Thermoelemente werden in der Chemie, Petrochemie, Energieerzeugung und Prozessindustrie häufig bei hohen Temperaturen und schnellen Temperaturänderungen eingesetzt. Befindet sich die Messstelle in einem explosionsgefährdeten Bereich, reicht die Auswahl von Thermoelementtyp und Messbereich jedoch nicht aus.
Die Ex-Eignung betrifft die vollständige Messkette: Messspitze, Mantel oder Schutzrohr, Anschlusskopf, Klemmsockel beziehungsweise Kopftransmitter, Kabelverschraubung, Anschlussleitung, Ex-Barriere und Auswertegerät müssen technisch und dokumentarisch zusammenpassen.
Besonders bei Umbauten entstehen Fehler, wenn ein zugelassener Klemmsockel nachträglich durch einen beliebigen Transmitter ersetzt, eine Kabelverschraubung verändert oder die zulässige Umgebungstemperatur des Anschlusskopfes nicht berücksichtigt wird. Die Kennzeichnung eines einzelnen Bauteils belegt nicht automatisch die Eignung der gesamten Temperaturmessstelle.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die vollständige Ex-Messkette betrachtet werden muss
- Ex-Zone, Gerätekategorie und EPL zuordnen
- Eigensicherheit oder druckfeste Kapselung?
- Thermoelement und Messstellenaufbau auswählen
- Anschlusskopf und Kabelverschraubung richtig auslegen
- Kopftransmitter, Barriere und Stromschleife
- Temperaturklasse und Oberflächentemperatur
- Schutzrohr, Mantelwerkstoff und Prozessbelastung
- Ausgleichsleitung, Polarität und Schirmung
- Kennzeichnung und Dokumentation
- Was bei Umbauten zu beachten ist
- Systematische Inbetriebnahme
- Typische Auslegungs- und Anschlussfehler
- Praxisbeispiel: Temperaturmessung an einem Reaktor
- Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
- Fazit
- Häufige Fragen zu Thermoelementen im Ex-Bereich
Warum die vollständige Ex-Messkette betrachtet werden muss
Eine explosionsgeschützte Temperaturmessstelle besteht nicht nur aus dem eigentlichen Thermoelement. Abhängig von der Ausführung gehören dazu:
- Thermopaar und Messstelle
- Mantel, Halsrohr oder Schutzrohr
- Prozessanschluss
- Anschlusskopf mit Klemmsockel oder Transmitter
- Kabelverschraubung und Blindstopfen
- Ausgleichs- oder Thermoleitung
- Ex-Barriere, Speisetrenner oder eigensicherer Eingang
- SPS, Anzeige oder Leitsystem
Alle Komponenten müssen für den vorgesehenen Einsatz geeignet sein. Maßgeblich sind unter anderem Zone, Gas- oder Staubgruppe, Zündschutzart, Temperaturklasse, Umgebungstemperatur und elektrische Anschlusswerte.
Ein ATEX-zugelassener Temperaturtransmitter macht einen ungeeigneten Anschlusskopf nicht automatisch explosionsgeschützt. Umgekehrt darf ein zugelassener Ex-Anschlusskopf nicht ohne Prüfung mit einem beliebigen Transmitter oder einer anderen Kabelverschraubung ausgestattet werden.
Ex-Zone, Gerätekategorie und EPL zuordnen
Zunächst muss der Betreiber festlegen, welche explosionsgefährdete Atmosphäre an der Messstelle auftreten kann. Daraus ergibt sich das erforderliche Geräteschutzniveau.
| Bereich | Zone | Typisches erforderliches EPL |
|---|---|---|
| Gas, Dampf oder Nebel | Zone 0 | Ga |
| Gas, Dampf oder Nebel | Zone 1 | Gb |
| Gas, Dampf oder Nebel | Zone 2 | Gc |
| Brennbarer Staub | Zone 20 | Da |
| Brennbarer Staub | Zone 21 | Db |
| Brennbarer Staub | Zone 22 | Dc |
Dabei können sich Sensormessspitze und Anschlusskopf in unterschiedlichen Bereichen befinden. Beispielsweise kann die Messspitze in Zone 0 hineinragen, während sich der Anschlusskopf in Zone 1 befindet. Die Kennzeichnung der gewählten Geräteausführung muss genau zu dieser Einbausituation passen.
Zusätzlich sind die Gasgruppe, beispielsweise IIA, IIB oder IIC, beziehungsweise die entsprechende Staubgruppe zu berücksichtigen. Eine Zulassung für eine weniger anspruchsvolle Gruppe darf nicht ohne Weiteres auf eine anspruchsvollere Atmosphäre übertragen werden.
Eigensicherheit oder druckfeste Kapselung?
Für industrielle Thermoelement-Messstellen werden häufig die Zündschutzarten Eigensicherheit Ex i oder druckfeste Kapselung Ex d eingesetzt. Beide Konzepte verfolgen unterschiedliche Schutzprinzipien.
Eigensicherheit Ex i
Bei einem eigensicheren Stromkreis werden Spannung, Strom und Leistung so begrenzt, dass unter den festgelegten Fehlerbedingungen keine zündfähige Energie entstehen kann.
Zur Auslegung gehören die elektrischen Sicherheitsparameter der angeschlossenen Geräte. Vereinfacht müssen die maximalen Ausgangswerte des zugehörigen Betriebsmittels zu den zulässigen Eingangswerten des Feldgeräts passen. Zusätzlich sind Kapazität und Induktivität der Anschlussleitung zu berücksichtigen.
Eine separate Barriere ist nicht in jedem Aufbau zwingend erforderlich. Sie kann bereits als galvanischer Trennschaltverstärker, Ex-Eingangskarte oder eigensicherer Transmitterspeiser ausgeführt sein. Entscheidend ist der dokumentierte Nachweis des vollständigen Stromkreises.
Druckfeste Kapselung Ex d
Bei Ex d darf eine mögliche Zündung im Inneren eines entsprechend ausgelegten Gehäuses nicht auf die umgebende Atmosphäre übertragen werden. Anschlusskopf, Gewinde, Deckel, Kabelverschraubungen und Blindstopfen bilden dabei ein zertifiziertes System.
Ex-d-Gehäuse dürfen nicht beliebig bearbeitet oder mit ungeprüften Einführungen ausgestattet werden. Auch das Öffnen des Anschlusskopfes im explosionsgefährdeten Bereich richtet sich nach Zulassung, Betriebsanleitung und betrieblichen Sicherheitsregeln.
Thermoelement und Messstellenaufbau auswählen
Der Thermoelementtyp wird anhand von Temperaturbereich, Atmosphäre, Genauigkeit und Langzeitstabilität ausgewählt. In der Prozessindustrie werden häufig die Typen K, N, J oder bei sehr hohen Temperaturen Edelmetall-Thermoelemente eingesetzt.
Zusätzlich ist der Aufbau der Messstelle wichtig:
- isolierte Messstelle
- mit dem Mantel verbundene Messstelle
- freiliegende Messstelle
- einfaches oder doppeltes Thermoelement
Eine mit dem Mantel verbundene Messstelle kann besonders schnell reagieren. Durch die elektrische Verbindung zwischen Thermopaar und Mantel können jedoch Potenzialunterschiede und Erdungseinflüsse auftreten. Bei einem isolierten Thermopaar ist die galvanische Trennung zum Mantel besser, das Ansprechverhalten kann je nach Aufbau aber etwas langsamer sein.
Im Ex-Bereich darf diese Entscheidung nicht ausschließlich anhand der Reaktionszeit getroffen werden. Die Messstellenart muss der zugelassenen Sensorausführung und dem elektrischen Schutzkonzept entsprechen.
Anschlusskopf und Kabelverschraubung richtig auslegen
Der Anschlusskopf schützt Klemmsockel oder Transmitter gegen Umgebungseinflüsse und ist zugleich Bestandteil des Explosionsschutzkonzepts.
Bei der Auswahl sind insbesondere zu prüfen:
- Ex-Kennzeichnung und Zündschutzart
- zulässige Umgebungstemperatur
- Schutzart gegen Staub und Feuchtigkeit
- Werkstoff und Korrosionsbeständigkeit
- Platzbedarf des Kopftransmitters
- Kabeleinführung und Kabeldurchmesser
- Potenzialausgleich beziehungsweise Erdungsanschluss
Die Kabelverschraubung muss zur Zündschutzart, zum Anschlusskopf und zum verwendeten Kabel passen. Eine Ex-zugelassene Verschraubung kann ihre Schutzwirkung verlieren, wenn der Kabeldurchmesser außerhalb des zugelassenen Klemmbereichs liegt.
Nicht verwendete Einführungen müssen mit geeigneten und zugelassenen Blindstopfen verschlossen werden. Ein gewöhnlicher Kunststoffstopfen ist kein gleichwertiger Ersatz.
Kopftransmitter, Barriere und Stromschleife
Ein Kopftransmitter wandelt die geringe Thermospannung in ein robustes Ausgangssignal um. Häufig wird ein 4–20-mA-Signal, gegebenenfalls mit HART-Kommunikation, eingesetzt.
Der Transmitter bietet mehrere Vorteile:
- Kaltstellenkompensation direkt im Anschlusskopf
- Linearisierung des Thermoelementsignals
- geringere Störempfindlichkeit auf langen Leitungen
- konfigurierbare Messbereiche
- Sensorbruch- und Fehlerdiagnose
Für einen eigensicheren Aufbau muss die konkrete Ex-Ausführung des Transmitters gewählt werden. Neben der Eignung für das Thermoelement sind seine eigensicheren Anschlusswerte, die zulässige Umgebungstemperatur und die Einbaubedingungen im Anschlusskopf zu prüfen.
Der Transmitter wird anschließend über einen geeigneten Speisetrenner oder einen zertifizierten eigensicheren Analogeingang versorgt. Der elektrische Nachweis umfasst Transmitter, zugehöriges Betriebsmittel und die dazwischenliegende Leitung.
Ein 4–20-mA-Loop-Check kann Verdrahtung, Barriere, SPS-Eingang und Skalierung prüfen. Er ersetzt jedoch weder den Nachweis der Eigensicherheit noch die Temperaturkalibrierung des Sensors.
Temperaturklasse und Oberflächentemperatur
Die Temperaturklasse eines Ex-Geräts beschreibt die maximal zulässige Oberflächentemperatur und darf nicht mit dem Messbereich des Thermoelements verwechselt werden.
Ein Thermoelement kann beispielsweise eine Prozesstemperatur von mehreren hundert Grad Celsius messen, während der Anschlusskopf aufgrund der geforderten Temperaturklasse deutlich kühler bleiben muss.
Auf die Oberflächentemperatur wirken mehrere Einflüsse:
- Prozesstemperatur
- Wärmeleitung über Schutzrohr und Halsrohr
- Umgebungstemperatur
- Eigenerwärmung des Transmitters
- Einbaulage und Luftzirkulation
- Wärmedämmung der Rohrleitung
Eine ausreichende Halslänge kann erforderlich sein, um den Anschlusskopf thermisch vom Prozess zu entkoppeln. Wird eine heiße Rohrleitung bis unmittelbar an den Kopf isoliert, kann die zulässige Gehäuse- oder Transmittertemperatur überschritten werden.
Die zulässige Temperaturklasse und die zugehörigen Betriebsbedingungen sind der vollständigen Kennzeichnung und der Ex-Zusatzbetriebsanleitung zu entnehmen.
Schutzrohr, Mantelwerkstoff und Prozessbelastung
Der Explosionsschutz ersetzt nicht die mechanische und chemische Auslegung der Messstelle. Schutzrohr oder Mantel müssen Druck, Strömung, Temperatur, Vibration und Prozessmedium dauerhaft standhalten.
Zu den wichtigen Auswahlkriterien gehören:
- Prozessdruck und mögliche Druckstöße
- Strömungsgeschwindigkeit
- Einbaulänge und Durchmesser
- Vibrations- und Resonanzbelastung
- Korrosion, Abrasion und Diffusion
- erforderliche Ansprechzeit
Ein langer und dünner Schutzrohrschaft verbessert nicht automatisch die Messung. In schnell strömenden Medien kann er einer erheblichen Biege- und Schwingungsbelastung ausgesetzt sein. Je nach Anwendung kann eine Schutzrohrberechnung erforderlich sein.
Die Medienverträglichkeit des Mantel- oder Schutzrohrwerkstoffs muss vom Anlagenbetreiber beziehungsweise anhand belastbarer Prozessdaten bestätigt werden.
Ausgleichsleitung, Polarität und Schirmung
Wird das Thermoelementsignal ohne Kopftransmitter übertragen, muss die passende Thermo- oder Ausgleichsleitung verwendet werden. Eine gewöhnliche Kupferleitung erzeugt zusätzliche Übergangsstellen und kann erhebliche Messfehler verursachen.
Wichtig sind:
- richtiger Leitungstyp für das Thermoelement
- korrekte Polarität
- geeignete Temperaturklasse der Leitung
- Ex-konforme Verlegung und Einführung
- Trennung von Leistungs- und Motorleitungen
- Schirmanbindung nach Anlagenkonzept
Die Farbkennzeichnung kann sich je nach angewendeter Norm unterscheiden. Deshalb sollte die Polarität nicht ausschließlich anhand einer vertrauten Kabelfarbe angenommen werden.
Bei einem Kopftransmitter wird das Thermoelementsignal nur über eine kurze Strecke innerhalb des Anschlusskopfes geführt. Ab dem Transmitter kann ein weniger störanfälliges 4–20-mA-Signal verwendet werden.
Kennzeichnung und Dokumentation
Für die Ex-Messstelle müssen die relevanten Unterlagen eindeutig der eingebauten Ausführung zugeordnet werden können. Dazu gehören typischerweise:
- Typenschild und vollständige Ex-Kennzeichnung
- EU-Konformitätserklärung
- ATEX- beziehungsweise IECEx-Zertifikat
- Betriebs- und Ex-Zusatzbetriebsanleitung
- elektrischer Nachweis des eigensicheren Stromkreises
- Anschluss- und Klemmenplan
- Werkstoff- und Prozessdaten
- Kalibrier- und Prüfbescheinigungen
Ein „X“ hinter einer Zertifikatsnummer weist auf besondere Bedingungen für die sichere Verwendung hin. Diese Bedingungen müssen bei Planung und Betrieb berücksichtigt werden.
Eine Kalibrierbescheinigung bestätigt messtechnische Eigenschaften. Sie ersetzt weder die Ex-Zulassung noch den Nachweis der korrekten Installation.
Was bei Umbauten zu beachten ist
Umbauten an einer Ex-Temperaturmessstelle dürfen nicht wie bei einem gewöhnlichen Sensor vorgenommen werden. Bereits kleine Änderungen können die zugelassene Konfiguration betreffen.
Kritische Änderungen sind beispielsweise:
- Klemmsockel durch einen anderen Transmitter ersetzen
- Kabelverschraubung oder Blindstopfen austauschen
- Anschlusskopf wechseln
- Halslänge oder Einbaulänge verändern
- anderes Thermoelement oder Doppelthermoelement einsetzen
- Schirmung oder Erdung verändern
- Barriere oder Speisetrenner austauschen
Vor einem Umbau muss geprüft werden, ob die neue Kombination vom Zertifikat und von der Herstellerdokumentation abgedeckt ist. Ist dies nicht der Fall, kann eine neue technische Bewertung oder eine andere zertifizierte Geräteausführung erforderlich werden.
Systematische Inbetriebnahme
- Messstelle identifizieren: Zone, EPL, Stoffgruppe und Temperaturklasse prüfen.
- Typenschild vergleichen: Kennzeichnung mit Planung und Zertifikat abgleichen.
- Mechanischen Einbau prüfen: Prozessanschluss, Einbaulänge, Schutzrohr und Halslänge kontrollieren.
- Anschlusskopf kontrollieren: Deckel, Dichtung, Kabelverschraubung und Blindstopfen prüfen.
- Verdrahtung prüfen: Thermoelementtyp, Polarität, Schirmung und Klemmenbelegung kontrollieren.
- Ex-Stromkreis nachweisen: Transmitter, Barriere und Leitungsparameter dokumentieren.
- Skalierung kontrollieren: Messbereich, Fehlerverhalten und SPS-Anzeige prüfen.
- Plausibilitätsprüfung durchführen: Messwert mit Prozesszustand oder Referenzmessung vergleichen.
- Dokumentation abschließen: Gerätedaten und Prüfergebnisse der Messstelle zuordnen.
Typische Auslegungs- und Anschlussfehler
| Fehler | Mögliche Folge | Bessere Vorgehensweise |
|---|---|---|
| Nur der Sensor besitzt eine Ex-Zulassung | Anschlusskopf oder Transmitter passt nicht zur Zone | Vollständige Gerätekonfiguration prüfen |
| Beliebige Kabelverschraubung montiert | Zündschutzart oder Schutzart wird aufgehoben | Zugelassene Verschraubung im passenden Klemmbereich verwenden |
| Temperaturklasse mit Messbereich verwechselt | Unzulässige Oberflächentemperatur am Anschlusskopf | Wärmeleitung und Umgebungstemperatur bewerten |
| Keine Berechnung des Ex-i-Stromkreises | Eigensicherheit ist nicht nachgewiesen | Elektrische Parameter einschließlich Leitung dokumentieren |
| Falsche Ausgleichsleitung eingesetzt | Temperaturabhängiger Messfehler | Leitung passend zum Thermoelementtyp auswählen |
| Polarität vertauscht | Messwert läuft in die falsche Richtung oder ist unplausibel | Klemmenkennzeichnung und Polarität prüfen |
| Rohrisolierung reicht bis an den Anschlusskopf | Transmitter- oder Gehäusetemperatur wird überschritten | Ausreichende thermische Entkopplung vorsehen |
| Transmitter nachträglich ungeprüft ersetzt | Zulassung und Stromkreisnachweis stimmen nicht mehr | Nur dokumentierte und freigegebene Konfiguration einsetzen |
Praxisbeispiel: Temperaturmessung an einem Reaktor
An einem chemischen Reaktor soll die Produkttemperatur bis 450 °C gemessen werden. Die Messspitze befindet sich prozessseitig in einem Bereich mit hohen Anforderungen an das Geräteschutzniveau, während der Anschlusskopf in Zone 1 montiert ist.
Vorgesehen wird ein Prozess-Thermoelement Typ K mit geeignetem Schutzrohr und einer ausreichend langen Halsverlängerung. Dadurch bleibt der Anschlusskopf trotz der hohen Prozesstemperatur innerhalb seines zulässigen Umgebungstemperaturbereichs.
Im Kopf wird ein für das Thermoelement und die Ex-i-Anwendung zugelassener 4–20-mA-Transmitter montiert. Die Stromschleife führt über einen galvanischen Ex-Speisetrenner zur SPS.
Bei der Prüfung der ursprünglichen Planung zeigt sich, dass die Rohrisolierung bis unmittelbar unter den Anschlusskopf geführt werden sollte. Dadurch wäre mit einer deutlich erhöhten Gehäusetemperatur zu rechnen gewesen. Die Isolierung wird deshalb angepasst und die Halslänge nochmals thermisch bewertet.
Vor der Inbetriebnahme werden Typenschild, Zertifikate, besondere Bedingungen, Transmitterparameter, Speisetrenner und Leitungsdaten dokumentiert. Anschließend erfolgt eine Plausibilitätsprüfung der vollständigen Messkette.
Das Beispiel zeigt, dass nicht nur die elektrische Eigensicherheit entscheidend ist. Auch die Wärmeübertragung aus dem Prozess kann die zulässige Ex-Ausführung beeinflussen.
Welche Messgeräte / Produkte eignen sich?
In der Kategorie Thermoelemente finden Sie unterschiedliche Sensorbauformen für Prozessindustrie, Maschinenbau und Hochtemperaturanwendungen.
Passende Kopf- und Schienentransmitter sowie Zubehör stehen in der Kategorie Temperatur-Messumformer und Zubehör für Temperaturfühler zur Verfügung.
WIKA TC12-B und TC12-M für Prozessanwendungen
Die WIKA Thermoelemente TC12-B und TC12-M sind für den Einbau in ein Schutzrohr beziehungsweise ein Basismodul vorgesehen.
Je nach Konfiguration sind unterschiedliche Anschlussköpfe, Transmitter und Ex-Ausführungen möglich. Für die Auswahl müssen Prozessanschluss, Schutzrohr, Zone, EPL, Temperaturklasse und gewünschtes Ausgangssignal vollständig festgelegt werden.
SITRANS TS500 für modulare Prozessmessstellen
Der SITRANS TS500 Typ 3G ist ein modular aufgebauter Temperaturfühler mit Verlängerung für industrielle Prozessanwendungen.
Je nach Ausführung stehen eigensichere und druckfest gekapselte Varianten mit ATEX- beziehungsweise IECEx-Zulassung zur Verfügung.
Gerade Thermoelemente mit Anschlusskopf
Die geraden Thermoelemente nach EN 50446 eignen sich mit metallischem Schutzrohr für industrielle Hochtemperaturmessungen und können mit einem eingebauten Temperaturmessumformer geliefert werden.
Ob eine Ex-Ausführung verfügbar und für die konkrete Zone geeignet ist, muss anhand der vollständigen Konfiguration geprüft werden.
WIKA T16 für Thermoelemente und 4–20 mA
Der WIKA T16 verarbeitet Signale gängiger Thermoelemente und wandelt sie in ein 4–20-mA-Signal um.
Für explosionsgefährdete Bereiche stehen entsprechende Ex-Ausführungen zur Verfügung. Maßgeblich sind die konkrete Bestellvariante, die eigensicheren Anschlusswerte und die zulässige Einbausituation.
ICS Schneider Messtechnik unterstützt bei der Auslegung der vollständigen Temperaturmessstelle. Benötigt werden Thermoelementtyp, Messbereich, Prozessmedium, Druck, Strömung, Einbaulänge, Zone, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse, Umgebungstemperatur, Zündschutzart und gewünschtes Ausgangssignal.
Fazit: Der Explosionsschutz gilt für die vollständige Temperaturmessstelle
Ein Thermoelement im Ex-Bereich muss als vollständiges System betrachtet werden. Sensor, Schutzrohr, Anschlusskopf, Transmitter, Kabelverschraubung, Leitung und Ex-Barriere müssen gemeinsam zur vorgesehenen Zone und Zündschutzart passen.
Bei eigensicheren Stromkreisen sind die elektrischen Sicherheitsparameter aller beteiligten Komponenten einschließlich der Leitung nachzuweisen. Bei druckfest gekapselten Ausführungen dürfen Gehäuse, Gewinde und Kabeleinführungen nicht beliebig verändert werden.
Die Temperaturklasse beschreibt die zulässige Oberflächentemperatur und nicht den Messbereich des Thermoelements. Hohe Prozesstemperaturen, Wärmedämmung und eine zu kurze Halsverlängerung können den Anschlusskopf unzulässig erwärmen.
Auch Schutzrohrwerkstoff, Strömungsbelastung, Ausgleichsleitung, Polarität und mechanischer Einbau beeinflussen die Sicherheit und Messqualität.
Umbauten sollten deshalb nur nach Prüfung der Zertifikate und Herstellerunterlagen erfolgen. Eine sauber dokumentierte Gesamtauslegung verhindert, dass eine vermeintlich kleine Änderung die Ex-Eignung der Messstelle aufhebt.
Häufige Fragen zu Thermoelementen im Ex-Bereich
Benötigt jedes Thermoelement im Ex-Bereich eine eigene ATEX-Zulassung?
Das hängt von Sensoraufbau, Zündschutzart und Gerätekonfiguration ab. Entscheidend ist der dokumentierte Nachweis der vollständigen Messstelle für die vorgesehene Zone.
Kann ein Thermoelement direkt an eine Ex-Barriere angeschlossen werden?
Das ist nur möglich, wenn Eingang, Stromkreis und Sensorausführung dafür vorgesehen und entsprechend bewertet sind. Häufig wird stattdessen ein Ex-i-Kopftransmitter verwendet.
Was ist der Vorteil eines Kopftransmitters?
Er übernimmt Kaltstellenkompensation und Linearisierung und wandelt das empfindliche Thermoelementsignal in ein robusteres 4–20-mA-Signal um.
Darf ein normaler Transmitter in einen Ex-Anschlusskopf eingebaut werden?
Nicht automatisch. Transmitter, Kopf und Einbaukonfiguration müssen von der Zulassung und Herstellerdokumentation abgedeckt sein.
Ist die Temperaturklasse gleich dem maximalen Messbereich?
Nein. Die Temperaturklasse begrenzt die Oberflächentemperatur des Geräts. Das Thermoelement kann je nach Ausführung deutlich höhere Prozesstemperaturen messen.
Warum ist die Halslänge bei hohen Temperaturen wichtig?
Sie reduziert die Wärmeleitung vom Prozess zum Anschlusskopf und schützt Transmitter, Kabelverschraubung und Gehäuse vor unzulässig hohen Temperaturen.
Kann eine gewöhnliche Kupferleitung als Verlängerung verwendet werden?
Bei direkter Thermoelementübertragung ist eine passende Thermo- oder Ausgleichsleitung erforderlich. Kupferleitungen können zusätzliche Messfehler verursachen.
Welche Angaben benötigt ICS Schneider für die Auslegung?
Benötigt werden Zone, EPL, Gas- oder Staubgruppe, Temperaturklasse, Prozess- und Umgebungstemperatur, Medium, Druck, Einbausituation, Thermoelementtyp, Zündschutzart, Ausgangssignal und vorhandene Barriere beziehungsweise SPS-Eingangskarte.
