Erdungsmessung mit dem Installationstester: Erder, Sonden und Messverfahren richtig verstehen

Erdungswiderstand mit dem HT COMBI521 und Hilfssonden an einer Industrieanlage messen
→ Produktkategorie: VDE Prüfgeräte

 

Eine wirksame Erdungsanlage ist ein wesentlicher Bestandteil des Schutzes gegen elektrischen Schlag, Überspannungen und Fehlerströme. Besonders in TT-Systemen, bei Außenanlagen, Baustellen, Industriegebäuden und Blitzschutzsystemen muss der Zustand des Erders regelmäßig beurteilt werden.

Viele moderne Installationstester besitzen eine Funktion zur Erdungsmessung. Trotzdem liefert nicht jedes Messverfahren denselben Wert. Eine Messung mit Hilfssonden, eine Schleifenmessung über das Versorgungsnetz und eine Erdungsprüfzange erfassen unterschiedliche Stromwege.

Ein auffällig niedriger Messwert ist daher nicht automatisch ein Beleg für einen besonders guten Erder. Parallele Rohrleitungen, Fundamenterder, Kabelschirme oder zusätzliche Erder können den Messwert beeinflussen. Umgekehrt können ungeeignete Sondenabstände, trockener Boden oder eine schlecht gesetzte Hilfssonde einen zu hohen oder instabilen Wert verursachen.

Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Messverfahren und zeigt, wann ein Installationstester ausreicht, wann Hilfssonden benötigt werden und wann ein spezieller Erdungs- und Bodenwiderstandsmesser die bessere Wahl ist.

Inhaltsverzeichnis

Was bei einer Erdungsmessung tatsächlich gemessen wird

Der Erdungswiderstand beschreibt vereinfacht den Widerstand zwischen einem Erder und dem ausreichend weit entfernten Bezugspotenzial der Erde. Er setzt sich nicht nur aus dem metallischen Widerstand des Erders zusammen.

Entscheidend sind vor allem:

  • Kontaktwiderstand zwischen Erder und Erdreich
  • spezifischer Widerstand des umgebenden Bodens
  • Form, Länge und Einbautiefe des Erders
  • Anzahl und Abstand mehrerer Erder
  • Feuchte, Temperatur und Verdichtung des Bodens
  • parallele metallische Verbindungen zur Erde

Der größte Widerstandsanteil entsteht häufig nicht im Metall des Erders, sondern im umgebenden Erdreich. Der Strom breitet sich vom Erder räumlich in den Boden aus. Mit zunehmender Entfernung vergrößert sich die durchströmte Bodenfläche, sodass der zusätzliche Widerstandsanteil immer kleiner wird.

Für eine korrekte Messung muss das Messgerät deshalb einen Prüfstrom durch den Erder und das Erdreich führen und gleichzeitig den Spannungsfall gegen ein möglichst unbeeinflusstes Bezugspotenzial messen.

Ein gewöhnliches Ohmmeter ist dafür nicht geeignet. Es erfasst lediglich den Widerstand zwischen seinen beiden Anschlüssen und kann den Widerstand des Erdreichs ohne geeigneten Rückstrompfad nicht bestimmen.

Warum der Erdungswiderstand im TT-System besonders wichtig ist

In einem TT-System besitzt die Kundenanlage einen eigenen Anlagenerder. Der Schutzleiter der Anlage ist nicht direkt mit dem geerdeten Sternpunkt des Versorgungsnetzes verbunden. Bei einem Fehler fließt der Fehlerstrom deshalb über den Anlagenerder, das Erdreich und den Betriebserder des Versorgungsnetzes zurück.

Da dieser Stromweg meist einen deutlich höheren Widerstand besitzt als die metallische Fehlerschleife eines TN-Systems, werden im TT-System in der Regel Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen eingesetzt.

Für die Koordination zwischen Erdungsanlage und RCD wird häufig folgende Bedingung verwendet:

RA × IΔn ≤ UL

Dabei bedeuten:

  • RA: Widerstand des Erders einschließlich des zugehörigen Schutzleiterwegs
  • IΔn: Bemessungsdifferenzstrom der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung
  • UL: zulässige Berührungsspannung, üblicherweise 50 V AC

In besonderen Bereichen kann eine niedrigere zulässige Berührungsspannung gelten. Maßgeblich sind immer das konkrete Schutzkonzept und die anzuwendenden Normen.

Aus der rein rechnerischen Bedingung können teilweise relativ hohe Erdungswiderstände resultieren. In der Praxis müssen jedoch Messunsicherheit, jahreszeitliche Schwankungen, Korrosion, Alterung und betriebliche Reserven berücksichtigt werden.

Ein universeller Grenzwert von beispielsweise 10 Ω gilt daher nicht für jede Erdungsanlage. Die zulässige beziehungsweise angestrebte Größe hängt davon ab, ob es sich um Schutzerdung, Blitzschutz, Funktionserdung, eine Hochspannungsanlage oder ein TT-System handelt.

Wann ein Installationstester ausreicht

Ein Installationstester ist sinnvoll, wenn die Erdungsmessung Bestandteil einer vollständigen Anlagenprüfung ist. Neben dem Erdungswert können damit beispielsweise Schutzleiterdurchgang, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und RCD-Auslösung geprüft werden.

Je nach Gerät stehen unterschiedliche Erdungsfunktionen zur Verfügung:

  • Messung des Gesamterdungswiderstands über das Netz
  • zwei- oder dreipolige Messung mit Hilfssonden
  • selektive Messung mit zusätzlicher Stromzange
  • Speicherung und Dokumentation der Ergebnisse

Vor der Messung muss deshalb geprüft werden, welche Methode der verwendete Installationstester tatsächlich unterstützt. Die Bezeichnung „Erdungsmessung“ allein sagt noch nicht aus, ob eine echte Sondenmessung oder lediglich eine netzabhängige Ermittlung der Erdungsschleife möglich ist.

Ein spezieller Erdungsmesser ist vorteilhaft, wenn:

  • hohe oder sehr niedrige Erdungswiderstände erwartet werden
  • die Messung bei starken Störspannungen erfolgen muss
  • unterschiedliche Prüffrequenzen benötigt werden
  • selektive Messungen an vermaschten Erdern erforderlich sind
  • der spezifische Bodenwiderstand bestimmt werden soll
  • Erderkopplungen oder komplexe Erdungsnetze untersucht werden

Dreipolige Erdungsmessung mit Hilfssonden

Die klassische Dreipol- beziehungsweise Fall-of-Potential-Messung verwendet neben dem zu prüfenden Erder zwei Hilfssonden.

Anschluss Aufgabe
E Anschluss am zu prüfenden Erder
S beziehungsweise P Potenzialsonde zur Messung des Spannungsfalls
H beziehungsweise C Hilfserder zur Einspeisung des Prüfstroms

Das Messgerät speist einen definierten Wechselstrom zwischen dem zu prüfenden Erder E und dem Hilfserder H ein. Gleichzeitig misst es die Spannung zwischen dem Erder E und der Potenzialsonde S.

Aus Spannung und Strom berechnet das Gerät den Erdungswiderstand:

RE = UES ÷ IEH

Die Potenzialsonde muss sich in einem Bereich befinden, der weder wesentlich vom Spannungstrichter des zu prüfenden Erders noch vom Spannungstrichter des Hilfserders beeinflusst wird.

Für die Messung eines einzelnen Erders muss dieser normalerweise von parallelen Erdverbindungen getrennt werden. Andernfalls wird nicht nur der einzelne Erder, sondern das gesamte parallel verbundene Erdungssystem gemessen.

Sondenabstand und 62-%-Methode richtig anwenden

Bei der verbreiteten 62-%-Methode werden Erder, Potenzialsonde und Hilfserder möglichst geradlinig angeordnet. Die Potenzialsonde wird ungefähr bei 62 % des Abstands zwischen dem zu prüfenden Erder und dem Hilfserder gesetzt.

Die 62-%-Position liefert jedoch nur unter geeigneten Bedingungen einen belastbaren Wert. Dazu gehören ein möglichst homogener Boden, ausreichende Abstände und keine großen unterirdischen Metallteile im Messbereich.

Eine einzelne Messung bei genau 62 % sollte deshalb nicht ungeprüft übernommen werden. Sinnvoll ist eine Kontrollmessung, bei der die Potenzialsonde etwas in Richtung Erder und anschließend etwas in Richtung Hilfserder verschoben wird.

Beispiel bei einem Abstand von 30 m zwischen Erder und Hilfserder:

  • erste Messung bei ungefähr 52 % beziehungsweise 15,6 m
  • Hauptmessung bei ungefähr 62 % beziehungsweise 18,6 m
  • dritte Messung bei ungefähr 72 % beziehungsweise 21,6 m

Liegen die drei Ergebnisse nahe beieinander, befindet sich die Potenzialsonde wahrscheinlich in einem ausreichend flachen Bereich der Potenzialkurve. Ändert sich der Messwert stark, muss der Abstand zum Hilfserder vergrößert oder die Messrichtung verändert werden.

Die oft genannten Sondenabstände sind daher keine festen Universalwerte. Große Erder, Ringerder, Fundamenterder oder ausgedehnte Erdungsnetze können wesentlich größere Abstände erfordern als ein einzelner kurzer Tiefenerder.

Grenzen der zweipoligen Messung

Bei einer zweipoligen Messung wird der unbekannte Erder gegen einen zweiten bekannten beziehungsweise angenommen guten Erder gemessen. Das Ergebnis enthält dann beide Erdungswiderstände sowie mögliche Leitungs- und Übergangswiderstände.

Gemessen wird vereinfacht:

RMessung = RErder + RHilfserde + RLeitungen

Nur wenn der Widerstand der Hilfserde gegenüber dem zu prüfenden Erder vernachlässigbar klein ist, nähert sich der Messwert dem gesuchten Erdungswiderstand an.

Die zweipolige Methode eignet sich daher eher für:

  • orientierende Vergleichsmessungen
  • Prüfung von Verbindungs- und Übergangswiderständen
  • Situationen mit einem nachweislich sehr niederohmigen Bezugserder

Für die genaue Bewertung eines einzelnen Erders ist die dreipolige Messung in der Regel aussagekräftiger.

Parallelpfade und fremde Erdverbindungen

In bestehenden Gebäuden ist der Erder häufig mit zahlreichen weiteren leitfähigen Systemen verbunden. Dazu gehören:

  • weitere Tiefen-, Ring- oder Fundamenterder
  • metallische Gebäudekonstruktionen
  • Kabelschirme und PEN- beziehungsweise PE-Verbindungen
  • Rohrleitungen und Potenzialausgleichssysteme
  • Blitzschutzanlage
  • Erdungen benachbarter Gebäude oder Anlagenteile

Diese Parallelpfade können den gemessenen Gesamtwiderstand deutlich reduzieren. Der Messwert beschreibt dann die Wirkung des gesamten verbundenen Erdungssystems und nicht den Zustand eines einzelnen Erders.

Das kann je nach Prüfziel richtig oder falsch sein. Soll die Schutzwirkung der gesamten Anlage bewertet werden, kann der Gesamtwert relevant sein. Soll dagegen ein einzelner Tiefenerder auf Korrosion oder Unterbrechung geprüft werden, muss sein Anteil selektiv ermittelt werden.

Ein extrem niedriger Wert sollte immer auf Plausibilität geprüft werden. Wurde die Messzange versehentlich um einen Potenzialausgleichsleiter gelegt oder besteht ein metallischer Kurzschlussweg, kann das Ergebnis wenig über den Erdkontakt des eigentlichen Erders aussagen.

Selektive Erdungsmessung ohne Auftrennen

Die selektive Messung kombiniert eine klassische Sondenmessung mit einer Stromzange. Der Prüfstrom wird weiterhin über Hilfserder und Potenzialsonde eingespeist. Die Zange misst jedoch nur den Strom, der durch den zu untersuchenden Erder fließt.

Dadurch kann der Widerstand eines einzelnen Erders innerhalb eines parallel verbundenen Erdungssystems bestimmt werden, ohne die Erdverbindung aufzutrennen.

Das ist besonders vorteilhaft bei:

  • Blitzschutzanlagen mit mehreren Ableitungen
  • Industrieanlagen mit vermaschtem Erdungsnetz
  • Antennen- und Funkanlagen
  • Umspannwerken und Energieanlagen
  • Gebäuden, deren Schutzerdung während der Messung nicht unterbrochen werden darf

Die Stromzange muss den Leiter des zu prüfenden Erders vollständig umfassen. Parallele Leiter dürfen nicht gemeinsam in der Zange liegen, da sich die gemessenen Ströme sonst überlagern oder gegenseitig aufheben können.

Erdungsmessung mit der Prüfzange

Eine Erdungsprüfzange benötigt keine Hilfssonden. Sie induziert eine Wechselspannung in den umschlossenen Erdungsleiter und misst den daraus resultierenden Strom. Daraus ermittelt sie den Widerstand beziehungsweise die Impedanz der geschlossenen Erdungsschleife.

Diese Methode funktioniert nur, wenn ein geschlossener Rückstromweg vorhanden ist. Das ist beispielsweise bei mehreren parallel verbundenen Erdern der Fall.

Bei einem einzelnen, vollständig isolierten Erder existiert kein geschlossener Messkreis. Eine Zangenmessung ist dann nicht möglich beziehungsweise liefert keinen aussagekräftigen Erdungswert.

Die Zange misst außerdem nicht ausschließlich den Widerstand des umschlossenen Erders. Der gemessene Schleifenwert enthält:

  • den zu prüfenden Erder
  • die parallel verbundenen weiteren Erder
  • den Widerstand des Erdreichs zwischen den Erdern
  • Leiter- und Verbindungswiderstände

Bei sehr vielen niederohmigen Parallelerdern kann deren gemeinsamer Widerstand gegenüber dem einzelnen Erder klein sein. Der Messwert nähert sich dann dem Widerstand des umschlossenen Erders an.

Bei nur zwei ähnlich großen Erdern misst die Zange dagegen ungefähr die Summe beider Widerstände. Dieser Wert darf nicht ohne weitere Bewertung einem einzelnen Erder zugeordnet werden.

Erdungswert über die Fehlerschleife ermitteln

Einige Installationstester bestimmen in einer unter Spannung stehenden TT-Anlage den Gesamtwiderstand der Erdungsschleife über Außenleiter und Schutzleiter.

Der Prüfstrom fließt dabei über:

  • Außenleiter des Versorgungsnetzes
  • Fehlerpfad im Messgerät
  • Schutzleiter und Anlagenerder
  • Erdreich und Betriebserder des Netzes
  • Transformatorwicklung zurück zum Außenleiter

Der Messwert enthält somit nicht nur den Anlagenerder. Auch Betriebserder, Netzimpedanz und mögliche Parallelpfade beeinflussen das Ergebnis.

Diese Methode ist praktisch, wenn keine Hilfssonden gesetzt werden können. Sie eignet sich zur Bewertung der gesamten Fehlerschleife und zur Koordination mit einer RCD-Schutzeinrichtung.

Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die klassische Messung eines einzelnen Erders. Außerdem muss ein geeignetes Messverfahren verwendet werden, das den vorhandenen RCD nicht unbeabsichtigt auslöst.

Bodenfeuchte, Temperatur und jahreszeitliche Einflüsse

Der spezifische Bodenwiderstand kann sich im Jahresverlauf deutlich verändern. Feuchter, mineralhaltiger Boden leitet normalerweise besser als trockener Sand, Kies oder gefrorenes Erdreich.

Einflussgrößen sind insbesondere:

  • Niederschlagsmenge und Grundwasserstand
  • Frost und Bodentemperatur
  • Salz- und Mineralgehalt
  • Bodenverdichtung
  • Korrosion und Alterung des Erders
  • Bauarbeiten und Veränderungen der Umgebung

Messwerte aus verschiedenen Jahren sollten möglichst unter vergleichbaren Bedingungen aufgenommen werden. Ist das nicht möglich, müssen Wetter, Bodenzustand und Temperatur mit dokumentiert werden.

Ein guter Wert unmittelbar nach starkem Regen kann die ungünstigsten Bedingungen eines trockenen Sommers verdecken. Bei sicherheitsrelevanten Anlagen ist daher nicht nur der aktuelle Wert, sondern auch die erwartete jahreszeitliche Schwankung zu berücksichtigen.

Sicherheit beim Setzen von Sonden und Auftrennen des Erders

Erdungsmessungen dürfen nur von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden. Vor dem Setzen von Hilfssonden muss ausgeschlossen werden, dass sich im Boden elektrische Leitungen, Gasleitungen, Wasserleitungen oder andere Versorgungssysteme befinden.

Besondere Vorsicht ist erforderlich bei:

  • Gewitter und atmosphärischen Überspannungen
  • Hochspannungsanlagen und Umspannwerken
  • Bahnanlagen und großen Industrieanlagen
  • möglichen Ausgleichs- und Streuströmen
  • sichtbar beschädigten Erdungsleitern

Vor dem Berühren oder Auftrennen einer Erdungsleitung muss eine mögliche Spannung zwischen den zu trennenden Teilen geprüft werden. Durch das Öffnen kann der Schutzpotenzialausgleich unterbrochen und eine gefährliche Berührungsspannung erzeugt werden.

Ist eine Trennung für die Messung erforderlich, muss der Anlagenzustand dies sicher zulassen. In vielen bestehenden Anlagen ist eine selektive Messung ohne Auftrennung die sicherere und betrieblich sinnvollere Lösung.

Messwerte nachvollziehbar dokumentieren

Ein Erdungswert ist nur dann langfristig vergleichbar, wenn auch das verwendete Messverfahren dokumentiert wird.

Ein aussagekräftiges Prüfprotokoll sollte mindestens enthalten:

  • Bezeichnung und Lage des geprüften Erders
  • Messgerät, Zubehör und Kalibrierstatus
  • verwendetes Messverfahren
  • Messrichtung und Sondenabstände
  • Einzelwerte bei versetzter Potenzialsonde
  • Zustand paralleler Verbindungen
  • Boden- und Wetterbedingungen
  • gemessene Stör- oder Fremdspannung
  • Bewertung und angewendeter Grenzwert

Ein Wert von beispielsweise 4,2 Ω aus einer Zangenmessung ist nicht unmittelbar mit 4,2 Ω aus einer dreipoligen Einzelermessung vergleichbar. Das Messverfahren muss deshalb immer gemeinsam mit dem Ergebnis betrachtet werden.

Typische Messfehler und ihre Ursachen

Fehlerbild Mögliche Ursache Bessere Vorgehensweise
Messwert ändert sich stark beim Verschieben der Sonde Abstände zu klein oder Potenzialzonen überlappen sich Hilfserder weiter entfernen und Messreihe wiederholen
Ungewöhnlich niedriger Messwert Paralleler Erder, Rohrleitung oder Potenzialausgleichspfad Stromwege prüfen und gegebenenfalls selektiv messen
Messgerät meldet hohen Sondenwiderstand Trockener Boden oder schlechter Kontakt der Hilfssonde Sonde tiefer setzen, Position verändern oder Kontakt verbessern
Zangenmessung liefert keinen Wert Keine geschlossene Erdungsschleife vorhanden Sondenmessung verwenden
Zangenwert entspricht ungefähr der Summe zweier Erder Nur zwei vergleichbare Erder bilden die Schleife Ergebnis als Schleifenwert bewerten oder selektiv messen
Messwert schwankt stark Störströme, Netzfrequenz oder induktive Einkopplung Messfrequenz anpassen oder störfesteren Erdungsmesser verwenden
Schleifenmessung und Sondenmessung unterscheiden sich Unterschiedliche Stromwege und Parallelpfade Messprinzipien getrennt bewerten
Wert ist im Sommer deutlich höher Trockener Boden und geringere Bodenfeuchte Jahreszeit dokumentieren und ausreichende Reserve vorsehen

Praxisbeispiel: Abweichende Messwerte an einer TT-Anlage

Bei einer gewerblichen Außenanlage mit TT-System wird der Erdungswiderstand während der Wiederholungsprüfung kontrolliert. Eine netzabhängige Messung mit dem Installationstester ergibt einen Gesamterdungswert von 6,8 Ω.

Zur Kontrolle wird der Anlagenerder unter einem dafür geeigneten sicheren Anlagenzustand getrennt und mit Hilfssonden gemessen. Bei 62 % Sondenposition werden 18,5 Ω ermittelt.

Die Kontrollmessungen bei leicht versetzter Potenzialsonde ergeben 18,1 Ω und 18,9 Ω. Die Sondenabstände sind damit plausibel und der Einzelwert des Erders liegt bei ungefähr 18,5 Ω.

Die Abweichung zur ersten Messung wird durch zusätzliche Parallelpfade erklärt. Im normalen Betriebszustand sind der Fundamenterder eines Nebengebäudes, metallische Kabelschirme und weitere Potenzialausgleichsverbindungen mit der Erdungsanlage verbunden.

Beide Werte können daher technisch richtig sein:

  • 6,8 Ω beschreibt die Wirkung der im Betrieb verbundenen gesamten Erdungsschleife
  • 18,5 Ω beschreibt den getrennt gemessenen einzelnen Anlagenerder

Für die Dokumentation werden deshalb Messverfahren, Schaltzustand und vorhandene Parallelverbindungen festgehalten. Bei späteren Wiederholungsprüfungen kann dadurch erkannt werden, ob sich der einzelne Erder oder das gesamte Erdungssystem verändert hat.

Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?

Im Bereich Installationstester und Anlagenprüfung nach VDE 0100 finden Sie Multifunktionsprüfgeräte für die Prüfung elektrischer Installationen.

Spezielle Geräte für Sondenmessungen, selektive Prüfungen, Erdschleifen und Bodenwiderstand stehen in der Kategorie Erdungs- und Bodenwiderstandsmesser zur Verfügung.

COMBI521 für die vollständige Installationsprüfung

Der COMBI521 Installationstester kombiniert die Ermittlung des Gesamterdungswiderstands mit Schutzleiter-, Isolations-, Schleifenimpedanz- und RCD-Prüfungen.

Das Gerät eignet sich besonders, wenn der Erdungswert gemeinsam mit den übrigen Schutzmaßnahmen einer elektrischen Anlage geprüft und dokumentiert werden soll.

CA 6117 für Erdungs- und selektive Erdungsmessungen

Das CA 6117 Anlagenprüfgerät unterstützt neben den üblichen Installationsprüfungen auch Erdungs- und selektive Erdungsmessungen.

Dadurch eignet es sich für umfangreiche Prüfungen in TT-, TN- und IT-Systemen sowie für Anlagen, in denen einzelne Erder trotz vorhandener Parallelverbindungen beurteilt werden müssen.

C.A 6471 für anspruchsvolle Erdungsanlagen

Der C.A 6471 Erdungsmesser unterstützt klassische Drei- und Vierleiterverfahren, selektive Messungen, Erdkopplungsmessung und die Bestimmung des spezifischen Bodenwiderstands.

Das Gerät ist besonders für Industrieanlagen, Blitzschutzsysteme, komplexe Erdungsnetze und Planungsmessungen vor der Errichtung neuer Erder geeignet.

C.A 6417 für schnelle Messungen an vermaschten Erdungen

Die C.A 6417 Erdungsprüfzange misst den Widerstand beziehungsweise die Impedanz einer geschlossenen Erderschleife ohne Hilfssonden und ohne Auftrennen der Erdungsleitung.

Sie eignet sich für Anlagen mit mehreren parallelen Erdern. Bei einem einzelnen isolierten Erder kann die Zangenmethode dagegen nicht eingesetzt werden.

Zubehörset für die Sondenmessung

Das Zubehörset für Erdungsmessung enthält die erforderlichen Leitungen und Hilfssonden für klassische Erdungsmessungen. Leitungslängen und Sondenausführung müssen zur Größe der zu prüfenden Erdungsanlage passen.

ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auswahl des geeigneten Messverfahrens und Prüfgeräts. Für die Auslegung werden Netzform, Art und Größe des Erders, vorhandene Parallelverbindungen, erforderliche Messgenauigkeit, Zugänglichkeit des Erdreichs und Dokumentationsanforderungen benötigt.

Fazit: Der Messwert ist nur zusammen mit dem Messverfahren aussagekräftig

Eine Erdungsmessung mit dem Installationstester kann Teil einer vollständigen Anlagenprüfung sein. Vor der Bewertung muss jedoch geklärt werden, ob das Gerät den einzelnen Erder, die gesamte Erdungsanlage oder eine netzabhängige Fehlerschleife misst.

Die klassische Dreipolmessung mit Hilfserder und Potenzialsonde ermöglicht eine belastbare Bestimmung des Erderwiderstands. Die 62-%-Position ist dabei nur ein Ausgangspunkt und sollte durch versetzte Kontrollmessungen bestätigt werden.

Selektive Messverfahren ermöglichen die Prüfung einzelner Erder, ohne das Erdungssystem aufzutrennen. Eine Erdungsprüfzange ist besonders schnell, benötigt aber eine geschlossene Schleife über mehrere parallele Erdungen.

Bodenfeuchte, Temperatur, Sondenabstand, parallele Metallverbindungen und Störströme können das Ergebnis erheblich beeinflussen. Ein niedriger Wert ist daher ebenso auf Plausibilität zu prüfen wie ein unerwartet hoher Wert.

Für eine langfristig verwertbare Prüfung müssen Messverfahren, Sondenpositionen, Anlagenzustand und Umgebungsbedingungen gemeinsam mit dem Messwert dokumentiert werden.

Häufige Fragen zur Erdungsmessung

Kann jeder Installationstester den Erder mit Hilfssonden messen?

Nein. Einige Geräte bestimmen nur den Gesamterdungswiderstand über das Netz. Für eine klassische Sondenmessung müssen entsprechende Anschlüsse und Messfunktionen vorhanden sein.

Warum werden zwei Hilfssonden benötigt?

Eine Sonde speist den Prüfstrom in das Erdreich ein. Die zweite Sonde misst das Bezugspotenzial, aus dem der Spannungsfall und damit der Erdungswiderstand berechnet werden.

Muss die Potenzialsonde immer genau bei 62 % stehen?

Die 62-%-Position ist bei geeigneten Boden- und Abstandsverhältnissen ein bewährter Ausgangspunkt. Der Wert sollte durch Messungen mit leicht verschobener Sonde bestätigt werden.

Warum zeigt eine Zangenmessung einen anderen Wert als die Sondenmessung?

Die Zange misst eine geschlossene Erdungsschleife einschließlich paralleler Erder und Verbindungen. Die klassische Sondenmessung kann dagegen einen einzelnen getrennten Erder erfassen.

Kann ein einzelner Tiefenerder mit einer Erdungsprüfzange gemessen werden?

Nur wenn ein geeigneter paralleler Rückstrompfad vorhanden ist. Bei einem vollständig isolierten Einzelerdungssystem funktioniert die reine Zangenmethode nicht.

Verursacht ein Ringerder automatisch einen sehr niedrigen Widerstand?

Nicht zwangsläufig. Bodenwiderstand, Verlegetiefe, Abmessungen, Korrosion und Feuchte beeinflussen das Ergebnis ebenso wie die reine Erderlänge.

Ist ein Erdungswiderstand unter 10 Ω immer vorgeschrieben?

Nein. Der erforderliche Wert hängt von der Anlage und dem Schutzkonzept ab. Für TT-Systeme, Blitzschutzanlagen und Funktions- oder Betriebserdungen gelten unterschiedliche Bewertungsgrundlagen.

Warum ist der Erdungswiderstand im Sommer häufig höher?

Trockener Boden besitzt meist einen höheren spezifischen Widerstand. Dadurch kann sich der gemessene Erdungswiderstand gegenüber feuchten Jahreszeiten deutlich erhöhen.

Darf der Erdungsleiter während des Betriebs getrennt werden?

Nur wenn dies nach Gefährdungsbeurteilung und Anlagenzustand sicher zulässig ist. Das Auftrennen kann Schutzfunktionen unterbrechen und gefährliche Potenzialunterschiede erzeugen.

Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Geräteauswahl?

Benötigt werden Art des Erders, Netzform, erwarteter Widerstandsbereich, vorhandene Parallelpfade, Möglichkeit zum Setzen von Sonden, selektiver Messbedarf und gewünschte Speicherung beziehungsweise Dokumentation.

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