Bypass-Füllstandsanzeiger auslegen: Einbaulänge, Dichte und Prozessanschlüsse richtig festlegen

Bypass Niveaustandsanzeiger am Tank mit korrektem Anschlussabstand
→ Produktkategorie: WIKA KSR Kübler Füllstandstechnik

 

Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger wird passend zum Behälter bestellt, montiert und in Betrieb genommen – trotzdem beginnt die Anzeige erst deutlich oberhalb des Tankbodens oder erreicht den erwarteten Maximalfüllstand nicht. In einem anderen Fall zeigt der Schwimmer dauerhaft einige Zentimeter versetzt zum tatsächlichen Flüssigkeitsspiegel an. Solche Abweichungen entstehen häufig nicht durch einen Defekt des Anzeigers, sondern durch eine unvollständige oder falsche Auslegung der Messstelle.

Bei einem Bypass-Füllstandsanzeiger müssen Behältergeometrie, Anschlusspositionen und Prozessbedingungen bereits vor der Fertigung bekannt sein. Besonders wichtig sind das Mitte-Mitte-Maß der Prozessanschlüsse, der gewünschte sichtbare Messbereich, die Flüssigkeitsdichte bei Betriebstemperatur, Prozessdruck und -temperatur sowie Werkstoffe und Anschlussausführung.

Auch der Schwimmer ist kein universelles Bauteil. Sein Auftrieb hängt unmittelbar von der Dichte des Mediums ab. Sinkt die Flüssigkeitsdichte bei hoher Prozesstemperatur deutlich gegenüber dem Datenblattwert bei Raumtemperatur, taucht derselbe Schwimmer tiefer ein. Im ungünstigen Fall stimmt die Position des Magnetsystems nicht mehr mit der vorgesehenen Anzeige überein oder der Schwimmer besitzt nicht mehr genügend Auftriebsreserve.

Hinzu kommen konstruktive Totbereiche oberhalb und unterhalb der Prozessanschlüsse. Deshalb sind Anschlussabstand, Gesamtlänge des Bypassrohres und tatsächlich nutzbarer Anzeigebereich nicht automatisch identisch.

Geeignete Geräte finden Sie bei ICS Schneider unter WIKA KSR Kübler Füllstandstechnik. Eine Übersicht weiterer Messprinzipien und Geräte finden Sie unter Füllstandmesstechnik.

Wie funktioniert ein Bypass-Niveaustandsanzeiger?

Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger besteht im Wesentlichen aus einer seitlich am Behälter montierten Bypasskammer. Diese ist über mindestens einen unteren und einen oberen Prozessanschluss mit dem Behälter verbunden.

Behälter und Bypass bilden damit nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße ein zusammenhängendes Flüssigkeitssystem. Unter geeigneten Bedingungen stellt sich im Bypass ein Flüssigkeitsstand ein, der dem Füllstand im Behälter entspricht.

In der Bypasskammer befindet sich ein Schwimmer. Dieser enthält ein permanentes Magnetsystem und folgt dem Flüssigkeitsstand.

Das Magnetfeld wirkt durch die Wand der Bypasskammer hindurch auf eine außen angebrachte Magnetanzeige. Dadurch kann der Füllstand sichtbar dargestellt werden, ohne dass die Anzeige selbst mit dem Prozessmedium in Berührung kommt.

Das Prinzip bietet mehrere praktische Vorteile:

  • direkte Vor-Ort-Anzeige des Füllstands,
  • Anzeige ohne elektrische Hilfsenergie möglich,
  • Magnetanzeige vom Prozessmedium getrennt,
  • optionale Ergänzung durch Transmitter,
  • optionale Grenzwertüberwachung durch Magnetschalter.

Damit das Prinzip zuverlässig funktioniert, muss allerdings die komplette Messkammer auf den Behälter und das Medium abgestimmt sein.

Warum das Mitte-Mitte-Maß so wichtig ist

Eine der wichtigsten Angaben bei der Bestellung eines Bypass-Niveaustandsanzeigers ist das sogenannte Mitte-Mitte-Maß.

Damit ist üblicherweise der vertikale Abstand zwischen der Mittelachse des unteren und der Mittelachse des oberen Prozessanschlusses gemeint.

Dieses Maß sollte direkt aus der tatsächlichen Behälterkonstruktion beziehungsweise einer freigegebenen Zeichnung übernommen werden.

Problematisch ist beispielsweise die Anfrage:

„Behälterhöhe 2.000 mm, bitte Bypassanzeiger 2.000 mm lang.“

Die Behälterhöhe sagt noch nichts darüber aus, auf welchen Höhen sich die beiden Anschlussstutzen befinden.

Ein Behälter kann beispielsweise:

  • einen gewölbten Boden besitzen,
  • einen Klöpperboden besitzen,
  • oben einen gewölbten Deckel besitzen,
  • auf einem Sockel stehen,
  • Prozessanschlüsse besitzen, die deutlich oberhalb beziehungsweise unterhalb des gewünschten Messbereichs liegen.

Für die Fertigung des Bypassanzeigers ist deshalb nicht die gesamte Behälterhöhe entscheidend, sondern die tatsächliche geometrische Position der Prozessanschlüsse.

Anschlussabstand, Anzeigebereich und Gesamtlänge unterscheiden

Drei Maße werden bei Bypassanzeigen häufig miteinander verwechselt:

Begriff Bedeutung
Mitte-Mitte-Maß Vertikaler Abstand zwischen den Achsen der oberen und unteren Prozessanschlüsse
Anzeigebereich Bereich, in dem der Schwimmer beziehungsweise die Magnetanzeige den Füllstand tatsächlich darstellen kann
Gesamtlänge Mechanische Gesamthöhe der Bypasskammer einschließlich oberer und unterer Verlängerungen beziehungsweise Abschlüsse

Diese drei Maße sind normalerweise nicht identisch.

Die Bypasskammer benötigt unterhalb und oberhalb des eigentlichen Anschlussbereiches konstruktiven Raum für:

  • den Schwimmer,
  • Schwimmeranschläge,
  • unteren Kammerabschluss,
  • Entleerungsarmaturen,
  • oberen Abschluss beziehungsweise Entlüftung.

Deshalb darf der gewünschte Messbereich nicht einfach mit der mechanischen Gesamtlänge gleichgesetzt werden.

Bei einer Anfrage sollte möglichst eindeutig angegeben werden:

„Unterer Anschluss Mitte = 0 mm, oberer Anschluss Mitte = 1.500 mm, gewünschter sichtbarer Füllstandsbereich von … bis …“

Noch besser ist eine Behälterzeichnung mit eindeutig definierten Bezugshöhen.

Warum obere und untere Totzonen entstehen

Der Schwimmer besitzt eine reale mechanische Länge. Sein Magnetsystem befindet sich an einer definierten Position innerhalb des Schwimmers.

Der Schwimmer kann deshalb nicht beliebig weit bis an das untere oder obere Ende der Bypasskammer fahren.

Dadurch entstehen konstruktiv bedingte Bereiche, die häufig als Totzonen beziehungsweise nicht vollständig erfassbare Bereiche betrachtet werden müssen.

Am unteren Ende benötigt der Schwimmer beispielsweise Raum, damit er bei leerem Behälter nicht auf Armaturen oder den Kammerabschluss trifft.

Am oberen Ende muss ebenfalls genügend mechanischer Freiraum vorhanden sein.

Für die Anlagenplanung bedeutet dies:

Wenn der Bediener tatsächlich den Bereich von 0 bis 100 % eines Behälters sehen soll, müssen die Prozessanschlüsse und die Bypasskammer so ausgelegt werden, dass die Schwimmerbewegung diesen Bereich technisch abdecken kann.

Ein Anschluss direkt auf Höhe des gewünschten 0-%-Punktes bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Magnetanzeige bereits exakt an dieser Stelle beginnen kann.

Die erforderlichen oberen und unteren Überstände hängen von der konkreten Geräte- und Schwimmerausführung ab und sollten daher nicht pauschal festgelegt werden.

Warum die Flüssigkeitsdichte den Schwimmer bestimmt

Der Schwimmer folgt dem Flüssigkeitsstand aufgrund des archimedischen Auftriebs.

Der Auftrieb lässt sich vereinfacht beschreiben durch:

FA = ρ · g · Vverdrängt

Dabei ist:

  • FA = Auftriebskraft,
  • ρ = Dichte der Flüssigkeit,
  • g = Erdbeschleunigung,
  • Vverdrängt = vom Schwimmer verdrängtes Flüssigkeitsvolumen.

Im stabilen Schwimmzustand entspricht die Auftriebskraft näherungsweise der Gewichtskraft des Schwimmers.

Sinkt die Flüssigkeitsdichte, muss der Schwimmer deshalb mehr Volumen verdrängen und taucht entsprechend tiefer ein.

Bei höherer Flüssigkeitsdichte taucht er weniger tief ein.

Das hat zwei Konsequenzen:

  1. Der Schwimmer muss für die Mindestdichte des Mediums ausreichend Auftrieb besitzen.
  2. Die Lage des Magnetsystems relativ zur tatsächlichen Flüssigkeitsoberfläche hängt von der Schwimmerauslegung ab.

Die Angabe „Schwimmer für Wasser“ reicht deshalb nicht aus, wenn später beispielsweise ein Kohlenwasserstoff mit deutlich geringerer Dichte gemessen werden soll.

Dichte immer bei realer Prozesstemperatur betrachten

Ein besonders häufiger Auslegungsfehler besteht darin, die Dichte aus einem Sicherheitsdatenblatt oder Werkstoffdatenblatt bei Raumtemperatur zu übernehmen, obwohl der Prozess bei deutlich höherer Temperatur arbeitet.

Die Dichte vieler Flüssigkeiten nimmt mit steigender Temperatur ab.

Beispiel:

Ein Medium besitzt bei 20 °C eine Dichte von 820 kg/m³. Der Behälter arbeitet jedoch dauerhaft bei 160 °C. Für die Schwimmerauslegung ist nicht automatisch der Wert von 820 kg/m³ entscheidend, sondern die tatsächliche beziehungsweise minimale Dichte unter den relevanten Betriebsbedingungen.

Bei wechselnden Betriebszuständen sollten deshalb betrachtet werden:

  • minimale Prozesstemperatur,
  • normale Betriebstemperatur,
  • maximale Prozesstemperatur,
  • zugehörige minimale und maximale Dichte.

Für die Schwimmerauslegung ist insbesondere der Zustand mit der geringsten zu erwartenden Flüssigkeitsdichte kritisch.

Bei unbekannten Dichtewerten sollte daher nicht geschätzt werden. Besser ist eine belastbare Stoffdatenangabe für den realen Prozesszustand.

Druck und Temperatur bei der Schwimmerauslegung

Neben der Dichte beeinflussen auch Druck und Temperatur die Schwimmerauswahl.

Ein Schwimmer ist ein geschlossenes mechanisches Bauteil, das im Prozessdruck betrieben wird. Seine Wandung muss deshalb für die jeweilige Druck- und Temperaturbelastung geeignet sein.

Ein Schwimmer für einen atmosphärischen Wassertank ist nicht automatisch für eine Hochdruckanwendung geeignet.

Bei der Auslegung müssen deshalb mindestens bekannt sein:

  • minimaler Betriebsdruck,
  • normaler Betriebsdruck,
  • maximal zulässiger Betriebsdruck,
  • minimale Temperatur,
  • normale Betriebstemperatur,
  • maximale Temperatur,
  • Dichte bei den relevanten Temperaturen.

Auch Vakuumbetrieb sollte ausdrücklich angegeben werden.

Die Schwimmerauslegung ist damit immer eine gemeinsame Betrachtung von:

Dichte + Druck + Temperatur + chemischer Beständigkeit.

Besonderheiten bei Trennschichtmessungen

Bypasssysteme können in geeigneten Ausführungen auch zur Anzeige einer Trennschicht zwischen zwei Flüssigkeiten verwendet werden.

Das ist jedoch eine andere Auslegungsaufgabe als eine einfache Füllstandsmessung.

Hier müssen mindestens bekannt sein:

  • Dichte der oberen Flüssigkeit,
  • Dichte der unteren Flüssigkeit,
  • Dichten bei Prozesstemperatur,
  • Temperaturbereich,
  • Prozessdruck,
  • chemische Eigenschaften beider Medien.

Der Schwimmer muss so ausgelegt werden, dass er sich an der gewünschten Trennschicht stabil positioniert.

Ein normaler Füllstandsschwimmer sollte deshalb nicht ohne Prüfung für eine Interface-Messung eingesetzt werden.

Auch Emulsionen oder schlecht definierte Übergangsschichten können die Aussagekraft einer solchen Messung einschränken.

Obere und untere Prozessanschlüsse richtig festlegen

Der Bypassanzeiger benötigt eine hydraulische Verbindung zum Behälter.

Typische Prozessanschlüsse sind beispielsweise:

  • Flanschanschlüsse,
  • Gewindeanschlüsse,
  • Schweißstutzen.

Die Anschlussauswahl richtet sich unter anderem nach:

  • Prozessdruck,
  • Temperatur,
  • Medium,
  • Rohrleitungsstandard,
  • Behälterkonstruktion,
  • Wartungsanforderungen.

Der untere Anschluss

Über den unteren Anschluss gelangt das Flüssigkeitsmedium aus dem Behälter in die Bypasskammer.

Der Anschluss sollte so positioniert und dimensioniert sein, dass ein zuverlässiger Druck- und Flüssigkeitsausgleich stattfinden kann.

Bei viskosen, verschmutzten oder feststoffhaltigen Medien kann ein sehr kleiner Anschluss die Reaktionszeit der Anzeige deutlich verlängern oder sich zusetzen.

Der obere Anschluss

Der obere Anschluss stellt bei einem geschlossenen Behälter den Druckausgleich zwischen Gasraum des Behälters und Bypasskammer sicher.

Ist dieser Anschluss blockiert oder unbeabsichtigt abgesperrt, kann sich in der Bypasskammer ein abweichender Gasdruck aufbauen beziehungsweise einschließen.

Dann funktioniert das Prinzip der kommunizierenden Gefäße nicht mehr unter den vorgesehenen Bedingungen.

Bei der Fehlersuche sollten daher grundsätzlich beide Prozessanschlüsse kontrolliert werden.

Entlüftung und Entleerung einplanen

Für Inbetriebnahme und Wartung sind Entlüftungs- und Entleerungsmöglichkeiten sehr hilfreich und je nach Anwendung erforderlich.

Entlüftung oben

Eine Entlüftungsmöglichkeit am oberen Ende kann beispielsweise genutzt werden, um bei der Inbetriebnahme eingeschlossene Gase kontrolliert zu entfernen.

Entleerung unten

Eine untere Entleerung kann sinnvoll sein für:

  • vollständiges Entleeren der Bypasskammer,
  • Spülen,
  • Entfernen von Ablagerungen,
  • Wartungsarbeiten.

Bei heißen, giftigen, brennbaren oder unter Druck stehenden Medien müssen Entlüftung und Entleerung selbstverständlich entsprechend der Anlagen- und Sicherheitsplanung ausgeführt werden.

Bei verschmutzenden Medien sollte bereits während der Konstruktion berücksichtigt werden, wie die Bypasskammer später gereinigt werden kann.

Einfluss von Viskosität und Verschmutzung

Das Funktionsprinzip eines Bypassanzeigers setzt voraus, dass sich der Flüssigkeitsstand in der Bypasskammer ausreichend schnell an den Behälterfüllstand angleichen kann und der Schwimmer frei beweglich bleibt.

Bei hochviskosen Medien kann dieser Ausgleich deutlich langsamer erfolgen.

Problematisch können außerdem sein:

  • klebrige Medien,
  • Harze,
  • kristallisierende Produkte,
  • Schlämme,
  • Feststoffpartikel,
  • Polymerisation,
  • Produktablagerungen.

Ein schwergängiger Schwimmer kann dazu führen, dass die Anzeige nach einer Füllstandsänderung zunächst stehen bleibt und anschließend sprunghaft nachläuft.

Eine verengte oder zugesetzte Prozessverbindung kann dagegen bewirken, dass sich der Flüssigkeitsstand in der Bypasskammer nur verzögert anpasst.

Bei problematischen Medien sollten daher Anschlussquerschnitte, Kammerdurchmesser, Reinigungsmöglichkeiten und gegebenenfalls alternative Messprinzipien frühzeitig geprüft werden.

Werkstoffe und chemische Beständigkeit

Alle messstoffberührten Komponenten müssen zum Prozessmedium passen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Bypasskammer,
  • Schwimmer,
  • Prozessanschlüsse,
  • Dichtungen,
  • Ventile und Armaturen.

Die Auswahl sollte nicht nur nach dem normalen Medium erfolgen. Zu berücksichtigen sind gegebenenfalls auch:

  • Reinigungsmedien,
  • Spülchemikalien,
  • Temperaturspitzen,
  • Anfahr- und Abfahrzustände,
  • mögliche Verunreinigungen.

Ein Werkstoff, der bei Raumtemperatur chemisch geeignet ist, muss nicht automatisch bei erhöhter Temperatur dieselbe Beständigkeit besitzen.

Bei korrosiven Medien sollte deshalb eine belastbare Werkstoffprüfung Teil der Messstellenauslegung sein.

Wie Schwimmer und Magnetanzeige zusammenarbeiten

Der Schwimmer enthält ein Dauermagnetsystem. Beim Steigen und Fallen des Schwimmers bewegt sich dieses Magnetfeld entlang der Bypasskammer.

Die außen montierte Magnetanzeige wird dadurch berührungslos betätigt.

Die Anzeige benötigt deshalb keine mechanische Durchführung durch die Druckgrenze der Bypasskammer.

Wenn die Anzeige an einer Stelle scheinbar „hängen bleibt“, kommen mehrere Ursachen infrage:

  • Schwimmer selbst bewegt sich nicht frei,
  • Magnetanzeige wurde mechanisch beschädigt,
  • Anzeigeelemente wurden durch ein starkes externes Magnetfeld beeinflusst,
  • Schwimmer wurde falsch herum eingesetzt, sofern die Konstruktion eine definierte Orientierung verlangt,
  • Magnetanzeige und Schwimmerausführung passen nicht zusammen.

Bei einer Wartung sollte deshalb nicht nur die außenliegende Anzeige betrachtet werden. Entscheidend ist zunächst, ob sich der Schwimmer in der Kammer tatsächlich entsprechend dem Flüssigkeitsstand bewegt.

Transmitter und Magnetschalter ergänzen

Eine reine Magnetanzeige liefert eine direkte Vor-Ort-Information. Häufig soll der Füllstand zusätzlich in einer SPS oder einem Leitsystem verarbeitet werden.

Bypass-Niveaustandsanzeiger können deshalb je nach Ausführung durch externe Messwertgeber beziehungsweise Füllstandstransmitter ergänzt werden.

Der Vorteil besteht darin, dass der Schwimmer gleichzeitig für:

  • lokale Sichtanzeige,
  • kontinuierliche elektrische Füllstandserfassung,
  • Grenzwertsignale

genutzt werden kann.

Magnetschalter

Extern montierte Magnetschalter können beispielsweise folgende Funktionen übernehmen:

  • Minimalalarm,
  • Maximalalarm,
  • Pumpenfreigabe,
  • Überfüllschutz innerhalb des jeweils zulässigen Messkonzeptes.

Die mechanische Position eines Magnetschalters muss dabei auf die tatsächliche Magnetposition des Schwimmers bezogen werden.

Nach Montage beziehungsweise Veränderung der Schaltposition sollte die Funktion deshalb mit einem realen Füllstandswechsel beziehungsweise nach dem vorgesehenen Prüfverfahren kontrolliert werden.

Isolation und Temperaturunterschiede zwischen Tank und Bypass

Bei heißen oder sehr kalten Medien kann ein weiterer Effekt entstehen: Der Bypass besitzt eine deutlich andere Temperatur als der eigentliche Behälter.

Das ist nicht nur für die Viskosität relevant. Auch die Dichte des Mediums kann sich dadurch unterscheiden.

Wenn das Medium im Bypass deutlich stärker abkühlt als im Tank, kann seine Dichte in der Bypasskammer größer sein als im Behälter.

Für den hydrostatischen Druck gilt vereinfacht:

p = ρ · g · h

Bei gleichem Druck am unteren Anschluss können unterschiedliche mittlere Flüssigkeitsdichten daher zu unterschiedlichen Flüssigkeitshöhen führen.

Vereinfacht gilt bei gleichen Gasdrücken:

ρTank · hTank ≈ ρBypass · hBypass

Ist die Flüssigkeit im Bypass deutlich dichter als im Behälter, kann der Flüssigkeitsstand im Bypass entsprechend niedriger liegen.

Dieser Effekt ist insbesondere interessant bei:

  • sehr heißen Flüssigkeiten,
  • großen Bypasslängen,
  • stark temperaturabhängiger Dichte,
  • nicht isolierten Bypasskammern an isolierten Behältern.

Abhängig von Anwendung und Prozess kann deshalb eine passende Isolation oder Temperaturführung des Bypasssystems sinnvoll sein.

Eine Isolation sollte jedoch immer zur konkreten Ausführung passen. Magnetanzeige, Transmitter und Schalter dürfen nicht unzulässig thermisch belastet oder vollständig verdeckt werden.

Senkrechte Montage und spannungsfreie Anschlüsse

Ein Schwimmer muss sich innerhalb der Bypasskammer frei auf und ab bewegen können.

Die Bypasskammer sollte deshalb entsprechend den Herstellervorgaben montiert und ausgerichtet werden.

Eine deutlich schiefe Montage kann dazu führen, dass der Schwimmer:

  • verstärkt an der Rohrwand anliegt,
  • mehr Reibung erfährt,
  • bei verschmutzenden Medien leichter hängen bleibt.

Ebenso problematisch ist es, einen nicht exakt passenden Anschlussabstand durch mechanisches Verspannen der Bypasskammer auszugleichen.

Die Prozessanschlüsse sollten fluchten und die Montage sollte spannungsfrei erfolgen.

Wenn der Anschlussabstand am Behälter nicht dem bestellten Mitte-Mitte-Maß entspricht, ist eine konstruktive Korrektur besser als das gewaltsame Ausrichten des Geräts.

Typische Fehlerbilder bei Bypass-Niveaustandsanzeigern

Beobachtung Mögliche Ursache Sinnvolle Prüfung
Anzeige beginnt deutlich oberhalb des gewünschten 0-%-Punktes Untere Totzone oder falsche Anschlussposition Unteres Anschlussmaß, Schwimmerlänge und tatsächlichen Anzeigebereich prüfen
100 % Tankfüllstand wird nicht vollständig angezeigt Oberer Anschluss beziehungsweise nutzbarer Schwimmerweg zu niedrig Mitte-Mitte-Maß und obere Totzone prüfen
Anzeige besitzt einen konstanten Höhenversatz Schwimmer nicht für reale Flüssigkeitsdichte ausgelegt Dichte bei Betriebstemperatur mit Schwimmerauslegung vergleichen
Schwimmer sinkt beziehungsweise bleibt unten Dichte zu gering, Schwimmer beschädigt oder mit Medium gefüllt Schwimmerausführung, Mindestdichte und mechanischen Zustand prüfen
Anzeige reagiert stark verzögert Viskoses Medium oder eingeschränkter Prozessanschluss Obere und untere Verbindung auf freien Durchgang prüfen
Anzeige springt plötzlich mehrere Zentimeter Schwimmer haftet durch Ablagerungen und löst sich anschließend Bypasskammer und Schwimmer reinigen beziehungsweise inspizieren
Anzeige stimmt kalt, aber nicht bei heißem Betrieb Dichteänderung oder Temperaturunterschied zwischen Tank und Bypass Prozessdichte und Temperaturverteilung prüfen
Nach Wartung keine plausible Anzeige Schwimmer fehlt, wurde falsch eingebaut oder ist blockiert Schwimmer und Magnetorientierung entsprechend Geräteausführung kontrollieren
Bypass zeigt anderen Stand als Sichtglas oder Referenzmessung Verstopfter Anschluss, eingeschlossener Druck oder Temperatur-/Dichteunterschied Beide Prozessverbindungen sowie Temperaturbedingungen prüfen
Füllstandstransmitter stimmt nicht mit Magnetanzeige überein Skalierung, Montageposition oder magnetische Zuordnung fehlerhaft Mechanische Anzeige und elektrisches Ausgangssignal getrennt prüfen

Welche Daten für eine korrekte Auslegung benötigt werden

Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger sollte möglichst nicht nur mit der Angabe „Behälter 2 Meter hoch“ angefragt werden.

Für eine belastbare Auswahl sind folgende Angaben sinnvoll:

  1. Medium: eindeutige Bezeichnung und gegebenenfalls chemische Zusammensetzung.
  2. Dichte: insbesondere minimale Dichte unter realen Betriebsbedingungen.
  3. Temperatur: Minimum, normaler Betrieb und Maximum.
  4. Druck: Minimum beziehungsweise Vakuum, Betriebsdruck und maximaler Druck.
  5. Viskosität: besonders bei zähen Medien.
  6. Mitte-Mitte-Maß: Abstand zwischen unterem und oberem Prozessanschluss.
  7. Gewünschter Messbereich: tatsächlicher 0-%- und 100-%-Punkt.
  8. Prozessanschlüsse: Flansch, Gewinde oder Schweißanschluss einschließlich Nennweite und Druckstufe.
  9. Werkstoffe: Anforderungen an Kammer, Schwimmer und Dichtungen.
  10. Entlüftung und Entleerung: gewünschte Anschlüsse beziehungsweise Armaturen.
  11. Vor-Ort-Anzeige: Magnetanzeige und gegebenenfalls Skala.
  12. Elektrisches Signal: falls zusätzlich ein Füllstandstransmitter benötigt wird.
  13. Grenzkontakte: Anzahl und gewünschte Schaltpunkte.
  14. Ex-Anforderungen: sofern die Messstelle in einem explosionsgefährdeten Bereich liegt.
  15. Isolation: falls eine thermische Isolation oder Sonderausführung erforderlich ist.
  16. Behälterzeichnung: möglichst mit Anschlusspositionen und Bezugshöhen.

Je vollständiger diese Informationen vorliegen, desto geringer ist das Risiko, dass ein mechanisch passender Bypassanzeiger später messtechnisch nicht zur Anwendung passt.

Systematische Fehlersuche bei falscher Anzeige

Wenn ein vorhandener Bypassanzeiger einen unplausiblen Füllstand zeigt, sollte nicht sofort der Schwimmer ausgetauscht werden.

Ein sinnvoller Prüfablauf ist:

  1. Referenzfüllstand prüfen: Ist sicher bekannt, dass der angebliche Tankfüllstand korrekt ist?
  2. Unteres Anschlussventil prüfen: Ist der Flüssigkeitsweg vollständig geöffnet?
  3. Oberes Anschlussventil prüfen: Kann der Gasdruck korrekt ausgeglichen werden?
  4. Leitungen und Stutzen prüfen: Gibt es Ablagerungen oder Verstopfungen?
  5. Mitte-Mitte-Maß kontrollieren: Entspricht die reale Montage der ursprünglichen Auslegung?
  6. Schwimmer prüfen: Richtiger Typ, frei beweglich und mechanisch unbeschädigt?
  7. Dichte kontrollieren: Stimmt die reale Prozessdichte mit der Auslegungsdichte überein?
  8. Temperatur berücksichtigen: Welche Dichte besitzt das Medium tatsächlich im Betrieb?
  9. Tank- und Bypasstemperatur vergleichen: Gibt es starke Temperaturunterschiede?
  10. Magnetanzeige prüfen: Folgt die Anzeige einem manuell beziehungsweise kontrolliert bewegten Schwimmer korrekt?
  11. Transmitter separat prüfen: Falls vorhanden, elektrisches Signal und Skalierung mit der mechanischen Anzeige vergleichen.
  12. Erst danach Komponenten austauschen: Ursache gezielt eingrenzen.

Dieser Ablauf hilft dabei, zwischen einem tatsächlichen Gerätefehler und einer ungeeigneten Auslegung beziehungsweise veränderten Prozessbedingung zu unterscheiden.

Praxisbeispiel: Anzeige stimmt nach Behälterumbau nicht mehr

In einer chemischen Anlage wird ein Behälter mit einem Bypass-Niveaustandsanzeiger überwacht. Der vorhandene Anzeiger funktionierte über mehrere Jahre problemlos.

Im Rahmen eines Anlagenumbaus wird der Behälter ersetzt. Der neue Tank besitzt ungefähr dasselbe Volumen und dieselbe Gesamthöhe. Der vorhandene Bypassanzeiger wird deshalb weiterverwendet.

Nach der Inbetriebnahme zeigt die Magnetanzeige jedoch bereits „leer“, obwohl sich noch eine relevante Flüssigkeitsmenge im Behälter befindet. Gleichzeitig wird der obere Bereich des Tanks nie vollständig auf der Anzeige erreicht.

Schritt 1: Sensorfunktion prüfen

Schwimmer und Magnetanzeige werden kontrolliert. Beide arbeiten mechanisch einwandfrei.

Schritt 2: Behälterzeichnungen vergleichen

Die Zeichnungen zeigen, dass beim neuen Behälter der untere Anschluss rund 120 mm höher und der obere Anschluss etwa 80 mm tiefer sitzt als beim alten Tank.

Das tatsächliche Mitte-Mitte-Maß und damit der hydraulisch erfassbare Bereich haben sich also deutlich verkleinert.

Schritt 3: Totbereiche berücksichtigen

Zusätzlich benötigt der Schwimmer an beiden Enden konstruktiven Bewegungsraum. Der tatsächlich nutzbare Anzeigebereich ist deshalb noch kleiner als der reine Anschlussabstand.

Schritt 4: Prozessdaten erneut prüfen

Bei der Prüfung fällt zusätzlich auf, dass das Medium heute bei einer höheren Betriebstemperatur gefahren wird als bei der ursprünglichen Auslegung. Die Flüssigkeitsdichte ist dadurch geringer.

Schritt 5: neue Auslegung

Für den neuen Behälter wird deshalb ein Bypassanzeiger mit passendem Anschlussabstand, geeignetem oberen und unteren Überstand sowie einem auf die minimale Betriebsdichte abgestimmten Schwimmer ausgelegt.

Ergebnis: Der alte Bypassanzeiger war nicht defekt. Behältergeometrie und Prozessbedingungen hatten sich geändert, sodass die ursprüngliche Auslegung nicht mehr passte.

Das Beispiel zeigt: Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger ist ein prozess- und behälterspezifisch ausgelegtes Messsystem und kein beliebig austauschbares Standardrohr gleicher Länge.

Passende WIKA KSR Kübler Produkte für Bypass-Füllstandsmessungen

WIKA Typ BNA – Bypass-Niveaustandsanzeiger mit Magnetanzeige

Der WIKA Typ BNA ist für die kontinuierliche Füllstandsanzeige an Behältern vorgesehen.

Die Bypasskammer wird über mindestens zwei Prozessanschlüsse seitlich mit dem Behälter verbunden. Ein Schwimmer mit integriertem Magnetsystem folgt dem Flüssigkeitsstand und überträgt seine Position berührungslos auf die außenliegende Magnetanzeige.

Die Baureihe wird prozess- und anwendungsspezifisch gefertigt und ermöglicht unterschiedliche:

  • Prozessanschlüsse,
  • Werkstoffe,
  • Schwimmerausführungen,
  • Druck- und Temperaturbereiche,
  • Magnetanzeigen,
  • optionale Füllstandstransmitter,
  • optionale Magnetschalter.

Für die Baureihe werden abhängig von der konkreten Ausführung Einsatzmöglichkeiten von Vakuum bis 400 bar, Temperaturen von -196 °C bis +450 °C sowie Flüssigkeitsdichten ab 340 kg/m³ angegeben.

Diese Werte sind als Grenzen der Produktfamilie zu verstehen. Die konkrete Ausführung muss für die tatsächliche Kombination aus Druck, Temperatur, Dichte, Medium und Werkstoff separat festgelegt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter WIKA KSR Kübler Niveaustandsanzeiger bei ICS Schneider.

WIKA BFT – Schwimmer für Bypass-Niveaustandsanzeiger

Der WIKA Typ BFT ist ein Schwimmer für Bypass-Niveaustandsanzeiger. Das integrierte Magnetsystem überträgt die Schwimmerposition berührungslos auf außen montierte Anzeigen, Schalter und Messwertgeber.

Für die Auswahl sind insbesondere drei physikalische Größen entscheidend:

  • Druck,
  • Temperatur,
  • Dichte.

Hinzu kommt die chemische Beständigkeit gegenüber dem Medium.

Genau deshalb sollte bei einem Ersatzschwimmer nicht ausschließlich der Außendurchmesser beziehungsweise die Länge des vorhandenen Schwimmers angegeben werden. Auch die ursprünglichen Prozessdaten beziehungsweise die tatsächlichen aktuellen Betriebsbedingungen müssen bekannt sein.

WIKA BMD – Magnetanzeige für Bypass-Niveaustandsanzeiger

Die WIKA BMD Magnetanzeige visualisiert die Position des magnetischen Schwimmers außerhalb der Bypasskammer.

Die Anzeige arbeitet berührungslos durch die Wand der Kammer und benötigt für die reine lokale Füllstandsanzeige keine elektrische Hilfsenergie.

Dadurch bleibt die Anzeige vom Prozessmedium getrennt und der Füllstand ist unmittelbar am Behälter sichtbar.

Welche Ausführung passt zur Anwendung?

Anforderung Wichtiger Auslegungspunkt
Einfacher Flüssigkeitsstand im Tank Mitte-Mitte-Maß, Medium, Dichte, Druck und Temperatur
Flüssigkeit mit niedriger Dichte Schwimmer speziell für minimale Betriebsdichte auswählen
Heißes Medium Dichte bei Betriebstemperatur und thermische Bedingungen des Bypasses berücksichtigen
Hochdruckbehälter Kammer und Schwimmer für maximalen Prozessdruck auslegen
Viskoses oder verschmutzendes Medium Anschlussquerschnitte, Schwimmerbeweglichkeit und Reinigungsmöglichkeit prüfen
Elektrisches kontinuierliches Signal erforderlich Bypassanzeiger mit geeignetem Füllstandstransmitter ergänzen
Min.-/Max.-Grenzwerte erforderlich Geeignete Magnetschalter ergänzen
Trennschicht zwischen zwei Flüssigkeiten Spezielle Interface-Auslegung anhand beider Flüssigkeitsdichten

Weitere Produkte finden Sie unter WIKA KSR Kübler Füllstandstechnik bei ICS Schneider.

Fazit

Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger muss geometrisch und physikalisch zum Behälter und zum Prozess passen.

Die wichtigste mechanische Größe ist häufig das Mitte-Mitte-Maß der beiden Prozessanschlüsse. Es darf jedoch nicht mit Gesamtlänge oder tatsächlich nutzbarem Anzeigebereich verwechselt werden. Schwimmerlänge und konstruktive obere beziehungsweise untere Totzonen müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Ebenso wichtig ist die Dichte des Mediums unter realen Betriebsbedingungen. Sie bestimmt, wie tief der Schwimmer eintaucht und ob überhaupt ausreichender Auftrieb vorhanden ist. Gerade bei heißen Medien darf deshalb nicht ungeprüft mit einer Dichteangabe bei 20 °C gearbeitet werden.

Druck und Temperatur beeinflussen außerdem die mechanische Schwimmerauslegung. Werkstoffe müssen zum Prozessmedium und gegebenenfalls zu Reinigungsmedien passen.

Bei viskosen oder verschmutzenden Flüssigkeiten sind ausreichend freie Prozessanschlüsse und eine gute Reinigbarkeit wichtig. Bei heißen Medien kann zusätzlich ein Temperatur- und damit Dichteunterschied zwischen Behälter und Bypass zu systematischen Abweichungen führen.

Die wichtigste Regel für die Bestellung lautet deshalb: Nicht nur die gewünschte Länge des Bypassanzeigers angeben, sondern Behälterzeichnung, Anschlussabstand, tatsächlichen Messbereich, Medium, Dichte, Druck und Temperatur gemeinsam betrachten.

Für die Fehlersuche gilt entsprechend: Zuerst Anschlussgeometrie, freie Prozessverbindungen und Prozessdaten prüfen – erst danach Schwimmer oder Magnetanzeige als Fehlerursache betrachten.

FAQ: Auslegung von Bypass-Niveaustandsanzeigern

Was ist ein Bypass-Niveaustandsanzeiger?

Ein Bypass-Niveaustandsanzeiger ist eine seitlich am Behälter montierte Messkammer, die über Prozessanschlüsse mit dem Behälter verbunden wird. Ein magnetischer Schwimmer folgt dem Flüssigkeitsstand und betätigt berührungslos eine außenliegende Magnetanzeige.

Was bedeutet Mitte-Mitte-Maß bei einem Bypassanzeiger?

Das Mitte-Mitte-Maß bezeichnet üblicherweise den vertikalen Abstand zwischen der Mittelachse des unteren und der Mittelachse des oberen Prozessanschlusses. Dieses Maß ist für die mechanische Anpassung an den Behälter besonders wichtig.

Ist das Mitte-Mitte-Maß gleich dem Messbereich?

Nicht automatisch. Der Schwimmer benötigt oberhalb und unterhalb der Prozessanschlüsse konstruktiven Bewegungsraum. Deshalb müssen Anschlussabstand, Schwimmergeometrie und gewünschter tatsächlicher Anzeigebereich gemeinsam betrachtet werden.

Ist die Gesamtlänge des Bypassrohres gleich dem Anschlussabstand?

Nein. Die Bypasskammer besitzt normalerweise zusätzliche Bereiche oberhalb und unterhalb der Anschlussachsen. Gesamtlänge und Mitte-Mitte-Maß sind daher unterschiedliche Angaben.

Warum besitzt ein Bypass-Füllstandsanzeiger Totzonen?

Der Schwimmer besitzt eine reale Länge und kann mechanisch nicht bis zum äußersten Ende der Kammer fahren. Zusätzlich werden Raum für Anschläge, Kammerabschlüsse, Entleerung und gegebenenfalls Entlüftung benötigt.

Warum muss die Flüssigkeitsdichte bei der Bestellung angegeben werden?

Die Dichte bestimmt die Auftriebskraft des Schwimmers. Bei geringer Dichte taucht der Schwimmer tiefer ein. Ist die Dichte zu niedrig für die gewählte Ausführung, kann der Schwimmer nicht mehr bestimmungsgemäß arbeiten.

Welche Dichte muss angegeben werden?

Entscheidend ist die Dichte unter den realen Betriebsbedingungen. Besonders relevant ist in der Regel die niedrigste zu erwartende Flüssigkeitsdichte innerhalb des vorgesehenen Temperatur- und Prozessbereichs.

Warum reicht die Dichte bei 20 °C nicht immer aus?

Viele Flüssigkeiten werden mit steigender Temperatur weniger dicht. Arbeitet der Behälter beispielsweise bei 150 °C, kann die tatsächliche Betriebsdichte deutlich unter dem Tabellenwert bei 20 °C liegen.

Was passiert, wenn der Schwimmer für eine zu hohe Dichte ausgelegt wurde?

Ist die reale Flüssigkeit deutlich leichter als bei der Auslegung angenommen, taucht der Schwimmer tiefer ein. Je nach Abweichung kann dadurch ein Anzeigeoffset entstehen oder die erforderliche Auftriebsreserve nicht mehr vorhanden sein.

Beeinflusst der Prozessdruck die Schwimmerauswahl?

Ja. Der Schwimmer ist ein geschlossenes Bauteil innerhalb des Prozessdrucks und muss mechanisch für die vorgesehene Druck- und Temperaturkombination ausgelegt sein.

Warum muss auch Vakuum angegeben werden?

Wenn ein Behälter zeitweise unter Vakuum betrieben wird, gehört dies zum vorgesehenen Prozessbereich und muss bei der Auslegung von Kammer, Schwimmer und Anschlüssen berücksichtigt werden.

Warum braucht ein Bypassanzeiger einen oberen Prozessanschluss?

Bei einem geschlossenen Behälter sorgt der obere Anschluss dafür, dass der Gasraum der Bypasskammer mit dem Gasraum des Behälters druckmäßig verbunden ist. Dadurch kann sich der Flüssigkeitsstand entsprechend dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße einstellen.

Was passiert, wenn der obere Anschluss verstopft ist?

Dann kann sich in der Bypasskammer ein eingeschlossener beziehungsweise abweichender Gasdruck bilden. Der Füllstand im Bypass muss dann nicht mehr korrekt dem Behälterfüllstand folgen.

Was passiert, wenn der untere Anschluss verstopft?

Der Flüssigkeitsaustausch zwischen Behälter und Bypass wird eingeschränkt oder unterbrochen. Die Anzeige kann dadurch stark verzögert reagieren oder auf einem alten Füllstand stehen bleiben.

Warum reagiert ein Bypassanzeiger bei viskosen Medien langsam?

Bei hoher Viskosität erfolgt der Flüssigkeitsausgleich durch die Prozessanschlüsse langsamer und auch die Bewegung des Schwimmers kann stärker gedämpft werden. Anschlussquerschnitte und Kammergeometrie müssen deshalb zur Anwendung passen.

Kann ein Bypassanzeiger bei klebrigen Medien eingesetzt werden?

Das hängt von Medium, Viskosität, Ablagerungsneigung und Reinigungsmöglichkeit ab. Stark klebrige oder kristallisierende Produkte können die Schwimmerbewegung oder Prozessanschlüsse beeinträchtigen. Die Eignung sollte deshalb anwendungsspezifisch geprüft werden.

Warum sind Entlüftung und Entleerung sinnvoll?

Sie erleichtern Inbetriebnahme, Wartung, vollständiges Entleeren und Reinigen der Bypasskammer. Die konkrete Ausführung muss zum Medium sowie zu Druck- und Sicherheitsanforderungen passen.

Kann ein Bypassanzeiger gleichzeitig ein elektrisches Füllstandssignal liefern?

Ja. Geeignete Ausführungen können zusätzlich mit externen Füllstandstransmittern ausgestattet werden. Dadurch stehen die lokale Magnetanzeige und ein kontinuierliches elektrisches Signal gleichzeitig zur Verfügung.

Kann man zusätzlich Grenzschalter montieren?

Bei geeigneten Ausführungen können Magnetschalter außen am Bypass angebaut werden. Sie lassen sich beispielsweise zur Min.- oder Max.-Überwachung verwenden.

Warum kann ein heißer Tank einen anderen Füllstand als der Bypass anzeigen?

Wenn das Medium im Bypass deutlich stärker abkühlt als im Behälter, kann sich seine Dichte verändern. Unterschiedliche mittlere Flüssigkeitsdichten können über den hydrostatischen Zusammenhang zu unterschiedlichen Flüssigkeitshöhen führen.

Sollte ein Bypass-Niveaustandsanzeiger isoliert werden?

Das hängt von Prozess und Ausführung ab. Bei heißen oder sehr kalten Medien kann eine geeignete Isolation helfen, große Temperaturunterschiede zwischen Behälter und Bypass zu reduzieren. Gleichzeitig müssen Magnetanzeige, Transmitter und Schalter innerhalb ihrer zulässigen Temperaturbereiche bleiben.

Kann ein vorhandener Bypassanzeiger einfach an einem neuen Tank weiterverwendet werden?

Nur wenn Anschlussabstand, gewünschter Messbereich, Prozessanschlüsse, Medium, Dichte, Druck und Temperatur weiterhin zur ursprünglichen Auslegung passen. Eine ähnliche Behälterhöhe allein reicht als Nachweis nicht aus.

Welche Angaben sollte ich für eine Anfrage zu einem Bypass-Niveaustandsanzeiger machen?

Mindestens benötigt werden Medium, Dichte bei Betriebstemperatur, Druck, Temperatur, Mitte-Mitte-Maß, gewünschter Messbereich, Prozessanschlüsse und Werkstoffanforderungen. Eine Behälterzeichnung mit den tatsächlichen Anschlusspositionen ist besonders hilfreich.

Welches Produkt eignet sich für eine klassische Bypass-Füllstandsanzeige?

Für entsprechende Anwendungen bietet sich beispielsweise der WIKA Typ BNA aus der WIKA KSR Kübler Füllstandstechnik an. Das Gerät wird prozess- und anwendungsspezifisch auf Behälter, Anschlüsse, Schwimmer und Betriebsbedingungen ausgelegt.

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