In einem Reinraum reicht es nicht aus, lediglich die Partikelkonzentration zu kontrollieren. Auch Temperatur, relative Luftfeuchte und die Druckdifferenz zu angrenzenden Räumen beeinflussen Prozessstabilität, Produktqualität und Kontaminationsschutz.
Die drei Messgrößen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Temperatur und Feuchte bestimmen das Raumklima und beeinflussen unter anderem elektrostatische Aufladung, Materialverhalten, Kondensationsrisiko und Arbeitsbedingungen. Die Differenzdruckmessung überwacht dagegen, ob die vorgesehene Luftströmung zwischen Reinraum, Schleuse und Nebenraum erhalten bleibt.
Ein einzelner Feuchtesensor bildet deshalb noch kein vollständiges Reinraum-Monitoring. Für eine belastbare Überwachung müssen geeignete Temperatur-/Feuchtefühler, Differenzdrucktransmitter, Alarmfunktionen und eine nachvollziehbare Messdatenspeicherung gemeinsam geplant werden.
Dieser Beitrag erklärt, wie die Messgrößen zusammenwirken, wo Sensoren sinnvoll positioniert werden und worauf bei Grenzwerten, Kalibrierung und Dokumentation zu achten ist.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Messgrößen im Reinraum wichtig sind
- Reinraumklasse und Klimagrenzen unterscheiden
- Relative Feuchte richtig bewerten
- Warum Temperatur und Feuchte gemeinsam gemessen werden
- Taupunkt und Kondensationsrisiko
- Druckkaskade zwischen Reinräumen und Schleusen
- Die richtige Sensorposition
- Grenzwerte und Alarmierung festlegen
- Datenlogger und kontinuierliches Monitoring
- Kalibrierung und Funktionsprüfung
- Typische Einbau- und Messfehler
- Praxisbeispiel: Feuchteschwankung in einer Materialschleuse
- Welche Angaben für die Auswahl benötigt werden
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen zur Klimaüberwachung im Reinraum
Welche Messgrößen im Reinraum wichtig sind
Ein Reinraum wird in erster Linie anhand der Partikelkonzentration klassifiziert. Die Klimaparameter müssen jedoch so geregelt werden, dass der vorgesehene Prozess und die geforderte Reinheit dauerhaft unterstützt werden.
| Messgröße | Typische Aufgabe | Mögliche Folge bei Abweichung |
|---|---|---|
| Temperatur | Stabile Prozess- und Arbeitsbedingungen | Materialausdehnung, veränderte Prozessbedingungen oder Komfortprobleme |
| Relative Luftfeuchte | Schutz vor Austrocknung, Kondensation und elektrostatischer Aufladung | ESD-Risiko, Korrosion, Produktveränderung oder Kondensat |
| Differenzdruck | Aufrechterhaltung der vorgesehenen Luftströmungsrichtung | Eintrag oder Austrag von Partikeln und Verunreinigungen |
| Taupunkt | Bewertung des Kondensationsrisikos | Feuchtebildung auf kalten Flächen oder Bauteilen |
Die Messwerte sollten nicht isoliert betrachtet werden. Steigt beispielsweise die relative Feuchte, kann dies durch zusätzliche Feuchtelast entstehen. Sie kann aber auch allein durch eine sinkende Raumtemperatur verursacht werden.
Reinraumklasse und Klimagrenzen unterscheiden
Eine häufige Fehlannahme lautet, dass eine bestimmte Reinraumklasse automatisch einen festen Temperatur- oder Feuchtebereich vorgibt. Die Klassifizierung der Luftreinheit beschreibt jedoch primär die zulässige Konzentration luftgetragener Partikel.
Die zulässigen Klima- und Druckwerte werden aus der konkreten Anwendung abgeleitet. Dabei sind unter anderem zu berücksichtigen:
- Empfindlichkeit des Produkts oder Prozesses
- Anforderungen an Personal und Schutzkleidung
- Gefahr elektrostatischer Entladungen
- mikrobiologische und chemische Risiken
- Wärme- und Feuchtelasten durch Anlagen und Personen
- Reinigungs- und Desinfektionsverfahren
- Vorgaben aus Qualifizierung und Risikobewertung
In einer pharmazeutischen Anlage können andere Grenzwerte erforderlich sein als in einem Reinraum für Elektronikfertigung oder optische Bauteile. Allgemeine Richtwerte dürfen deshalb nicht ohne anwendungsspezifische Bewertung übernommen werden.
Relative Feuchte richtig bewerten
Die relative Feuchte beschreibt, wie stark die Luft im Verhältnis zu ihrer temperaturabhängigen maximalen Wasserdampfaufnahme gesättigt ist. Sie wird in Prozent relativer Feuchte angegeben.
Ein Wert von 50 % rF bedeutet nicht, dass die Luft zu 50 % aus Wasser besteht. Er bedeutet, dass sie bei der aktuellen Temperatur etwa die Hälfte der maximal möglichen Wasserdampfmenge enthält.
Zu niedrige Feuchte kann in der Elektronik- und Halbleiterfertigung die elektrostatische Aufladung begünstigen. Dadurch steigt das Risiko von ESD-Schäden an empfindlichen Bauteilen.
Zu hohe Feuchte kann dagegen Korrosion, mikrobielles Wachstum, Veränderungen hygroskopischer Materialien oder Kondensation an kalten Oberflächen fördern.
Welche Feuchte zulässig ist, hängt vom Prozess ab. Ein Sensor muss daher nicht nur den erwarteten Bereich abdecken, sondern auch die erforderliche Genauigkeit und Langzeitstabilität besitzen.
Warum Temperatur und Feuchte gemeinsam gemessen werden
Die relative Feuchte ist unmittelbar von der Temperatur abhängig. Kühlt Luft ab, steigt bei gleichbleibendem Wassergehalt ihre relative Feuchte. Erwärmt sie sich, sinkt der relative Wert.
Ein Feuchtewert ohne zugehörige Temperatur ist deshalb nur eingeschränkt interpretierbar.
Ein Beispiel: Wird ein Reinraum nachts von 22 °C auf 19 °C abgekühlt, kann die relative Feuchte ansteigen, obwohl keine zusätzliche Feuchtigkeit in den Raum gelangt ist. Ein reiner Feuchtealarm könnte dann fälschlicherweise als Problem der Entfeuchtung interpretiert werden.
Kombinierte Temperatur-/Feuchtesensoren sind für solche Anwendungen vorteilhaft, weil beide Werte am selben Ort und zum selben Zeitpunkt erfasst werden.
Bei hohen Genauigkeitsanforderungen muss dennoch geprüft werden, ob die Wärme des Transmittergehäuses oder benachbarter Geräte den Temperaturfühler beeinflusst. Eine erwärmte Sonde misst häufig eine zu niedrige relative Feuchte.
Taupunkt und Kondensationsrisiko
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abgekühlt werden müsste, damit sie mit Wasserdampf gesättigt ist und Kondensation beginnen kann.
Er ist besonders relevant, wenn sich im Reinraum kalte Oberflächen befinden, beispielsweise:
- Kühlleitungen
- Verdampfer oder Kühlregister
- Metallgehäuse mit gekühltem Innenraum
- Materialien aus einer kalten Lagerzone
- Außenwände oder schlecht isolierte Bauteile
Liegt die Oberflächentemperatur unter dem Taupunkt der Raumluft, kann sich Kondensat bilden, obwohl die relative Feuchte in der Raummitte noch innerhalb der vorgesehenen Grenzen liegt.
Für kritische Anwendungen ist es daher sinnvoll, zusätzlich zum Raumklima die Temperatur besonders kalter Oberflächen zu überwachen oder einen ausreichenden Abstand zwischen Taupunkt und niedrigster Oberflächentemperatur festzulegen.
Druckkaskade zwischen Reinräumen und Schleusen
Die Differenzdruckmessung überwacht den Druckunterschied zwischen zwei Räumen. Ein höher klassifizierter Reinraum wird häufig gegenüber einem weniger reinen Nebenraum unter leichtem Überdruck betrieben.
Beim Öffnen kleiner Undichtigkeiten oder Türen strömt die Luft dadurch vorzugsweise vom saubereren zum weniger sauberen Bereich. Die Druckdifferenz unterstützt damit die gewünschte Kontaminationskontrolle.
Bei gefährlichen, toxischen oder biologisch belasteten Stoffen kann dagegen ein Unterdruckkonzept erforderlich sein, damit keine kontaminierte Luft nach außen gelangt.
Entscheidend ist daher nicht grundsätzlich ein möglichst hoher Überdruck, sondern die richtige Strömungsrichtung gemäß Anlagen- und Schutzkonzept.
Ein Differenzdrucktransmitter besitzt einen Plus- und einen Minusanschluss. Einer wird mit dem überwachten Reinraum, der andere mit dem Referenzraum verbunden. Werden die Anschlüsse vertauscht, zeigt das Gerät ein umgekehrtes Vorzeichen oder einen falschen Zustand an.
Bei sehr kleinen Druckbereichen spielen Nullpunkt, Einbaulage, Schlauchführung und Druckentnahmestellen eine besonders große Rolle. Bereits geringe Abweichungen können einen relevanten Anteil des Messbereichs ausmachen.
Die richtige Sensorposition
Ein Sensor sollte den tatsächlichen Raumzustand repräsentieren. Eine leicht zugängliche Stelle ist nicht automatisch eine geeignete Messstelle.
Temperatur- und Feuchtefühler sollten nicht unmittelbar montiert werden:
- im direkten Zuluftstrom
- über Heizungen oder wärmeerzeugenden Maschinen
- neben Türen und Schleusenöffnungen
- an kalten Außenwänden
- in direkter Nähe zu Befeuchtern
- hinter Verkleidungen ohne ausreichenden Luftaustausch
In größeren oder thermisch ungleichmäßigen Räumen kann ein einzelner Sensor nicht ausreichen. Während der Qualifizierung sollten Temperatur- und Feuchteverteilungen untersucht werden, damit repräsentative und ungünstige Positionen erkannt werden.
Die Druckentnahmestellen müssen so angeordnet sein, dass keine direkte Luftströmung in die Anschlüsse wirkt. Zugluft, Türen oder Zuluftauslässe können sonst dynamische Druckanteile erzeugen und die Differenzdruckmessung verfälschen.
Schläuche dürfen nicht geknickt, verstopft oder undicht sein. Bei einer Wanddurchführung muss klar dokumentiert werden, welcher Anschluss mit welchem Raum verbunden ist.
Grenzwerte und Alarmierung festlegen
Für jede Messgröße sollten Sollbereich, Warnschwelle und Aktionsgrenze definiert werden.
Eine Warnschwelle weist früh auf eine beginnende Abweichung hin. Die Aktionsgrenze kennzeichnet einen Zustand, der eine festgelegte Reaktion oder Untersuchung auslöst.
Bei der Festlegung sind zu berücksichtigen:
- Messunsicherheit des Sensors
- normale Schwankungen im Betriebsablauf
- Türöffnungen und Schleusenzyklen
- Anlaufzeit der Lüftungsanlage
- zulässige Prozessgrenzen
- Folgen einer kurzzeitigen Überschreitung
Ein Alarm sollte nicht bereits bei jeder kurzen Türöffnung ausgelöst werden. Eine zu lange Alarmverzögerung kann andererseits einen tatsächlichen Ausfall der Lüftung verdecken.
Verzögerungszeiten und Quittierungsregeln müssen deshalb begründet und dokumentiert werden. Kritische Druckdifferenzen sollten kontinuierlich überwacht und aufgezeichnet werden.
Datenlogger und kontinuierliches Monitoring
Für eine qualitätsrelevante Reinraumüberwachung reicht eine gelegentliche Anzeige vor Ort häufig nicht aus. Die Messwerte müssen über die Zeit gespeichert und nachvollziehbar ausgewertet werden.
Ein geeignetes Monitoring-System sollte abhängig von der Anwendung folgende Funktionen bieten:
- gemeinsame Aufzeichnung von Temperatur, Feuchte und Differenzdruck
- synchronisierte Zeitstempel
- konfigurierbare Warn- und Aktionsgrenzen
- Alarmierung bei Sensor- oder Kommunikationsfehlern
- Trenddarstellung und Datenexport
- Benutzer- und Änderungsverwaltung bei regulierten Anwendungen
- gesicherte Speicherung und Datensicherung
Analoge Signale wie 4–20 mA oder 0–10 V lassen sich einfach in SPS und Gebäudeleittechnik integrieren. Digitale Schnittstellen wie Modbus ermöglichen dagegen die Übertragung mehrerer Messgrößen und zusätzlicher Statusinformationen über eine gemeinsame Verbindung.
Bei 4–20-mA-Messketten kann der UPS4E Stromschleifen-Kalibrator zur Inbetriebnahme eingesetzt werden. Damit lassen sich Sensorstrom, SPS-Skalierung und Alarmgrenzen getrennt voneinander prüfen.
Kalibrierung und Funktionsprüfung
Feuchtesensoren können durch Staub, Reinigungsmittel, Kondensation oder chemische Belastung driften. Auch Differenzdrucksensoren können durch Lageeinfluss, Alterung oder verschmutzte Druckleitungen einen Nullpunktfehler entwickeln.
Das Kalibrierintervall sollte risikobasiert festgelegt werden. Einflussfaktoren sind:
- Prozesskritikalität
- geforderte Genauigkeit
- Ergebnisse früherer Kalibrierungen
- Umgebungs- und Reinigungsbelastung
- Möglichkeit einer Zwischenprüfung
- Herstellerempfehlungen
Bei der Feuchtekalibrierung sollten mehrere Punkte innerhalb des tatsächlichen Arbeitsbereichs geprüft werden. Eine reine Kontrolle bei Raumklima kann einen Skalierungsfehler an den Grenzen des zulässigen Bereichs übersehen.
Differenzdrucktransmitter sollten nach der Montage und nach ausreichender Aufwärmzeit auf Null geprüft werden. Beide Druckanschlüsse müssen dafür demselben Druck ausgesetzt sein.
Zusätzlich zur Sensorkalibrierung ist die vollständige Messkette zu prüfen. Ein korrekt kalibrierter Sensor nützt wenig, wenn der SPS-Eingang falsch skaliert oder die Alarmgrenze fehlerhaft parametriert ist.
Typische Einbau- und Messfehler
| Fehler | Mögliche Auswirkung | Bessere Vorgehensweise |
|---|---|---|
| Feuchtefühler direkt im Zuluftstrom | Messwert repräsentiert die Zuluft statt den Raum | Repräsentative Raumposition aus der Qualifizierung ableiten |
| Sensor neben einer Wärmequelle | Temperatur zu hoch und relative Feuchte zu niedrig | Abstand zu Lampen, Displays und Maschinen einhalten |
| Nur relative Feuchte überwacht | Temperaturbedingte Veränderungen werden falsch interpretiert | Temperatur und Feuchte gemeinsam aufzeichnen |
| Absolutdruck mit Differenzdruck verwechselt | Druckkaskade zwischen Räumen wird nicht erfasst | Separaten Differenzdrucktransmitter verwenden |
| Plus- und Minusanschluss vertauscht | Falsches Vorzeichen oder umgekehrte Alarmbewertung | Druckleitungen eindeutig kennzeichnen |
| Undichte oder geknickte Druckschläuche | Zu niedrige, verzögerte oder instabile Werte | Schläuche regelmäßig prüfen und geschützt verlegen |
| Grenzwerte ohne Messunsicherheit festgelegt | Fehlalarme oder unerkannte Abweichungen | Sensorfehler und Prozessschwankungen berücksichtigen |
| Kalibrierung nur am Sensor durchgeführt | Fehler in SPS, Skalierung oder Alarmierung bleiben bestehen | Die vollständige Messkette prüfen |
Praxisbeispiel: Feuchteschwankung in einer Materialschleuse
In einer Materialschleuse eines Produktionsreinraums treten wiederholt Feuchtealarme auf. Der Reinraum selbst zeigt stabile Werte, während die Schleuse während bestimmter Schichten kurzzeitig oberhalb der Warnschwelle liegt.
Die erste Vermutung ist eine unzureichende Entfeuchtung. Eine gemeinsame Auswertung von Temperatur, Feuchte, Differenzdruck und Türzuständen zeigt jedoch einen anderen Zusammenhang.
Während häufiger Materialtransfers werden beide Türen in kurzen Abständen geöffnet. Gleichzeitig sinkt der Differenzdruck zeitweise stark ab. Warme, feuchtere Luft aus dem Nebenraum gelangt in die Schleuse.
Zusätzlich ist der Feuchtefühler unmittelbar neben der Tür montiert und erfasst den eintretenden Luftstrom besonders stark. Er bildet dadurch nicht den mittleren Zustand der Schleuse ab.
Der Sensor wird an eine während der Qualifizierung bestimmte repräsentative Position versetzt. Die Türsteuerung wird so angepasst, dass ausreichend Zeit zur Druck- und Klimastabilisierung bleibt.
Nach der Änderung zeigt die Aufzeichnung weiterhin kurze Veränderungen, aber keine unzulässigen Überschreitungen mehr. Gleichzeitig bestätigt der Differenzdrucktrend, dass sich die vorgesehene Druckkaskade nach jedem Schleusenzyklus wieder zuverlässig aufbaut.
Das Beispiel zeigt, warum Feuchtealarme nicht ohne Temperatur, Druck und Betriebszustand beurteilt werden sollten.
Welche Angaben für die Auswahl benötigt werden
Für eine passende Sensor- und Monitoringlösung werden mindestens folgende Angaben benötigt:
- Branche und Reinraumanwendung
- Reinraumklasse beziehungsweise GMP-Bereich
- vorgesehene Temperatur- und Feuchtebereiche
- erforderliche Genauigkeit und Messunsicherheit
- Druckkaskade und gewünschter Differenzdruckbereich
- Raumgröße und Anzahl der Messstellen
- Wand-, Kanal- oder abgesetzte Sondenmontage
- Reinigungs- und Desinfektionsmittel
- gewünschte Ausgangssignale oder Busschnittstellen
- Alarm- und Dokumentationsanforderungen
- Kalibrier- und Validierungsvorgaben
Bei bestehenden Anlagen sind Raumplan, Lüftungsschema, Druckkaskade und bisherige Trendaufzeichnungen besonders hilfreich.
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
Die Kategorie Feuchtesensoren und Taupunktsensoren umfasst Raum-, Kanal- und Prozessfühler für relative Feuchte, Temperatur und je nach Ausführung weitere berechnete Feuchtegrößen.
Feuchte- und Temperatursensoren für HLK-Anwendungen
Die Feuchte- und Temperatursensoren für HLK-Anwendungen eignen sich für die kombinierte Erfassung beider Klimagrößen.
Verfügbar sind je nach Ausführung unterschiedliche Analogsignale, darunter 0–10 V und 4–20 mA. Für einen qualitätskritischen Reinraum muss geprüft werden, ob die Genauigkeit, Kalibrierfähigkeit und Dokumentation den anwendungsspezifischen Anforderungen entsprechen.
IPTF500 zur Erfassung von Umgebungsbedingungen
Der IPTF500 kombiniert Temperatur, relative Luftfeuchte und Absolutdruck. Schnittstellen wie Modbus RTU, Ethernet oder M-Bus ermöglichen die Integration in übergeordnete Monitoring-Systeme.
Der gemessene Absolutdruck beschreibt jedoch den barometrischen Umgebungsdruck. Für die Überwachung der Druckdifferenz zwischen zwei Reinräumen wird zusätzlich ein geeigneter Differenzdrucktransmitter benötigt.
IDPS 300 Differenzdrucktransmitter
Der IDPS 300 Mehrbereichs-Differenzdrucktransmitter ist für trockene, nicht aggressive Gase und Druckluft vorgesehen und kann zur Überwachung kleiner Druckunterschiede eingesetzt werden.
Bei der Auslegung müssen Messbereich, Nullpunkt, Überlast, Ausgangssignal und Einbaulage zur Druckkaskade passen.
Datenlogger und mobile Kontrollmessungen
Die Kategorie Datenlogger enthält Systeme für zeitabhängige Aufzeichnungen und die Dokumentation von Klimaparametern.
Für Qualifizierung, Fehlersuche und Vergleichsmessungen kann zusätzlich ein mobiles Klimamessgerät sinnvoll sein. Dieses ersetzt nicht das stationäre Monitoring, ermöglicht aber eine unabhängige Kontrolle von Sensorpositionen und Raumverteilungen.
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl von Feuchte-/Temperaturfühlern, Differenzdrucktransmittern, Datenloggern und Schnittstellen. Dabei sollten Sensorik, Kalibrierstrategie, Alarmierung und Datenerfassung als vollständiges System betrachtet werden.
Fazit: Reinraumklima lässt sich nur durch das Zusammenspiel mehrerer Messgrößen zuverlässig beurteilen
Ein Feuchtesensor ist ein wichtiger Bestandteil der Reinraumüberwachung, reicht allein jedoch nicht aus. Relative Feuchte muss immer gemeinsam mit der Temperatur betrachtet werden.
Der Taupunkt ergänzt die Bewertung, wenn kalte Oberflächen oder temperaturempfindliche Produkte vorhanden sind. Die Differenzdruckmessung überwacht zusätzlich, ob die vorgesehene Luftströmungsrichtung zwischen Reinraum, Schleuse und Nebenraum erhalten bleibt.
Allgemeingültige Temperatur- und Feuchtegrenzen lassen sich nicht allein aus der Reinraumklasse ableiten. Die Werte müssen zu Produkt, Prozess, Personal und regulatorischem Umfeld passen.
Die Aussagekraft hängt stark von der Sensorposition ab. Zuluft, Türen, Wärmequellen und kalte Außenflächen können lokale Bedingungen erzeugen, die nicht den gesamten Raum repräsentieren.
Für qualitätsrelevante Anwendungen sollten Messwerte kontinuierlich gespeichert, Alarmgrenzen nachvollziehbar festgelegt und Sensoren regelmäßig kalibriert werden.
Erst die gemeinsame Betrachtung von Temperatur, Feuchte, Differenzdruck und Betriebszustand ermöglicht eine belastbare Ursachenanalyse und eine dokumentierbare Reinraumüberwachung.
Häufige Fragen zur Klimaüberwachung im Reinraum
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Reinraum zulässig?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert für alle Reinräume. Der zulässige Bereich wird aus Produkt, Prozess, ESD-Risiko, Personal und regulatorischen Anforderungen abgeleitet.
Legt die ISO-Reinraumklasse Temperatur und Feuchte fest?
Nein. Die Klassifizierung beschreibt primär die Partikelkonzentration. Klima- und Druckgrenzen müssen anwendungsspezifisch definiert werden.
Warum müssen Temperatur und Feuchte gemeinsam gemessen werden?
Die relative Feuchte verändert sich mit der Temperatur. Ohne Temperaturwert kann eine Feuchteänderung leicht falsch interpretiert werden.
Wo sollte der Feuchtesensor montiert werden?
An einer repräsentativen Stelle außerhalb direkter Zuluft, Wärmequellen, Türen und lokaler Feuchtequellen. Die genaue Position sollte aus der Raumqualifizierung abgeleitet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Absolutdruck und Differenzdruck?
Absolutdruck wird gegen Vakuum gemessen. Differenzdruck beschreibt den Druckunterschied zwischen zwei Räumen oder Messstellen und ist für die Reinraum-Druckkaskade entscheidend.
Warum wird im Reinraum Differenzdruck überwacht?
Er zeigt, ob die vorgesehene Luftströmungsrichtung zwischen Bereichen unterschiedlicher Reinheit oder Schutzfunktion erhalten bleibt.
Ist ein höherer Reinraumdruck immer besser?
Nein. Der Druck muss zum Schutzkonzept passen. Bei gefährlichen Stoffen kann statt Überdruck ein kontrollierter Unterdruck erforderlich sein.
Wann ist der Taupunkt relevant?
Wenn kalte Oberflächen, Kühlleitungen oder temperierte Produkte vorhanden sind. Liegt deren Temperatur unter dem Taupunkt, kann Kondensation entstehen.
Wie oft müssen Reinraumsensoren kalibriert werden?
Das Intervall wird risikobasiert anhand der Prozesskritikalität, geforderten Genauigkeit, Umgebungsbelastung und bisherigen Kalibrierergebnisse festgelegt.
Reicht eine Anzeige vor Ort aus?
Für eine qualitätsrelevante Überwachung meist nicht. Trends, Alarme und Abweichungen sollten mit Zeitstempel gespeichert und nachvollziehbar ausgewertet werden.
Was sollte bei einem Feuchtealarm zuerst geprüft werden?
Temperatur, Sensorposition, Lüftungszustand, Türöffnungen und Differenzdruck sollten gemeinsam betrachtet werden, bevor eine Störung der Befeuchtung oder Entfeuchtung angenommen wird.
Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auswahl?
Benötigt werden Anwendung, Messbereiche, Genauigkeit, Druckkaskade, Anzahl und Position der Messstellen, Ausgangssignale, Alarmierung sowie Kalibrier- und Dokumentationsanforderungen.
