referenz und beide Prüflinge möglichst zeitgleich ablesen
Auch ein guter pneumatischer Prüfaufbau ist nicht absolut unveränderlich.
Kleine Temperaturänderungen, mikroskopische Leckagen oder mechanische Bewegungen können dazu führen, dass sich der Druck langsam verändert.
Deshalb sollten Referenz und beide Prüflinge möglichst innerhalb eines kurzen Zeitfensters abgelesen werden.
Bei einem analogen Reifenfüllmanometer sollte der Zeiger möglichst ohne Parallaxefehler beurteilt werden. Bei digitalen Prüflingen muss berücksichtigt werden, dass deren Anzeigen gegebenenfalls unterschiedliche Aktualisierungsraten besitzen.
Ein sinnvoller Ablauf ist beispielsweise, zunächst die Stabilität an der Referenz zu beobachten und dann Referenz, Prüfling 1 und Prüfling 2 unmittelbar hintereinander zu dokumentieren.
Bei besonders langsamen oder schwankenden Anzeigen kann eine zweite Ableserunde sinnvoll sein.
Damit lässt sich erkennen, ob der Prüfpunkt während der Erfassung stabil geblieben ist.
Mehrere Prüfpunkte gemeinsam anfahren
Eine belastbare Prüfung sollte sich nicht auf einen einzigen Druckpunkt beschränken, sofern das anzuwendende Prüfverfahren mehrere Punkte vorsieht.
Ein Reifenfüllmessgerät kann beispielsweise bei 2 bar nahezu exakt anzeigen und bei 4 oder 6 bar deutlich abweichen.
Mit zwei angeschlossenen Prüflingen können die vorgesehenen Prüfpunkte gemeinsam durchfahren werden.
Der Prüfablauf kann beispielsweise lauten:
0 bar → 1 bar → 2 bar → 3 bar → 4 bar → 5 bar
Die tatsächlichen Prüfpunkte richten sich selbstverständlich nach Messbereich, Prüfvorschrift und gewünschter Bewertung.
An jedem Punkt wird zuerst der Druck stabilisiert und anschließend werden die drei Anzeigen dokumentiert.
Dadurch erhält man zwei vollständige Messreihen, obwohl der Prüfdruck nur einmal pro Stufe erzeugt werden musste.
Steigende und fallende Prüfreihen gemeinsam durchführen
Bei mechanischen und elektromechanischen Druckmessgeräten kann es einen Unterschied machen, ob ein Prüfpunkt aus einem niedrigeren oder höheren Druck angefahren wird.
Dieser Effekt wird unter anderem als Hysterese betrachtet.
Auch hierfür ist der gemeinsame Prüfkreis sehr praktisch.
Beide Prüflinge können zunächst gemeinsam in steigender Richtung geprüft werden.
Nach Erreichen des oberen vorgesehenen Druckpunktes wird der Druck anschließend schrittweise reduziert und dieselben Punkte werden in fallender Richtung erneut angefahren.
Damit erhalten beide Reifenfüllmessgeräte exakt dieselbe Druckhistorie.
Zeigt Prüfling 1 beispielsweise bei 3 bar in steigender Richtung 3,00 bar und in fallender Richtung 3,10 bar, während Prüfling 2 an beiden Stellen 3,00 bar zeigt, wird der Unterschied unmittelbar sichtbar.
Die parallele Prüfung verbessert damit nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Vergleichbarkeit der mechanischen Belastungshistorie.
Nullpunkt und Rückkehr zum Nullpunkt getrennt beurteilen
Nach Abschluss einer Druckreihe wird der Prüfkreis wieder entlastet.
Dabei kann überprüft werden, ob beide Reifenfüllmessgeräte wieder korrekt zum Nullpunkt zurückkehren.
Auch hier besitzt die gemeinsame Prüfung einen Vorteil: Beide Prüflinge wurden zuvor denselben Druckstufen ausgesetzt.
Wenn nur einer der beiden Zeiger nach vollständiger Druckentlastung sichtbar oberhalb null stehen bleibt, spricht dies für ein gerätespezifisches Verhalten und nicht für einen unterschiedlichen vorherigen Prüfdruck.
Wichtig ist jedoch, dass der Prüfkreis tatsächlich vollständig entlüftet ist.
Ein kleiner Restdruck im gemeinsamen System würde beide Geräte beeinflussen und könnte fälschlicherweise als Nullpunktabweichung interpretiert werden.
Messabweichung für jeden Prüfling separat berechnen
Auch bei einer gemeinsamen Messreihe entsteht für jeden Prüfling ein eigener Messwertsatz.
Die Abweichung lässt sich für jeden Prüfpunkt vereinfacht bestimmen als:
Abweichung Prüfling = Anzeige Prüfling − Referenzwert
Beispiel bei einem Referenzdruck von 3,000 bar:
Prüfling 1 = 3,05 bar → Abweichung +0,05 bar
Prüfling 2 = 2,96 bar → Abweichung −0,04 bar
Die beiden Geräte liegen damit um insgesamt 0,09 bar auseinander.
Für die Bewertung gegen eine zulässige Toleranz wird jedoch nicht diese Differenz zwischen den Prüflingen verwendet.
Entscheidend ist die jeweilige Abweichung jedes einzelnen Gerätes gegenüber der Referenz.
Prüfling 1 kann deshalb innerhalb der zulässigen Toleranz liegen, während Prüfling 2 sie überschreitet – oder umgekehrt.
Gleichzeitige Vergleichsprüfung ist nicht eine gemeinsame Kalibrierung
Der gemeinsame pneumatische Aufbau kann leicht zu der Vorstellung führen, dass beide Geräte damit gewissermaßen als ein gemeinsamer Prüfling kalibriert werden.
Das ist nicht der Fall.
Jedes Reifenfüllmessgerät besitzt eine eigene Identifikation, eigene Anzeigeeigenschaften, einen eigenen Messfehler und eine eigene Historie.
Werden formelle Kalibrierergebnisse dokumentiert, müssen die Ergebnisse deshalb dem jeweiligen Gerät eindeutig zugeordnet werden.
Das gemeinsame Drucksignal reduziert lediglich den Aufwand für die Erzeugung der Prüfpunkte und verbessert die direkte Vergleichbarkeit.
Es ersetzt nicht die individuelle Ergebnisbewertung.
Auch ein Kalibrierzertifikat beziehungsweise Prüfprotokoll muss entsprechend das jeweilige Gerät und dessen einzelne Messergebnisse ausweisen.
Messunsicherheit wird nicht automatisch halbiert
Zwei gleichzeitig angeschlossene Prüflinge machen die Referenz nicht genauer.
Die Messunsicherheit der Vergleichsprüfung wird weiterhin unter anderem durch Referenz, Kalibrierunsicherheit, Auflösung, Stabilität, Ablesung und Prüfaufbau bestimmt.
Dass zwei Prüflinge denselben Wert anzeigen, ist kein Beweis dafür, dass dieser Wert richtig ist.
Wenn beispielsweise beide Prüflinge 3,10 bar anzeigen und die Referenz 3,00 bar, liegen die beiden Geräte zwar hervorragend miteinander überein, besitzen aber beide eine ähnliche Abweichung gegenüber der Referenz.
Umgekehrt können zwei Prüflinge unterschiedliche Anzeigen besitzen, obwohl die Referenz völlig stabil arbeitet.
Die gemeinsame Prüfung verbessert deshalb vor allem die Vergleichbarkeit der Prüfbedingungen – nicht automatisch die metrologische Genauigkeit der Referenz.
Praxisbeispiel: zwei Reifenfüllmanometer gleichzeitig prüfen
Eine Werkstattorganisation besitzt mehrere analoge Reifenfüllmessgeräte mit einem typischen Einsatzbereich bis 6 bar.
Zwei Geräte werden gleichzeitig am PRM-25 angeschlossen.
Nach der Dichtheitskontrolle wird zunächst ein Prüfdruck von 1,0 bar eingestellt.
Nach der Stabilisierung werden folgende Werte erfasst:
| Referenz | Prüfling 1 | Prüfling 2 |
|---|---|---|
| 1,000 bar | 1,00 bar | 1,05 bar |
| 2,000 bar | 2,02 bar | 2,08 bar |
| 3,000 bar | 3,03 bar | 3,12 bar |
| 4,000 bar | 4,04 bar | 4,17 bar |
Schon während der Prüfung ist erkennbar, dass Prüfling 2 mit zunehmendem Druck stärker nach oben abweicht.
Da beide Prüflinge gleichzeitig am selben stabilisierten Prüfkreis angeschlossen waren, lässt sich dieser Unterschied nicht mit unterschiedlichen Prüfdruckbedingungen erklären.
Die eigentliche Entscheidung, ob die jeweiligen Abweichungen zulässig sind, erfolgt anschließend anhand der für die Prüfaufgabe geltenden Toleranz beziehungsweise Vorschrift.
Wird danach eine fallende Messreihe durchgeführt, kann zusätzlich geprüft werden, ob eines der beiden Geräte eine auffällige Hysterese zeigt.
Das Beispiel zeigt den praktischen Vorteil sehr deutlich: Mit einer einzigen Druckfolge entstehen zwei vollständige und direkt vergleichbare Prüfreihen.
Sinnvoller Prüfablauf mit zwei Prüflingen
Vor Beginn werden beide Reifenfüllmessgeräte eindeutig identifiziert und an die dafür vorgesehenen Prüflingsanschlüsse angeschlossen.
Der gesamte Aufbau wird anschließend auf offensichtliche Undichtigkeiten geprüft. Besonders Schnellkupplungen, Schläuche und die Anschlüsse der beiden Prüflinge sollten kontrolliert werden.
Danach wird der erste Prüfpunkt angefahren. Der Prüfdruck wird mit der vorgesehenen Druckerzeugung aufgebaut und über die Feinregelung möglichst genau eingestellt.
Nach ausreichender Stabilisierung werden Referenz und beide Prüflinge in kurzem zeitlichen Abstand abgelesen und dokumentiert.
Dieser Ablauf wird für alle vorgesehenen Prüfpunkte wiederholt.
Wenn eine Hysteresebewertung vorgesehen ist, wird nach dem höchsten Prüfpunkt dieselbe Sequenz in fallender Druckrichtung durchgeführt.
Zum Abschluss wird der Prüfkreis vollständig entlastet und die Rückkehr beider Geräte zum Nullpunkt kontrolliert.
Dadurch erhält man zwei vollständige Prüfdatensätze mit einer gemeinsamen Referenzdruckhistorie.
Typische Fehler bei der gleichzeitigen Prüfung
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvoller Prüfschritt |
|---|---|---|
| Referenzdruck sinkt langsam | Leckage an einem Prüfling, Schlauch oder Anschluss | Gesamten Prüfkreis auf Dichtheit prüfen |
| Nach Anschluss des zweiten Gerätes fällt der Druck deutlich | Zusätzliches Innenvolumen wird gefüllt | Prüfdruck erneut einstellen und stabilisieren |
| Prüfling 1 und 2 zeigen unterschiedlich an | Individuelle Geräteabweichungen | Beide Werte getrennt gegen die Referenz bewerten |
| Alle Anzeigen verändern sich nach Betätigung eines Prüflings | Gemeinsamer pneumatischer Prüfkreis | Prüfpunkt erneut einstellen und stabilisieren |
| Werte unterscheiden sich bei steigender und fallender Prüfung | Hysterese des jeweiligen Prüflings | Beide Druckrichtungen getrennt dokumentieren |
| Nach Entlüftung zeigen beide Geräte Restdruck | Prüfkreis möglicherweise noch nicht vollständig drucklos | Vollständig entlüften und Referenz kontrollieren |
Die meisten Probleme lassen sich vermeiden, wenn Druckerzeugung, Stabilisierung, Ablesung und Entlüftung bei jedem Prüfpunkt nach einem einheitlichen Ablauf durchgeführt werden.
Wann die gleichzeitige Prüfung besonders wirtschaftlich ist
Der praktische Zeitvorteil steigt mit der Zahl der wiederkehrend zu prüfenden Geräte.
Bei einer einzelnen gelegentlichen Prüfung ist es möglicherweise unerheblich, ob ein oder zwei Prüflinge gleichzeitig angeschlossen werden.
In Prüfstellen, größeren Werkstattorganisationen, Tankstellenketten oder Servicebetrieben können jedoch regelmäßig zahlreiche Reifenfüllmessgeräte geprüft werden.
Dann muss bei einem parallelen Aufbau jeder Prüfpunkt nur einmal erzeugt und stabilisiert werden.
Die eigentliche Dokumentation bleibt zwar für jedes Gerät separat erforderlich, der pneumatische Prüfablauf kann jedoch effizienter durchgeführt werden.
Zusätzlich entsteht eine besonders gute direkte Vergleichbarkeit, weil die beiden Prüflinge dieselben Druckstufen zur selben Zeit sehen.
Der wirtschaftliche Vorteil entsteht somit nicht durch eine geringere messtechnische Sorgfalt, sondern durch die bessere Nutzung eines einmal stabil eingestellten Prüfpunktes.
PRM-25 als Prüfaufbau für zwei Reifenfüllmessgeräte
Der PRM-25 wurde speziell für die Prüfung beziehungsweise Kalibrierung von Reifenfüllmessgeräten in Werkstätten, Tankstellen und Prüfstellen entwickelt.
Die Prüfeinrichtung besitzt zwei Airfix-Prüflingsanschlüsse mit Klemmbügel. Dadurch können zwei Reifenfüllmessgeräte gleichzeitig an den gemeinsamen Prüfkreis angeschlossen werden.
Als Referenz ist in der aktuellen Ausführung ein Präzisions-Digitalmanometer vom Typ ADT681 integriert. Für unterschiedliche Prüfaufgaben stehen Referenzmessbereiche von 6, 10, 16, 25 oder 40 bar zur Verfügung.
Die Auswahl des Referenzmessbereiches sollte sich dabei an den tatsächlichen Prüfpunkten und der geforderten Prüftoleranz orientieren. Ein unnötig großer Messbereich ist nicht automatisch vorteilhafter.
Für die Druckerzeugung besitzt der PRM-25 eine integrierte Präzisions-Kalibrierhandpumpe ICP 40.2. Damit kann die Prüfung auch unabhängig von einer externen Druckluftversorgung durchgeführt werden.
Zusätzlich ist ein 2-Liter-Druckluftbehälter integriert, der als Puffer beziehungsweise Druckspeicher verwendet werden kann.
Eine externe Druckluftversorgung kann ebenfalls angeschlossen werden. Dies ist insbesondere bei einer größeren Zahl regelmäßig durchzuführender Prüfungen praktisch.
Über die Feinregelung beziehungsweise den Volumensteller lässt sich der gewünschte Prüfpunkt präzise anfahren.
Gerade bei zwei angeschlossenen Prüflingen ist diese Feinregelung hilfreich, weil das Gesamtvolumen des pneumatischen Systems gegenüber einer Prüfung mit nur einem Prüfling größer ist.
PRM-25 Referenzprüfeinrichtung für Reifenfüllmessgeräte bei ICS Schneider
Kalibrierkoffer und Prüfkoffer bei ICS Schneider
Weiterführend: Referenz für Reifenfüllmanometer richtig auswählen
Weiterführend: Reifenfüllmanometer steigend und fallend prüfen
Weiterführend: Reifenfüllmanometer ohne externe Druckluft prüfen
Fazit
Die Möglichkeit, zwei Reifenfüllmessgeräte gleichzeitig zu prüfen, ist mehr als eine praktische Zusatzfunktion eines Prüfkoffers.
Beide Prüflinge können nach ausreichender Stabilisierung unter demselben statischen Referenzdruck bewertet werden. Dadurch lassen sich Anzeigen direkt vergleichen und mehrere Druckpunkte besonders effizient durchfahren.
Der gemeinsame Prüfkreis besitzt jedoch auch Konsequenzen. Eine Leckage an nur einem Reifenfüllgerät beeinflusst den Druck für beide Prüflinge. Ebenso verändert die Betätigung eines Füll- oder Ablassventils an einem Gerät den gesamten pneumatischen Zustand.
Unterschiedliche Schlauch- und Gerätevolumina sind für den endgültigen statischen Prüfdruck grundsätzlich kein Problem, können aber den Druckaufbau und die notwendige Stabilisierung beeinflussen.
Referenz und beide Prüflinge sollten deshalb erst nach einem stabilen Druckzustand und möglichst innerhalb eines kurzen Zeitfensters abgelesen werden.
Die beiden Prüflinge bleiben trotz des gemeinsamen Prüfaufbaus eigenständige Messgeräte. Messabweichung, Hysterese, Nullpunktverhalten und zulässige Toleranz müssen für jedes Gerät separat bewertet werden.
Eine gemeinsame Prüfung ist daher nicht gleichbedeutend mit einer gemeinsamen Kalibrierung. Sie ermöglicht vielmehr zwei individuelle Vergleichsprüfungen unter besonders gut vergleichbaren Druckbedingungen.
Gerade bei Prüfstellen und Organisationen mit einer größeren Zahl regelmäßig zu prüfender Reifenfüllmessgeräte kann dieser Aufbau den Zeitaufwand deutlich reduzieren, ohne auf eine saubere Referenzbewertung verzichten zu müssen.
FAQ zur gleichzeitigen Prüfung von zwei Reifenfüllmessgeräten
Kann der PRM-25 zwei Reifenfüllmessgeräte gleichzeitig prüfen?
Ja. Der PRM-25 besitzt zwei Prüflingsanschlüsse, sodass zwei Reifenfüllmessgeräte gleichzeitig an denselben Prüfkreis angeschlossen werden können.
Sehen beide Prüflinge wirklich denselben Druck?
Nach ausreichender Stabilisierung liegen beide Prüflinge am selben statischen pneumatischen Prüfkreis und sehen damit grundsätzlich denselben Prüfdruck.
Spielen unterschiedliche Schlauchlängen dann keine Rolle?
Für den stabilen statischen Enddruck normalerweise nicht wesentlich. Unterschiedliche Volumina können jedoch beeinflussen, wie schnell sich ein neuer Prüfpunkt einstellt und stabilisiert.
Was passiert, wenn einer der Prüflinge undicht ist?
Da beide Geräte und die Referenz am selben Prüfkreis angeschlossen sind, kann eine Leckage an einem Prüfling den Druck im gesamten System abfallen lassen.
Kann ich während der Messung am Ablassventil eines Prüflings arbeiten?
Nein, nicht ohne den gemeinsamen Prüfpunkt zu verändern. Jede Entlüftung eines angeschlossenen Prüflings beeinflusst den gesamten Prüfkreis.
Warum sollten die Anzeigen möglichst zeitnah abgelesen werden?
Falls der Prüfdruck langsam driftet, würden zeitlich weit auseinanderliegende Ablesungen unterschiedliche tatsächliche Druckzustände repräsentieren.
Kann ich die beiden Prüflinge direkt miteinander vergleichen?
Ja. Da sie gleichzeitig denselben stabilisierten Druck sehen, ist ihre direkte Anzeigedifferenz sehr anschaulich. Die eigentliche Bewertung erfolgt jedoch jeweils gegen die Referenz.
Kann ich aus den beiden Prüflingswerten den tatsächlichen Druck mitteln?
Nein. Der maßgebliche Prüfdruck wird durch die Referenz bestimmt. Die Prüflinge werden gegen diesen Referenzwert bewertet.
Ist die Messung genauer, wenn zwei Prüflinge gleichzeitig angeschlossen sind?
Nicht automatisch. Die gemeinsame Prüfung verbessert vor allem die Vergleichbarkeit der Druckbedingungen. Die Genauigkeit und Messunsicherheit werden weiterhin von Referenz und Prüfverfahren bestimmt.
Können zwei Geräte gleichzeitig steigend und fallend geprüft werden?
Ja. Beide Prüflinge können dieselbe steigende und anschließend fallende Druckreihe durchlaufen. Dadurch lässt sich auch ihr Hystereseverhalten sehr gut vergleichen.
Muss der Nullpunkt für beide Geräte separat geprüft werden?
Ja. Nach vollständiger Druckentlastung wird die Nullpunktrückkehr jedes Prüflings separat beurteilt.
Ist eine gemeinsame Prüfung dasselbe wie eine gemeinsame Kalibrierung?
Nein. Beide Geräte werden zwar mit demselben Prüfdruck beaufschlagt, besitzen aber jeweils eigene Messergebnisse und müssen individuell dokumentiert und bewertet werden.
Kann für beide Geräte ein gemeinsames Prüfprotokoll verwendet werden?
Ein organisatorisch gemeinsames Dokument ist möglich, sofern die Messwerte und die Identifikation jedes Prüflings eindeutig getrennt und nachvollziehbar dokumentiert werden. Die konkrete Form richtet sich nach dem jeweiligen Qualitäts- beziehungsweise Prüfverfahren.
Warum sollte vor der Prüfung die Dichtheit kontrolliert werden?
Eine kleine Leckage kann den gemeinsamen Prüfdruck verändern und dadurch die Vergleichbarkeit aller angeschlossenen Messgeräte beeinträchtigen.
Kann der PRM-25 ohne externe Druckluft verwendet werden?
Ja. Die integrierte Präzisions-Kalibrierhandpumpe kann den erforderlichen Prüfdruck erzeugen.
Welche Funktion hat der interne 2-Liter-Behälter?
Er kann als Puffer beziehungsweise Druckluftspeicher verwendet werden und unterstützt einen stabilen pneumatischen Prüfaufbau.
Welche Referenz wird im aktuellen PRM-25 eingesetzt?
Die aktuelle Produktbeschreibung nennt das Präzisions-Digitalmanometer ADT681 als integrierte Referenz.
Welche Referenzmessbereiche sind verfügbar?
Die aktuelle Produktbeschreibung nennt 6, 10, 16, 25 und 40 bar.
Warum sollte der Referenzbereich zur Prüfaufgabe passen?
Ein unnötig großer Messbereich kann abhängig von der Genauigkeitsspezifikation zu einer ungünstigeren absoluten Messunsicherheit im typischen Reifendruckbereich führen. Der Referenzbereich sollte deshalb die benötigten Prüfpunkte sicher abdecken und gleichzeitig sinnvoll dimensioniert sein.
Wann lohnt sich die gleichzeitige Prüfung besonders?
Sie ist insbesondere bei Prüfstellen, Werkstattgruppen, Tankstellen, Reifenfachbetrieben und anderen Organisationen interessant, die regelmäßig mehrere Reifenfüllmessgeräte prüfen müssen.
Welche Angaben sollten bei jedem Prüfling dokumentiert werden?
Mindestens Geräteidentifikation, Prüfpunkte, Referenzwerte, jeweilige Prüflingsanzeigen, daraus resultierende Abweichungen und das angewandte Bewertungs- beziehungsweise Toleranzkriterium sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.
