Ein SITRANS Clamp-on-Ultraschall-Durchflussmessgerät ist montiert und zeigt einen plausiblen Durchflusswert an. Die Sensoren sitzen außen auf dem Rohr, der eingegebene Rohrdurchmesser stimmt und die Anlage läuft stabil. Damit scheint die Inbetriebnahme zunächst abgeschlossen.
Bei einer Clamp-on-Messung lohnt sich jedoch ein zweiter Blick. Anders als bei einem direkt im Medium befindlichen Messaufnehmer muss das Ultraschallsignal zunächst vom Sensor durch Koppelmittel, Rohrwand und Medium übertragen werden, anschließend die gegenüberliegende Rohrseite beziehungsweise den definierten akustischen Pfad erreichen und schließlich wieder zuverlässig empfangen werden.
Eine Messung kann deshalb bereits einen scheinbar plausiblen Durchfluss anzeigen, obwohl die akustischen Bedingungen noch nicht optimal sind. Ein kleiner Montagefehler, eine ungünstige Koppelstelle oder ungenaue Rohrdaten müssen nicht sofort zu einem vollständigen Signalverlust führen. Sie können zunächst lediglich die Signalreserve reduzieren.
Genau hier sind die Diagnosewerte des SITRANS-Systems hilfreich. Neben dem eigentlichen Durchfluss lassen sich Größen wie Signal-Rausch-Abstand, erforderliche Empfangsverstärkung, Schallgeschwindigkeit, Laufzeit stromaufwärts und stromabwärts sowie die Laufzeitdifferenz betrachten. Je nach Messumformer stehen außerdem Werte wie Spitzenamplitude, Signalkorrelation und der Anteil akzeptierter Signalbursts zur Verfügung.
Diese Werte sollten nicht isoliert als „gut“ oder „schlecht“ bewertet werden. Zusammen ergeben sie vielmehr ein Bild davon, wie sauber der akustische Messpfad arbeitet.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Bei einer SITRANS Clamp-on-Messung sollte die Montage nicht ausschließlich anhand des angezeigten Durchflusswertes beurteilt werden. Signalqualität, Empfangsverstärkung, Laufzeit, Schallgeschwindigkeit und Stabilität der Diagnosewerte liefern zusätzliche Informationen darüber, ob Sensorposition, Koppelstelle und eingegebene Rohrdaten tatsächlich zusammenpassen.
Wie arbeitet die SITRANS Clamp-on-Ultraschallmessung?
Bei der Clamp-on-Ultraschallmessung werden die Sensoren außen auf der Rohrleitung befestigt. Die Rohrleitung muss dafür nicht aufgetrennt werden und die Sensoren kommen nicht mit dem Medium in Kontakt.
Für die Durchflussbestimmung verwendet das System das Laufzeitdifferenzverfahren. Zwei Ultraschallsignale werden entlang eines definierten akustischen Pfades durch die Rohrwand und das Medium übertragen. Ein Signal läuft mit der Strömungsrichtung, das andere entgegen der Strömung.
Bei vorhandenem Durchfluss benötigt das Signal in Strömungsrichtung geringfügig weniger Zeit als das Signal entgegen der Strömung. Diese sehr kleine Zeitdifferenz wird ausgewertet und daraus die Strömungsgeschwindigkeit bestimmt.
Die absolute Laufzeit ist dabei erheblich größer als die eigentliche Laufzeitdifferenz. Das System muss deshalb nicht nur ein Ultraschallsignal erkennen, sondern dessen zeitliche Lage sehr präzise bestimmen.
Die Qualität der Messung hängt dadurch unmittelbar von der Qualität des empfangenen Signals ab. Ist die akustische Kopplung schlecht, treten starke Störungen auf oder stimmen die eingegebenen Rohrparameter nicht mit der realen Geometrie überein, wird die Bestimmung der Laufzeiten schwieriger.
Die Diagnosewerte zeigen genau diese Situation wesentlich früher als ein vollständiger Messausfall.
Welche Diagnosewerte sind für die Montage besonders hilfreich?
Bei SITRANS FST020 und FST030 stehen mehrere Diagnoseparameter zur Verfügung, die den akustischen Messpfad beschreiben. Nicht jeder Wert hat dabei dieselbe Aufgabe.
Für eine Montagekontrolle sind besonders die Empfangsqualität und die zeitlichen Messwerte interessant. Der Signal-Rausch-Abstand beschreibt, wie deutlich sich das Nutzsignal vom elektrischen beziehungsweise akustischen Hintergrund abhebt. RXGain zeigt, wie stark die Empfangselektronik das eintreffende Signal verstärken muss. Laufzeit Up und Laufzeit Down zeigen dagegen, wann die jeweiligen Ultraschallsignale den Empfänger erreichen.
Hinzu kommen die berechnete Schallgeschwindigkeit im Medium und die Delta Time zwischen beiden Richtungen. Bei bestimmten Geräteausführungen können zusätzlich Spitzenamplitude, Signalkorrelationsfaktor und weitere interne Diagnosegrößen ausgewertet werden.
| Diagnosewert | Was beschreibt er? | Typische Bedeutung bei der Montagekontrolle |
|---|---|---|
| SNR Up / Down | Signal-Rausch-Abstand der empfangenen Ultraschallsignale | Zeigt die Qualität des Signals gegenüber dem Hintergrundrauschen |
| RXGain Up / Down | Erforderliche Empfangsverstärkung | Hohe notwendige Verstärkung kann auf ein schwächeres Empfangssignal hindeuten |
| Peak Amplitude | Spitzenamplitude des Empfangssignals | Zusätzliche Information über die empfangene Signalhöhe |
| Correlation Factor | Qualität der Übereinstimmung beziehungsweise Signalerkennung | Hilfreich zur Beurteilung einer stabilen Signalerfassung |
| Travel Time Up / Down | Absolute Laufzeit der Ultraschallsignale | Plausibilitätskontrolle für akustischen Pfad, Geometrie und Sensorposition |
| Delta Time | Differenz zwischen den beiden Laufzeiten | Grundlage für die Durchflussbestimmung |
| Sound Velocity | Ermittelte Schallgeschwindigkeit des Mediums | Plausibilitätskontrolle für Medium und parametrierte Anwendung |
Keiner dieser Werte sollte für sich allein als Freigabekriterium verwendet werden. Entscheidend ist die Kombination.
SNR richtig interpretieren
SNR steht für Signal-to-Noise Ratio beziehungsweise Signal-Rausch-Abstand. Vereinfacht beschreibt dieser Wert, wie deutlich das empfangene Ultraschallsignal über dem vorhandenen Rauschpegel liegt.
Ein hoher Signal-Rausch-Abstand bedeutet, dass der Empfänger das Nutzsignal klar vom Hintergrund unterscheiden kann. Sinkt der SNR deutlich ab, wird die Messung anfälliger gegenüber akustischen und elektrischen Störungen.
Bei einer frisch montierten Clamp-on-Messstelle ist der SNR deshalb ein guter Indikator dafür, ob die Sensoren tatsächlich eine brauchbare akustische Verbindung zum Rohr besitzen.
Ein niedriger Wert muss jedoch nicht automatisch bedeuten, dass der Sensor falsch montiert wurde. Auch schwierige Rohrmaterialien, starke Rohrwanddämpfung, Gasblasen, Feststoffe im Medium oder ungünstige Prozessbedingungen können die Signalqualität reduzieren.
Besonders hilfreich ist deshalb der Vergleich vor und nach einer gezielten Montageänderung.
Wird beispielsweise ein Sensor neu gekoppelt und der SNR steigt anschließend deutlich an, obwohl der Prozess unverändert geblieben ist, spricht dies dafür, dass die akustische Kopplung verbessert wurde.
Ein absoluter Einzelwert ist weniger aussagekräftig als eine reproduzierbare Verbesserung unter identischen Prozessbedingungen.
RXGain: Warum weniger Verstärkung häufig besser ist
RXGain beschreibt die Verstärkung, die der Empfangsverstärker benötigt, um das eintreffende Ultraschallsignal auszuwerten.
Ein starkes Empfangssignal benötigt weniger elektronische Verstärkung. Ein schwaches Signal muss stärker angehoben werden.
Deshalb gilt als grundlegende Interpretationshilfe: Ein niedrigerer RXGain-Wert spricht grundsätzlich für ein stärkeres empfangenes Signal.
Das ist für die Montagekontrolle sehr praktisch. Angenommen, nach der ersten Montage benötigt das System eine relativ hohe Empfangsverstärkung. Nach Reinigung der Rohrfläche, erneutem Aufbringen des Koppelmittels und sorgfältigem Anpressen des Sensors sinkt der RXGain deutlich.
Damit liegt ein objektiver Hinweis vor, dass die akustische Verbindung verbessert wurde.
Auch hier ist jedoch Vorsicht bei pauschalen Grenzwerten notwendig. Der erforderliche Gain hängt unter anderem von Rohrgröße, Material, Wanddicke, Sensorbauform, Signalweg und Medium ab.
Bei einem großen dickwandigen Rohr kann eine höhere notwendige Verstärkung vollkommen normal sein, während derselbe Wert bei einer kleinen Stahlleitung auf eine schlechte Kopplung hinweisen könnte.
Für die Praxis ist deshalb der Vergleich von Upstream und Downstream sowie der Vergleich vor und nach einer Montageänderung besonders wertvoll.
Peak Amplitude und Signalkorrelation beurteilen
Der FST020 stellt zusätzlich Diagnosewerte für die Spitzenamplitude der empfangenen Signale und den Signalkorrelationsfaktor bereit.
Diese Werte ergänzen SNR und RXGain. Die Spitzenamplitude beschreibt die Signalhöhe am Empfangspfad, während die Korrelation Hinweise darauf liefert, wie eindeutig beziehungsweise reproduzierbar das System das relevante Ultraschallsignal erkennt.
Eine einzelne große Amplitude bedeutet nicht automatisch eine optimale Messstelle. Ein starkes Signal kann beispielsweise gleichzeitig von Störungen oder unerwünschten Reflexionen begleitet sein.
Umgekehrt kann ein etwas schwächeres, aber sehr sauberes und stabil korreliertes Signal für die Laufzeitmessung besser geeignet sein.
Deshalb sollte eine Montage nicht darauf optimiert werden, nur einen einzelnen Diagnosewert auf das Maximum zu bringen.
Das Ziel ist ein stabiler akustischer Pfad, bei dem Upstream- und Downstream-Signal zuverlässig erkannt werden und die daraus berechneten Laufzeiten reproduzierbar bleiben.
Laufzeit Up und Down verstehen
Die absoluten Laufzeiten geben an, wie lange das Ultraschallsignal für den jeweiligen akustischen Weg benötigt.
Bei einem laufenden Prozess unterscheiden sich die beiden Werte geringfügig. Das Signal mit der Strömung ist schneller am Empfänger als das Signal gegen die Strömung.
Die absolute Laufzeit wird wesentlich durch die Geometrie des Messpfades und die Schallgeschwindigkeiten in den durchlaufenen Materialien bestimmt.
Dazu gehören insbesondere Rohrdurchmesser, Wanddicke, Rohrmaterial, Sensoranordnung und Medium.
Damit wird die Laufzeit zu einer interessanten Plausibilitätsgröße für die Montage.
Wenn die reale Rohrwand beispielsweise erheblich dicker ist als in der Parametrierung eingetragen, stimmt der berechnete akustische Pfad nicht exakt mit der realen Messstelle überein. Dasselbe gilt bei falschem Außendurchmesser oder einem ungeeigneten Rohrmaterial.
Die Messung kann unter Umständen trotzdem ein Signal finden. Die Diagnosewerte zeigen dann jedoch, dass die reale akustische Situation nicht optimal zu den hinterlegten Anwendungsdaten passt.
Was sagt die Delta Time aus?
Die Delta Time ist die präzise gemessene Differenz zwischen der Laufzeit stromaufwärts und der Laufzeit stromabwärts.
Diese Differenz ist erheblich kleiner als die absoluten Laufzeiten und bildet eine wesentliche Grundlage der Durchflussberechnung.
Bei Nullfluss sollten die Laufzeiten in beiden Richtungen nahezu gleich sein. Die Delta Time bewegt sich dann entsprechend in Richtung null, wobei reale Systeme immer eine gewisse Messstreuung und Nullpunktcharakteristik besitzen.
Mit zunehmender Strömung wächst die zeitliche Differenz zwischen beiden Richtungen.
Für die Montagekontrolle ist besonders interessant, ob die Delta Time stabil und zum Prozess plausibel ist.
Eine stark springende Delta Time bei eigentlich konstantem Durchfluss kann darauf hinweisen, dass die Signalerkennung nicht stabil genug ist. Ursachen können eine schlechte Koppelstelle, Luftblasen im Medium, eine problematische Rohrwand oder ungünstige Sensorpositionen sein.
Die Delta Time sollte deshalb nicht als alleiniger Montagewert betrachtet werden. Zusammen mit SNR, RXGain und Laufzeiten liefert sie jedoch sehr gute Hinweise darauf, ob der Messpfad stabil arbeitet.
Schallgeschwindigkeit als Plausibilitätskontrolle nutzen
Das SITRANS-System ermittelt beziehungsweise verarbeitet auch die Schallgeschwindigkeit des Mediums.
Dieser Wert ist für die Diagnose besonders interessant, weil er eine physikalische Verbindung zwischen dem gemessenen akustischen Laufweg und dem erwarteten Medium herstellt.
Eine deutlich unplausible Schallgeschwindigkeit sollte deshalb nicht einfach als nebensächlicher Diagnosewert ignoriert werden.
Sie kann beispielsweise darauf hinweisen, dass Rohrparameter, Mediumsdaten oder Sensoranordnung nicht zur tatsächlichen Anwendung passen. Auch ein anderer Prozesszustand als angenommen kann die Ursache sein.
Die Schallgeschwindigkeit eines Mediums hängt unter anderem von Medium, Temperatur, Druck und Zusammensetzung ab. Deshalb sollte kein beliebiger Tabellenwert als absoluter Sollwert verwendet werden.
Der sinnvolle Ansatz besteht darin, den gemessenen Wert mit einem für den tatsächlichen Prozesszustand plausiblen Bereich zu vergleichen.
Besonders bei bekannten Wasseranwendungen kann diese Kontrolle sehr hilfreich sein. Bei Kohlenwasserstoffen, Gasen oder wechselnden Gemischen muss die Bewertung dagegen stärker an die konkrete Anwendung angepasst werden.
Falschen Sensorabstand über Diagnosewerte erkennen
Bei einer Clamp-on-Messung wird der Abstand zwischen den Sensoren aus Rohrgeometrie, Sensortyp und gewählter akustischer Konfiguration abgeleitet.
Ein Montagefehler von wenigen Millimetern muss nicht zwangsläufig sofort zum vollständigen Signalverlust führen. Die Sensoren können noch ein Ultraschallsignal empfangen, obwohl sie nicht exakt an der optimalen Position sitzen.
Dadurch entsteht ein typischer Fall, bei dem der Durchflusswert zunächst plausibel aussieht, die Diagnosewerte aber wenig Reserve zeigen.
Wird der Sensorabstand anschließend korrigiert, können sich SNR und RXGain deutlich verbessern und die Laufzeiten stabiler werden.
Gerade deshalb sollte die im Setup berechnete beziehungsweise vorgegebene Montageposition nicht nur grob mit einem Zollstock übertragen werden. Die tatsächliche Sensorposition gehört zur Messstellenqualität.
Bei Wartungsarbeiten ist es ebenso wichtig, die ursprüngliche Position reproduzierbar wiederherzustellen.
Koppelstelle und Rohrwand diagnostizieren
Zwischen dem Clamp-on-Sensor und der Rohrwand darf kein relevanter Luftspalt verbleiben. Luft besitzt für diese Messaufgabe vollkommen andere akustische Eigenschaften als die vorgesehenen Koppelmaterialien und kann die Energieübertragung drastisch reduzieren.
Deshalb werden Kontaktfläche, Rohrzustand und Koppelmittel bei der Montage sorgfältig vorbereitet.
Rost, lose Beschichtungen, starke Unebenheiten oder eine ungeeignete Lackschicht können den akustischen Übergang beeinflussen. Der Sensor kann mechanisch fest sitzen und trotzdem akustisch nur schlecht gekoppelt sein.
Genau dafür sind SNR und RXGain sehr hilfreich.
Werden die Sensoren auf derselben Rohrleitung an einer benachbarten besser vorbereiteten Fläche montiert und verbessert sich die Signalqualität deutlich, ist die ursprüngliche Koppelstelle als Ursache wahrscheinlich.
Diese Methode ist besonders wertvoll, weil nicht sofort das gesamte Messgerät oder der Sensor als defekt angenommen werden muss.
Die Diagnosewerte erlauben eine Trennung zwischen elektronischem Gerätefehler und lokalem Montageproblem.
Warum falsche Rohrdaten trotz gutem Signal Probleme verursachen
Eine starke Signalqualität bedeutet nicht automatisch, dass der Durchflusswert richtig ist.
Ein Ultraschallsignal kann hervorragend durch eine Rohrleitung übertragen werden, obwohl im Gerät eine falsche Wanddicke oder ein falscher Innendurchmesser eingegeben wurde.
Das ist eine besonders wichtige Unterscheidung.
Signalqualität beantwortet die Frage, ob das akustische Signal zuverlässig übertragen wird. Die Parametrierung entscheidet zusätzlich, ob aus diesem Signal der richtige Durchfluss berechnet wird.
Bei einem falschen Rohrdurchmesser kann beispielsweise die berechnete Querschnittsfläche falsch sein. Der resultierende Volumenstrom ist dann systematisch verschoben, obwohl SNR und RXGain ausgezeichnet aussehen.
Eine falsche Wanddicke beziehungsweise ein falsches Rohrmaterial verändert dagegen zusätzlich die Berechnung des akustischen Pfades und kann auch die optimale Sensorposition beeinflussen.
Deshalb gehören Diagnosewerte und Plausibilitätskontrolle der eingegebenen Rohrdaten immer zusammen.
Diagnose bei Stillstand und Nullfluss
Eine besonders interessante Situation für die Inbetriebnahme ist ein sicherer Prozessstillstand mit tatsächlich bekanntem Nullfluss.
Unter diesen Bedingungen sollten die Laufzeiten stromaufwärts und stromabwärts nahezu identisch sein. Damit lässt sich beurteilen, ob ein auffälliger Durchflusswert tatsächlich vom Prozess stammt oder bereits ohne Strömung eine systematische Differenz vorhanden ist.
Eine Nullflussprüfung ersetzt jedoch keine Kontrolle der Signalqualität.
Auch ein schlecht gekoppelter Sensor kann im Stillstand zufällig einen Wert nahe null liefern. Entscheidend ist, ob die Diagnosewerte gleichzeitig stabil sind und genügend Signalreserve vorhanden ist.
Umgekehrt kann ein sehr gutes Signal bei einem vermeintlichen Stillstand eine kleine reale Strömung sichtbar machen, die prozesstechnisch zunächst nicht erwartet wurde.
Die Nullpunktbewertung sollte deshalb nur dann durchgeführt werden, wenn der tatsächliche hydraulische Zustand sicher bekannt ist.
Upstream- und Downstream-Werte miteinander vergleichen
Ein großer Vorteil der Diagnose ist, dass viele Signalparameter getrennt für die beiden Richtungen vorliegen.
Dadurch lässt sich erkennen, ob beide Signalwege ähnlich gut arbeiten.
Wenn beispielsweise SNR Up deutlich besser ist als SNR Down oder der Downstream-Pfad eine wesentlich höhere Empfangsverstärkung benötigt, sollte geprüft werden, warum beide Richtungen so unterschiedlich reagieren.
Ein gewisser Unterschied ist nicht automatisch ein Fehler. Strömung, Rohrgeometrie und Prozessbedingungen können die Signale unterschiedlich beeinflussen.
Eine extreme oder plötzlich entstandene Asymmetrie ist jedoch diagnostisch interessant.
Sie kann unter anderem auf eine veränderte Kopplung eines Sensors, einen mechanischen Positionsfehler oder eine Prozessveränderung hinweisen.
Gerade bei Wartung und langfristiger Zustandsbeobachtung ist deshalb nicht nur der absolute SNR-Wert relevant, sondern auch die Symmetrie und zeitliche Entwicklung zwischen Upstream und Downstream.
Trends sind oft wichtiger als Einzelwerte
Ein Diagnosewert erhält deutlich mehr Aussagekraft, wenn ein Vergleichswert vorhanden ist.
Wurde bei der Inbetriebnahme dokumentiert, dass ein Messpfad beispielsweise einen hohen stabilen SNR und eine bestimmte Empfangsverstärkung besaß, können spätere Veränderungen leichter erkannt werden.
Sinkt die Signalreserve über Monate schrittweise, obwohl Prozess und Parametrierung unverändert bleiben, kann dies beispielsweise auf eine Veränderung der Koppelstelle oder der Rohrwand hindeuten.
Steigt RXGain plötzlich nach Wartungsarbeiten stark an, liegt dagegen der Verdacht nahe, dass Sensorposition oder Kopplung verändert wurden.
Auch die Laufzeit und Schallgeschwindigkeit können als Trend interessant sein. Bei konstantem Medium und Prozess sollten diese Werte nicht ohne Ursache sprunghaft wechseln.
Die Diagnose wird dadurch von einer einmaligen Fehlersuche zu einem Werkzeug für die Zustandsüberwachung der Messstelle.
Praxisbeispiel: Durchfluss plausibel, Montage trotzdem nicht optimal
An einer Kühlwasserleitung wird ein SITRANS Clamp-on-System nachträglich montiert. Der Prozessdurchfluss liegt nach Anlagenunterlagen normalerweise bei ungefähr 180 m³/h.
Nach der ersten Inbetriebnahme zeigt das Messgerät 175 m³/h. Der Wert wirkt plausibel und liegt nahe am erwarteten Betriebspunkt.
Bei der Kontrolle der Diagnose fällt jedoch auf, dass die Empfangselektronik eine relativ hohe Verstärkung benötigt und der Signal-Rausch-Abstand deutlich schlechter ist als erwartet.
Die Sensoren werden nochmals kontrolliert. Einer der beiden Sensoren sitzt auf einer Rohrstelle mit einer älteren, ungleichmäßigen Beschichtung. Mechanisch ist die Halterung fest, die akustische Kontaktfläche ist jedoch nicht optimal.
Die Messstelle wird entsprechend den zulässigen Montagevorgaben neu vorbereitet, das Koppelmittel erneuert und der Sensor exakt auf derselben berechneten Position befestigt.
Der angezeigte Durchfluss verändert sich danach nur geringfügig. Entscheidend ist jedoch, dass der SNR deutlich steigt und die notwendige Empfangsverstärkung sinkt.
Der erste Messwert war also nicht offensichtlich falsch. Die Messstelle besaß lediglich weniger Signalreserve.
Genau dieser Fall zeigt den Nutzen der Diagnosewerte: Sie helfen dabei, eine Montage zu optimieren, bevor schlechte Prozessbedingungen oder Alterung der Koppelstelle tatsächlich zu instabilen Messwerten beziehungsweise einem Signalausfall führen.
Systematische Montagekontrolle nach der Inbetriebnahme
Nach der Montage sollte zunächst überprüft werden, ob die parametrierten Anwendungsdaten mit der realen Rohrleitung übereinstimmen. Dazu gehören insbesondere Rohrmaterial, Außendurchmesser beziehungsweise Rohrgeometrie, Wanddicke, Medium und Sensortyp.
Anschließend wird die mechanische Sensorposition kontrolliert. Der vorgegebene Abstand muss reproduzierbar eingehalten werden und beide Sensoren müssen sauber und gleichmäßig anliegen.
Erst danach ist die Diagnose sinnvoll zu bewerten.
Ein praktikabler Ablauf besteht darin, zunächst SNR und RXGain beider Richtungen aufzurufen. Sind diese Werte stabil und plausibel, werden Laufzeit Up und Down sowie die daraus resultierende Delta Time betrachtet. Anschließend wird die berechnete Schallgeschwindigkeit mit dem erwarteten Prozesszustand verglichen.
Wenn die Diagnose auffällig ist, sollte nicht sofort an mehreren Parametern gleichzeitig verändert werden. Besser ist es, jeweils eine mögliche Ursache zu korrigieren und danach erneut zu prüfen.
Wird gleichzeitig der Sensorabstand geändert, das Koppelmittel erneuert und eine andere Rohrwanddicke eingegeben, lässt sich anschließend kaum feststellen, welche Änderung tatsächlich für die Verbesserung verantwortlich war.
Gerade bei anspruchsvollen Messstellen lohnt sich deshalb eine kurze Dokumentation der Diagnosewerte bei der finalen Inbetriebnahme.
Typische Diagnosebilder systematisch einordnen
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvoller Prüfschritt |
|---|---|---|
| SNR niedrig und RXGain hoch | Schwaches Empfangssignal | Koppelstelle, Sensorposition und Rohrzustand prüfen |
| Upstream gut, Downstream deutlich schlechter | Asymmetrischer akustischer Pfad oder lokale Montageabweichung | Beide Sensoren und Befestigungen getrennt kontrollieren |
| Signalwerte gut, Durchfluss unplausibel | Rohrdaten, Querschnitt oder Parametrierung falsch | Geometrie und Prozessdaten überprüfen |
| Schallgeschwindigkeit unplausibel | Mediumsdaten, Prozesszustand oder akustischer Pfad stimmen nicht | Medium, Temperatur, Rohrdaten und Sensoranordnung plausibilisieren |
| Delta Time springt bei konstantem Prozess | Instabile Signalerkennung | SNR, RXGain, Koppelstelle und Prozessbedingungen prüfen |
| Diagnosewerte verschlechtern sich langsam über längere Zeit | Koppelstelle oder Rohrzustand verändert sich | Messstelle inspizieren und mit Inbetriebnahmewerten vergleichen |
Diese Zuordnungen sind bewusst als Diagnosehinweise und nicht als automatische Fehlercodes zu verstehen. Mehrere Ursachen können dasselbe Fehlerbild erzeugen.
Der Vorteil liegt gerade darin, die Fehlersuche von der pauschalen Aussage „Ultraschall funktioniert nicht“ auf konkrete Teile der Messkette einzugrenzen.
Mehrpfadmessung beim FS230
Das SITRANS FS230 kann abhängig von der Konfiguration mehrere akustische Messpfade verwenden. Damit
