Bei der elektrischen Sicherheitsprüfung einer industriellen Maschine soll die Schutzleiterverbindung zwischen dem zentralen PE-Anschluss und einem lackierten Schaltschrankgehäuse überprüft werden. Ein grün-gelber Schutzleiter ist sichtbar an einer Gehäuseverschraubung befestigt. Die Schraube sitzt fest, die Leitungsführung ist unbeschädigt und auch die übrige elektrische Installation weist zunächst keine Auffälligkeiten auf.
Bei der Durchgangsprüfung mit einem Niederohmprüfgerät zeigt sich jedoch ein ungewöhnliches Verhalten. Wird die Prüfspitze auf die lackierte Gehäuseoberfläche gesetzt, ist der Widerstand sehr hoch oder das Gerät zeigt keine ausreichende Durchgängigkeit an. Wird die Prüfspitze dagegen mit größerem Druck an eine metallische Kante geführt, sinkt der angezeigte Widerstand deutlich.
Nach einer Wiederholung an einer blanken Schraubenkopfoberfläche erscheint die Verbindung plötzlich niederohmig. Die prüfende Person steht nun vor der Frage, ob tatsächlich eine zuverlässige Schutzleiterverbindung besteht oder ob lediglich die Prüfspitze einen günstigen elektrischen Kontakt hergestellt hat.
Genau diese Unterscheidung ist für die elektrische Sicherheit von Maschinen, Schaltschränken und industriellen Betriebsmitteln entscheidend.
Eine Schutzleiterverbindung soll sicherstellen, dass alle dafür vorgesehenen berührbaren leitfähigen Teile mit dem Schutzleitersystem verbunden sind. Bei einem elektrischen Isolationsfehler muss ein geeigneter Fehlerstrompfad vorhanden sein, damit die vorgesehene Schutzmaßnahme wirksam werden kann.
Die reine Sichtbarkeit eines grün-gelben Leiters beweist jedoch noch nicht, dass die elektrische Verbindung dauerhaft ausreichend niederohmig ist. Besonders bei lackierten, pulverbeschichteten, eloxierten oder korrosionsgeschützten Bauteilen kann die elektrische Kontaktierung durch isolierende Oberflächenschichten beeinträchtigt werden.
Ein häufiger Fehler besteht darin, die elektrische Leitfähigkeit allein über den Kontakt zwischen Prüfspitze und Bauteil zu beurteilen. Drückt eine scharfkantige Prüfspitze durch eine Lackschicht auf das darunterliegende Metall, kann der angezeigte Widerstand sehr niedrig sein. Das beweist aber nicht automatisch, dass die eigentliche Schutzleiteranschlussstelle über eine dauerhaft geeignete metallische Verbindung verfügt.
Umgekehrt kann ein hoher Messwert auf einer intakten Lackoberfläche auftreten, obwohl das betreffende Bauteil über eine separate konstruktiv vorgesehene Kontaktstelle ordnungsgemäß mit dem Schutzpotentialausgleich verbunden ist.
Für eine aussagekräftige Prüfung müssen deshalb zunächst der vorgesehene Schutzleiterstrompfad und die tatsächlich vorhandenen Kontaktstellen bekannt sein.
Auch der Prüfstrom spielt eine wichtige Rolle. Bei vielen Durchgängigkeitsprüfungen kommen geeignete Messgeräte mit einem Prüfstrom von mindestens 200 mA zum Einsatz. Bei bestimmten Maschinenprüfungen können außerdem höhere Prüfströme bis ungefähr 10 A relevant sein, sofern die angewendete Norm, das Prüfverfahren und die Eigenschaften des Prüflings dies vorsehen.
Ein höherer Prüfstrom bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere oder sicherere Prüfung. An einer fehlerhaften Verbindung kann ein zu hoher Strom eine erhebliche lokale Verlustleistung verursachen. Außerdem dürfen empfindliche Komponenten oder unzulässige Strompfade durch die Prüfung nicht beschädigt werden.
Bei sehr kleinen Widerständen gewinnt zusätzlich die Auswahl des Messverfahrens an Bedeutung. Die gewöhnliche Zweileitermessung enthält neben dem Widerstand des Prüflings auch Einflüsse der Messleitungen und Messkontakte. Bei einer Vierleitermessung nach dem Kelvin-Prinzip wird der Spannungsabfall mit separaten Messleitungen erfasst, wodurch diese Einflüsse deutlich reduziert werden können.
Allerdings ist auch die Vierleitermessung kein automatischer Nachweis für eine zuverlässige Schutzleiterverbindung. Sie misst den Widerstand zwischen den gewählten Spannungserfassungspunkten. Wird die elektrische Verbindung durch einen alternativen Strompfad überbrückt oder werden die Prüfkontakte ungünstig gesetzt, kann auch ein sehr präzises Messgerät ein irreführendes Ergebnis liefern.
Für die Bewertung sind daher Prüfverfahren, Kontaktstelle, Strompfad, Messstrom, Leitungslänge, Leiterquerschnitt, mechanischer Zustand und gegebenenfalls vorhandene parallele Verbindungen gemeinsam zu betrachten.
Dieser Fachbeitrag erläutert die niederohmige Prüfung von Schutzleiter- und Schutzpotentialausgleichsverbindungen an lackierten Maschinen- und Schaltschrankbauteilen. Er beschreibt die richtige Kontaktierung, das Zusammenspiel von Lackschicht und metallischer Verbindung, die Auswahl geeigneter Prüfströme und die Unterschiede zwischen Zwei- und Vierleitermessung.
Ein ausführliches Rechenbeispiel zeigt, welcher Leiterwiderstand bei einer definierten Kupferleitung zu erwarten ist, wie Übergangswiderstände das Ergebnis verändern und welche Auswirkungen unterschiedliche Prüfströme auf Spannungsabfall und elektrische Verlustleistung besitzen.
Ergänzend werden mögliche Parallelpfade, typische Fehlinterpretationen, die Bewertung von Messunsicherheiten, die Prüfungsdokumentation, die relevanten Regelwerke sowie geeignete Niederohmprüfgeräte aus dem Sortiment von ICS Schneider Messtechnik behandelt.
Inhaltsverzeichnis
- Messaufgabe und typische Probleme an lackierten Bauteilen
- Schutzleiter und Schutzpotentialausgleich richtig unterscheiden
- Lackschichten, Beschichtungen und elektrische Kontaktierung
- Geeignete Schutzleiter-Kontaktstellen konstruktiv sicherstellen
- Zweileiter- und Vierleiter-Niederohmmessung vergleichen
- Prüfstrom und Prüfspannung entsprechend der Prüfaufgabe auswählen
- Messpunkte, Prüfspitzen und elektrische Strompfade richtig festlegen
- Praxisbeispiel: Leiterwiderstand, Kontaktfehler und Prüfstrom berechnen
- Übergangswiderstände und mechanische Kontaktqualität bewerten
- Parallele Schutzleiterpfade und falsche Niederohmwerte erkennen
- Messleitungswiderstand, Leitungskompensation und Kontaktfehler
- Stromrichtung, Thermospannungen und Messwertstabilität
- Schraubverbindungen, Kontaktscheiben und Korrosionsschutz prüfen
- Schaltschranktüren, Maschinenabdeckungen und bewegliche Teile
- Durchgangsprüfer, Installationstester und Micro-Ohmmeter auswählen
- Grenzwerte und zulässige Schutzleiterwiderstände richtig bewerten
- Kalibrierung, Eigenprüfung und Funktionskontrolle der Messgeräte
- Messunsicherheit und Reproduzierbarkeit bei kleinen Widerständen
- Elektrische Sicherheit und relevante Regelwerke
- Systematischer Prüf- und Inbetriebnahmeablauf
- Typische Fehlerbilder und gezielte Diagnose
- Passende ICS-Produkte für Schutzleiter- und Niederohmprüfungen
- Fazit: Dauerhafte Kontaktqualität ist wichtiger als ein einzelner Messwert
- Häufig gestellte Fragen zu Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen
1. Messaufgabe und typische Probleme an lackierten Bauteilen
Bei einer Schutzleiterprüfung soll festgestellt werden, ob die relevanten leitfähigen Teile eines elektrischen Betriebsmittels über einen geeigneten Schutzleiter- beziehungsweise Schutzpotentialausgleichspfad verbunden sind.
Besonders bei lackierten Bauteilen können konstruktive und messtechnische Besonderheiten auftreten.
1.1 Typische Anwendungen
Die niederohmige Prüfung entsprechender Verbindungen ist beispielsweise bei folgenden Anlagen und Bauteilen relevant:
- Maschinengehäuse und Maschinenrahmen.
- Elektrische Schaltschränke.
- Schaltschranktüren und Montageplatten.
- Metallische Maschinenverkleidungen.
- Abnehmbare Schutzabdeckungen.
- Motoren und elektrische Antriebseinheiten.
- Metallische Bedienelementgehäuse.
- Schutzpotentialausgleichsverbindungen.
- Leitfähige Kabeltragsysteme, soweit sie entsprechend in das Schutzsystem eingebunden sind.
- Industrielle Betriebsmittel nach Reparatur oder Umbau.
1.2 Sichtbar angeschlossener Schutzleiter
Ein sichtbar befestigter Schutzleiter lässt zunächst auf eine vorgesehene elektrische Verbindung schließen.
Ob die Verbindung tatsächlich ausreichend niederohmig ist, kann daraus allein nicht sicher abgeleitet werden.
Die elektrische Kontaktierung kann durch Lack, Korrosion, lose Verbindungselemente oder ungeeignete Montage beeinträchtigt sein.
1.3 Unterschiedliche Messwerte
Bei einem lackierten Bauteil können Messwerte stark von der Position der Prüfspitze abhängen.
Auf einer isolierenden Lackschicht kann ein hoher Widerstand auftreten, während eine blanke Schraube oder Metallkante einen niedrigen Widerstand ergibt.
Diese Beobachtung muss anhand des tatsächlichen Schutzleiterpfads interpretiert werden.
1.4 Prüfspitze durchdringt den Lack
Eine scharfe Prüfspitze kann die Beschichtung punktuell durchdringen.
Dadurch entsteht eine direkte elektrische Verbindung zwischen Prüfspitze und Grundmaterial.
Dies ist jedoch keine Bestätigung dafür, dass unter der dauerhaft montierten Schutzleiterklemme eine ausreichende metallische Kontaktfläche vorhanden ist.
1.5 Mechanisch veränderte Verbindung
Wenn die Schraubverbindung während einer Messung bewegt oder stärker angezogen wird, kann sich der Übergangswiderstand verändern.
Eine solche Veränderung kann ein Hinweis auf eine nicht ausreichend stabile Verbindung sein.
Eine mechanische Nacharbeit darf jedoch nur nach den dafür geltenden Montage- und Sicherheitsvorgaben erfolgen.
1.6 Ziel der Prüfung
Die Prüfung soll nicht nur einen niedrigen Zahlenwert erzeugen, sondern den vorgesehenen Schutzleiterstrompfad nachvollziehbar und zuverlässig bewerten.
Dazu gehören Sichtprüfung, Kenntnis der Verbindungskonstruktion, geeignete Widerstandsmessung und eine nachvollziehbare Bewertung.
2. Schutzleiter und Schutzpotentialausgleich richtig unterscheiden
Die Begriffe Schutzleiter, Schutzpotentialausgleich und funktionale Erdung beschreiben unterschiedliche Aufgaben innerhalb einer elektrischen Anlage.
2.1 Schutzleiter
Der Schutzleiter, häufig mit PE bezeichnet, dient der elektrischen Sicherheit.
Er verbindet die dafür vorgesehenen leitfähigen Teile mit dem Schutzleitersystem.
Die genaue Ausführung hängt von der angewendeten Schutzmaßnahme und dem jeweiligen elektrischen System ab.
2.2 Schutzpotentialausgleich
Der Schutzpotentialausgleich dient dazu, gefährliche Potentialunterschiede zwischen dafür vorgesehenen leitfähigen Teilen zu begrenzen.
Entsprechende Leiter und Verbindungen können Teil des Schutzkonzepts einer Maschine oder elektrischen Anlage sein.
2.3 Funktionserdung
Eine Funktionserdung kann für elektromagnetische Verträglichkeit, Signalqualität oder andere betriebliche Aufgaben vorgesehen sein.
Sie ist nicht automatisch mit einer geeigneten Schutzleiterverbindung gleichzusetzen.
2.4 Schutzleiterstrompfad
Der relevante Strompfad kann aus mehreren Elementen bestehen:
- PE-Anschlussklemme.
- Schutzleiter.
- Kabelschuh oder Anschlussöse.
- Schraubverbindung.
- Metallische Kontaktfläche.
- Zu schützendes leitfähiges Bauteil.
Jedes dieser Elemente kann zum Gesamtwiderstand beitragen.
2.5 Fehlerstrom und Schutzmaßnahme
Eine ausreichend niederohmige Verbindung kann für die Wirksamkeit einer elektrischen Schutzmaßnahme wesentlich sein.
Allein aus einem niedrigen Schutzleiterwiderstand lässt sich jedoch nicht automatisch nachweisen, dass die gesamte Schutzmaßnahme einschließlich Abschaltbedingungen erfüllt ist.
2.6 Keine beliebige Erdungspflicht
Nicht jedes metallische Bauteil muss unabhängig von seiner Funktion automatisch als Teil des Schutzleitersystems ausgeführt werden.
Welche leitfähigen Teile einzubeziehen sind, ergibt sich aus den relevanten Normen, dem Anlagenaufbau und der Schutzkonzeption.
Die Prüfung muss sich deshalb auf die tatsächlich vorgeschriebenen beziehungsweise konstruktiv vorgesehenen Verbindungen beziehen.
3. Lackschichten, Beschichtungen und elektrische Kontaktierung
Beschichtungen werden im Maschinen- und Schaltschrankbau häufig zum Korrosionsschutz und zur Oberflächengestaltung eingesetzt.
Sie können gleichzeitig die elektrische Kontaktierung beeinflussen.
3.1 Lackierte Metalloberflächen
Viele industrielle Lackschichten sind unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen elektrisch isolierend.
Die Leitfähigkeit der darunterliegenden Metalloberfläche kann deshalb nicht unmittelbar von der Lackoberfläche aus beurteilt werden.
3.2 Pulverbeschichtung
Pulverbeschichtete Gehäuse besitzen häufig eine gleichmäßige, mechanisch widerstandsfähige Beschichtung.
Auch hier muss die Schutzleiterkontaktierung konstruktiv geeignet ausgeführt werden.
3.3 Eloxierte Aluminiumoberflächen
Eloxierte Aluminiumbauteile können eine elektrisch isolierende Oxidschicht besitzen.
Für eine Schutzpotentialausgleichsverbindung ist deshalb die dafür vorgesehene Kontaktkonstruktion entscheidend.
3.4 Lack unter Schraubverbindungen
Wenn eine Schutzleiteröse oder ein Verbindungselement ausschließlich auf einer isolierenden Beschichtung aufliegt, kann der elektrische Übergangswiderstand stark erhöht sein.
Der mechanische Anpressdruck allein garantiert nicht, dass eine elektrisch ausreichende Kontaktierung entsteht.
3.5 Metallischer Kontakt
Eine geeignete Kontaktstelle muss entsprechend ihrer Konstruktion einen dauerhaft wirksamen elektrischen Übergang ermöglichen.
Dafür können beispielsweise definierte metallische Kontaktflächen oder ausdrücklich dafür geeignete Verbindungselemente vorgesehen sein.
3.6 Prüfspitze und Beschichtung
Wird die Lackschicht durch eine Prüfspitze durchstoßen, misst das Gerät unter Umständen direkt am Grundmaterial.
Damit wird zunächst die elektrische Verbindung zu diesem Punkt geprüft, nicht zwingend die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Schutzleiteranschlussstelle.
3.7 Korrosionsschutz
Die Herstellung einer metallischen Kontaktfläche darf den notwendigen Korrosionsschutz nicht unkontrolliert beeinträchtigen.
Kontaktstelle und Korrosionsschutz müssen nach dem vorgesehenen Montage- beziehungsweise Herstellerverfahren ausgeführt werden.
4. Geeignete Schutzleiter-Kontaktstellen konstruktiv sicherstellen
Die Qualität einer Schutzleiterverbindung wird wesentlich durch ihre mechanische und elektrische Konstruktion bestimmt.
4.1 Definierte Anschlussstelle
Eine geeignete Schutzleiteranschlussstelle sollte konstruktiv eindeutig vorgesehen und identifizierbar sein.
Sie muss die erforderliche elektrische Kontaktierung und mechanische Befestigung ermöglichen.
4.2 Metallische Auflagefläche
Bei dafür vorgesehenen Verbindungskonstruktionen wird die elektrische Verbindung über eine definierte metallische Kontaktfläche hergestellt.
Die dafür erforderliche Oberflächenbehandlung muss den Hersteller- und Montagevorgaben entsprechen.
4.3 Kabelschuh
Ein Schutzleiter kann über einen geeigneten Kabelschuh angeschlossen werden.
Die Verbindung zwischen Leiter und Kabelschuh muss ebenfalls ordnungsgemäß hergestellt sein.
4.4 Schraubverbindung
Die Schraubverbindung muss für die vorgesehene elektrische und mechanische Aufgabe geeignet sein.
Hierzu gehören insbesondere Schraubengröße, Verbindungselemente, Kontaktflächen und das vorgeschriebene Anzugsmoment.
4.5 Kontaktscheiben
Bestimmte Kontakt- beziehungsweise Zahnscheiben können konstruktiv dazu vorgesehen sein, eine elektrische Verbindung durch eine Beschichtung hindurch herzustellen.
Die konkrete Wirksamkeit muss für die jeweilige Verbindung nachgewiesen beziehungsweise vom Hersteller vorgesehen sein.
Eine beliebige Zahnscheibe garantiert nicht automatisch eine dauerhaft geeignete Schutzleiterverbindung.
4.6 Mechanische Sicherung
Die Verbindung muss auch unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen ausreichend stabil bleiben.
Vibrationen, wiederkehrende Belastungen und Temperaturänderungen können die mechanische Beanspruchung beeinflussen.
4.7 Sichtprüfung
Bei der Sichtprüfung sollten unter anderem Kontaktstelle, Leitung, Kabelschuh, Verbindungselemente und mögliche Beschädigungen beurteilt werden.
Ein niedriger gemessener Widerstand ersetzt diese Prüfung nicht.
4.8 Nacharbeit
Wenn die vorhandene Kontaktkonstruktion ungeeignet ist, muss sie nach einem freigegebenen Verfahren korrigiert werden.
Ein bloßes Einstechen der Prüfspitze in die Lackoberfläche stellt keine dauerhafte Instandsetzung der Schutzleiterverbindung dar.
5. Zweileiter- und Vierleiter-Niederohmmessung vergleichen
Für die Messung kleiner Widerstände stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung.
5.1 Zweileitermessung
Bei der Zweileitermessung wird der Prüfstrom über dieselben beiden Messleitungen geführt, über die auch der Spannungsabfall erfasst wird.
Der angezeigte Widerstand kann deshalb zusätzliche Beiträge der Messleitungen und ihrer Kontakte enthalten.
5.2 Messleitungswiderstand
Insbesondere bei langen Messleitungen kann ihr Eigenwiderstand im Verhältnis zum Schutzleiterwiderstand relevant sein.
Geeignete Niederohmprüfgeräte ermöglichen deshalb häufig eine Leitungskompensation.
5.3 Grenzen der Leitungskompensation
Eine Leitungskompensation reduziert bestimmte Einflüsse der verwendeten Messleitungen.
Veränderliche Kontaktwiderstände an den Prüfspitzen oder eine ungünstige Kontaktstelle werden dadurch jedoch nicht automatisch beseitigt.
5.4 Vierleitermessung
Bei der Vierleitermessung werden Strom- und Spannungserfassung getrennt geführt.
Zwei Leitungen speisen den Prüfstrom ein. Zwei weitere Leitungen erfassen den Spannungsabfall über dem vorgesehenen Messabschnitt.
5.5 Kelvin-Prinzip
Die Vierleitermessung nach Kelvin reduziert den Einfluss der Stromleitungen und bestimmter Kontaktwiderstände auf die Spannungserfassung.
Sie eignet sich besonders für die genaue Messung kleiner Widerstände.
5.6 Grenzen der Kelvinmessung
Auch die Vierleitermessung benötigt korrekt gesetzte Prüfkontakte.
Die Spannungserfassung muss den tatsächlich interessierenden Verbindungsabschnitt umfassen.
Wird die Kontaktstelle durch eine ungünstige Messpunktwahl ausgeschlossen, erscheint ihr Widerstand nicht im Ergebnis.
5.7 Auswahl des Messverfahrens
Die erforderliche Messmethode hängt von der Prüfaufgabe ab.
Für viele Schutzleiter-Durchgängigkeitsprüfungen ist ein geeignetes Prüfgerät mit entsprechendem Prüfstrom und Leitungskompensation vorgesehen.
Für eine genaue Untersuchung kleiner Kontaktwiderstände kann eine Vierleitermessung zusätzlich sinnvoll sein.
6. Prüfstrom und Prüfspannung entsprechend der Prüfaufgabe auswählen
Der Prüfstrom beeinflusst die Widerstandsmessung und muss zum vorgesehenen Prüfverfahren passen.
6.1 Prüfstrom von 200 mA
Ein Prüfstrom von mindestens 200 mA ist bei vielen Durchgängigkeitsprüfungen von Schutzleitern und Schutzpotentialausgleichsverbindungen relevant.
Entsprechende Prüfgeräte sind unter anderem in IEC 61557-4 beschrieben.
6.2 Leerlaufspannung
IEC 61557-4 spezifiziert für entsprechende Widerstandsmessgeräte eine Leerlaufspannung zwischen 4 V und 24 V.
Die zulässigen Prüfbedingungen müssen jedoch stets zum angewendeten Verfahren passen.
6.3 Maschinenprüfung
Bei Maschinen beschreibt EN 60204-1 für die Prüfung der Durchgängigkeit des Schutzpotentialausgleichskreises einen Prüfstrom von mindestens 0,2 A bis ungefähr 10 A aus einer elektrisch getrennten Quelle mit maximal 24 V Leerlaufspannung.
Der konkrete Prüfstrom ist entsprechend der Prüfanweisung und dem Prüfling auszuwählen.
6.4 Höherer Prüfstrom
Ein höherer Prüfstrom kann bei geeigneten Messaufgaben zu einem größeren messbaren Spannungsabfall und damit zu einer besseren Auswertbarkeit beitragen.
Er darf jedoch nicht ohne Prüfung der Belastbarkeit und des vorgesehenen Messverfahrens eingesetzt werden.
6.5 Kein universeller 10-A-Zwang
Es besteht keine allgemeine Verpflichtung, sämtliche Schutzleiterverbindungen grundsätzlich mit 10 A zu prüfen.
Die Prüfstromvorgaben unterscheiden sich je nach elektrischer Anlage, Maschine, Betriebsmittel und angewendeter Norm.
6.6 Gefährdung bei fehlerhaften Kontakten
An einem erhöhten Übergangswiderstand kann bei einem großen Prüfstrom eine erhebliche Verlustleistung entstehen.
Dies kann die Kontaktstelle erwärmen und unter ungeeigneten Bedingungen beschädigen.
6.7 Empfindliche Elektronik
Die Prüfung darf keine unzulässigen Ströme über Elektronikbaugruppen, Funktionserdungen, Abschirmungen oder andere nicht dafür vorgesehene Pfade treiben.
Die Stromführung und die Herstelleranweisungen müssen deshalb vor der Prüfung geklärt sein.
6.8 Prüfstrom dokumentieren
Bei einer nachvollziehbaren Prüfung sollten der verwendete Prüfstrom und das Prüfverfahren dokumentiert werden.
Ein Widerstandswert ohne Angabe der wesentlichen Prüfbedingungen kann nur eingeschränkt vergleichbar sein.
| Messverfahren | Typischer Prüfstrom | Besonderheiten | Geeignete Anwendung |
|---|---|---|---|
| Multimeter-Durchgangsprüfung | Geräteabhängig, häufig deutlich unter 200 mA | Einfache Kontinuitätsanzeige; Prüfstrom und Messgenauigkeit häufig nicht ausreichend für eine vorgeschriebene Schutzleiterprüfung | Vorläufige Fehlersuche, nicht automatisch normgerechter Prüfnachweis |
| Niederohmprüfung nach IEC 61557-4 | Mindestens 200 mA im spezifizierten Bereich | Geeignete Leerlaufspannung und definierte Messbedingungen | Durchgängigkeit von Schutzleitern und Schutzpotentialausgleichsverbindungen im vorgesehenen Anwendungsbereich |
| Prüfung des Schutzpotentialausgleichs nach EN 60204-1 | Mindestens 0,2 A bis ungefähr 10 A | Elektrisch getrennte Prüfquelle, maximal 24 V Leerlaufspannung | Entsprechende Maschinenprüfung nach geltendem Verfahren |
| Prüfung mit geeignetem 10-A-Maschinentester | Zum Beispiel 10 A | Höherer Spannungsabfall an niederohmigen Prüfobjekten, jedoch höhere Belastung | Nur bei geeigneter Prüfaufgabe und dafür ausgelegtem Prüfling |
| Vierleiter-Kelvinmessung | Abhängig vom gewählten Micro-Ohmmeter, beispielsweise bis 10 A | Reduzierter Einfluss der Strommessleitungen auf die Widerstandsbestimmung | Genauere Diagnose kleiner Kontakt- und Übergangswiderstände |
| Hochstrom-Micro-Ohmmessung | Je nach Gerät deutlich über 10 A möglich | Besondere Belastungs- und Sicherheitsanforderungen | Spezielle Hochstromkontakte und dafür vorgesehene Anwendungen, nicht pauschal für Schutzleiterprüfungen |
7. Messpunkte, Prüfspitzen und elektrische Strompfade richtig festlegen
Die Wahl der Messpunkte entscheidet maßgeblich darüber, welche Aussage aus einem Widerstandswert abgeleitet werden kann.
7.1 PE-Bezugspunkt
Bei einer Maschinenprüfung ist häufig die PE-Anschlussklemme oder ein anderer nach dem Prüfverfahren definierter Bezugspunkt relevant.
Von dort wird die elektrische Verbindung zu den vorgesehenen leitfähigen Bauteilen untersucht.
7.2 Prüfpunkt am Bauteil
Die Messstelle am Bauteil muss so gewählt werden, dass die relevante elektrische Verbindung tatsächlich geprüft wird.
Eine blanke Schraube kann ein geeigneter Messpunkt sein, wenn sie elektrisch mit dem zu prüfenden Bauteil verbunden ist und die gewählte Messung den vorgesehenen Schutzleiterpfad umfasst.
7.3 Prüfpunkt direkt am Kabelschuh
Wird ausschließlich der Widerstand zwischen PE-Klemme und Kabelschuh gemessen, kann die elektrische Verbindung zwischen Kabelschuh und lackiertem Bauteil unberücksichtigt bleiben.
Ein niedriger Messwert wäre dann kein vollständiger Nachweis für die Gehäuseanbindung.
7.4 Lackdurchdringung
Wenn eine Prüfspitze die Lackschicht an einer beliebigen Stelle durchdringt, entsteht dort ein zusätzlicher Kontakt zum Grundmetall.
Die resultierende Messung kann zwar die Verbindung zwischen diesem Metallpunkt und dem PE-Bezugspunkt bewerten, muss aber richtig interpretiert werden.
Sie belegt nicht allein, dass die vorgesehene Anschlusskonstruktion dauerhaft geeignet ist.
7.5 Prüfspitzendruck
Unterschiedlicher mechanischer Druck kann den Kontaktwiderstand zwischen Prüfspitze und Oberfläche verändern.
Die Messung sollte deshalb mit geeignetem Zubehör und reproduzierbarer Kontaktierung durchgeführt werden.
7.6 Kelvin-Spannungspunkte
Bei der Vierleitermessung müssen die Spannungserfassungspunkte so liegen, dass der zu prüfende Verbindungsabschnitt tatsächlich erfasst wird.
Die Position der Stromkontakte kann davon abweichen.
7.7 Alternative Strompfade
Ein elektrischer Messstrom folgt allen vorhandenen leitfähigen Parallelpfaden.
Metallische Rahmen, Schutzleiter, Kabelschirme oder andere Verbindungen können dadurch das Ergebnis beeinflussen.
7.8 Dokumentation der Messpunkte
Bei kritischen Messstellen ist es sinnvoll, beide Messpunkte eindeutig zu dokumentieren, beispielsweise anhand einer Prüfpunkttabelle oder einer geeigneten Fotodokumentation.
8. Praxisbeispiel: Leiterwiderstand, Kontaktfehler und Prüfstrom berechnen
Bei einer industriellen Maschine soll eine lackierte metallische Gehäuseverkleidung über einen Kupferschutzleiter mit der zentralen PE-Klemme verbunden sein.
Die prüfende Person möchte den zu erwartenden Widerstand berechnen, den Einfluss verschiedener Kontaktstellen beurteilen und geeignete Prüfströme vergleichen.
Das folgende Beispiel verwendet ausschließlich frei gewählte Werte. Es stellt keine allgemeingültige Widerstandsgrenze für Schutzleiterverbindungen dar.
8.1 Ausgangsdaten und Annahmen
Für die Berechnung werden folgende Annahmen festgelegt:
- Schutzleiter aus Kupfer.
- Leiterlänge: 8 m.
- Leiterquerschnitt: 2,5 mm².
- Angenommener spezifischer Widerstand bei 20 °C: 0,0178 Ω · mm²/m.
- Erste Kontaktstelle: 12 mΩ.
- Zweite Kontaktstelle: 8 mΩ.
- Erster Prüfstrom: 200 mA.
- Zweiter Prüfstrom: 10 A.
- Angenommener zusätzlicher Messleitungs- und Prüfkontaktwiderstand bei der Zweileitermessung: insgesamt 180 mΩ.
- Hypothetisch fehlerhafte erste Kontaktstelle: 450 mΩ statt 12 mΩ.
- Konstante Temperatur und rein ohmsches Verhalten für das vereinfachte Modell.
8.2 Leiterwiderstand berechnen
Der Widerstand eines homogenen Leiters kann näherungsweise aus seinem spezifischen Widerstand, seiner Länge und seinem Querschnitt berechnet werden:
RLeiter = ρ · L / A
Dabei bezeichnet:
- ρ den spezifischen elektrischen Widerstand.
- L die Leiterlänge.
- A den Leiterquerschnitt.
Für das Beispiel gilt:
RLeiter = 0,0178 Ω · mm²/m · 8 m / 2,5 mm²
RLeiter = 0,05696 Ω
Der berechnete reine Leiterwiderstand beträgt damit 56,96 mΩ.
8.3 Kontaktwiderstände berücksichtigen
Zusätzlich werden zwei metallische Kontaktstellen mit angenommenen Widerständen von 12 mΩ und 8 mΩ betrachtet.
Für eine vereinfachte Reihenschaltung gilt:
Rgesamt = RLeiter + RKontakt 1 + RKontakt 2
Rgesamt = 0,05696 Ω + 0,012 Ω + 0,008 Ω
Rgesamt = 0,07696 Ω
Der hypothetische Gesamtwiderstand beträgt 76,96 mΩ.
8.4 Spannungsabfall bei 200 mA
Für den Spannungsabfall gilt das Ohmsche Gesetz:
U = I · R
Bei einem Prüfstrom von 0,2 A:
U = 0,2 A · 0,07696 Ω
U = 0,015392 V = 15,392 mV
Der Prüfstrom von 200 mA erzeugt über dem gesamten angenommenen Widerstand einen Spannungsabfall von ungefähr 15,4 mV.
8.5 Spannungsabfall bei 10 A
Bei einem Prüfstrom von 10 A ergibt sich:
U = 10 A · 0,07696 Ω
U = 0,7696 V
Der größere Prüfstrom erzeugt damit einen entsprechend größeren Spannungsabfall.
Dies kann bei einem dafür geeigneten Messaufbau die Messbarkeit kleiner Widerstände verbessern.
8.6 Elektrische Verlustleistung
Die elektrische Verlustleistung an einem ohmschen Widerstand beträgt:
P = I² · R
Bei 200 mA über dem gesamten Widerstand:
P = 0,2² · 0,07696 W
P ≈ 0,00308 W
Bei 10 A:
P = 10² · 0,07696 W
P = 7,696 W
Die hypothetische gesamte Verlustleistung steigt also mit dem Quadrat des Prüfstroms.
Sie verteilt sich entsprechend den jeweiligen Widerstandsanteilen auf Leiter und Kontaktstellen.
8.7 Verlustleistung an einer einzelnen Kontaktstelle
Für die erste Kontaktstelle mit 12 mΩ ergibt sich bei 10 A:
PKontakt 1 = 10² · 0,012 W
PKontakt 1 = 1,2 W
Ob eine solche kurzzeitige Belastung zulässig ist, hängt von Kontaktkonstruktion, Prüfzeit und thermischen Eigenschaften ab.
Der Zahlenwert allein stellt keine Freigabe für eine entsprechende Prüfung dar.
8.8 Einfluss der Zweileitermessung
Wenn der angenommene Widerstand der Messleitungen und Prüfkontakte von insgesamt 0,18 Ω nicht kompensiert wird, ergibt sich:
R2-Leiter = 0,07696 Ω + 0,18 Ω
R2-Leiter = 0,25696 Ω
Der zusätzliche Messleitungswiderstand wäre in diesem Beispiel größer als der Widerstand des eigentlichen Schutzleiterpfads.
Das Messergebnis könnte ohne entsprechende Kompensation falsch interpretiert werden.
8.9 Messung nach Leitungskompensation
Wenn der konstante Messleitungsanteil bei einer geeigneten Zweileitermessung korrekt kompensiert wird, kann das Ergebnis näher am tatsächlichen Widerstand der betrachteten Verbindung liegen.
Die Kompensation setzt allerdings voraus, dass die betreffenden Messleitungs- und Kontaktbedingungen ausreichend stabil und entsprechend dem Messgeräteverfahren erfasst sind.
Ein wechselnder Widerstand durch schlechten Prüfspitzenkontakt wird nicht automatisch zuverlässig korrigiert.
8.10 Vierleitermessung
Bei einer geeigneten Vierleitermessung wird der Spannungsabfall separat erfasst.
Dadurch kann der Einfluss der Stromleitungen deutlich reduziert werden.
Bei korrekt gewählten Spannungserfassungspunkten würde im idealisierten Beispiel wieder der Widerstand des relevanten Prüfabschnitts von ungefähr 0,07696 Ω ermittelt.
Die tatsächliche Messunsicherheit des Geräts bleibt dabei zusätzlich zu berücksichtigen.
8.11 Fehlerhafte lackierte Kontaktstelle
Nun wird angenommen, dass die erste Schutzleiterkontaktstelle wegen einer ungeeigneten Kontaktierung statt 12 mΩ einen Widerstand von 450 mΩ besitzt.
Der Gesamtwiderstand beträgt dann:
Rfehlerhaft = 0,05696 Ω + 0,450 Ω + 0,008 Ω
Rfehlerhaft = 0,51496 Ω
Der Widerstand hat sich gegenüber der ursprünglichen Verbindung erheblich erhöht.
8.12 Spannungsabfall bei 200 mA an der fehlerhaften Verbindung
Bei 200 mA ergibt sich:
U = 0,2 A · 0,51496 Ω
U = 0,102992 V
Der Spannungsabfall beträgt somit ungefähr 103 mV.
8.13 Warum ein höherer Prüfstrom kritisch sein kann
Würde theoretisch ein Strom von 10 A durch die fehlerhafte Kontaktstelle mit 0,450 Ω fließen, ergäbe sich allein dort eine Verlustleistung von:
P = 10² · 0,450 W
P = 45 W
Dieser Wert zeigt die mögliche thermische Beanspruchung eines fehlerhaften Kontakts.
Wichtig: Die Berechnung ist ausschließlich eine theoretische Betrachtung. Sie ist keine Aufforderung, einen 10-A-Prüfstrom über eine entsprechend fehlerhafte Verbindung zu treiben. Ein reales Prüfgerät kann außerdem aufgrund seiner Spannungs- und Strombegrenzung den angenommenen Strom unter solchen Bedingungen möglicherweise nicht bereitstellen.
Eine erkannte ungeeignete Schutzleiterverbindung muss fachgerecht bewertet und instand gesetzt werden, statt sie durch einen unnötig hohen Prüfstrom zusätzlich zu belasten.
8.14 Vergleich der berechneten Ergebnisse
| Berechnungsgröße | Ordnungsgemäß angenommene Verbindung | Fehlerhaft angenommene Verbindung |
|---|---|---|
| Kupferleiterlänge | 8 m | 8 m |
| Leiterquerschnitt | 2,5 mm² | 2,5 mm² |
| Berechneter Leiterwiderstand | 56,96 mΩ | 56,96 mΩ |
| Kontaktstelle 1 | 12 mΩ | 450 mΩ |
| Kontaktstelle 2 | 8 mΩ | 8 mΩ |
| Gesamtwiderstand | 76,96 mΩ | 514,96 mΩ |
| Spannungsabfall bei 200 mA | 15,392 mV | 102,992 mV |
| Spannungsabfall bei theoretisch 10 A | 0,7696 V | 5,1496 V |
| Gesamte Verlustleistung bei theoretisch 10 A | 7,696 W | 51,496 W |
| Verlustleistung an Kontaktstelle 1 bei theoretisch 10 A | 1,2 W | 45 W |
| Unkompensierter zusätzlicher Messleitungswiderstand | 180 mΩ | 180 mΩ |
| Unkompensierter Zweileiter-Messwert | 256,96 mΩ | 694,96 mΩ |
| Interpretation | Niederohmiger Modellwert; normgerechte Bewertung weiterhin erforderlich | Stark erhöhter Kontaktwiderstand; Kontaktstelle muss untersucht werden |
8.15 Paralleler Strompfad
Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn die fehlerhafte Verbindung über einen zusätzlichen parallelen Strompfad überbrückt wird.
Für zwei parallele Widerstände gilt:
Rparallel = R1 · R2 / (R1 + R2)
Wird der fehlerhafte Widerstand von 0,51496 Ω durch einen hypothetischen zusätzlichen Pfad von 0,05 Ω überbrückt, ergibt sich:
Rparallel = 0,51496 · 0,05 / (0,51496 + 0,05) Ω
Rparallel ≈ 0,0456 Ω
Obwohl einer der beiden Pfade fehlerhaft ist, kann die gesamte parallele Verbindung somit einen relativ niedrigen Widerstand aufweisen.
Dieses Beispiel zeigt, warum ein einzelner niedriger Messwert keine vollständige Aussage über jede vorhandene Schutzleiteranschlussstelle ermöglicht.
Es bedeutet nicht, dass parallele Schutzleiterverbindungen für eine Prüfung generell unzulässig sind. Entscheidend sind das geforderte Prüfziel und das konkrete Schutzkonzept.
8.16 Grenzen des Rechenbeispiels
Alle Widerstands- und Prüfwerte wurden ausdrücklich als hypothetische Annahmen gewählt.
Der tatsächliche Leiterwiderstand hängt unter anderem von Material, Temperatur, Querschnitt und realer Leitungslänge ab.
Kontaktwiderstände können zudem strom-, druck-, temperatur- und zustandsabhängig sein.
Das Rechenbeispiel ersetzt deshalb weder eine Messung noch die Bewertung nach der einschlägigen Prüfnorm.
9. Übergangswiderstände und mechanische Kontaktqualität bewerten
Der elektrische Widerstand einer Schutzleiterverbindung setzt sich aus Leiter- und Kontaktanteilen zusammen.
Gerade an lackierten Bauteilen können die Kontaktanteile entscheidend sein.
9.1 Übergangswiderstand
Ein Übergangswiderstand entsteht an der Verbindung zwischen zwei elektrisch leitfähigen Teilen.
Seine Größe hängt von der tatsächlichen Kontaktfläche und den Oberflächen- und Montagebedingungen ab.
9.2 Mikroskopische Kontaktflächen
Auch scheinbar glatte metallische Oberflächen berühren sich häufig nur an begrenzten mikroskopischen Stellen.
Der reale Stromübergang erfolgt über diese leitfähigen Kontaktpunkte.
9.3 Einfluss des Anpressdrucks
Der mechanische Anpressdruck kann die elektrischen Kontaktbedingungen verändern.
Ein unzureichender oder nicht dauerhaft stabiler Anpressdruck kann zu erhöhten beziehungsweise veränderlichen Übergangswiderständen beitragen.
9.4 Oxidschichten
Oxidschichten können die Kontaktqualität beeinflussen.
Ihre Wirkung hängt von Werkstoff, Schichtdicke und Verbindungskonstruktion ab.
9.5 Lack und Pulverbeschichtung
Eine isolierende Beschichtung zwischen Kontaktflächen kann den elektrischen Stromübergang behindern.
Deshalb muss die Kontaktkonstruktion für die vorhandene Beschichtung geeignet sein.
9.6 Kontaktwiderstand unter Prüfstrom
Bei bestimmten schlechten oder instabilen Kontakten kann sich der angezeigte Widerstand mit dem Prüfstrom verändern.
Eine solche Stromabhängigkeit kann ein zusätzlicher Diagnosehinweis sein.
Sie darf jedoch nicht dazu verleiten, unzulässig hohe Prüfströme einzusetzen.
9.7 Wiederholungsmessungen
Wenn Messwerte bei wiederholter unveränderter Kontaktierung stark schwanken, ist die Ursache zu untersuchen.
Eine stabile Messung ist für die zuverlässige Bewertung wichtig.
9.8 Mechanische Prüfung
Eine geeignete mechanische Sicht- und Zustandsprüfung ergänzt die elektrische Widerstandsmessung.
Die bloße Feststellung eines niedrigen Widerstands genügt nicht, um die dauerhafte mechanische Stabilität einer Verbindung zu beurteilen.
10. Parallele Schutzleiterpfade und falsche Niederohmwerte erkennen
In Maschinen und Schaltschränken können mehrere leitfähige Wege zwischen zwei Messpunkten vorhanden sein.
10.1 Metallische Rahmenkonstruktionen
Schaltschrankrahmen, Montageplatten und weitere Metallteile können elektrisch miteinander verbunden sein.
Dadurch können parallele Strompfade entstehen.
10.2 Zusätzliche Schutzleiter
Mehrere vorgesehene Schutzleiterverbindungen können gemeinsam einen niedrigen Widerstand ergeben.
Dies kann konstruktiv beabsichtigt sein.
10.3 Kabelschirme
Auch leitfähig verbundene Kabelschirme können unter bestimmten Bedingungen als zusätzliche Strompfade wirken.
Sie dürfen jedoch nicht ohne geeignete Bewertung als Ersatz für eine vorgeschriebene Schutzleiterverbindung betrachtet werden.
10.4 Funktionserdung
Funktionserdungsverbindungen können elektrisch mit anderen Metallteilen verbunden sein.
Ob solche Pfade beim Prüfverfahren berücksichtigt werden dürfen, hängt von der Messaufgabe ab.
10.5 Niedriger Gesamtwiderstand
Ein niedriger Gesamtwiderstand beweist zunächst nur, dass zwischen den gewählten Messpunkten ein entsprechender leitfähiger Gesamtpfad besteht.
Er beweist nicht automatisch, dass jede einzelne parallele Anschlussstelle ordnungsgemäß ausgeführt ist.
10.6 Strompfad prüfen
Wenn eine einzelne Verbindung gezielt untersucht werden muss, kann eine zusätzliche geeignete Messung oder ein anderes freigegebenes Prüfverfahren notwendig sein.
10.7 Schutzleiter nicht unkontrolliert lösen
Eine Schutzleiterverbindung darf nicht einfach im laufenden Betrieb getrennt werden, um Parallelpfade für eine Messung zu beseitigen.
Erforderliche Änderungen des Prüfaufbaus dürfen ausschließlich unter den vorgesehenen Sicherheitsbedingungen und mit geeigneter fachlicher Freigabe erfolgen.
10.8 Aussage des Prüfergebnisses
Das Prüfprotokoll sollte erkennen lassen, ob der gesamte Schutzleiterpfad oder eine einzelne Kontaktstelle geprüft wurde.
Diese Unterscheidung ist insbesondere bei späteren Fehlersuchen wichtig.
11. Messleitungswiderstand, Leitungskompensation und Kontaktfehler
Die Qualität der Messleitungen beeinflusst die Ergebnisse von Niederohmprüfungen.
11.1 Lange Messleitungen
Bei großen Maschinen können lange Messleitungen notwendig sein.
Ihr Eigenwiderstand kann den zu messenden Widerstand deutlich übersteigen.
11.2 Leitungsquerschnitt
Der Widerstand der Messleitung hängt von Länge, Material und Querschnitt ab.
Für die Bewertung müssen daher geeignete Leitungen verwendet werden.
11.3 Leitungskompensation
Viele Niederohmprüfgeräte besitzen eine Funktion zur Kompensation des Messleitungswiderstands.
Diese muss entsprechend der Bedienungsanleitung durchgeführt werden.
11.4 Erneute Kompensation
Nach einem Wechsel von Messleitungen, Prüfspitzen oder Zubehör kann eine erneute Leitungskompensation erforderlich sein.
11.5 Prüfspitzen
Beschädigte oder verschmutzte Prüfspitzen können instabile Kontaktwiderstände verursachen.
Geeignete, unbeschädigte Prüfkontakte sind deshalb Voraussetzung für reproduzierbare Ergebnisse.
11.6 Krokodilklemmen
Bei geeigneten Anschlussstellen können Krokodilklemmen einen reproduzierbaren Messkontakt erleichtern.
Sie müssen jedoch für die elektrische Belastung und die Kontaktgeometrie geeignet sein.
11.7 Kelvin-Klemmen
Kelvin-Klemmen ermöglichen bei geeigneter Ausführung eine getrennte Strom- und Spannungsführung.
Damit kann die Messung sehr kleiner Widerstände verbessert werden.
11.8 Vergleichbarkeit
Bei wiederkehrenden Prüfungen sollten möglichst dieselben Messpunkte, geeignete Messverfahren und dokumentierte Prüfparameter verwendet werden.
Dadurch lassen sich Veränderungen der Schutzleiterverbindung besser erkennen.
12. Stromrichtung, Thermospannungen und Messwertstabilität
Bei kleinen Widerständen können auch geringe elektrische Störgrößen relevant werden.
12.1 Thermoelektrische Spannungen
An Übergängen verschiedener Metalle können bei Temperaturunterschieden kleine thermoelektrische Spannungen entstehen.
Diese können insbesondere bei sehr kleinen Spannungsabfällen das Messergebnis beeinflussen.
12.2 Gleichstrommessung
Bei der Gleichstrommessung kann eine vorhandene Störspannung zum gemessenen Spannungsabfall beitragen.
12.3 Messung mit umgekehrter Polarität
Eine Messung in beiden Stromrichtungen kann helfen, bestimmte konstante Störspannungen zu erkennen beziehungsweise zu kompensieren.
Das Verfahren muss vom Messgerät unterstützt beziehungsweise entsprechend der Prüfregel zulässig sein.
12.4 IEC 61557-4
IEC 61557-4 berücksichtigt bei Gleichstrommessungen die Möglichkeit einer Stromrichtungsumkehr beziehungsweise einer entsprechenden Änderung der Messanschlüsse.
12.5 Automatische Polwendung
Geeignete Niederohmprüfgeräte besitzen Funktionen zur automatischen Polwendung.
Dies kann die Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit entsprechender Messungen verbessern.
12.6 Störspannungen
Vor einer Niederohmmessung muss geprüft werden, ob am vorgesehenen Prüfobjekt unzulässige beziehungsweise gefährliche Fremdspannungen vorhanden sein können.
Der sichere Zustand des Prüfobjekts hat Vorrang vor der Messung.
12.7 Zeitliche Stabilisierung
Je nach Prüfgerät und Prüfobjekt kann eine geeignete Messdauer beziehungsweise Stabilisierung erforderlich sein.
Die gewählte Messzeit muss mit dem Prüfverfahren und den zulässigen Belastungen vereinbar sein.
12.8 Ergebnis dokumentieren
Bei anspruchsvollen Prüfungen können neben dem Widerstandswert auch Messrichtung, Prüfstrom und Wiederholverhalten dokumentiert werden.
13. Schraubverbindungen, Kontaktscheiben und Korrosionsschutz prüfen
Eine dauerhaft geeignete Schutzleiterverbindung benötigt sowohl eine elektrische als auch eine mechanische Qualität.
13.1 Schraubverbindung
Die verwendete Verschraubung muss zur vorgesehenen Verbindungskonstruktion passen.
Die Montage erfolgt entsprechend den Herstellerangaben.
13.2 Anzugsmoment
Das vorgeschriebene Anzugsmoment ist für die vorgesehene Montage wichtig.
Ein zu geringes oder zu hohes Anzugsmoment kann die Verbindungsqualität beeinträchtigen.
13.3 Kontaktscheiben
Geeignete Kontaktscheiben können Bestandteil einer dafür vorgesehenen Schutzleiterverbindung sein.
Ihre Eignung muss für Werkstoff, Beschichtung und mechanische Verbindung nachgewiesen sein.
13.4 Korrosionsschutz
Eine ungeschützte metallische Kontaktstelle kann unter ungünstigen Umgebungsbedingungen korrodieren.
Die Kontaktstelle muss deshalb auch unter Berücksichtigung des notwendigen Korrosionsschutzes ausgeführt sein.
13.5 Unterschiedliche Metalle
Beim Kontakt unterschiedlicher Metalle können unter bestimmten Bedingungen elektrochemische Korrosionsvorgänge auftreten.
Die Materialkombination muss deshalb zur Umgebung und zum vorgesehenen Einsatz passen.
13.6 Vibrationen
Vibrationen können langfristig mechanische Verbindungen beanspruchen.
Die Schraub- und Sicherungskonstruktion muss für solche Betriebsbedingungen geeignet sein.
13.7 Wartung
Bei wiederkehrenden Prüfungen sollte neben dem Widerstandswert auch der erkennbare mechanische Zustand berücksichtigt werden.
13.8 Fachgerechte Instandsetzung
Eine beschädigte oder ungeeignete Verbindung muss nach dem freigegebenen Instandsetzungsverfahren bearbeitet werden.
Ein durch kräftiges Aufsetzen der Prüfspitze erzielter niedriger Widerstand ist keine gleichwertige Instandsetzung.
14. Schaltschranktüren, Maschinenabdeckungen und bewegliche Teile
Bewegliche und abnehmbare leitfähige Teile können besondere Anforderungen an die Schutzleiterverbindung stellen.
14.1 Schaltschranktüren
Je nach elektrischer Ausstattung und Schutzkonzept kann eine Schaltschranktür eine geeignete Schutzleiter- beziehungsweise Schutzpotentialausgleichsverbindung benötigen.
Die konkrete Anforderung hängt von der Konstruktion und den angewendeten Normen ab.
14.2 Türbänder
Ein metallisches Türband kann elektrisch leitfähig sein.
Es darf jedoch nicht ohne geeigneten Nachweis beziehungsweise entsprechende konstruktive Freigabe als ausreichender Schutzleiterpfad angenommen werden.
14.3 Flexible Schutzleiter
Bei beweglichen Türen können flexible Schutzleiterverbindungen vorgesehen sein.
Diese müssen für die auftretenden Bewegungen und mechanischen Beanspruchungen geeignet sein.
14.4 Lackierte Scharniere
Lackierte oder beschichtete Scharnierbereiche können erhöhte oder veränderliche elektrische Übergangswiderstände aufweisen.
Die Eignung des vorgesehenen Strompfads muss deshalb geprüft werden.
14.5 Abnehmbare Abdeckungen
Auch abnehmbare metallische Abdeckungen können entsprechend ihrer Funktion und dem Schutzkonzept eine besondere Kontaktgestaltung benötigen.
14.6 Bewegungsabhängige Kontaktfehler
Ein Widerstand kann sich bei der Bewegung einer Tür oder eines Maschinenteils verändern.
Dies kann auf eine unzureichend stabile Verbindung hinweisen.
Eine solche Prüfung darf nur unter sicheren und dafür vorgesehenen Bedingungen erfolgen.
14.7 Leitungsführung
Flexible Verbindungsleiter müssen vor unzulässiger Biegung, Zugbelastung und mechanischer Beschädigung geschützt sein.
14.8 Dokumentation
Bei sicherheitsrelevanten beweglichen Bauteilen sollten Messstelle und Prüfzustand eindeutig dokumentiert werden.
15. Durchgangsprüfer, Installationstester und Micro-Ohmmeter auswählen
Für unterschiedliche Prüfaufgaben stehen verschiedene Messgeräteklassen zur Verfügung.
15.1 Einfacher Durchgangsprüfer
Ein einfacher Durchgangsprüfer kann bei der allgemeinen Fehlersuche helfen.
Ein akustisches Signal ist jedoch kein automatischer Nachweis dafür, dass der Widerstand einer Schutzleiterverbindung den geltenden Anforderungen entspricht.
15.2 Niederohmprüfgerät
Ein geeignetes Niederohmprüfgerät kann die Durchgängigkeit von Schutzleitern mit einem definierten Prüfstrom überprüfen.
Die Geräteauswahl muss zur einschlägigen Prüfnorm passen.
15.3 Installationstester
Multifunktions-Installationstester bieten häufig zusätzliche Funktionen wie Isolationsmessung, Schleifenimpedanzmessung und Prüfung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen.
Für die Schutzleiterprüfung ist die tatsächlich vorhandene Niederohmfunktion entscheidend.
15.4 Maschinentester
Maschinentester können speziell für elektrische Sicherheitsprüfungen an Maschinen ausgelegt sein.
Je nach Ausführung bieten sie geeignete Durchgängigkeitsprüfungen mit unterschiedlichen Prüfströmen.
15.5 Micro-Ohmmeter
Micro-Ohmmeter sind für die genaue Messung sehr kleiner Widerstände vorgesehen.
Sie arbeiten häufig mit Vierleitertechnik und können größere Prüfströme bereitstellen.
15.6 Kelvin-Zubehör
Für eine präzise Widerstandsmessung können spezielle Kelvin-Klemmen oder Kelvin-Prüfspitzen erforderlich sein.
Das Zubehör muss zum Gerät, Prüfstrom und Messobjekt passen.
15.7 Nicht jedes Micro-Ohmmeter ist ein Schutzleiterprüfgerät
Ein Präzisions-Micro-Ohmmeter mit hoher Auflösung ist nicht automatisch für jede vorgeschriebene Sicherheitsprüfung elektrischer Anlagen oder Betriebsmittel zugelassen beziehungsweise geeignet.
Normative Anforderungen an Prüfstrom, Leerlaufspannung, Geräteklassifikation und Prüfung müssen gesondert erfüllt sein.
15.8 Messaufgabe vor Gerätekauf
Vor der Auswahl sollte feststehen, ob eine normgerechte Schutzleiterprüfung, eine genaue Kontaktwiderstandsmessung oder eine kombinierte elektrische Sicherheitsprüfung benötigt wird.
16. Grenzwerte und zulässige Schutzleiterwiderstände richtig bewerten
Die Bewertung einer niederohmigen Schutzleiterverbindung darf nicht allein anhand einer frei gewählten universellen Widerstandsgrenze erfolgen.
16.1 Keine allgemeine 0,1-Ω-Regel
Ein Grenzwert von 0,1 Ω kann in bestimmten technischen Zusammenhängen relevant sein.
Er ist jedoch keine allgemein gültige Vorgabe für sämtliche Schutzleiterverbindungen an Maschinen und elektrischen Anlagen.
16.2 Keine allgemeine 0,3-Ω-Regel
Auch ein Widerstandswert von 0,3 Ω ist nicht für jede Schutzleiterprüfung automatisch die maßgebliche Obergrenze.
Solche Werte müssen dem konkreten Regelwerk und Prüfling zugeordnet werden.
16.3 Leiterlänge
Ein längerer Schutzleiter besitzt bei sonst gleichen Bedingungen einen höheren Leiterwiderstand.
Dies muss bei der Bewertung berücksichtigt werden.
16.4 Leiterquerschnitt
Ein größerer Leiterquerschnitt reduziert bei gleichem Material und gleicher Länge den ohmschen Leiterwiderstand.
16.5 Material
Kupfer, Aluminium und andere elektrisch leitfähige Werkstoffe besitzen unterschiedliche spezifische Widerstände.
16.6 Übergangswiderstände
Kontakt- und Klemmstellen können zum gesamten Messwert beitragen.
Die Verbindungskonstruktion muss dabei den vorgesehenen Sicherheitsanforderungen entsprechen.
16.7 EN 60204-1
Bei der entsprechenden Maschinenprüfung muss der gemessene Widerstand im erwarteten Bereich liegen, der sich aus Länge, Querschnitt und Material der zugehörigen Schutz- und Schutzpotentialausgleichsleiter ergibt.
Eine universelle einzelne Widerstandsgrenze für jede Maschine wird daraus nicht abgeleitet.
16.8 Geräteprüfung
Bei elektrischen Betriebsmitteln können andere Prüfverfahren und Bewertungsanforderungen gelten.
Diese dürfen nicht ohne Prüfung auf industrielle Maschineninstallationen übertragen werden.
16.9 Bewertung mit Messunsicherheit
Bei einer Entscheidung nahe dem festgelegten Grenzwert kann die Messunsicherheit relevant sein.
Die verwendete Entscheidungsregel muss zum Prüfverfahren passen.
16.10 Wiederkehrende Prüfung
Frühere Messergebnisse können bei gleichbleibenden Prüfbedingungen eine hilfreiche Vergleichsbasis bilden.
Eine deutliche Veränderung kann Anlass für eine zusätzliche Untersuchung sein.
17. Kalibrierung, Eigenprüfung und Funktionskontrolle der Messgeräte
Ein geeignetes Prüfgerät muss sich in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden.
17.1 Kalibrierung
Bei einer Kalibrierung werden die Messwerte des Prüfgeräts mit geeigneten Referenzwerten verglichen.
Die dabei festgestellten Messabweichungen werden dokumentiert.
17.2 Kalibrierbereich
Die Kalibrierung muss den für die Anwendung relevanten Widerstandsbereich und gegebenenfalls die erforderlichen Prüfparameter ausreichend abdecken.
17.3 Eigenprüfung vor Einsatz
Vor einer Messung sollten Messleitungen, Prüfspitzen, Steckverbindungen und die Funktionsfähigkeit des Prüfgeräts kontrolliert werden.
17.4 Vergleichswiderstand
Bei geeigneten Messgeräten kann ein bekannter Widerstand zur Funktionskontrolle verwendet werden.
Das Verfahren muss zur Genauigkeitsanforderung und dem Prüfgerät passen.
17.5 Leitungskompensation
Die Leitungskompensation ist vor der Messung entsprechend der Bedienungsanleitung durchzuführen, wenn das Verfahren dies erfordert.
17.6 Zustand der Prüfspitzen
Beschädigte, verschmutzte oder mechanisch instabile Prüfkontakte können die Ergebnisse verfälschen.
17.7 Kalibrierintervall
Das geeignete Kalibrierintervall hängt von Nutzung, Belastung, Qualitätsanforderungen und bisherigen Kalibrierergebnissen ab.
17.8 Dokumentation
Für nachvollziehbare Prüfergebnisse sollten das verwendete Messgerät, die Geräteidentifikation und der relevante Kalibrierstatus dokumentiert werden.
18. Messunsicherheit und Reproduzierbarkeit bei kleinen Widerständen
Bei der Messung kleiner Widerstände können unterschiedliche Einflussgrößen relevant sein.
18.1 Geräteabweichung
Jedes Messgerät besitzt eine spezifizierte Messunsicherheit beziehungsweise Fehlergrenze.
Die tatsächliche Genauigkeit hängt unter anderem vom verwendeten Messbereich ab.
18.2 Auflösung
Die Anzeigeauflösung ist von der Messgenauigkeit zu unterscheiden.
Ein Gerät mit einer Auflösung im Mikroohmbereich misst nicht automatisch jede Kontaktstelle mit einer Unsicherheit von nur einem Mikroohm.
18.3 Messleitungen
Bei der Zweileitermessung können die Messleitungen einen wesentlichen Widerstandsanteil verursachen.
18.4 Kontaktierung
Unterschiedliche Prüfspitzenpositionen oder Anpresskräfte können die Messung beeinflussen.
18.5 Temperatur
Der Widerstand metallischer Leiter ist temperaturabhängig.
Bei anspruchsvollen Vergleichsmessungen muss die Temperatur berücksichtigt werden.
18.6 Thermospannungen
Bei sehr kleinen Spannungsabfällen können thermoelektrische Spannungen eine Rolle spielen.
18.7 Wiederholbarkeit
Wiederholungsmessungen können Hinweise auf instabile Kontakte und auf die Streuung der Messung liefern.
18.8 Prüfstrom
Der Prüfstrom beeinflusst den Spannungsabfall und gegebenenfalls die Belastung einer Kontaktstelle.
Für vergleichbare Messergebnisse sollten die wesentlichen Prüfparameter berücksichtigt werden.
18.9 Vollständiger Strompfad
Parallele Verbindungen können den gemessenen Gesamtwiderstand verändern.
Der ermittelte Wert muss deshalb dem tatsächlichen Messpfad zugeordnet werden.
18.10 Gesamtbewertung
Eine belastbare Messunsicherheitsbewertung berücksichtigt die relevanten Geräte-, Kontaktierungs- und Umgebungsbedingungen.
Ein niedriger angezeigter Widerstand allein ist kein vollständiger Nachweis für die elektrische und mechanische Qualität einer Schutzleiterverbindung.
19. Elektrische Sicherheit und relevante Regelwerke
Schutzleiterprüfungen dienen der elektrischen Sicherheit und müssen unter geeigneten sicheren Bedingungen durchgeführt werden.
19.1 Qualifikation der prüfenden Person
Die Prüfung muss durch entsprechend qualifizierte Personen nach dem vorgesehenen Prüfverfahren erfolgen.
Die erforderliche Qualifikation hängt von Anlage, Prüfaufgabe und Gefährdung ab.
19.2 Sicherer Arbeitszustand
Vor einer Niederohmmessung müssen die erforderlichen Schutzmaßnahmen für den Prüfling und die elektrische Anlage umgesetzt sein.
Die Spannungsfreiheit beziehungsweise der vom Prüfverfahren verlangte sichere Zustand muss nach den anwendbaren Sicherheitsregeln hergestellt und überprüft werden.
19.3 Gespeicherte elektrische Energie
Kondensatoren, Zwischenkreise und andere elektrische Baugruppen können auch nach dem Abschalten gefährliche Spannungen enthalten.
Entsprechende Entlade- und Wartezeiten müssen berücksichtigt werden.
19.4 DIN VDE 0100-600
DIN VDE 0100-600 beschreibt die Erstprüfung elektrischer Niederspannungsanlagen.
Dazu gehört unter anderem die Prüfung der Durchgängigkeit von Schutzleitern und Schutzpotentialausgleichsleitern.
19.5 IEC 61557-4
IEC 61557-4 beschreibt Anforderungen an Messgeräte zur Widerstandsmessung von Erdungsleitern, Schutzleitern und Schutzpotentialausgleichsleitern innerhalb ihres Anwendungsbereichs.
Hierzu gehören unter anderem Anforderungen an Prüfstrom und Leerlaufspannung.
19.6 EN 60204-1
EN 60204-1 behandelt die elektrische Ausrüstung von Maschinen.
Die Prüfung des Schutzpotentialausgleichskreises gehört zu den relevanten Sicherheitsprüfungen.
19.7 Prüfung elektrischer Betriebsmittel
Für elektrische Betriebsmittel nach Reparatur beziehungsweise bei wiederkehrenden Prüfungen können andere einschlägige Regelwerke gelten.
Die anzuwendende Prüfnorm muss zum jeweiligen Betriebsmittel und zur Prüfaufgabe passen.
19.8 DGUV Vorschrift 3
Im betrieblichen Umfeld sind auch die Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 und die daraus abgeleiteten Prüfpflichten relevant.
19.9 Schutzleiter nicht im Betrieb unterbrechen
Das unkontrollierte Unterbrechen einer Schutzleiterverbindung kann zu einer gefährlichen Situation führen.
Notwendige Änderungen dürfen nur im entsprechend sicheren Arbeitszustand und nach freigegebenem Verfahren erfolgen.
19.10 Kein Ersatz für weitere Schutzprüfungen
Eine erfolgreiche Schutzleiter-Durchgängigkeitsmessung ersetzt nicht automatisch andere erforderliche Prüfungen wie die Bewertung der Abschaltbedingungen oder weitere elektrische Sicherheitsprüfungen.
20. Systematischer Prüf- und Inbetriebnahmeablauf
Für die Überprüfung niederohmiger Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen empfiehlt sich ein strukturierter Prüfablauf.
Die folgenden Schritte sind an die konkrete Anlage, die angewendete Norm und die erforderlichen Schutzmaßnahmen anzupassen.
- Prüfaufgabe festlegen: Klären, ob eine Erstprüfung, Wiederholungsprüfung, Instandsetzungsprüfung oder gezielte Fehlersuche durchgeführt wird.
- Relevantes Regelwerk bestimmen: Die für Maschine, elektrische Anlage oder Betriebsmittel geltenden Prüfanforderungen festlegen.
- Prüfumfang festlegen: Die zu prüfenden Schutzleiter- und Schutzpotentialausgleichsverbindungen identifizieren.
- Schalt- und Montageunterlagen prüfen: Den vorgesehenen Schutzleiterstrompfad nachvollziehen.
- Sicheren Arbeitszustand herstellen: Die erforderlichen elektrischen Schutzmaßnahmen nach freigegebenem Verfahren umsetzen.
- Gefährliche Restspannungen berücksichtigen: Speichernde elektrische Komponenten und mögliche Fremdspannungen prüfen.
- Sichtprüfung durchführen: Schutzleiter, Kabelschuhe, Verschraubungen, Beschichtungen und erkennbare Beschädigungen beurteilen.
- Kontaktkonstruktion beurteilen: Prüfen, ob die Schutzleiteranschlussstelle für lackierte beziehungsweise beschichtete Bauteile vorgesehen und geeignet ist.
- Prüfgerät auswählen: Geeignetes Niederohm-, Installations- oder Maschinenprüfgerät entsprechend der Prüfaufgabe einsetzen.
- Prüfstrom festlegen: Prüfstrom und gegebenenfalls Prüfspannung entsprechend dem angewendeten Verfahren auswählen.
- Messleitungen kontrollieren: Zustand, Isolierung, Länge und Steckverbindungen prüfen.
- Leitungskompensation durchführen: Bei entsprechendem Messverfahren den Messleitungswiderstand kompensieren.
- PE-Bezugspunkt festlegen: Den nach Prüfverfahren relevanten Ausgangspunkt für die Messung auswählen.
- Prüfpunkt am Bauteil festlegen: Einen geeigneten Kontaktpunkt wählen, der die erforderliche Aussage über den Schutzleiterpfad ermöglicht.
- Messstrompfad beurteilen: Mögliche parallele Verbindungen und alternative Stromwege berücksichtigen.
- Niederohmmessung durchführen: Die Messung mit geeignetem Gerät und vorgesehenen Prüfparametern ausführen.
- Messwertstabilität kontrollieren: Auffällige Schwankungen oder kontaktierungsabhängige Änderungen untersuchen.
- Messung gegebenenfalls wiederholen: Bei Bedarf die Reproduzierbarkeit unter unveränderten Bedingungen überprüfen.
- Kontaktstelle gezielt untersuchen: Bei unplausiblen Werten die vorgesehene Verbindungskonstruktion und den Messpfad beurteilen.
- Vierleitermessung ergänzen: Falls für die Diagnose erforderlich, eine geeignete Kelvinmessung mit korrekt gewählten Spannungserfassungspunkten durchführen.
- Erwarteten Widerstand bestimmen: Leiterlänge, Querschnitt, Material und relevante Kontaktanteile berücksichtigen.
- Messwert bewerten: Die Anforderungen des geltenden Prüfverfahrens und die Messunsicherheit berücksichtigen.
- Fehlerhafte Verbindung instand setzen: Nur nach freigegebenem mechanischem und elektrischem Instandsetzungsverfahren.
- Nachprüfung durchführen: Nach einer Instandsetzung den relevanten Schutzleiterpfad erneut prüfen.
- Prüfung dokumentieren: Messpunkte, Prüfgerät, Prüfstrom, Widerstandswert, Prüfbedingungen und Bewertung nachvollziehbar festhalten.
Ein solcher Ablauf ermöglicht eine systematische Bewertung der Schutzleiterverbindung und reduziert das Risiko, einzelne günstige Kontaktmesswerte falsch zu interpretieren.
21. Typische Fehlerbilder und gezielte Diagnose
Bei lackierten Bauteilen können unterschiedliche Fehlerbilder auftreten, die allein aus dem Zahlenwert einer Messung nicht immer eindeutig zugeordnet werden können.
| Fehlerbild | Mögliche Ursache | Geeignete Diagnose |
|---|---|---|
| Hoher Widerstand auf der Lackoberfläche | Isolierende Beschichtung zwischen Prüfspitze und Grundmaterial | Geeigneten Prüfpunkt und vorgesehenen Schutzleiterpfad untersuchen |
| Niedriger Wert bei starkem Druck auf die Prüfspitze | Prüfspitze durchdringt die Beschichtung oder verändert den Kontakt | Messpunkt und dauerhaft vorhandene Verbindungskonstruktion getrennt bewerten |
| Niedriger Messwert am Kabelschuh, hoher Wert am Gehäuse | Unzureichender metallischer Kontakt zwischen Kabelschuh und Gehäuse | Vorgesehene Gehäusekontaktierung fachgerecht prüfen |
| Widerstand sinkt nach mechanischer Bewegung der Schraube | Instabiler Übergangswiderstand | Verbindung im sicheren Zustand nach Montagevorgaben untersuchen |
| Messwert verändert sich stark bei erneuter Kontaktierung | Instabiler Prüfspitzenkontakt oder ungeeignete Messstelle | Geeignetes Zubehör und reproduzierbaren Prüfpunkt verwenden |
| Zweileitermessung zeigt deutlich höheren Widerstand | Messleitungswiderstand nicht oder unzureichend kompensiert | Leitungskompensation und Messleitungen überprüfen |
| Kelvinmessung zeigt anderen Wert als Zweileitermessung | Unterschiedliche Messleitungs- und Kontaktanteile oder abweichende Messabschnitte | Strom- und Spannungskontakte sowie den erfassten Messabschnitt prüfen |
| Sehr niedriger Messwert trotz erkennbar fehlerhafter Anschlussstelle | Paralleler leitfähiger Strompfad | Schalt- und Montageunterlagen sowie tatsächliche Stromwege untersuchen |
| Messwert verändert sich bei Stromrichtungsumkehr | Thermoelektrische Störspannung oder nichtlineares Kontaktverhalten | Messverfahren, Störspannungen und Kontaktzustand beurteilen |
| Messgerät zeigt Durchgangston, obwohl keine genaue Prüfung erfolgt ist | Akustische Durchgangsschwelle ersetzt keinen quantitativen Prüfnachweis | Geeignetes Niederohmprüfgerät mit spezifiziertem Prüfstrom einsetzen |
| Widerstand an der Schaltschranktür verändert sich beim Bewegen | Bewegungsabhängige Kontaktstelle oder beschädigter flexibler Verbindungsleiter | Vorgesehene Türverbindung und mechanischen Zustand sicher prüfen |
| Nach Lackierarbeiten ist der Widerstand höher | Beschichtung beeinträchtigt eine zuvor metallische Kontaktstelle | Vorgesehene Kontaktkonstruktion und Beschichtungsarbeiten vergleichen |
| Widerstand steigt bei wiederkehrenden Prüfungen | Mögliche Korrosion, gelockerte Verbindung oder veränderte Kontaktbedingungen | Kontaktstelle, mechanischen Zustand und Prüfbedingungen untersuchen |
| Hoher Prüfstrom verursacht ungewöhnliche Erwärmung | Erhöhter Übergangswiderstand oder ungeeignete Prüfbelastung | Prüfung sicher beenden und Verbindung nach freigegebenem Verfahren beurteilen |
Die aufgeführten Ursachen sind mögliche Diagnoseansätze und keine eindeutigen Fehlernachweise.
Eine festgestellte fehlerhafte Schutzleiterverbindung muss entsprechend den geltenden Sicherheits- und Instandhaltungsvorgaben behandelt werden.
22. Passende ICS-Produkte für Schutzleiter- und Niederohmprüfungen
ICS Schneider Messtechnik bietet unterschiedliche Niederohmprüfgeräte, Installationstester, Maschinentester und Micro-Ohmmeter für industrielle elektrische Sicherheitsprüfungen und die Untersuchung kleiner Widerstände an.
Die passende Produktauswahl hängt insbesondere davon ab, ob eine Schutzleiter-Durchgängigkeitsprüfung mit 200 mA, eine Maschinenprüfung mit entsprechend höherem Prüfstrom oder eine präzise Vierleiter-Kontaktwiderstandsmessung benötigt wird.
22.1 ISO410 – Isolations- und Schutzleiterwiderstandsprüfer
Der ISO410 ist ein tragbares Messgerät zur Prüfung von Isolationswiderständen sowie zur Niederohm- und Schutzleiter-Durchgängigkeitsmessung.
Er eignet sich insbesondere für entsprechende Installations- und Prüfaufgaben.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Niederohm- beziehungsweise Schutzleiter-Durchgängigkeitsprüfung mit 200 mA.
- Messbereich der Niederohmfunktion von 0,01 bis 99,9 Ω.
- Auflösung von 0,01 Ω.
- Grundgenauigkeit der Niederohmfunktion von ±(2 % des Messwerts + 2 Digit).
- Leerlaufspannung der Niederohmfunktion im Bereich von über 4 bis unter 12 V.
- Isolationsprüfung mit 50, 100, 250, 500 und 1.000 V DC.
- Speicherung von Messergebnissen.
- Geeignete Schnittstelle zur Datenübertragung.
- Optionale externe Prüfspitze PR400 zur Fernauslösung.
- Display mit Bedien- und Hilfefunktionen.
Der ISO410 ist besonders interessant, wenn eine Durchgängigkeitsprüfung mit entsprechendem 200-mA-Prüfstrom benötigt wird.
Für die Untersuchung sehr kleiner Übergangswiderstände im Mikroohmbereich ist die angegebene Auflösung von 0,01 Ω jedoch zu berücksichtigen.
Das Gerät ist deshalb nicht mit einem Präzisions-Micro-Ohmmeter gleichzusetzen.
Weitere Informationen: ISO410 bei ICS Schneider Messtechnik
22.2 ΩMEGASAFE EP4 – Niederohm- und Erdungsprüfer
Der ΩMEGASAFE EP4 ist ein kompaktes Niederohmmessgerät für die Überprüfung von Schutzleiter-, Erdungs- und Potentialausgleichsverbindungen.
Er ist für entsprechende Prüfungen nach IEC 61557-4 vorgesehen.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Niederohmmessung mit einem Prüfstrom bis 200 mA.
- Widerstandsanzeige ab 0,01 Ω.
- Großer Widerstandsmessbereich bis in den MΩ-Bereich.
- Automatische Messbereichswahl.
- Leitungskompensation per Tastendruck.
- Automatische Polwendung.
- Messwertspeicherung.
- Akustische Durchgangsanzeige.
- Anzeige gefährlicher Fremdspannungen.
- Schutzschaltung gegen Fremdspannungen.
- Schutzart IP65.
- Kompakte, mobile Bauform.
Der EP4 eignet sich insbesondere für mobile Schutzleiter- und Potentialausgleichsprüfungen an geeigneten elektrischen Anlagen und Maschinen.
Die Möglichkeit der Leitungskompensation ist bei längeren Messleitungen besonders hilfreich.
Die automatische Polwendung kann bestimmte Störspannungseinflüsse reduzieren.
Auch hier ersetzt ein akustischer Durchgangston nicht die Auswertung des tatsächlichen Messwerts.
Weitere Informationen: ΩMEGASAFE EP4 bei ICS Schneider Messtechnik
22.3 Chauvin Arnoux C.A 6161 – Multifunktions-Maschinentester
Der Chauvin Arnoux C.A 6161 ist ein Multifunktions-Prüfgerät für elektrische Sicherheitsprüfungen an Maschinen und Betriebsmitteln.
Es bietet unterschiedliche Prüffunktionen in einem Gerät.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Durchgangsprüfung mit 0,1 A, 0,2 A und 10 A.
- Zwei- und Vierleiter-Durchgangsmessung.
- Messung des Spannungsabfalls ΔU.
- Isolationsprüfung.
- Dielektrische Spannungsprüfung bis 3 kV.
- Prüfung geeigneter Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen.
- Schleifen- und Leitungsimpedanzmessung.
- Weitere elektrische Sicherheitsprüffunktionen.
- Farb-Touchscreen.
- Benutzerdefinierbare automatische Prüfsequenzen.
- Speicherung von bis zu 100.000 Prüfungen.
- USB- und WLAN-Kommunikation.
- PC-Software für Auswertung und Dokumentation.
Der C.A 6161 ist besonders interessant für Maschinenbauer, Instandhaltungsabteilungen und Prüfstellen, die unterschiedliche elektrische Sicherheitsprüfungen mit einem Gerät durchführen möchten.
Für die niederohmige Prüfung lackierter Maschinenbauteile können die unterschiedlichen verfügbaren Prüfströme und Messverfahren hilfreich sein.
Der tatsächlich anzuwendende Prüfstrom muss jedoch immer zum Prüfling und der einschlägigen Prüfvorschrift passen.
Weitere Informationen: C.A 6161 bei ICS Schneider Messtechnik
22.4 Chauvin Arnoux C.A 6240 – Mobiles Micro-Ohmmeter
Der Chauvin Arnoux C.A 6240 ist ein mobiles Präzisions-Widerstandsmessgerät für kleine Widerstände.
Es arbeitet nach dem Vierleiterverfahren.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Vierleiter-Widerstandsmessung.
- Prüfstrom bis 10 A.
- Widerstandsmessbereiche von 400 µΩ bis 400 Ω.
- Maximale Auflösung von 1 µΩ.
- Automatischer Messmodus.
- Speicherung von 100 Messwerten.
- Optische USB-Schnittstelle.
- Software zur Auswertung der Messdaten.
- Akkubetrieb mit NiMH-Akku.
- Schutzart IP53.
- Verfügbares Kelvin-Messzubehör.
Der C.A 6240 eignet sich insbesondere für die genaue Diagnose kleiner Kontakt- und Übergangswiderstände.
Mit geeigneten Kelvin-Prüfspitzen können entsprechende metallische Verbindungsstellen untersucht werden.
Für eine normgerechte Schutzleiterprüfung muss dennoch die Eignung des konkreten Prüfverfahrens überprüft werden.
Die hohe Auflösung ist kein Ersatz für die richtige Auswahl des Strompfads und der Kontaktstelle.
Weitere Informationen: C.A 6240 bei ICS Schneider Messtechnik
22.5 Chauvin Arnoux C.A 6255 – Präzisions-Micro-Ohmmeter
Der Chauvin Arnoux C.A 6255 ist ein Präzisions-Micro-Ohmmeter für die Messung sehr kleiner Widerstände.
Es eignet sich für entsprechende Verbindungs-, Kontakt- und Materialprüfungen.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Vierleiter-Kelvinmessung.
- Widerstandsmessung mit einer Auflösung bis 0,1 µΩ.
- Sieben Messbereiche.
- Drei Messbereiche mit 10 A Prüfstrom.
- Automatische Kompensation bestimmter Störspannungen.
- Unterschiedliche Messmodi für ohmsche und induktive Prüfobjekte.
- Temperaturkompensation für geeignete Vergleichsmessungen.
- Programmierbare Alarme.
- Speicherung von bis zu 1.500 Messwerten.
- PC-Kommunikation.
- Verfügbares Kelvin-Prüfzubehör.
Das C.A 6255 ist besonders interessant für anspruchsvolle Untersuchungen der Qualität metallischer Kontaktstellen.
Durch die Vierleitertechnik können kleine Widerstandsanteile differenziert untersucht werden.
Bei lackierten Schutzleiterverbindungen muss jedoch weiterhin sichergestellt sein, dass die Spannungserfassungspunkte die tatsächlich interessierende Kontaktstelle umfassen.
Ein exakter Mikroohmwert an einem falsch gewählten Messabschnitt besitzt keine ausreichende Aussagekraft über die gesamte Schutzleiterverbindung.
Weitere Informationen: C.A 6255 bei ICS Schneider Messtechnik
22.6 Chauvin Arnoux C.A 6108 – Prüfgerät für elektrische Betriebsmittel
Der Chauvin Arnoux C.A 6108 ist ein Prüfgerät für elektrische Sicherheits- und Wiederholungsprüfungen geeigneter elektrischer Betriebsmittel.
Zu den dokumentierten Eigenschaften gehören:
- Schutzleiterwiderstandsmessung mit 200 mA und 10 A Prüfstrom.
- Prüfung des Isolationswiderstands.
- Verschiedene Ableit- und Berührungsstrommessungen.
- Funktionsprüfung mit Leistungsmessung.
- Automatisierte Prüfabläufe.
- Gut-/Schlecht-Bewertung entsprechend den konfigurierten Vorgaben.
- Identifikation von Prüflingen.
- Speicherung umfangreicher Prüfdaten.
- USB-Schnittstelle.
- Software zur Auswertung und Protokollerstellung.
Der C.A 6108 ist besonders interessant, wenn neben Schutzleiterwiderstandsmessungen weitere vorgeschriebene Geräteprüfungen durchgeführt werden müssen.
Die jeweils ausgewählte Prüfung und der Prüfstrom müssen zur geltenden Prüfnorm passen.
Weitere Informationen: C.A 6108 bei ICS Schneider Messtechnik
22.7 Welche Prüftechnik eignet sich für lackierte Schutzleiteranschlüsse?
Für die Geräteauswahl sollte zunächst festgelegt werden, welche Prüfaussage benötigt wird.
Die folgenden Angaben sind besonders wichtig:
- Art des Prüflings: elektrische Anlage, Maschine oder Betriebsmittel.
- Geltende Prüfnorm.
- Erforderlicher Prüfstrom.
- Vorgesehene Prüfspannung.
- Erwarteter Widerstandsbereich.
- Benötigte Messauflösung.
- Erforderliche Messunsicherheit.
- Zweileiter- oder Vierleiterverfahren.
- Länge der notwendigen Messleitungen.
- Vorhandene Prüf- und Kontaktstellen.
- Art der Beschichtung.
- Konstruktive Ausführung der Schutzleiteranschlüsse.
- Mögliche parallele Strompfade.
- Erforderliche Dokumentation.
- Wiederkehrende oder einmalige Prüfung.
- Vorhandene Prüfgeräte und Zubehör.
- Gegebenenfalls gewünschter Kalibrierumfang.
Auf dieser Grundlage kann die passende Kombination aus Niederohmprüfgerät, Maschinentester oder Präzisions-Micro-Ohmmeter ausgewählt werden.
Elektrische Mess- und Prüfgeräte bei ICS Schneider Messtechnik
23. Fazit: Dauerhafte Kontaktqualität ist wichtiger als ein einzelner Messwert
Die Prüfung niederohmiger Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen gehört zu den wichtigen Aufgaben der elektrischen Sicherheitsprüfung in Maschinenbau, Schaltschrankfertigung und Instandhaltung.
Besonders bei beschichteten Oberflächen kann die elektrische Verbindung durch Lackschichten, Korrosion, ungeeignete Verbindungselemente oder mechanisch instabile Anschlüsse beeinträchtigt werden.
Ein sichtbar angeschlossener grün-gelber Schutzleiter beweist deshalb noch nicht, dass die elektrische Kontaktierung dauerhaft ausreichend niederohmig ist.
Ebenso wenig darf aus einem einzelnen niedrigen Messwert ohne Kenntnis der Messpunkte geschlossen werden, dass alle vorhandenen Schutzleiteranschlussstellen ordnungsgemäß ausgeführt sind.
Ein besonders häufiger Fehler entsteht durch eine ungünstige Prüfspitzenkontaktierung.
Eine scharfe Prüfspitze kann die Lackschicht punktuell durchdringen und dadurch einen niedrigen Widerstand zum darunterliegenden Metall herstellen.
Dieser Messwert beschreibt zunächst den tatsächlich erfassten elektrischen Strompfad. Er ist kein automatischer Nachweis für die Qualität der dauerhaft montierten Schutzleiterkontaktstelle.
Entscheidend ist deshalb die konstruktiv vorgesehene Verbindung.
Eine geeignete Schutzleiteranschlussstelle benötigt eine dauerhaft wirksame elektrische Kontaktierung und eine mechanisch geeignete Befestigung.
Kontaktflächen, Verbindungselemente, Anzugsmomente und Korrosionsschutz müssen aufeinander abgestimmt sein.
Auch die Wahl des Prüfstroms ist wichtig.
Bei vielen Durchgängigkeitsprüfungen werden geeignete Niederohmprüfgeräte mit mindestens 200 mA verwendet.
Bei entsprechenden Maschinenprüfungen nach EN 60204-1 können Prüfströme von mindestens 0,2 A bis ungefähr 10 A vorgesehen sein.
Die konkrete Auswahl muss jedoch zur jeweiligen Prüfvorschrift und zum Prüfling passen.
Ein höherer Prüfstrom ist nicht automatisch die bessere Wahl.
Bei einem erhöhten Übergangswiderstand kann die elektrische Verlustleistung mit dem Quadrat des Prüfstroms ansteigen.
Das Rechenbeispiel zeigt, dass ein hypothetischer Kontaktwiderstand von 450 mΩ bei einem theoretischen Strom von 10 A eine Verlustleistung von 45 W verursachen würde.
Eine solche Berechnung verdeutlicht, weshalb die Prüfbelastung und die mechanische Kontaktqualität zusammen bewertet werden müssen.
Für eine präzise Messung kleiner Widerstände kann die Vierleiter-Kelvinmessung Vorteile bieten.
Sie reduziert den Einfluss von Strommessleitungen und bestimmten Kontaktwiderständen auf die Widerstandsbestimmung.
Allerdings setzt auch sie voraus, dass die Messpunkte richtig gewählt werden und der interessierende Strompfad bekannt ist.
Parallel vorhandene leitfähige Verbindungen können ebenfalls zu scheinbar günstigen Ergebnissen führen.
Ein niedriger Gesamtwiderstand beweist nicht automatisch die Qualität jeder einzelnen parallelen Verbindung.
Die Bewertung muss deshalb sowohl die Messung als auch die vorhandene Verbindungskonstruktion berücksichtigen.
Für die normgerechte Schutzleiterprüfung stehen geeignete Geräte wie der ISO410, der ΩMEGASAFE EP4 oder der Chauvin Arnoux C.A 6161 zur Verfügung.
Für die genauere Untersuchung kleiner Kontaktwiderstände können Micro-Ohmmeter wie das C.A 6240 und C.A 6255 sinnvoll sein.
Die Produktauswahl hängt von Prüfaufgabe, Strombereich, Messauflösung und der erforderlichen Dokumentation ab.
Schließlich muss auch der gemessene Widerstand richtig bewertet werden.
Für Schutzleiter- und Schutzpotentialausgleichsverbindungen existiert keine universelle Widerstandsgrenze, die für alle Maschinen, Anlagen und Betriebsmittel gleichermaßen gilt.
Die Bewertung muss die einschlägige Prüfnorm, Leiterlänge, Querschnitt, Material und die Konstruktion der Verbindung berücksichtigen.
Eine zuverlässige Prüfung verbindet deshalb Sichtprüfung, geeignete Messung, richtige Interpretation und nachvollziehbare Dokumentation.
Die entscheidende Erkenntnis lautet: Bei niederohmigen Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen ist nicht entscheidend, ob eine Prüfspitze irgendwo auf dem Metall einen niedrigen Widerstand erzeugt. Entscheidend ist, ob die vorgesehene Schutzleiterverbindung dauerhaft elektrisch und mechanisch zuverlässig ausgeführt ist. Nur mit einer geeigneten Kontaktstelle, dem passenden Prüfstrom, korrekt gewählten Messpunkten und einer normbezogenen Bewertung lässt sich die Schutzleiterverbindung aussagekräftig prüfen.
24. Häufig gestellte Fragen zu Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen
24.1 Warum können lackierte Bauteile Probleme bei der Schutzleiterprüfung verursachen?
Viele Lack- und Pulverbeschichtungen sind elektrisch isolierend. Befindet sich eine solche Schicht zwischen zwei Kontaktflächen, kann sie den Stromübergang behindern. Eine dauerhaft zuverlässige Schutzleiterverbindung benötigt deshalb eine geeignete Kontaktkonstruktion. Die reine mechanische Befestigung eines Schutzleiters auf einer lackierten Oberfläche ist noch kein Nachweis für ausreichende elektrische Leitfähigkeit.
24.2 Darf ein Schutzleiter direkt auf einer lackierten Oberfläche befestigt werden?
Entscheidend ist die vorgesehene Verbindungskonstruktion. Wenn die elektrische Kontaktierung durch eine geeignete und dafür freigegebene Konstruktion gewährleistet wird, kann auch ein beschichtetes Bauteil entsprechend angeschlossen werden. Eine gewöhnliche Schraubverbindung auf einer isolierenden Lackschicht ist jedoch nicht automatisch elektrisch geeignet. Die Montage muss nach den jeweiligen Hersteller- und Sicherheitsvorgaben erfolgen.
24.3 Warum zeigt die Messung auf Lack einen hohen Widerstand?
Die Lackschicht kann den elektrischen Kontakt zwischen Prüfspitze und Metall verhindern. Der gemessene Widerstand enthält dann nicht nur den eigentlich interessierenden Schutzleiterpfad, sondern auch den ungeeigneten Prüfkontakt. Für eine aussagekräftige Prüfung muss ein geeigneter Messpunkt verwendet werden, der zum vorgesehenen Prüfverfahren passt.
24.4 Ist die Schutzleiterverbindung in Ordnung, wenn ich mit einer scharfen Prüfspitze einen niedrigen Wert messe?
Nicht automatisch. Eine scharfe Prüfspitze kann die Beschichtung durchdringen und dadurch einen eigenen metallischen Kontakt herstellen. Der niedrige Widerstand beschreibt zunächst nur den dadurch erfassten Strompfad. Ob die dauerhaft montierte Schutzleiteranschlussstelle elektrisch und mechanisch zuverlässig ist, muss zusätzlich beurteilt werden.
24.5 Welcher Prüfstrom ist für eine Schutzleiter-Durchgangsprüfung erforderlich?
Das hängt von der Prüfaufgabe und dem anzuwendenden Regelwerk ab. Für entsprechende Durchgängigkeitsprüfungen nach IEC 61557-4 sind Prüfgeräte mit mindestens 200 mA im spezifizierten Messbereich vorgesehen. Bei entsprechenden Maschinenprüfungen nach EN 60204-1 können Prüfströme von mindestens 0,2 A bis ungefähr 10 A relevant sein. Der tatsächlich anzuwendende Wert muss zur konkreten Prüfung passen.
24.6 Muss jede Schutzleiterverbindung mit 10 A geprüft werden?
Nein. Eine allgemeingültige Verpflichtung, sämtliche Schutzleiterverbindungen mit 10 A zu prüfen, besteht nicht. Die erforderlichen Prüfströme unterscheiden sich nach Norm, Prüfling und Prüfverfahren. Ein größerer Strom kann außerdem ungeeignete oder fehlerhafte Kontakte stärker belasten. Deshalb darf ein hoher Prüfstrom nur verwendet werden, wenn das Verfahren und der Prüfling dafür geeignet sind.
24.7 Reicht ein gewöhnliches Multimeter zur Schutzleiterprüfung aus?
Ein gewöhnliches Multimeter kann für eine erste Fehlersuche hilfreich sein. Seine Durchgangsfunktion arbeitet jedoch häufig nicht mit dem für bestimmte Schutzleiterprüfungen geforderten Prüfstrom. Außerdem können Messleitungswiderstände und die begrenzte Messauflösung das Ergebnis beeinflussen. Für einen normgerechten Prüfnachweis muss ein entsprechend geeignetes Prüfgerät verwendet werden.
24.8 Was ist der Unterschied zwischen Zweileiter- und Vierleitermessung?
Bei der Zweileitermessung werden Prüfstrom und Spannungsabfall über dieselben Leitungen geführt beziehungsweise erfasst. Messleitungs- und Kontaktwiderstände können deshalb das Ergebnis beeinflussen. Bei der Vierleiter-Kelvinmessung werden Stromzuführung und Spannungserfassung getrennt. Dadurch lassen sich sehr kleine Widerstände häufig genauer bestimmen. Die korrekte Positionierung der Messkontakte bleibt jedoch entscheidend.
24.9 Wann ist ein Micro-Ohmmeter sinnvoll?
Ein Micro-Ohmmeter ist insbesondere dann sinnvoll, wenn kleine Kontakt- und Übergangswiderstände differenziert untersucht werden sollen. Geeignete Geräte wie der Chauvin Arnoux C.A 6240 oder C.A 6255 arbeiten mit Vierleitertechnik und ermöglichen eine hohe Widerstandsauflösung. Für vorgeschriebene Schutzleiterprüfungen muss dennoch geprüft werden, ob das Gerät und das gewählte Verfahren die jeweiligen normativen Anforderungen erfüllen.
24.10 Warum verändert sich der Widerstand beim Bewegen der Prüfspitze?
Die Bewegung kann die tatsächliche Kontaktfläche, den Anpressdruck oder die Kontaktierung durch eine Beschichtung verändern. Dadurch kann der Übergangswiderstand zwischen Prüfspitze und Bauteil schwanken. Eine solche Abhängigkeit erschwert die Reproduzierbarkeit. Geeignete Messpunkte und passendes Prüfkontaktzubehör können diese Einflüsse reduzieren.
24.11 Darf die Lackschicht unter einem Schutzleiteranschluss entfernt werden?
Ob eine Beschichtung entfernt werden muss oder darf, richtet sich nach der vorgesehenen Anschlusskonstruktion und den Herstellerangaben. Eine metallische Kontaktfläche kann für eine geeignete elektrische Verbindung erforderlich sein. Gleichzeitig müssen Korrosionsschutz und mechanische Eigenschaften erhalten bleiben. Deshalb darf eine Kontaktstelle nicht beliebig und ohne Berücksichtigung der Montagevorgaben bearbeitet werden.
24.12 Reicht eine Zahnscheibe aus, um den Schutzleiterkontakt sicherzustellen?
Nicht generell. Eine geeignete Kontakt- oder Zahnscheibe kann Teil einer dafür vorgesehenen elektrischen Verbindungskonstruktion sein. Die Wirksamkeit hängt jedoch unter anderem von Material, Beschichtung, Schraubverbindung und Anpressbedingungen ab. Eine beliebige Zahnscheibe gewährleistet nicht automatisch eine dauerhaft zuverlässige Schutzleiterverbindung.
24.13 Welcher Schutzleiterwiderstand ist maximal zulässig?
Es gibt keinen einzelnen Widerstandswert, der für sämtliche Schutzleiterverbindungen an Maschinen, elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln gilt. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen und die konkrete Konstruktion. Bei der Bewertung müssen unter anderem Leiterlänge, Querschnitt, Material und Übergangswiderstände berücksichtigt werden. Pauschale Werte wie 0,1 Ω oder 0,3 Ω dürfen nicht ohne Bezug zur jeweiligen Prüfanforderung verwendet werden.
24.14 Können parallele Metallverbindungen einen Fehler verdecken?
Ja. Wenn zwischen zwei Messpunkten mehrere leitfähige Strompfade vorhanden sind, kann der gemessene Gesamtwiderstand deutlich kleiner als der Widerstand einer einzelnen fehlerhaften Verbindung sein. Ein niedriger Gesamtwert belegt deshalb nicht automatisch die Qualität jeder einzelnen Anschlussstelle. Die notwendige Bewertung hängt vom Prüfziel und dem vorhandenen Schutzleiterkonzept ab.
24.15 Muss eine lackierte Schaltschranktür einen eigenen Schutzleiter besitzen?
Die erforderliche Schutzleiter- beziehungsweise Schutzpotentialausgleichsverbindung hängt von der Konstruktion, der elektrischen Ausstattung und dem anzuwendenden Regelwerk ab. Türbänder dürfen nicht ohne entsprechenden Nachweis automatisch als ausreichend leitfähige Schutzverbindung angenommen werden. Wo eine separate Verbindung erforderlich ist, muss sie für die mechanischen Bewegungen der Tür geeignet sein.
24.16 Warum muss der Messleitungswiderstand kompensiert werden?
Bei kleinen Schutzleiterwiderständen kann der Widerstand langer Messleitungen einen erheblichen Anteil des angezeigten Ergebnisses ausmachen. Eine geeignete Leitungskompensation reduziert diesen Einfluss. Sie ersetzt jedoch nicht die richtige Messpunktwahl und beseitigt keine wechselnden Kontaktwiderstände an ungeeigneten Prüfspitzen.
24.17 Welche Normen sind für die Schutzleiterprüfung relevant?
Je nach Prüfaufgabe sind insbesondere DIN VDE 0100-600 für elektrische Anlagen, EN 60204-1 für die elektrische Ausrüstung von Maschinen und IEC 61557-4 für entsprechende Widerstandsmessgeräte relevant. Bei Prüfungen elektrischer Betriebsmittel können weitere Vorschriften und Prüfgrundlagen gelten. Die passende Norm muss vor der Prüfung anhand des konkreten Prüflings bestimmt werden.
24.18 Welches Prüfgerät eignet sich für Schutzleiterverbindungen an lackierten Bauteilen?
Für entsprechende 200-mA-Durchgängigkeitsprüfungen kommen beispielsweise der ISO410 oder der ΩMEGASAFE EP4 infrage. Für umfassendere Maschinenprüfungen bietet der Chauvin Arnoux C.A 6161 verschiedene Prüfstrom- und Messfunktionen. Zur genaueren Untersuchung sehr kleiner Kontaktwiderstände stehen die Micro-Ohmmeter C.A 6240 und C.A 6255 zur Verfügung. Die Auswahl muss nach geltendem Prüfverfahren, erforderlichem Prüfstrom, Messbereich und Dokumentationsanforderungen erfolgen.
